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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung publizierte der Pharmakologe Dr. Rainer C. Görne interessante Informationen zur Wirkungsweise von Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien.

Der Scharfstoff Capsaicin ist ein Alkaloid aus der Paprikafrucht (Capsicum annuum, Capsicum frutescens u. a. aus der Pflanzenfamilie der Nachtschattengewäche (Solanaceen).

Die Früchte der meisten Paprika-Arten enthalten in sehr unterschiedlicher Konzentration Capsaicin (Methylvanillylnonenamid), eine lipophile ( = fettliebende) Substanz, die für den scharfen Geschmack verantwortlich ist.

In den 80er Jahren habe man die pharmakologische Wirkung von Capsaicin mit der Depletion von Substanz P aus den sensorischen afferenten Nervenfasern zu erklären versucht, schreibt Görne.

(„Depletion“ ist die Entfernung von Substanzen aus dem Körper beziehungsweise den pathologisch gesteigerten Verbrauch dieser Substanzen durch den Organismus)

Görne weiter:

„Inzwischen konnte geklärt werden, dass der pharmakologische Wirkmechanismus von Capsaicin auf der Interaktion mit dem TRPV1-Rezeptor, einem Transmembran-Rezeptor-Ionenkanal-Komplex, beruht. Dieser wird auch als Vanilloid-Rezeptor bezeichnet.

Physiologisch wird der TRPV1-Rezeptor durch Temperatur, pH-Wert und endogene Lipide aktiviert. So erfolgt eine direkte Aktivierung bei Temperaturen von 43°C oder höher oder pH-Werten von unter 6. Aus der Aktivierung resultiert durch kurzzeitige Öffnung der Membran eine Depolarisation von sensorischen Nerven (meist C-und Ad-Fasern) durch den Zustrom von Natrium- und Calcium-Ionen.“

Diese Aktivierung werde als lokale Wärme, Brennen, Stechen oder Jucken empfunden.

Am TRPV1-Rezeptor wirken pharmakologisch neben Capsaicin verschiedene andere Substanzen (z.B. Anandamid, N-Acyldopamin, bestimmte langkettige ungesättigte Fettsäuren, Lipoxygenase-Verbindungen und mehrere Oxide der Linolsäure) als hoch selektive Agonisten (Der Begriff „Agonist“ bedeutet „der Handelnde“ und bezeichnet eine Substanz oder Struktur, die im Hinblick auf eine bestimmte Aktion verursachend wirkt).

Bei chronischen, neuropathischen Schmerzen kommt es zur kutanen (= zur Haut gehörenden) Überempfindlichkeit.

Bei der topischen (=lokal-örtlichen) Gabe von Capsaicin, das in Salben und Pflastern enthalten sein kann, werden kutane Überempfindlichkeit und die neuropathischen Schmerzen gedämpft. Dies wird durch einen Vorgang vermittelt, der am besten als „Defunktionalisierung“ von Nozizeptor-Fasern beschrieben werden kann.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/default.aspx?sid=859001&sh=86&h=-1625197168&ticket=ST-8537-SId3WdHFalIKL1YpRnseD9WmxkY6EgLgrCG-20

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Text erklärt vor allem die Wirkungsweise von Capsaicin, er setzt aber einiges voraus an Kenntnissen in Anatomie und Physiologie.

Capsaicin ist aber fraglos ein interessanter Naturstoff zur Behandlung von Juckreiz und neuropathischen Schmerzen.

Die ESCOP empfiehlt Cayennepfeffer bzw. Capsaicin für folgende Anwendungsbereiche:

 

„Zur Linderung von Muskelschmerzen, z.B. Rückenschmerzen, und zur Behandlung von Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrose) und rheumatoider Arthritis; weiterhin zur Behandlung von Nervenschmerzen, wie sie z.B. als Folge einer Gürtelrose auftreten können oder bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie; außerdem gegen den Juckreiz verschiedener Ursache, z.B. im Zusammenhang mit Schuppenflechte oder Blutdialyse und bei Kontakt mit Wasser.“

Quelle:

http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/cayennepfeffer.php

Siehe auch:

Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer 

Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Chili-Pflaster lindert Schmerzen 

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

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Bei chronischem Juckreiz können Cremes mit Capsaicinoiden lindernd wirken. Diese Naturstoffe sind in Cayennepfeffer und anderen Paprika-Arten enthalten. Derzeit existieren keine industriell produzierten Arzneimittel, aber Apotheker können entsprechende Rezepturen herstellen. «Wer unter chronischem Juckreiz leidet, sollte nicht allein herum probieren, sondern sich an seinen Arzt wenden», empfielt Dr. Andreas Kiefer.
Er ist Vorsitzender der Kommission Neues Rezeptur Formularium (NRF), die für Apotheker einen entsprechenden Rezepturhinweis publiziert hat. «Gerade bei Hautkrankheiten ist nicht nur der Inhaltsstoff wichtig, denn auch die Hilfsstoffe und die Zubereitung spielen eine große Rolle. Hautärzte und Apotheker arbeiten deshalb eng zusammen. Die Therapie mit einer solchen Capsaicin-Creme funktioniert nur, wenn der Patient informiert und von der Behandlung überzeugt ist. Die Beratung in der Apotheke ist deshalb unerlässlich», erklärt Kiefer.

Wichtig ist das langsame Einschleichen der Behandlung, weil in den ersten Tagen als Nebenwirkungen Brennen oder Jucken auftreten können. Die Wirkung hingegen zeigt sich erst verzögert nach einigen Tagen. Darum werden diese Arzneimittel in der Regel mindestens sechs Wochen lang angewendet. Die Cremes sollten über den Tag verteilt mehrmals aufgetragen werden. Sie können auch gegen Schmerzen, etwa nach einer Herpesinfektion oder bei Rheuma-Erkrankungen, angewendet werden.

NRF-Rezepturhinweise für die Apotheke zur Capsaicin-Creme gibt es hier:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2264
(Capsaicin ins Suchfeld eingeben, dann auf “Capsaicin zur Anwendung auf der Haut” klicken)

Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Capsaicin ist auch interessant gegen Schmerzen, zum Beispiel bei Rheuma, aber auch bei Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetischer Neuropathie oder postherpetischer Neuralgie und trigeminaler Neuralgie.

Weitere Info dazu:

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Zum Thema Juckreiz & Capsaicin:

Capsaicinhaltige Zubereitungen haben meistens eine Konzentration von 0,025 – 0,075%.
Augustin / Hoch führen in ihrem Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” im Abschnitt “Juckreiz” (Pruritus) für Capsaicin-Anwendungen folgende Indikationen auf:
Prurigo simplex subacuta
HAES-induzierter Pruritus
Urämischer Pruritus
Pruritus bei Dialyse
Pruritus bei PUVA

Auch sie empfehlen vorsichtiges und einschleichendes Dosieren, bei empfindlicher Haut z. B. 0,001%, gesteigert bis auf ca. 0,025% und bei guter Verträglichkeit bis auf max. 0,1%.
Bei grossflächigem Juckreiz empfehlen die Autoren zur besseren Anwendbarkeit die Rezeptur als Creme oder Creme-Lotio statt Salbe.

Das empfehlenswerte Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” finden Sie im Buchshop.

Interessantes darüber hinaus zum Capsaicin:

Der Wirkstoff Capsaicin kommt auch im “Pfefferspray” als Selbstverteidigungsmittel zur Anwendung. Der irreführende Namensbestandteil “Pfeffer” kam über die englische Bezeichnung “pepper spray” ins Deutsche, wobei aber “pepper” (auch chili pepper, red pepper usw.) für Chilischoten steht. Zudem lässt sich die Bezeichnung auf eine Ähnlichkeit in der Schärfe der beiden nicht mit einander verwandten Pflanzen zurückführen.

Der Pfefferspray enthält Oleoresin Capsicum, das aus dem Fruchtfleisch tropischer und subtropischer Chilipflanzen gewonnen wird, farblos und nicht ätzend ist und Capsaicin sowie verwandte Substanzen enthält.
Am Auge führt Oleoresin capsicum zu einem heftigen brennenden Schmerz und über eine Schwellung der Augenlider zu einem sofortigen, krampfartigen Verschliessen derselben für 5 – 10 Minuten, was einen Angreifer orientierungslos macht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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