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Offene Gesellschaft oder geschlossene Gesellschaft – wohin geht die Reise?

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Weltweit sind offene, liberale Demokratien unter Druck geraten durch Linkspopulismus und Rechtspopulismus, iliberale Demokratien und autokratische Regime. Karl Poppers Unterscheidung zwischen einer offenen Gesellschaft und einer Geschlosssenen Gesellschaft gibt wertvolle Anregungen zur Verteidigung der offenen, liberalen Demokratie.

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Bockshornkleesamen senken Blutzuckerspiegel und Cholesterinwerte

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Bockshornkleesamen reduzieren den Blutzuckerspiegel und die Cholesterinwerte. Für diese Anwendungsbereiche wird Bockshornkleesamen auch von der ESCOP empfohlen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Was sind ESCOP-Monografien?

 

Insbesondere die blutzuckersenkenden Effekte sind wissenschaftlich durch verschiedene experimentelle und klinische Studien belegt.

Die „Grüne Apotheke“ beschreibt eine Studie bei Diabetes Typ I (insulinpflichtiger Diabetes):

„Zehn Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes erhielten in einer randomisierten Cross-over-Studie über einen Zeitraum von zehn Tagen zweimal täglich 50 g Bockshornkleesamenpulver mit der Nahrung. Es konnte eine deutliche Senkung der Blutzuckerspiegel erreicht werden. Die Blutspiegel von HDL-Cholesterin (dem ‚guten’ Cholesterin) und Insulin blieben unverändert.“

Und zum Diabetes Typ II (nicht insulinpflichtiger Diabetes, Altersdiabetes):

„In mehreren klinischen Studien mit jeweils zweimal 12,5 g pulverisierten Bockshornkleesamen wurden die Wirksamkeit an insgesamt mehr als 70 Patienten und 16 Kontrollpersonen gezeigt. Der Behandlungszeitraum betrug zwischen 3 und 24 Wochen. Es konnte eine deutliche Senkung der Blutzuckerspiegel und der Cholesterinwerte erreicht werden. Weitere Studien wurden mit anderen Dosierungen durchgeführt.“

Als Dosierung empfiehlt die „Grüne Apotheke“ zur Cholesterinsenkung und Blutzuckersenkung die Einnahme von 25 g pulverisierte Bockshornkleesamen pro Tag.

Quelle: „Die Grüne Apotheke“

 

Kommentar & Ergänzung:

Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) wächst verbreitet im südlichen Europa, in Afrika, Indien, China, Australien sowie im Nahen Osten. Die Pflanze hat eine lange Kulturgeschichte hinter sich. Sie wird schon seit langem in der traditionellen Pflanzenheilkunde eingesetzt und in der Küche verwendet, unter anderem als Bestandteil von Currymischungen. Die Bockshornkleesamen sind ein traditionelles Gewürz der indischen und arabischen Küche.

Die Bockshornkleesamen enthalten etwa 20 – 45 % Schleimstoffe. Sie verlangsamen möglicherweise im Darm nach den Mahlzeiten die Aufnahme von Zucker zu und wirken dadurch Blutzuckerspitzen entgegen. Und wahrscheinlich sind sie auch beteiligt an der Senkung der Cholesterinwerte – durch Hemmung der Gallensäure-Rückresorption aus dem Darm. Schleimstoffe in grösseren Mengen können aber auch die Aufnahme von Arzneistoffen aus dem Darm reduzieren und sollten daher nicht gleichzeitig mit Medikamenten genommen werden.

Experimente mit Ratten deuten darauf hin, dass für die Reduktion des Blutzuckers auch ein bestimmter Inhaltsstoff der Bockshornkleesamen verantwortlich ein könnte – das 4-Hydoxy-Isoleucin. Allerdings ist völlig unklar, ob diese experimentellen Ergebnisse auf Diabetes-Kranke übertragen werden können.

Siehe:

Bockshornklee in der Diabetesbehandlung

Die Studien, die in der „Grünen Apotheke“ beschrieben werden, sind bezüglich der Probandenzahl klein und daher von begrenzter Aussagekraft. Für ein Produkt wie Bockshornkleesamen, das sich nicht patentieren lässt, wird sich aber wohl kaum ein Sponsor finden für richtig grosse, teure Patientenstudien. Immerhin ist Bockshornkleesamenpulver aber billig und lässt sich zusammen mit anderen Schleimstoffen gut in die Ernährung einbauen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Antidepressiva meist ungeeignet für Jugendliche

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Eine im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichte Metastudie kommt zum Schluss, dass Antidepressiva bei schwer depressiven Kindern und Jugendlichen weitgehend wirkungslos sind. Der Wirkstoff Venlafaxin habe suizidale Tendenzen sogar verstärkt.

