Artikel mit Schlagwort ‘Bewegung’

Diabetes: Sport steigert Insulinproduktion

Donnerstag, November 3rd, 2011

Mit Sport und körperlicher Aktivität lässt sich die verbreitete Erkrankung Diabetes lindern, da damit die Produktion von Insulin gesteigert wird. Eine Forschungsgruppe der Universität Basel ist nun auf den hormonellen Regelkreis gestossen, der für diesen Mechanismus verantwortlich ist. Ihre Resultate werden im renommierten Wissenschaftsmagazin «Nature Medicine» veröffentlicht.

Diabetes betrifft heute weltweit 366 Mio. Menschen. Alle sieben Sekunden stirbt ein Patient an Diabetes, jährlich sind es 4,6 Mio. Menschen.

Diabetes wird ausgelöst durch eine fortschreitende Abnahme der Insulinproduktion im Körper, die, wenn der Patient übergewichtig ist, wegen des erhöhten Bedarfs nicht mehr genügt. Bereits seit längerem ist bekannt, dass körperliche Aktivität den Diabetes Typ 2, die häufigste Diabetes-Form, vorbeugen und therapieren kann. Wie genau diese günstige Wirkung zustande kommt, konnte jetzt erstmals durch die Forschungsgruppe um Prof. Marc Donath von Universität und Universitätsspital Basel beschrieben werden.

Der arbeitende Muskel stellt ein Molekül namens Interleukin-6 (IL-6) her, dessen Bedeutung bisher jedoch unklar war. Bekannt ist daneben, dass die L-Zellen im Darm ein Hormon herstellen, das sogenannte Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1). Dieses GLP-1 wird durch Mahlzeiten über den Darm angeregt und stimuliert die Insulinproduktion.

Die Basler Forschungsgruppe konnte nun zeigen, dass auch der Muskel selber direkt das GLP-1 anregt, und zwar über IL-6. Zudem konnte aufgezeigt werden, dass das IL-6 in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse auch andere Zellen reprogrammiert, nämlich die α-Zellen. Diese stellen dabei von der Produktion von Glucagon, das den Blutzucker steigert, auf die Produktion von GLP-1 um – was wiederum bewirkt, dass die benachbarten β-Zellen vermehrt Insulin herstelltn. Bei körperlicher Aktivität wird damit über den IL-6-GLP-1-Hormonkreislauf mehr Insulin produziert, sodass der Blutzucker sinkt und der Verlauf des Diabetes positiv beeinflusst wird.

Interessanterweise produziert bei übergewichtigen Personen das Fettgewebe ebenfalls IL-6, und zwar ebenfalls mit dem Ziel, die Insulinproduktion zu steigern, um den erhöhten Bedarf zu decken. Bei gewissen Patienten genügt dies jedoch nicht, und es kommt zu Diabetes. In diesen Fällen kann körperliche Aktivität die IL6-Produktion aus dem Muskel unterstützen und dadurch dem Diabetes vorbeugen oder ihn lindern, wenn die Erkrankung schon vorliegt.

Der neu entdeckte hormonelle Regelkreis eröffnet verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Diabetes, wie die Wissenschaftler berichten. So können gezielt Sportinterventionen geplant werden, damit es bei den Diabetes-Patienten zu einer möglichst hohen Produktion von IL-6 kommt. Weiter lassen sich Medikamente einsetzen, die den Abbau vom GLP-1 hemmen, sogenannte DPP-IV-Inhibitoren. Kombiniert man diese Medikamente mit körperlicher Aktivität, ist ein verbesserter Behandlungserfolg zu erwarten. Diese Hypothese wird derzeit am Universitätsspital Basel in einer klinischen Studie bei Übergewichtigen und Diabetikern getestet.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35707

Originalbeitrag

Helga Ellingsgaard, Irina Hauselmann, Beat Schuler, Abdella M Habib, Laurie L Baggio, Daniel T Meier, Elisabeth Eppler, Karim Bouzakri, Stephan Wueest, Yannick D Muller, Ann Maria Kruse Hansen, Manfred Reinecke, Daniel Konrad, Max Gassmann, Frank Reimann, Philippe A Halban, Jesper Gromada, Daniel J Drucker, Fiona M Gribble, Jan A Ehses & Marc Y Donath

Interleukin-6 enhances insulin secretion by increasing glucagon-like peptide-1 secretion from L cells and alpha cells

Nature Medecine, published online october 30, 2011; doi: 10.1038/nm.2513

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.2513.html – Abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Phytotherapie hat beim Thema Diabetes bisher keine wirklich überzeugenden Heilpflanzen-Anwendungen anzubieten.

Sowohl bei der Bittermelone / Bittergurke als auch beim Zimt sind noch sehr viele Fragen offen.

Siehe:

Phytotherapie bei Diabetes Typ 2

Pflanzenheilkunde: Zimt gegen Diabetes kontovers beurteilt

Bittermelone / Bittergurke gegen Diabetes?

Bittergurken wirksam gegen Diabetes?

Immerhin kann man aber sagen, dass mit „Bewegung“ und „Ernährung“ zwei wichtige Säulen der Naturheilkunde in der Diabetes-Therapie eine wichtige Rolle spielen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Kaffee: Schutz gegen Demenz durch Wachstumsfaktor GCSF ?

