Artikel mit Schlagwort ‘Bewegung’

Warum Komplementärmedizin?

Dienstag, August 3rd, 2010

„Über wirksamere Methoden verfügen Naturheilkundler wohl nicht. Was sie der Schulmedizin voraushaben: Sie hören zu, fassen ihre Patienten mehr an und widmen ihnen viel Zeit,“ schreibt Prof. Edzard Ernst im der Zeitschrift „Stern“.

Die Aussage, dass Naturheilkundler wohl nicht über wirksame Methoden verfügen, ist mir etwas gar pauschal. Hier wäre in erster Linie eine genaue Definition von „Naturheilkunde“ gefragt.

Siehe:

Naturheilkunde – was ist das?

Zählt man nämlich zur Naturheilkunde beispielsweise die 5 Säulen nach Sebastian Kneipp – Hydrotherapie, Ernährung, Bewegung, Phytotherapie, Lebensordnung – dann findet man darin durchaus Anwendungen, die sich auch wissenschaftlich erklären und belegen lassen. Edzard Ernst selber hat sich immer wieder positiv zu verschiedenen Forschungen in der Phytotherapie geäussert. Wahrscheinlich meint er mit seiner Aussage im Stern mehr den viel unübersichtlicheren, sehr heterogenen Bereich der Komplementärmedizin.

Siehe: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Sehr interessant am Text von Ernst ist seine Ansicht dazu, was Naturheilkundler der Schulmedizin voraus haben:

Sie hören zu, fassen ihre Patienten mehr an und widmen ihnen viel Zeit.

Darüber lohnt es sich meines Erachtens vertieft nachzudenken.

Hier eine bearbeitete Zusammenfassung des Textes mit anschliessendem Kommentar:

Rund zwei Drittel aller Deutschen schätzen komplementärmedizinische Therapieverfahren. Dies obwohl die konventionelle Medizin heute effektiver ist als je zuvor – und die Wirksamkeit der meisten Alternativmethoden alles andere als gut belegt. Dass Komplementärmedizin dennoch so beliebt ist, führen Fachleute darauf zurück, wie ihre Vertreter mit Patienten umgehen.

Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass die Beziehung von Therapeut und Patient in der Komplementärmedizin in entscheidenden Punkten anders aussieht als in der Schulmedizin. Naturheilkundler nehmen sich beispielweise meist mehr Zeit. Sie hören zu und können dadurch auf die Belange ihrer Patienten besser eingehen. Diese legen viel Wert auf Empathie, Sympathie, Einfühlungsvermögen und Offenheit. Das sind Qualitäten, die im Alltag der konventionellen Praxis leider häufig hintenanstehen.

Hinzu kommt der körperliche Kontakt – ein wenig beforschter Umstand, vermutlich aber von grosser Bedeutung. Schulmediziner berühren ihre Patienten nur noch selten, schreibt Prof. Ernst. Die traditionelle körperliche Untersuchung sei zum Großteil durch Labor- und andere Tests ersetzt worden. Selbst Blutdruckmessungen würden halb automatisch fast ohne Kontakt ablaufen. Im Vergleich dazu gebe es während einer Konsultation beim Manualtherapeuten oder Akupunkteur viel mehr Körperkontakt. Dieser helfe, eine intensive Therapeut-Patient-Beziehung aufzubauen; er beruhige und flöße Vertrauen ein.

Naturheilkunde hilft Kontrolle zu bewahren

Weitere Faktoren seien wahrscheinlich ebenso wichtig: „Patienten wollen ihr gesundheitliches Schicksal nicht aus der Hand geben. Naturheilkundliche Therapien geben viel Gelegenheit, die Kontrolle über die eigene Gesundheit zu bewahren. Kneipp’sches Wassertreten, Tai-Chi oder Yoga involvieren den Patienten zu 100 Prozent, und diese Einbeziehung motiviert ihn.“

Ernst fährt weiter:

„Ein Schulmediziner mag ein Medikament verschreiben. Dem Patienten obliegt es dann lediglich, es regelmäßig einzunehmen. In der Komplementärmedizin wird dagegen meist viel mehr Wert darauf gelegt, dass der Patient Eigenverantwortung übernimmt, etwa regelmäßige Entspannungsübungen absolviert und gesundheitsschädigende Verhaltensweisen unterlässt.“

All das intensiviere die zwischenmenschlichen Interaktionen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass dies der Hauptgrund dafür ist, warum Patienten die Komplementärmedizin schätzen: „Viele konsultieren Heilpraktiker und naturheilkundliche Ärzte also nicht wegen deren effektiver Verfahren, sondern wegen der Beziehung, die sie zu den Heilern aufbauen können. Sie fühlen sich verstanden und motiviert, an ihrer eigenen Gesundheit mitzuarbeiten. Die Erkenntnis, dass Komplementärmedizin so beliebt ist, muss deshalb zugleich als deutliche Kritik an der Schulmedizin verstanden werden, die als kalt oder zu technisch empfunden wird.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/alternativmedizin-gefuehlter-vorteil-1537492.html

Kommentar & Ergänzung:

Meiner Ansicht nach lenkt die Auseinandersetzung Medizin versus Komplementärmedizin und umgekehrt oft von wichtigeren Fragen ab.

Dazu würde beispielsweise gehören:

Welche Medizin wollen wir?

Welche Komplementärmedizin wollen wir?

Die Punkte, die Prof. Edzard Ernst in diesem Interview anspricht, gehören genau in diesen Bereich. Stichworte: Therapeut-Patient-Beziehung, Eigenverantwortung, Zuhören, Ernstnehmen.

