Beiträge

Heilpflanzenkunde: Kamille für Haut und Magen

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor, darunter auch die Kamille:

„Kamillenblüten gehören in die Hausapotheke. Aus der Echten Kamille lässt sich durch Destillation ein tiefdunkelblaues, ätherisches Öl gewinnen. Die Kamille war schon bei den Ärzten des Altertums bekannt, schon die Römer haben sie beschrieben. Sie wirkt entzündungshemmend, wundheilend und krampflösend. Die meisten trinken sie als Tee – aber auch als Dampfbad zum Inhalieren tut sie gut. Was viele nicht wissen: Sie hilft auch äußerlich – zum Beispiel bei Hautverletzungen.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Die blaue Farbe bekommt das Kamillenöl vom Inhaltsstoff Chamazulen, welcher erst bei der Wasserdampfdestillation entsteht, während in den Kamillenblüten nur die Vorstufe Matricin vorhanden ist.

Kamillentee wird in der Phytotherapie bei Entzündungen im Magen empfohlen. Allerdings haben viele Leute aus ihrer Kindheit ein „Kamillentrauma“, weil sie bei Magen-Darm-Erkrankungen immer Kamille trinken mussten und durch Kamillenduft und Kamillengeschmack an solch elende Zustände erinnert werden. Oft hilft es da, wenn man den Kamillentee mit etwas Zitronensaft trinkt, was ihm eine andere Geschmacksnote gibt.

In einigen Ländern wird Kamillentee im übrigen als Abendtee gegen Einschlafprobleme getrunken.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Wildkräuterküche: Schafgarbe

Diesen Artikel teilen:

Unter dem Titel „Fünf Köstlichkeiten aus der Natur“ berichtet der Südkurier unter anderem über die Verwendung der Schafgarbe in der Wildkräuterküche und in der Pflanzenheilkunde.

„Schafgarbe: Wird seit der Antike zur Wundheilung verwendet. Die Blüten sind Zutat in vielen Teemischungen, sie finden Anwendung bei Magen-Darm-Problemen, Menstruationsbeschwerden, Durchblutungsstörungen und zur Blutreinigung. In der Küche lässt sich mit Schafgarbe würzige Kräuterbutter oder Fleischmarinade herstellen. Schafgarbe verbessert die Verdaulichkeit von fettem Schweine- und Gänsefleisch. Empfindliche Menschen sollten bei diesem Kraut etwas aufpassen, da sich in Verbindung mit Sonnenlicht eine Kontaktallergie entwickeln kann.“

Quelle:

http://www.suedkurier.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/aktuelles/baden-wuerttemberg/info/Fuenf-Koestlichkeiten-aus-der-Natur;art992911,5653809

Kommentar & Ergänzung:

Die verdauungsfördernde Wirkung der Schafgarbe (Achillea millefolium) ist durch die Bitterstoffe plausibel und in der Phytotherapie anerkannt. Zur Wundheilung wird Schafgarbe heute kaum mehr eingesetzt. Das ätherische Schafgarbenöl enthält aber Chamazulen und zeigt damit Ähnlichkeit mit dem Kamillenöl, das entzündungswidrige und wundheilende Wirkung besitzt.

Wird die Schafgarbe bei „Menstruationsbeschwerden“ empfohlen, so sind damit in der Regel Menstruationskrämpfe gemeint (Dysmennorrhoe).

Obwohl manche Frauen den Schafgarbentee zu diesem Zweck einsetzen,  ist die Wirksamkeit bisher nicht geklärt worden. Aus einzelnen Erfahrungsberichten lassen sich bekanntlich nie fundierte Schlüsse ziehen, weil offen bleibt, wie die Beschwerden ohne Schafgarbentee verlaufen wären.

Sehr vage und unklar ist die Empfehlung bei „Durchblutungsstörungen“ und abwegig die Empfehlung zur „Blutreinigung“. Auch wenn tonnenweise Blutreinigungtees verkauft werden: Das Blut lässt sich mit Kräutertees nicht reinigen und es ist noch nicht einmal klar, wovon es denn gereinigt werden soll. Um Verkäufer und Propagandisten von Blutreinigungstees würde ich einen grossen Bogen machen. Sie reden uns zuerst ein, wir seien verschlackt, um uns dann gegen diese fixen Einbildungen ihren „Putztee“ zu verkaufen. Aber scheinbar verbinden viele Leute eine angenehme Empfindung mit der Vorstellung, dass all der Dreck nun ausgetrieben ist.

