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Leinsamen gegen Verstopfung

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Das Magazin „Stern“ beschreibt die Anwendung von Leinsamen gegen Verstopfung und orientiert sich dabei erfreulicherweise an den Standards der Phytotherapie-Fachliteratur:

„Leinsamen enthalten Schleimstoffe, die bei Kontakt mit Wasser aufquellen und so das Stuhlvolumen vergrößern. Ein Esslöffel Leinsamen kann in Verbindung mit Flüssigkeit auf das Vierfache seines Volumens anwachsen. Das führt zu einem Dehnungsreflex im Darm, der abführend wirkt. Auf diese Weise können Leinsamen Verstopfungen lindern oder einem trägen Darm auf die Sprünge helfen. Nach Einschätzung der Kommission E sind sie auch für Patienten geeignet, deren Darmtätigkeit durch übermäßigen Konsum von Abführmitteln bereits geschädigt ist. Das enthaltene Fett wirkt zusätzlich als Gleitmittel.“

Als Fett enthalten Leinsamen das wertvolle Leinöl, das aber nur verdaut und aufgenommen wird, wenn die Leinsamen geschrotet werden.

Was ist gemeint mit den „Einschätzungen der Kommission E“?

Siehe dazu:

Phytotherapie: Kommission E – was bedeutet das?

Zur Zubereitung von Leinsamen schreibt das Magazin „Stern“:

„Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamenschrot in Apfelmus, Milch oder Quark einrühren.

Die Speisen nach Belieben mit einem Teelöffel Honig süßen.

Über mehrere Wochen und Monate anwenden, die Behandlung erfolgt langfristig. Eine Wirkung stellt sich oft erst nach einigen Tagen ein.

Leinsamen können unter Umständen die Aufnahme von Arzneistoffen beeinträchtigen. Es ist daher sinnvoll, zwei bis drei Stunden Abstand zwischen den Einnahmen zu halten.

Allgemein empfiehlt es sich, im Fall einer Verstopfung viel Wasser zu trinken.“

Milch verschlechtert allerdings die Quellwirkung der Leinsamen. Meine Empfehlung lautet deshalb: Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamen mit 1 bis 2 Glas Wasser einnehmen. Man kann den Leinsamen auch ganz herunterspülen, also ungeschrotet – dann quillt nur der Schleim aus den Randschichten des Samens. Der Leinsamenschleim wird nicht verdaut, sondern wieder ausgeschieden. Der Inhalt des Leinsamens bleibt so unverdaut (auch das Leinöl).

Ungeschrotete Leinsamen sind besser haltbar, geschrotete Leinsamen können rasch ranzig werden.

Flohsamen und isbesondere Flohsamenschalen quellen im Übrigen deutlich stärker als Leinsamen und sind verträglicher. Siehe dazu:

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung – Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie – was sind Flohsamenschalen

Quelle der Zitate:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550475443

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Vitamin C gegen Erkältungen nutzlos

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Das Magazin „focus“ gibt uns wie jeden Herbst gute Ratschläge zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen.

Da kann auch der alte Klassiker nicht fehlen:

„Rechtzeitig zur Erkältungssaison sollten Sie sich ein paar Medikamente für die Hausapotheke zulegen. Wichtig sind Vitamin-C-Tabletten.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/schnell-wieder-gesund-werden-die-erkaeltungszeit-beginnt-fuenf-mittel-sollten-sie-jetzt-zuhause-haben_id_7684238.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Empfehlung von Vitamin C gegen Erkältungen geistert schon seit Jahrzehnten herum, obwohl sie schon lange widerlegt ist. Studien zeigen nur an einem sehr eingeschränkten Punkt einen gewissen Nutzen. In der Regel profitieren nur die Hersteller und Verkäufer der Vitamin-C-Präparate, und das auf ihrem Kontostand.

Die Plattform Medizin transparent hat den Wissensstand zusammengestellt.

– Die angebliche Wirksamkeit der Vitamin-C-Präparate wird durch die bisherigen Studien ins Reich der Mythen verwiesen: Die tägliche, vorbeugenden Einnahme selbst hoher Dosen kann eine Erkältung nicht verhindern, doch lässt sich damit die Krankheitsdauer geringfügig verkürzen. Der erreichbare Effekt ist jedoch nicht sehr groß. Eine Erkältung würde demnach bei Erwachsenen, die Tag für Tag über lange Zeit Vitamin C eingenommen haben, sechseinhalb statt sieben Tage dauern. Bei Kindern würde sich die Erkältung um einen ganzen Tag verkürzen, statt sieben Tage wären sie somit nur sechs krank. Für diese Wirkung mussten die Studien-Teilnehmenden die Vitaminpräparate teilweise jedoch mehrere Jahre lang regelmäßig einnehmen.

– Extremsportler scheinen eine Ausnahme zu sein. Bei dieser Gruppe könnte die vorbeugende Einnahme von Vitamin C tatsächlich vor Erkältungen schützen. Solche Effekte zeigten sich jedenfalls in einzelnen Studien an Marathonläufern oder Soldaten, die Winterübungen im Gebirge machten. Hatten Versuchspersonen zwei bis drei Wochen vor Beginn der körperlichen Extrembelastung mit der Vitamineinnahme begonnen, erkrankten sie nur halb so häufig an einer Erkältung.

– Die Kurzfristige Behandlung bei beginnender Erkältung blieb ohne Effekt. Die Empfehlung, Vitamin C in hochdosierter Form einzunehmen, sobald man die ersten Anzeichen einer Erkältung spürt, kann durch Studien jedenfalls nicht bestätigt werden. Sind Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen einmal ausgebrochen, scheint die Einnahme von Vitamin C gar keinen nachweisbaren Effekt zu haben. Die zusammengefassten Resultate bisheriger Studien geben jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass Präparate mit Vitamin C Erkältungssymptome lindern können. Auch die Dauer der Erkrankung scheinen sie bei kurzfristiger Behandlung nicht zu verkürzen.

Tagesbedarf und Tagesdosen

Den Tagesbedarf für Vitamin C setzt die Ernährungswissenschaft bei rund 100 Miligramm an, wobei die Empfehlungen leicht schwanken. In Mitteleuropa sind die Menschen über die Ernährung mit Vitamin C in der Regel ausreichend versorgt.

In den meisten Studien zu Erkältung schluckten die teilnehmende Männer, Frauen und Kinder hohe Dosen von 1000 Miligramm Vitamin C und mehr pro Tag ein, also mindestens zehnmal so viel, wie Ernährungswissenschaftler empfehlen.

Da Vitamin C wasserlöslich ist, scheidet der Körper überschüssige Mengen über den Urin aus, so dass schwerwiegende Nebenwirkungen selbst bei hohen Dosen selten sind. Bei großen Mengen könnten als Nebenwirkungen Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit auftreten. Die Einnahme hoher Dosen über viele Jahre könnte möglicherweise die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Nierensteinen erhöhen.

Quelle: https://www.medizin-transparent.at/vitamin-c-beinahe-nutzlos-gegen-erkaltungen

Die Geschichte des synthetisierten Vitamin C ist im übrigen sehr interessant und eng mit der Geschichte des Pharmakonzerns Roche verknüpft:

„Die industrielle Herstellung von Vitamin C begann 1934 durch Roche in der Schweiz. Die Nachfrage danach blieb anfangs gering……..

In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–45) förderten die Machthaber in Deutschland die Versorgung der Bevölkerung mit den damals gerade erst entdeckten Vitaminen sehr aktiv. Sie wollten so den „Volkskörper von innen stärken“, weil sie davon überzeugt waren, dass Deutschland den Ersten Weltkrieg auch als Folge von Mangelernährung verloren hatte. In Vitamin-Aktionen wurden Kinder, Mütter, Schwerstarbeiter und Soldaten mit Vitaminen versorgt, insbesondere mit Vitamin C. Nationalsozialistische Massenorganisationen wie die Deutsche Arbeitsfront und die Reichsarbeitsgemeinschaft für Volksernährung organisierten die Produktion und Verteilung von Vitamin-C-Präparaten. Hausfrauen wurden dazu aufgerufen, Hagebutten und Sanddorn zu sammeln, aus denen Brotaufstriche und andere Vitaminpräparate für die Wehrmacht hergestellt wurden. Noch 1944 bestellte die Wehrmacht 200 Tonnen Vitamin C, unter anderem bei Roche.“

Quelle: Wikipedia

Dem Vitamin C kam insbesondere im Nationalsozialismus eine zentrale Funktion bei der Leistungssteigerung und bevölkerungspolitischen Regulierung des „Volkskörpers“ zu.

Für Roche war das ein Glücksfall:

„Noch 1936 berichteten Roche-Mitarbeiter, dass die Spezialisten unter den Ärzten die Vitamin-Therapie schlicht ablehnten, 80 Prozent würden über den ‚Vitamin-Fimmel’ sogar lachen. In einem firmeninternen Schreiben hieß es damals, dass zunächst ‚überhaupt erst das Bedürfnis’ nach Vitaminen geschaffen werden müsse. Regelmäßig werde Vitamin C nur eingenommen, ‚wenn etwas Hokuspokus gemacht’ werde. Zum Glück für Roche waren in Deutschland die Nazis an der Macht – die auf genau diesen Hokuspokus abfuhren.“

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/nationalsozialismus-vitaminschub-fuer-den-volkskoerper-a-809998.html

Vitamin C wirkt gut gegen die Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut – aber das ist kein Geschäft!

Der Historiker Beat Bächli geht in seinem Buch „Vitamin C für alle!“ der Frage nach, wie Vitamin C schon in den 30er-Jahren zu einer regelrechten „Volksdroge“ wurde, wie es der Roche-Propaganda gelang, den Grenzbereich zwischen Krankheit und Gesundheit mit ihrem Vitaminprodukt zu besetzen und eine neue Medizinische Indikation zu schaffen, die C-Hypovitaminose.

Quelle: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-12646

Es gibt natürlich auch sehr viele gute natürliche Vitamin-C-Quelle wie Sanddorn (450mg Vitamin C pro 100g Sanddornbeeren) und Schwarze Johannisbeere (177mg Vitamin C pro 100g Schwarze Johannisbeeren, Cassis). Überragend im Gehalt ist aber die Hagebutte mit 1250mg Vitamin C pro 100g Hagebutten.

Siehe:

Die Zehn Früchte mit dem höchsten Vitamin-C-Gehalt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Inhaltsstoff Spermidin aus Weizenkeimen gegen Demenz?

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Der Inhaltsstoff Spermidin aus Weizenkeimen verbessert in einer Pilotstudie deutscher Neurologen das Gedächtnis von Senioren und kann so möglicherweise einer Demenzerkrankung vorbeugen.

Spermidin fördert die zelluläre Müllabfuhr und gaukelt den Zellen zudem ein Fasten vor – beides wirkt günstig auf die Gesundheit von Gehirnzellen. Die positiven Wirkungen des Spermidins sollen nun in einer weitern, längeren Studie überprüft werden.

Im menschlichen Organismus spielt Spermidin eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Zellprozessen und aktiviert insbesondere die Beseitigung von zellulärem Abfall mittels Autophagie.

Weil sich bei der Alzheimer-Demenz solcher „Müll“ in Form fehlgefalteter Proteine in den Hirnzellen sammelt, vermuten Wissenschaftler schon länger, dass die zelluläre Müllabfuhr dem entgegenwirken könnte.

In Tierversuchen verlängerte Spermidin die Lebensdauer von Würmern und Insekten und stoppte den altersbedingten Gedächtnisverlust bei Fruchtfliegen.

In ihrer Pilotstudie untersuchten die Forscher, wie sich aus Weizenkeimen gewonnenes und in Kapseln verabreichtes Spermidin auf Lernen und Gedächtnis von Probanden auswirkte. Das Resultat: „Wir konnten zeigen, dass sich Gedächtnisleistungen bereits nach dreimonatiger Einnahme tendenziell verbessern, bei sehr guter Verträglichkeit der Kapseln.“

Nun soll eine größere Studie diese Resultate überprüfen und vertiefen. Dabei untersuchen die Wissenschaftler die Wirkung einer zwölfmonatigen Gabe von natürlichem Spermidin aus Weizenkeimen auf Lernen und Gedächtnis sowie auf die Struktur des Gehirns. An dieser „Smart Age“-Studie beteiligen sich ältere, noch gesunde Personen, deren Gedächtnis sich nach eigener Einschätzung verschlechtert hat.

Zwar lässt sich eine Demenz nicht einfach durch Nahrungsergänzungsmittel wegessen oder eine vorbeugende Pille dagegen schlucken. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen nie eine ausgewogene Ernährung. Eine gesunde Ernährung kann jedoch zur Prävention beitragen.

So wirkt es sich günstig aus, viel Obst, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren zu sich zu nehmen und beim Zucker zu sparen. Und es spielt eine Rolle, wie viel man isst: In Studien führte eine Kalorieneinschränkung, insbesondere der Reiz des Fastens, zu besseren Gedächtnisleistungen.

Damit lässt sich möglicherweise die Wirkung des Spermidins erklären, denn dieses zählt zu den sogenannten Kalorienreduktions-Mimetika. Dabei handelt es sich um Substanzen, die Effekte des Fastens immitieren. Der Organismus produziert diese Substanzen beim Abnehmen, man kann sie jedoch auch mit der Nahrung aufnehmen. Auch einige weitere Vertreter dieser Kalorienreduktiions-Mimetika könnten möglicherweise vorbeugend gegen Demenz wirken, darunter eine Substanz aus Grüntee (Epigallocatechingallat, EGCG) und das in roten Trauben enthaltene Resveratrol.

Für Resveratrol konnten positive Effekte auf die Gedächtnisleistung und auf die Durchblutung des Gehirns nachgewiesen werden berichtet.

Sehr viel eindeutiger und einfacher sind jedoch Präventions-Maßnahmen, die jeder Mensch in seinem Alltag berücksichtigen kann: Ausreichend Bewegung, ein aktives soziales Leben und die Vermeidung von Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht können helfen, das Risiko für eine Demenz zu reduzieren.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21916-2017-09-21.html

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., 21.09.2017 – NPO)

Kommentar & Ergänzung:

Ein sicheres, unschädliches Mittel zur Vorbeugung von Demenz – wer möchte das nicht haben?

Diese Forschungen zum Weizenkeim-Inhaltsstoff Spermidin sind interessant, doch bleibt festzuhalten, dass Laborexperimente und eine kleine Pilotstudie noch keine Wirksamkeit beim Menschen belegen können. Das gilt auch für EGCG aus Grüntee und Resveratrol aus den roten Trauben.

In der Phytotherapie wird Ginkgo-Extrakt eingesetzt zur Verbesserung von Gehirnfunktionen und Gedächtnisleistung. Eine ganze Reihe von Untersuchungen deutet auf solche Wirkungen hin. Eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz konnte bisher nicht belegt werden, günstige Effekte im Frühstadium von Demenz aber schon.

„Besonderes bei milden Demenzformen werden das Lernvermögen sowie die Gedächstnisleistung verbessert……..Bei Alzheimer-Patienten wurde für eine Tagesdosis von 240mg Extrakt ein positiver Einfluss auf den Parameter ‚Aktivitäten des täglichen Lebens’ nachgewiesen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf einen Nutzen bei der Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit und hinsichtlich des klinischen Gesamteindrucks.“

(Quelle: Biogene Arzneimittel)

„Die Wirksamkeit ist in Einzelstudien und Metaanalysen für die symptomatische Behandlung von Alzheimer und vaskulärer Demenz belegt.“

(Quelle: Teedrogen und Phytopharmaka)

Der Beitrag im Fachmagazin „scinexx“ weißt aber sehr zurecht darau hin, dass die wichtigsten Massnahmen zur Vorbeugung von Demenz (soweit das möglich ist), im nichtmedikamentösen Bereich liegen:

„Ausreichend Bewegung, ein aktives soziales Leben und die Vermeidung von Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht können helfen, das Risiko für eine Demenz zu reduzieren.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Interessantes Gerichtsurteil zum Baldrianpräparat Baldriparan

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Hersteller Pfizer darf sein Präparat Baldriparan im Fernsehen nicht mehr mit dem Satz „1 Dragee am Abend“ bewerben. Das Landgericht Berlin hat den Spot des Pharmakonzerns als irreführend beurteilt.

Geklagt gegen den Spot hatte die Wettbewerbszentrale. Der Hinweis „1 Dragee am Abend“ ist aus Sicht der Wettbewerbszentrale ein Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

Verbraucher würden aufgrund dieser Werbeaussage nämlich erwarten, dass schon mit der Einnahme nur eines Dragees ein ruhiger Schlaf erreicht werden könne. Tatsächlich sei Baldriparan laut Gebrauchsinformation aufgrund der allmählich einsetzenden Wirkung nicht zur akuten Behandlung von nervös bedingten Schlafstörungen geeignet. Der Hersteller Pfizer selbst empfiehlt eine kontinuierliche Behandlung mit Baldriparan über zwei bis vier Wochen.

Der TV-Spot zeigt eine friedlich schlafende Frau verbunden mit der Aussage: „Gut ein- und durchschlafen. Baldriparan stark für die Nacht hilft dabei mit einem Dragee am Abend.“

Eingeblendet wird zudem die Baldriparan-Packung mit einer roten Banderole „1 Dragee am Abend“, der Satz wird in einem großen roten Punkt noch einmal wiederholt. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass „der hochkonzentrierte Baldrian“ beim Einschlafen helfe und die natürlichen Schlafphasen bis zum Morgen unterstütze.

Bezüglich des Werbespots gab das Landgericht der Wettbewerbszentrale Recht und wies darauf hin, dass die Aussage „1 Dragee am Abend“ in dem Werbefilm als gute und effiziente Wirkweise und als Versprechen eines schnellen Ein- und Durchschlafens verstanden werde.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/pfizers-frau-schlaeft-zu-schnell-ein-tv-spot-verboten-baldriparan-spot/

Kommentar & Ergänzung:

Die Wettbewerbszentrale und offenbar auch dieses Gericht scheinen gute Kenntnisse der Phytotherapie zu haben. Studien zeigen, dass die Wirkung von Baldrianextrakt sich erst klinisch signifikant nach 2 – 4 Wochen zeigt. Darum ist es sehr fragwürdig, wenn die Werbung eine Sofortwirkung verspricht. Allerdings kann bei der Einnahme vor dem Schlafengehen wohl oft mit einem schnell eintretenden Placeboeffekt gerechnet werden. Und wenn das der Fall ist, dann kann das auch als Erfolg betrachtet werden. Ein Placeboeffekt ist auch etwas wert. Das volle Potenzial von Baldrian nutzt man aber offensichtlich nur bei einer Anwendung über längere Zeit. Die fehlende Sofortwirkung trägt im Übrigen wesentlich dazu bei, dass die Einnahme von Baldrian kein Abhängigkeitsrisiko mit sich bringt.

Interessant an diesem Fall ist zudem, dass Badriparan zum Pharmakonzern Pfizer gehört. Pfizer ist der grösste Pharmakonzern der Welt.

Man hört ja immer wieder einmal die leicht verschwörungstheoretisch angehauchte Vorstellung, dass die grossen Pharmakonzerne die Pflanzenheilkunde kaputt machen wollen, um sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe zu halten. Das ist wohl ziemlich abwegig. Pharmakonzerne sind nicht so ideologisch fixiert auf „Chemie“. Sie verkaufen im Wesentlichen, was sich als Arzneimittel verkaufen lässt. Und wenn es Nachfrage gibt nach bestimmten Heilpflanzen-Präparaten, dann werden sie solche Extrakte entwickeln oder aufstrebende Firmen aufkaufen. So gehört zum Beispiel die Beinwellsalbe Kytta zu Merck Pharma und der Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald wurde von Bayer übernommen. Steigerwald ist bekannt für das Verdauungspräparat Iberogast, den Hustensirup Phytohustil mit Eibischextrakt und das Johanniskrautpräparat Laif (in der Schweiz Solevita). Das ist im Übrigen nicht nur schlecht. Diese Pharmakonzerne haben in der Regel viel Know-how in der Forschung und können auch relevante finanzielle Mittel dafür locker machen. Es gibt aber natürlich auch eine ganze Reihe von unabhängigen Phytopharmaka-Herstellern, in der Schweiz zum Beispiel Zeller in Romanshorn oder Bioforce in Roggwil.

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Cannabis als Arzneimittel: Auf die richtige Form kommt es an

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Als «hoch experimentelle Therapieform» sei die Behandlung mit Cannabisblüten derzeit einzustufen, sagte Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main in einem Vortrag bei der Expopharm-Pharmaworld in Düsseldorf.

 

Er begründet das mit den zahllosen Kreuzungen und Züchtungen mit unterschiedlichen THC- und Cannabidiol-Gehalten, die mittlerweile aus den ursprünglichen Reinformen Cannabis sativa und Cannabis indica entstanden sind. Welche Sorte man in einem bestimmten Fall verwendet, ist nicht gleichgültig. Daten, welche die postulierten Wirkungen einer bestimmten Sorte genau erfassen, liegen bislang nicht vor.

Als schwierig schätzt Dingermann auch die Anwendungsform ein.

Das Gesetz in Deutschland erlaube zwar, dass Cannabisblüten geraucht werden dürfen. Doch sei bei dieser Anwendungsform die Bioverfügbarkeit sehr variabel. Das THC flute in der Regel sehr rasch sehr hoch an, die Wirkung flache jedoch auch rasch wieder stark ab. Das sei nicht nur schwer steuerbar, sondern auch nicht sinnvoll, zum Beispiel bei der Behandlung chronischer Schmerzen. Die Einnahme über den Verdauungstrakt (orale Applikation) von Rezepturen auf Extraktbasis sei zu bevorzugen, noch besser sei die Verwendung von Fertigarzneimitteln.

Für diese Applikationsform haben sich neben der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft auch die Bundesärztekammer und die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft ausgesprochen.

Dingermann warnte auch davor, sich zu viele Hoffnungen auf Cannabis als wirksame Behandlung bei allen möglichen Indikationsgebieten zu machen.

Die Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabis sei bestenfalls mäßig, selbst bei relativ gut untersuchten Indikationen wie chronischen Schmerzen oder Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie. Dingermann empfahl, dass sich Patienten immer möglichst an einen Facharzt für ihre Erkrankung wenden. Fachärzte würden übrigens deutlich seltener Cannabis in Blütenform verordnen als nicht spezialisierte Ärzte.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71575

Kommentar & Ergänzung:

Der Vortrag spricht einen sehr wichtigen Punkt für die Phytotherapie an: Es kommt nicht nur darauf an, welche Heilpflanze zur Linderung bestimmter Beschwerden eingesetzt wird. Genauso wichtig ist die Überlegung, in welcher Arzneiform das am sinnvollsten geschieht. Ob jeweils Kräutertee, Pflanzentinktur, Pflanzenextrakt, Frischpflanzensaft oder noch etwas ganz anderes empfehlenswert ist, muss in jeden Fall genau geklärt werden. Wer sich für die Vor- und Nachteile der einzelnen Arzneiformen interessiert, kann das in meinen Lehrgängen lernen.

In Deutschland ist es unter bestimmten Bedinungen möglich, Cannabisblüten direkt zu verordnen. In der Schweiz sind wir an diesem Punkt noch nicht so weit.

Dass die erwähnten Verbände der Apotheker und Ärzte für die Verwendung von pharmazeutisch hergestellten Fertigpräparaten und gegen die direkte Verwendung von Cannabisblüten Stellung beziehen, wird bei nicht wenigen Menschen den Verdacht wecken, dass sich die Pharmaindustrie dadurch Konkurrenz vom Leibe halten will. Ob ein solcher Aspekt mitwirkt, kann ich nicht beurteilen. Aber es ist auf jeden Fall nicht so einfach. Stark schwankende Wirkstoffgehalte in verschiedenen Cannabissorten können in der Therapie tatsächlich Probleme verursachen.

Meinem Eindruck nach könnte dieser heikle Punkt aber eingegrenzt werden, indem für die verschiedenen Anwendungsbereiche von Cannabis geeignete Sorten definiert werden und für den Anbau dann jeweils genetisch möglichst gleichbleibende Pflanzen zur Verwendung kommen.

Sehr wichtig beim therapeutischen Einsatz von Cannabis ist das von Prof. Dingermann angesprochene unterschiedliche zeitliche Eintreten der Wirkung. Beim Rauchen kommt die Wirkung schnell und stark, flaut aber auch rasch wieder ab. Über den Verdauungstrakt (peroral) kommt die Wirkung langsamer, hält aber auch länger an. So ist es sehr eindeutig, dass zum Beispiel bei chronischen Schmerzen eine perorale Anwendung sinnvoller ist.

Cannabis ist kein Wundermittel und die Warnung von Prof. Dingermann daher nachvollziehbar. Interessant bei Cannabis ist aber, dass sich damit oft mehrere Beschwerden auf einen Streich günstig beeinflussen lassen – so zum Beispiel bei Chemotherapie, wenn zugleich Übelkeit und Appetitlosigkeit vorhanden sind.

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Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

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Zahlreiche Krebspatienten leiden während und nach einer Chemotherapie unter Fatigue. Das sogenannte Erschöpfungssyndrom kann die Erkrankten in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen. Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin haben Fachleute diskutiert, wie den Betroffenen geholfen werden kann.

Fatigue ist eine häufige Begleiterscheinung in der Tumorbehandlung. Zwischen 60 und 100 Prozent der Krebspatienten klagen während der Therapie über ausgeprägte Müdigkeit und bei mehr als jedem Vierten tritt das Erschöpfungssyndrom als Langzeitfolge nach Abschluss der Behandlung auf. Die dem Erschöpfungssyndrom zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang unklar.

Wichtige Elemente für die Therapie der Fatigue sind die Verhaltenstherapie und die gezielte Schulung der Patienten. In Einzel- und Gruppengesprächen können sie lernen, mit ihrer Situation besser umzugehen, zum Beispiel mithilfe bestimmter Entspannungstechniken. Denn die reduzierte Leistungsfähigkeit führt häufig zu Stress und letztlich zu Depressionen.

Mit Sport bei Fatigue nicht übertreiben

Auch Sport kann dazu beitragen, das Befinden bei Fatigue zu verbessern. Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule Köln warnt aber davor, die Erkrankten zu stark zu beanspruchen. Je nachdem, welche Folgeerscheinung der Krebstherapie man behandeln möchte, gebe es völlig unterschiedliche Bewegungsprogramme. Wer während der Behandlung unter Fatigue leidet, sollte etwa vier bis fünf Stunden pro Woche spazieren gehen. So ließe sich das beste Resultat erzielen. Mehr Bewegung bringe in diesem Fall eher schlechtere als bessere Resultate, erklärt Baumann.

Da Sport vom Körper als Stress wahrgenommen werde und zu einem höheren Energieverbrauch führe, müsse nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand das Pensum laut Baumann an die Schwere des Erschöpfungszustands angepasst werden. Je ausgeprägter die Fatigue ist, desto weniger intensiv sollte laut Baumann das Training ausfallen.

Zu klären bleibe beispielsweise, ob körperliche Aktivität an der frischen Luft einen höheren Nutzen habe als Training in der Halle oder im Fitnessstudio.

Ergänzend zu solchen Massnahmen kann auch der Einsatz pflanzlicher Arzneimittel erwogen werden, sagt Dr. Matthias Rostock vom Institut für komplementäre und integrative Medizin am Universitätsspital Zürich. Die Phytotherapie könne helfen, die Patienten für andere Maßnahmen zu aktivieren.

Günstig wirkt laut Rostock Guarana bei der akuten Fatigue während einer Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen. Verglichen mit Placebo habe sich die Symptomatik der Frauen bei der Behandlung mit Guarana signifikant verbessert und sie klagten deutlich weniger über Übelkeit und Schlafstörungen. Baldrian ist laut Rostock gegen Schlaflosigkeit zwar wenig effektiv, wirkt dafür jedoch gegen nervöse Erschöpfung. Das entspreche der ursprünglichen Indikation für den Einsatz von Baldrianwurzel, erklärt Rostock.

Gut erforscht sei insbesondere die Wirksamkeit von Ginseng. Bei Tagesdosen von 1 bis 2 g fühlen sich rund 30 Prozent der Patienten besser. Das zeigt nach Rostock aber auch, dass Ginseng nicht jedem hilft. Der positive Effekt von Ginseng sei während der Chemotherapie signifikant, nach Beendigung der Behandlung aber deutlich schwächer ausgeprägt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62425

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema „Sport & Fatigue“ siehe:

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung bei Fatigue

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

 

Zum Thema „Ginseng & Fatigue“ siehe:

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Smptome bei Krebserkrankung

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Zu Guarana:

Guarana enthält als wirksamen Inhaltsstoff Coffein. Zum Thema „Guarana & Fatigue“ gibt es eine Studie mit positivem Resultat:

„Guarana (Paullinia cupana) improves fatigue in breast cancer patients undergoing systemic chemotherapy…..

RESULTS: Guarana significantly improved the FACIT-F, FACT-ES, and BFI global scores compared to placebo on days 21 and 49 (p < 0.01). The Chalder Scale improved significantly on day 21 (p < 0.01) but not on day 49 (p = 0.27). Guarana did not produce any Common Terminology Criteria for Adverse Events grades 2, 3, or 4 toxicities and did not worsen sleep quality or cause anxiety or depression.

CONCLUSIONS: Guarana is an effective, inexpensive, and nontoxic alternative for the short-term treatment of fatigue in BC patients receiving systemic chemotherapy. Further studies are needed to confirm these results and to evaluate their generalizability to chronic CRF and to other types of cancer.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21612429

Die Studie gibt zwar Hinweise auf einen günstigen Effekt von Guarana, sie ist aber von der Zahl der teilnehmenden Patienten her klein und kann die Wirksamkeit nicht einwandfrei belegen. Eigenartig ist bei dieser Studie die Dosierung von zweimal täglich 50mg Guarana. Normalerweise wird bei Guaranapulver als Tagesdosis 1 – 3 Gramm empfohlen (entsprechend etwa 50 – 150 mg Coffein). Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält aber auch bereits zirka 60 – 100 mg Coffein (Angaben aus: Biogene Arzneimittel).

Was Guarana gegenüber anderen Coffeinquellen wie Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Matetee für Vorteile haben soll, ist mir nicht plausibel ersichtlich.

Als Vorteil wird manchmal angeführt, dass das Coffein aus Guarana im Gegensatz zum Coffein aus Kaffee langsamer in den Körper aufgenommen werden soll, weil es an Gerbstoffe gebunden vorliegt. Das soll zu einer länger anhaltenden Wirkung führen.

Dieser postulierte Retard-Effekt konnte aber in neueren Untersuchungen nicht bestätigt werden. Die Freisetzung und Aufnahme von Coffein aus Guarana entspricht derjenigen aus Präparaten mit reinem Coffein (Angaben gemäss: Teedrogen und Phytopharmaka)

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Zur Kombination Baldrian & Sanalepsi: Was ist Sanalepsi?

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In Pflegeheimen und Kliniken wird manchmal als Einschlafhilfe eine Mischung aus Sanalepsi-Tropfen und Baldriantinktur eingesetzt.

Daher kommt in meinen Kursen immer wieder einmal die Frage auf, um was es sich bei „Sanalepsi“ genau handle.

Sanalepsi N Tropfen enthalten Doxylamin, ein Antihistaminikum der 1. Generation mit antiallergischern, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften.

Als Monopräparat oder kombiniert mit Baldriantinktur wird Salalepsi N in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt und dazu eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen.

Die Halbwertszeit von Doxylamin beträgt etwa 10 Stunden. Das heisst, dass die Konzentration von Doxylamin im Organismus resp. im Blut nach 10 Stunden auf den halben Wert (50%) absinkt. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Sanalepsi bei der Einnahme als Einschlafhilfe unerwünschterweise in den folgenden Tag hinein wirkt. Bei der Baldriantinktur besteht dieses Risiko nicht.

Doxylamin wird in Kombination mit Dextromethorphan (Hustenreizstiller), Ephedrin (Schleimhautabschweller) und Paracetamol (Schmerzmittel) in Kombinationspräparaten wie dem Erkältungspräparat Vicks MediNait® Saft verwendet. Solche Kombipräparate werden allerdings von vielen Fachleuten generell skeptisch beurteilt, weil damit oft Substanzen eingenommen werden, die im jeweiligen Erkältungsfall gar nicht nötig sind.

Als Einzelmittel ist Doxylamin in der Schweiz bei Einschlafstörungen zur Kurzzeitbehandlung zugelassen. Das passt aber eigentlich nicht zu einer Kombination mit Baldriantinktur, weil Baldrian erst nach einer Anwendung über mehrere Wochen wirksam wird.

Da Sanalepsi-Tropfen in Apotheken ohne Rezept erhältlich sind, werden sie oft als verhältnismässig harmlos eingeschätzt. Das ist aber wohl ein Trugschluss. In Deutschland hat das TV-Magazin „rbb Praxis“ sich mit diesem Thema befasst und dabei kamen verschiedene Fachleute zu Wort.

Der Schlafmediziner Dr. Holger Rein hält es für einen Trugschluss, wenn Patienten diese Medikamente unbedenklich finden, weil sie freiverkäuflich sind: „Das sind keine Lutschbonbons und keine Hustenbonbons. Es sind tatsächlich hochwirksame Substanzen.“

Der Pharmakologe Professor Dr. Markus Schwaninger von der Universität Lübeck sagt: „Es wirkt auf das Gehirn und kann dort verschiedene Funktionen beeinträchtigen. Nicht nur Schlaf auslösen, sondern auch das Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Dass die Nachwirkungen der Substanzen auch noch am Folgetag auftreten können, bestätigt in der Sendung auch ein Anwender. Am nächsten Morgen denke und spreche man etwas langsamer und auch die Bewegungsabläufe seien verändert.

Die Internistin Dr. Jördis Hendricks aus Hamburg erklärt, dass durch die Einnahme dieser Präparate der Schlafrhythmus und die Schlafarchitektur gestört werde; der Schlaf sei nicht erholsam:„Man zahlt unter Umständen einen hohen Preis ohne einen langfristigen Nutzen.“ Und sie ergänzt: „Sie dürften auf gar keinen Fall frei verkauft werden. Das Mindeste wäre, dass man sie unter der die Rezeptpflicht stellt.“ Auch eine Marktrücknahme der Präparate ist für Hendricks denkbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Doxylamin / Sanalepsi fasst das „Pharmawiki“ so zusammen:

„Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Verminderung der Reaktionsbereitschaft, paradoxe Reaktionen wie Erregung und Halluzinationen bei Kindern und älteren Personen, Kopfschmerzen und anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Verstopfung und Harnretention. Selten können Herz-Kreislauf-Reaktionen wie ein tiefer oder hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/aerztin-rezeptpflicht-fuer-otc-schlafmittel-tv-tipp-rbb-praxis/

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Doxylamin

Kommentar & Ergänzung:

Ohne zu dramatisieren lässt sich der Schluss ziehen, dass Sanalepsi-Tropfen nicht harmlos sind. Will man sie trotzdem einsetzen, dann sollte das  sehr gut überlegt und zeitlich begrenzt geschehen.

Die Kombination mit Baldriantinktur halte ich eher für fragwürdig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Krebs: Alternative Therapien reduzieren Überlebenschancen

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Wer sich gegen eine etablierte Krebstherapie entscheidet und auf alternative Medizin setzt, reduziert seine Chancen, die kommenden fünf Jahre zu überleben. Im Durchschnitt erhöht sich das Sterberisiko um das 2,5-Fache. Das berechneten Wissenschaftler der Yale School of Medicine in Connecticut. Sie verwendeten dazu Daten von 840 Patienten mit Erstdiagnose behandelbarer Krebsarten wie Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs. 560 Patienten hatten eine konventionelle Behandlung mit Chemotherapie, Strahlentherapie, Hormontherapie oder Operation gewählt. 280 Patienten hatten sich dagegen entschieden. Welche Alternativen die Patienten wählten, ob Homöopathie, Anthroposophische Medizin, hoch dosierte Vitamine, spezielle Diäten oder anderes, wurde in der Studie nicht genauer unterschieden.

Bei Brustkrebs erhöhte sich das Sterberisiko bei alleiniger alternativer Behandlung um das 5,7-Fache, bei Darmkrebs um das 4,6-Fache und bei Lungenkrebs um das 2,2-Fache, schreiben die Forscher im «Journal of the National Cancer Institute». Von den Lungenkrebs-Patienten überlebten 41 Prozent unter konventioneller herkömmlicher Therapie die kommenden fünf Jahre, unter alternativer Behandlung waren es 20 Prozent. Bei Darmkrebs überlebten 79 Prozent unter herkömmlicher Behandlung, aber nur 33 Prozent der Patienten, die sich der konventionellen Medizin verweigerten.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Skyler Johnson, kommentiert die Ergebnisse so:

«Wir haben nun Evidenz zur der Annahme, dass der Gebrauch alternativer Medizin anstelle etablierter Krebstherapien zu schlechteren Überlebensraten führt». Die Forscher hoffen, dass diese Information bei der Entscheidung von Patienten und Ärzten für oder gegen eine bestimmte Behandlung helfen kann.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=70997

DOI: 10.1093/jnci/djx145

 

Kommentar & Ergänzung:

Wirklich überraschend ist dieses Ergebnis ja nicht.

Fraglos gibt es bei Krebserkrankungen insbesondere in fortgeschrittenem Stadium Situationen, in denen Operationen oder Chemotherapien keine entscheidende Wende mehr bringen können. In solchen Situationen ist es nachvollziehbar, wenn Patientinnen und Patienten abwägen, ob sie allenfalls auf eine belastende onkologische Therapie verzichten und eher auf Palliative Care setzen. In vielen Situationen können onkologische Therapien allerdings entscheidende Besserungen oder gar eine Heilung von Krebserkrankungen bewirken, so dass es sehr riskant wäre, auf alternative Therapien zu setzen. Genau das zeigt die vorliegende Untersuchung.

Bei den Alternativen Therapien gibt es zwar unendlich viele Versprechungen, wie sich Krebs angeblich heilen lässt. Diese zum Teil sehr hochtrabenden Behauptungen lassen sich allerdings in aller Regel nicht durch Fakten und Belege untermauern. Wenn es direkt um die Bekämpfung des Tumor geht und um eine verlängerte Überlebensdauer, hat alternative Therapie nichts Handfestes zu bieten. Leider. Aber die verständliche Hoffnung macht Patientinnen und Patienten sehr anfällig und verletzlich für windige Heilungsversprechungen und zahlreiche Anbieter nutzen das gnadenlos aus. Dabei steht nicht immer finanzieller Gewinn im Vordergrund. Viele Anbieter alternativer Krebstherapien sind sehr überzeugt von der Wirksamkeit ihrer Methoden und täuschen sich dabei selbst. Ihr Gewinn liegt allenfalls auf einer psychologischen Ebene. Hinter der Vorstellung, mit ganz einfachen, sanften Mitteln Krebs heilen zu können, steckt oft eine Machtfantasie. Das verschafft eine Position, die dem eigenen Ego zuverlässig Futter zuführt. Der grossen Heiler-Pose begegne ich leider immer wieder.

Ergänzende Möglichkeiten bei Krebserkrankungen gibt es jedoch im Bereich der Verbesserung der Lebensqualität, zum Beispiel durch Linderung von Nebenwirkungen der Chemotherapie und Strahlentherapie. Hier können auch Heilpflanzen unterstützend wirken.

Dazu führe ich regelmässig Tagesseminare durch. Siehe Details hier:

Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologiepflege und Palliative Care

Das ist ein bescheidenerer Ansatz. Es geht um Linderung und Verbesserung von Lebensqualität, nicht um Heilung. Dieser Ansatz hat es nicht so leicht. Denn Patientinnen und Patienten suchen in der Regel in erster Linie Heilung und erst in zweiter Line Linderung. Und AnbieterInnen alternativer Therapien haben mehr Zulauf, wenn sie Heilung versprechen, als wenn sie Möglicheiten der Linderung vermitteln. Aber dieser bescheidenere Ansatz hat einfach mehr Boden als die grassierenden, windigen Heiler-Posen.

Zur beschriebenen Studie ist noch anzumerken, dass es natürlich schade ist, dass nicht unterschieden wurde, welche alternativen Therapien genau die Krebskranken anwendeten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Brokkoli wirksam gegen Diabetes?

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Der Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan kann den Blutzucker bei Diabetes-Patienten reduzieren.

Der in Brokkoli und anderen Kreuzblütlern vorkommender Wirkstoff Sulforaphan könnte sich als neues Mittel gegen Diabetes Typ 2 entpuppen. In ersten Untersuchungen machte eine Behandlung mit dem Senföl bei Ratten Veränderungen der Genexpression rückgängig, die dem Diabetes Typ 2 zugrunde liegen. Auch am Menschen zeigte sich die Sulforaphan wirkungsam: In Form von Brokkolisprossen-Extrakt verabreicht verbesserte die Substanz die Blutzuckerwerte von Diabetespatienten messbar.

Weltweit leiden 300 Millionen Menschen an der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus Typ 2, bei der das Hormon Insulin nicht mehr genügend Wirkung entfalten, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Dadurch kommt es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, der längerfristig große gesundheitliche Schäden verursachen kann – zum Beispiel an der Augennetzhaut und den Nieren. Auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen oder Krebs steigt dadurch oftmals an.

Manchmal lassen sich die erhöhten Blutzuckerwerte beim Diabetes Typ 2 durch Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung wieder unter Kontrolle bringen. Schwerere Fälle benötigen aber eine Therapie mit Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten wie Metformin. Diese Mittel sind allerdings nicht für alle Patienten geeignet, weil sie unter anderem die Nieren schädigen können.

Ein Forschungsteam um um Annika Axelsson vom Lund University Diabetes Center im schwedischen Malmö hat daher nach alternativen Wirkstoffen gesucht.

Die Wissenschaftler schauten sich dabei an, welche genetischen Besonderheiten einem Diabetes Typ 2 zugrunde liegen. Die Stoffwechselerkrankung geht nämlich häufig mit Veränderungen der Genexpression einhergeht. Dann suchten die Forscher nach Wirkstoffen, welche die veränderte Genexpression rückgängig machen könnten. Die Substanz Sulforaphan eerwies sich dabei als vielversprechend. Sie kommt als Senfölglykosid Glukoraphan in der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler vor, zum Beispiel in Kresse, Radieschen, Rettich und Brokkoli. In Brokkolisprossen ist die Sulforaphan-Konzentration besonders hoch. Mit Hilfe von Enzymen wird das Glykosid in seine aktive Form umgewandelt.

In Laborexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass Sulforaphan eine erhöhte Glucose-Produktion in Leberzellen unterdrückt und bei erkrankten Ratten die Genexpression günstig beeinflusst. Dabei wirkt es nach Angaben der Wissenschaftler ähnlich gut wie Metformin, aber auf einem anderen Weg.

Ob sich dieser Effekt auch beim Menschen bestätigen lässt, untersuchten die Forscher an 97 Testpersonen mit Übergewicht und einer Diabetes Typ 2-Erkrankung. Die Probanden nahmen über einen Zeitraum von zwölf Wochen regelmäßig konzentrierten Brokkolisprossen-Extrakt oder ein Placebo (Scheinmedikament) ein.

Aus dem Brokkoli-Extrakt entstand beim Kauen und durch Darmbakterien Sulforaphan.

Bei Versuchspersonen, die den Brokkoli-Extrakt eingenommen hatten, verbesserten sich die Blutzuckerwerte messbar. Die Behandlung reduzierte sowohl den sogenannten Nüchternblutzucker als auch das Glykohämoglobin HbA1c, das umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker bezeichnet wird.

Die Wissenschaftler raten Diabetespatienten allerdings davon ab, sich nun in Eigenregie mit hohen Dosen Brokkolisprossen-Extrakt oder konzentriertem Sulforaphan behandeln zu wollen. Es brauche weitere Studien, um die Wirksamkeit der Substanz zu bestätigen und herauszufinden, welche Patientengruppen am meisten von dem Wirkstoff profitieren können.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21560-2017-06-15.html

Science Translational Medicine, 2017;

doi: 10.1126/scitranslmed.aah4477

American Association for the Advancement of Science, 15.06.2017 – DAL

Kommentar & Ergänzung:

Präzisere Ergebnisse berichtet die Pharmazeutische Zeitung:

„Die Kombination Metformin plus Placebo führte in keiner Subgruppe zu dem Ergebnis, dass der HbA1c-Wert oder die Nüchtern-Blutzuckerwerte sanken. Anders in der Verumgruppe: Bei adipösen Patienten mit einer schlechten Blutzuckereinstellung führte Sulforaphan zur Senkung des HbA1c-Wertes von durchschnittlich 7,37 auf durchschnittlich 7,04 Prozent. Zudem sanken in dieser Gruppe auch leicht die Nüchtern-Blutzuckerwerte – von durchschnittlich 158 auf durchschnittlich 147 mg/dl. /“

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=69991

Wie die Forscher berichten, hemmt Sulforaphan wie Metformin die Gluconeogenese in der Leber, doch geschieht dies auf einem anderen Weg. Die Wissenschaftler denken daher über Möglichkeiten nach, Metformin und Sulforaphan für die Behandlung zu kombinieren.

Die Studien sind noch lange nicht so weit gediehen, um Brokkolisprossen oder Sulforaphan als Arzneimittel bei Diabetes Typ 2 zu empfehlen.

Es spricht aber viel dafür dass Senfölglykoside, die in Kreuzblütlern verbreitet vorkommen, ein wertvoller Bestandteil einer vielfältigen Ernährung sind. Zahlreiche Untersuchungen haben günstige Eigenschaften dieser Wirkstoffgruppe gezeigt, wobei aber auch hier der Hinweis wichtig ist, dass es sich meistens um Laborforschung handelt, deren Ergebnisse sich nicht einfach direkt auf den Menschen übertragen lasen.

Siehe auch:

Brokkoli: Schutz gegen Arthrose?

 

Glukosinolate aus Brokkoli im Fokus der Forschung

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Brokkolisprossen hemmen Helicobakter pylori-Bakterien im Magen

Brokkoli-Inhaltsstoff günstig bei Asthma

 

 

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Teebaumöl bei Akne

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Das ätherische Öl aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gilt als Geheimtipp gegen Pickel / Akne.

Das Portal „Medizin transparent“ hat recherchiert, ob die Studienlage die Wirksamkeit von Teebaumöl gegen Akne bestätigt.

Ein chinesisch-australisches Wissenschaftsteam konnte in einer umfangreichen Recherche nur eine einzige Studie zu diesem Thema finden.

Diese allerdings kleine Studie liefert zwar vorsichtige Hinweise, dass Teebaumöl gegen Pickel helfen könnte. Für wissenschaftliche Gewissheit wären jedoch weitere, gutgemachte Studien mit positivem Resultat nötig.

In dieser Untersuchung hatten die Versuchspersonen per Losentscheid entweder ein Gel mit Teebaumöl in einer 5-prozentigen Konzentration oder aber ein vergleichbares Gel ohne Wirkstoff ( = Scheinpräparat, Placebo) zugeteilt bekommen, das sie sich zweimal täglich auf die betroffenen Stellen im Gesicht auftragen sollten.

Welche der insgesamt 60 Versuchspersonen das Teebaumöl-Präparat und welche das Placebo bekamen, wurde vor den Probanden und dem Studienpersonal geheim gehalten. Durch diese „doppelte Verblindung“, wie das Geheimhalten der Zuteilung vor sowohl Teilnehmern als auch Studienpersonal genannt wird, wird sichergestellt, dass Erwartungen der an der Studie beteiligten Personen das Resultat nicht beeinflussen können. Allerdings ist nicht sicher, dass bei dieser Studie die Verblindung auch bis zum Ende der Studie aufrecht blieb, da die Wirkstoff-freien Salben eine andere Beschriftung hatten als jene mit Teebaumöl.

Nach sechs Wochen zeigten sich bei den Versuchpersonen, welche das Gel mit Teebaumöl verwendeten, durchschnittlich sieben bis acht Hautunreinheiten wie Pickel, Mitesser oder Pusteln weniger als bei jenen, die das wirkstofflose Gel aufgetragen hatten. Mit nur 60 Probanden sind diese Resultate dieser Studie allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Finanziert wurde die Untersuchung durch ein Unternehmen, das Kosmetika mit Teebaumöl produziert.

Aus den Resultaten ihrer Untersuchung schlussfolgern die Studienautoren, dass ihr Teebaumöl-Präparat kaum mehr Nebenwirkungen hat als das Gel ohne Wirkstoff. „Medizin transparent“ weißt jedoch darauf hin, dass Teebaumöl nicht immer harmlos ist, und bei empfindlichen Personen zu Hautreizungen und allergischen Hautausschlägen führen kann. Das Scientific Commitee on Consumer Safety (SCCS), das auf EU-Ebene berät, warne daher vor Produkten, die über fünf Prozent Teebaumöl enthalten, und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung rate bei Kosmetika überhaupt zu einer Begrenzung auf eine Konzentration von einem Prozent.

Quelle:

https://www.medizin-transparent.at/teebaumoel-gegen-pickel

Kommentar & Ergänzung:

Teebaumöl hat eine gute antibakterielle Wirkung und da Bakterien bei Akne eine Rolle spielen, erscheint eine Wirksamkeit plausibel.

Teebaumöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gewonnen.

Es besteht aus einem Gemisch von etwa 100 Substanzen, insbesondere (+)-Terpinen-4-ol (rund 40 %), α-Terpinen (rund 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol.

Während die chinesisch-australische Forschergruppe nur eine einzige Studie fand, die ihren Qualitätsansprüchen genügte, geht Dr. Rainer C. Görne in der ÄrzteZeitung von fünf randomisierten Studien aus, welche die Wirksamkeit von Teebaumöl bei der Behandlung von Akne belegen sollen. Allerdings fehlen dort Quellenangaben zu diesen Studien.

Siehe: Teebaumöl gegen Akne

 

Die Verträglichkeit des Teebaumöls hängt wesentlich von den Aufbewahrungsbedingungen ab, die möglischst geschützt vor Sauerstoff sein sollten:

Teebaumöl: Korrekte Aufbewahrung reduziert Nebenwirkungen

Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob es unbedingt Teebaumöl sein muss.

Viele ätherische Öle wirken antibakteriell. Und viele ätherische Öle sind besser hautverträglich als Teebaumöl und geruchlich angenehmer.

Besser verträgliche und geruchlich angenehmere ätherische Öle mit antibakterieller Wirkung sind zum Beispiel Korianderöl und Lavendelöl.

Siehe dazu:

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Zur Wirkung von Korianderöl

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

 

 

 

Wer typverwandte ätherische Öle als geruchliche Alternativen zu Teebaumöl sucht probiert es manchmal mit Manukaöl, Kanukaöl, Niaouliöl, Cajeputöl oder Eukalyptusöl.

Manukaöl ( aus der Südseemyrte, Leptospermum scoparium) wirkt ähnlich antibakteriell wie Teebaumöl, ist aber ebenfalls haut- und augenreizend.

Kanukaöl stammt von Leptospermum ericoides (= Kunzea ericoides) und fällt bezüglich antibakterieller Wirkung ab.

Niaouliöl wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen aus Melaleuca viridiflora (Myrtaceae) und gleicht in seiner Zusammensetzung dem Cajeputöl: Hauptbestandteil ist 1,8-Cineol (bis ca. 60 %), weiters Pinen und Limonen. Im Labor zeigte es antimikrobielle Wirkung.

Siehe: Was ist Niaouliöl?

Cajeputöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und kleineren Zweigen des Cajeputbaumes (Melaleuca leucadendra) gewonnen. Es hat einen an Eukalyptus erinnernden Duft, wirkt stark antimikrobiell, enthält in hohem Maße Terpene und ist ein Hauptbestandteil des Olbasöls.

Siehe:

Olbastropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

Eukalyptusöl stammt von Eucalyptus globulus und besteht hauptsächlich aus 1,8-Cineol (über 70 %), ausserdem 1-Pinen (Spuren bis maximal 9 %), 2-Pinen (0-1,5 %), Limonen (0-12 %), und Phellandren (0-1,5 %). Es zeigt breite antimikrobielle Aktivität, ist dabei aber in seiner Wirksamkeit dem Teebaumöl unterlegen.

Verglichen mit dem relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit viel stärker bakterizid als Eukalyptusöl, das nur etwa 3,5mal stärker als Phenol wirkt. In der Phytotherapie wird Eukalyptusöl in Kapselform auch innerlich angwendet als schleimlösendes Mittel gegen Husten (Sibrovita N).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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