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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Capsaicin-Pflaster Qutenza™: Indikationserweiterung „schmerzhafte diabetische Neuropathie“

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Das Capasicin-Pflaster Qutenza™ kann neu bei Patienten mit schmerzhafter diabetischer Neuropathie eingesetzt werden.

Vor jeder Anwendung von Qutenza und bei den folgenden Arztbesuchen soll eine sorgfältige Untersuchung der Füsse durchgeführt werden, um Hautläsionen in Zusammenhang mit der zugrundeliegenden Neuropathie oder vaskulären Insuffizienz zu diagnostizieren.

Diabetes-Patienten, die zusätzlich an koronarer Herzerkrankung, Hypertonie oder kardiovaskulärer autonomer Neuropathie leiden, sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?LangID=2&CommID=0

(Fachinformation Qutenza™)

Kommentar & Ergänzung:

Das Alkaloid Capsaicin kommt als Scharfstoff in verschiedenen Paprika-Arten vor.

Capsaicin wird schon seit langem äusserlich schmerzlindernd eingesetzt als Creme, Salbe oder Pflaster.

Qutenza ist eine neuere Entwicklung. Die Capsaicin-Konzentration im Qutenza-Pflaster ist dabei um ein vielfaches höher (8%) als in herkömmlichen Capsaicin-Anwendungen. Das Produkt darf daher nur unter ärztlicher Anleitung von instruiertem Fachpersonal angewendet werden. Es wird zur Schmerzlinderung bei Menschen angewendet, die Nervenschmerzen aufgrund von geschädigten Nerven in der Haut haben.

Hautnerven können durch verschiedene Krankheiten wie beispielweise Gürtelrose und HIV-Infektion, bestimmte Arzneimittel und andere Zustände geschädigt werden.

Diabetes-Kranke waren bisher von der Behandlung mit Qutenza ausgeschlossen.

Die neue Indikation „schmerzhafte diabetische Neuropathie“ bringt hier eine wesentliche Erweiterung.

Siehe auch:

Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung publizierte der Pharmakologe Dr. Rainer C. Görne interessante Informationen zur Wirkungsweise von Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien.

Der Scharfstoff Capsaicin ist ein Alkaloid aus der Paprikafrucht (Capsicum annuum, Capsicum frutescens u. a. aus der Pflanzenfamilie der Nachtschattengewäche (Solanaceen).

Die Früchte der meisten Paprika-Arten enthalten in sehr unterschiedlicher Konzentration Capsaicin (Methylvanillylnonenamid), eine lipophile ( = fettliebende) Substanz, die für den scharfen Geschmack verantwortlich ist.

In den 80er Jahren habe man die pharmakologische Wirkung von Capsaicin mit der Depletion von Substanz P aus den sensorischen afferenten Nervenfasern zu erklären versucht, schreibt Görne.

(„Depletion“ ist die Entfernung von Substanzen aus dem Körper beziehungsweise den pathologisch gesteigerten Verbrauch dieser Substanzen durch den Organismus)

Görne weiter:

„Inzwischen konnte geklärt werden, dass der pharmakologische Wirkmechanismus von Capsaicin auf der Interaktion mit dem TRPV1-Rezeptor, einem Transmembran-Rezeptor-Ionenkanal-Komplex, beruht. Dieser wird auch als Vanilloid-Rezeptor bezeichnet.

Physiologisch wird der TRPV1-Rezeptor durch Temperatur, pH-Wert und endogene Lipide aktiviert. So erfolgt eine direkte Aktivierung bei Temperaturen von 43°C oder höher oder pH-Werten von unter 6. Aus der Aktivierung resultiert durch kurzzeitige Öffnung der Membran eine Depolarisation von sensorischen Nerven (meist C-und Ad-Fasern) durch den Zustrom von Natrium- und Calcium-Ionen.“

Diese Aktivierung werde als lokale Wärme, Brennen, Stechen oder Jucken empfunden.