Es müsste allerdings auch diskutiert werden, ob eine gute Medizin bzw. Komplementärmedizin wirklich alle diese Bedürfnisse erfüllen muss, die da von den Patientinnen und Patienten an sie herangetragen werden.

Es gibt meines Erachtens nämlich auch eine ganze Menge von Erwartungen und Ansprüchen, die gar nicht erfüllt werden können. Zum Beispiel ist in manchen Fällen Heilung einfach nicht möglich (jedenfalls beim gegenwärtigen Wissensstand). Damit finden wir uns aber heute kaum mehr so einfach ab. Aus Sicht der Betroffenen  ist es zwar verständlich, nach Heilung zu suchen.

Auf dem Hintergrund eines riesigen medizinischen und komplementärmedizinischen Angebotes kann sich aus diesem Suchen nach Heilung aber auch eine endlose Patientenkarriere entwickeln. Und in manchen Fällen geht dafür viel Geld, Zeit und Kraft verloren, die vielleicht sinnvoller dafür verwendet würden, um mit der Krankheit eine möglichst gute Lebensqualität zu erreichen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Sport reduziert Angstsymptome

Samstag, Juli 17th, 2010

Ob auch bei Angstsymptomen Sport hilfreich sein kann, wurde von amerikanischen Wissenschaftlern untersucht. Sie analysierten die Resultate von 40 randomisierten, kontrollierten Studien mit annähernd 3000 Patienten, die an einer Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen litten. Regelmäßiger Sport verminderte Angstsymptome um durchschnittlich 20 %. Dabei erwies sich ein halbstündiges Training wirksamer als Trainingszeiten darunter. Über eine allzu lange Zeitdauer muss und sollte niemand trainieren, damit sich Erfolge ergeben.

Programme mit einer Dauer von drei bis zwölf Wochen waren nämlich effektiver als Programme, welche über längere Zeit andauerten. Grund dafür ist möglicherweise, dass Patienten bei zu lang angelegten Trainingsprogrammen nicht dabeibleiben, während sie bei kürzeren Programmen motivierter sind. Möglicherweise wäre der Nutzen von Sport noch größer, wenn alle Patienten alle Sitzungen wahrgenommen hätten, vermuten die Wissenschaftler.

Quelle:  Medical Tribune 20/2010

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=104455&dspaid=875875

Originalpublikation:

M.P. Herring et al., Arch Intern Med 2010; 170(4): 321–31

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp: Hydrotherapie, Pflanzenheilkunde / Phytotherapie, Bewegung, Ernährung, Lebensordnung.

Siehe: Was ist Naturheilkunde?

In den letzten Jahren haben zahlreiche Untersuchungen die wichtige Rolle der Bewegung für die psychische und körperliche Gesundheit gezeigt.

In der Phytotherapie-Forschung steht beim Thema Angst zur Zeit das Lavendelöl im Vordergrund:

Siehe: Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

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Bier – eine gute Quelle für Kieselsäure

Samstag, Februar 13th, 2010

Forscher haben festgestellt, dass Bier gut für die Knochen ist. Denn Bier liefert Silizium in Form der Orthokieselsäure – die der Körper für den Knochenaufbau braucht. Weil der Siliziumgehalt von der Braumethode und den Rohstoffen abhängig ist, sind einige Biersorten in dieser Hinsicht jedoch besser als andere.

Die Orthokieselsäure aus dem Bier ist zu immerhin 50 Prozent vom Körper nutzbar und hat damit eine hohe Bioverfügbarkeit. Bisher ist jedoch noch nie untersucht worden, welche Faktoren den Kieselsäuregehalt des Biers beeinflussen und welche Biersorten mehr oder weniger davon enthalten. Das haben nun Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Davis nachgeholt. Die Forscher um Charles Bamforth untersuchten für ihre Studie Proben von verschiedenen Bierrohstoffen, darunter Gerste und Hopfen sowie Brauhilfsstoffe wie Silikagel als Stabilisator und Kieselerde als Filtermittel.

“Die Faktoren beim Brauen, welche die Silikatgehalte beeinflussen sind bisher nie intensiv untersucht worden”, erläutert Bamforth. “Wir haben eine breite Palette von Biersorten daraufhin analysiert und auch den Einfluss der Rohstoffe und des Brauprozesses auf die Silikatmengen im Bier.”
Das Resultat: Die Schwankungsbreite im Orthokieselsäuregehalt war in den 100 getesteten kommerziellen Biersorten sehr groß, Die Konzentrationen schwankten zwischen 6,4 und 56,5 Milligramm pro Liter. Ursache für diese Unterschiede, so stellten die Wissenschaftler fest, sind zum einen das Rösten des Malzes und zum anderen der Hopfengehalt.

Helle Biere enthalten mehr Kieselsäure

Gerste ist der wichtigste Rohstoff bei der Bierproduktion und auch der wichtigste Siliziumlieferant. Das Silizium befindet sich bei der Gerste in der Schale. Hellere Biere werden mit nur leicht geröstetem Gerstenmalz hergestellt, darum wurden die Siliziumverbindungen weniger Hitzestress ausgesetzt und bleiben besser erhalten. Dunklere Biere dagegen entstehen aus stark geröstetem Malz und enthalten sehr viel weniger Silizium.