Mittwoch, September 21st, 2011

Kaffeetrinker haben ein reduziertes Alzheimer-Risiko, das belegen nach Aussagen der „Aerzte Zeitung“ schon frühere Studien. Worauf dieser Schutzeffekt beruhen könnte, haben Wissenschaftler der University of Florida in Tampa untersucht (JAD online).

Offenbar verbindet sich ein noch unbekannter Inhaltsstoff des Kaffees mit dem Koffein und steigert dann den Blutspiegel an GCSF (Granulocytes Colony Stimulating Factor). Dieser Wachstumsfaktor könnte Stammzellen aus dem Knochenmark dazu anregen, ins Gehirn einzuwandern und das schädliche Beta-Amyloid-Protein zu entfernen.

Außerdem könnte er neue Verbindungen zwischen Gehirnzellen knüpfen und die Bildung neuer Nervenzellen fördern, schreiben die Autoren.

Bei Alzheimer-Patienten ist GCSF stark reduziert. gegenwärtig bekommen Patienten mit milden kognitiven Einschränkungen in einer klinischen Studie am USF Health Byrd Alzheimer’s Institute den Wachstumsfaktor, um das Vollbild der Demenz hinaus zu zögern.

Quelle:

http://www.j-alz.com/press/2011/20110621.html

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/demenz/article/670860/demenzschutz-durch-kaffee-wachstumsfaktor.html?sh=1&h=190108563

Kommentar & Ergänzung:

Bezüglich gesundheitlicher Konsequenzen des Kaffee-Konsums  ist in den letzten Jahren ein deutlicher Imagewandel festzustellen.  Immer mehr Studien finden positive Effekte des Kaffees auf die Gesundheit, nicht zuletzt wohl deshalb, weil die Kaffee-Industrie für diese Forschung viel Geld bereitstellt.

Dass die Reduktion des Alzheimer-Risikos durch Kaffee mit Studien belegt sei, wie die „Aerzte Zeitung“ schreibt, scheint mir aber etwas überzogen. Meines Wissens handelt es sich  dabei vor allem um epidemiologische Studien.

Das sind Studien über menschliche Bevölkerungsgruppen, die den Zusammenhang zwischen einer Erkrankung (z.B. Alzheimer-Demenz) und eine bestimmten Einflussfaktor (z.B. Kaffee-Konsum) erforschen.

Epidemiologische Studien können zwar mehr oder weniger überzeugend auf mögliche Zusammenhänge hinweisen, sie aber nie zweifelsfrei belegen. Es lässt sich nämlich mit diesem Studientyp nicht sicher ausschliessen, dass noch weitere, nicht erfasste,  unbekannte Faktoren die Krankheit beeinflussen.

Konkret: Der Bevölkerungsanteil mit hohem Kaffee-Konsum (und tieferem Demenz-Risiko) könnte noch einen weiteren gemeinsamen Faktor zum Beispiel aus den Bereichen Verhalten oder Ernährung gemeinsam haben, welcher für das unterschiedliche Risiko verantwortlich ist.

Aber trotz dieses Einwandes bin ich zunehmend überzeugt davon, dass ich mir mit meinen täglich zwei Tassen Kaffee eher etwas Gutes tue als schade.

Dass ich damit mein Demenz-Risiko entscheidend verringere, glaube ich aber nicht.

Geistig und körperlich in Bewegung zu bleiben, scheint mir da ein sinnvollerer Präventionsansatz zu sein. Sofern Prävention überhaupt möglich ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Studie zeigt: Sport hilft gegen Depression

Sonntag, September 18th, 2011

Depressive Patienten, deren Stimmung sich durch die Therapie mit Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-­Hemmern (SSRI) nicht genügend bessert, können von sportlicher Betätigung profitieren. In einer kürzlich veröffentlichten Studie reduzierte ein zwölfwöchiges aerobes Ausdauertraining bei Patienten mit Depression den Schweregrad der Symptomatik signifikant, zum Teil bis hin zur Remission. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Madhukar Trivedi von der University of Texas (Dallas) im «Journal of Clinical Psychiatry».

Ob eine nur mäßige oder eine intensivere Belastung der psychischen Gesundheit mehr zuträglich war, wurde von individuellen Faktoren beeinflusst. Männer profitierten generell mehr von diesem Ausdauertraining, wenn sie sich stärker anstrengen mussten: Sie erreichten dann in 85,4 Prozent der Fälle eine Remission, während es nach leichtem Training nur 0,1 Prozent waren. Bei Frauen war ein leichteres Training erfolgreicher, wenn in ihrer Familie schon andere Fälle von psychischen Erkrankungen aufgetreten waren. War zuvor noch kein Familienmitglied psychisch erkrankt, erreichten auch Frauen durch intensiveres Training höhere Remissionsraten als durch leichtes (39 Prozent versus 5,6 Prozent).

«Wenn depressive Patienten auf SSRI nicht ansprechen, kann Bewegung ebenso hilfreich sein wie die Hinzunahme eines weiteren Wirkstoffs», kommentierte Trivedi die Resultate. Er glaubt, dass zahlreiche Patienten lieber Sport treiben würden als zusätzlich noch ein Arzneimittel einzunehmen. Die Intensität der sportlichen Belastung müsse dabei allerdings auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.

Quellen:

doi: 10.4088/JCP.10m06743

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=39116&Nachricht_Title=Nachrichten_Studie%3A+Sport+hilft+gegen+Depression&type=0&folder_id=38831

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bewegung nicht nur für den Körper gesund ist, sondern auch das psychische Befinden verbessern kann, ist schon verschiedentlich durch Studien belegt worden.