Am TRPV1-Rezeptor wirken pharmakologisch neben Capsaicin verschiedene andere Substanzen (z.B. Anandamid, N-Acyldopamin, bestimmte langkettige ungesättigte Fettsäuren, Lipoxygenase-Verbindungen und mehrere Oxide der Linolsäure) als hoch selektive Agonisten (Der Begriff „Agonist“ bedeutet „der Handelnde“ und bezeichnet eine Substanz oder Struktur, die im Hinblick auf eine bestimmte Aktion verursachend wirkt).

Bei chronischen, neuropathischen Schmerzen kommt es zur kutanen (= zur Haut gehörenden) Überempfindlichkeit.

Bei der topischen (=lokal-örtlichen) Gabe von Capsaicin, das in Salben und Pflastern enthalten sein kann, werden kutane Überempfindlichkeit und die neuropathischen Schmerzen gedämpft. Dies wird durch einen Vorgang vermittelt, der am besten als „Defunktionalisierung“ von Nozizeptor-Fasern beschrieben werden kann.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/default.aspx?sid=859001&sh=86&h=-1625197168&ticket=ST-8537-SId3WdHFalIKL1YpRnseD9WmxkY6EgLgrCG-20

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Text erklärt vor allem die Wirkungsweise von Capsaicin, er setzt aber einiges voraus an Kenntnissen in Anatomie und Physiologie.

Capsaicin ist aber fraglos ein interessanter Naturstoff zur Behandlung von Juckreiz und neuropathischen Schmerzen.

Die ESCOP empfiehlt Cayennepfeffer bzw. Capsaicin für folgende Anwendungsbereiche:

 

„Zur Linderung von Muskelschmerzen, z.B. Rückenschmerzen, und zur Behandlung von Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrose) und rheumatoider Arthritis; weiterhin zur Behandlung von Nervenschmerzen, wie sie z.B. als Folge einer Gürtelrose auftreten können oder bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie; außerdem gegen den Juckreiz verschiedener Ursache, z.B. im Zusammenhang mit Schuppenflechte oder Blutdialyse und bei Kontakt mit Wasser.“

Quelle:

http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/cayennepfeffer.php

Siehe auch:

Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer 

Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Chili-Pflaster lindert Schmerzen 

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer

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In der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 4 / 2014) publizierte Mag. Pharm. Stefanie Lair einen informativen Beitrag zum Thema Schmerztherapie. Dabei geht die Autorin auch auf pflanzliche Anwendungen ein – unter anderem auf Capsaicin aus dem Cayennepfeffer.

Zitat:

„Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung von Capsicum annuum L., Capsicum frutescens zeigen eine außerordentich gute Wirkung bei Muskelschmerzen, Hexenschuss sowie bei Nervenschmerzen. Es handelt sich dabei um die Inhaltsstoffe Capsaicin, ätherisches Öl, Farbstoffe und fettes Öl. Es entsteht primär ein Wärmegefühl, das bestimmte Botenstoffe in den Nervenzellen hemmt und somit die Schmerzempfindung herabsetzt. Capsaicin wirkt als Agonist an TRP-Ionenkanälen und aktiviert Nozirezeptoren, die Neuropetptide, die beispielsweise die Substanz P freisetzen. Diese Freisetzung bewirkt Juckreiz, Brennen und Gefäßerweiterung. Nach wiederholten Anwendungen kommt es zur Desensibilisierung und einer Unempfindlichkeit der Nervenfasern gegenüber Reizen, so auch gegen Schmerzen. Allerdings ist im Umgang mit Cayennepfeffer Vorsicht geboten. Da die Inhaltsstoffe kaum wasserlöslich sind, reizen sie extrem die Schleimhäute und Augen. Verursachen diese Präparate Reizungen auf der Haut, sollte man sie mit Öl entfernen.“

Kommentar & Ergänzung:

Gute Zusammenfassung und Erklärung der Wirkungen des Alkaloids Capsaicin.

Für die Phytotherapie ist Capsaicin ein wichtiger Wirkstoff für die Behandlung von Schmerzen und Juckreiz.