Viel Hopfen, viel Silizium
Auch der Hopfen ist eine wichtige Kieselsäurequelle für das Bier, er enthält sogar vier Mal mehr Silicium als die Gerste. Stark hopfenhaltige Biere sind deshalb auch reicher an Orthokieselsäure. “Biere mit hohen Konzentrationen von gemälzter Gerste und Hopfen sind am silikatreichsten”, stellt Bamforth fest. “Weizen enthält weniger Silizium als Gerste, weil dieses vor allem in der Hülle sitzt. Obwohl das meiste Silizium beim Mälzen in der Schale bleibt, werden doch signifikante Anteile davon als Würze extrahiert und verbleiben damit im Bier.”

Quelle:
http://www.g-o.de

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bier eine gute Quelle für Kieselsäure ist, scheint als Erkenntnis offenbar neu zu sein. Aber was kann ich nun mit dieser Information anfangen? Bier saufen gegen Osteoporose?
Im Ernst:
Es ist seit Jahren eine höchst erfolgreiche Marketingstrategie der Nahrungsmittel-Industrie, ihre Produkte in die Nähe von Heilmitteln zu stellen.
Das kommt auch in der “Naturheilkunde-Szene” gut an, wird doch in diesen Kreisen oft der Spruch des griechischen Arztes Hippokrates (um 400 v.u.Z) zitiert:
““Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein”.
Ernährung ist ja auch eine der fünf Säulen in der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp
(Hydrotherapie, Ernährung, Pflanzenheilkunde, Bewegung, Lebensordnung). Und dass die Ernährung Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat, bezweifelt wohl auch niemand ernsthaft.
So ist es bei Meldungen über den gesundheitlichen Wert von Nahrungsmitteln oft nicht einfach zu unterscheiden, ob es sich dabei um relevante Informationen oder reine Propaganda handelt.

Zu dieser Meldung betreffend Bier als Kieselsäure-Quelle wäre noch zu ergänzen:
Der Lehrstuhl von Prof. Charles Bamforth wird von der Großbrauerei Anheuser Busch finanziert (nach www.scienceblogs.de).
Die Meldung wurde in verschiedenen Medien mit Schlagzeilen wie “Bier gegen Osteoporose” oder “Bier macht starke Knochen” überschreiben. Das sind sehr gewagte Aussagen. Vom Kieselsäure-Gehalt im Bier lässt sich nicht direkt auf eine Wirkung gegen Osteoporose schliessen.
Über die Wirkungen von Kieselsäure auf Knochen und Bindegewebe wird zwar viel geschrieben. Es fehlen dazu aber bisher auch nur annähernd überzeugende Belege. Ob also Kieselsäure sich zur Osteoporose-Prophylaxe eignet, ist völlig offen.

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Tageslicht gegen Winterdepression

Donnerstag, Februar 11th, 2010

Regelmässige Spaziergänge helfen gegen Winterdepressionen. Denn Mangel an Tageslicht ist die wichtigste Ursache der saisonal abhängigen Depression (SAD), erläutert Gunther Carl vom Berufsverband Deutscher Neurologen & Psychiater in Krefeld. Als Alternative dazu kann eine Lichttherapie durchgeführt werden. Dabei setzen sich Patienten dreissig Minuten vor 10.000 Lux helle Lampen. Empfehlenswert sind zehn Sitzungen im Verlaufe von zwei Wochen. Nach etwa einer Woche sollte der Effekt spürbar sein.
Bei einer leichten Winterdepression genügt die Therapie mit Licht laut Gunther Carl. Schwere Fälle müssen dagegen häufig mit Medikamenten behandelt werden. Diese wirken jedoch in der Kombination mit Licht besser. Als Alternative zu Medikamenten können von einer Winterdepression Betroffene hoch dosiertes Johanniskraut einnehmen. Eine SAD unterscheidet sich grundlegend von einer üblichen Depression, hält Gunther Carl fest. SAD-Patienten haben beispielsweise keine Schlafstörungen und statt Appetitlosigkeit häufig Heißhunger auf Süßes.

Quelle: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:
Für die Variante Spaziergang spricht, dass sie Licht mit Bewegung verbindet. Beides sind übrigens wichtige Elemente der Naturheilkunde.
Siehe dazu:
Naturheilkunde – was ist das?

Einen weiteren Beitrag zum Wert von Bewegung für die Gesundheit:
Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Zum Thema Bewegung & (psychische) Gesundheit gibt es übrigens ein schönes Zitat von

Sören Kierkegaard:

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph, 1813 – 1855

Unterschreiben kann ich natürlich den Hinweis auf Johanniskraut-Extrakte als Alternative zu synthetischen Antidepressiva bei Winterdepression. Und es braucht dazu wie erwähnt hoch dosierte Johanniskraut-Präparate.

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Bewegung beugt Depressionen vor

Donnerstag, Januar 7th, 2010

Eine wahrscheinlich häufige Ursache von Depressionen sei der Bewegungsmangel, so die Wiener Psychiaterin Liane Saxer-Novotny im pressetext-Interview: “Bedingt durch das Internet und das Fernsehen und die dadurch hervorgerufene Sprachlosigkeit und damit Kritiklosigkeit in den Familien, kommt es zu Inaktivität und Isolation.” Das treffe hauptsächlich bei Jugendlichen zu.

“Von einer Depression spricht man, wenn ein Leidensdruck besteht, der länger als 14 Tage anhält. Die Menschen leiden unter einer Lust-, Freud- und Interessenlosigkeit, meist gepaart mit Antriebsmangel bis hin zur schweren Bewegungsarmut”, erläutert die Fachärztin. Zudem komme es oft auch zu Angstzuständen und einem Vermeidungsverhalten mit innerpsychischer Zurückgezogenheit.

