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Was unterscheidet Wissenschaft von Esoterik?

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Servan Grüninger hat auf campus.nzz.ch gerade einen interessanten Text veröffentlicht zu Unterscheidungsmerkmalen zwischen Wissenschaft und Esoterik.

Wissenschaftliche Aussagen müssen möglichst so formuliert werden, dass sie grundsätzlich widerlegbar sind, also an der Erfahrung scheitern können.

 

Wissenschaft soll danach streben, Theorien zu widerlegen und damit Fehler zu entdecken, was zu besseren Theorien führt.

Grüninger beschreibt dieses sogenannte Falsifikationsprinzip, das auf den Philosophen Karl Popper (1902 – 1994) zurückgeht, anhand der Beispiele Lichtnahrung, Homöopathie und Akupunktur.

Wie auch immer man zu diesen Methoden steht – das Falsifikationsprinzip ist ein interessantes Unterscheidungskriterium. Esoterische Theorien werden nämlich tatsächlich oft so formuliert, dass sie grundsätzlich unwiderlegbar sind. Theorien zu widerlegen und durch Aufdeckung von Fehlern zu verbessern ist kein Anliegen der Esoterik.

Theoriegebäude enthalten oft zugleich widerlegbare und unwiderlegbare Elemente.

Das lässt sich gut am Theoriegebäude der Homöopathie zeigen.

Die „geistartige Kraft“, durch welche nach Samuel Hahnemann die Wirkung der Homöopathie zustande kommen soll, lässt sich weder belegen, noch widerlegen. Damit das möglich würde, müsste der Ausdruck „geistartige Kraft“ mit konkreteren Eigenschaften beschrieben werden.

Die homöopathischen Arzneimittelprüfung dagegen sind so formulieret, dass sie sich gut widerlegen lassen.

Siehe dazu:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Homöopathie-Forschung: Arzneimittelprüfung mit Okoubaka

Ausserdem:

Ein weiterer Beitrag zum gleichen Thema:

Was Wissenschaft von Esoterik unterscheidet

Zum Lichtnahrungsprozess:

Tod durch Lichtnahrungsprozess

Qualitätsmerkmale für Wissen zu kennen ist wichtiger denn je, weil immer mehr Menschen ihre Informationen überwiegend im Internet suchen und finden, wo es keinerlei Qualitätskontrolle gibt. Relevante von unrelevanter Information unterscheiden zu lernen wird daher immer entscheidender werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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Homöopathie-Forschung: Arzneimittelprüfung mit Okoubaka

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Die sogenannte „Arzneimittelprüfung“ ist die Basis der Homöopathie.

Sie gründet auf der Überzeugung, dass Krankheiten durch ein Mittel geheilt werden sollen, das bei Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen, wie sie bei dem Kranken beobachtet werden (Simile-Prinzip).

Um die mit einem bestimmten Mittel verbundenen Symptome festzustellen werden „homöopathische Arzneimittelprüfungen“ durchgeführt. Dabei nehmen gesunde Personen ein Mittel ein und notieren alle Veränderungen und Reaktionen, die sie an sich feststellen. Die aufgezeichneten Symptome mehrerer solcher Prüfungen werden zu einem sogenannten homöopathischen Arzneimittelbild für das geprüfte Mittel zusammengefasst. Kommt nun ein kranker Mensch in die Praxis, muss ihm laut Homöopathie dasjenige Mittel gegeben werden, dessen Arzneimittelbild den Symptomen des Kranken weit möglichst entspricht.

Die homöopathischen Arzneimittelprüfungen werden allerdings sehr unterschiedlich gehandhabt und bis heute gibt es zur Durchführung keine Vorschriften, sondern nur Empfehlungen.

Völlig unklar ist beim herkömmlichen Vorgehen zudem, wie bei auftretenden Veränderungen und Symptomen in der Prüfphase unterschieden werden soll zwischen solchen, die auf das Mittel zurückgehen und damit relevant sind, und solchen, die zufällig, durch andere Einflüsse oder durch Nocebo-Effekte auftreten.

Der Homöopathie-Gründer Samuel Hahnemann hatte dazu eine klare Meinung:

„Alle Beschwerden, Zufälle und Veränderungen des Befindens der Versuchsperson während der Wirkungsdauer einer Arznei rühren bloß von dieser her und müssen als deren eigentümlich zugehörig, als ihre Symptome angesehen werden und aufgezeichnet werden..“ (Organon der Heilkunst, § 143)

Mit anderen Worten: Hahnemann umgeht die Schwierigkeit der Unterscheidung, indem er die Existenz unterschiedlicher Möglichkeiten negiert.

Um die homöopathische Arzneimittelprüfung auf eine seriösere Basis zu stellen, werden heute vereinzelt auch Prüfungen mit hohen Standards durchgeführt:

– Placebokontrolliert: Es gibt eine Vergleichsgruppe, die unbehandelte Globuli einnimmt.

– Randomisiert: Es wird per Zufall entschieden, wer das homöopathisch hergestellte Globuli bekommt und wer das unbehandelte Placebo-Präparat.

– Doppelblind: Weder Prüfling noch Prüfer wissen während der Prüfung, wer homöopathische Globuli bekommt und wer unbehandelte Globuli.

 

Moderne Arzneimittelprüfung mit Okoubaka 

Eine solche moderne Arzneimittelprüfung mit hohen Standards wurde mit dem homöopathischen Mittel Okoubaka durchgeführt, für das bisher keine fundierten Prüfungsresultate vorlagen.

Okoubaka, Okoubaka aubrevillei (Santalaceae), ist ein westafrikanischer Urwaldbaum, der hauptsächlich an der Elfenbeinküste und in Ghana heimisch ist.

In der Homöopathie erfreuen sich Präparate aus Okoubaka aubrevillei grosser Beliebtheit, vor allem bei Magenbeschwerden und Darmerkrankungen.

Die nun publizierte moderne Arzneimittelprüfung mit Okoubaka aubrevillei wurde von Autoren publiziert, die der Carstens-Stiftung nahestehen, welche die Förderung der Homöopathie zum Ziel hat:

–        Dr. Michael Teut: Oberarzt und Leiter der naturheilkundlichen Ambulanz an der Charité Berlin;

–        Prof. Dr. Claudia Witt: (inzwischen ehemalige) Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité Berlin, die dort eine von der Carstens-                               Stiftung finanzierte Stiftungsprofessur inne hatte und auf dem Lehrstuhl für Komplementärmedizin an der Universität Zürich sitzt,

–        Rainer Lüdtke, mittlerweile ehemaliger Statistiker der Carstens-Stiftung;

–        Jörn Dahler: Arzt, Homöopath und Autor homöopathischer Fachbücher;

–        Dr. Henning Albrecht, Biologe und Geschäftsführer der Carstens-Stiftung;

–        Ute Hirschberg, Doktorandin an der Charité.

In die doppelblinde und randomisierte Arzneimittelprüfung wurden 31 Testpersonen eingeschlossen, wovon letztlich von 29 Probanden Daten zur Auswertung vorlagen. 19 Probanden bekamen das Verum (O. aubrevillei C12), 12 Testpersonen prüften unwissentlich Placebopräparate, also unbehandelte Globuli. Das zu prüfende Präparat wurde an 5 Tagen eingenommen, und die Nachbeobachtungszeit betrug 16 Tage. Die Testpersonen notierten die auftretenden Symptome, die anschließend statistisch ausgewertet wurden.

Jeweils eine Testperson aus der Verum- und Placebogruppe schieden aus der Auswertung aus. Beim Vergleich der Symptome der verbliebenen 18 Testpersonen aus der Verumgruppe mit den Symptomen der verbliebenen 11 Testpersonen aus der Placebogruppe wurde kein statistisch signifikanter Unterschied in der Anzahl der als charakteristisch eingestuften Symptome festgestellt. Die Übereinstimmung der beiden Gutachter bei der Bewertung der typischen Symptome war hoch. In der Gesamtheit der auftretenden Symptome, also nicht nur bezogen auf die als charakteristisch eingestuften Symptome, war die Überlappung zwischen Placebo- und Verumgruppe ebenfalls sehr groß, wenn sich auch durchaus Symptome zeigten, die nur in einer von beiden Gruppen auftraten.

 

Die Autoren verweisen zur Erklärung der beobachteten Symptome auf den Nocebo-Effekt:

„The nocebo effect might be a plausible explanation for most of the phenomena observed in this trial)

Quelle / Originalpublikation:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23561008

 

Die Carstens-Stiftung schreibt in ihrer Einschätzung:

„Das Ergebnis ist ernüchternd für Homöopathieanwender und wird sicher Fragen nach sich ziehen.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/moderne-arzneimittelpruefung-mit-okoubaka.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Resultat ist tatsächlich ernüchternd für Homöopathie-Anwender. Nimmt man die Studie ernst, so fehlt dem häufig eingesetzten Präparat Okoubaka nämlich ein homöopathisches Arzneimittelbild – und damit die homöopathische Basis. Okoubaka kann dadurch nicht als Homöopathika eingesetzt werden.

Davon, dass dieses Ergebnis „sicher Fragen nach sich ziehen wird“, ist meinem Eindruck nach allerdings nichts zu spüren.

Okoubaka wird ganz offensichtlich weiter propagiert, verkauft und verschrieben, beispielsweise vom Homöopathika-Hersteller Similasan.

Die Firma propagiert Okoubaka für folgende Krankheiten:

Wirkt bevorzugt auf 
Verdauungsorgane (Magen, Därme, Leber, Gallenblase, Pankreasdrüse), Immunsystem.

Hauptindikationen 
Müdigkeit, Schwäche. Kinderkrankheiten. Bluthochdruck (Hypertonie)*. Vergiftungen durch Lebensmittel*, chemische Arzneimittel, Tabak, chemische Zusätze in Nahrungsmitteln. Folgen von Chemotherapien. Toxoplasmose* (während und danach). Tropenkrankheiten* (Nachbehandlung und vorbeugend). Leber- und Gallebeschwerden. Pankreasschwäche. Heuschnupfen, Allergien. Akne. Herpes (Lippen). Hautausschläge.

* = Selbstbehandlung nur in Absprache mit der Ärztin, mit dem Arzt und als erste Hilfe.“

Quelle:

http://www.similasan.ch/de/einzel-mittel?id=22

(Stand 20. Juli 2014)

 

Nimmt man die beschriebene Arzneimittelprüfung ernst, so fehlt den Angaben der Firma Similasan eine fundierte Basis.

Warum also wird das Mittel noch verkauft?

Homöopathika wie Okoubaka sind durch die Arzneimittelbehörden von der Pflicht befreit, für beanspruchte Wirkungen und Anwendungsbereiche (Indikationen) Wirksamkeitsnachweise zu liefern. Sie können in dieser Hinsicht also fast alles behaupten. Okoubaka aber hat offensichtlich nicht einmal eine homöopathische Basis.

Abschliessend zu der beschriebenen Arzneimittelprüfung ist lobend festzuhalten, dass die Studie in einer Fachzeitschrift und auf der Website der Carstens-Stiftung publiziert wurde. Das ist leider nicht selbstverständlich. In der „normalen“ Pharmaindustrie wie auch in der „komplementären“ Pharmaindustrie verschwinden Studien nicht selten in einer Schublade, wenn die Resultate den Geldgebern nicht passen (Siehe publication bias auf Wikipedia).

Das negative Resultat für die Homöopathie wird von den Autoren auch nicht schöngeredet, obwohl es sie wohl kaum gefreut haben dürfte.

Das ist anerkennenswert und ebenfalls nicht selbstverständlich.

Okoubaka ist allerdings kein Einzelfall. Auch bei Belladonna C30 / Belladonna D60 fanden placebokontrollierte Arzneimittelprüfungen keinen Unterschied zwischen dem homöopathischen Präparat und Placebo.

Siehe dazu:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Nimmt man diese Arzneimittelprüfungen ernst, so ist klar, dass auch Belladonna C30 / Belladonna D60 keine homöopathische Basis hat.

Und obwohl diese Prüfungen schon einige Jahre her sind, hat das offenbar keinen Einfluss gehabt auf die Verschreibungspraxis. Belladonna C30 / Belladonna D60 wird weiterhin als homöopathisches Präparat verschrieben und verkauft.

Erstmals im grösseren Stil mit einer Placebokontrolle durchgeführt wurden die homöopathischen Arzneimittelprüfungen offenbar im „Dritten Reich“. Sie sind deshalb auch Thema im sogenannten „Donner Bericht“. Der Internist und Homöopath Fritz Donner (1886 – 1979) war in den Jahren 1936 bis 1939 an Überprüfungen homöopathischer Arzneimittel beteiligt, die vom damaligen Reichsgesundheitsamt zwecks Förderung der Homöopathie angeordnet worden waren.

Interessant zur Geschichte der homöopathischen Arzneimittelprüfung ist auch der Brief Fritz Donners an den Kollegen Erich Unseld.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessantes zum Nocebo-Effekt

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Kennen Sie den Nocebo-Effekt?

Damit sind unerwünschte Nebenwirkungen gemeint, die aufgrund einer negativen Erwartungshaltung (z. B. Befürchtungen) entstehen.

Der Nocebo-Effekt ist quasi der böse Bruder des Placebo-Effekts (= erwünschte Wirkungen durch eine Erwartungshaltung).

Alles, was beim Patienten den Eindruck erweckt, medizinisch behandelt zu werden, kann Placebo- und Noceboeffekte auslösen: ein Gespräch, Handauflegen, mit Nadeln stechen, eine Spritze, eine Tablette, ein Wickel, ein Kräutertee…einfach alles, was im Auge des Patienten nach Therapie aussieht.

Während die Placebo-Wirkung zunehmend erforscht und in den Medien thematisiert wird, ist dies beim Nocebo-Effekt weniger der Fall.

Das ist schade, denn genauso wie der Placebo-Effekt ist auch der Nocebo-Effekt faszinierend und zugleich sehr bedeutsam in verschiedener Hinsicht.

Eindrücklich beobachten lässt sich der Nocebo-Effekt In randomisiert-kontrollierten Studien.

In solchen Studien bekommt eine Patientengruppe das zu testende Medikament verabreicht und eine andere Patientengruppe zur Kontrolle ein Scheinmedikament. Welcher Gruppe sie zugeteilt werden, wissen die Probanden dabei nicht. Noceboeffekte sind nun jene Nebenwirkungen, die sich in der Patientengruppe mit dem Scheinmedikament zeigen. Obwohl diese Patienten also gar keinen Wirkstoff bekommen, können die Nebenwirkungen heftig und häufig sein; so heftig, dass Teilnehmer aus diesem Grund die Studie beenden müssen: Zwischen sechs und zwölf Prozent der Probanden in der Placebogruppe leiden an so starken Nebenwirkungen, dass sie die Studie vorzeitig abbrechen. Der Noceboeffekt kann also massive gesundheitliche Einschränkungen bewirken. Gemäss einer Meta-Analyse leiden rund die Hälfte aller Studienteilnehmer in der Placebogruppe Nebenwirkungen, der Wert schwankt jedoch stark in den einzelnen Studien

Interessant ist daran vor allem, dass die Nebenwirkungen der Scheinbehandlung zu den Nebenwirkungen des jeweils getesteten Medikaments passen, also sehr spezifisch sind.

Der Grund dafür liegt darin, dass alle Teilnehmer einer Studie vor Studienbeginn die gleiche Aufklärung bekommen, egal ob sie anschliessen per Zufallentscheid der Vergleichsgruppe (Placebogruppe) mit dem Scheinmedikament oder der Gruppe mit dem richtigen Medikament zugeteilt werden. Zur notwendigen Aufklärung zählen auch die Informationen über mögliche Nebenwirkungen. Die Probanden wissen also, welche Nebenwirkungen sie zu erwarten haben – und genau diese treten dann bei einigen der Placebogruppen-Teilnehmer auch auf. Die Erwartungshaltung bewirkt diese Nebenwirkungen.

Quelle und weitere Infos zum Nocebo-Effekt:

http://www.medizin-transparent.at/nocebo-wenn-nichts-schadet

Kommentar & Ergänzung:

Nocebo-Effekte sind allgegenwärtig und sehr bedeutsam.

Beispiele:

1. Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten

Ellenlange Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten dürften wohl dazu beitragen, dass aufgeführte Nebenwirkungen tatsächlich vermehrt auftreten. Patientinnen und Patienten müssen selbstverständlich über mögliche Nebenwirkungen informiert sein. Wenn aber viele auch sehr selten auftretende Nebenwirkungen aufgeführt werden, nährt dies Befürchtungen, die zu negativen Erwartungshaltungen und damit zu Nocebo-Effekten führen können.

2. Nocebo-Effekte beim Thema „Amalgam“

Nocebo-Effekte spielen auch eine wichtige gesundheitliche Rolle ausserhalb von medizinischen Therapieverfahren, beispielsweise beim Stichwort „Amalgam“.

Siehe dazu auch:

Forschungsprojekt verneint Risiko durch Amalgam-Füllungen

Ich will nicht grundsätzlich ausschliessen, dass Amalgam möglicherweise in Einzelfällen gesundheitliche Auswirkungen haben könnte, obwohl eindeutige Belege dafür fehlen. Klar scheint mir allerdings, dass in diesem Bereich Nocebo-Effekte sehr grosse Bedeutung haben. Auffallend ist jedenfalls, dass alle nur irgendwie möglichen psychischen und körperlichen Beschwerden auf Amalgam zurückgeführt werden. Das deutet auf einen „Super-Nocebo-Effekt“ hin. Davon profitieren in grossem Stil naturheilkundliche „Ausleitverfahren“ und die „ganzheitliche Zahnmedizin“.

Wenn die Beschwerden, die dem Amalgam angelastet werden, nichts mit dieser Substanz zu tun haben, dann folgt daraus allerdings nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt.

3. Nocebo-Effekte beim Thema „Elektrosmog“

Beim Thema „Elektrosmog“ (umgangssprachlich für nichtionisierende Strahlung) scheint mir die Situation in vielem ähnlich wie beim Thema „Amalgam“.

Ich würde Warnungen bezüglich „Elektrosmog“ nicht einfach generell auf die leichte Schulter nehmen und halte es für sinnvoll, wenn die Entwicklung in diesem Bereich kontinuierlich mittels wissenschaftlicher Studien auf allfällige gesundheitliche Risiken überprüft wird. Substanzen wie PCB, DDT, Lindan, Asbest etc. wurden schliesslich auch jahrzehntelang als unproblematisch betrachtet.

Ein Beispiel für solche Forschungen war das nationale Forschungsprogramm NFP 57 des Nationalfonds, das den Einfluss nichtionisierender Strahlung (NIS) auf Umwelt und Gesundheit unter die Lupe nahm.

Siehe dazu:

Entwarnung, aber kein grünes Licht

Dass Nocebo-Effekte beim Thema Elektrosmog eine wichtige Rolle spielen, ist allerdings überaus deutlich erkennbar.

Testet man nämlich „elektrosensible“ Menschen, können sie nicht mit überzufälliger  Trefferquote sagen, ob eine Antenne, deren Strahlung sie ausgesetzt sind, eingeschaltet ist oder nicht.

„An der englischen Universität Essex wurde in einer über drei Jahre dauernden Studie das Verhalten von 44 Versuchspersonen untersucht, die glauben, elektrosmogsensibel zu sein, sowie gleichzeitig 114 Personen, die noch nie negative Auswirkungen durch Mobilfunk an sich bemerkt hatten. In einem Labor wurden diese Personen in verschiedenen Experimenten elektromagnetischen Strahlen mit Frequenzen im GSM- und UMTS-Bereich ausgesetzt. In der Doppelblindstudie wurde den Versuchsteilnehmern gesagt, dass eine Antenne mit der entsprechenden Strahlung für 50 Minuten in Betrieb sei. Die Probanden, die sich für strahlungssensibel hielten, klagten anschließend über Übelkeit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome. Ebenso konnten die Ärzte bei den Betroffenen Änderungen der Herzfrequenz und der Hautfeuchtigkeit messen. Diese subjektiv empfundenen Beschwerden und messbaren Symptome waren allerdings ganz unabhängig davon, ob die Antenne tatsächlich in Betrieb war oder nicht. Zwölf Personen mussten wegen massiver gesundheitlicher Beschwerden den Test beenden.“

Quelle: http://www.psiram.com/ge/index.php/Elektrosmog

Zum Thema Elektrosmog siehe auch die Übersicht auf Wikipedia.

Ein vorsichtiger Umgang mit Elektrosmog macht meines Erachtens schon Sinn. Das Wissen um die grosse Rolle von Nocebo-Effekten erlaubt aber auch eine gewisse Entdramatisierung.

Denn auch hier profitiert eine ganze Branche davon, Pseudo-Schutzmassnahmen gegen Elektrosmog zu verkaufen.

Massnahmen notabene, die unwirksam sind und unnötig, weil die damit angeblich bekämpften Beschwerden durch Nocebo-Effekte ausgelöst werden, welche die Branche mit ihren Warnungen selbst „gezüchtet“ hat.

Auch hier gilt aber: Wenn Beschwerden, die auf Elektrosmog zurückgeführt werden, auf Nocebo-Effekten basieren, dann folgt daraus nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt. Nocebo-Effekte sind nicht = Einbildung.  Ausserdem werden oft echte Beschwerden, die durch anderweitige Störungen verursacht werden, irrtümlich dem Elektrosmog (oder dem Amalgam) zugeschrieben. Auch in diesen Fällen sind die Beschwerden echt, nur die Erklärung dazu ist falsch.

4. Nocebo-Effekte bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen

Nocebo-Effekte beeinflussen in starkem Mass viele homöopathische Arzneimittelprüfungen und damit die Arzneimittelbilder, auf deren Grundlage Homöopathika eingesetzt werden.

Um ihren Anwendungsbereich festzulegen, werden Homöopathika an Gesunden getestet. Dazu müssen die Probanden genau protokollieren, welche Beschwerden und Veränderungen des Befindens während der Einnahme des Mittels auftreten.

Samuel Hahnemann (1755 – 1843) betonte, dass sämtliche Befindlichkeiten der Probanden während der Wirkungszeit des Mittels als durch dieses ursächlich hervorgerufen gelten müssten, selbst wenn der Prüfer Ähnliches in anderen Zusammenhängen beobachtet habe. In seinem Hauptwerk, dem „Organon der Heilkunst“, schreibt der Begründer der Homöopathie:

„Alle Beschwerden, Zufälle und Veränderungen des Befindens der Versuchsperson während der Wirkungsdauer einer Arznei […] rühren bloß von dieser her und müssen als deren eigentümlich zugehörig, als ihre Symptome angesehen werden und aufgezeichnet werden; gesetzt auch die Person hätte ähnlich Zufälle vor längerer Zeit bei sich von selbst wahrgenommen.“ (6. Auflage, §138).

Hahnemann negiert vollständig die Möglichkeit, dass

A. Veränderungen und Beschwerden während der Testphase am Gesunden auch unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten können und

B. dass negative Erwartungen zu Nocebo-Effekten führen können.

Das führt dazu, dass Nocebo-Effekte und zufällig gleichzeitig auftretende, unabhängige Veränderungen in die Arzneimittelbilder einfliessen und diese zu willkürlichen Konstrukten machen.

Allfällige spezifische Wirkungen des Homöopathikums könnte man nur von den beiden Möglichkeiten in Punkt A und B unterscheiden durch eine Kontrollgruppe, die unbehandelte Globuli (Scheinpräparate) bekommt – also mit einem Doppelblind-Test. Das wurde in neuerer Zeit auch gemacht. Siehe dazu beispielsweise hier:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Dabei zeigte sich in der Arzneimittelprüfung am Gesunden allerdings kein Unterschied zwischen dem Homöopathika und dem Scheinpräparat. Daher steht in Frage, ob Belladonna C30 / Belladonna D60 überhaupt ein Homöopathika ist.

Zumindestens bei Belladonna C30 / Belladonna D60 dürfte das Arzneimittelbild bei Prüfungen ohne Kontrollgruppe jedenfalls aus Nocebo-Effekten und spontanen Veränderungen bestehen, die unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten. Das gibt eine massive Verfälschung der Basis, auf welcher die Anwendung von Belladonna C30 / Belladonna D60 steht, so dass in Frage steht, ob solche Präparate nach en Regeln der Homöopathie überhaupt als Homöopathika gelten können.

Ein vergleichbares Ergebnis lieferte die doppelblinde Überprüfung des Arzneimittelbildes von Okoubaka aubrevillei. In der Homöopathie erfreuen sich Potenzen von Okoubaka aubrevillei großer Beliebtheit bei der Behandlung von Magen-Darm-Problemen. Die Forscher fanden bei der Arznimittelprüfung am Gesunden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen dem Homöopathika aus Okoubaka und dem Scheinglobuli bezüglich der Anzahl der als charakteristisch eingestuften Symptome. Auch bei Okoubaka scheint also das Arzneimittelbild aus Nocebo-Effekten und zufällig mit einfliessenden Veränderungen zu bestehen.

Siehe dazu:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/moderne-arzneimittelpruefung-mit-okoubaka.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23561008

Fazit:

Die Beispiele aus den Punkten 1 – 4 zeigen, welch grossen Einfluss Nocebo-Effekte in unserem Alltag haben können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Homöopathie im Stall

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Im Moment scheint gerade eine PR-Aktion für Homöopathie im Stall zu laufen. Jedenfalls sind kurz hintereinander im „Blick“ und in der „Berner Zeitung“ zwei Reportagen über Bauern erschienen, die Globuli bei ihren Kühen und Schweinen einsetzen.

Das bringt den Bauern einige Vorteile, wie sie sagen: Antibiotika könne eingespart und die Tierarztkosten gesenkt werden. Zudem gebe es keine Wartefristen für den Verkauf von Milch und Fleisch nach der Behandlung der Tiere.

Das sind offenkundige Vorteile.

Dass der Verbrauch an Antibiotika in der Landwirtschaft zu hoch ist, steht ausser Frage.

Ob Homöopathie bei der Senkung des Antibiotika-Verbrauchs allerdings eine sinnvolle Rolle spielen kann, ist damit noch überhaupt nicht klar.

Entweder ist eine Antibiotika-Behandlung zum Wohle des Tieres notwendig, dann muss sie erfolgen, oder sie ist unnötig, dann muss sie unterbleiben. Homöopathika sollten da nur ins Spiel kommen, wenn ihre Wirksamkeit geklärt ist. Schliesslich haben Tiere ein Anrecht auf eine wirksame Behandlung.

Von der Wirksamkeit ihrer Homöopathie-Gaben sind die interviewten Landwirte natürlich überzeugt. Dabei gibt es allerdings schon noch ein paar offene Fragen.

1. Interessenkonflikte

Die anwendenden Bauern haben ein starkes Interesse daran, ihre Behandlung als wirksam zu interpretieren. Das nennt sich Interessenkonflikt. Sie sind zuwenig unabhängig für eine Beurteilung.

2. Einzelbeobachtungen sind nicht aussagekräftig

Einzelbeobachtungen – auch wenn es dutzende oder hunderte sind – sagen nur sehr wenig aus. Ein Bauer, aber auch ein Tierarzt, kann nicht beurteilen, ob eine beobachtete Besserung durch ein Globuli (oder eine andere therapeutische Massnahme) bewirkt wurde, oder ob der natürliche Verlauf der Krankheit dafür verantwortlich ist.

Wer automatisch davon ausgeht, dass eine Besserung durch die eigene therapeutische Massnahme zustande gekommen ist, blendet wichtige Faktoren aus und begeht möglicherweise einen Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss. Das tönt komplizierter als es ist. Diesen verbreiteten Trugschluss zu verstehen lohnt sich sehr.

Hier habe ich versucht, den Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschuss verständlich zu erklären:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung:

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Dazu kommt noch: Auch bei Tieren gibt es placeboähnliche Effekte (z. B. Konditionierungen). Der Placeboeffekt bei Tieren ist gut belegt.

Siehe: Alles für die Katz (Artikel aus „Die Zeit“ zum Thema „Homöopathie für Tiere)

Der grösste Teil des Placebo-Effektes in der Tiermedizin entsteht aber direkt beim Tierhalter bzw. Behandler. Tiere äussern sich in der Regel nicht selbst über ihr Befinden, oder jedenfalls nicht eindeutig. Zeichen müssen interpretiert werden. Diese Interpretation durch die Halterin bzw. die Behandlerin ist nicht nur von deren Interessenlagen abhängig, sondern auch von deren Überzeugungen. Hier setzt der Placebo-Effekt an – als Erwartungshaltung, welche die Interpretation beeinflusst.

Die Zuordnung von Besserungen als Folge bestimmter therapeutischer Massnahmen ist sehr viel komplexer, als es den meisten Menschen bewusst ist.

Sehr eindrücklich beschrieben hat dies der Psychiater Asmus Finzen in seinem Buch „Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?“.

Zusammenfassungen dazu finden Sie hier:

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Artikel zum Thema von mir in der Zeitschrift „Natürlich“:

Warum wir gesund werden

Wer glaubt, aus Beobachtungen an sich selbst oder an Tieren schliessen zu können, ob eine therapeutische Massnahme wirksam ist oder nicht, überschätzt fundamental die eigene Urteilskraft.

Das grosse Selbsttäuschungpotential bei Eigenbeobachtungen ist der Grund dafür, dass zur unabhängigen Beurteilung therapeutischer Wirksamkeit klinische Studien mit einer Placebogruppe nötig sind – und möglichst interessenfreie BeurteilerInnen. Gut gemachte Doppelblind-Studien haben die Medizin entscheidend weitergebracht.

Schaut man sich die klinischen Studien zur Homöopathie in der Humanmedizin an,  spricht sehr viel dafür, dass Homöopathie als Behandlungssystem in manchen Fällen eine positive Wirkung hat, dass dafür aber nicht die Globuli verantwortlich sind.

Beispiele hier:

Wirkt Homöopathie und wenn ja – wie?

FDA: Kritik an Qualitätsmängeln beim Homöopathika-Hersteller Nelson

Arzneimittelprüfung: Belladonna C30 / Belladonna D60

Diese Beispiele stellen die Wirksamkeit von Globuli im Stall doch ziemlich in Frage.

Homöopathika-Hersteller verdienen sehr viel Geld mit ihren Präparaten.

Es wäre ihnen durchaus zuzumuten, dass sie einen Teil ihres Gewinns in klinische Studien investieren, um die Wirksamkeit der Globuli im Stall zu belegen. Solange sie sich darum drücken bzw. das nicht gelingt, muss meines Erachtens das Recht von Tieren auf eine wirksame Behandlung absoluten Vorrang haben.

Die Artikel im „Blick“ und in der „Berner Zeitung“ über Homöopathie im Stall sind Beispiele für die überwiegend naive Berichterstattung in den Medien zum Thema Komplementärmedizin. Nachhaken und In-Frage-stellen findet kaum statt.

Offenbar schreiben die Journalistinnen und Journalisten einfach, wovon sie annehmen, dass die Leute es so lesen wollen. Bar jeder Reflexion.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was Wissenschaft von Esoterik unterscheidet

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Wenn zur Erklärung von medizinischen Phänomenen bzw. als Verkaufsargument von Produkten Begriffe wie „Energie“, „Schwingung“ oder „Quanten“ verwendet werden, dann sollten beim Konsumenten die Alarmglocken läuter. Obwohl häufig umstritten, sei die Grenze zwischen Pseudowissenschaft und Wissenschaft klar geregelt.

Das sagte Bernd Mayer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften an der Universität Graz bei einem Vortrag in Wien. Es gebe eindeutige Kriterien, um festzustellen, wann man es mit Wissenschaft zu tun habe und wann nicht.

Als Hauptkriterium nannte er die Widerlegbarkeit wissenschaftlicher Theorien.

Wissenschaft sei ein veränderlicher Prozess mit grundsätzlich widerlegbaren Theorien, während bei Pseudowissenschaften Dogmen und Unveränderlichkeit dominieren würden. „99 Prozent meiner Hypothesen wurden im Experiment widerlegt“, sagte der Professor für Pharmakologie und Toxikologie über seine eigenen Forschungen.

Als typische Kennzeichen von Pseudowissenschaften erwähnte Mayer weiters die Missachtung von Naturgesetzen, selektive Beweisaufnahme, anachronistisches Denken oder die Suche nach Geheimnissen (Ufos, Yetis, neuartige Strahlen und Energieformen).

Im Gegensatz dazu werden bei der wissenschaftlichen Methode Hypothesen in Tests und Experimenten geprüft. Der entscheidende Punkt dabei sei die „intersubjektive“ – also durch unabhängige Beobachter erfolgende – Überprüfbarkeit.

Als Beispiel für die Überprüfung eines pseudowissenschaftlichen Gebiets erwähnte Mayer einen 1990 in Deutschland durchgeführten Test an. Dabei scheiterten von der deutschen Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) eingeladene Wünschelrutengänger beim Aufspüren von Wasser in künstlichen Leitungen deutlich.

Auch bei der Homöopathie, die auf dem Simile-Prinzip („Ähnliches mit ähnlichem heilen“) und auf der Potenzierung – ein Arzneistoff ist umso wirksamer, desto mehr er verdünnt ist – basiert, sieht Mayer „keinen Hinweis auf Gültigkeit“. Sollte doch jemals die Wirksamkeit von Homöopathie nachgewiesen werden, müssten alle Naturgesetze umgeschrieben werden.

Seine Skepsis unterstrich der Pharmakologe mit einem „Suizidversuch“, bei dem er trotz den Warnungen einer Apothekerin vor Nebenwirkungen wie einem „unwillkürlichen Stuhlabgang“ oder „Zerschlagenheitsgefühl“ ein Fläschchen Globuli vor den Augen der Zuschauer zu sich nahm. Diesen Test überstand Mayer unbeschadet.

Wo der gelernte Wissenschaftler auf den ersten Blick ein trügerisches Angebot erkennt, könne sich der Laie mit einem schwer durchschaubaren Dschungel an verwirrenden Begriffen und Botschaften konfrontiert sehen.

Ob man es etwa mit Pseudomedizin zu tun habe, sagte Mayer an seinem Vortrag, könne man unter anderem dadurch überprüfen, ob die Hypothese verständlich formuliert sei, die Behauptungen prinzipiell widerlegbar seien und ob auf Jahrtausende altes Wissen oder auf einen Guru verwiesen werde.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1714742/

Kommentar & Ergänzung:

Begriffe wie „Energie“, „Schwingungen“ und „Quanten“ (auch: Quantenmedizin, Quantenheilung) sind tatsächlich „Dienstmägde für alles“. Mit ihnen lassen sich auch noch die bescheuertsten Behauptungen ausschmücken und man kann sich damit eindrücklich erklären, was man nicht verstanden hat.

Ob der beschriebene „Suizidversuch“ eine sinnvolle Art der Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Homöopathie“ ist, scheint mir fraglich.

Meines Erachtens gäbe es diesbezüglich interessantere Diskussionspunkte.

Beispielsweise die Frage, weshalb es weder Patientinnen und Patienten noch den verordnenden Homöopathinnen und Homöopathen auffällt, wenn beim Homöopathie-Hersteller Nelson jedes sechste Fläschchen so abgefüllt wird, dass gar keine Homöopathie drin ist. Spielt das gar keine Rolle?

Siehe:

FDA: Kritik an Qualitätsmängeln beim Homöopathika-Hersteller Nelson

Interessante Diskussionen – auch in der „Homöopathie-Szene“ – müsste auch eine Studie aufwerfen, die zeigt, dass Rheumapatienten von einer zusätzlichen homöopathischen Behandlung profitieren, dass es dabei aber irrelevant ist, ob nach homöopathischer Vorschrift hergestellte Globuli eingesetzt werden oder nur die entsprechenden Zuckerpillen.

Siehe dazu:

Wirkt Homöopathie und wenn ja wie?

Diskussionswürdig wären auch mehrere Arzneimittelprüfungen, die zum Schluss kommen, dass bei  Belladonna C30 / Belladonna D60 gar kein homöopathisches Arzneimittelbild feststellbar ist. Folglich können solche Präparate gar keine Homöopathie sein und es ist sehr befremdlich, dass sie weiterhin verordnet und verkauft werden. Dieser Umstand – den die „Homöopathie-Szene“ vollständig ausblendet –  lässt sich nur erklären mit einer vollständig fehlenden Qualitätssicherung (Homöopathika genauso wie Anthroposophika dürfen grundsätzlich ohne Wirksamkeitsnachweis verkauft werden

Siehe:

Arzneimittelprüfung: Belladonna C30 / Belladonna D60

Eine spannende Lektüre zu den Unterscheidungskriterien zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft in Medizin, Komplementärmedizin und Kosmetikindustrie ist das Buch „Die Wissenschaftslüge“ von Ben Goldacre.

Zum Thema Esoterik und Pflanzenheilkunde siehe:

Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Kritik an Einfluss von Esoterikern an deutschen Universitäten

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Wissenschaftler kritisieren den steigenden Einfluss von Esoterikern an deutschen Universitäten. Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin an der britischen Universität Exeter, griff im Magazin FOCUS den Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Viadrina in Frankfurt (Oder), Harald Walach, an. Die Arbeit von Harald Walach sei „Ausdruck eines nahezu religiösen Glaubens an die Therapieform, die man beforscht“. Walachs Institut in Frankfurt lehrt unter anderem Homöopathie. Bis anfangs 2012 soll eine Ayurveda-Professur eingerichtet sein. Auch der Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern, der Biologe Beda Stadler, formulierte Kritik. Harald Walach und andere seien nicht bereit, „irgend etwas von dem zu akzeptieren, was Wissenschaft ausmacht“.

Quelle:

http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-41-2011-kritik-an-einfluss-von-esoterikern-an-deutschen-unis_aid_672819.html

Kommentar & Ergänzung:

Meines Erachtens spricht grundsätzlich nichts dagegen, Ayurveda-Professuren oder Homöopathie-Professuren zu errichten, solange es beispielsweise auch Theologie-Professuren gibt. Der heikle Punkt liegt eher darin, wie die Forschung und Lehre an diesen Lehrstühlen in der Praxis dann ausgerichtet ist.

Die Forschung muss ergebnisoffen sein. Es darf sich nicht um einseitige Bestätigungsforschung handeln, die nun endlich beweisen will dass Verfahren X. wirksam ist. Auch negative Ergebnisse müssen riskiert und publiziert werden. Dazu braucht es eine gewisse Neutralität. Und die Lehre darf keinen Missionierungscharakter haben sondern muss auch die Schwachstellen der betreffenden Lehrinhalte offenlegen.

Insofern spricht Edzard Ernst einen wichtigen Punkt an.

Der Lehrstuhl von Prof Harald Walach wird von der Firma Biologische Heilmittel Heel GmbH finanziert, einer Herstellerin von Homöopatika.

Das wirft schon Fragen auf bezüglich Neutralität und Unabhängigkeit.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es solche von der Pharmaindustrie gesponserte Lehrstühle auch in anderen Bereichen gibt.

Im Bereich Komplementärmedizin liegt ein ähnlicher Fall vor bei der Stiftungsprofessur von Claudia Witt an der Charité in Berlin. Finanziert wurde diese Professur durch die Karl und Veronica Carstens-Stiftung mit einer Million Euro über fünf Jahre. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung wurde 1982 vom damaligen deutschen Bundespräsidenten Karl Carstens und seiner Ehefrau Veronica Carstens mit dem Ziel gegründet, Alternativmedizin, vor allem Homöopathie finanziell zu fördern und gleichberechtigt neben die wissenschaftliche Medizin zu stellen.

Von dem, was ich über die bisherige Tätigkeit von Harald Walach weiss, bin ich eher skeptisch, ob er eine unabhängige, ergebnisoffene Forschung garantieren kann. Claudia Witt von der Charité Berlin traue ich das aufgrund ihrer bisherigen Äusserungen eher zu.

Zugunsten von Harald Walach muss aber auch erwähnt werden, dass er auch schon negative Ergebnisse seiner Homöopathie—Forschung publiziert hat. Die doppelblinde Arzneimittelprüfung mit Belladonna D60 / Belladonna C30 ergab damals:

Belladonna D60 / Belladonna C30 = Placebo

Siehe:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Dieses Resultat bedeutet, dass Belladonna D60 / Belladonna C30 kein homöopathisches Medikament ist, ein hoch bedeutsames Forschungsergebnis, das interessanterweise in der Homöopathie keinerlei erkennbare Konsequenzen hatte. Belladonna D60 / Belladonna C30 wird immer noch verordnet und verkauft.

Siehe ausserdem: Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

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In der Homöopathie wird die Heilwirkung einer Substanz durch eine Arzneimittelprüfung ermittelt.

Dabei wird nach dem Grundsatz „simila similibus curentur“ geprüft, welche Symptome dieses Mittel bei gesunden Menschen hervorruft. Zur Zeit Samuel Hahnemanns wurden solche Prüfungen von einzelnen Personen durchgeführt. Dabei flossen natürlich alle zufälligen Befindlichkeitsstörungen etc. in die Bewertung ein. Darum werden in letzter Zeit solche Arzneimittelprüfungen an Gruppen von Personen durchgeführt, um zu statistisch signifikanten Aussagen zu kommen.

Arzneimittelprüfungen mit Belladonna C30 (entspricht Belladonna D60) sind von Prof. Harald Walach durchgeführt worden, der schon seit längerem daran arbeitet, die Wirkung der Homöopathie wissenschaftlich zu beweisen.

Eine von Walach 1993 publizierte Untersuchung führte nicht zu dem von ihm wohl bevorzugtem Resultat, sondern zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen der Belladonna- und der Placebo-Gruppe. Auch Goodyear fand 1998 keine eindeutigen Unterschiede in der Beschreibung der Symptome zwischen der Verum- und Placebogruppe. Walach hatte offenbar vermutet, dass eine neue umfangreichere Studie doch noch einen Effekt zeigen würde. Aber auch diese 2001 publizierte Studie ergab wiederum keinen Anhaltspunkt für eine Belladonna-Wirkung. Schließlich hatten Brien et. al. 2003 in Kenntnis der Walach’schen Ergebnisse diese Frage erneut untersucht und sind  zu dem gleichen Resultat gelangt. Damit individuelle Wahrnehmungen ausgeschlossen werden konnten, wurden die Untersuchungen als Crossover-Studien durchgeführt: In der Hälfte des Untersuchungszeitraumes wurden Verum- und Placebo-Präparate ausgetauscht.

Tabelle: Arzneimittelprüfungen von Belladonna C30 (entspricht Belladonna D60).

Autoren                                   Teilnehmer                       Ergebnis

Walach 1993                         47                                         Belladonna C30 = Placebo

Goodyear et.al. 1998           47                                         Belladonna C30 = Placebo

Walach et.al. 2001              87                                        Belladonna C30 = Placebo

Brian et.al. 2003                253                                        Belladonna C30 = Placebo

Unterstrichen werden muss, dass die Autoren dieser Studien Anhänger der Homöopathie sind und nicht etwa Kritiker. Darum soll ausdrücklich anerkannt werden, dass diese Arbeitsgruppen ihre Untersuchungen publiziert haben, obwohl die Resultate wohl nicht Ihren Erwartungen entsprachen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen:

Belladonna C30 ( = Belladonna D60) ist nach den Kriterien der Homöopathie kein homöopathisches Arzneimittel.

Literatur:

Walach. H.:Does a highly diluted homoeopathic drug act as a placebo in healthy volunteers? Experimental study of Belladonna 30C in double-blind crossover design–a pilot study.

J. Psychosom. Res. 1993 Dec;37(8):851-60.

Goodyear, K., Lewith, G. und Low, J.L.: Randomized double-blind placebo-controlled trial of homoeopathic ‚proving‘ for Belladonna C30. J. R. Soc Med. 1998 Nov;91(11):579-82.

Walach, H., Köster, H., Henning, T. und Haag, G.: The effects of homeopathic belladonna 30CH in healthy volunteers — a randomized, double-blind experiment., J.Psychosom. Res. 2001, 50, 155-160

Briean, S., Lewith, G. uns Bryant, T.:Ultramolecular homeopathy has no observable clinical effects. A randomized, double-blind, placebo-controlled proving trial of Belladonna 30C, Br. J. Clin. Pharmacol. 2003 Nov;56(5):562-8.

Quelle:

http://www.xy44.de/belladonna/pruefung.html

Kommentar & Ergänzung:

Die homöopathischen Arzneimittelprüfungen gehören zum Kernbereich der Homöopathie. Homöopathie unterscheidet sich auch an diesem Punkt fundamental vom Vorgehen in der Pharmakologie und in der Phytotherapie.

Bei den homöopathischen Arzneimittelprüfungen fliessen tatsächlich in grossem  Mass unspezifische Befindlichkeitsstörungen in die Ergebnisse ein, sofern sie nicht sehr sorgfältig doppelblind und randomisiert durchgeführt werden. Solche Studien wie sie mit Belladonna D60 / Belladonna C30 vorliegen  sind aber noch Ausnahmen.

Erstaunlich ist nun  allerdings, dass nach diesen eindeutigen Resultaten Belladonna C30 / Belladonna D60 noch verschrieben und verkauft wird.

Diese Resultate scheinen keinen Einfluss zu haben auf die Verschreibungs- und Verkaufspraxis.

Weitere Informationen zur homöopathischen Arzneimittelprüfung:

http://de.wikipedia.org/wiki/Homöopathie#Hom.C3.B6opathische_Arzneimittelpr.C3.BCfung

http://www.psiram.com/ge/index.php/Homöopathische_Arzneimittelprüfung?COLLCC=3233944349&

Ausgangsbasis für die Herstellung von Belladonna D60 ist die Tollkirsche (Atropa belladonna), verschüttelt und schrittweise verdünnt im Verhältnis von 1: 1 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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