Mehr zu Capsaicin:

Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

Chilipflaster lindert Schmerzen

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Chilipflaster gegen Nervenschmerzen (Qutenza)

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

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Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

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Rheumapflaster enthalten oft Capsaicin, ein Alkaloid aus Cayennepfeffer, das zu den Alkaloiden gehört.

Die Österreichische Apothekerzeitung (Nr. 2 / 2014) beschreibt die Wirkungen von Capsaicin kurz und knapp so:

„Nach Applikation entfaltet der Wirkstoff seine Doppelwirkung:

1. Capsaicin entwickelt wohltuende natürliche Heilwärme und fördert somit die Durchblutung im Schmerzgebiet. Es kommt zu einer verbesserten Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, Stoffwechselprodukte werden beschleunigt abtransportiert, Verspannungen werden tiefenwirksam gelöst.

2. Capsaicin wirkt direkt auf die Schmerzübertragung und -weiterleitung. Der Wirkstoff hemmt vorüber- gehend die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Substanz P an den Nervenendigungen und blockiert so die Schmerzweiterleitung.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2014/OAZ-2014-02.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Capsaicin ist für die Schärfe und Hitze verantwortlich, die sich beim Verzehr von Chilischoten entwickeln. Wegen dieser Hemmung der Wiederaufnahme des Neurotransmitters Substanz P wird Capsaicin seit einigen Jahren intensiv untersucht und zur Linderung von Schmerzen und Juckreiz eingesetzt.

Siehe dazu:

Chili-Pflaster lindert Schmerzen

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Capsaicincreme hilft gegen Juckreiz

Chilipflaster gegen Nervenschmerzen

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

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Michèle Binswanger im Tages-Anzeiger über Entgiftung und Detox für Deppen

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Michèle Binswanger schreibt im Tages-Anzeiger über Entgiftungskuren und Detx als neoreligiöses Sühneritual:

„Detox heisst das neoreligiöse Sühneritual für die mannigfaltigen kleinen Sünden des postmodernen Lebens. Und derzeit detoxt es wieder auf allen Kanälen. Lifestyle-Redaktorinnen adressieren mutig ihre Problemzonen, testen die besten Methoden, um diese zu vernichten, schreiben Erfahrungsberichte, wägen Programme gegeneinander ab. Was ist besser, eine customised Saftkur, «kreiert von renommierten Detox- und Raw-Food-Köchen» für spottbillige fünfhundert Franken? Der kombinierte Ernährungsberater plus Personal Trainer? Die Hollywood-Methode mit dem verdächtigen Namen Mastercleans, die viel Zitronensaft und Cayennepfeffer beinhaltet? Ayurveda? Chinesisch? Oder gibt es vielleicht etwas ausgefallen Neues, ein keltisches Ritual mit Nackttänzen und Freudenfeuern? Eigentlich egal, Hauptsache, es funktioniert idiotensicher, Detox für Deppen sozusagen.“

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/leben/wellness/Detox-fuer-Deppen/story/20694141

Kommentar & Ergänzung:

Die alljährliche Detox-Welle im Frühling ist der totale Humbug – das beschreibt Michèle Binswanger bestens.

Die körperfeindliche Unterstellung, dass wir alle durch und durch verschlackt und voller Gifte seien, muss man sich nicht antun. Leider fährt ein ziemlich grosser Teil der Naturheilkunde- und Komplementärmedizin-Szene voll auf diesen skurrilen Trip ab.

Siehe auch:

Entgiftungsdiäten / Detoxdiäten: bodenlose Versprechungen

Löwenzahn entgiftet …..

Brennesseltee entschlackt und lässt die Kilos purzeln….

Darmreinigung: Mehr Schaden als Nutzen durch Entgiftungskur

Unsinnig und irreführend: Sidroga® Wellness Entschlackungstee

Entgiften und entschlacken: Höchst fragwürdige Versprechungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie gegen Allergien

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Im Phyto-Forum der „Aerztezeitung“ wurde vor kurzem die Frage gestellt, ob es bei Allergien phytotherapeutische Alternativen zu synthetischen Antihistaminika  gibt.

