Artikel mit Schlagwort ‘Baldrian’

“Prosit Neujahr” mit Nerventee

Donnerstag, Dezember 29th, 2011

Die „Süddeutsche“ berichtet gerade, wie die Gorillas im Nürnberger Tiergarten auf die Böllerei in der Silvesternacht vorbereitet werden:

„Bis zu einen Liter Nerventee muss Fritz derzeit täglich schlucken. Und die drei Weibchen, mit denen sich der Gorillachef im Nürnberger Tiergarten sein Gehege teilt, trinken fleißig mit. Von den Tierpflegern bekommen sie ohnehin mehrmals am Tag eine Trinkflasche durch das Gitter gereicht. Vor Silvester wird ihnen auf diese Weise Baldrian und Melisse eingeflößt – auf einen friedlichen Rutsch ins neue Jahr.

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/i5l38A/391556/Anstossen-mit-Nerventee.html

Kommentar & Ergänzung:

Na dann: Prost und „Gutes Neues Jahr“ den Gorillas in Nürnberg. Fritz trinke den Nerventee relativ gern, sagt übrigens der zuständige Tierarzt. Doppelblind-Studien gibt es für diesen Anwendungsbereich zwar keine (Placebo-Effekte existieren auch bei Tieren!). Aber für einen Nerventee zur Beruhigung sind Baldrian und Melisse zu mindestens keine schlechte Wahl.

Ungeklärt ist, ob die Gorillas nicht doch Champagner vorziehen würden.

Die Böllerei in der Silvesternacht ist für viele Tiere ein Ereignis, das sie in Angst und Panik versetzt. Lärmempfindliche Hunde beispielsweise sollten so gut wie möglich vor solcher Knallerei geschützt werden.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kräuter und ihre Wirkung: Zitronenmelisse

Sonntag, Dezember 4th, 2011

„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zur Zitronenmelisse steht dort:

„ Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Der Duft der Zitronenmelisse entfaltet sich, wenn man die Blätter leicht zerreibt. Am besten werden die jungen Blätter und Triebspitzen vor der Blüte geerntet. Sie schmecken frisch oder getrocknet zu Salaten, Saucen, Obstsalat oder Fisch (nur kurz mitkochen). Sehr erfrischend im Sommer ist angesetzter Melissensirup verdünnt mit Wasser.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Heilwirkung der Zitronenmelisse kommt hier  zu kurz.

Hier eine Ergänzung dazu:

Die Melisse (Melissa officinalis, = Zitronenmelisse) gehört zu den Lippenblütlern. Melissenblätter enthalten ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Citral und Citronellal, die für das zitronenartige Aroma verantwortlich sind. Zudem Lamiaceen-Gerbstoffe (Hauptvertreter: Rosmarinsäure) und Flavonoide.

Als medizinisch anerkannt gelten folgende Anwendungsbereiche:

Innerlich bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden sowie bei nervös bedingten Einschlafbeschwerden. Äußerlich gegen Herpesinfektionen (Lippenbläschen durch Herpes simplex). Bei Fieberbläschen wirkt der Melissenextrakt mit dem Lamiaceen-Gerbstoff (in Salbenform angewendet), aber auch das Melissenöl. Echtes Melissenöl ist allerdings sehr teuer.

Gegen Einschlafstörungen wird Melissentee, Melissenöl (inhalativ, als Einreibung) oder Melissenextrakt eingesetzt.

Melissenextrakt wird oft kombiniert mit anderen Pflanzenextrakten, die beruhigende und einschlaffördernde Wirkungen zeigen: Hopfenextrakt, Passionsblumenextrakt, Baldrianextrakt.

Ein traditionelles Melissen-Präparat ist der „Melissengeist“.

Es handelt sich dabei um ein alkoholisches Mischdestillat. Melissenblätter, Orangenschalen, Ingwerwurzel, Nelken, Zimtrinde, Angelikawurzel und andere Heilpflanzen werden gemeinsam in Alkohol angesetzt und dann destilliert. „Karmelitergeist“ (Spiritus Melissae compositus) ist eine Mischung verschiedener ätherischer Öle, unter anderem Melissenöl (häufig ausgetauscht gegen das billigere Citronellöl), in Alkohol gelöst.

