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Rotes Weinlaub und Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern – ja, aber in welcher Form?

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T-online hat einen Artikel zum Thema „Venenschwäche“ veröffentlicht mit dem Titel „Krampfadern vorbeugen: So zögern Sie sie hinaus.“

Darin gibt es eine Reihe nützlicher, aber auch schon ziemlich bekannter Tipps. Beispielsweise zu Risikofaktoren für Krampfadern wie:

langes Stehen

langes Sitzen

Bewegungsmangel

Übergewicht

Rauchen

Antibabypille

Hormonersatztherapien etwa in den Wechseljahren.

 

Auch wird auf die Bedeutung ausreichender Bewegung hingewiesen.

In einem Nebensatz kommt dazu noch netterweise eine Empfehlung zweier Heilpflanzen:

„In der Naturheilkunde werden auch Cremes und Umschläge aus rotem Weinlaub- oder Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern eingesetzt.“

Damit trifft t-online im selben Satz voll ins Schwarze und voll daneben.

Rotes Weinlauf und Rosskastanien-Extrakt, das sind zusammen mit Buchweizenkraut (Rutin) tatsächlich die Favoriten der Phytotherapie, wenn es um Venenschwäche und Krampfadern geht.

Zwei Punkte laufen aber schief:

  1. Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, gibt es beim Roten Weinlaub und beim Rosskastanien-Extrakt nur für Präparate zum Einnehmen, zum Beispiel in Kapselform. Dass die Wirkstoffe aus Rotem Weinlauf (Flavonoide) und aus Rosskastanien-Extrakt (Aescin) durch die Haut in relevanten Mengen aufgenommen werden, ist sehr unwahrscheinlich und nicht einmal ansatzweise belegt. Umschläge mit Roten Weinlaub oder Rosskastaniensalben sind daher als Anwendungsform sehr fragwürdig
  1. Es gibt keine fundierten Hinweise darauf, dass Präparate aus Rotem Weinlaub oder Rosskastanien-Extrakt vorbeugend oder gar heilend wirken bei Krampfadern, wie es der Text nahelegt. Belegt wurde eine Linderung der Beschwerden bei Venenschwäche bzw. Krampfadern. Venöse Stauungen (Ödeme) und das Gefühl schwerer Beine wurden reduziert. Das ist wertvoll, aber es ist eben nicht die Vorbeugung oder gar Heilung, die von der Werbung oft versprochen wird.

Darüber hinaus enthält der Text auf t-online noch Tipps zur Ernährung, zum Beispiel:

„Fördern Sie die Venendurchblutung mit Gewürzen wie Ingwer, Pfeffer und Chili.“

Nichts gegen Ingwer, Pfeffer und Chili, aber so ganz nachvollziehbar ist diese Empfehlung nicht. Der Wirkstoff im Chili (Capsaicin) wirkt beispielsweise auf der Haut durchblutungsfördernd und erweitert dazu kleine Kapillargefässe. Aber ob ich eine solche Wirkung auch auslösen kann durch Einnahme von Chili ist sehr fraglich. Wieviel Chili müsste ich denn täglich einnehmen, damit der Wirkstoff in relevanter Konzentration in kleinen Venen gelangt und sie erweitert. Und wäre das überhaupt sinnvoll für einen besseren venösen Rückfluss oder eher kontraproduktiv?

Quelle der Zitate:

http://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_46399962/krampfadern-vorbeugen-mit-sport-und-richtiger-ernaehrung.html

Siehe auch:

Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Pfefferminzöl bei Muskelkater?

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T-online gibt in einem Beitrag Tipps zum Umgang mit Muskelkater und hat eine interessante Empfehlung: Pfefferminzöl.

Hier eine Zusammenfassung mit anschliessendem Kommentar:

Muskelkater entwickelt sich, wenn die Muskeln beim Training zu stark strapaziert werden und dadurch kleine Risse im Gewebe entstehen. Die verletzten Muskelfasern schwellen an und es kommt zu einer Entzündung, die sich durch den charakteristischen ziehenden und stechenden Schmerz zeigt.

Wer ungewohnt intensive Belastungen oder für den Muskel ungewohnte Bewegungsabläufe durchführt, muss mit Muskelkater rechnen. Verhindern lässt er sich nur mit einem auf die vorhandene Muskelkraft abgestimmten Training.

Aufwärmübungen und Dehneinheiten vor dem Sport reduzieren zwar das Verletzungsrisiko von Sehnen und Bändern, können aber einem Muskekater nicht vorbeugen. Und Schmerzmittel lindern nur das Symptom Schmerz, helfen jedoch den verletzten Muskelfasern nicht. Sportmedizinern zufolge können die in den Schmerzmitteln eingesetzten Wirkstoffe sogar den Muskelaufbau stören.