Professor Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde, Universität Rostock) antwortete darauf als Expertin (Zwischenkommentare kursiv von mir):

„Es gibt pflanzliche Alternativen zu den äußerlich gegen Juckreiz wirksamen synthetischen Antihistaminika. Prinzipiell müssen sie allerdings häufiger als Antihistaminika angewendet werden. Zunächst sollte die Behandlung mit Pfefferminzöl oder Minzöl beginnen, die hinsichtlich ihrer Wirkung (kühlend, reizlindernd) ähnlich sind. Mit diesen beiden ätherischen Ölen kann man sich direkt einreiben, bei starken Hautentzündungen wird allerdings eine verdünnte Anwendung (1:10) empfohlen. “

Pfefferminzöl und Minzöl wirken durch ihren Mentholgehalt gut juckreizstillend, lindern aber wohl kaum die Hautentzündung.

Erwähnenswert sind meines Erachtens noch Salben auf der Basis von Ballonrebe (Cardiospermum halicacabum). Sie wirken entzündungshemmend und leicht juckreizlindernd bei Hauterkrankungen mit Juckreiz, z.B. Sonnenallergie, Nesselfieber, Dermatitis (Ekzeme).

„Als weitere Applikationsformen sind Bäder möglich: Maximal 10 Tropfen des Öls mit wenigen Millilitern Sahne verrühren und in das Badewasser geben. Man kann mehrmals täglich ein derartiges Bad nehmen. Einreibungen der betroffenen Hautregionen mit 5- bis 10-prozentigem ätherischem Öl können mehrmals täglich je nach Bedarf vorgenommen werden.“

Vollbäder mit Pfefferminzöl oder Minzöl scheinen mir nicht so empfehlenswert. Menthol reizt die Kälterezeptoren in der Haut und bei einem Vollbad sind das dann eben alle Kälterezeptoren, was ziemlich unangenehm werden kann.

„Man kann sich auch mehrmals täglich mit Wasser waschen, in dem man durch heftiges Schütteln Minz- oder Pfefferminzöl gelöst hat (5 bis 10 Tropfen auf 1 Liter Wasser). Bei Säuglingen und Kleinkindern darf man die beiden Öle nicht im Bereich des Gesichtes, speziell der Nase, auftragen, da es zum Stimmritzenkrampf mit anschließendem Atemstillstand kommen kann.“

Menthol und mentholhaltige ätherische Öle wie Pfefferminzöl, Minzöl, Japanisches Pfefferminzöl, JHP Roedler Öl generell nicht bei Säuglingen anwenden.

„Eine weitere Möglichkeit ist die äußerliche Anwendung von Capsaicin-haltigen Medikamenten (hergestellt aus Cayennepfefferfrüchten). Sie dürfen nicht bei entzündeter Haut aufgetragen werden, da sie die Entzündung eventuell verstärken können.“

Capsaicin-Anwendungen zeigen gute Wirkungen gegen Juckreiz und Schmerzen. Bei Allergien würde ich sie allerdings nicht empfehlen, weil sie die Entzündung verstärken. Aber vielleicht müsste man da noch genauer definieren, um welche Art von Allergie es sich handelt.

„Wichtig ist, dass der Capsaicingehalt der Salben und Cremes 0,075 Prozent nicht überschreitet. Sie werden 2- bis 3-mal am Tag angewendet. Bei Überempfindlichkeit gegenüber Paprikazubereitungen sollten sie nicht eingesetzt werden. Bei Anwendung von Pflastern kann es innerhalb weniger Tage zu Schädigungen der Hautnerven und zu Hautveränderungen wie Geschwür- und Blasenbildung kommen.“

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/allergien/article/664045/phyto-forum-phytos-allergien-moeglich.html?sh=10&h=-1654632450

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

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Im „Phyto-Forum“ der Ärztezeitung wurde kürzlich folgende Frage gestellt:

„Gibt es pflanzliche Präparate, die bei entzündlichem Rheuma zusätzlich zur Basistherapie eingesetzt werden können, um Schmerz und Entzündung positiv zu beeinflussen?“

Die Antwort darauf von Dr. Rainer C. Görne:

„Bei der sogenannten primär chronischen Polyarthritis (PCP) ist zumeist eine lebenslange Behandlung mit unterschiedlichen chemisch-synthetischen Arzneimitteln erforderlich. Pflanzliche Präparate können hier nur supportiv und nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden, um unerwünschte Interaktionen oder Nebenwirkungen zu vermeiden.