Bewegung beugt Depressionen vor

Ein schönes Zitat zur antidepressiven Wirkung von Bewegung gibt es von Søren Kierkegaard (1813 – 1855):

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Im übrigen gehört Bewegung zur klassischen Naturheilkunde und ist eine der fünf Säulen in der Kneipptherapie von Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Darmreinigung ist überflüssig bis gefährlich

Mittwoch, August 3rd, 2011

Ohne einen medizinischen Grund ist eine künstlich ausgelöste Darmentleerung nicht sinnvoll. Unter Umständen ist sie sogar gefährlich. Zu diesem Fazit kommt das Wissenschaftlerteam um Dr. Ranit Mishori von der Georgetown University in Washington.

Darmreinigungen werden beispielsweise propagiert  für Gewichtsverlust, Entgiftung oder Steigerung des Wohlbefindens. Wie die Autoren in der Augustausgabe des «Journal of Family Practice» (2011, Vol.60, No.8) berichten, gibt es nach Durchsicht von 20 in den vergangenen zehn Jahren veröffentlichten Studien keinen Beleg für einen gesundheitlichen Nutzen.

Stattdessen warnen die Forscher vor den möglichen Nebenwirkungen von Einläufen und Abführmitteln. Als Folge seien beispielsweise Krämpfe, Blutungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Störungen des Elektrolythaushalts möglich. Auch Nierenversagen und tödliche Ausgänge halten die Wissenschaftler der Georgetown University in Washington für nicht ausgeschlossen. Der Weg zum Wohlergehen führt nicht über die Darmreinigung. «Es gibt wesentlich bessere Möglichkeiten, um das Wohlbefinden zu stärken», betont Mishori. Sie empfiehlt zum Beispiel bilanzierte Diäten, Bewegung und sechs bis acht Stunden Schlaf pro Tag auf.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=38840&Nachricht_Title=Nachrichten_Darmreinigung%3A+%DCberfl%FCssig+bis+gef%E4hrlich&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Man kann es meiner Ansicht nach nur immer wieder betonen: Der ganze Kult rund um Darmreinigung, Entschlackung, Blutreinigung ist unsinnig. Das ist aber nicht erst seit der Publikation aus Washington klar. Denn niemand kann bisher wirklich plausibel erklären, welche “Schlacken” da entfernt werden sollen –  und von welchen gefährlichen Stoffen genau eine Darmreinigung oder eine Blutreinigungskur uns befreien könnte.

Dass die Wissenschaftler der Georgetown University selbst Nierenversagen und Todesfälle nicht ausschliessen, scheint mir allerdings etwas gar stark aufgetragen. Das wäre ein „GAU“, für den ich in der Fachliteratur bisher nirgends Hinweise gefunden habe. Und es bräuchte dazu wohl eine absolute Rosskur und / oder eine ziemlich desolate Gesundheitssituation.

Aber trotzdem: Ich würde einen grossen Bogen machen um alle Entgiftungskuren, Blutreinigungskuren, Entschlackungskuren und Darmreinigungs-Rituale – und um alle Propagandisten solchen „Bullshits“.

Es macht unnötige Kosten, bringt keinen Nutzen und belastet möglicherweise den Organismus. Eine Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten.

Siehe auch:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Entschlackung – was ist das?

Fasten & Entschlacken

Pflanzenheilkunde: fragwürdige Blutreinigungstees

Entschlackung: unnötig und ungesund

Schlackenstoffe ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechen

Entschlackung: Illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

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Interessiert an einer Naturheilkunde-Ausbildung?

Sonntag, Juli 31st, 2011

Wenn Sie interessiert sind an einer Ausbildung in Naturheilkunde, dann lohnt es sich genau zu klären, was Sie lernen möchten.

Naturheilkunde ist nämlich ein Begriff, der sehr ungenau und ziemlich willkürlich benutzt wird.

Versteht man den Begriff Naturheilkunde auch von seiner Geschichte her, bezeichnet er ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Alfred Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)

– Bewegungstherapie

– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem

dem Krankheitsbild angepasste Diät)

– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit

der Natur)

– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp.

Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.

Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Ayurvedische Medizin

Anthroposophische Medizin

(Quelle: Wikipedia, Artikel „Naturheilkunde“, gekürzt und überarbeitet)

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Es gibt im Bereich der Naturheilkunde-Ausbildungen keine Qualitätsstandards und keine verbindlichen Lehrpläne.

Wenn Sie sich Fragen stellen zur Qualität einer Naturheilkunde-Ausbildung – und das ist sehr wichtig, wenn Sie einer Ausbildung in diesem Bereich machen wollen -  dann hilft Ihnen vielleicht folgende Checkliste weiter:

Naturheilkunde-Ausbildung: Was sie wissen sollten

Ausserdem:

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Falls Sie aus diese weiten und vielfältigen Feld der Naturheilkunde eine Ausbildung oder Weiterbildung im Teilbereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde ins Auge fassen, finden Sie dazu meine aktuellen Angebote oben unter dem Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rheumasalben / Sportlersalben im Test

Freitag, Mai 6th, 2011

Bewegung mache fit und schaffe einen erholsamen Ausgleich zum Arbeitsalltag. Doch mancher stürze sich zu schnell in die sportliche Aktivität und riskiere dabei Muskelkater und Verletzungen. Das schreibt die Zeitschrift Oeko-Test, und fährt fort:

„Jährlich ereignen sich in Deutschland etwa 1,5 Millionen Sportverletzungen: Prellungen, Blutergüsse, Verstauchungen, Sehnenzerrungen, Bänderrisse. Bei leichteren Fällen versprechen diverse Gele und Salben Abhilfe. Aber tun sie das auch wirklich? In unserem Test finden Sie die Antwort.“

Wer sich als Sportler etwas Gutes tun wolle, der nehme sich vor dem Training Zeit zum Aufwärmen und Dehnen der Muskeln. Lockerungsübungen oder ein fünf- bis zehnminütiges Warming-up, anschließend vorsichtige Dehnübungen, bei denen die Dehnung lange gehalten wird, empfiehlt Oeko-Test den Sportlerinnen und Sportlern. So vorbereitet, sinke das Risiko, sich beim Sport zu verletzen.

Doch wer springe, laufe oder um den Ball kämpfe, der könne sich natürlich immer eine Prellung, eine Verstauchung, einen Bluterguss oder eine Sehnenzerrung einhandeln. Im Falle eines Falles greife man dann gerne einmal zu Sportlersalben oder Sportlergelen.

Etliche dieser Gele wirken kühlend. Zahlreiche Produkte werden jedoch gleichzeitig zur Anwendung bei Rheuma empfohlen und enthalten wärmende Substanzen. Diese können später dazu beitragen, den Stoffwechsel und damit die Heilung zu beschleunigen.

ÖKO-TEST liess 25 Salben, Gele und Lösungen in Laboren untersuchen und begutachten.

Das Testresultat

Nur zwei Produkte erhielten die Bestnote “sehr gut”. Dahinter folgt ein breites Mittelfeld mit “befriedigenden” Produkten, sechs Arzneimittel landen am Schluss im roten Bereich.

Als geeignete Wirkstoffe mit einer belegten Wirksamkeit gelten in diesem Test die “nicht steroidalen Antirheumatika” (NSAR). Nicht steroidal heißen sie, um sie von kortisonhaltigen Arzneimitteln zu unterscheiden. Zu den NSAR zählen Salicylsäurederivate, Felbinac, Ketoprofen, Ibuprofen, Diclofenac, Indometacin, Etofenamat und Piroxicam. NSAR besitzen nachgewiesenermaßen eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. Als Heilpflanzen-Präparat mit einem Beinwellwurzelextrakt stuft Oeko-Test auch die Wirksamkeit der Kytta-Salbe f als belegt ein.

Kritisiert werden die halogenorganischen NSAR Diclofenac und Indometacin: Es existieren gleichwertige Wirkstoffe ohne Halogene. Piroxicam kann bei oraler Einnahme Magen-Darm- und Hautschäden auslösen. Auch bei großflächigem Einsatz auf der Haut über einen längeren Zeitraum sind solche Nebenwirkungen möglich. Ebenfalls kritisiert wird Salicylsäure, weil sie die Hautkomponente Keratin auflöst. Dieser Effekt ist bei Sportverletzungen nicht sinnvoll.

Mehrere Präparate enthalten den Wirkstoff des Cayennepfeffers, Capsaicin oder eine Abwandlung davon, nämlich Nonivamid. Beide Substanzen erweitern die Blutgefäße und wirken schmerzlindernd. Weil es hierzu aber überwiegend Studien zu Rheuma gibt, gilt die Wirksamkeit bei sportbedingten Verletzungen und Verspannungen als nur zum Teil belegt.

Durchblutungsfördernd wirke auch Propylnicotinat in der Elacur Hot, 2%, Creme, schreibt Oeko-Test. Für das Anwendungsgebiet “degenerative Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises” fanden die Tester jedoch keine Wirksamkeitsbelege. Mehr als ein kühlender Effekt beim Auftragen sei auch nicht von den Arzneimitteln zu erwarten, die auf ätherischen Ölen basieren (Rheuma- und Schmerzsalbe Winthrop, Klosterfrau Mobilind Franzbranntwein Menthol, Lösung).

Die Kombination von Wirkstoffen sei oft überflüssig und steigere die Gefahr von Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Mitteln. Ein therapeutischer Vorteil solcher Kombinationen sei außerdem nicht belegt. Ein guter Wirkstoff genüge in der Regel. Das schmerzstillende Diethylaminsalicylat mit dem für Venenbeschwerden geeigneten Aescin zu kombinieren (Reparil-Gel N), sei nicht sinnvoll.

Zu den umstrittenen Hilfsstoffen zählen die PEG/PEG-Derivate, das Terpen Delta-3-Caren sowie das aggressive Tensid Natriumlaurylsulfat, welches Haut und Schleimhäute reizen kann. Delta-3-Caren zählt zu den starken Allergenen. PEG/PEG-Derivate können die Durchlässigkeit der Haut für Fremdstoffe erhöhen.

Für Duftstoffallergiker kann das als Duftstoff in der Kytta Salbe ff enthaltene Hydroxycitronellal problematisch sein.

Quelle:

http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=97297;bernr=06

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist, dass die Beinwellwurzel in Form von Kytta-Salbe in letzter Zeit immer wieder quasi auf Augenhöhe mit Salben bzw. Gelen auf der Basis von NSAR (z. B. Diclofenac) genannt wird. Das dürfte damit zu tun haben, dass Kytta zum Merck Konzern gehört, der offenbar beträchtliche Summen in die Forschung mit Beinwell bzw. der Kytta-Salbe steckt.

