Artikel mit Schlagwort ‘Baldrian’
Samstag, Mai 12th, 2012
Unter dem Titel „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“ publizierte das Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) einen Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck.
Darin findet sich eine interessante Übersicht von Heilpflanzen, die in den Bereichen Depression, Angst und Schlafstörungen eingesetzt werden. Hier die Übersicht (Darstellung leicht verändert, Schreibfehler bei den Pflanzennamen korrigiert, Inhalt unverändert):
„Arzneipflanzen, die bei depressiven Störungen, Angst- und Schlafstörungen
eingesetzt werden:
Pflanze / Deutscher Name: Anwendung
Bacopa monnieri / Brahmi: Depression, Angst, Schlaf
Centella asiatica / Indischer Wassernabel: Depression, Angst
Crocus sativus / Safran: Depression, Angst
Echinum amoenum / Borage: Depression, Angst
Ginkgo biloba / Ginkgo: Depression, Angst
Hypericum perforatum / Johanniskraut: Depression, Angst, Schlaf
Lavandula spp / Lavendel: Depression, Angst, Schlaf
Matricaria recutita / Kamille: Angststörungen
Melissa officinalis / Melisse: Depression, Angst, Schlaf
Panax ginseng / Ginseng: Depression, Angst, Schlaf
Papaver somniferum / Mohn: Sedation, Euphorie
Passiflora incarnata / Passionsblume: Angst, Schlaf
Piper methysticum / Kava-Kava: Depression, Angst, Schlaf
Rhodiola rosea/ Rosenwurz: Depression, Angst, Erschöpfung
Scutellaria lateriflora / Helmkraut: Angst, nervöse Erschöpfung, Schlaf
Eschscholzia californica / Kalifornischer Mohn: Angst, Schlaf
Valeriana spp. / Baldrian: Depression, Angst, Schlaf
Vitex agnus-castus / Mönchspfeffer: (menstruelle) Dysphorie, Schlaf
Withania somnifera / Schlafbeere: Angst, Schlaf, nervöse Erschöpfung
fett = basierend auf Humanstudien
(nach Sarris et al. A systematic review of insomnia and complementary
medicine.SleepMedRev 15, 99-106, 2011)“
Quelle: http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf
Kommentar & Ergänzung:
Diese Aufstellung enthält gute Anregungen und Ideen. Die Wirksamkeit der einzelnen Heilpflanzen bei den aufgeführten Indikationen ist aber sehr unterschiedlich gut belegt. Für die Wirksamkeit von Johanniskraut-Extrakten bei leichten und mittleren Depressionen gibt es beispielsweise gute klinische Studien, bei Mönchspfeffer gegen Schlafstörungen oder bei Kamille gegen Angststörungen ist das nicht der Fall.
Beim Thema Schlaf fehlt mir in dieser Aufstellung der Hopfen, welcher vor allem als Hopfenextrakt zusammen mit Baldrianextrakt angewendet wird. Für solche Kombinationspräparate gibt es ebenfalls guten klinische Studien.
Beliebt als Abendtee bzw. Schlaftee sind zudem Orangenblüten und Goldmelissenblüten, obwohl für beide keine Belege für die Wirksamkeit vorliegen.
Von Kava-Kava gibt es leider zur Zeit keine wirksamen Präparate im Handel. Kava-Extrakte zeigen in klinischen Studien Wirksamkeit bei generalisierten Angststörungen. Die entsprechenden Fertigpräparate wurden vor einigen Jahren wegen Verdachtsmeldungen auf Leberschäden aus dem Handel genommen (wobei ein ursächlicher Zusammenhang mit der Kava-Einnahme nur mangelhaft geklärt ist).
Siehe auch:
Neue Kava-Studie zeigt Wirksamkeit wässriger Extrakte
Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände
Anstelle der vom Markt genommen wirksamen Kava-Extrakte werden nun Similasan Kava-Kava Tabletten oder spagyrische Kava-Tinktur verkauft, die beide bei der Heilmittelbehörde als Homöopathika angemeldet sind, deshalb keinen Wirksamkeitsbeleg vorlegen müssen und die Wirksamkeit entsprechend auch nicht belegt haben. Die Präparate haben nichts mit den ursprünglichen Kava-Extrakten zu tun, beanspruchen aber dieselbe Wirkung. Meiner Ansicht nach werden hier die Konsumentinnen und Konsumenten hinters Licht geführt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Samstag, Mai 12th, 2012
Die „Pharmazeutische Zeitung“ publizierte einen informativen Beitrag zur Behandlung von Schlafstörungen. Dabei wurden auch die wichtigsten Regeln der Schlafhygiene erwähnt:
„Regeln für einen gesunden Schlaf:
- nach dem Mittagessen kein Coffein
- Alkohol weitgehend vermeiden
- keine schweren Mahlzeiten am Abend
- regelmäßige körperliche Aktivität
- körperliche und geistige Anstrengungen abends allmählich verringern
- persönliches Einschlafritual angewöhnen
- kühles, dunkles Schlafzimmer
- Bett nur zum Schlafen oder zum Sex benutzen
- nachts nicht auf die Uhr sehen
- tagsüber nicht schlafen
- jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen“
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41861&type=0
Kommentar & Ergänzung:
Gelegentlich mal eine schlaflose Nacht, das kennt wohl fast jeder Mensch. Das gehört wahrscheinlich einfach zum Leben und braucht nicht weiter zu beunruhigen.