Gegen ein sanftes Sportprogramm ist Fachleuten zufolge auch mit Muskelkater nichts einzuwenden. Das Training sollte aber deutlich weniger intensiv ausfallen, weil der Muskel Zeit braucht um sich zu regenerieren. Walken, langsames Radfahren und entspanntes Schwimmen sind gute Trainingsmöglichkeiten in dieser Phase. Bei starkem Muskelkater ist aber eine Auszeit zu empfehlen oder eine Verlagerung des Trainings auf andere Muskelgruppen unter Schonung der beanspruchten.

Zahlreiche Sportler setzen auf Wärme nach der Trainingseinheit, weil sie die Muskeln entspannt und durch Erweiterung der Gefässe die Durchblutung fördert. Dadurch wird der Muskel besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

Von Massagen raten Fachleute bei Muskelkater allerdings ab, da der Druck, der dabei auf die Muskelpartien ausgeübt wird, diesen zusätzlich reizt.

Als Geheimtipp gegen Muskelkater stellt T-online in dem Beitrag Pfefferminzöl vor:

„Die ätherischen Öle, darunter Menthol, Menthon und Menthofuran wirken krampflösend, entspannend, kühlend und durchblutungsfördernd. So werden die Muskeln bei der Regeneration unterstützt und das Ziehen im Muskel gelindert. Am besten trägt man das Öl direkt nach der sportlichen Belastung auf die beanspruchten Bereiche auf.

Ein wenig verdünnt ist das Öl für die Haut besser verträglich. Einfach einige Tropfen auf ein angefeuchtetes Tuch oder Wattepad geben und die gewünschte Hautstelle damit einreiben.“

Wichtig sei zudem, nach der Anwendung die Hände gründlich zu waschen und den Kontakt mit den Augen zu vermeiden.

Der Muskelkater erreicht meist am zweiten oder dritten Tag nach dem intensiven Training seinen Höhepunkt und bis er wieder vollständig abgeklungen ist, kann es bis zu sieben Tage dauern.

Schädlich sei Muskelkater nicht, schreibt T-online. Sehr ausgeprägter und schmerzhafter Muskelkater sei allerdings ein sicheres Zeichen dafür, dass man es übertrieben hat.

Das Gute an Muskelkater sei zudem, „dass der Muskel angeregt wird, sich auf intensivere Trainingseinheiten vorzubereiten, zu wachsen beginnt und an Stärke gewinnt.“

Sei der Schmerz kaum auszuhalten oder lasse er nach einigen Tagen nicht nach, solle man einen Arzt aufsuchen. Dann könne es sein, dass eine Sportverletzung vorliegt, die behandelt werden muss.

Quelle:

http://www.t-online.de/gesundheit/fitness/id_81171044/muskelkater-weitertrainieren-oder-pausieren-.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Pfefferminzöl bei Muskelkater – diese Empfehlung ist mir bisher noch nie über den Weg gelaufen.

Pfefferminzöl wird äusserlich oft verwendet als juckreizstillendes Mittel zum Beispiel bei Insektenstichen (ca. 1%ig) und als Gegenstimulation zur Linderung von Spannungskopfschmerzen (ca. 10%ig).

Bei akuten Prellungen auf den Sportplatz kann Pfefferminzöl Schmerzen ebenfalls lindern durch Gegenstimulation (Counterirritation). Menthol als Hauptbestandteil des Pfefferminzöls reizt die Kältesensoren in der Haut und die Kühlempfindung überlagert die Schmerzempfindung, lindert sie dadurch auf ähnliche Art wie ein Eisspray, aber ohne physikalisch zu kühlen.

Dass Pfefferminzöl auf der Basis einer Gegenstimulation auch Schmerzen bei Muskelkater lindert ist deshalb denkbar. Ich würde dazu allerdings Pfefferminzöl 10%ig in alkoholischer Lösung nehmen, so wie es als Roller oder Tupfer in Apotheken und Drogerien gegen Spannungskopfschmerzen empfohlen wird.