Davon leben auch die Hersteller und Verkäufer anderer DETOX-Methoden. Vom Detox-Hotel über das Detox-Fussbad bis zur Detox-Kräuterkur oder zur Detox-Diät.

Im besten Fall sind Detox-Produkte zum Fenster hinausgeworfenes Geld, im dümmeren Fall sind sie gesundheitsschädlich.

Siehe auch:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstees

Als Wildkraut eignen sich Schafgarbenblätter gut als Beilage ins Sandwich, wenn man einen bitter-aromatischen Geschmack mag.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Kamillentee gegen Magenkrämpfe

Diesen Artikel teilen:

Das Magazin „Fokus“ publiziert immer wieder fundierte Tipps aus dem Bereich der Phytotherapie. Beispielsweise zum Thema Magenkrämpfe:

„Die Wirkung der Kamille als Arzneipflanze ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Die nordischen Völker verehrten die Kamille sogar als heilige Pflanze. Sie stillt unter anderem Krämpfe, beruhigt und hemmt Entzündungen.

Für den Kamillentee zwei Teelöffel Kamillenblüten mit einem Viertelliter kochendem Wasser ansetzen, zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen und die Blüten anschließend abseihen. Bis zu drei Tassen täglich trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Kamillenblüten enthalten ein breites Spektrum an wirksamen Inhaltsstoffen:

Ätherisches Öl: mit alpha-Bisabolol, Bisabololoxide, Bisabolonoxid, Matricin (Matricin wandelt sich bei der Wasserdampfdestillation in Chamazulen um, welches dem Kamillenöl die tiefblaue Farbe verleiht), Polyine (En-In-Dicycloether = Spiroether, Polyacetylene).

Flavonoide: Flavonoidmonoglykoside (Abkömmlinge des Apigenins, Luteolins und Quercitrins).

Cumarine: Herniarin, Umbelliferon.

Weitere Inhaltsstoffe: Polysaccharide (Schleime des Fruchtknotens und Körbchenbodens), Phenolcarbonsäuren.

Die krampflösende Wirkung dürfte vor allem von den Flavonoiden ausgehen, vor allem vom Apigenin. Für die entzündungswidrige Wirkung sind wohl hauptsächlich Bestandteile des ätherischen Öls verantwortlich (Bisabolol, Matricin).

Kamillentee hat auch eine leicht beruhigende Wirkung. Wer ihn vom Geschmack her gerne hat, kann ihn gut auch als Schlaftee trinken. Probieren Sie ihn dazu mit etwas Zitronensaft.

Beim Kamillentee lässt sich die Qualität ein Stück weit an der Farbe ablesen: Je mehr Gelbanteil, desto höher der Gehalt an ätherischem Kamillenöl – im gelben Blütenköpfchen ist der Gehalt nämlich höher als in den weissen Blütenteilen oder in Stängeln und Blättern.

Magenkrämpfe treten häufig sehr plötzlich auf und können sehr schmerzhaft sein. Sie können zahlreiche Auslöser haben. Wer sehr stark und über eine längere Zeit an Magenkrämpfen leidet, sollte darum unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. In leichteren Fällen können krampflösende Hausmittel helfen wie zum Beispiel bestimmte Kräutertees (neben Kamillenblüten beispielsweise noch Pfefferminze oder Süssholz).

Auch Wärmeanwendung kann lindernd wirken (Kirschkernkissen, schweizerdeutsch: Chriesisäckli, oder eine „Bettflasche“).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanzen: Schafgarbe (Achillea millefolium)

Diesen Artikel teilen:

Die Pharmaceutical Tribune veröffentlichte kürzlich einen interessanten Beitrag zur Schafgarbe. Hier ein paar Auszüge mit dazwischen gesetzten Kommentaren von mir:

„Äußerlich werden Umschläge aus zerquetschtem Kraut als Auflage bei Verletzungen empfohlen. Sitzbäder mit Schafgarbenaufguss können auf Grund der adstringierenden Wirkung Linderung bei Wunden im Anal- oder Dammbereich bringen…….Laut Kneipp entspricht das Potenzial der Schafgarbe dem des Johanniskrauts.“

Schafgarbe (Achillea millefolium) hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen soliden Ruf als Wundheilpflanze. Sie wurde auch Soldatenkraut und Zimmermannskraut genannt.

Eine wundheilende Wirkung könnte auf das ätherische Öl mit dem Bestandteil Chamazulen zurückzuführen sein. Schafgarbenöl gleicht an diesem Punkt dem Kamillenöl, das seine tiefblaue Farbe dem Chamazulen verdankt.