Für die anderen „rheumatischen“ Beschwerden sind Präparate (zum Teil auch als Einreibungen oder Badezusätze), die aus folgenden Pflanzen oder Pflanzenteilen hergestellt werden, geeignet: Arnikablüten, Beinwellkraut/-wurzel, Brennnesselkraut, Cayennepfeffer, Eukalyptusöl, Fichtennadelöl, Kiefernnadelöl, Weihrauch, Mistelkraut, Rosmarinöl, Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/656850/phyto-forum-blaubeeren-bluthochdruck.html

Kommentar & Ergänzung:

Die aufgeführten Heilpflanzen sind im Bereich der rheumatischen Erkrankungen einsetzbar. Die Aufzählung ist allerdings chaotisch, unübersichtlich und wenig informativ.

Nur schon der Begriff „Rheuma“ ist viel zu pauschal. Man müsst genauer angeben, ob es bei einer Heilpflanzen-Anwendung um eine Arthrose, eine Polyarthritis, oder eine andere der vielen Krankheiten gehen soll, die unter dem Etikett „Rheuma“ zusammengefasst werden.

Unterschiedliche Krankheiten (und Krankheitsstadien) benötigen unterschiedliche Heilpflanzen.

Ein ziemliches Durcheinander bietet die Auszählung bezüglich innerlicher oder äusserlicher Anwendung.

Die ätherischen Öle Eukalyptusöl, Kiefernnadelöl, Fichtennadelöl werden gegen „Rheuma“ nur äusserlich angewendet (nicht pur!). Ebenso Cayennepfeffer (Wirkstoff Capsaicin), Arnika und Beinwell. Ohne genauere Angaben zu Anwendungsformen und Dosierungen sind diese Hinweise aber nicht wirklich nützlich.

Mistelkraut wird im Bereich „Rheuma“ nur als Präparat und via Injektion angewendet (in der Schweiz meines Wissens nicht sehr üblich).

Weihrauch, Teufelskralle und Weidenrinde sind nur bei innerlicher Anwendung sinnvoll.

In Apotheken und Drogerien werden aus Teufelskralle und Weihrauch auch Salben verkauft, deren Wirksamkeit allerdings nicht einmal ansatzweise geklärt ist. Diese Salben und Gele aus Teufelskralle oder Weihrauch profitieren aber vom Ruf, den diese Heilpflanzen bei innerlicher Anwendung haben. Konsumentinnen und Konsumenten werden hier meines Erachtens getäuscht.

Weidenrinde wirkt relativ rasch schmerzlindernd (innert Stunden). Bei Teufelskrallenwurzeln geht es 2 – 3 Wochen, bis eine Wirkung erwartet werden kann.

Solche Differenzierungen sind wichtig für eine erfolgreiche Anwendung von Heilpflanzen.

Fazit: Eine solche Aufzählung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet.

Falls Sie an präzisem Wissen über Heilpflanzen interessiert sind und nicht nur an einer schönen „Aufzählung“, dann empfehle ich Ihnen den Lehrgang „Heilpflanzen-Seminar“ oder die „Phytotherapie-Ausbildung“

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Rheumasalben / Sportlersalben im Test

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Bewegung mache fit und schaffe einen erholsamen Ausgleich zum Arbeitsalltag. Doch mancher stürze sich zu schnell in die sportliche Aktivität und riskiere dabei Muskelkater und Verletzungen. Das schreibt die Zeitschrift Oeko-Test, und fährt fort:

„Jährlich ereignen sich in Deutschland etwa 1,5 Millionen Sportverletzungen: Prellungen, Blutergüsse, Verstauchungen, Sehnenzerrungen, Bänderrisse. Bei leichteren Fällen versprechen diverse Gele und Salben Abhilfe. Aber tun sie das auch wirklich? In unserem Test finden Sie die Antwort.“

Wer sich als Sportler etwas Gutes tun wolle, der nehme sich vor dem Training Zeit zum Aufwärmen und Dehnen der Muskeln. Lockerungsübungen oder ein fünf- bis zehnminütiges Warming-up, anschließend vorsichtige Dehnübungen, bei denen die Dehnung lange gehalten wird, empfiehlt Oeko-Test den Sportlerinnen und Sportlern. So vorbereitet, sinke das Risiko, sich beim Sport zu verletzen.

Doch wer springe, laufe oder um den Ball kämpfe, der könne sich natürlich immer eine Prellung, eine Verstauchung, einen Bluterguss oder eine Sehnenzerrung einhandeln. Im Falle eines Falles greife man dann gerne einmal zu Sportlersalben oder Sportlergelen.

Etliche dieser Gele wirken kühlend. Zahlreiche Produkte werden jedoch gleichzeitig zur Anwendung bei Rheuma empfohlen und enthalten wärmende Substanzen. Diese können später dazu beitragen, den Stoffwechsel und damit die Heilung zu beschleunigen.

ÖKO-TEST liess 25 Salben, Gele und Lösungen in Laboren untersuchen und begutachten.

Das Testresultat

Nur zwei Produkte erhielten die Bestnote „sehr gut“. Dahinter folgt ein breites Mittelfeld mit „befriedigenden“ Produkten, sechs Arzneimittel landen am Schluss im roten Bereich.

Als geeignete Wirkstoffe mit einer belegten Wirksamkeit gelten in diesem Test die „nicht steroidalen Antirheumatika“ (NSAR). Nicht steroidal heißen sie, um sie von kortisonhaltigen Arzneimitteln zu unterscheiden. Zu den NSAR zählen Salicylsäurederivate, Felbinac, Ketoprofen, Ibuprofen, Diclofenac, Indometacin, Etofenamat und Piroxicam. NSAR besitzen nachgewiesenermaßen eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. Als Heilpflanzen-Präparat mit einem Beinwellwurzelextrakt stuft Oeko-Test auch die Wirksamkeit der Kytta-Salbe f als belegt ein.

Kritisiert werden die halogenorganischen NSAR Diclofenac und Indometacin: Es existieren gleichwertige Wirkstoffe ohne Halogene. Piroxicam kann bei oraler Einnahme Magen-Darm- und Hautschäden auslösen. Auch bei großflächigem Einsatz auf der Haut über einen längeren Zeitraum sind solche Nebenwirkungen möglich. Ebenfalls kritisiert wird Salicylsäure, weil sie die Hautkomponente Keratin auflöst. Dieser Effekt ist bei Sportverletzungen nicht sinnvoll.

Mehrere Präparate enthalten den Wirkstoff des Cayennepfeffers, Capsaicin oder eine Abwandlung davon, nämlich Nonivamid. Beide Substanzen erweitern die Blutgefäße und wirken schmerzlindernd. Weil es hierzu aber überwiegend Studien zu Rheuma gibt, gilt die Wirksamkeit bei sportbedingten Verletzungen und Verspannungen als nur zum Teil belegt.

Durchblutungsfördernd wirke auch Propylnicotinat in der Elacur Hot, 2%, Creme, schreibt Oeko-Test. Für das Anwendungsgebiet „degenerative Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises“ fanden die Tester jedoch keine Wirksamkeitsbelege. Mehr als ein kühlender Effekt beim Auftragen sei auch nicht von den Arzneimitteln zu erwarten, die auf ätherischen Ölen basieren (Rheuma- und Schmerzsalbe Winthrop, Klosterfrau Mobilind Franzbranntwein Menthol, Lösung).