Die gängigen Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen sind bei schwer depressiven Kindern und Jugendlichen weitgehend wirkungslos. In Einzelfällen könnten Antidepressiva sogar suizidale Tendenzen der minderjährigen Patienten steigern, heißt es in der Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams, das im Fachblatt „The Lancet“ publiziert wurde.

Für die Metastudie hatten die Forscher die Befunde aus 34 klinischen Studien an mehr als 5000 Patienten im Alter zwischen neun und 18 Jahren ausgewertet. Dabei wurden 14 verschiedene Antidepressiva einbezogen: Amitriptylin, Citalopram, Clomipramin, Desipramin, Duloxetin, Escitalopram, Fluoxetin, Imipramin, Mirtazapin, Nefazodon, Nortriptylin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin. Die Wissenschaftler bewerteten für jeden Wirkstoff die Effektivität, die Verträglichkeit, die Akzeptanz sowie schwere damit in Verbindung stehende Schäden, etwa suizidale Gedanken oder Suizidversuche.

Nur das Antidepressivum Fluoxetin zeigte bei der Behandlung der Minderjährigen ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Metastudie. Der ebenfalls zur Depressionsbehandlung eingesetzte Wirkstoff Venlafaxin habe sogar stärker zu ausgeprägten Suizidgedanken geführt. Weitere Antidepressiva seien weitgehend wirkungslos geblieben.

Das internationale Autorenteam um Dr. Andrea Cipriani von der University of Oxford und Dr. Xinyu Zhou von der Chongqing University in China schreibt:

»Die Behandlung mit Antidepressiva scheint Kindern und Jugendlichen mit einer akuten Major Depression keinen klaren Vorteil zu bieten. Fluoxetin ist wahrscheinlich die beste Option, die bei einer Indikation für eine Pharmakotherapie in Betracht gezogen werden sollte.«

Die Wissenschaftler empfehlen, junge Patienten unabhängig vom eingesetzten Wirkstoff eng zu überwachen, vor allem zu Beginn einer antidepressiven Pharmakotherapie.

Die Forscher kritisierten zudem die schlechte Datenlage:

Von den untersuchten Studien waren 22 (65 Prozent) von Pharmaherstellern gesponsert, zehn hatten nach Kriterien der Cochrane Collaboration ein hohes Risiko für Verzerrung, 20 ein mittleres und nur vier ein niedriges. In einer Pressemitteilung kritisierte Cipriani den fehlenden Zugang zu Patientendaten: »Ohne diesen ist es schwierig, die Effekte präzise abzuschätzen. Wir können nicht sicher sein, dass die Informationen in den publizierten und nicht veröffentlichten Studien tatsächlich korrekt sind.«

in einem begleitenden Kommentar zur Studie schreibt Jon Jureidini von der University of Adelaide in Australien, die Häufigkeit von Nebenwirkungen werde möglicherweise aufgrund von falscher Codierung unterschätzt. Antidepressiva seien deshalb für Kinder und Jugendliche vermutlich gefährlicher und weniger effektiv als bislang angenommen, was möglicherweise auch für Fluoxetin gelte. Auch Jureidini fordert eine umfassende Publikation aller Studiendaten. »Der Behauptung, dass der Zugang zu diesen Daten geistiges Eigentum und die Privatsphäre der Patienten verletzt, muss entschieden widersprochen werden.«

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5007514/Antidepressiva-eignen-sich-nicht-fur-Jugendliche?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63863

 

Die Studie in „The Lancet“:

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2816%2930385-3/abstract

 

Kommentar & Ergänzung:

Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Antidepressiva in manchen Situationen sinnvoll und notwendig sein können.

Das Beispiel zeigt aber, wie wichtig Metastudien sind, um zu differenzierteren Erkenntnissen zu gelangen.

Bei Metastudien werden alle auffindbaren klinischen Studien zu einer Fragestellung, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, zusammenfassend ausgewertet.

Damit soll im Vergleich zu einzelnen Studien eine fundiertere Aussage gewonnen werden.

Es gibt eine ganze Reihe von unwirksamen Therapien, die sich in der Medizin weiterhin halten.

Allerdings ist es auch eine Stärke der Medizin, dass Therapien immer wieder überprüft und kritisch unter die Lupe genommen werden – zum Beispiel durch Metastudien.

So können Irrtümer entdeckt und Therapien verbessert werden. Das ist ein Pluspunkt für die Medizin. Alternativmedizin und Komplementärmedizin tun sich dagegen in der Regel sehr schwer mit kritischer Überprüfung. Das machte es schwieriger, Irrtümer zu erkennen und Methoden weiterzuentwickeln.

Siehe auch:

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde!

Komplementärmedizin – mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Goji, Chia, Açaí & Co. – Fragwürdiger Superfood-Import

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Dem sogenannten Superfood werden allerlei positive Wirkungen nachgesagt – jünger, schöner, fitter und gesünder soll er uns machen.