Zu Beinwellsalbe und Diclofenac-Gel siehe auch:

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

Beinwell-Salbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Beinwell: Rasche Wirkung gegen Rückenschmerzen

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wissenschaft für die Praxis:
NSAR steigern das Risiko für Herzin

Fundierte Informationen über Krebserkrankungen für Patientinnen und Patienten

Freitag, Januar 14th, 2011

Die Deutsche Krebshilfe stellt zu vielen Tumorarten seriöse und zugleich verständlich geschriebene Broschüren zur Verfügung. Betroffene aus der Schweiz können die Informationen kostenlos  als PDF herunterladen.

Die Ratgeber informieren über verschiedene Krebsarten, deren Früherkennung, Diagnose und Therapie sowie über die Nachsorge. Darüber hinaus werden übergreifende Themen erklärt, wie Wege zu Sozialleistungen (auf Deutschland bezogen) und Hilfen für Angehörige.

Folgende PDFs sind vorhanden:

- Ihr Krebsrisiko

- Brustkrebs

- Gebärmutterkrebs und Eierstockkrebs

- Krebs im Kindesalter

- Hautkrebs

- Darmkrebs

- Magenkrebs

- Gehirntumoren

- Schilddrüsenkrebs

- Lungenkrebs

- Rachenkrebs und Kehlkopfkrebs

- Mundkrebs, Kieferkrebs, Gesichtskrebs

- Speiseröhrenkrebs

- Bauchspeicheldrüsenkrebs

- Leberkrebs, Gallenwegskrebs

- Hodenkrebs

- Prostatakrebs

- Blasenkrebs

- Nierenkrebs

- Leukämie

- Hodgkin Lymphom

- Plasmozytom / Multiples Myelom

- Wegweiser zu Sozialleistungen (auf Deutschland bezogen)

- Krebs-Wörterbuch (Fachwörter aus der Onkologie erklärt)

- Hilfen für Angehörige

- Patienten und Ärzte als Partner

- TEAMWORK – Arzt-Exemplar (für Ärztinnen und Ärzte)

- Ernährung bei Krebs

- Bewegung und Sport bei Krebs

- Kinderwunsch und Krebs

- Krebsschmerzen wirksam bekämpfen

- Fatigue – Chronische Müdigkeit bei Krebs

- Strahlentherapie

- Palliativmedizin

- Klinische Studien

Download: http://www.krebshilfe.de/blaue-ratgeber.html

Kommentar & Ergänzung:

Phytotherapie hat im Kernbereich der Onkologie – wenn es um die Bekämpfung des Krebses oder von Metastasen geht – keine Bedeutung.

Phytotherapie kann aber viele Beschwerden lindern, die als Folge der Krebserkrankung oder als Folge der Krebstherapie auftreten, zum Beispiel Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schleimhautentzündungen im Mundraum, Verstopfung, Durchfall.

Manchmal geht es aber nicht in erster Linie darum, Heilpflanzen oder sonstige Naturheilmittel zu empfehlen.

Etwas von wichtigsten für Krebspatientinnen und Krebspatienten sowie für Angehörige ist fundierte und gut verständliche Information. Deshalb weise ich gerne auf dieses sehr umfangreiche Download-Angebot der Deutschen Krebshilfe hin.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Johanniskraut gegen Winterdepressionen

Dienstag, Dezember 21st, 2010

Das wenige Sonnenlicht der Herbst- und Wintermonate schlägt zahlreichen Menschen auf das Gemüt. Umfragen zufolge leiden etwa zwei Drittel der Deutschen in der kalten Jahreszeit unter Stimmungsschwankungen. Neben Sport und Spaziergängen können auch Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut gegen Winterdepressionen helfen. Thüringens Apotheker empfehlen jedoch, Präparate mit der Heilpflanze nicht ohne eine vorherige Beratung einzunehmen.

“Bei der saisonal abhängigen Depression, die vor allem in den dunklen Monaten auftritt, handelt es sich um den sogenannten Winterblues”, sagt Danny Neidel, Geschäftsführer der Apothekerkammer Thüringen. “Der Lichtmangel führt dazu, dass der Körper den Botenstoff Serotonin nicht mehr ausreichend produziert. Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen und antriebslos.” Erhöhtes Schlafbedürfnis und gesteigerter Appetit können als weitere Symptome auftreten.
Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskrautextrakt können bei leichten depressiven Störungen helfen. “Die Arzneimittel sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich”, erklärt Neidel. “Damit sich die stimmungsaufhellende Wirkung auch voll entfalten kann, ist es wichtig, das Mittel ausreichend hoch zu dosieren. Nahrungsergänzungsmittel sind oftmals wirkungslos, weil sie unterdosiert sind.” Die Einnahmeempfehlungen liegen bei 600 bis 900 Milligramm standardisiertem Johanniskraut-Extrakt pro Tag. Die Wirkung von Johanniskraut setzt in der Regel erst nach etwa zwei bis vier Wochen ein; die entsprechenden Medikamente müssen regelmäßig angewendet werden.