Die Expertin kritisiert, dass es in der Bevölkerung immer noch zahlreiche falsche Vorurteile gegen den Besuch eines Psychiaters gibt. “Dabei wäre das rasche Aufsuchen des Experten von großem Vorteil, denn je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto eher ist eine Heilung zu erwarten”, betont Saxer-Novotny. “Viele Betroffene scheuen sich vor dem Arztbesuch, weil sie Depressionen mit Verrücktsein assoziieren.” Die Psychiaterin hält dies für eine völlige Missdeutung, denn bei der Depression handle es sich um eine psychiatrische Erkrankung, die mit einer Stoffwechselstörung von Neurotransmittern im Sinne eines Mangels derselben gleichzusetzen ist.

“Der Psychiater klärt zunächst in einem ausführlichen Gespräch die Situation ab und erstellt einen psychiatrischen Status.” Mit der Diagnose wird dann die Behandlung entweder medikamentös und oder auch psychotherapeutisch eingeleitet. “Der Psychiater spielt bei der Behandlung die Rolle des Arztes und führt Regie”, erläutert Saxer-Novotny.

Vielfach gebe es auch den Irrglauben, dass eine Depression einer Ursache zugeordnet werden kann, was aber nicht immer zutreffend sei, erklärt Saxer-Novotny. Statements wie “Du bist doch nicht verrückt” zählen leider immer noch zum Alltag. “Dabei ist es ist wichtig, dass man sich nicht vor der Meinung der Familie, der Freunde und Arbeitskollegen fürchtet und mit Familie und Freunden über alltägliche Probleme spricht”, erklärt die Psychiaterin.

Kontraproduktiv sei auch die Flucht in verschiedene Süchte wie Essen, Alkohol, Nikotin oder Drogen, gefährlich aber auch die Flucht in die Arbeit. Die Psychiaterin rät dazu, unwichtige Stressfaktoren aus dem Leben zu streichen und mehr darauf zu achten, die eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen. “Ein völliger Irrglaube ist auch, dass man über das Internet geheilt werden kann”, hält Saxer fest. Eine Depression sei eine Erkrankung, die fachkundige Behandlung erforderlich mache, erklärt die Expertin, und es sei absolut wichtig, nicht zu lange zu warten, um diese in Anspruch zu nehmen.

Die oft gehörte Meinung, man lasse sich nicht mit Medikamenten vollstopfen, könne man heute vernachlässigen, erklärt Saxer. “Moderne Therapeutika haben wenig Chemie, wirken schnell, haben kaum Nebenwirkungen und erzeugen keine Sucht. Es obliegt dem Können des Experten, den Patienten so einzustellen, dass er optimal versorgt wird.”

Die Psychiaterin empfiehlt neben der regelmäßigen körperlichen Betätigung auch einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten, äußere Einflüsse wie TV-Konsum und soziale Aktivitäten zu fokussieren und je nach Erfordernis zu reduzieren oder zu forcieren sowie auf eine gepflegte Sprachkultur zu achten. “Wichtig ist auch die Frage, wie man mit Aggressionen umgeht und welches Selbstwertgefühl man empfindet.”

Die heutige Gesellschaft mit ihrer Schnelllebigkeit und dem hohen Maß der Perfektionierung stelle für viele eine große psychische Belastung dar, sagt die Medizinerin. “Daher ist es wichtig, nicht nur auf die physischen, sondern auch auf die psychische Gesundheit zu achten und die Dienste von Fachexperten in Anspruch zu nehmen, wenn dies notwendig ist”, hält Saxer-Novotny abschließend fest.

Quelle:
http://www.journalmed.de/

Kommentar & Ergänzung:

1. Bewegung, die hier als Vorbeugung gegen Depressionen empfohlen wird, ist eine der klassischen fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp. Die gesundheitliche Bedeutung regelmässiger Bewegung wird inzwischen durch viele Studien bestätigt.

Ein schönes Zitat zur antidepressiven Wirkung von Bewegung gibt es von Søren Kierkegaard (1813 – 1855):

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

2. Aus Sicht der Phytotherapie könnte man noch ergänzen, dass bei leichten und mittelschweren Depressionen Heilpflanzen-Präparate aus Johanniskraut-Extrakt eine Option sind.

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Winterdepressionen – Bewegung, Licht und Johanniskraut

Sonntag, Oktober 25th, 2009

Mit dem jahreszeitlich bedingten Lichtmangel kommen etwa zwei Prozent der Bevölkerung nicht zurecht. Gegen den Herbst- und Winterblues lässt sich aber aktiv etwas tun.

Wenn die dunkle Jahreszeit kommt, schlägt das manchen Menschen aufs Gemüt. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leidet Schätzungen zufolge jedes Jahr unter Winterdepressionen.

Wer davon betroffen ist, fühlt sich unausgeglichen, grundlos traurig und kommt morgens kaum aus dem Bett. Dennoch ist der saisonale Stimmungseinbruch bei Nebel und Nieselregen laut Medizinern kein Grund, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder sofort zur Chemiekeule zu greifen.

Ausgelöst wird die sogenannte «Saisonal Abhängige Depression» (SAD) hauptsächlich durch den Lichtmangel in der trüben und dunkleren Jahreszeit. Ohne Licht fährt der Organismus die Produktion des «Glückshormons» Serotonin herunter. Zudem steigt in der Dunkelheit der Melatonin-Spiegel, welcher normalerweise nachts den Schlaf steuert und uns daher müde und schlapp macht, wie der Facharzt für Psychotherapie und Professor an der Universität Leipzig, Hubertus Himmerich, erläutert.