Wenn Sebastian Kneipp das Potential der Schafgarbe mit demjenigen des Johanniskrautes vergleicht, meint er das sicherlich bezüglich der wundheilenden Wirkung, und nicht bezogen auf die heute viel bekanntere Wirkung des Johanniskrautes gegen Depressionen.

„Die wirksamen Inhaltsstoffe sind vielfältig. Bis zu 1 % ätherisches Öl ist im Kraut enthalten. Laut Arzneibuch beträgt der geforderte Mindestgehalt der Arzneidroge 0,3 %. Dieses kann je nach Ursprung azulenhaltig (bis zu 40 %) oder azulenfrei sein.“

Bei der Schafgarbe (Achillea millefolium) gibt es mehrere Unterarten, die sich im Wirkstoffgehalt stark unterscheiden. Das drückt sich auch in der grossen Spannweite des Azulen-Gehaltes aus – von Null bis zu 40%.

„Die enthaltenen Sesquiterpenlaktone wirken als Bitterstoffe krampflösend auf den Verdauungstrakt und fördern die Gallensekretion.(1)“

Schafgarbe gehört zu den Amara-Aromatica, das sind Heilpflanzen, die sowohl ätherische Öle als auch Bitterstoffe einthalten.

„Das ätherische Öl ist antibakteriell und fungistatisch.“

Fungistatisch = pilzhemmend

„Untersuchungen belegen die choleretische Wirkung für diese Inhaltstoffgruppe anhand methanolischer Extrakte im Vergleich zu Zynarin. (2)“

Choleretisch = regt die Gallensaftproduktion in der Leber an.

Zynarin meint wohl Cynarin, den Bitterstoff aus den Artischockenblättern.

„In hohen Anteilen sind Flavonoidglykoside vom Luteolin- und Apigenintyp sowie Phenolkarbonsäuren im Schafgarbenkraut enthalten. Sie wirken entzündungshemmend und gefäßstabilisierend. Sowohl als wässriger Aufguss als auch in Form einer Tinktur hat Millefolii herba entzündungshemmende und krampflösende Wirkung.(3)“

Traditionell wird die krampflösende Wirkung von Schafgarbentee angewendet zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Das könnte allerdings besser dokumentiert sein – doch würde ich das durchaus mal ausprobieren, wenn ich Menstruationskrämpfe hätte….Für diesen Anwendungsbereich würde ich Schafgarbentee gegenüber der Schafgarbentinktur vorziehen. Als Bittermittel bei Verdauungsschwäche ist Schafgarbentinktur dagegen ebenbürtig.

„Regelmäßige Bäder mit Schafgarbenextrakten bei schlecht heilenden Läsionen am diabetischen Fuß konnten die Wundheilung verbessern. Cave: Korbblütlerallergie!“

Für die Korbblütlerallergie sind die Sesquiterpenlactone verantwortlich. Wer auf sie allergisch ist, wird auch Probleme haben mit den meisten anderen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), zum Beispiel mit Kamille und Arnika.

„Als Apotheker können wir eigene Varianten empfehlen – Schafgarbenextrakt als entzündungshemmenden Zusatz für Sitzbäder gegen Hämorrhoiden und Analfissuren oder einen krampflösenden Tee bei verdauungs- oder menstruationsbedingten Beschwerden im Unterbauch. Auch Kinder ab zwei Jahren profitieren vom Schafgarbentee bei unspezifischen Bauchschmerzen, man sollte ihn nur mit Honig verfeinern.“

Bei Hämorrhoiden und Analfissuren würde ich alllerdings Heilpflanzen mit hohem Gerbstoffgehalt vorziehen, vor allem Eichenrinde oder stark ausgezogenen Schwarztee. Allenfalls liesse sich das aber kombinieren mit den Kamillenblüten / Schafgarbe.

Quelle für die Zitate:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=109691&dspaid=946279

1 Z Naturforsch; 2002: 976–982, 2 Phytomed; 2006: 702–706, 3 BS Vet Med J; 2007: 86–92

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Hausmittel gegen Insektenstiche, Prellungen und Juckreiz

Diesen Artikel teilen:

Ob Insektenstiche, Prellungen oder Juckreiz, zahlreiche Patienten möchten ihre Hautprobleme am liebsten mit Heilpflanzen behandeln. Und die Natur hat tatsächlich auch einiges zu bieten.