Neidel empfielt, sich vor der Einnahme in einer Apotheke beraten zu lassen: “Arzneimittel mit Johanniskraut sind nicht für jeden geeignet”, betont der Apotheker. “Wer andere Medikamente einnimmt, muss womöglich mit Wechselwirkungen der Präparate untereinander rechnen.” Denn gewisse Inhaltsstoffe der Arzneipflanze beeinflussen Stoffwechselenzyme in der Leber. Sie bewirken, dass andere – zeitgleich eingenommene – Medikamente wie die Antibabypille, Blutverdünner oder Präparate zur Behandlung von Krebserkrankungen oder der Immunschwächekrankheit AIDS rascher abgebaut und so in ihrer Wirkung abgeschwächt werden.

Außerdem kann Johanniskraut-Extrakt zu sogenannten phototoxischen Reaktionen führen. “Gerade bei hellhäutigen Personen kann die Einnahme von Extrakten der Heilpflanze die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen”, erklärt Neidel. Solarium oder Höhensonne lösen sonnenbrandähnliche Reaktionen aus und sind in der Zeit der Johanniskraut-Therapie tabu. Wer intensive UV-Strahlen nicht vermeiden kann, sollte gute Sonnenschutzmittel auftragen.

Neidel empfielt, bei Winterdepressionen nicht nur auf medikamentöse Behandlung zu setzen. “Einfache Maßnahmen wie Bewegung und Tageslicht können die Symptome bessern.” Selbst an trüben und grauen Tagen ist die Lichtintensität im Freien intensiver als in geschlossenen Räumen. Um die Ausschüttung des stimmungsaufhellenden Hormons Serotonin anzukurbeln, genügt bereits eine halbe Stunde Spaziergang. Auch Sport kann die Produktion des Botenstoffs in Gang setzen.

Quelle:

Pressemeldung der Landesapothekerkammer Thüringen

http://www.lak-thueringen.de/index.php?neloh=S010825&jahr=2010&newsbeitrag=916

Kommentar & Ergänzung:

Tatsächlich spricht sehr viel dafür, dass es für eine wirksame Dosis 600 bis 900 mg standardisierten Johanniskraut-Trockenextrakt braucht, und dass zahlreiche unterdosierte und unwirksame Johanniskraut-Präparate verkauft werden.

Ernst nehmen würde ich mögliche Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut-Extrakten und verschiedenen anderen Medikamenten. Insbesondere ist es wichtig, dass behandelnde Ärztinnen oder Ärzte von einer Johanniskraut-Einnahme wissen.

Es stimmt auch, dass Johanniskraut die Empfindlichkeit der Haut gegenüber von UV-Strahlung erhöhen kann. Daher ist extreme Sonnenbestrahlung während der Johanniskraut-Therapie (aber auch sonst) zu meiden. Es wäre aber auch falsch, diesen Punkt zu dramatisieren. Eine normale Sonnenbestrahlung tut gerade depressiven Menschen ja auch gut.

Dass Bewegung auch antidepressiv wirken kann, ist inzwischen überzeugend belegt.

Dazu kommt mir ein schönes Zitat in den Sinn von Sören Kierkegaard“

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

(Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph, 1813 – 1855)

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Phytotherapie bei Diabetes Typ 2

Dienstag, November 23rd, 2010

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 suchen oft im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin nach einer Alternative zur regelmäßigen Einnahme von synthetischen Antidiabetika. Prof. Karin Kraft veröffentlichte vor einigen Monaten dazu einen fundierten Artikel, in welchem sie die Möglichkeiten der Phytotherapie bei Diabetes Typ 2 vorstellt. Zu Beginn des Textes stellt sie klar:

„Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass eine naturheilkundliche Diabetestherapie nur adjuvant zu der leitlinienkonformen Therapie durchgeführt werden sollte.“

Primäres Ziel einer naturheilkundlichen Diabetestherapie sei die Therapie der Insulinresistenz, schreibt Kraft. Bei Übergewicht müsse eine Gewichtsreduktion durch eine hypokalorische Diät angestrebt werden: „Die Diätempfehlungen der Leitlinien werden uneingeschränkt unterstützt, eine besondere naturheilkundliche Diabetesdiät existiert nicht.“

Die Knollen von Helianthus tuberosus (Topinambur) empfiehlt Kraft als kalorienarmes Sättigungs- und Süßungsmittel. Topinambur sei reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Inulin (16%), das als Ballaststoff wirke.
Durch Heilfasten, bei dem gleichzeitig eine intensive Bewegungstherapie durchgeführt werden muss, könne die Stoffwechsellage deutlich verbessert werden. Ein dauerhafter Erfolg sei aber nur möglich, wenn die Ernährung im Anschluss langfristig im Sinne einer Diabetesdiät modifiziert werde.
Dies belegen laut Kraft einige klinische Studien. Stationäres Heilfasten sei jedoch nur bei ausreichender Insulin-Eigenproduktion und begleitender Adipositas indiziert.
Karin Kraft weist zudem auf Empfehlungen aus der Orthomolekularmedizin hin, nämlich intermittierenden Gaben von Zink (20–40 mg/d), Magnesium (300–600 mg/d) und Chrom (100–200 µg/d), wobei allerdings die Belege für diese Empfehlungen nicht befriedigend seien.