Die Kombination von Wirkstoffen sei oft überflüssig und steigere die Gefahr von Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Mitteln. Ein therapeutischer Vorteil solcher Kombinationen sei außerdem nicht belegt. Ein guter Wirkstoff genüge in der Regel. Das schmerzstillende Diethylaminsalicylat mit dem für Venenbeschwerden geeigneten Aescin zu kombinieren (Reparil-Gel N), sei nicht sinnvoll.

Zu den umstrittenen Hilfsstoffen zählen die PEG/PEG-Derivate, das Terpen Delta-3-Caren sowie das aggressive Tensid Natriumlaurylsulfat, welches Haut und Schleimhäute reizen kann. Delta-3-Caren zählt zu den starken Allergenen. PEG/PEG-Derivate können die Durchlässigkeit der Haut für Fremdstoffe erhöhen.

Für Duftstoffallergiker kann das als Duftstoff in der Kytta Salbe ff enthaltene Hydroxycitronellal problematisch sein.

Quelle:

http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=97297;bernr=06

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist, dass die Beinwellwurzel in Form von Kytta-Salbe in letzter Zeit immer wieder quasi auf Augenhöhe mit Salben bzw. Gelen auf der Basis von NSAR (z. B. Diclofenac) genannt wird. Das dürfte damit zu tun haben, dass Kytta zum Merck Konzern gehört, der offenbar beträchtliche Summen in die Forschung mit Beinwell bzw. der Kytta-Salbe steckt.

Zu Beinwellsalbe und Diclofenac-Gel siehe auch:

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

Beinwell-Salbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Beinwell: Rasche Wirkung gegen Rückenschmerzen

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

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Gewürzcocktail hemmt Entzündungen

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Beim Entstehen zahlreicher Krankheiten spielen chronische Entzündungen eine wichtige Rolle. Bei Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Atherosklerose, Asthma, oder beim metabolischen Syndrom sind sie am Krankheitsprozess ebenso beteiligt.

Die Natur liefert hochpotente entzündungswidrige Substanzen, die manchen modernen Medikamenten um nichts nachstehen. Das zeigen neueste auf dem Anti-Aging-Kongress präsentierte Untersuchungen.

Die chronische Entzündung gerät immer mehr ins Blickfeld der Wissenschaft. So sind verschiedene Gesundheitsprobleme unserer Zeit, wie Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht), mit chronischen systemischen Entzündungsreaktionen verknüpft, wie auf dem Wiener Anti-Aging-Kongress zu hören war.

Auch Univ.-Prof. Dipl.Ing. Dr. Alois Jungbauer, Leiter des Christian-Doppler (CD)-Laboratoriums für Rezeptorbiotechnologie, Institut für Angewandte Mikrobiologie, Universität für Bodenkultur in Wien, befasste sich mit dem Thema Fettleibigkeit.

„Adipositas wird eine wirkliche Seuche bei uns werden“, befürchtet der Forscher mit Blick auf die bekannten WHO-Prognosen. Aber eine Ernährungsumstellung, welche stark pflanzenbasiert sei, könne dazu beitragen, eine schleichende Entzündung zu bekämpfen, erklärte Prof. Jungbauer. Er befasst sich vor allem mit der Identifikation von bioaktiven Substanzen in essbaren Pflanzen.

Jungbauer und sein Team untersuchen hierfür Kräuter, Gewürze und Früchte in Bezug auf Schlüssel-Regulationsmechanismen der Entzündung, d.h. inwieweit gewisse Pflanzen tatsächlich zum Beispiel entzündungsfördernde bzw. entzündungshemmende Zytokine abschwächen bzw. verstärken können.

Er präsentierte eine Reihe von essbaren entzündungswidrigen Pflanzen, von denen Chilipfeffer (Cayennepfeffer) das höchste antientzündliche Potenzial hat. Chili reguliere entzündungswidrige Zytokine sehr schön rauf und entzündungsfördernde Zytokine wie Interleukin- (IL-) 6 oder TNF-α runter, berichtete Prof. Jungbauer.