Kamille und Ringelblume als pflanzliche Antiphlogistika (Entzündungshemmer) sind vielen Menschen bekannt. Aber auch Cardiospermum halicacabum (Ballonrebe), Solanum dulcamara (Bittersüß) und Hamamelis virginiana (Zaubernuss) werden oft eingesetzt. Allerdings handelt es sich bei diesen Heilpflanzen um sehr mild wirksame Therapeutika. Ihr entzündungshemmender Effekt ist deutlich schwächer als von 0,5%igem Hydrocortison und erst recht von starken Kortikoiden, erklärte der in Bonn niedergelassene Allgemeinarzt Dr. Detmar Jobst in einem Seminar der practica.

Die Blüten der Kamille (Chamomilla recutita, Matricaria recutita) werden bei den verschiedensten entzündlichen Hauterscheinungen eingesetzt. Hauptwirkstoffe der Kamillenblüten sind Chamazulen und Bisabolol.

Schachtelhalm & Arnika

Eine weitere Möglichkeit ist die Schachtelhalm-Kompresse: Je vier Esslöffel Arnikablüten, Kamillenblüten und Ringelblumenblüten sowie die gleiche Menge Johanniskraut und Ackerschachtelhalm mit acht Esslöffeln Leinsamen mischen, dann in Leinensäckchen oder Filtertüten füllen und diese zunähen. Danach werden die kleinen Säcke 20 Sekunden in heißes Wasser getaucht und nach dem Abkühlen fünf bis zehn Minuten auf die Entzündung aufgelegt. Die Kräuter-Säckchen eignen sich auch zur Behandlung von Insektenstichen und zur Wundreinigung.

Ebenfalls gern bei Insektenstichen und anderen Schwellungen angewendet werden Arnikablüten. Nur bei Kindern sollte man darauf verzichten, empfiehlt der Mediziner, denn sie entwickeln im Zusammenhang mit Stichen oft eine Korbblütlerallergie.

Der Beinwell ( = Wallwurz, Symphytum officinale)  bewährt sich als Salbe oder Umschlag bei Prellungen, Ergüssen und Furunkeln.

Bei Windeldermatitis, Hämorrhoidalbeschwerden und nässenden Ekzemen riet der Referent zu Hamamelis. Als Alternative kommt auch ein Sitzbad mit Eichenrinde in Betracht. Die Hülle der Frühjahrszweige lindert den Juckreiz und wirkt adstringierend ( = zusammenziehend).

Das bei zahlreichen Patienten beliebte Teebaumöl wirkt desinfizierend und tötet Hautpilze ab, sollte jedoch auf keinen Fall länger stehen. Denn das ranzige Öl führt leicht zu Allergien, ergänzte Professor Dr. Peter Gündling, Allgemeinarzt in Bad Camberg.

Ein wirksames Mittel gegen Juckreiz und Schmerzen hat die Natur mit Chilischoten zu bieten. Das aus Chilischoten gewonnene Alkaloid Capsaicin unterbricht die Schmerzweiterleitung. Capsaicin kann auch bei Prurigo (eine stark juckende Hauterkrankung) angewendet werden.

Quelle:

Medical Tribune, Ausgabe 50 / 2010 S.22,

http://www.medical-tribune.de/patienten/magazin/27042/

Kommentar & Ergänzung:

Der Beitrag in der Medical Tribune gibt gute Hinweise auf Möglichkeiten der Phytotherapie für die Behandlung von Insektenstichen, Prellungen und Juckreiz.

Neben dem Teebaumöl würde ich einfach noch das Lavendelöl erwähnen gegen Hautpilze und bei Insektenstichen. Ebenso als Juckreizstller das Pfefferminzöl gegen Insektenstiche.

Interessant ist für mich die beschriebene Schachtelhalm-Kompresse, weil ich die nicht kenne.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Sechs Gründe für Phytotherapie in der Kinderheilkunde

Diesen Artikel teilen:

Heinz Schilcher und Walter Dorsch beschreiben in ihrem Buch „Phytotherapie in der Kinderheilkunde“ sechs Gründe, welche für Heilpflanzen-Anwendungen aus der Phytotherapie bei der Behandlung von Kindern sprechen.

