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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Zur „Karriere“ der Phytoöstrogene

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In der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 6 / 2010) beschreibt Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Rostock sehr anschaulich die „Entwicklungsgeschichte“ der Phytoöstrogen-Thematik:

„Der isoflavonhaltige Tofu wurde schon vor 1000 Jahren als diätetisches Mittel und wichtiger Ernährungsbestandteil in der chinesischen Medizin erwähnt; sie empfiehlt ihn bei Kraftlosigkeit, chronischem Husten und Blasenentzündungen. Mit den epidemiologischen Untersuchungen Anfang des letzten Jahrzehnts brach dann ein richtiggehender »Hype« aus. Denn die Ergebnisse zeigten, dass bei in Asien lebenden Frauen nicht nur weniger Wechseljahressymptome auftraten, sondern auch die Inzidenz von Brustkrebs deutlich geringer war. Man vermutete, dass der reichliche Genuss von isoflavonhaltigen Produkten dafür verantwortlich sein könnte. Diese Erkenntnisse kamen genau zu dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass die Hormonersatztherapie bei Frauen in den Wechseljahren erhebliche Risiken mit sich bringt.“

Kommentar:

Dass die Unterschiede im Auftreten von Brustkrebs zwischen Frauen in Europa und Asien zur Forschungen nach den zugrunde liegenden Ursachen motivierte liegt auf der Hand.

Interessanterweise werden diese Differenzen in der Soja-Literatur mit dem unterschiedlichen Soja-Konsum, in der Grüntee-Literatur dagegen mit dem unterschiedlichen Grüntee-Konsum erklärt.

Die Debatte um die Hormonersatztherapie führte dann tatsächlich zur intensiven Suche nach Alternativen auf der Basis von Phytoöstrogenen. Dabei stehen hauptsächlich die Isoflavone (aus Soja, Rotklee) und die Lignane (aus Leinsamen) im Zentrum.

Karin Kraft fährt weiter:

„Damit gerieten als Phytoöstrogene wirkende Inhaltsstoffe aus den unterschiedlichsten Pflanzen in den Fokus. Noch bevor entsprechende klinische Studien vorlagen, wurden bereits unzählige Produkte aus Phytoöstrogenen verschiedenster Provenienz mit Arzneimittel- oder Nahrungsergänzungsmittelstatus vermarktet, um Wechseljahresbeschwerden zu lindern oder z.B. einer Gewichtszunahme, der Arteriosklerose, Demenz, Osteoporose und Krebs vorzubeugen. Zudem stieg der Verbrauch von Nahrungsmitteln auf Sojabasis beispielsweise in den USA in den vergangenen Jahren deutlich an. Mittlerweile ist eine unüberschaubare Menge an Publikationen entstanden. Allein in der Datenbank Pubmed sind gegenwärtig unter dem Stichwort »phytoestrogen« 847 Reviews und 323 klinische Studien verfügbar – mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen.“

Kommentar:

Aus dieser Schilderung geht sehr deutlich hervor, wie ein Mittel wie Soja für immer mehr Anwendungsbereiche propagiert wird (Indikationslyrik). Aufgabe von Fachleuten ist es in solchen Fällen, im kritischen Diskurs zu unterscheiden, was „Hand-und-Fuss“ hat und was nicht.

Beim Thema „Soja“ gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass für den Schutz vor Brustkrebs die Soja-Einnahme während der Kindheit relevant ist – wovon man in Asien ausgehen kann. Das würde aber heissen, dass eine Prävention durch Soja-Konsum einer Europäerin im Alter von 40 nichts mehr bringen würde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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