Dass sich mit Pfefferminzöl die Durchblutung (des Muskels) anregen lässt, scheint mir nicht sehr überzeugend. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Naturstoffen mit durchblutungssteigernder Wirkung – zum Beispiel Capsaicin aus Paprika, Rosmarinöl, Kampfer und Wacholderöl. Sie wirken aber eher wärmend und werden in Sportsalben und Rheumasalben eingesetzt. Ob sie auch die Durchblutung der Muskeln fördern ist eher zweifelhaft. Es spricht mehr dafür, dass sich die durchblutungsfördernde Wirkung vor allem auf die Haut beschränkt. Eine schmerzlindernde Wirkung des Pfefferminzöls bei Muskelkater kann ich mir aber gut vorstellen.

Siehe auch:

Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

 

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Unterschätzt wird nicht selten die recht gute Wirksamkeit von Pfefferminzöl gegen viele Bakterien, Viren (z. B. Herpes) und Hefepilze (z. B. Candida albicans). Untersuchungen dazu wurden im Zusammenhang mit Olbas-Tropfen gemacht – ein Gemisch aus Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl.

Siehe dazu:

Olbas-Tropfen: Ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Capsaicin-Pflaster Qutenza™: Indikationserweiterung „schmerzhafte diabetische Neuropathie“

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Das Capasicin-Pflaster Qutenza™ kann neu bei Patienten mit schmerzhafter diabetischer Neuropathie eingesetzt werden.

Vor jeder Anwendung von Qutenza und bei den folgenden Arztbesuchen soll eine sorgfältige Untersuchung der Füsse durchgeführt werden, um Hautläsionen in Zusammenhang mit der zugrundeliegenden Neuropathie oder vaskulären Insuffizienz zu diagnostizieren.

Diabetes-Patienten, die zusätzlich an koronarer Herzerkrankung, Hypertonie oder kardiovaskulärer autonomer Neuropathie leiden, sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?LangID=2&CommID=0

(Fachinformation Qutenza™)

Kommentar & Ergänzung:

Das Alkaloid Capsaicin kommt als Scharfstoff in verschiedenen Paprika-Arten vor.

Capsaicin wird schon seit langem äusserlich schmerzlindernd eingesetzt als Creme, Salbe oder Pflaster.

Qutenza ist eine neuere Entwicklung. Die Capsaicin-Konzentration im Qutenza-Pflaster ist dabei um ein vielfaches höher (8%) als in herkömmlichen Capsaicin-Anwendungen. Das Produkt darf daher nur unter ärztlicher Anleitung von instruiertem Fachpersonal angewendet werden. Es wird zur Schmerzlinderung bei Menschen angewendet, die Nervenschmerzen aufgrund von geschädigten Nerven in der Haut haben.

Hautnerven können durch verschiedene Krankheiten wie beispielweise Gürtelrose und HIV-Infektion, bestimmte Arzneimittel und andere Zustände geschädigt werden.

Diabetes-Kranke waren bisher von der Behandlung mit Qutenza ausgeschlossen.

Die neue Indikation „schmerzhafte diabetische Neuropathie“ bringt hier eine wesentliche Erweiterung.

Siehe auch:

Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

 

 

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Phytotherapie: EMA veröffentlicht Empfehlungen zu Phytopharmaka

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Die europäische Aufsichtsbehörde „European Medicines Agency“ (EMA) will Informationen zu pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Deshalb werden ab sofort die Empfehlungen zur Anwendung von Phytopharmaka, die der zuständige Ausschuss, das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), publiziert, in laienverständlicher Sprache zusammengefasst.

Die Zusammenfassungen umfassen Informationen zur Bewertung des Phytopharmakons, die Schlussfolgerungen des HMPC betreffend die empfohlene Anwendung, sowie die Daten, auf denen die Empfehlungen basieren und Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen.

Diese Angaben sollen die Packungsbeilage ergänzen und den Bürgern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen, wenn sie die entsprechenden Präparate in der Selbstmedikation anwenden.

Für sechs Heilpflanzen, deren Bewertung schon abgeschlossen ist, wurden die Zusammenfassungen nun publiziert.

In Zukunft sollen diese Dokumente für alle neu bewerteten Heilpflanzen sowie für alle Revisionen, die im Rahmen der üblichen Routine stattfinden, verfügbar sein.

Die EMA beabsichtigt, nach und nach die publizierten Zusammenfassungen in alle offiziellen Sprachen der EU zu übersetzt.

Bislang publiziert sind:

 

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia california)

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Beinwell (Symphytum officinale)

Paprika (Capsicum annuum)

Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Mausohr-Habichtskraut (Hieracium pilosella)

 

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/08/05/phytoempfehlungen-der-ema-kuenftig-auch-fuer-laien-verstaendlich/16417.html

Kommentar & Ergänzung:

So kommen Sie zu diesen Zusammenfassungen:

Gehen Sie auf die Übersichtsseite. Unter „Browse A – Z“ klicken Sie auf den Buchstaben, der dem ersten Buchstaben des lateinischen Namens der Heilpflanze entspricht, die Sie suchen.

Aus der Liste wählen Sie die entsprechende Heilpflanze aus.

Wenn Sie auf der Seite der gesuchten Heilpflanze sind, zum Beispiel „Ginkgo“, dann sehen Sie zuerst die Zusammenfassung. Unter „All documents“ kommen Sie zu PDFs mit weiteren Informationen.

Dort können Sie zum Beispiel die Monografie zu Ginkgo abrufen.

Die Beschreibungen der Heilpflanzen ist nicht umfangreich. Davon sollte man sich nicht über ihren Wert täuschen lassen. Die Knappheit ist Resultat eines wohl ziemlich aufwendigen Auswahlprozesses. Die Quantität sagt nichts über die Qualität aus. Das ist im übrigen ähnlich bei Vorträgen und Kursen über Heilpflanzen. Wer am meisten über fast unendliche und wunderbare Anwendungsmöglichkeiten erzählt, hat sich vielleicht einfach um den aufwendigen Auswahlprozess gedrückt.

Interessant bei diesen Monografien ist zum Beispiel die Unterscheidung in „Well-established-use“ (linke Spalte) und „Traditional use“ (rechte Spalte).

„Well-established-use“ – das umfasst Aussagen, für die es wissenschaftliche Daten gibt.

„Traditional use“ – damit sind Aussagen zu Heilwirkungen gemeint, die ausschliesslich auf überlieferten Angaben aus langjähriger Anwendung basieren.

Monografien als Form der Qualitätssicherung

Die detaillierte Beschreibung von Heilpflanzen in Monografien, wie es hier das HMPC macht, ist eine Form der Qualitätssicherung in der Phytotherapie. Der wesentlichste Punkt dabei ist, dass die Quellen offengelegt werden, auf denen die Aussagen basieren.

Sie finden diese Quellenangaben unter „All documents“ als PDF mit dem Titel „List of references supporting the assessment of….“.

Prägnant formulierte der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Aussagen in Monografien, die in einem kooperativen Verfahren zustande gekommen sind und auf offengelegten Quellen beruhen, haben einen viel höheren Glaubwürdigkeitsgrad als isolierte Behauptungen von Einzelpersonen.

Der Weg, wie eine Aussage zustande gekommen ist, muss so gut wie möglich dokumentiert sein. Das bieten Monografien in hohem Mass.

Neben diesen neuen HMPC-Monografien sind in der Phytotherapie die ESCOP-Monografien und die älteren Monografien der Kommission E wichtig. Auch die WHO erstellt Monografien von Heilpflanzen.

Phytotherapie: Was sind ESCOP-Monografien

Phytotherapie: Kommission E – was beudeutet das?

Es wimmelt aber von isolierten Behauptungen von Einzelpersonen über die Wirkungen von Heilpflanzen. Behauptungen, die keinen kooperativen Diskussionsprozess überstanden haben und deren Entstehungsweg nicht transparent dokumentiert ist.

Was ist von solchen Behauptungen zu halten?

Nur weil es isolierte, undokumentierte und oft intransparent entstandene Behauptungen von Einzelpersonen sind, müssen sie ja nicht falsch sein.

Sie könnten trotzdem korrekt sein, aber sie haben wesentliche Prüfungen durch die „Community“ der Fachleute nicht hinter sich. Und daher sind sie wesentlich ungewisser und weniger glaubwürdig.

Beispiele für solche freischwebenden, isolierten, undokumentierten Behauptungen, die häufig anzutreffen, aber fragwürdig sind:

Storchenschnabeltinktur gegen Schock

Karde gegen Borreliose

Kleiner Kommentar zu den 6 veröffentlichten Zusammenfassungen

Da sind sehr unterschiedliche Heilpflanzen ausgewählt worden von den Anwendungsbereichen und von der Bedeutung her.

Ein paar Stichworte:

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia california)

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia californica, Papaveraceae) wird traditionell als Beruhigungsmittel und als leichtes Schlafmittel in der amerikanischen Indianermedizin angewendet. Diese Heilpflanze ist in der Schweiz wenig bekannt. Es gibt aber seit 2008 ein zugelassenes Arzneimitttel. Die wissenschaftliche Datenbasis ist schmal (Tierversuche, keine ausreichenden Patientenstudien)

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Ginkgo-Extrakt gehört zu den meistverkauften und am besten untersuchten Heilpflanzen. Patientenstudien sprechen für eine positive Wirkung im Frühstadium von Demenzerkrankungen.