Nachfolgend diese sechs Gründe in leicht modifizierter Form:

1. Viele Phytopharmaka zeichnet ein relativ gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis aus: „ Zahlreiche Naturstoffgruppen (z. B. ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe u. a.) bzw. viele Naturstoffeinzelverbindungen (z.B. Chamazulen, Campher, Bisabolol, Menthol, Rutin u. a.) besitzen experimentell nachgewiesene Wirkungen und / oder klinisch belegte Wirksamkeiten bei gleichzeitig geringen oder zu vernachlässigenden unerwünschten Wirkungen.“

2. Viele – nicht alle – pflanzliche Arzneimittel haben eine milde Wirkung: „Bei zahlreichen Kinderkrankheiten genügen aber gerade ‚milde’ bzw. schwache therapeutischen Effekte auch für eine rationale Behandlungsstrategie.“

3. Die Phytotherapie kennt kinderfreundliche Applikationsformen (z. B. Inhalate, Bäder, Salben, Sirupe usw.).

4. „Kinderfreundliche Applikationsformen und in der Regel die überzeugte Mitarbeit der Mütter bzw. der Kinderbetreuer sorgen für eine gute Compliance.“

5. „Das fünfte Argument, welches für die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel in der Pädiatrie spricht, ist die Tatsache, dass mit einer Reihe von Phytopharmaka nicht nur eine symptomatische, sondern gleichzeitig auch eine kausale Therapie betrieben werden kann.“

6. „Zuletzt muss auch noch darauf hingewiesen werden, dass im Durchschnitt Phytopharmaka kostengünstiger sind als vergleichbare synthetisch hergestellte Arzneimittel, insbesondere wenn Medizinaltees, Tinkturen, Inhalate, Salben etc. rezeptmässig verordnet bzw. angewendet werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Der Erfolg von Phytotherapie in der Kinderheilkunde hängt auch wesentlich damit zusammen, dass  viele Eltern nach natürlichen Alternativen für die Behandlung ihrer Kinder verlangen.

Ergänzend zu Punkt 1: Diesem Argument würde ich zwar zustimmen. Allerdings finde ich Campher und Menthol nicht ganz unproblematische Beispiele für ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis in der Kinderheilkunde. Campher wird – zum Beispiel wenn in Form einer Erkältungssalbe grossflächig auf die Haut appliziert – rasch und gut in den Organismus aufgenommen, wo es in grösseren Mengen für Säuglinge toxisch wirken kann. Menthol ist für Säuglinge ungeeignet, weil es in seltenen Fällen ernsthafte Atemstörungen auslösen kann (z. B. Kratzschmer-Reflex) kommen kann. Daher bei Säuglingen und Kleinkindern Menthol nicht zur Inhalation verwenden und nicht im Bereich von Hals und Gesicht (insbesondere Nase) auftragen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Pflanzenheilkunde: Kräuterkissen für guten Schlaf

Diesen Artikel teilen:

Unter dem Titel “Kräuterkissen als sanfte Schlafhelfer” berichtet das
Yahoo-Nachrichtenportal über die Wirkung von Heilpflanzen als Kräuterkissen gegen Schlafstörungen:

“Düfte können eine starke Wirkung auf den Menschen haben. Die Gerüche einiger Pflanzen wirken beruhigend und werden deshalb seit langer Zeit als Einschlafhilfen genutzt.”

Das stimmt – und es trifft vor allem auf Heilpflanzen mit ätherischen Ölen zu.
Yahoo-News erklärt dann, wie sich ein Kräuterkissen für eine geruhsame Nacht leicht selbst herstellen lässt:

“Benötigt wird ein sauberer Kissenbezug in der Größe 15 mal 15 Zentimeter. In diesen werden die Kräuter gefüllt, die zum Einsatz kommen sollen. Sinnvoll ist es, eine Mischung herzustellen, die eine Gesamtmenge von 50 bis 150 Gramm Kräuter ergibt.”

Kein Einwand.
Fragwürdig wird der Text, sobald es um die geeigneten Heilpflanzen geht:

“Eine beruhigende Wirkung haben beispielsweise getrocknete Lavendelblüten. Auch Ringelblumen, Johanniskraut, Hopfen und Scharfgabe können dem gesunden Schlaf dienen. Weitere Zutaten wirken gegen gesundheitliche Probleme, darunter Pfefferminze oder Rosmarin bei Kopfschmerzen sowie Kamille bei Schnupfen.”

Dazu ist ein Kommentar nötig:

Klar dokumentiert ist die beruhigende Wirkung von Lavendelblüten bzw. Lavendelöl via Duftanwendung. Lavendelsäckchen haben sich zudem in einer langen Tradition bewährt.