Wissenschaftliche Studie, die das belegen könnten, existieren allerdings nicht. Und es gibt einheimische Lebensmittel, die mindestens gleichwertig sind.

Goji-Beeren aus China, Chia-Samen aus Mexico oder Açaí-Beeren aus Brasilien sind zwar durchaus gesund. Das trifft jedoch auch für einheimische Lebensmittel zu. Der Ernährungswissenschaftler Jürgen König von der Universität Wien sagt, dass wir zu all diesen sogenannten Superfoods zumindest eine europäische Alternative haben.

Den hohen Vitamin-C-Gehalt der Acaí-Beeren finde man auch im einheimischen Sanddorn. Auch die Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe, die in den Chia-Samen stecken, seien keine exotische Besonderheit: „Die besonderen Dinge, die im Chia drin sind, finden wir genauso in unserem traditionellen Leinsamen. Nur der ist halt aus der Mode gekommen.“

Was die Goji-Beeren für europäische Konsumenten besonders attraktiv mache, sei der Gehalt an Flavonoiden. Diese sekundären Pflanzenstoffe sollen antioxidative und damit verjüngende Wirkungen haben, indem sie freien Radikalen entgegenwirken. Die Flavonoide finde man jedoch nicht nur in chinesischen Gojis, sondern in gleicher Konzentration auch in den einheimischen Heidelbeeren. Hinzu komme, dass die positive Wirkung dieser Pflanzenstoffe durch keine Studie belegt werden konnte.

Der Absatz der exotischen Superfoods steigt allen Widersprüchen zum Trotz in Europa laufend an.

Auch wenn zu gesundheitssteigernden Wirkungen dieser Lebensmittel keine wissenschaftliche Evidenz vorliegt und die Produzenten infolgedessen damit auch nicht werben dürfen, verbreiten sich die zugehörigen Mythen rasch unter interessierten Konsumenten.

Superfood zu kaufen liegt eindeutig im Trend: Seit 2012 hat sich zum Beispiel die Einfuhr von Chia-Samen aus Südamerika fast verfünffacht.

Der Ausdruck „Superfood“ ist zwar relativ neu, die Versprechungen, die mit solchen vermeintlich superpotenten Lebensmitteln verbunden werden, sind es aber nicht. Ob Quinoa (die glutenfreie „Andenhirse“), Papaya oder Avocado – auch diesen Nahrungsmitteln wurden bei der Markteinführung in Europa regelrechte Superkräfte zugeschrieben.

Das sei einfach die Hoffnung der Menschen, neue Lebensmittel mit besonderen Erwartungen zu verbinden, erklärt Jürgen König dazu. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hat er nichts gegen das exotische Superfood einzuwenden. Wer sich Abwechslung auf dem Speiseplan wünsche, könne Goji, Chia und Co. bedenkenlos konsumieren.

Ernährungsphysiologisch notwendig sei das aber nicht.

Was die Beeren und Samen aus Übersee jedoch miteinander verbindet, sind die langen Transportwege. Denn diese Produkte kommen beinahe vollständig aus Asien und Südamerika. Bezüglich ökologischem Fußabdruck schneiden diese Nahrungsmittel also schlechter ab als etwa lokale Bioprodukte.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1765614/

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Leinsamen wäre noch zu ergänzen, dass man sie schroten muss, damit die wertvollen Inhaltsstoffe verdaut und aufgenommen werden können.

Gegen Verstopfung funktioniert der Leinsamen aber auch ungeschrotet. Die Schleimstoffe sitzen in den Randschichten und kommen auch aus den ganzen Leinsamen heraus.

Siehe dazu auch:

Chia-Samen sind gesund und teuer – aber Leinsamen sind ebenso gesund und billiger

Heidelbeeren: Anthocyane im Verdauungstrakt

 

Açaí, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren?

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/05/17/acai-goji-und-maqui-die-neuen-wunderbeeren.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

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Ingwerpulver scheint Schmerzen bei Frauen mit Menstruationsbeschwerden (primärer Dysmenorrhö) zu lindern. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von sieben kontrollierten Studien.

Mit NSAR (Schmerzmittel) gelingt es eigentlich zahlreichen Frauen ganz gut, die Menstruationsschmerzen zu lindern.

Ein Viertel der Frauen spreche allerdings auf Dauer nicht genügend auf solche Arzneimittel an, anderen wiederum machten Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zu schaffen. Das schreiben Dr. James Daily vom gleichnamigen US-amerikanischen Vitamin- und Kräuterpräparate-Händler in Rockwell sowie Ernährungswissenschaftler der Universität in Asan in Südkorea in einer Metastudie (Pain Med 2015, online 14. Juli).