Erwischt einen die Winterdepression, fühlen sich die Betroffenen nicht nur unausgeglichen und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Häufig plagt die Winterdepressiven auch ein Heisshunger auf Süsses und fettige Speisen. Manche verlassen das Haus nur noch selten und vernachlässigen den Kontakt zu Freunden und Familie. Laut einer Forsa-Umfrage der deutschen Techniker Krankenkasse geben sechs von zehn Betroffenen an, dass sie bei trübem Wetter nur rausgehen, wenn es unbedingt nötig ist. Jeder Zweite setzt sich vor den Fernseher oder Computer, um sich von seinem Stimmungstief abzulenken.

Nicht in der Wohnung verkriechen

«Doch genau das ist falsch», erklärt Himmerich. Denn wenn das Stimmungstief zuschlägt, gibt es hauptsächlich ein Gegenmittel: Raus ans Tageslicht, um die Herstellung von Serotonin im Gehirn zu aktivieren. Wer sich jeden Tag ein bis zwei Stunden an der frischen Luft bewegt, könne seinen Seelenblues bereits wirksam angehen, sagt auch Professor Ulrich Voderholzer, der die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg leitet.
Denn selbst an einem trüben Novembertag liege die Beleuchtungsstärke noch bei mindestens 1.000 Lux und damit deutlich über der Lichtintensität in geschlossenen Räumen. Künstliche Lichtquellen bringen es laut Voderholzer maximal auf 300 bis 500 Lux. Wer sich bewegt, vor allem joggt oder Fahrrad fährt, sorgt darüber hinaus für eine vermehrte Ausschüttung stimmungsaufhellender Hormone.

Sinnvoll bei Winterdepressionen ist auch eine Therapie mit speziellen Tageslichtlampen, die in ihrer spektralen Zusammensetzung dem natürlichen Sonnenlicht zumindest teilweise entsprechen. Lichtstärken von mindestens 2.500 Lux sollten die eingesetzten Geräte laut Prof. Himmerich dabei jedoch mindestens haben. Eine tägliche Lichtdusche von einer halben Stunde, möglichst am Morgen, sei optimal, erklärt der Mediziner.
Wichtig dabei ist: Damit der Impuls zur Steigerung der Serotonin-Produktion tatsächlich an das Gehirn weitergeleitet wird, muss das Licht der Geräte die Netzhaut des Auges erreichen. Bräunungslampen in Solarien, bei denen wegen der UV-Strahlen zum Schutz der Augen Brillen getragen werden müssen, zeigen Himmerich zufolge dagegen keine Wirkung.

Johanniskraut-Extrakte können Abhilfe schaffen

Ebenfalls empfehlenswert sind gemäss dem Mediziner natürliche Heilmittel wie Johanniskraut, dessen Pflanzenextrakte stimmungsaufhellend wirken. «Der Tee aus dem Supermarkt ist dabei aber nicht immer die richtige Wahl,» erläutert Himmerich. Sinnvoller sei, sich beispielsweise in der Apotheke individuell über die richtige und notwendige Dosis beraten zu lassen.

Die Einnahme von synthetischen Antidepressiva gilt beim winterlichen Stimmungstief dagegen nicht als «Therapie erster Wahl» – es sei denn, die Depressionen sind besonders schwer oder andere Massnahmen wie Lichttherapie und Sport bleiben ohne Wirkung, wie Voderholzer erklärt.

Grundsätzlich unterscheidet sich die Winterdepression von anderen Depressionsformen durch zum Teil deutlich andere Symptome. So ist man Himmerich zufolge bei anderen Depressionen nicht nur antriebslos, sondern meist dauerhaft tieftraurig, leidet an Appetit- und Schlaflosigkeit. Und ausserdem: «Wenn die Sonne im Frühjahr wieder lacht, dürfte der Stimmungsumschwung anders als beim Winterblues dennoch ausbleiben».

Quelle:
http://www.20min.ch (ap)

Kommentar & Ergänzung:

Die stimmungsaufhellende Wirkung einiger Johanniskraut-Extrakte ist so gut dokumentiert, dass sie von den Krankenkassen über die Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt. Wirksame Johanniskraut-Präparate gibt es aber auch rezeptfrei in Apotheken. Drogerien verkaufen als Ersatz oft homöopathische oder spagyrische Johanniskraut-Produkte, bei denen allerdings jeder Nachweis einer Wirksamkeit fehlt.

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Immunsystem stärken gegen Erkältungskrankheiten – Naturheilkunde überzeugt….

Mittwoch, Oktober 7th, 2009

Auf www.internisten-im-netz.de veröffentlicht der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) Tipps zur Stärkung des Immunsystems zur Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten. Schaut man sich die Tipps genauer an, handelt es sich um ein ziemlich umfassendes Konzept auf der Basis einer Naturheilkunde, wie sie beispielsweise Sebastian Kneipp schon vertreten hat.
Das zeigt, dass Naturheilkunde und Medizin kompatibel sind, was bei Komplementärmedizin und Medizin oft nicht der Fall ist.
Hier die Empfehlungen des BDI (Text von mir leicht modifiziert bei gleichbleibenden Aussagen):