Die Wissenschaftler haben sich auch die COX-2-Induktion (Cyclooxygenase 2) der Pflanzenextrakte bzw. der Reinsubstanzen angeschaut. Als Referenz verwendeten sie Kortison. Es zeigte sich, dass Capsaicin, die aktive Substanz von Chili, genauso wirksam wie Kortison ist. Als weitere antientzündliche Pflanzen erwähnte Prof. Jungbauer:

Piment (Nelkenpfeffer), Petersilie, Lorbeerblatt, Schwarzer Pfeffer, Lakritze (Süssholz), Muskatnuss, Oregano, Granatapfel, Safran, Paprika, Stevia-Tee, Thymian und Salbei – wobei die letzten zwei eigentlich schon in der „Grauzone“ zwischen Lebensmittel und Arzneimittel stehen. Jungbauer hat natürlich auch die eigentlich wirksamen Einzelsubstanzen der Pflanzen untersucht. Dazu zählen etwa (Beispiele in Klammer):

„- Anthocyane (rote Früchte, Wein)

– Apigenin (Sellerie, Kamille)

– Capsaicin (Chili)

– Chrysin (Passionsblume)

– Diosmetin (Schalen von Ziitrusfrüchten, v.a. im weissen Anteil)

– Ellagsäure (Granatapfel, Wein)

– 6-Gingerol (Ingwer)

– Isohumulon (Hopfen)

– Kaempferol (rote Trauben, Rotwein)

– Luteolin (Petersilie)

– Naringenin (Grapefruit)

– Quercetin (Apfel, Brokkoli, Zwiebel)

– Resveratrol (Wein, Erdnuss).“

Bei Resveratrol müsse man allerdings aufpassen, da man wegen der schlechteren Bioverfügbarkeit nicht von den In-vitro-Untersuchungen auf die In-vivo-Wirkung schliessen könne.

Zum Abschluss präsentierte der Forscher einen antientzündlichen Gewürzcocktail: Kümmel, Chili, Koriander, Schwarzer Pfeffer und Muskatnuss.

Zusätzlich verbessern Gewürze und Kräuter die physiologische sowie organoleptische Qualität unserer Nahrung, erklärte Prof. Jungbauer. Gewürzte Speisen stimulierten das gesamte endokrine System und trügen zu einer optimalen Verwertung unserer Nahrung bei.

Quelle:

Mueller M, Jungbauer A. Culinary plants, herbs and spices – A rich source of PPAR ligands.

Food Chemestry 2009; 117: 660–7 und Mueller M, Jungbauer A. PPARα activation by culinary herbs and spices. Planta Med 2010; 76: 1–8 Kongress „Menopause, Andropause, AntiAging 2010“; Wien, Dezember 2010

Pharmaceutical Tribune, Jahrgang Nr. 1/2011,

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=107878&dspaid=917989

Kommentar & Ergänzung:

Anti-Aging-Kongress!

Immer wenn ich dieses Schlagwort „Anti-Aging“ höre, werde ich etwas skeptisch, welche Mittel uns da wieder angedreht werden sollen, die angeblich unverzichtbar sind für ein gesundes Älterwerden.

Aber immerhin ist zu begrüssen, dass viele Naturstoffe auf ihre gesundheitlichen Wirkungen untersucht werden. Fragt sich nur, welche Schlüsse man aus Meldungen ziehen soll, dieser oder jener Stoff habe diese oder jene positive Wirkung. Mir scheint, solche Meldungen verwirren Konsumentinnen und Konsumenten oft mehr als dass sie umsetzbare Leitlinien geben. Sich möglichst vielfältig ernähren mit hohem Anteil an Früchten und Gemüsen. Das ist wohl sinnvoller, als auf irgendeinen gerade als besonders gesund propagierten Naturstoff zu setzen.

Interessant ist der Hinweis auf die geringe Bioverfügbarkeit von Resveratrol. Es ist ein häufiges Phänomen, dass Naturstoffe im Labor (in-vitro) tolle Wirkungen zeigen, die aber im lebenden Organismus(in-vivo) nicht oder nur teilweise erzielt werden können, zum Beispiel weis sie nur sehr eingeschränkt aus dem Verdauungstrakt aufgenommen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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