Der Unternehmer und die Wissenschaftler haben die englischsprachige, chinesische und koreanische Fachliteratur nach Studien durchsucht, in denen Ingwerpulver zur Linderung der Regelschmerzen eingesetzt wurde.

Die Forscher berücksichtigten für ihre Untersuchung nur randomisiert-kontrollierte Studien zu primärer Dysmenorrhö unter der Bedingung, dass die Schmerzen mit einer visuellen Analogskala erfasst worden waren.

Sieben Studien mit insgesamt 651 Frauen im Alter von über 18 Jahren erfüllten diese Voraussetzungen. Davon wurden zwei Studien als qualitativ hochwertig bewertet – die Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen und Fehlannahmen sei hier klein. Vier Studien bescheinigten die Forscher eine moderate und einer eine geringe Qualität.

Sechs Studien wurden im Iran durchgeführt, eine in Indien. Fünf Studien verglichen Ingwerpulver gegen Placebo, eine gegen Placebo und Zinksulfat und eine gegen zwei verschiedene NSAR.

Durchschnittlich erhielten die Frauen in den Verumgruppen zwischen 0,75 und 2 g Ingwerpulver pro Tag über die ersten drei bis vier Tage des Zyklus hinweg. Die Studien erstreckten sich meist über zwei Monatszyklen.

Wegen qualitativer Mängel berücksichtigten die Autoren für die Beurteilung der Wirksamkeit nur vier Studien mit zusammen 494 Patientinnen.

In diesen vier Studien konnten die Beschwerden dann auf der 10-Punkte-Analogskala mit Ingwerpulver im Schnitt um 1,9 Punkte signifikant stärker reduziert werden als in den Kontrollgruppen.

Nach Ausschluss einer Studie, in der die Kontrollgruppe an speziellen Übungen teilnahm, reduzierte Ingwerpulver in den verbliebenen drei Studien die Schmerzen um 2,6 Punkte besser als Placebo. Zu diesen drei Studien zählten immerhin die beiden qualitativ hochwertigen Untersuchungen.

Nebenwirkungen der Behandlung wurden nur in einer der Studien festgestellt. Es wurde dabei berichtet von vermehrtem Auftreten von Kopfschmerzen und Sodbrennen – allerdings sowohl in der Verum- als auch in der Kontrollgruppe. Drei der Studien hatten sich gar nicht die Mühe gemacht, Nebenwirkungen zu erfassen, und in drei Studien wurden keine Nebenwirkungen beobachtet.

In den Studien mit einem aktiven Kontrollmedikament habe Ingwerpulver eine vergleichbar gute Wirksamkeit gezeigt wie herkömmliche Schmerzmittel, schreiben Daily und Ko-Autoren.

Trotz verschiedener Einschränkungen wie kleiner Probandenzahl sehen sie in ihren Resultaten Hinweise auf eine deutliche Schmerzlinderung durch Ingwerpulver. Da in den Studien kein Dosiseffekt zu erkennen war, raten sie mit 0,75 g/Tag anzufangen und die Dosis bei Bedarf zu steigern.

Der Ingwerwurzelstock enthält als Inhaltsstoffe Gingerole und Shoagole

Die Gingerole bewirken eine Hemmung der Expression des Enzyms Cyclooxygenase 2. Shoagole beeinflussen Ionenkanälen, die eine wichtige Rolle bei Schmerzen haben. Dies könnte einen schmerzlindernden Effekt von Ingwer erklären.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/894546/metaanalyse-ingwer-lindert-regelschmerzen.html

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist eine interessante Heilpflanze. Die Phytotherapie verwendet Ingwer vor allem gegen Übelkeit und Erbrechen – zum Beispiel bei Reisekrankheit (Kinetosen), während Chemotherapie und nach Operationen.

Ingwer wird aber auch seit langem schon eingesetzt zur Linderung von Verdauungsbeschwerden und Erkältungskrankheiten.

Diese Metastudie zur Linderung von Menstruationsbeschwerden durch Ingwerpulver ist bemerkenswert, auch wenn eine ganze Reihe von offenen Fragen bleiben.

Dieser Kräuterpräparate-Hersteller steht etwas gar zu stark im Zentrum der Metastudie, was Fragen aufwirft bezüglich der Unabhängigkeit

Zudem kommen sechs von sieben erfassten Studien aus dem Iran. Das erinnert mich an eine Bemerkung von Roman Huber, Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, in einem Interview: „Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“ (Das ganze Interview handelt von der Passionsblume und ist hier nachzulesen).

Auffällig ist zudem, dass sich kein Dosiseffekt zeigt. Normalerweise wäre bei höherer Dosierung ein stärkerer Effekt zu erwarten.