Heilpflanzen bei Diabetes

Arzneimittelrechtlich zugelassene Phytotherapeutika gegen Typ-2-Diabetes gebe es bisher nicht, schreibt Kraft, und sie schränkt ein:

„Die erhältlichen leicht blutzuckersenkenden Nahrungsergänzungsmittel wie Präparate aus Bittermelone, Zimtrinde, Flohsamen(schalen) und Ballaststoffen können nur adjuvant zur Standardtherapie und nur unter ärztlicher Aufsicht empfohlen werden.
Bittermelone und Zimtrinde wirken pharmakologisch antidiabetisch.“

Bittermelonen:

„Bittermelonenextrakt wird in einer Dosis von 1–2 g/d oral verabreicht, der HbA1c kann damit um ca. 0,5% gesenkt werden. Zur Langzeitverträglichkeit liegen nur wenige Daten vor.“

Zimtrinde:

„Bei Präparaten aus Zimtrinde ist auf eine exakte Deklarierung zu achten, es werden ca. 350 mg Zimtrindenextrakt / Tag empfohlen. Die Beleglage aus klinischen Studien ist noch nicht befriedigend.“

Quellstoffe:

Zu den Quellstoffe wie Flohsamen, Indische Flohsamen / Flohsamenschalen und Guar schreibt Kraft, dass sie Zucker binden und physikalisch antidiabetisch wirken. Der HbA1c werde mit Tagesdosen von 10–30 g Flohsamen oder 10–20 g Flohsamenschalen um etwa 1% gesenkt. Wichtig sei die Einnahme mit reichlich Wasser (mindestens 1:10). Wegen der Gefahr der Verlegung der Atemwege sei eine Einnahme im Liegen kontraindiziert.
Guar (Guarkernmehl) sei ein Quellstoff / Polysaccharid aus Mannose und Galaktose, das aus dem Samen der indischen Büschel- oder Guarbohne stammt. Die Tagesdosis von Guar betrage 5–16 g. Durch die verzögerte Glukoseresorption werden postprandiale Blutzucker- und Insulinanstiege um im Mittel 35% vermindert.

Quelle:

MMW Fortschr Med 2010; 152(13)

http://www.springermedizin.de/sprechstunde-naturheilkunde-typ-2-diabtes/219664.html

Kommentar & Ergänzung:

Fachwort-Erklärung:

postprandial = „nach dem Essen“, „nach der Mahlzeit“

adjuvant = ergänzende oder unterstützende Therapiemassnahme

Karin Kraft ist Professorin für Naturheilkunde an der Universität Rostock und eine profilierte Vertreterin der universitären Phytotherapie.

Die Empfehlungen in diesem Artikel sind fundiert und differenziert. Nichts zu bemängeln, nichts zu ergänzen. Mit Abstand der beste Fachtext, den ich in letzter Zeit zum Thema Phytotherapie & Diabetes gelesen habe.

Aber damit es nochmals festgehalten sei:

Diabetes gehört in ärztliche Behandlung und ist eine Krankheit, die langfristige medizinische Begleitung braucht. Mit Heilpflanzen-Präparaten allein ist es also nicht getan. Sie können einen günstigen Effekt zeigen, der aber eng begrenzt ist.

Diabetes ist ein Thema, bei dem sich deutlich Grenzen der Phytotherapie zeigen. Dies gilt meines Erachtens generell für Naturheilkunde & Komplementärmedizin, obwohl das nicht alle Vertreterinnen und Vertreter dieser „Szene“ gerne hören.

Allerdings: „Bewegung“ ist eine der wichtigsten Massnahmen bei Diabetes. Und  sie gehört zugleich zu den klassischen Naturheilverfahren

(Fünf Säulen nach Sebastian Kneipp: Hydrotherapie, Ernährungstherapie, Pflanzenheilkunde, Bewegung / Luft / Licht, Lebensordnung).

Insofern haben wir mit der „Bewegung“ doch einen Fuss in der Diabetes-Therapie.

„Bewegung“ geht als Naturheilverfahren leider ein bisschen unter neben dem Methodendschungel der Komplementärmedizin. „Bewegung“ ist wohl zu gewöhnlich, zuwenig exotisch, zuwenig esoterisch.

Schade, denn Bewegung ist unschlagbar kostengünstig und in ihrem Wert für die Gesundheit kaum zu überschätzen. Und bei Diabetes ist sie als Naturheilmittel wichtiger als Kräutertees, Pflanzentinkturen, Globuli & Co.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Warum Komplementärmedizin?

Dienstag, August 3rd, 2010

„Über wirksamere Methoden verfügen Naturheilkundler wohl nicht. Was sie der Schulmedizin voraushaben: Sie hören zu, fassen ihre Patienten mehr an und widmen ihnen viel Zeit,“ schreibt Prof. Edzard Ernst im der Zeitschrift „Stern“.

Die Aussage, dass Naturheilkundler wohl nicht über wirksame Methoden verfügen, ist mir etwas gar pauschal. Hier wäre in erster Linie eine genaue Definition von „Naturheilkunde“ gefragt.

Siehe:

Naturheilkunde – was ist das?

Zählt man nämlich zur Naturheilkunde beispielsweise die 5 Säulen nach Sebastian Kneipp – Hydrotherapie, Ernährung, Bewegung, Phytotherapie, Lebensordnung – dann findet man darin durchaus Anwendungen, die sich auch wissenschaftlich erklären und belegen lassen. Edzard Ernst selber hat sich immer wieder positiv zu verschiedenen Forschungen in der Phytotherapie geäussert. Wahrscheinlich meint er mit seiner Aussage im Stern mehr den viel unübersichtlicheren, sehr heterogenen Bereich der Komplementärmedizin.