Beinwell (Symphytum officinale)

Äusserlich als entzündungshemmende Salbe oder Gel oft angewendet bei stumpfen Verletzungen (Prellungen, Verstauchungen) und Gelenkentzündungen. In den letzten Jahren zunehmend wissenschaftlich erforscht mit Patientenstudien, welche diese Wirkungen teilweise untermauern konnten.

Paprika (Capsicum annuum)

Paprika enthält als wichtigsten Inhaltsstoff das Alkaloid Capsaicin mit schmerzstillender, juckreizlindernder und entzündungshemmender Wirkung. Äusserlich angewandt lassen sich damit zum Beispiel Gelenkschmerzen, Neuralgien und manche Formen von Juckreiz behandeln. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Studien.

Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Enthält Gerbstoffe und kann beispielsweise bei leichten Durchfallerkrankungen und leichten Mundschleimhautentzündungen angewendet werden. Da es viele und wahrscheinlich auch besser wirksame Gerbstoffpflanzen gibt, wird Odermennigkraut nur selten eingesetzt. Patientenstudien fehlen.

Mausohr-Habichtskraut (Hieracium pilosella)

Diese Pflanze ist mir in der Phytotherapie-Fachliteratur noch nie über den Weg gelaufen und daher überrascht es mich, sie hier in dieser Liste anzutreffen. Auf den Kräuterwanderungen sehe ich sie oft. Die langen Haare auf den Blättern sind sehr auffällig und haben zur Bezeichnung Mausohr-Habichtskraut geführt (auch: „Langhaariges Habichtskraut“ oder von mir inoffiziell „Dreitagebart-Habichtskraut“ genannt).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung publizierte der Pharmakologe Dr. Rainer C. Görne interessante Informationen zur Wirkungsweise von Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien.

Der Scharfstoff Capsaicin ist ein Alkaloid aus der Paprikafrucht (Capsicum annuum, Capsicum frutescens u. a. aus der Pflanzenfamilie der Nachtschattengewäche (Solanaceen).

Die Früchte der meisten Paprika-Arten enthalten in sehr unterschiedlicher Konzentration Capsaicin (Methylvanillylnonenamid), eine lipophile ( = fettliebende) Substanz, die für den scharfen Geschmack verantwortlich ist.

In den 80er Jahren habe man die pharmakologische Wirkung von Capsaicin mit der Depletion von Substanz P aus den sensorischen afferenten Nervenfasern zu erklären versucht, schreibt Görne.

(„Depletion“ ist die Entfernung von Substanzen aus dem Körper beziehungsweise den pathologisch gesteigerten Verbrauch dieser Substanzen durch den Organismus)

Görne weiter:

„Inzwischen konnte geklärt werden, dass der pharmakologische Wirkmechanismus von Capsaicin auf der Interaktion mit dem TRPV1-Rezeptor, einem Transmembran-Rezeptor-Ionenkanal-Komplex, beruht. Dieser wird auch als Vanilloid-Rezeptor bezeichnet.

Physiologisch wird der TRPV1-Rezeptor durch Temperatur, pH-Wert und endogene Lipide aktiviert. So erfolgt eine direkte Aktivierung bei Temperaturen von 43°C oder höher oder pH-Werten von unter 6. Aus der Aktivierung resultiert durch kurzzeitige Öffnung der Membran eine Depolarisation von sensorischen Nerven (meist C-und Ad-Fasern) durch den Zustrom von Natrium- und Calcium-Ionen.“

Diese Aktivierung werde als lokale Wärme, Brennen, Stechen oder Jucken empfunden.

Am TRPV1-Rezeptor wirken pharmakologisch neben Capsaicin verschiedene andere Substanzen (z.B. Anandamid, N-Acyldopamin, bestimmte langkettige ungesättigte Fettsäuren, Lipoxygenase-Verbindungen und mehrere Oxide der Linolsäure) als hoch selektive Agonisten (Der Begriff „Agonist“ bedeutet „der Handelnde“ und bezeichnet eine Substanz oder Struktur, die im Hinblick auf eine bestimmte Aktion verursachend wirkt).

Bei chronischen, neuropathischen Schmerzen kommt es zur kutanen (= zur Haut gehörenden) Überempfindlichkeit.