Trotz aller Einwände und Schwächen: Wenn ich Menstruationsbeschwerden hätte – was natürlich nicht der Fall ist – dann würde ich Ingwerpulver wahrscheinlich ausprobieren. Teuer ist diese Anwendung nicht. Ingwerpulver ist auch in Kapselform im Handel (zum Beispiel als Zintona® mit 0,25 g Ingwerpulver pro Kapsel). Ein allfälliger Effekt müsste sich rasch zeigen, nicht erst bei Langzeitgebrauch. Ich würde zwei Tage vor der erwarteten Menstruation mit der Einnahme beginnen und damit fortfahren, solange die Beschwerden anhalten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Baikal-Helmkraut gegen Krebs?

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Ich bin an Kursen schon mehrmals angesprochen worden auf die Frage, ob das Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis) gegen Krebs wirksam sei.

Das Baikal-Helmkraut ist in Sibirien beheimatet – zum Beispiel eben am Baikalsee) – und seine weitere Verbreitung reicht bis nach China.

Im Internet wird dem Baikal-Helmkraut oft eine Wirkung gegen Krebs zugeschrieben.

Geht man der Sache auf den Grund, stellen sich aber eine ganze Reihe von Fragen, die noch offen sind.

Wir haben hier ein Problem, das oft anzutreffen ist:

Es gibt eine Reihe von Laboruntersuchungen mit Inhaltsstoffen aus dem Baikal-Helmkraut, insbesondere zur Substanz Wogonin, einem Flavonoid, das in der Wurzel der Pflanze vorkommt.

So meldet zum Beispiel das Deutsche Krebsforschungszentrum:

„Die Substanz Wogonin löst in Tumorzellen das Todesprogramm Apoptose aus, hat auf gesunde Zellen jedoch so gut wie keinen Effekt.“

Quelle:

https://idw-online.de/de/news240617

Das tönt sehr interessant und beinahe ideal. Die grosse Frage ist aber: Funktioniert das auch so gut im lebendigen Organismus bei Krebskranken?

Ergebnisse aus Versuchen an Zellen und in Tiermodellen lassen sich nicht einfach auf den Menschen übertragen.

Da stellen sich in solchen Fällen immer noch sehr viele Fragen. Beispielsweise:

Wird die Substanz aus dem Verdauungstrakt in wirksamer Menge aufgenommen? Was ist überhaupt die wirksame Menge im Organismus? Ist diese Menge erreichbar über den Verdauungstrakt? Oder muss die Substanz injiziert werden?

Und wenn eine Anwendung als Kräutertee ins Auge gefasst wird:

Ist die Substanz überhaupt genug wasserlöslich, wenn sie als Tee zugeführt werden soll? Ist ein Teeaufguss geeignet, oder muss die Reinsubstanz verwendet werden?

Nur klinische Studien am Menschen könnten fundierte Aussagen liefern über einen konkreten Nutzen von Wogonin bzw. von Baikal-Helmkraut in der Krebstherapie. Gäbe es überzeugende klinische Studien, dann wären sie mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Phytotherapie-Fachliteratur zu finden. Dort findet man aber nur sehr magere Angaben zu dieser Pflanze.

Das deutet darauf hin, dass wir noch recht weit entfernt sind von einer Anwendung bei Krebskranken mit gesichertem Nutzen – falls es überhaupt soweit kommt.

So spannend die Forschung zum Baikal-Helmkraut auch ist: Im Internet wimmelt es von Empfehlungen, die vorschnell von positiven Laborergebnissen auf entsprechende Wirkungen beim kranken Menschen schliessen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gut geprüfte Phytopharmaka behaupten ihren Platz unter den Arzneimitteln

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Dass gut geprüfte, evidenzbasierte Phytopharmaka ihren festen Platz im Arzneimittelsortiment haben, weil sie zuverlässig wirken und nicht zufällig, zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion unter Leitung von Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt, an der Pharma World.

Auf dem Podium wirkten mit Professor Dr. Michael Habs von der Dr. Willmar Schwabe GmbH, Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main und Dr. Harel Seidenwerg von Bionorica Deutschland.

Professor Habs unterstrich die Bedeutung universitärer und klinischer Forschung: Empathie müsse sich mit Wissenschaftlichkeit verbinden, damit die rationale Phytotherapie eine Zukunft habe.

Prof. Dingermann wies auf die Vielfalt der Produkte hin.

Vielfach spreche man einfach nur von Baldrian- oder Johanniskraut-Produkten. Der relevante pharmazeutische Rohstoff sei jedoch die Droge (= die getrocknete Heilpflanze), aus dem in einem speziellen Prozess ein Extrakt hergestellt wird, der als Wirkstoff gilt. Dieser Prozess ermöglicht gemäss Dingermann ein «Höchstmaß an Komplexität» und führe zu sehr heterogenen Produkten.