Zwar können tiefere Temperaturen, wie sie im herannahenden Herbst bevorstehen, das Immunsystem schwächen und damit Schnupfen und andere Infekte begünstigen. “Jedoch sollte man sich nicht zu warm anziehen und nicht nur heiß duschen, da dies den Körper noch empfindlicher gegenüber niedrigen Temperaturen macht. Stattdessen können regelmäßige kalte Güsse und kalte Waschungen des Oberkörpers zum Beispiel 2- bis 3-mal in der Woche bereits im Spätsommer die Immunabwehr für den Herbst stärken”, empfielt Dr. Wolfgang Wesiack, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). “Saunabesuche einmal in der Woche oder regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft haben einen ähnlichen Trainingseffekt.”
Menschen, die zu wenig Schlaf bekommen, sind anfälliger für Infektionen durch Bakterien und Viren. “Es ist zwar individuell verschieden, wie viel Schlaf man benötigt, wichtig ist es jedoch, alle Tiefschlafphasen zu durchlaufen um einen Erholungseffekt zu erreichen. Am besten sind für die meisten Menschen 7 bis 8 Stunden Schlaf”, rät Dr. Wesiack. “Nach einer kurzen Nacht sollte man zur Regeneration ein paar ruhigere Tage einplanen.”

Auch die Psyche wirkt stark auf das Immunsystem. “So kann positiver Stress, wie etwa beim Sport, dem Ausüben eines Hobbys oder des Erlernen neuer Fähigkeiten das Immunsystem stimulieren. Lang anhaltende seelische Belastung hingegen schwächt die Abwehrkräfte”, erläutert der BDI-Vorsitzende. Ein Gefühl der Geborgenheit in der Umwelt sowie ein ausgeglichenes Gefühlleben wirken stabilisierend auf das Immunsystem. “So können Meditation, autogenes Training und Yoga die Zahl der Antikörper erheblich steigern.”
Eine ausgewogene und vielseitige Ernährung stellt dem Immunsystem die Bausteine zur Verfügung, um eine wirkungsvolle Abwehr aufbauen zu können. “Viel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Fisch versorgen den Organismus am besten mit gesunden Nährstoffen. Bei Obst und Gemüse sollte man darauf achten, den Speiseplan möglichst bunt zu gestalten, da die in grünen, orangegelben und blauen Früchten enthaltenen Farbstoffe verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit haben”, erklärt Dr. Wesiack.
Nicht zuletzt kann Sport die Immunabwehr aktivieren. “Durch regelmäßige Bewegung wird beispielsweise gewährleistet, dass Fremdstoffe über die Lymphe in die Lymphknoten transportiert werden, wo sich die Abwehrzellen auf einen möglichen Erreger einstellen können. Um das Immunsystem zu unterstützen, sind insbesondere Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen geeignet. Drei Trainingseinheiten von 30 Minuten haben bereits einen deutlichen positiven Effekt”, rät der BDI-Experte. “Übertreiben sollte man es allerdings als Sportanfänger nicht, denn völlige Verausgabung bewirkt eine Schwächung des Immunsystems.”

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/

Kommentar & Ergänzung:

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) vertrat ein Fünf-Säulen-Prinzip der Naturheilkunde:

– Lebensordnung
– Wasseranwendungen ?(Hydrotherapie)
– Bewegung?
– Ernährung?
– Heilkräuter

Den Begriff der Lebensordnung könnte man heute im Sinne einer Psychosomatik oder einer Salutogenese übersetzen.
Zur Salutogenese siehe die Buchbesprechung zu “Wie Gesundheit entsteht” im unserem Buchshop.

Der BDI-Text geht auf die Säulen Lebensordnung, Wasseranwendungen (Güsse, Waschungen), Bewegung und Ernährung ein.
Einzig die Heilkräuter kommen im Naturheilkunde-Konzept des BDI nicht vor.

Zu den Heilpflanzen, die zur Stärkung des Immunsystems empfohlen werden, gehören vor allem Echinacea (Sonnenhut) und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie). Das sind aber nur die beiden Heilpflanzen mit den meisten klinischen Studien. Im Labor zeigen zahlreiche andere Heilpflanzen immunstimulierende Eigenschaften, zum Beispiel Ringelblume oder Eibischwurzel. Allerdings ist unklar, ob sich solche Laborbefunde auf den Menschen übertragen lassen.

Allzuviel darf man sich von pflanzlichen Immunstimulanzien nicht erhoffen. Würden sie nämlich das Immunsystem wirklich stark aktivieren, wäre dies allenfalls sogar riskant.
Mit einem allzu aggressiven Immunsystem jedenfalls ist der Organismus auch nicht gut bedient.
Die vier anderen im BDI-Text erwähnten Bereiche – Lebensordnung, Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung – sind für ein gesundes, wirksames Immunsystem wohl deutlich zentraler.

Die fünf Säulen nach Kneipp eignen sich ausgezeichnet als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin, weil sie schon von ihren Grundlagen her mit medizinischem Denken kompatibel sind. Es ist sehr schade, dass sie in den gegenwärtigen politischen Bestrebungen zur Aufwertung der Komplementärmedizin kaum eine Rolle spielen – abgesehen von der Säule “Heilkräuter”, die in neuzeitlicher Form als Phytotherapie im Gespräch ist.

Fundierte Informationen im Tagesseminar:
Erkältungskrankheiten und grippale Infekte – Prophylaxe und Therapie mit Heilpflanzen
Details hier:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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http://moodle.heilpflanzen-info.ch/

Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

Samstag, August 8th, 2009

Erhöhte Blutfette, hohe Blutzuckerwerte, Bluthochdruck und Übergewicht mit großem Bauchumfang – dieses “tödliche Quartett” wird als metabolisches Syndrom bezeichnet. In Deutschland sind schätzungsweise 12 Millionen Personen davon betroffen. Eine mediterrane Ernährung, ergänzt durch Nüsse – vornehmlich Walnüsse -, kann offenbar mithelfen, dieses Syndrom zu reduzieren. Das sind die 1-Jahres-Resultat der groß angelegten Studie PREDIMED an zehn spanischen Universitäten.