Bei der topischen (=lokal-örtlichen) Gabe von Capsaicin, das in Salben und Pflastern enthalten sein kann, werden kutane Überempfindlichkeit und die neuropathischen Schmerzen gedämpft. Dies wird durch einen Vorgang vermittelt, der am besten als „Defunktionalisierung“ von Nozizeptor-Fasern beschrieben werden kann.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/default.aspx?sid=859001&sh=86&h=-1625197168&ticket=ST-8537-SId3WdHFalIKL1YpRnseD9WmxkY6EgLgrCG-20

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Text erklärt vor allem die Wirkungsweise von Capsaicin, er setzt aber einiges voraus an Kenntnissen in Anatomie und Physiologie.

Capsaicin ist aber fraglos ein interessanter Naturstoff zur Behandlung von Juckreiz und neuropathischen Schmerzen.

Die ESCOP empfiehlt Cayennepfeffer bzw. Capsaicin für folgende Anwendungsbereiche:

 

„Zur Linderung von Muskelschmerzen, z.B. Rückenschmerzen, und zur Behandlung von Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrose) und rheumatoider Arthritis; weiterhin zur Behandlung von Nervenschmerzen, wie sie z.B. als Folge einer Gürtelrose auftreten können oder bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie; außerdem gegen den Juckreiz verschiedener Ursache, z.B. im Zusammenhang mit Schuppenflechte oder Blutdialyse und bei Kontakt mit Wasser.“

Quelle:

http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/cayennepfeffer.php

Siehe auch:

Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer 

Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Chili-Pflaster lindert Schmerzen 

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

 

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Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer

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In der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 4 / 2014) publizierte Mag. Pharm. Stefanie Lair einen informativen Beitrag zum Thema Schmerztherapie. Dabei geht die Autorin auch auf pflanzliche Anwendungen ein – unter anderem auf Capsaicin aus dem Cayennepfeffer.

Zitat:

„Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung von Capsicum annuum L., Capsicum frutescens zeigen eine außerordentich gute Wirkung bei Muskelschmerzen, Hexenschuss sowie bei Nervenschmerzen. Es handelt sich dabei um die Inhaltsstoffe Capsaicin, ätherisches Öl, Farbstoffe und fettes Öl. Es entsteht primär ein Wärmegefühl, das bestimmte Botenstoffe in den Nervenzellen hemmt und somit die Schmerzempfindung herabsetzt. Capsaicin wirkt als Agonist an TRP-Ionenkanälen und aktiviert Nozirezeptoren, die Neuropetptide, die beispielsweise die Substanz P freisetzen. Diese Freisetzung bewirkt Juckreiz, Brennen und Gefäßerweiterung. Nach wiederholten Anwendungen kommt es zur Desensibilisierung und einer Unempfindlichkeit der Nervenfasern gegenüber Reizen, so auch gegen Schmerzen. Allerdings ist im Umgang mit Cayennepfeffer Vorsicht geboten. Da die Inhaltsstoffe kaum wasserlöslich sind, reizen sie extrem die Schleimhäute und Augen. Verursachen diese Präparate Reizungen auf der Haut, sollte man sie mit Öl entfernen.“

Kommentar & Ergänzung:

Gute Zusammenfassung und Erklärung der Wirkungen des Alkaloids Capsaicin.

Für die Phytotherapie ist Capsaicin ein wichtiger Wirkstoff für die Behandlung von Schmerzen und Juckreiz.

Mehr zu Capsaicin:

Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

Chilipflaster lindert Schmerzen

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Chilipflaster gegen Nervenschmerzen (Qutenza)

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

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Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

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Rheumapflaster enthalten oft Capsaicin, ein Alkaloid aus Cayennepfeffer, das zu den Alkaloiden gehört.

Die Österreichische Apothekerzeitung (Nr. 2 / 2014) beschreibt die Wirkungen von Capsaicin kurz und knapp so:

„Nach Applikation entfaltet der Wirkstoff seine Doppelwirkung:

1. Capsaicin entwickelt wohltuende natürliche Heilwärme und fördert somit die Durchblutung im Schmerzgebiet. Es kommt zu einer verbesserten Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, Stoffwechselprodukte werden beschleunigt abtransportiert, Verspannungen werden tiefenwirksam gelöst.

2. Capsaicin wirkt direkt auf die Schmerzübertragung und -weiterleitung. Der Wirkstoff hemmt vorüber- gehend die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Substanz P an den Nervenendigungen und blockiert so die Schmerzweiterleitung.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2014/OAZ-2014-02.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Capsaicin ist für die Schärfe und Hitze verantwortlich, die sich beim Verzehr von Chilischoten entwickeln. Wegen dieser Hemmung der Wiederaufnahme des Neurotransmitters Substanz P wird Capsaicin seit einigen Jahren intensiv untersucht und zur Linderung von Schmerzen und Juckreiz eingesetzt.

