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Teufelskrallen-Gel in der Migros – Wirksamkeit mehr als fragwürdig

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Der Grossverteiler Migros expandiert stark im Bereich Gesundheit & Arzneimittel, worüber man geteilter Meinung sein kann. Die verkauften Präparate sollten aber mindestens einigermassen seriös sein.

Kürzlich stiess ich im Migros-Sortiment erneut auf einen Teufelskrallen-Gel.

Teufelskrallenwurzel wird in der Phytotherapie eingesetzt zur Schmerzlinderung bei Osteoarthritis und Rückenschmerzen. Für die Wirksamkeit sprechen mehrer Studien, deren Aussagekraft allerdings wegen geringer Qualität und kleinen Probandenzahlen eingeschränkt ist. Untersucht wurde dabei ausschliesslich Teufelskrallenextrakt zur innerlichen Anwendung.

Wenn nun die Migros einen Teufelskrallen-Gel verkauft, bleibt die Frage vollkomen offen, ob eine Wirksamkeit auch über die Haut zu erwarten ist.

Als Hauptwirkstoffe gelten Iridoidglykoside (vor allem Harpagosid). Dass sie über die Haut aufgenommen werden und eine Wirksamkeit entfalten ist meines Erachtens ausserordentlich unwahrscheinlich und wird durch keine Studien oder andere Belege gestützt.

Die Migros profitiert mit ihrem Teufelskrallen-Gel einfach vom Ruf, welchen die Pflanze von ihrer innerlichen Anwendung her hat. Marketingmässig ist das geschickt, seriös aber wohl nicht. Im übrigen verkaufen auch Apotheken und Drogerien Teufelskrallen-Gel, was noch fragwürdiger ist, weil man von diesen Fachgeschäften eine fundierte Beratung erwarten würde.

Offenbar spielt es keine Rolle, ob die Präparate auch wirksam sind. Wirksamkeit scheint jedenfalls keine relevante Frage zu sein – weder für die Migros noch für viele Apotheken und Drogerien. Hauptsache der Verkauf läuft….

Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich selber schlau machen, wenn sie nicht abgezockt werden wollen.

Die Arzneipflanze Teufelskralle ( Harpagophytum procumbens) stammt übrigens aus den Sandfeldern der Savannen im südlichen Afrika (Namibia, Südafrika, Botswana). Sie hat botanisch und bezüglich der Wirksamkeit nichts zu tun mit den Teufelskrallen der einheimischen Pflanzenwelt. Unsere Teufelskrallen, die auch als Rapunzeln bezeichnet werden, gehören zur Gattung Phyteuma aus der Pflanzenfamilie der Glockenblumengewächse (Campanulaceen).

Die afrikanische Teufelskralle Harpagophytum procumbens gehört dagegen zu den Sesamgewächsen (Pedaliaceae).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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