Schubert-Zsilavecz stellte fest, dass infolge der wissenschaftlichen Prüfung von Phytopharmaka diese vermehrt Aufnahme in aktuelle Therapieleitlinien finden.

Professor Habs begrüßte diese Entwicklung und sagte, dass kein Weg an guter Forschung vorbei führe, um in Leitlinien zu kommen.

Nach Habs liegt ein großer Wachstumsmarkt für Phytopharmaka in China, Indien oder Ländern in Südamerika.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60002

Kommentar & Ergänzung:

Mit Bionorica und Willmar Schwabe waren auf diesem Podium zwei führende forschende Phytopharmaka-Hersteller vertreten und mit Professor Dingermann eine Top-Koryphäe der universitären Arzneipflanzenforschung.

Insofern ist es keine Überraschung, dass sich die Herren für die Phytopharmaka-Forschung stark machen.

Erläuterung verdient der Hinweis von Dingermann auf die Vielfalt der Phytopharmaka.

Tatsächlich gibt es grosse Qualitätsunterschiede bei Präparaten aus Heilpflanzen. Wo zum Beispiel „Baldrian“ draufsteht, kann sehr unterschiedlich viel Baldrian drin sein. Auf die Beratung in Apotheken oder Drogerien kann man sich diesbezüglich meiner Erfahrung nach sehr oft nicht verlassen. Es wird häufig nicht das am besten wirkende Präparat verkauft, sondern entweder das lukrativste, oder einfach das Lieblingspräparat der Verkaufsperson. X-mal erlebt.

Deshalb ist es mir wichtig, in meinen Weiterbildungen und Ausbildungen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Heilpflanzen-Präparaten zu vermitteln, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, die Qualität selber zu beurteilen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kudzuwurzel (Pueraria lobata) gegen „Kater“ nach übermässigem Alkoholkonsum?

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Die Kudzuwurzel (Pueraria lobata) wird im Westen als Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung eines „Katers“ nach übersteigertem Alkoholkonsum propagiert. Die Wirksamkeit für diesen Anwendungsbereich ist aber nicht durch Studien belegt.

Im Gegensatz zu den Kudzublüten handelt es sich bei dieser Empfehlung der Kudzuwurzel auch nicht um eine traditionelle Anwendung bei Alkoholvergiftungen. In China werden nämlich die Kudzublüten traditionellerweise bei Alkoholvergiftungen und Alkoholmissbrauch eingesetzt. Kudzublüten sollen gemäss Literaturangaben die Elimination von Acetaldehyd beschleunigen.

Die Kudzuwurzel ist dagegen eine der ältesten Heilpflanzen in der traditionellen chinesischen Medizin und wird dort zur Behandlung von Fieber, Diarrhö, Durst, Diabetes oder arterieller Hypertonie eingesetzt. Wegen ihres reichen Gehalts an Isoflavonen, hauptsächlich Puerarin und Daidzein, soll die Kudzuwurzel auch östrogenartige Eigenschaften besitzen.

Einzelne Pilotstudien mit geringer Teilnehmerzahl weisen darauf hin, dass die Kudzuwurzel möglicherweise den Alkoholkonsum verringern könnte, nicht aber das Verlangen nach Alkohol oder das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen. Der Inhaltsstoff Daidzein hemmt die Acetyldehydrogenase. Im Rahmen der Pilotstudien konnte jedoch kein Antabuseffekt festgestellt werden. Ein solcher könnte sich allenfalls nach längerer Anwendung einstellen.

Die Kudzuwurzel scheint kaum giftig zu sein. Bei anderen Pueraria-Arten wurden allerdings lebertoxische und foetotoxische Wirkungen festgestellt.

Gemäss gegenwärtigem Kenntnisstand wird die Anwendung bei Schwangeren und bei Vorhandensein hormonabhängiger Tumore nicht empfohlen. Bei gleichzeitiger Verabreichung mit Methotrexat verstärkt die Kudzuwurzel dessen Toxizität.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5172&NMID=5172&LANGID=2

Le Moniteur des Pharmacies no3020/2015/p60

 

Kommentar & Ergänzung:

Wie so oft bei Nahrungsergänzungsmitteln galoppiert die Vermarktung im Eiltempo davon, während die Klärung der offenen Fragen bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit weit hinten nach hinkt.

Siehe auch:

Heilpflanzenkunde – Wirkstoff aus Kudzu gegen Alkoholismus?

 

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USA: Steigender Verbrauch von Antibiotika in der Tierzucht

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In den USA nimmt der Verbrauch von Antibiotika in der Tierzucht weiter zu – von 2009 bis 2012 um 16 Prozent. Die für medizinische Anwendungen wichtigen Wirkstoffe dürfen in den USA auch eingesetzt werden, um das Wachstum der Tiere zu beschleunigen. Die übermässige Anwendung von Antibiotika fördert die Entwicklung von Resistenzen bei Krankheitserregern. Laut der „New York Times“ bleiben die von der Lebensmittelbehörde FDA erlassenen Beschränkungen bis jetzt folgenlos.