Siehe dazu:

Chili-Pflaster lindert Schmerzen

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Capsaicincreme hilft gegen Juckreiz

Chilipflaster gegen Nervenschmerzen

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

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Minzöl („Japanisches Pfefferminzöl“) ist ein ätherisches Öl, das aus dem Kraut bestimmter Ackerminzen gewonnen wird. Es wird als kostengünstige Alternative zu dem höherwertigen Pfefferminzöl in ähnlichen Einsatzbereichen angewendet.

Herstellung von Minzöl

Minzöl wird mittels Wasserdampfdestillation aus dem Kraut mentholreicher Kulturformen der Ackerminze gewonnen. Für pharmazeutische Qualitäten des Öls (Menthae arvensis aetherolum) sind Mentha arvensis L. var. piperascens MALINV. ex HOLMES (Japanische Minze) sowie Mentha canadensis L. zugelassene Stammpflanzen. Aus dem primär gewonnenen sehr mentholreichen dickflüssigen ätherischen Öl (Mentholgehalt bis zu 90 %) wird ein Teil des Menthols nach Kristallisation durch Filtration abgetrennt und nach Rektifikation das Minzöl erhalten.

Ein naturbelassenes Minzöl existiert nicht, da der natürliche Mentholgehalt für eine Anwendung zu hoch ist und somit vermindert werden muss. Die Ackerminze wird zur Gewinnung natürlichen Menthols für die Arznei- und Kosmetikindustrie genutzt. Von Mentha arvensis gibt es unterschiedliche Pflanzenzüchtungen, die das Ziel haben, den Mentholgehalt und die ätherische Ölausbeute zu steigern. So liegt der Mentholgehalt neuerer Pflanzenzüchtungen bei ca. 90 % der gesamten Menge an ätherischem Minzöl.

Inhaltsstoffe des Minzöls

Minzöl enthält etwa 30 – 50 % Menthol, etwa 17 – 35 % Menthon, etwa 5 – 13 % Isomenthon und etwa 1,5 – 7 % Menthylacetat, sowie weitere Terpene.

Wirkung des Minzöls

Der chemische Hauptbestandteil des Minzöls ist Menthol. In höherer Dosierung wirkt das ätherische Öl darum lokal betäubend (anästhesierend) und schmerzunterdrückend (analgetisch), die Wirkung entspricht dem des (echten) Pfefferminzöls aus Mentha piperita.

Menthol wirkt am Kälte-Menthol-Rezeptor (TRPM8), deshalb hat das Öl eine (scheinbar) kühlende Wirkung, die Körpertemperatur wird aber nicht beeinflusst. Diese Wirkung ist vergleichbar mit dem Hitzereiz des Alkaloids Capsaicin aus Paprika.

Anwendung des Minzöls

Innerlich wird Minzöl bei Blähungen (Meteorismus), funktionellen Magenbeschwerden, Darmbeschwerden (Reizdarm) und Gallenbeschwerden und Katarrhen der oberen Luftwege angewendet. Die äußerliche Anwendung des Minzöls erfolgt auf den Schläfen bei Kopfschmerzen und zur Linderung der Symptome von Erkältungen. Mit Hilfe von Inhalation können bei Husten festsitzender Schleim gelöst und die oberen Atemwege frei gemacht werden. Das Einreiben verspannter Muskelpartien mit Minzöl kann die Beschwerden lindern.

Minzöl kommt zudem als Aroma in Lebensmitteln und Mundpflegemitteln zum Einsatz. Hinsichtlich Geruchqualität und Geschmacksqualität ist das Minzöl dem echten Pfefferminzöl unterlegen.

Anwendungsbeschränkung für Minzöl

Minzöl und minzölhaltige Zubereitungen dürfen nicht bei Kleinkindern und Säuglingen eingesetzt werden, weil dies mit dem Risiko lebensbedrohlicher Atemnotzustände verbunden ist.

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Minzöl

Kommentar & Ergänzung:

Gegen Spannungskopfschmerzen wird Minzöl in 10%iger Konzentration eingerieben, zum Beispiel gemischt mit fettem Öl (bspw. Mandelöl).

Oft wird aber zu diesem Zweck Pfefferminzöl aus Mentha piperita verwendet.

Siehe dazu:

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen lindern mit Pfefferminzöl oder Tigerbalsam

Ebenfalls gegen Kopfschmerzen eingesetzt wird China Kopfwehöl, das aus Pfefferminzöl, Kampfer, Menthol, Eucalyptusöl, Methylsalicylat und Thymol besteht.