Siehe: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Sehr interessant am Text von Ernst ist seine Ansicht dazu, was Naturheilkundler der Schulmedizin voraus haben:

Sie hören zu, fassen ihre Patienten mehr an und widmen ihnen viel Zeit.

Darüber lohnt es sich meines Erachtens vertieft nachzudenken.

Hier eine bearbeitete Zusammenfassung des Textes mit anschliessendem Kommentar:

Rund zwei Drittel aller Deutschen schätzen komplementärmedizinische Therapieverfahren. Dies obwohl die konventionelle Medizin heute effektiver ist als je zuvor – und die Wirksamkeit der meisten Alternativmethoden alles andere als gut belegt. Dass Komplementärmedizin dennoch so beliebt ist, führen Fachleute darauf zurück, wie ihre Vertreter mit Patienten umgehen.

Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass die Beziehung von Therapeut und Patient in der Komplementärmedizin in entscheidenden Punkten anders aussieht als in der Schulmedizin. Naturheilkundler nehmen sich beispielweise meist mehr Zeit. Sie hören zu und können dadurch auf die Belange ihrer Patienten besser eingehen. Diese legen viel Wert auf Empathie, Sympathie, Einfühlungsvermögen und Offenheit. Das sind Qualitäten, die im Alltag der konventionellen Praxis leider häufig hintenanstehen.

Hinzu kommt der körperliche Kontakt – ein wenig beforschter Umstand, vermutlich aber von grosser Bedeutung. Schulmediziner berühren ihre Patienten nur noch selten, schreibt Prof. Ernst. Die traditionelle körperliche Untersuchung sei zum Großteil durch Labor- und andere Tests ersetzt worden. Selbst Blutdruckmessungen würden halb automatisch fast ohne Kontakt ablaufen. Im Vergleich dazu gebe es während einer Konsultation beim Manualtherapeuten oder Akupunkteur viel mehr Körperkontakt. Dieser helfe, eine intensive Therapeut-Patient-Beziehung aufzubauen; er beruhige und flöße Vertrauen ein.

Naturheilkunde hilft Kontrolle zu bewahren

Weitere Faktoren seien wahrscheinlich ebenso wichtig: „Patienten wollen ihr gesundheitliches Schicksal nicht aus der Hand geben. Naturheilkundliche Therapien geben viel Gelegenheit, die Kontrolle über die eigene Gesundheit zu bewahren. Kneipp’sches Wassertreten, Tai-Chi oder Yoga involvieren den Patienten zu 100 Prozent, und diese Einbeziehung motiviert ihn.“

Ernst fährt weiter:

„Ein Schulmediziner mag ein Medikament verschreiben. Dem Patienten obliegt es dann lediglich, es regelmäßig einzunehmen. In der Komplementärmedizin wird dagegen meist viel mehr Wert darauf gelegt, dass der Patient Eigenverantwortung übernimmt, etwa regelmäßige Entspannungsübungen absolviert und gesundheitsschädigende Verhaltensweisen unterlässt.“

All das intensiviere die zwischenmenschlichen Interaktionen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass dies der Hauptgrund dafür ist, warum Patienten die Komplementärmedizin schätzen: „Viele konsultieren Heilpraktiker und naturheilkundliche Ärzte also nicht wegen deren effektiver Verfahren, sondern wegen der Beziehung, die sie zu den Heilern aufbauen können. Sie fühlen sich verstanden und motiviert, an ihrer eigenen Gesundheit mitzuarbeiten. Die Erkenntnis, dass Komplementärmedizin so beliebt ist, muss deshalb zugleich als deutliche Kritik an der Schulmedizin verstanden werden, die als kalt oder zu technisch empfunden wird.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/alternativmedizin-gefuehlter-vorteil-1537492.html

Kommentar & Ergänzung:

Meiner Ansicht nach lenkt die Auseinandersetzung Medizin versus Komplementärmedizin und umgekehrt oft von wichtigeren Fragen ab.

Dazu würde beispielsweise gehören:

Welche Medizin wollen wir?

Welche Komplementärmedizin wollen wir?

Die Punkte, die Prof. Edzard Ernst in diesem Interview anspricht, gehören genau in diesen Bereich. Stichworte: Therapeut-Patient-Beziehung, Eigenverantwortung, Zuhören, Ernstnehmen.

Es müsste allerdings auch diskutiert werden, ob eine gute Medizin bzw. Komplementärmedizin wirklich alle diese Bedürfnisse erfüllen muss, die da von den Patientinnen und Patienten an sie herangetragen werden.

Es gibt meines Erachtens nämlich auch eine ganze Menge von Erwartungen und Ansprüchen, die gar nicht erfüllt werden können. Zum Beispiel ist in manchen Fällen Heilung einfach nicht möglich (jedenfalls beim gegenwärtigen Wissensstand). Damit finden wir uns aber heute kaum mehr so einfach ab. Aus Sicht der Betroffenen  ist es zwar verständlich, nach Heilung zu suchen.

Auf dem Hintergrund eines riesigen medizinischen und komplementärmedizinischen Angebotes kann sich aus diesem Suchen nach Heilung aber auch eine endlose Patientenkarriere entwickeln. Und in manchen Fällen geht dafür viel Geld, Zeit und Kraft verloren, die vielleicht sinnvoller dafür verwendet würden, um mit der Krankheit eine möglichst gute Lebensqualität zu erreichen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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