Quelle: NZZ am Sonntag, 5. Oktober 2014

Kommentar & Ergänzung:

Ein Risiko der übermässigen Anwendung von Antibiotika in der Tiermast besteht darin, dass mehr und mehr Antibiotika ihre Wirksamkeit auch beim Menschen einbüssen.

Und weil sich Antibiotika-Resistenzen weltweit ausbreiten, wäre es ein dringendes Gebot der Risikominimierung, den Antibiotikaverbrauch in Landwirtschaft und Agrarindustrie strikt auf Situationen einzugrenzen, in denen ein Tier diese Arzneimittel wegen einer Erkrankung nötig hat – in Amerika, Europa, China, weltweit.

In der EU ist die Anwendung von Antibiotika als Mastbeschleuniger seit dem 1. 1. 2006 verboten. Der Tierarzt und ehemalige Leiter des Veterinäramts im Landkreis Cloppenburg Dr. Hermann Focke vermutet aber, dass dieses Verbot massiv umgangen wird:

„Der Einsatz von Antibiotika als so genannte Leistungsförderer – treffender als Masthilfsmittel oder Mastbeschleuniger bezeichnet – ist seit dem 1.1.2006 EU-weit verboten. Diese bis Ende 2005 häufig geübte Praxis hätte daher in den folgenden Jahren zu einem drastischen Umsatzrückgang bei den Veterinärantibiotika führen müssen. Das Gegenteil war aber der Fall. Im ersten Jahr nach dem Inkrafttreten des Verbots stieg 2006 der Umsatz von Antibiotika in Deutschland um 7 Prozent und im folgenden Jahr noch einmal um 9,2 Prozent. Die bis Ende 2005 zugelassenen antibiotischen Leistungsförderer spielen heute praktisch keine Rolle mehr. Stattdessen werden oft die für die therapeutische Anwendung zugelassenen Antibiotika verwendet. Sie werden den, wohlgemerkt, gesunden Tieren in geringerer, also nicht therapeutischer Dosierung verabreicht. So wird zum Beispiel die für eine Heilbehandlung von fünf Tagen vorgegebene Antibiotikamenge auf 15 Tage gestreckt, nur um die Mastergebnisse zu verbessern.“

Quelle: http://www.geo.de/GEO/natur/massentierhaltung-antibiotika-in-der-tiermast-viertel-nach-zwoelf-70654.html

 

Die Schweiz ist von diesem Problem genauso betroffen

„Bei rund der Hälfte der rund 260’000 Kälber, die in der Kalbfleisch-Produktion in der Schweiz gemästet werden, müssen Antibiotika regelmässig eingesetzt werden, um die Tiere gegen Krankheiten zu behandeln und vor Infektionen zu schützen Dieser massive, tonnenweise Einsatz von Antibiotika ist durch das System der Zusammenführung der Tiere in Mastgruppen und deren Haltung begründet.

Werden Kälber von verschiedenen Bauernhöfen aufgekauft und in Mastbetriebe gebracht, kommen mit den Tieren unterschiedlicher Herkunft auch die Bakterien von verschiedenen Höfen zusammen. Stress durch den Transport und das massenweise Zusammentreffen mit unbekannten Artgenossen vermindern zudem die Widerstandskraft der Kälber gegen Krankheiten.

Weil das Immunsystem junger Kälber noch schwach ist, erkranken sie deshalb häufig, wenn sie mit neuen Keimen in Kontakt kommen: Solche Infektionen führen zu starker Schwächung der Tiere und oft sogar zum Tod.

Um Verluste zu vermeiden, werden die kranken Tiere nicht isoliert, sondern es wird meist gleich der ganze Bestand vorsorglich mit Antibiotika behandelt: So wird die Infektion der kranken Tiere bekämpft und die noch Gesunden werden vor Ansteckung geschützt.“

Quelle:

http://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/antibiotika-in-der-tiermast-gefahr-durch-die-hintertuer

 

Hermann Focke weist im selben Interview mit „Geo“ auf das spezielle Risiko hin, das mit dem langdauernden, präventiven Einsatz von Antibiotika in geringen (subtherapeutischen) Dosen verbunden ist:

„Durch die länger andauernde Verabreichung subtherapeutischer Dosen überleben nach dem Darwinschen Gesetz die vitalsten der bakteriellen Keime und bilden auf Dauer Resistenzen gegen die verabreichten Medikamente. Diese erworbenen Resistenzen werden nicht nur auf nachfolgende Bakterien-Generationen weitergegeben, sondern können durch verschiedene Formen des Gen-Austausches auch auf andere Arten von Bakterien übergehen und somit neue Resistenzträger hervorrufen.“

 

Wenn Nutztiere im Rahmen der agroindustriellen Tiermast nur mittels präventiver Antibiotika-Gabe überleben können, dann ist das kein überzeugendes Argument für die Antibiotika-Gabe, sondern ein starkes Argument für eine fundamentale Umgestaltung der Haltungsbedingungen. Dazu können Konsumentinnen und Konsumenten beitragen, indem sie tierische Nahrungsmittel nur aus tiergerechter Produktion akzeptieren. Allerdings kann an die Verantwortung auch nicht nur den einzelnen Konsumentinnen und Konsumenten zuschieben. Es braucht auch deutlich härtere gesetzliche Regelungen. Antibiotika-Gaben in der Veterinärmedizin sollten strikt nur noch bei Infektionen angewendet werden dürfen, die nicht anders zu behandeln sind. Jede präventive Behandlung von ganzen Beständen in der Massentierhaltung müsste streng verboten werden. Auch in der Humanmedizin werden Antibiotika nur in ganz speziellen Situationen präventiv eingesetzt.

Ein Verbot präventiver Antibiotika-Verabreichung würde wohl die Existenz mancher Tiermast-Betriebe in Frage stellen, doch ist das kein starkes Argument, wenn auf der anderen Seite durch ein Verbot das Tierwohl geschützt und die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen reduziert werden.

 

Antibiotika sind als Medikamente viel zu wichtig, als dass man ihre Wirksamkeit derart fahrlässig aufs Spiel setzen dürfte.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

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Lavendelöl reduziert Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe).
 Bei 48 Studentinnen, die eine Stunde nach dem Einsetzen der ersten Symptome Lavendelöl inhaliert hatten, reduzierten sich u.a. Unterleibskrämpfe, Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen deutlich gegenüber der Kontrollgruppe. Die Blutungsstärke blieb vergleichbar in beiden Gruppen.

Quelle: http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lavendelduft-bei-regelbeschwerden.html

Raisi Dehkordi Z, Hosseini Baharanchi FS, Bekhradi R. Effect of lavender inhalation on the symptoms of primary dysmenorrhea and the amount of menstrual bleeding: A randomized clinical trial. Complement Ther Med. 2014 Apr;22(2):212-9

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24731891

Kommentar & Ergänzung:

Ich kann mir gut vorstellen, dass Lavendelöl bei Menstruationsbeschwerden wohltuend ist und die Symptome lindert. Die Studie selbst wirft allerdings ein paar Fragen auf. Die Studentinnen inhalierten Lavendelöl auf der Basis von Sesamöl, die 48 Studentinnen der Kontrollgruppe dagegen reines Sesamöl. Sesamöl ist allerdings weitgehend geruchs- und geschmacklos. Eine Verblindung zwischen Placebogrupe und Lavendelölgruppe (Verum) fand hier also nicht statt. Es scheint naheliegend, dass die Probandinnen der Lavendelöl-Gruppe eine wirksamere Intervention erwarteten als die Probandinnen der Gruppe mit reinem Sesamöl. Ein dadurch grösserer Placeboeffekt in der Lavendelölgruppe könnte das Ergebnis verzerrt haben.

Es scheint mir aber allgemein schwierig zu sein, bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen eine ausreichende Verblindung zu erreichen. Riecht das Placebo gleich wie das Verum ist es kein Placebo mehr. Riecht das Placebo anders als das Verum kann es irgendeine Wirkung entfalten und ist kein Placebo mehr. Ist das Placebo geruchlich neutral, wie in dieser Studie das Sesamöl, ist es als Placebo zu erkennen. Ich bin sehr für hochwertige Doppelblindstudien, doch muss man auch sehen, dass es Bereiche gibt, in denen es sehr schwierig ist, hochwertige Studien zu machen, weil die Verblindung nicht wirklich gelingen kann.

Neben den ätherischen Ölen dürfte diese Schwierigkeit auch im Bereich Wickel vorhanden sein. Man kann höchstwahrscheinlich kein Placebo herstellen, das unverwechselbar wie ein Kartoffelwickel aussieht und riecht und sich so anfühlt, aber kein Kartoffelwickel ist. Die Chance, dass für Ätherische Öle und Wickel in hochwertigen Studien eine Wirksamkeit belegt werden kann ist daher klein – auch in den Bereichen, in denen sie de facto wirksam sind.

P. S. Die Lavendelöl-Studie wurde in Teheran durchgeführt. Das macht mich immer etwas skeptisch, seit ich in einem Interview folgende Aussage von Roman Huber gelesen habe:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/panorama/schoen-mild-und-sehr-beruhigend–38073981.html

Roman Huber leitet das Zentrums für Naturheilkunde der Universitätsklinik Freiburg.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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