Zum „Melissengeist“ siehe auch:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

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Interessantes zu Hopfen und Hopfenzapfen (Lupuli strobulus)

Dienstag, November 15th, 2011

Die Pharmaceutical Tribune publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zum Hopfen. Hier ein paar interessante Zitat

Zur Botanik des Hopfens (Humulus lupulus):

„Der wilde Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und ist eine typische zweihäusige Pflanze. Hopfenzapfen sind die Fruchtstände der weiblichen Pflanzen und können Ende August geerntet werden. Die Triebe sind einjährig, die Verbreitung erfolgt über das Rhizom. Man findet wilden Hopfen auf stickstoffreichen und feuchten Böden.“

Wer zum Beispiel mit offenen Augen durch die Rheinschlucht zwischen Valendas und Castrisch (Graubünden) wandert, kann unzählige wunderschöne Hopfenexemplare entdecken.

Zu den Inhaltsstoffen des Hopfens:

„Entscheidend für die Wirkung sind die Inhaltstoffe der Drüsenschuppen an der Innenseite der Deckblätter des Hopfenzapfens. Hauptkomponenten des petroletherlöslichen Weichharzes sind die Bitterstoffe Humulon und Lupulon. Bei längerer Lagerung kommt es zum Umbau dieser labilen Stoffe zu Alkoholen wie dem 2-Methylbutenol, das für die sedierende Wirkung verantwortlich ist. In weiterer Folge bilden sich unlösliche so genannte Hartharze. Weiters finden sich in Lupuli strobulus ätherisches Öl (bis zu 1 %) mit den Bestandteilen Myrcen, Humulen, Farnesen und β-Caryophyllen sowie Flavonoide, die bemessen als Rutinosid mit einem Mindestgehalt von 0,25 % zur Standardisierung für die Qualität der Droge herangezogen werden. Die entsprechende Monographie für Lupuli flos ist im Europäischen Arzneibuch enthalten.“

Die Bitterstoffe im Hopfen dominieren den Geschmack des Hopfentees total. Daher sind Hopfentee und auch Hopfentinktur keine attraktiven Zubereitungsformen.

„In der volksmedizinischen Behandlung wird Hopfenextrakt auch zur Spülung infizierter Wunden empfohlen. Wässriger Hopfenextrakt wirkt nachgewiesen bakteriostatisch und hat auch bedingte Wirkung gegen Protozoen.“

In der Wundbehandlung spielt Hopfen heute keine Rolle mehr. Ringelblume, Hamamelis, Kamille, Aloe vera stehen stehen in diesem Bereich der Phytotherapie im Vordergrund. Aus der traditionellen Pflanzenheilkunde kommen dazu noch Sanikel (Sanicula europaea) und Chäslichrut (Malva silvestris oder Malva neglecta). Die bakteriostatische Wirkung des Hopfens dürfte im Bier eine Rolle spielen.

Protozoen sind tierische Einzeller. Durch Protozoen ausgelöst werden beispielsweise Malaria, Amöbenruhr, Trichomoniasis, Toxoplasmose, Schlafkrankheit, Chagas-Krankheit.

Hopfen hat keine Bedeutung in der Behandlung von Protozoen-Erkrankungen.

„Der sedative Effekt ist dennoch Haupteinsatzgebiet von Humulus lupulus. Aktuelle Studien verzeichnen sogar Erfolge beim Einsatz von Hopfenextrakt in der Behandlung autistischer Personen zur Entspannung und Steigerung der Wahrnehmung.“

Das Thema Hopfen & Autismus tönt interessant, ich habe dazu allerdings noch nirgends greifbare Unterlagen gesehen. Als Quellenangabe für diese Aussagen ist erwähnt:

J Nat Prod 2009: 1220–1230

„Zur therapeutischen Anwendung im herkömmlichen Sinn kommt Humulus lupulus als Sedativum und bei Unruhezuständen in Form von beruhigenden Teezubereitungen in Kombination mit Orangenblüten, Johanniskraut oder Lavendelblüten. Auf Grund einfacher Handhabung werden bevorzugt die im Handel befindlichen Fertigpräparate mit hochkonzentrierten Extrakten der Hopfenzapfen in Kombination mit Passiflora, Baldrian und Melisse empfohlen.“

Am häufigsten wird die Kombination von Baldrianextrakt und Hopfenextrakt verwendet.

„In der Praxis haben sich diese Präparate besonders als Tagessedativum nach familiären Schicksalsschlägen oder bei stressbedingter Unruhe bewährt. Auch als Mittel zur Förderung der Schlafbereitschaft können (nicht alkoholische) Zubereitungen aus Humulus lupulus kurz vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Sie erzielen gute Wirkung ohne Gewöhnungseffekt und sind auch für schwangere Frauen ab dem dritten Monat geeignet.“

Beim Hopfen fehlen klare Angaben dazu, wie schnell die Wirkung eintritt.

„In der Volksmedizin ist auch das Schlafen auf mit Hopfen befüllten Kissen als Einschlafhilfe empfohlen. Die phytoöstrogene Wirkung von Hopfenblüten wird diskutiert, aber das ist wiedereinmal eine andere Geschichte … Ein Bierchen in Ehren – sollt jedenfalls niemand verwehren!“

Das Hopfenkissen ist eine interessante Hopfen-Anwendung und eine Alternative zum Lavendelkissen.

Zum Thema Phytoöstrogene und Hopfen siehe auch:

Hopfen & Phytoöstrogene

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=108767&dspaid=929379

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Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

Freitag, November 4th, 2011

Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.

Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.

Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.

Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.

Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.

So ist beispielsweise die Wechselwirkung  zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva  sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.

Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“

(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).

Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.

(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)

Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.

Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.

Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.

Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.

So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.

Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.

Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.

Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.

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Phytotherapie: Schlafstörungen bei Kindern

Freitag, Oktober 21st, 2011

In der Zeitschrift „Kinderärztliche Praxis“ (5 / 2008) erschien ein Artikel über „Phytopharmaka bei Kindern – Indikationen, Möglichkeiten, Grenzen“ von Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock).

Hier ein Zitat zum Thema „Schlafstörungen bei Kindern“:.

„Bei Kindern sind Schlafstörungen, psychosomatische Störungen, Angstzustände und insbesondere Depressionen häufiger, als allgemein angenommen wird. Im Bereich der Phytotherapie existieren verschiedene therapeutische Optionen.

Bei Einschlafstörungen eignen sich Zubereitungen aus Baldrianwurzel, Melissenblätter, Lavendelblüten und Hopfenzapfen. Baldrianwurzel wird häufig mit Melissenblättern oder Hopfenzapfen kombiniert. Melissenblätter haben sedierende und karminative Eigenschaften, ihr Einsatz ist bei Einschlafstörungen, die durch nervöse Herz- und Magen-Darmbeschwerden hervorgerufen werden, besonders sinnvoll. Lavendelblüten wirken schwach beruhigend und sind bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen geeignet, zudem bei nervösen Magen-Darmbeschwerden. Für Unruhe- und Angstzustände sowie Schlafstörungen sind Zubereitungen aus Hopfenzapfen empfehlenswert. Beliebt ist auch das traditionelle Hopfenkissen.“

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kommentar und Ergänzung:

Auch Orangenblütentee oder Goldmelissentee sind Optionen, die ausprobiert werden können, obwohl es für die Wirkung dieser Heilpflanzen keine Belege gibt.

Siehe auch:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Goldmelisse – Zitronenmelisse: Unterschiede?

Ausserdem:

Schlafstörungen – nichtmedikamentöse Massnahmen nutzen

Viele Kinder im Einschulungsalter leiden an Schlafstörungen

Hopfen und Baldrian sind für Kinder aus geschmacklichen Gründen in Form von Kräutertee eher ungünstig.

Lavendel eignet sich gut in Form von Lavendelöl (im Raum verdunsten lassen, Lavendelbad, Lavendeleinreibung verdünnt mit fettem Öl) oder als Lavendelkissen.

Melisse ( = Zitronenmelisse) als Tee am besten mit frischen Melissenblättern aus dem Garten zubereiten oder als Melissenöl (teuer!) anwenden.

Eine weitere Option ist Passionsblumenkraut.

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Baldrian, Hopfen und Johanniskraut sind keine Dauerlösung

Mittwoch, Oktober 12th, 2011

So betitelt das Yahoo-Newsportal einen Bericht über pflanzliche Beruhigungsmittel. Nachfolgend ein paar Zitate daraus mit dazwischengeschalteten Kommentaren von mir:

„Bei Aufregung oder Anspannung greifen viele Menschen zu pflanzlichen Beruhigungsmitteln, die es freiverkäuflich in jeder Apotheke oder Drogerie gibt. ‚Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, allerdings sollten diese Präparate nicht zur Dauerlösung werden’, sagt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP).“

Einverstanden, ich finde auch, dass pflanzliche Beruhigungsmittel keine Dauerlösung sind.

„Ob Hopfen, Melisse, Johanniskraut oder Baldrian: Vielen Pflanzen wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Manche erzielen nur einen Placebo-Effekt, manche wirken tatsächlich”, sagt die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie aus Andernach. Die freiverkäuflichen Produkte seien in der Regel so niedrig dosiert, dass keine Probleme zu erwarten seien.“

Stimmt, es gibt grosse Unterschiede, was die Wirksamkeit von Heilpflanzen-Präparaten angeht.

„Problematisch könne die Einnahme jedoch werden, wenn die Pflanzenwirkstoffe dauerhaft geschluckt werden. ‚Auch Naturprodukte können dann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.’“

Einverstanden, auch Naturprodukte können zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

„So sei zum Beispiel von Johanniskraut bekannt, dass es zu Leberschäden und einer gefährlichen Lichtempfindlichkeit führen kann. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten unbedingt ernst genommen werden: “Wer bereits regelmäßig Tabletten nimmt, sollte die zusätzliche Einnahme von pflanzlichen Präparaten unbedingt mit seinem Arzt absprechen”, rät die Medizinerin. Generell sei es ratsam, pflanzliche Beruhigungsmittel ohne Rücksprache mit einem Arzt nicht länger als drei Wochen einzunehmen.“

Sobald es ins Detail geht, werden die Aussagen in diesem Artikel fragwürdig.

Die Phytotherapie-Fachliteratur und auch die von den Arzneimittelbehörden bewilligten Beipackzettel erwähnen für Johanniskraut keine Leberschäden. Solange diese Aussage also nicht begründet und dokumentiert wird, gehe ich von einer falschen Unterstellung aus. Vielleicht entstand diese fragwürdige Aussage, weil Johanniskraut tatsächlich auf die Leber einwirkt. Es beeinflusst ein fremdstoffabbauendes Leberenzym, wodurch gewisse Medikamente schneller abgebaut werden. Das ist die Ursache für viel diskutierte Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten. Das ist aber etwas anderes als Leberschäden.

Und von einer „gefährlichen Lichtempfindlichkeit“ durch Johanniskraut zu sprechen, ist ziemlich dramatisiert. Beobachtet wurde diese erhöhte Lichtempfindlichkeit bei Weidetieren, die Johanniskraut in grossen Mengen frassen.

Ich zitiere aus dem “Leitfaden Phytotherapie“:

„Bisher wurde die aus der Tiermedizin beim Abweiden von grossen Mengen Johanniskraut bekannte Photosensibilisierung beim Menschen nach der Einnahme von Johanniskrautpräparaten sehr selten beobachtet, da die hier zur Anwendung kommende Menge an Gesamthypericin vermutlich zu gering ist. Weder in mehreren Anwendungsbeobachtungen mit hochdosierten Johanniskrauttrockenextrakten (meist 900mg Extrakt als Tagesdosis) noch in zwei gezielt auf eine Photosensibilisierung ausgerichtete Studien mit STW3-Extrakt (Laif® 600) und STW3-VI-Extrakt (Laif® 900) konnte eine signifikant erhöhte Lichtempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht bzw. UVA-Licht beobachtet werden. Die Studiengruppe kam zu dem Ergebnis, dass hypericinhaltige Johanniskrautpräparate in der üblichen Dosierung uneingeschränkt zu jeder Jahreszeit eingenommen werden können…Dennoch als mögliche Vorsichtsmassnahme eine intensive UV-Bestrahlung während der Behandlung vermeiden.“

Johanniskraut wird gegen leichte und mittlere Depressionen angewendet und auf depressive Menschen hat Licht einen günstigen Einfluss. Daher ist es unsinnig, die Gefahr der Photosensibilisierung durch Johanniskraut zu dramatisieren und dadurch Depressive möglicherweise vom Aufenthalt im Freien und an der Sonne abzuhalten.

Den Hinweis, dass bei der Anwendung von Johanniskraut allfällige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden müssen, unterschreibe ich aber wieder gerne.

Fazit 1: Dass Beruhigungsmittel aus Heilpflanzen wie Hopfen, Melisse und Baldrian sowie das Antidepressivum Johanniskraut keine Dauerlösung sind, scheint mir offensichtlich. Es sind zwar bei diesen Heilpflanzen-Präparaten keine Schäden oder konkrete Risiken durch Langzeitanwendung bekannt, doch geht es hier auch um eine Grundhaltung. Es ist einfach nicht sinnvoll, sich auf einen medikamentengestützten Lebensstil einzustellen, wenn das nicht aus medizinischen Gründen unumgänglich ist.

Fazit 2: Nicht gerade selten trifft man in Naturheilkunde & Komplementärmedizin eine ziemlich naive, idealisierte Vorstellung der Natur, in der die Heilpflanzen uns nur wunderbarerweise gesund machen und niemals irgendjemandem schaden können. Das ist Unsinn und der Beitrag auf Yahoo-News weißt zurecht darauf hin, dass auch Heilpflanzen unerwünschtem Nebenwirkungen haben können.

Aus anderen Kreisen kommt aber manchmal eine Dramatisierung solcher Nebenwirkungen, die genau so wenig der Realität entspricht – wie eben beispielsweise die „Leberschäden“ und die „gefährliche Lichtempfindlichkeit“ im kommentierten Yahoo-Text. Schön wäre es, wenn Ärztinnen und Ärzte sich via Phytotherapie-Fachliteratur oder Beipackzettel über den Stand des Wissens informieren würden, bevor sie vor unerwünschten Nebenwirkungen von Heilpflanzen-Präparaten warnen.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/baldrian-hopfen-und-johanniskraut-sind-keine-dauerlösung-065447567.html

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Hopfen & Phytoöstrogene

Freitag, Oktober 7th, 2011

Im „Phyto-Forum“ der „Aerztezeitung“ wurde folgende Frage gestellt:

„Dürfen Patientinnen mit estrogenabhängigen Tumoren (zum Beispiel Brustkrebs) hopfenhaltige Arzneimittel gegen ihre Schlafprobleme einnehmen?“

Die Antwort kam von Professor Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde, Universität Rostock:

„Das sehr kritische ‚Committee on Herbal Medicinal Products’ (HMPC) der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) hat in seiner Monografie zu Hopfenzapfen keine Einschränkung der Anwendung bei Patienten mit estrogenabhängigen Tumoren formuliert.“

Ein Kilogramm Hopfenzapfen enthalte zwischen 25 und 60 mg des Phytoestrogens 8-Prenylnaringenin (8-PN), schreibt Karin Kraft, und fährt fort:

„Dieses Phytoöstrogen bindet an die Estrogenrezeptoren des Rattenuterus. Die empfohlene Tagesdosis für Erwachsene beträgt für Hopfenzapfen 2 g. Es werden damit bis zu 120 µg 8-PN pro Tag zugeführt. Bei ovarektomierten Mäusen mussten jedoch 100 µg 8-PN /ml Trinkwasser zugeführt werden, um eine Stimulation des vaginalen Epithels zu erreichen.“

Über diese tierexperimentellen Daten hinaus weißt Karin Kraft auch auf Erkenntnisse aus Studien mit Frauen hin:

„In einer klinischen Studie nahmen zudem gesunde Frauen über fünf Tage vor einer Mammareduktionsplastik mit einem Hopfenextrakt täglich 0,3 mg 8-PN ein. Am Tag der Operation waren die in Blut und Brustgewebe gemessenen 8-PN-Konzentrationen äußerst gering. Damit ist belegt, dass die phytoestrogene Wirkung von Hopfen zu vernachlässigen ist, wenn die üblichen Tagesdosierungen nicht überschritten werden.“

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/schlafstoerungen/article/667163/phytoestrogene-wirkung-hopfen-vernachlaessigen.html?sh=387&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Phytoöstrogene im Hopfen – das ist schon seit langem ein Thema in der Pflanzenheilkunde und es ranken sich darum eine ganze Reihe von fragwürdigen Geschichten – zum Beispiel jene vom Biertrinker, dem infolge der Phytoöstrogene im Hopfen Brüste wachsen.

Das sind aber bisher nur spekulative Anekdoten. 8-PN ist zwar das stärkste Phytoöstrogen im Hopfen, doch kommt es dort nur in Spuren vor und es gibt auch keine Hinweise, dass relevante Mengen dieser Substanz ins Bier übergehen.

Es spricht sehr viel dafür, dass die Phytoöstrogene im Hopfen keine unerwünschten Wirkungen auslösen, dass man von ihnen aber auch keine relevante therapeutische Wirkung erwarten kann. Beispielsweise gibt es keinerlei fundierte Hinweise dafür, dass Hopfen als Hormonersatz gegen Wallungen in den Wechseljahren wirksam ist.

Besser dokumentiert ist die Wirkung von Hopfen als leichtes Beruhigungsmittel bei Einschlafstörungen. Allerdings kommt er hier in der Regel in Kombination mit Baldrian zur Anwendung. Und weil vor allem diese Baldrian-Hopfen-Kombinationen mit Patientenstudien untersucht werden bleibt meistens offen, welchen Anteil der Hopfen an der Wirkung des Produktes hat.

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Heilpflanzen-Präparat aus Baldrian und Hopfen löst Einschlaf-Probleme

Donnerstag, Juli 28th, 2011

Bei Einschlafstörungen kann ein Baldrian-Hopfen-Extrakt die Einschlafzeit verkürzen und nervös bedingte Schlafstörungen beheben.

Eine Studie hat gezeigt, dass innerhalb einer vierwöchigen Behandlung mit einem Spezialextrakt aus Baldrianwurzel und Hopfenzapfen die Einschlafzeit im Median um bis zu 45 Minuten verkürzt werden kann. An der randomisierten kontrollierten Doppelblindstudie nehmen Erwachsene mit einer durchschnittlichen Einschlafzeit von über 30 Minuten teil. Sie wurden mit dem pflanzlichen Kombinationspräparat aus methanolischen Auszügen von Baldrianwurzel und Hopfenzapfen, mit Baldrian-Mono-Extrakt oder mit Placebo behandelt. Sobald die Einschlafdauer 30 Minuten übersteigt, spricht man von einer Einschlafstörung.

Innerhalb eines Monats reduzierte sich die Einschlafzeit mit Baldrian-Monotherapie um 22 Minuten (von 46 auf 24 Minuten, Median) und mit der Baldrian-Hopfen-Kombination um 45 Minuten (von 57 auf 12 Minuten). Verglichen mit Placebo (Verlängerung der Einschlafzeit von 64 auf 70 Minuten) war die Einschlafzeit mit der Kombi-Therapie signifikant vermindert.

Das Kombipräparat aus Baldrian und Hopfen ist sehr gut verträglich, Nebenwirkungen, Hangover oder Abhängigkeit seien nicht bekannt. Da das Mittel schonend in die Schlafregulation eingreife, stelle sich die Wirkung nach und nach ein, schreibt der Hersteller. Erste spürbare Verbesserungen treten schon in den ersten Tagen der Anwendung ein; die volle Wirksamkeit entfalte sich nach ein bis zwei Wochen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/default.aspx?sid=662423&ticket=ST-1048-IVFSxZg4PaGjcADk4UwUBnkd35faiAOf0ay-20

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17486686

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie ist nicht neu. Sie wurde 2007 publiziert. Dass immer wieder die gleichen Studien zu Werbezwecken verbreitet werden, ist nicht gerade selten.  Dabei entsteht allerdings gerne fälschlicherweise der Eindruck, dass es sich um eine neue Erkenntnis handelt.

Die Wirkung von Baldrianextrakt ist inzwischen recht gut mit Studien belebt. Zum Hopfenextrakt für sich allein genommen gibt es viel weniger Untersuchungen.

So müssen Hersteller von Baldrian-Hopfen-Präparaten plausibel machen können, dass der Zusatz von Hopfenextrakt zum Baldrianextrakt die Wirksamkeit günstig beeinflusst. Das scheint mit dieser Studie gelungen.

Interessant ist der Hinweis, dass die volle Wirksamkeit sich erst nach ein bis zwei Wochen zeigte. Das stimmt überein mit mehreren anderen Studien mit Baldrian-Präparaten. Die oft zur Anwendung kommende einmalige Gabe, wenn man gerade mal nicht einschlafen kann,  nutzt deshalb das Potential solcher Präparate nicht aus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Baldrian nützlich für Schmetterlinge

Dienstag, Juli 12th, 2011

Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine der ältesten Arzneipflanzen und dazu noch ein Magnet für Schmetterlinge. Die Heilpflanze  bereichert den Garten und die Hausapotheke gleichermaßen. Jetzt ist die Blütezeit des Baldrians.

Baldrian ist im Garten absolut unkompliziert, erklärt der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) in Berlin. Die mehrjährige Staude gedeiht auch an halbschattigen Orten und braucht kaum Pflege.

Wer die bekannte nervenberuhigende Wirkung von Baldrian nutzen will, muss sich über die Wurzel hermachen. Der einschläfernde Wirkstoff entsteht aber erst beim Trocknen – und dabei macht sich auch ein unangenehmer Geruch breit. Die hübschen weißen Baldrian-Blüten duften dagegen sehr viel angenehmer. Das schätzen offenbar auch verschiedene Schmetterlinge.

Der BDG empfiehlt Baldrian deshalb allen, die mehr von den hübschen und nützlichen Insekten in den Garten locken wollen. Mit etwas Glück hat man dann auch den seltenen Baldrian-Scheckenfalter im Garten zu Gast. Seine Raupen ernähren sich ausschließlich von dem beruhigenden Kraut – sie nagen an den Blättern, die nützlichen Wurzeln meiden sie jedoch.

Quelle:

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12118962/7250011/Ein-Magnet-fuer-Schmetterlinge-Der-Baldrian.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass Baldrian bei Schlafstörungen, Unruhe und Nervosität hilft, ist ziemlich vielen Menschen bekannt.

Fragt man aber genau nach, wo denn der Baldrian wächst, bekommt man eher selten eine richtige Antwort.

Dabei wächst die Heilpflanze gar nicht so selten am Rand von Dörfern oder Städten, am Waldrand, gerne an Bächen oder anderen feuchten Stellen.

Fotos von Baldrian in meiner Bildergalerie von Lenk und Flims / Trin

Der erwähnte Baldrian-Scheckenfalter frisst auch an anderen Baldrianarten.

Nur Valeriana officinalis frisst offenbar die Raupe des Baldrian-Blütenspanners (ein Nachtfalter).

Daneben ist der Baldrian eine wichtige Nektarpflanze für den Pflaumen-Zipfelfalter, den Nierenfleck-Zipfelfalter, den Spätsommer-Zipfelfalter und das Ungeringte Kronwicken-Widderchen. Von den Tagfaltern zeigen sich auf Baldrian gerne der Kleine Fuchs, das Grosse Ochenauge, und der Braune Waldvogel.

Vor allem an warmen Tagen, wenn der Baldrian seinen Duft voll entfalten kann, zeigt sich auf seinen Blütenständen fast alles, was Flügel hat. Am Pollenangebot bedient sich die Honigbiene sowie zwei Arten von Sandbienen und drei Arten von Furchenbienen.

Nektar saugend wurden viele Schwebefliegen beobachtet und auch zwei Tanzfliegenarten.

Zur Anwendung von Baldrian als Heilpflanze:

Die Anwendung als Baldriantee ist eher unüblich, weil er vom Geruch und Geschmack her eher gewöhnungsbedürftig ist.

Dagegen wird Baldriantinktur oft eingesetzt. Die Tinktur aus getrockneter Baldrianwurzel dürfte dabei mehr Wirkstoffe enthalten als die Frischpflanzentinktur.

Auf ausreichende Dosierung achten: ½ bis 1 Teelöffel 1 bis mehrmals täglich.

Die heute oft empfohlenen 3 – 4 Tropfen Pflanzentinktur pro Einzelgabe sind in den allermeisten Fällen unsinnig tief.

Baldrian-Extrakte eignen sich auch zur Verarbeitung in Dragee-Form und sind dann geruchlich und geschmacklich einigermassen neutral. Wissenschaftliche Studien mit Belegen für die Wirksamkeit gibt es nur von Baldrian-Extrakten, nicht aber von Baldriantee und Baldriantinktur.

Die verschiedenen Baldrianarten können Sie auf meinen Heilkräuterexkursionen kennen lernen – und viele Schmetterlinge an den Natur-Seminaren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturheilkunde-Tipps gegen Schlafstörungen

Samstag, Mai 7th, 2011

Besser schlafen, das klappt auch mit Heilpflanzen-Präparaten. Wie man den Schlummer mit Baldrian, Hopfen und Co. am besten fördert, war auf der Practica zu hören. Zwei Tipps im voraus:

Baldrian früh genug nehmen und nicht zu heiß im Lavendel baden!

Medikamente, auch pflanzliche, sind bei Schlafstörungen immer zweite Wahl. Das sagte der in Bad Camberg niedergelassene Allgemeinarzt Professor Dr. Peter W. Gündling
auf einem vom Unternehmen Schwabe unterstützten Seminar. Zunächst gehe es darum, das Leben schlummerfreundlich zu gestalten. Dazu gehört: Weg mit Mittagsschlaf und Lesen im Bett. Frühzeitig eine leichte und proteinreiche Abendmahlzeit einnehmen und keinesfalls noch zu später Stunde Obst konsumieren, weil das den Darm belastet. Bewährt haben sich auch Rituale wie ein kleiner Abendspaziergang, ein Schlummertee oder kalte Abwaschungen.

Hopfenkissen für unruhige Kinder

Von den schlaffördernden Heilpflanzen ist Baldrian am bekanntesten. Baldrian lässt die Patienten vor allem ruhiger werden. Sie schlummern rascher ein, erwachen nachts seltener und die Schlafqualität bessert sich. Im Gegensatz zu manchen synthetischen Schlafmitteln ist kein „Hangover“ am nächsten Morgen zu befürchten. Soll Baldrian den Schlaf fördern, braucht man hohe Dosen (500–600 mg Trockenextrakt). Schon ein bis anderthalb Stunden vor dem Zubettgehen ist das Baldrian-Präparat einzunehmen, wegen des bitteren Geschmacks in fester Form, nicht als Baldriantee. Etwa jeder zweite Patient spricht auf Baldrian an, ergänzte der niedergelassene Bonner Allgemeinarzt Dr. Detmar Jobst. Gegen Unruhe und Prüfungsangst reicht eine niedrigere Dosis. Sehr wichtig dabei: vorher die Wirkung ausprobieren.

Biertrinker wissen, dass auch der Hopfen eine leicht schlaffördernde Wirkung hat. Als Heilpflanze wird Hopfen gern mit Baldrian, Melisse oder Passionsblume kombiniert und eignet sich auch tagsüber zur Linderung von Unruhe und Angst. Bei Kindern habe sich ein Schlafkissen mit Hopfenfüllung bewährt, erklärte Prof. Gündling.

Lavendelblüten fördern ebenfalls die Nachtruhe, beispielsweise als Auszug in einem aromatischen Abendbad. Allerdings sollte man die Wassertemperatur nicht zu heiß wählen und die Badedauer auf höchstens 20 Minuten begrenzen. Wer sich den Badezusatz selbst zubereiten möchte, brüht 100 g Lavendelblüten mit 2 l Wasser auf.

Als wohlschmeckende Alternative zum Lavendelbad empfiehlt Prof. Gündling einen Schlaftee mit Lavendelblüten und Melisse. Bei unruhigen Kindern kann man das Zimmer mit einigen Tropfen Lavendelöl beduften – kalt auf ein Schälchen geträufelt, in einer Duftlampe würde das ätherische Öl verbrennen. Zur Behandlung leichter Angst- und Unruhezustände bei Erwachsenen eignet sich ein Heilpflanzen-Präparat auf Lavendelöl-Basis (gewonnen aus Lavendula angustifolia). Es soll den Kalziumeinstrom in die Nervenzelle wieder ins Lot bringen.

Auch bei der Melisse kommt die Hauptwirkung vom ätherischen Öl. Neben der beruhigenden Wirkung fördert sie auch die Verdauung, beispielsweise bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Ausserdem lässt sich ihr virustatischer Effekt gegen Herpes nutzen. Gegen Zahnfleischentzündungen und Aphten hilft übrigens, frische Melissenblätter oder noch besser Salbeiblätter zu kauen.

Quelle:

MTD, Ausgabe 6 / 2011 S.23,

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/27109/

Kommentar & Ergänzung:

- Insgesamt ein guter Bericht über Möglichkeiten der Schlafförderung mit Heilpflanzen.

- Bei Baldrian würde ich noch anfügen, dass einiges dafür spricht, ihn über längere Zeit regelmässig einzunehmen (mindestens 14 Tage) damit er seine Wirkung optimal entfalten kann.

- Ob beim Bier wirklich der Hopfen für die schlaffördernde Wirkung verantwortlich ist, scheint mir nicht so klar.

- Ein Lavendelbad lässt sich am einfachsten mit ätherischem Lavendelöl zubereiten: 8 – 10 Tropfen Lavendelöl mit etwas Kaffeerahm (Kaffeesahne) gemischt ins Badewasser geben.

- Den  virustatischen Effekt der Melisse gegen Herpes simplex (Fieberbläschen) nutz man als Melissensalbe – dann wirkt der Lamiaceen-Gerbstoff antiviral – oder als Melissenöl.

- Das erwähnte Lavendelölpräparat zur Behandlung von leichten Angst- und Unruhezuständen wird in Kapselform eingenommen (Lasea) und vom Sponsor der Veranstaltung hergestellt (Wilmar Schwabe)

- Zu Lasea siehe auch:

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Angstlöser

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea

Bfarm wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelölpräparats Lasea

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