Siehe:

Was ist China Kopfwehöl?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Regelmässiges Schwimmen hilft, erhöhte Blutdruckwerte zu senken

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Bei leicht erhöhten Blutdruckwerten (120 – 139 systolisch bzw. 80 – 89 mmHg diastolisch), die als Vorstufe des Bluthochdrucks (Prähypertonie) gelten, muss bei ansonsten gesunden Menschen nicht gleich medikamentös behandelt werden.

Meist kann eine Senkung der Blutdruckwerte schon durch Lebensstil-Maßnahmen erreichen werden, wie beispielsweise durch Reduktion von Übergewicht, verminderten Salzkonsum oder regelmässigen Ausdauersport.

Auch regelmäßig zum Schwimmen gehen kann beispielsweise mithelfen, einen manifesten Bluthochdruck zu verhindern, und zudem einer Arterienverkalkung vorbeugen. Gerade für ältere oder übergewichtige, untrainierte Menschen, die häufig auch Gelenkprobleme haben,  ist Schwimmen im richtig temperierten Wasser als Sport gut geeignet.

Blutdruck-Reduktion um 10 mmHG nach zwölf Wochen

US-Wissenschaftler aus Texas konnten nun in einer Studie zeigen, dass regelmäßiges Schwimmen (drei- bis viermal die Woche jeweils 40-45 Minuten) schon nach zwölf Wochen zu einer Reduktion des arteriellen Blutdruckes um rund 10 mmHg führt, wobei sich auch die Funktion der Blutgefäße deutlich verbessert. Die Elastizität der Gefäße und ihre durch den Blutfluss vermittelte Fähigkeit, sich zu erweitern, nehmen durch das Schwimmtraining nachweislich zu. In einer Kontrollgruppe, die anstatt zu schwimmen statische Entspannungs- und Dehnungsübungen durchführte, waren solche Effekte hingegen nicht festzustellen.

Die Studie wurde publiziert im American Journal of Cardiology (Online-Vorabveröffentlichung am 16.1.2012).

Training im richtigen Pulsbereich nötig

Bei erhöhtem Blutdruck können grundsätzlich alle Ausdauersportarten günstig wirken, wenn man sie regelmäßig – das heißt mindestens dreimal wöchentlich für mindestens eine halbe Stunde – betreibt. Allerdings sollte gerade bei älteren Patienten vor Trainingsaufnahme ein erhöhtes Risiko von Sport beispielsweise durch eine Belastungsuntersuchung ausgeschlossen sein.  Zur Reduktion des Blutdrucks ist hauptsächlich das regelmäßige Training im richtigen Pulsbereich wichtig.  Den persönlichen, idealen Trainingspuls sollte man sich vom Arzt oder Trainer berechnen lassen und ihn beim Training mit einer Pulsuhr kontrollieren.

Weniger geeignet bei Prähypertonie ist ausgesprochenes Krafttraining mit schweren Gewichten. Das kann nämlich den Blutdruck in die Höhe treiben und man riskiert dabei Blutdruck spitzen, die zu vermeiden sind – vor allem wenn man dabei noch falsch atmet.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_1236_regelm-iges-schwimmen-hilft-erh-hte-blutdruckwerte-zu-senken.html

http://www.ajconline.org/article/S0002-9149(11)03445-X/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist ein zentrales Element der Naturheilkunde und eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp (neben Hydrotherapie, Heilpflanzen, Ernährung und Lebensordnung).

Die Phytotherapie kennt kaum Heilpflanzen mit gut dokumentierter Wirksamkeit bei Bluthochdruck. Hinweise auf eine Blutdrucksenkung gibt es beim Knoblauch, doch braucht es dazu Dosen, die nicht selten mit sozialen Nebenwirkungen verbunden sind.

Siehe:

Phytotherapie: Knoblauch kann zur Blutdrucksenkung beitragen

Knoblauch entspannt Blutgefässe dank Schwefelwasserstoff

Interessant sind Hinweise auf eine Blutdrucksenkung durch Randensaft (Rote Beete Saft):

Randensaft (Rote Beete) senkt Blutdruck

Ausserdem interessant:

Rosinen zeigen günstige Wirkung bei leichtem Bluthochdruck

Schwarztee senkt Blutdruck

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Karkadetee senkt systolischen blutdruck um 13 mmhg

Karkadetee ist interessant, weil er auch angenehm im Geschmack ist und sich daher leicht in den Alltag  integrieren lässt. Es handelt sich um Hibiscus sabdariffa.

Siehe: Blick ins Pflanzenlexikon – Hibiskus

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