Auch Hopfen enthält flüchtige Inhaltsstoffe mit beruhigender Wirkung. Es handelt sich um Abbauprodukte, die während der Lagerung aus den Bitterstoffen entstehen. Traditionelle Hopfenkissen haben also durchaus ihre Berechtigung.

Ringelblume (Calendula) ist ein bewährtes Wundheilmittel. Eine beruhigende Wirkung ist aus der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends ersichtlich und sehr unwahrscheinlich. Schon gar nicht auf inhalativem Weg, wenn man den tiefen Gehalt an ätherischem Öl bedenkt (0,2%). In Teemischungen und Kräuterkissen hat Ringelblume eher einen Effekt zur “Teeverschönerung”.

Johanniskraut wird gegen leichte bis mittelschwere Depressionen. Seine Wirkung ist in diesem Bereich gut dokumentiert. Für Beruhigende Eigenschaften fehlen aber Belege. Ausserdem dürften die entscheidenden Inhaltsstoffe nicht flüchtig sein, wodurch eine Wirkung via Inhalation sehr unwahrscheinlich ist.

Eine völlige Neuentdeckung ist die “Scharfgabe”……Im Ernst, es ist bestimmt die Schafgarbe gemeint. Sie wird als Heilpflanze bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt und als traditionelles Mittel gegen Menstruationskrämpfe. Schafgarbe als Beruhigungsmittel (Sedativum) zu empfehlen ist sehr unüblich und nicht durch die Phytotherapie-Fachliteratur zu stützen. Schafgarbe hat zwar ein ätherisches Öl, das wie Kamillenöl als Bestandteil Chamazulen enthält und für Kamillenöl gibt es Hinweise auf einen sedativen Effekt aus EEG-Untersuchungen. Aber erstens ist unklar, ob für den sedierenden Effekt von Kamillenöl Chamazulen verantwortlich ist und zweitens – wenn dem so wäre – entsteht das Chamazulen erst bei der Destillation des ätherischen Öles und fehlt daher im Kräuterkissen. So ist also die Anwendung von Schafgarben im Kräuterkissen sehr spekulativ.

Pfefferminze zeigt in Form von Pfefferminzöl zum Einreiben eine gute Wirkung bei Spannungskopfschmerzen. Dafür ist aber ein direkter Kontakt des Pfefferminzöls mit der Haut erforderlich. Ob sich die Anwendung von Pfefferminz in einem Kräuterkissen gegen Kopfschmerzen so generell empfehlen lässt, ist sehr fraglich.

Und Rosmarinöl hat eher eine anregende Wirkung, wodurch die Zugabe von Rosmarin in ein Kräuterkissen für gesunden Schlaf eher problematisch erscheint.

Unerwähnt bleiben im Yahoo-Text die Cumarin-Pflanzen Waldmeister und Steinklee, welche in der traditionellen Pflanzenheilkunde als beruhigende Kräuterkissen angewendet wurden. Cumarin ist jedenfalls flüchtig und als Heuduft sehr bekannt. Genauer dokumentiert ist diese Wirkung nicht. Cumarin als Reinsubstanz zeigt zentral sedative Wirkung.

Zusammengefasst kann man nur festhalten, dass die phytotherapeutischen Angaben auf Yahoo-News hier ziemlich wirr sind. Das ist ein Beispiel dafür, dass man im Bereich Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde genau hinschauen muss und nicht alles blind glauben soll, was geschrieben oder erzählt wird. Schreiben und Erzählen unterliegen hier kaum je einer Qualitätskontrolle.

Kräuterkissen sind ein interessantes, angenehmes, gut verträgliches und in vielen Fällen wohl auch wirksames Mittel gegen Schlafstörungen. Ich würde mich aber beschränken auf ein Lavendelkissen, allenfalls je nach individueller Vorliebe auf Lavendelblüten / Hopfenzapfen als Mischung. Auch ein Zusatz von Steinklee oder Waldmeister scheint mir gut vertretbar.

Keine Einwände habe ich zu machen bei den Anwendungsempfehlungen von Yahoo-News:

“Die Kräuter werden vor dem Einfüllen in das Kissen zerkleinert. Das Kräuterkissen wird dann unter den Nacken gelegt. Durch die Körperwärme werden die ätherischen Öle der Kräuter freigesetzt und können ihre Wirkung entfalten…..Außerdem sollten die Kissen nicht bei schweren, andauernden Schlafstörungen verwendet werden. In einem solchen Fall ist ein Arzt zu Rate zu ziehen.”

Quelle: http://de.news.yahoo.com/gesundheit-medizin.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: