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Nelkenöl lindert Zahnschmerzen

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Das Magazin „Stern“ berichtet über die schmerzlindernde Wirkung von Gewürznelken bzw. von Nelkenöl.

In einer kleinen Studie verglichen Wissenschaftler die Wirkung von Gewürznelken mit der eines lokalen Betäubungsmittels, das direkt im Mund angewendet wird und gaben den Patienten im Anschluss zwei Spritzen. Tatsächlich empfanden die Versuchspersonen die Nadelstiche als weniger schmerzhaft. Die „echte“ Betäubung und das Nelkenöl zeigten in etwa den gleichen Effekt; die in der Studie verwendeten Placebos bewirkten dagegen nichts. Die Fachleute der Kommission E schreiben der Gewürznelke eine lokal betäubende Wirkung zu, die akute Zahnschmerzen lindern kann. Nelkenöl wirkt außerdem antiseptisch: Es tötet Bakterien, Pilze und Viren ab.

Der „Stern“ empfiehlt folgende Anwendungsformen:

„Einen Nelkenstängel auf den schmerzenden Zahn legen und warten, bis die Symptome nachlassen.

Ätherisches Nelkenöl wirkt ebenfalls schmerzstillend: Dafür ein paar Tropfen auf einen kleinen Wattebausch tröpfeln und auf den Zahn legen.“

Die Behandlung mit Nelken sei lediglich eine Erste-Hilfe-Maßnahme. Bei Schmerzen soll die betroffene Person besser so bald wie möglich zum Zahnarzt gehen, damit die Ursache des Problems behoben werden.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550313623

 

Kommentar & Ergänzung:

Nelkenöl besteht zu etwa 85 – 95% aus Eugenol und wirkt gut antimikrobiell und lokal schmerzstillend.

Es eignet sich auch zur Linderung des Juckreizes bei Insektenstichen (Laut dem Fachbuch „Leitfaden Phytotherapie„: pur oder in 10%iger alkoholischer Lösung, Alkohol 70% verwenden).

In konzentrierter Form kann Nelkenöl aber auch gewebereizend wirken.

Früher wurde Nelkenöl bzw. Eugenol auch in der Zahnmedizin angewendet. Das Fachbuch „Biogene Arzneimitel“ schreibt dazu:

„Eugenol…und Nelkenöl wurden wegen der antiseptischen, leicht ätzenden und anästhetischen Eigenschaften früher in grossem Umfang in der Stomatologie als Zusatz zu Wurzelkanalfüllmaterialien eingesetzt (mit ZnO zu festem Zinkeugenolat erhärtend). Die Verwendung zu diesem Zweck wird heute wegen möglichem Eindringen in periapikale Gewebe und dadurch bedingte Entzündung und mögliche Sensibilisierung kritisch betrachtet.“

Siehe ausserdem:

Nelkenöl gegen Zahnschmerzen

Eugenol – der Hauptbestandteil im Nelkenöl

Gewürznelken – Nelkenöl

Gewürznelke lindert Schmerzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Weidenröschenkraut bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

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Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung des Weidenröschenkrauts (Epilobii herba) vor.

Epilobii herba, das Weidenröschenkraut, kann nach Einschätzung der EMA-Gutachter für Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung) empfohlen werden. Weidenröschen kann bei Miktionsstörungen unterstützend eingesetzt werden. Eine Wirksamkeit sei insbesondere durch den jahrelangen erfolgreichen Gebrauch der Pflanze erwiesen, schreibt die EMA, und verweist auf Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit aus mehr als 30 Jahren. In der EU sind Produkte aus Weidenröschen seit 15 Jahren auf dem Markt.

Zwar gebe es keine klinischen Studien, doch sei aus Labortests ersichtlich, dass Epilobium einen Effekt auf das Wachstum von Prostatazellen habe. Darüber hinaus konnten im Labor antientzündliche und schmerzlindernde Wirkungen festgestellt werden. Nebenwirkungen bei Anwendung von Weidenröschenkraut sind nach Aussage der EMA nicht bekannt.

Für die Fachleute sind die jahrelange sichere Verwendung und die Hinweise auf gute Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung der BPH ausreichend, um die Anwendung bei dieser Indikation ausdrücklich zu empfehlen. Vor der Behandlung sollen allerdings schwerere Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen werden, erklärt die EMA.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhaltsstoffe verschiedener Weidenröschen-Arten wurden intensiv im Labor erforscht und zeigten zum Teil interessante Wirkungen. Die Empfehlung der EMA steht trotzdem auf wackligem Fundament. Laborergebnisse lassen sich nicht direkt auf die Anwendung beim Menschen übertragen und Erfahrungsberichte aus traditioneller Anwendung lassen keine sicheren Schlüsse zu. Bei einer Besserung ist nie klar erkennbar, ob sie wirklich vom angewendeten Weidenröschentee ausgelöst wurde. Bei langandauernden Beschwerden schwankt die Intensität der Beschwerden meistens im Verlauf und es passiert sehr leicht, dass jede Besserung dem angewendeten Mittel zugeschrieben wird, obwohl nur das natürliche Auf und Ab der Beschwerden vorliegt. Nur klinische Studien könnten hier Klarheit verschaffen, sind aber nicht in Sicht.

Die Phytotherapie-Fachliteratur ist deutlich zurückhaltender bezüglich der Wirksamkeit des Weidenröschens als die EMA.

Weidenröschentee verdankt seine Bekanntheit den Empfehlungen von Maria Treben (1907 – 1991), die aber wegen ihren zahlreichen fragwürdigen bis gefährlichen Ratschlägen nicht vertrauenswürdig ist.

Die auf Wikipedia geäusserte Kritik teile ich voll und ganz:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen seien. Teilweise verwechsele Treben wichtige Fachbegriffe, beispielsweise den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin, wodurch sie fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus empfehle. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Esslöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

Die Universitätsklinik Freiburg äußert in ihrem Ratgeber für Krebspatienten: „(…) gefährlich ist (…) die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst. (…) Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern‘ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. (…) Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht (…) viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Quittensirup bei Schwangerschaftsübelkeit?

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Die Carstens-Stiftung beschreibt eine iranische Studie, wonach Quittensirup schwangerschaftsinduzierte Übelkeit besser reduziert als standardmäßig verabreichtes Vitamin B6. Das ist interessant, wirft aber auch einige Fragen auf.

Acht von zehn Schwangeren leiden an Übelkeit und Erbrechen und bei besonders stark ausgeprägtem Verlauf spricht man von Hyperemesis gravidarum. Der anhaltende Brechreiz kann mehrmals täglich zur Erbrechen und infolgedessen zu teils gravierendem Flüssigkeits- und Nährstoffverlust führen. Eine Anpassung der Ernährung, der Ausgleich des entstehenden Flüssigkeits- und Nährstoffmangels und die Behandlung der Symptome mittels medikamentöser Verfahren sowie eine Vitamin B6-Supplementierung (Pyridoxin) zählen zur Standardbehandlung der Hyperemesis gravidarum. Da vor allem in der frühen Schwangerschaftsphase wegen möglicher Komplikationen und Schädigungen des ungeborenen Kindes auf synthetische Arzneimittel möglichst verzichtet werden sollte, wird zunehmend auf pflanzliche Mittel wie z.B. Pfefferminze und Ingwer zurückgegriffen, um die Schwangerschaftsübelkeit zu reduzieren

Unbekannt ist bei uns bisher die Anwendung von Quittensirup.

In der Traditionellen Iranischen Medizin wird die Quitte unter anderem als Magentonikum zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie als Mittel zur Appetitanregung empfohlen. Auf dieser Basis führten iranische Wissenschaftler eine Studie durch, um die Wirkung von Quittensirup im Vergleich mit Vitamin B6 bei Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit zu untersuchen. Die Studie wurde an fünf klinischen Zentren in Teheran und Qom durchgeführt. Aufgenommen wurden 90 Frauen in der Gestationsphase zwischen der 6. bis 14. Woche und einer therapiebedürftigen, schwangerschaftsinduzierten Übelkeit von 3 bis 12 Punkten auf der PUQE-Skala (PUQE = Pregnancy-Unique Quantification of Emesis) mit und ohne Erbrechen. Per Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmerinnen in eingeteilt und bekamen über die Therapiephase von einer Woche dreimal täglich jeweils vor den Mahlzeiten entweder einen Esslöffel des eigens für die Studie hergestellten Quittensirups oder aber eine Tablette mit einem Gehalt von 20 mg Vitamin B6 pro Einheit.

Die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel war nicht gestattet. Darüber hinaus wurden die Probandinnen zu einer Vermeidung von fettem Essen und dem Verzehr regelmäßiger kleiner Mahlzeiten angehalten. Während der einwöchigen Therapiephase und der nachfolgenden, ebenfalls siebentägigen Nachbeobachtungszeit dokumentierten die teilnehmenden Frauen mittels PUQE-24-Fragebogen die Dauer, Häufigkeit und Intensität ihrer Übelkeit und des auftretenden Erbrechens. Ausserdem wurden die Probandinnen zur Erfassung auftretender Nebenwirkungen angehalten.

In die Auswertung flossen Daten von 76 Patientinnen ein. In der Quittensirup-Gruppe konnte im Vergleich mit der Vitamin B-Gruppe nach 7 Tagen schon eine klinisch signifikante Besserung um rund 4,3 Punkte auf der PUQE-Skala festgestellt werden, die noch eine Woche nach Beendigung der Behandlung anhielt. In der Vitamin B6-Gruppe betrug die Punktedifferenz nach 7 Tagen lediglich 1,1 Punkte – mit sinkender Tendenz nach 14 Tagen. Zudem wiesen die Probandinnen der Quittensirup-Gruppe zu Studienbeginn eine höhere Punktezahl auf der PUQE-Skala auf (9.55, Standardabweichung 2.05) als die Frauen in der Vitamin B-Gruppe (8.44, Standardabweichung 1.87). Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Quittensirup-Intervention sich auch bei schwereren Verläufen erfolgreich ist. Keine der teilnehmenden Frauen klagte über das Auftreten von Nebenwirkungen.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gar-nicht-uebel-quittensirup-bei-schwangerschaftsuebelkeit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28631509

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Schwangerschaftsübelkeit für die betroffenen Frauen oft eine starke Belastung ist und Quittensirup ein billiges und darüber hinaus gesundes Mittel, kann diese Studien aus dem Iran berechtigtes Interesse wecken. Jedenfalls sind mir keine Gründe bekannt, die gegen einen Versuch mit Quittensirup sprechen würden.

Die Studie ist allerdings mit 90 teilnehmenden Frauen ziemlich klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Wir treffen hier auf ein Problem, das in der Forschung mit Naturheilmitteln oft vorkommt:

Für eine grosse, beweisende Studie, die entsprechend teuer und aufwendig ist, wird sich kaum ein Sponsor finden, wenn das untersuchte Produkt nicht patentierbar sondern billig im Haushalt herzustellen ist. Bei solchen Hausmitteln fehlt einfach oft (und ökonomisch nachvollziehbar) das kommerzielle Interesse für Investitionen in die Forschung.

Fragen wirft auch der Vergleich von Quittensirup versus Vitamin B6-Gabe auf.

Die Wirksamkeit von Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit ist selber nicht zweifelsfrei geklärt. Pharmawiki schreibt dazu:

„Die Verwendung von Pyridoxin gegen Übelkeit geht vermutlich auf kleine, unkontrollierte Studien aus den 1940er Jahren zurück (z.B. Willis et al., 1942). Moderne Zulassungsstudien sind nicht verfügbar. Wir haben in der neueren wissenschaftlichen Literatur lediglich zwei kleine randomisierte und placebokontrollierte klinische Studien aus den 1990er Jahren identifiziert, ausschliesslich in der Indikation Schwangerschaftserbrechen (Sahakian, 1991; Vutyavanich, 1995). Aus unserer Sicht gibt es Hinweise für eine mögliche Wirksamkeit, sauber wissenschaftlich nachgewiesen ist sie bisher jedoch nicht. Ein Therapieversuch ist aufgrund der guten Verträglichkeit möglich.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Pyridoxin%20gegen%20Übelkeit

 

Und die Pharmazeutische Zeitung verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse:

„Forscher der Cochrane Collaboration haben in einer aktuellen Übersichtsarbeit Studien zu Arzneimitteln zusammengefasst, die bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden. Ihr Fazit: In Anbetracht der hohen Prävalenz der Beschwerden ist die Studienlage erstaunlich schlecht. So fanden sich beispielsweise für die vielfach empfohlenen Ingwer- oder Pyridoxinpräparate nur sehr wenige Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien. Ingwer und Pyridoxin (Vitamin B6) scheinen aber besser als Placebo morgendliche Übelkeit zu lindern. Bei der Reduktion von Erbrechen zeigte nur Ingwer einen leichten Nutzen, während sich die Symptome mit Vitamin B6 nicht eindeutig verbesserten.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36523

Wenn für die Vergleichsgruppe mit der Vitamin B6-Gabe eine Intervention gewählt wird, die selber nicht eindeutig in ihrer Wirksamkeit ist, dann kann der Quittensirup diese Vergleichgruppe verhältnismässig leicht übertreffen. Aussagekräftig wäre zudem eine dritte Gruppe gewesen, die ein Placebo bekommen hätte.

Aber eben, das ist alles auch eine Frage der Ressourcen.

Interessant schein mir noch die überlegung, welcher Wirkungsvorgang der Anwendung von Quittensirup bei Schwangerschaftsbelkeit zugrunde liegen könnte.

Die Quittenfrucht enthält „viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine (Catechin und Epicatechin), Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“ (Quelle: Wikipedia)

Am interessantesten scheinen mit hier Pektin und Schleimstoffe zu sein. Sie könnten möglicherweise über eine Eindickung der Nahrung dem Erbrechen entgegenwirken. Das kennt man auch von Johannisbrotkernmehl (z. B. als Nestargel) gegen Erbrechen bei Säuglingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden eher die reifen Quittensamen verwendet. Unzerkleinerte Quittensamen nutzt man für die Zubereitung eines Schleims, der gegen Hustenreiz, als mildes Abführmittel und gegen Entzündungen von Haut und Schleimhäuten eingesetzt wird.

Quittensirup gibt es meines Wissens nicht als Fertigprodukt zu kaufen, doch existieren viele Rezepte zur Zubereitung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Taigawurzel von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

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Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung der Taigawuzel vor.

Die Taigawurzel (Eleutherococci radix von Eleutherococcus senticosus) wird aufgrund von Daten nach Markteintritt und Erfahrungen positiv bewertet. Den Gutachtern der EMA standen dafür klinische Studien zur Verfügung, in denen ein möglicher Effekt auf Müdigkeit und Schwächegefühl beobachtet worden war. Wirkliche Belege seien aus den mehr als 30 Studien jedoch nicht zu entnehmen, schreibt die EMA, weil die Studiendesigns nicht den höchsten wissenschaftlichen Kriterien entsprächen.

Die EMA kommt dennoch zu dem Resultat, dass die Effekte und die Sicherheit der Taigawurzel hinreichend belegt sind. Aufgrund der jahrelangen traditionellen Anwendung der Taigawurzel könne von einer ausreichenden Wirksamkeit und Sicherheit der Präparate ausgegangen werden.

In Deutschland sind Extrakte aus der Taigawurzel in Form von Lösungen oder Dragees seit rund 20 Jahren im Handel. Eingesetzt werden sollen Eleutherococcus-Präparate bei Personen über 12 Jahren zur unterstützenden Symptomlinderung bei Asthenie (Schwäche, Kraftlosigkeit). Die Tagesdosis liegt bei 2 bis 3 Gramm Taigawurzel. Die Anwendungdauer beträgt in der Regel bis zu drei Monaten.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Taigawurzel gehört zusammen mit Ginseng und Rosenwurz zu den sogenannten Adaptogenen. Das sind Arzneipflanzen, die zur besseren Bewältigung von Stresssituationen beitragen können.

Siehe:

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz: Was sind Adaptogene?

Burnout-Syndrom: Adaptagene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz

Phytotherapie: Was sind Adaptogene?

Die meisten Studien zur Wirksamkeit der Taigawurzel stammen aus den 1950er Jahren und wurden in der Sowjetunion durchgeführt. Es erstaunt daher nicht, dass sie neueren wissenschaftlichen Kriterien nicht genügen.

Hier wären neuere und bessere Studien nötig. Wenn nämlich die EMA nur aufgrund der jahrelangen traditionellen Anwendung der Taigawurzel die Wirksamkeit der Präparate bestätigt sieht, dann ist diese Schlussfolgerung nicht sehr fundiert. Zumal in diesem Zusammenhang schon von einer traditionellen Anwendung ausgegangen wird, wenn die Pflanze mehr als 30 Jahre im Handel ist. Auch langjährige Anwendung garantiert nicht Wirksamkeit. Das zeigt sich zum Beispiel beim traditionellen Einsatz von Nashorpulver als Potenzmittel in Asien.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zur Taigawurzel gibt es eine ganze Reihe von Laborexperimenten und Untersuchungen an Tieren, aber wenige und widersprüchliche klinische Studien mit Patienten.

So wurde beispielsweise in einer randomisierten und kontrollierten Studie an 144 Patienten mit stressbezogenen Erschöpfungs- und Müdigkeitssymptomen bei Behandlung mit 120 mg Eleutherococcus-senticosus-Wurzelextrakt pro Tag in Ergänzung zu einem professionellen Stressmanagement-Training (SMT) kein zusätzlicher Nutzen gesehen (nach: Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka).

Trotzdem gibt es aber auch sehr klare Empfehlungen für die Taigawurzel in der ESCOP-Monografie:

„Nachlassende geistige und körperliche Leistungsfähigkeit wie Schwächegefühl, Erschöpfung, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, zur Rekonvaleszenz.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Arthrose: Fragwürdige Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln

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Gelenkschutzmittel sollen gegen Arthrose helfen oder die Knorpelmasse schützen – so verspricht es die Werbung der Produzenten und Verkäufer. Die Verbraucherzentralen in Deutschland haben 25 Nahrungsergänzungsmittel auf ihre Dosierung, Zusammensetzung und Werbeversprechen untersucht. Das Resultat: Der Nutzen der Produkte bei Gelenkerkrankungen oder Gelenkbeschwerden ist fraglich.

Anbieter von Gelenkmitteln zur Nahrungsergänzung dürfen die Inhaltsstoffe Glucosamin und Chondroitin nicht mit Gesundheitsversprechen anpreisen. Das schreibt die EU vor, weil die gesundheitliche Wirkung dieser Präparate nicht nachgewiesen ist. Doch nicht alle Hersteller und Verkäufer halten sich an dieses Verbot. Insbesondere Produkte aus dem Internet versprechen häufig mehr gesundheitlichen Nutzen, als belegt und erlaubt ist. Die Verbraucherzentralen fanden bei 73 Prozent der im Internet angebotenen Produkte nicht zulässige gesundheitsbezogene Angaben. Klärungsbedarf bezüglich der Zulässigkeit der Werbeaussagen besteht nach Auffassung der Verbraucherzentralen auch bei annähernd der Hälfte der im stationären Handel angebotenen Nahrungsergänzungsmittel.

Quelle:

https://www.vzth.de/pressemeldungen/lebensmittel/nahrungsergaenzungen-gegen-gelenkbeschwerden-von-wirkungslos-bis-riskant-19477

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Situation dürfte in der Schweiz nicht grundsätzlich anders sein.

In Apotheken und Drogerien, aber auch bei den Grossverteilern Migros und COOP findet man Gelenkskapseln und ähnliche Produkte, die alle mit der Hoffnung gekauft werden, die Schmerzen bei Arthrose zu lindern. Inhalt dieser scheinbaren Wundermittel sind häufig Kollagen, Glucosamin oder Chondroitin. Diese Substanzen sollen den Knorpel wieder aufbauen, die Knorpelsubstanz stärken sowie Entzündungen und Schmerzen entgegenwirken.

Das Portal Medizin-Transparent hat die Ergebnisse bisheriger Studien zusammengefasst. Die Resultate deuten darauf hin, dass eine Nahrungsergänzung mit Glucosamin oder Kollagen zur Behandlung von Arthrose wirkungslos ist.

Glucosamin sei zwar ein wichtiger Bestandteil der schmierigen Gelenksflüssigkeit, und Kollagen bilde den Hauptbestandteil des Knorpelgewebes. Die Einnahme dieser Stoffe scheine Arthrose-Schmerzen dennoch nicht lindern zu können.

Etwas besser schneide Chondroitin ab. Der Stoff sei ein natürlicher Bestandteil des Knorpelgewebes, der Druck auf die Gelenke abfängt.

Einige Studien liefern Hinweise, dass die Nahrungsergänzung mit Chondroitin Schmerzen durch Arthrose zumindest geringfügig lindern könnte.

Allerdings wurden diese Studien häufig von Nahrungsergänzungs-Herstellerfirmen finanziert, oder die Autorinnen und Autoren der Studien waren Angestellte solcher Firmen. Es lässt sich nicht ausschließen, dass dadurch die Studienresultate beeinflusst wurden. Zudem sind viele dieser Untersuchungen von geringer Qualität und deshalb nur bedingt aussagekräftig.

Obwohl die bisher durchgeführten Studien zu Chondroitin teilweise mangelhaft durchgeführt wurden, deuten die zusammengefassten Resultate eine schmerzlindernde Wirkung an, die aber gering ausfällt: Chondroitin könnte die Schmerzen bei durchschnittlich einem von fünf Arthrose-Patienten zumindest kurzfristig geringfügig lindern.

Quelle:

https://www.medizin-transparent.at/gelenke-schmieren-mit-nahrungsergaenzungsmitteln

Siehe auch:

Weitere Studie verneint Wirkung von Glucosamin bei Kniearthrose

Glucosamin gegen Arthrose: Die Kritik wächst

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Rotes Weinlaub und Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern – ja, aber in welcher Form?

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T-online hat einen Artikel zum Thema „Venenschwäche“ veröffentlicht mit dem Titel „Krampfadern vorbeugen: So zögern Sie sie hinaus.“

Darin gibt es eine Reihe nützlicher, aber auch schon ziemlich bekannter Tipps. Beispielsweise zu Risikofaktoren für Krampfadern wie:

langes Stehen

langes Sitzen

Bewegungsmangel

Übergewicht

Rauchen

Antibabypille

Hormonersatztherapien etwa in den Wechseljahren.

 

Auch wird auf die Bedeutung ausreichender Bewegung hingewiesen.

In einem Nebensatz kommt dazu noch netterweise eine Empfehlung zweier Heilpflanzen:

„In der Naturheilkunde werden auch Cremes und Umschläge aus rotem Weinlaub- oder Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern eingesetzt.“

Damit trifft t-online im selben Satz voll ins Schwarze und voll daneben.

Rotes Weinlauf und Rosskastanien-Extrakt, das sind zusammen mit Buchweizenkraut (Rutin) tatsächlich die Favoriten der Phytotherapie, wenn es um Venenschwäche und Krampfadern geht.

Zwei Punkte laufen aber schief:

  1. Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, gibt es beim Roten Weinlaub und beim Rosskastanien-Extrakt nur für Präparate zum Einnehmen, zum Beispiel in Kapselform. Dass die Wirkstoffe aus Rotem Weinlauf (Flavonoide) und aus Rosskastanien-Extrakt (Aescin) durch die Haut in relevanten Mengen aufgenommen werden, ist sehr unwahrscheinlich und nicht einmal ansatzweise belegt. Umschläge mit Roten Weinlaub oder Rosskastaniensalben sind daher als Anwendungsform sehr fragwürdig
  1. Es gibt keine fundierten Hinweise darauf, dass Präparate aus Rotem Weinlaub oder Rosskastanien-Extrakt vorbeugend oder gar heilend wirken bei Krampfadern, wie es der Text nahelegt. Belegt wurde eine Linderung der Beschwerden bei Venenschwäche bzw. Krampfadern. Venöse Stauungen (Ödeme) und das Gefühl schwerer Beine wurden reduziert. Das ist wertvoll, aber es ist eben nicht die Vorbeugung oder gar Heilung, die von der Werbung oft versprochen wird.

Darüber hinaus enthält der Text auf t-online noch Tipps zur Ernährung, zum Beispiel:

„Fördern Sie die Venendurchblutung mit Gewürzen wie Ingwer, Pfeffer und Chili.“

Nichts gegen Ingwer, Pfeffer und Chili, aber so ganz nachvollziehbar ist diese Empfehlung nicht. Der Wirkstoff im Chili (Capsaicin) wirkt beispielsweise auf der Haut durchblutungsfördernd und erweitert dazu kleine Kapillargefässe. Aber ob ich eine solche Wirkung auch auslösen kann durch Einnahme von Chili ist sehr fraglich. Wieviel Chili müsste ich denn täglich einnehmen, damit der Wirkstoff in relevanter Konzentration in kleinen Venen gelangt und sie erweitert. Und wäre das überhaupt sinnvoll für einen besseren venösen Rückfluss oder eher kontraproduktiv?

Quelle der Zitate:

http://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_46399962/krampfadern-vorbeugen-mit-sport-und-richtiger-ernaehrung.html

Siehe auch:

Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

 

 

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Können Flavonoide aus Rotwein, Heidelbeeren und Schwarztee vor Grippe schützen?

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Das „Aerzteblatt“ schreibt über sehr interessante Studien, die sich mit Zusammenhängen zwischen der Darmflora und Grippe-Infektionen befassen.

So haben Studien zum Beispiel gezeigt, dass die Pathogenität von Grippe-Viren von der Darmflora beeinflusst wird (Pathogenität von pathogen = eine Krankheit verursachend).

Mäuse sterben häufiger an einer Grippe, wenn ihre Darmflora zuvor durch Antibiotika beseitigt wurde. Wissenschaftler der Washington University School of Medicine in St. Louis vermuten, dass die schützende Wirkung über das Immunsystem zustande kommt. Der Darm enthält die größte Ansammlung von Immunzellen im Organismus, und die Darmbakterien sind entscheidend daran beteiligt, die Abwehrzellen für ihre Aufgabe der Infektabwehr auszubilden. Dabei spielt die Aktivierung von Typ I-Interferonen eine bedeutende Rolle, die von verschiedenen Körperzellen als Reaktion auf Virusinfektionen gebildet werden.

Mäuse, die aufgrund eines Gendefekts verstärkt Typ I-Interferone bilden, zeigten in Experimenten eine erhöhte Resistenz gegen Grippe-Infektionen.

Eine ähnliche Schutzwirkung wie die Gene entfalteten in weiteren Untersuchungen Darmbakterien. Da diese Darmbakterien nicht die Lunge als Eintrittspforte der Grippe-Viren erreichenkönen, muss es eine vermittelnde Substanz geben, die den positiven Effekt bewirkt.

Die Wissenschaftler suchten daher systematisch nach Stoffwechselprodukten der Darmbakterien, die in der Lage sein könnten, die Produktion von Typ I-Interferonen zu erhöhen. Dabei stiessen sie auf Desaminotyrosin.

Das Darmbakterium Clostridium orbiscindens, ein Verwandter des gefürchteten Durchfallerregers Clostridium difficile, kann Desaminotyrosin bei der Verstoffwechselung von Flavonoiden aus Rotwein, Heidelbeeren oder bestimmten Teesorten herstellen.

Desaminotyrosin hat in tierexperimentellen Studien die Produktion von Typ I-Interferonen angeregt und Mäuse vor tödlichen Grippe-Infektionen geschützt. Die Studie wurde in Science (2017; 357: 498-502) publiziert und wirft ein neues Licht auf die Bedeutung der Darmflora für die Infektionsabwehr, auch wenn die klinische Bedeutung für die Humanmedizin offen bleiben muss.

Flavonoide sind eine Gruppe von Pflanzenfarbstoffen, die in unter anderem in Petersilie, Heidelbeeren, Schwarztee, Zitrusfrüchten und Rotwein enthalten sind.

Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass die orale Gabe von Desaminotyrosin Mäuse vor einer Grippe schützt. Die Substanz bewahrte die Mäuse vor einem sicheren Grippetod, der sie erwartete, wenn ihre Darmflora vor der Infektion durch einen Antbiotika-Cocktail aus Vancomycin, Neomycin, Ampicillin und Metronidazol eliminiert wurde. Das spricht dafür, dass Desaminoyrosin offenbar die Schutzwirkung der Darmflora vermittelt.

Es sind nur nur wenige Darmbakterien bekannt, die in der Lage sind, Flavonoide abzubauen. Dazu zählt Clostridium orbiscindens. Dieser normale Darmbewohner reagiert empfindlich auf die Antibiotika Vancomycin und Metronidazol, was erklären könnte, weshalb Antibiotika-Behandlungen (bei Mäusen) die Pathogenität einer Grippe steigern.

Welche Bedeutung diese Entdeckung für die klinische Medizin und damit für den Menschen hat, ist unklar.

Denkbar wäre die vorbeugende Behandlung mit Desaminotyrosin.

Tatsächlich überlebten Mäuse die für sie im Normalfall tödliche Grippe, wenn sie vorgängig eine Woche lang mit Desaminotyrosin behandelt wurden. Die Behandlung blieb wirkungslos, wenn die Behandlung erst zwei Tage nach der Infektion mit den Grippe-Viren begonnen wurde. Die Sterblichkeit war dann laut sogar erhöht. Eine andere Konsequenz aus diesen Erkenntnissen könnte die Vermeidung unnötiger Antibiotikatherapien sein.

 

Allerdings fehlt es weitgehend an epidemiologischen Daten, die eine gesteigerte Anfälligkeit von Menschen für grippale Infekte nach Antibiotikatherapien zeigen. Eine vorbeugende Wirkung von Desaminotyrosin müsste zudem noch in klinischen Studien untersucht und bestätigt werden.

Das „Aerzteblatt“ schliesst mit der Bemerkung:

„Die Nutzen-Schadenbilanz von Rotwein dürfte eher negativ ausfallen. Gegen eine gesunde ausgewogene Ernährung mit anderen Flavonoid-haltigen Nahrungsmitteln dürfte nichts einzuwenden sein.“

 

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Grippe%2FInfluenza?nid=77460

http://science.sciencemag.org/content/357/6350/498

 

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide gehören zur Gruppe der Polyphenole und sind eine sehr interessante Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie. Über mögliche indirekte Wirkungen von Polyphenolen im Zusammenhang mit Verstoffwechselungsprozessen der Darmflora gibt es bereits einige Forschungsarbeiten.

Die hier präsentierten Forschungen zum Thema Grippeprophylaxe sind sehr spannend. Es zeigt sich dabei aber auch, dass diese Ergebnisse aus dem Labor und mit Mäusen noch sehr viele Fragen offen lassen, was eine wirksame Anwendung beim Menschen angeht.

Noch ist überhaupt nicht klar, ob Menschen von diesen Erkenntnissen profitieren, und falls das irgendwann der Fall sein sollte, wird wohl ein Pharmaprodukt auf der Basis von Desaminotyrosin daraus hervorgehen. Das lässt sich dann patentieren, wodurch die Forschungskosten wieder hereingespielt werden können. So funktionieren halt unsere Forschung und unsere Wirtschaft. Dass die Weinproduzenten eine klinische Studie mit Rotwein sponsern ist kaum anzunehmen.

Für die Phytotherapie scheint mir ein interessanter Punkt, dass Flavonoide über dieses Zusammenspiel mit der Darmflora eine ganz neue Kategorie von Wirkungen haben könnten. Auch unterstreichen diese Studien die grosse Bedeutung einer intakten Darmflora. Und dass flavonoidreiche Nahrungsmittel ein wichtiger Bestandteil einer vielfältigen Ernährung sind, wird durch diese Erkenntnisse erneut unterstrichen.

Beachtenswert sind dabei insbesondere die Anthocyane, eine Untergruppe der Flavonoide, die als blaue und rote Farbstoffe zum Beispiel in Beeren vorkommen (Heidelbeeren, Aroniabeeren, Schwarze Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeern, Brombeeren, Himbeeren). Beiträge zum Thema „Anthocyane“ finden Sie, wenn Sie diesen Begriff als Suchwort oben rechts auf dieser Website ins Suchfeld eingeben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Heidelbeeren aus dem Supermarkt – betreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

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Heidelbeeren haben gerade Saison. Im Supermarkt bekommt man allerdings kaum die wildwachsende Waldheidelbeere, sondern viel häufiger eine Kulturheidelbeere.

Heidelbeeren gehören zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse.

Kulturheidelbeeren wie Vaccinium corymbosum unterscheiden sich beträchtlich von der wild wachsenden Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus). Die Waldheidelbeere wächst europaweit in lichten Nadelwäldern, Hochmooren und Heiden, in den Bergregionen gern im subalpinen Nadelwald als Unterwuchs. Der Halbstrauch wird bis zu 50 cm hoch. Die schwarzblauen Beeren sind erbsengroß und schmecken sehr aromatisch. Der Heidelbeersaft aus Vaccinium myrtillus ist aufgrund des blauen Farbstoffs Anthocyan intensiv blau gefärbt. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Antioxidanzien gehören, die den Körper vor schädlichen freien Radikalen schützen. Weitere wertvolle Inhaltsstoffe der Waldheidelbeere sind Ballaststoffe, Fruchtsäuren, Mangan, Mineralstoffe wie Magnesium, Vitamin E und Vitamin C.

Die Kulturheidelbeere Vaccinium corymbosum ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und stammt nicht von der heimischen Waldheidelbeere ab. Ihre Früchte sind grösser als diejenigen der Waldheidelbeere, wachsen an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern und haben einen deutlich süßeren, aber weniger intensiven Geschmack. Ihr Fruchtfleisch ist fest und hat nur wenige Kerne. Bei den Mineralstoffen und Vitaminen bestehen kaum größere Unterschiede zwischen Waldheidelbeere und Kulturheidelbeere. Der blaue Farbstoff Anthocyan steckt bei der Kulturheidelbeere allerdings nur in der Haut, während Saft und Fruchtfleisch farblos sind. Dadurch bekommt man beim Essen kaum blaue Zähne.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/heidelbeere-30444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Für die Phytotherapie sind als Wirkstoffe in der Heidelbeere relevant die Gerbstoffe und die Anthocyane.

Getrocknete Heidelbeeren werden wegen der Gerbstoffe zum Beispiel gegen Durchfall eingesetzt.

Anthocyane hemmen Entzündungen, werden jedoch nur schlecht in den Organismus aufgenommen. Daher sind insbesondere Untersuchungen zur Wirksamkeit bei Darmentzündungen interessant – in diesen Fällen braucht es die Aufnahme in den Körper nicht.

Siehe dazu:

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

Interessant wären genaue Angaben bezüglich den Unterschieden im Gehalt an Anthocyanen und Gerbstoffen zwischen Kulturheidelbeeren und Waldheidelbeeren. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine brauchbaren Informationen.

Weil die Kulturheidelbeere im Inneren nicht blau gefärbt ist, liegt es allerdings auf der Hand, dass sie weniger Anthocyane enthält als die Waldheidelbeere. Ich würde jedenfalls als Heilpflanze die Waldheidelbeere vorziehen.

Laut ESCOP-Monografie können anthocyanangereicherte Extrakte aus Heidelbeeren angewendet werden für die „symptomatische Behandlung bei Problemen von Krampfadern wie schmerzende und schwere Beine, periphere Durchblutungsstörungen, kapillare Durchblutungsstörungen des Auges.“

Der „Leitfaden Phytotherapie“ führt Indikationen aus der WHO-Monografie auf. Darunter ist ein Hinweis, der interessant ist, weil er aus der Reihe tanzt:

„symptomatische Behandlung von Dysmenorrhö bei prämenstruellem Syndrom“

Die Plausibilität dieser Angabe ist schwer einzuschätzen, weil sie sonst in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auftaucht (Dysmenorrhö = schmerzhafte Menstruation).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Leinsamen gegen Verstopfung

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Das Magazin „Stern“ beschreibt die Anwendung von Leinsamen gegen Verstopfung und orientiert sich dabei erfreulicherweise an den Standards der Phytotherapie-Fachliteratur:

„Leinsamen enthalten Schleimstoffe, die bei Kontakt mit Wasser aufquellen und so das Stuhlvolumen vergrößern. Ein Esslöffel Leinsamen kann in Verbindung mit Flüssigkeit auf das Vierfache seines Volumens anwachsen. Das führt zu einem Dehnungsreflex im Darm, der abführend wirkt. Auf diese Weise können Leinsamen Verstopfungen lindern oder einem trägen Darm auf die Sprünge helfen. Nach Einschätzung der Kommission E sind sie auch für Patienten geeignet, deren Darmtätigkeit durch übermäßigen Konsum von Abführmitteln bereits geschädigt ist. Das enthaltene Fett wirkt zusätzlich als Gleitmittel.“

Als Fett enthalten Leinsamen das wertvolle Leinöl, das aber nur verdaut und aufgenommen wird, wenn die Leinsamen geschrotet werden.

Was ist gemeint mit den „Einschätzungen der Kommission E“?

Siehe dazu:

Phytotherapie: Kommission E – was bedeutet das?

Zur Zubereitung von Leinsamen schreibt das Magazin „Stern“:

„Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamenschrot in Apfelmus, Milch oder Quark einrühren.

Die Speisen nach Belieben mit einem Teelöffel Honig süßen.

Über mehrere Wochen und Monate anwenden, die Behandlung erfolgt langfristig. Eine Wirkung stellt sich oft erst nach einigen Tagen ein.

Leinsamen können unter Umständen die Aufnahme von Arzneistoffen beeinträchtigen. Es ist daher sinnvoll, zwei bis drei Stunden Abstand zwischen den Einnahmen zu halten.

Allgemein empfiehlt es sich, im Fall einer Verstopfung viel Wasser zu trinken.“

Milch verschlechtert allerdings die Quellwirkung der Leinsamen. Meine Empfehlung lautet deshalb: Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamen mit 1 bis 2 Glas Wasser einnehmen. Man kann den Leinsamen auch ganz herunterspülen, also ungeschrotet – dann quillt nur der Schleim aus den Randschichten des Samens. Der Leinsamenschleim wird nicht verdaut, sondern wieder ausgeschieden. Der Inhalt des Leinsamens bleibt so unverdaut (auch das Leinöl).

Ungeschrotete Leinsamen sind besser haltbar, geschrotete Leinsamen können rasch ranzig werden.

Flohsamen und isbesondere Flohsamenschalen quellen im Übrigen deutlich stärker als Leinsamen und sind verträglicher. Siehe dazu:

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung – Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie – was sind Flohsamenschalen

Quelle der Zitate:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550475443

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Vitamin C gegen Erkältungen nutzlos

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Das Magazin „focus“ gibt uns wie jeden Herbst gute Ratschläge zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen.

Da kann auch der alte Klassiker nicht fehlen:

„Rechtzeitig zur Erkältungssaison sollten Sie sich ein paar Medikamente für die Hausapotheke zulegen. Wichtig sind Vitamin-C-Tabletten.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/schnell-wieder-gesund-werden-die-erkaeltungszeit-beginnt-fuenf-mittel-sollten-sie-jetzt-zuhause-haben_id_7684238.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Empfehlung von Vitamin C gegen Erkältungen geistert schon seit Jahrzehnten herum, obwohl sie schon lange widerlegt ist. Studien zeigen nur an einem sehr eingeschränkten Punkt einen gewissen Nutzen. In der Regel profitieren nur die Hersteller und Verkäufer der Vitamin-C-Präparate, und das auf ihrem Kontostand.

Die Plattform Medizin transparent hat den Wissensstand zusammengestellt.

– Die angebliche Wirksamkeit der Vitamin-C-Präparate wird durch die bisherigen Studien ins Reich der Mythen verwiesen: Die tägliche, vorbeugenden Einnahme selbst hoher Dosen kann eine Erkältung nicht verhindern, doch lässt sich damit die Krankheitsdauer geringfügig verkürzen. Der erreichbare Effekt ist jedoch nicht sehr groß. Eine Erkältung würde demnach bei Erwachsenen, die Tag für Tag über lange Zeit Vitamin C eingenommen haben, sechseinhalb statt sieben Tage dauern. Bei Kindern würde sich die Erkältung um einen ganzen Tag verkürzen, statt sieben Tage wären sie somit nur sechs krank. Für diese Wirkung mussten die Studien-Teilnehmenden die Vitaminpräparate teilweise jedoch mehrere Jahre lang regelmäßig einnehmen.

– Extremsportler scheinen eine Ausnahme zu sein. Bei dieser Gruppe könnte die vorbeugende Einnahme von Vitamin C tatsächlich vor Erkältungen schützen. Solche Effekte zeigten sich jedenfalls in einzelnen Studien an Marathonläufern oder Soldaten, die Winterübungen im Gebirge machten. Hatten Versuchspersonen zwei bis drei Wochen vor Beginn der körperlichen Extrembelastung mit der Vitamineinnahme begonnen, erkrankten sie nur halb so häufig an einer Erkältung.

– Die Kurzfristige Behandlung bei beginnender Erkältung blieb ohne Effekt. Die Empfehlung, Vitamin C in hochdosierter Form einzunehmen, sobald man die ersten Anzeichen einer Erkältung spürt, kann durch Studien jedenfalls nicht bestätigt werden. Sind Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen einmal ausgebrochen, scheint die Einnahme von Vitamin C gar keinen nachweisbaren Effekt zu haben. Die zusammengefassten Resultate bisheriger Studien geben jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass Präparate mit Vitamin C Erkältungssymptome lindern können. Auch die Dauer der Erkrankung scheinen sie bei kurzfristiger Behandlung nicht zu verkürzen.

Tagesbedarf und Tagesdosen

Den Tagesbedarf für Vitamin C setzt die Ernährungswissenschaft bei rund 100 Miligramm an, wobei die Empfehlungen leicht schwanken. In Mitteleuropa sind die Menschen über die Ernährung mit Vitamin C in der Regel ausreichend versorgt.

In den meisten Studien zu Erkältung schluckten die teilnehmende Männer, Frauen und Kinder hohe Dosen von 1000 Miligramm Vitamin C und mehr pro Tag ein, also mindestens zehnmal so viel, wie Ernährungswissenschaftler empfehlen.

Da Vitamin C wasserlöslich ist, scheidet der Körper überschüssige Mengen über den Urin aus, so dass schwerwiegende Nebenwirkungen selbst bei hohen Dosen selten sind. Bei großen Mengen könnten als Nebenwirkungen Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit auftreten. Die Einnahme hoher Dosen über viele Jahre könnte möglicherweise die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Nierensteinen erhöhen.

Quelle: https://www.medizin-transparent.at/vitamin-c-beinahe-nutzlos-gegen-erkaltungen

Die Geschichte des synthetisierten Vitamin C ist im übrigen sehr interessant und eng mit der Geschichte des Pharmakonzerns Roche verknüpft:

„Die industrielle Herstellung von Vitamin C begann 1934 durch Roche in der Schweiz. Die Nachfrage danach blieb anfangs gering……..

In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–45) förderten die Machthaber in Deutschland die Versorgung der Bevölkerung mit den damals gerade erst entdeckten Vitaminen sehr aktiv. Sie wollten so den „Volkskörper von innen stärken“, weil sie davon überzeugt waren, dass Deutschland den Ersten Weltkrieg auch als Folge von Mangelernährung verloren hatte. In Vitamin-Aktionen wurden Kinder, Mütter, Schwerstarbeiter und Soldaten mit Vitaminen versorgt, insbesondere mit Vitamin C. Nationalsozialistische Massenorganisationen wie die Deutsche Arbeitsfront und die Reichsarbeitsgemeinschaft für Volksernährung organisierten die Produktion und Verteilung von Vitamin-C-Präparaten. Hausfrauen wurden dazu aufgerufen, Hagebutten und Sanddorn zu sammeln, aus denen Brotaufstriche und andere Vitaminpräparate für die Wehrmacht hergestellt wurden. Noch 1944 bestellte die Wehrmacht 200 Tonnen Vitamin C, unter anderem bei Roche.“

Quelle: Wikipedia

Dem Vitamin C kam insbesondere im Nationalsozialismus eine zentrale Funktion bei der Leistungssteigerung und bevölkerungspolitischen Regulierung des „Volkskörpers“ zu.

Für Roche war das ein Glücksfall:

„Noch 1936 berichteten Roche-Mitarbeiter, dass die Spezialisten unter den Ärzten die Vitamin-Therapie schlicht ablehnten, 80 Prozent würden über den ‚Vitamin-Fimmel’ sogar lachen. In einem firmeninternen Schreiben hieß es damals, dass zunächst ‚überhaupt erst das Bedürfnis’ nach Vitaminen geschaffen werden müsse. Regelmäßig werde Vitamin C nur eingenommen, ‚wenn etwas Hokuspokus gemacht’ werde. Zum Glück für Roche waren in Deutschland die Nazis an der Macht – die auf genau diesen Hokuspokus abfuhren.“

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/nationalsozialismus-vitaminschub-fuer-den-volkskoerper-a-809998.html

Vitamin C wirkt gut gegen die Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut – aber das ist kein Geschäft!

Der Historiker Beat Bächli geht in seinem Buch „Vitamin C für alle!“ der Frage nach, wie Vitamin C schon in den 30er-Jahren zu einer regelrechten „Volksdroge“ wurde, wie es der Roche-Propaganda gelang, den Grenzbereich zwischen Krankheit und Gesundheit mit ihrem Vitaminprodukt zu besetzen und eine neue Medizinische Indikation zu schaffen, die C-Hypovitaminose.

Quelle: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-12646

Es gibt natürlich auch sehr viele gute natürliche Vitamin-C-Quelle wie Sanddorn (450mg Vitamin C pro 100g Sanddornbeeren) und Schwarze Johannisbeere (177mg Vitamin C pro 100g Schwarze Johannisbeeren, Cassis). Überragend im Gehalt ist aber die Hagebutte mit 1250mg Vitamin C pro 100g Hagebutten.

Siehe:

Die Zehn Früchte mit dem höchsten Vitamin-C-Gehalt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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