Die Teilnehmergruppe, welche sich mediterran ernährte und zusätzlich Nüsse, vornehmlich Walnüsse, aß, konnte die Häufigkeit des metabolischen Syndroms um 13,7% reduzieren. Eine fettarme Ernährung dagegen führte nur zu einer Verminderung um 2%.

Quelle: www.journalmed.de

Originalpublikation:
Effect of a Mediterranean Diet Supplemented With Nuts on Metabolic Syndrome Status
Archives of Internal Medicine
Arch Intern Med. 2008;168(22):2449-2458.
http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/168/22/2449

Kommentar & Ergänzung:
Das schöne an der sogenannten “Mittelmeerdiät” ist ja, dass man mit ihr verhältnismässig einfach eine gesunde Ernährung mit Genuss verbinden kann.
Ernährung ist eine wichtige Säule in der traditionellen Naturheilkunde, gemeinsam mit Hydrotherapie (Wasseranwendungen), Pflanzenheilkunde, Licht, Luft und vor allem Bewegung. Nach Sebastian Kneipp kommt noch “Lebensordnung” dazu, was moderner ausgedrückt als Einbezug von psychosomatischen Faktoren gesehen werden kann.

Leider wimmelt es im Bereich der Ernährungslehren aber auch von starr-dogmatischen Regeln und von Heilslehren aller Art.
Statt unzählige Normen aufzustellen über richtige und falsche Ernährung, scheint mir ein optionaler Ansatz empfehlenswert. Nicht Verbote oder Gebote stehen dabei im Zentrum, sondern Wahlmöglichkeiten, welche aufgezeigt werden: Optativ statt normativ – so lautet dann die Leitlinie. Jedenfalls immer dann, wenn Normen nicht zwingend nötig sind.
Die Mittelmeerdiät jedenfalls ist in vielen Fällen eine attraktive Option.

Und dass Walnüsse gesund sind, haben inzwischen schon einige Studien gezeigt:

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch: unterschiedliche günstige Effekte

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Schwere Beine – Vorzeichen eines späteren Venenleidens

Mittwoch, Juni 24th, 2009

Leiden Frauen abends oft unter schweren, verdickten und schmerzhaften Füssen oder Beinen, kann dies auf Venenprobleme hinweisen, denen rechtzeitig entgegengewirkt werden sollte.

“Venenbeschwerden kündigen sich oft schon in jungen Jahren an, was Frauen grundsätzlich die Chance gibt, durch entsprechende Verhaltensänderungen und regelmäßige Bewegung einer zunehmenden Venenschwäche vorzubeugen”, erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). “Besenreiser können schon im Teenager-Alter auftreten und damit erste Hinweise auf eine Bindegewebsschwäche liefern.”

Um die Entstehung von Krampfadern zu vermeiden, sollte speziell bei sitzenden oder stehenden Tätigkeiten jede Gelegenheit zur Bewegung genutzt werden. Auch empfiehlt es sich, im Sitzen die Beine nicht übereinander zu schlagen. “Der Abbau von Übergewicht, täglich zwei Liter Flüssigkeit sowie lockere Kleidung und flache Schuhabsätze sind ebenfalls vorteilhaft, um Blutstauungen zu vermeiden. Sind Venenbeschwerden bereits ausgeprägt, helfen ärztlich verordnete Kompressions-Strümpfe”, empfiehlt der Frauenarzt.

Frauen sind gegenüber Männern anfälliger für Venenleiden, weil bei ihnen die Struktur des stabilisierenden Bindegewebes eher locker und dehnbar ist. Dazu kommt noch, dass Östrogen während jeder Schwangerschaft und Geburt das Gewebe zusätzlich weicher und die Venenwände nachgiebiger macht. “Zusätzliche Risikofaktoren für einen ungenügenden Blutrückfluss aus den Beinen sind Rauchen, Übergewicht, hohe Absätze und eine familiär bedingte Veranlagung für Bindegewebsschwäche”, sagt Dr. Albring.

Krampfadern, auch Varizen genannt, zählen zu den häufigsten chronischen Krankheitsbildern bei Frauen. Jede zweite Frau über 40 Jahre ist von Venenerkrankungen unterschiedlichen Schweregrades betroffen.

Quelle: www.frauenaerzte-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist fraglos ein zentraler Aspekt jedes venenfreundlichen Lebensstils.
Der Artikel betont aber zu Recht auch die Bedeutung familiärer Veranlagung und hormoneller Einflüsse während Schwangerschaften und Geburten. So gibt es auch bei Beachtung aller aufgeführten Vorbeugemassnahmen keine Garantie für gesunde Venen.
Ergänzend könnten noch einige Heilpflanzen erwähnt werden, deren günstige Einflüsse auf Venenbeschwerden durch Studien belegt ist:
Rosskastanien-Samen
Buchweizenkraut
Rotes Weinlaub

Wichtig ist dabei allerdings auch, in welcher Form die Heilpflanzen angewendet werden, weil es viele unwirksame Präparate gibt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Studie zeigt: Diabetiker können “der Krankheit davonlaufen

Dienstag, Mai 19th, 2009

Die meisten Diabetiker können nach einer Untersuchung des Heidelberger Sportwissenschaftlers Gerhard Huber ihre Krankheit aus eigener Kraft wirkungsvoll bekämpfen. «Diabetes mellitus Typ 2 ist tatsächlich eine Krankheit, der man regelrecht davonlaufen kann», erklärte Huber in einem Gespräch mit der dpa. Die günstige Wirkung von Bewegung auf die meisten Krankheiten sei bekannt. «In der Regel hilft Sport aber nur, den Krankheitsverlauf zu verzögern oder wirkt sich positiv auf das Allgemeinbefinden aus», sagte Huber. «Bei Diabetes kann durch ausreichende Bewegung aber tatsächlich die Uhr zurückbewegt werden.»

Der Sportwissenschaftler begleitete ein Pilotprojekt der DAK. Diese Krankenkasse bot in neun Städten spezielle Bewegungskurse für Diabetiker an, die gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) entwickelt wurden. An der Studie beteiligten sich 250 Diabetiker.

«Vor allem die Ausdauer der Teilnehmer war zu Beginn enorm eingeschränkt», sagte Huber. Die Leistung der Teilnehmer erreichte anfangs nur ein Drittel des Normalwertes der jeweiligen Altersgruppe. Im Verlaufe von zehn Wochen sei die Leistungsfähigkeit allerdings auf mehr als 50 Prozent gestiegen. «Aus anderen Studien wissen wir außerdem, dass regelmäßige Bewegung den Blutzuckerspiegel nachhaltig senkt», so Huber.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse will die DAK nun als erste gesetzliche Krankenkasse den Baustein Bewegung fest in das Therapiekonzept bei Diabetes Typ 2 einbauen. Dies sollte bundesweit auch von anderen Krankenkassen umgesetzt werden, betonte der Sportwissenschaftler. «Diabetiker müssen lernen, Bewegung in ihren Alltag zu integrieren.» Das bestehende Gesundheitssystem sei aber darauf nicht ausgerichtet. «Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten. Die werden verschrieben – und alle sind glücklich», kritisierte Huber.

Angesichts der steigenden Anzahl von Diabetes-Erkrankungen würden dadurch viele Chancen verschenkt. «Der Arzt müsste den Patienten eigentlich Druck machen und sie zur Bewegung zwingen», sagte der Sportwissenschaftler. «Zugleich müsste er sie beraten und Angebote nennen können – dafür gibt es aber keinen Abrechnungsposten.» Zudem fehle es an Infrastruktur. Sport-Studios seien für die zirka 6,4 Millionen Menschen mit Diabetes die falsche Adresse. «Die wenden sich an Menschen, die allenfalls ein Fettpölsterchen loswerden möchten», sagte Huber. «Bei unseren Patienten geht es aber um Menschen, die Fettpolster abbauen und ihren Lebensstil umfassend ändern müssen.»

Quelle: http://www.journalmed.de/newsview.php?id=25846

Kommentar:

Ob es sinnvoll ist, wenn man Diabetikerinnen und Diabetiker zu mehr Bewegung “zwingt”, wie es Sportwissenschaftler Huber fordert, das sei hier in Frage gestellt.
Zwang ist im Umgang mit Gesundheit ein problematischer Ansatz. Er erinnert an die “Pflicht zur Gesundheit”, die im “Dritten Reich” eingefordert wurde.

Diabetes ist aber eine ernsthafte Krankheit mit zahlreichen möglichen Begleit- und Folgeerkrankungen (nach Gesundheitsbericht Diabetes 2007, auf wikipedia):

Der Gesundheitsbericht Diabetes 2007 gibt einen Überblick über die Häufigkeit des Auftretens von Begleit- und Folgekrankheiten bei 120.000 betreuten Typ-2-DiabetikerInnen:
75,2 % Bluthochdruck
11,9 % Diabetische Retinopathie
10,6 % Neuropathie
9,1 % Herzinfarkt
7,4 % periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
4,7 % Apoplex (Apoplexia cerebri, Schlaganfall)
3,3 % Nephropathie (Niereninsuffizienz)
1,7 % diabetisches Fußsyndrom
0,8 % Amputation
0,3 % Erblindung

Grundlage vieler Folgeerkrankungen sind dauerhafte Veränderungen strukturbildender Eiweiße und negative Effekte von Reparaturvorgängen, beispielsweise der ungeordneten Bildung neuer Blutgefäße oder Unterdrückung der Neubildung von Ersatzblutgefäßen bei Beschädigungen.

Kompetente und professionelle Motivation wäre daher sehr gefragt. Blosser Zwang macht es sich da auch zu einfach.

Vor allem müsste die Motivation zu mehr Bewegung nicht erst einsetzen, wenn sich ein Diabetes schon entwickelt hat. Mir ist aber klar, dass dies kein einfaches Unterfangen ist.
Arbeit und Schule, der Alltag vieler Menschen überhaupt, gestaltet sich gegenüber früher sehr viel bewegungsärmer. Andererseits gab es wohl noch nie in der Geschichte der Menschheit ein derart grosses Angebot an Sportgelegenheiten und Fitnessstudios.
Letztlich wäre es wohl am sinnvollsten, wenn Bewegung wieder mehr in den normalen Alltag eingebaut werden könnte. Bewegung ist ein Grundpfeiler der Naturheilkunde.

Eine mögliche Motivation zu mehr Bewegung im Alltag sehe ich auch im Interesse an der Natur. Wer eine Beziehung zu Pflanzen und Tieren hat, wird weniger geneigt sein, jede freie Minute hinter dem Computer oder vor dem TV-Gerät zu verbringen.
In diesem Sinne sehe ich Heilpflanzen-Exkursionen und Kräuterwanderkurse auch als einen Motivationsbeitrag für einen gesünderen, bewegungsreicheren Lebensstil.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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