Chronische Schlafstörungen sind aber etwas ganz anderes.
Erstes ist es wichtig, sie medizinisch abzuklären, weil sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht sein können, die adäquater Behandlung bedürfen.
Zweitens ist es bei chronischen Schlafstörungen sinnvoll, das Potenzial nichtmedikamentöser Massnahmen auszuschöpfen. Dazu gehören die oben aufgeführten Regeln der Schlafhygiene.
„Hygiene“ ist hier gemeint im Sinne einer Gesundheitslehre oder Gesundheitspflege – im Sinne einer Lebensordnung (nach Sebastian Kneipp eine der fünf Säulen der Naturheilkunde), also nicht im Sinn von „sauber und keimfrei“. Hygeia oder Hygieia war in der griechischen Mythologie eine Göttin der Gesundheit. Die Tochter des Asklepios (Gott der Heilkunst) gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene leitet sich von ihr ab.
Drittens gibt es medikamentöse Schlafhilfen.
Synthetische Schlafmittel wirken für den Moment oft prompt und können vorübergehend eine adäquate Lösung sein.
Alle synthetischen Substanzen sind aber mit mehr oder weniger gravierenden Nebenwirkungen und Risiken behaftet: Bei zu kurzer Halbwertszeit wacht der Patient mitten in der Nacht wieder auf. Bei langer Halbwertszeit droht am nächsten Tag ein Hangover, der bei älteren Patienten durch eine verzögerte Ausscheidung noch verstärkt sein kann und sie im Alltag mitunter gefährdet (z. B. durch erhöhte Sturzgefahr). Dieser Aspekt, der vor allem Benzodiazepine betrifft, wird in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Zudem kommt es nach einiger Zeit zu einer Toleranzentwicklung gegenüber diesen Stoffen, denn der Körper vermindert entweder die Zahl der Rezeptoren, an die der Arzneistoff bindet oder er verstoffwechselt die Stoffe durch Enzyminduktion schneller.
Phytopharmaka – also Heilpflanzen-Anwendungen – sind vor allem deshalb eine prüfenswerte Option, weil die beschriebenen Risiken der synthetischen Schlafmittel bei ihnen wegfallen (z. B. keine Toleranzentwicklung, kein Abhängigkeitspotential, keine erhöhte Sturzgefahr). Allerdings wirken sie nicht in jedem Fall verlässlich genug.
Zu den bekanntesten Heilpflanzen, die bei Schlafproblemen in der Phytotherapie zur Anwendung kommen, gehören Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Passiflora), Melisse (= Zitronenmelisse) und Lavendel.
Die beruhigende und schlafanstossende Wirkung dieser Heilpflanzen ist auch wissenschaftlich untersucht und dokumentiert.
Beliebt als Schlaftee sind aber auch Orangenblüten bzw. Orangenblütentee und die Goldmelisse (Goldmelissentee oder Goldmelissensirup, vor allem für Kinder). Bei Orangenblüten und Goldmelissenblüten fehlt die wissenschaftliche Dokumentation bezüglich Wirksamkeit. Da sie als Abendtee jedoch angenehm zu trinken und bestens verträglich sind, spricht gar nichts gegen eine Versuch mit ihnen.
Sehr ungeklärt ist die Wirksamkeit der Hafertinktur, die manchmal gegen Schlafstörungen empfohlen wird.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
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Mittwoch, April 25th, 2012
Anlässlich einer Pressekonferenz des Komitees Forschung Naturmedizin wurde unter anderem ein Statement veröffentlicht zum Thema „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“.
Der Autor Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck kommt darin auch auf Baldrian zu sprechen:
„Mit Baldrian Monopräparaten gibt es zu der Indikation „Schlafstörungen“
zahlreiche klinische Studien. So ist in mehr als 16 klinischen Studien, an
denen fast 1100 Patienten mit Schlafstörungen teilgenommen haben, die
Wirksamkeit von Baldrian-Präparaten geprüft worden. In sechs der größeren
Studien wurde dabei eine statistisch signifikante Verbesserung des Schlafes
im Vergleich zu Placebo dokumentiert. Die Verträglichkeit erwies sich als gut.
In einer Doppelblindstudie mit 202 Patienten, die an nicht-organischen Schlaf-
störungen litten, konnte eine vergleichbare Verbesserung unter einem
Baldrian-Präparat dokumentiert werden wie unter Oxazepam.“Zur Verträglichkeit der Baldrian-Präparate schreibt Keck:
„Baldrian-Präparate zeichnen sich durch eine sehr gute Verträglichkeit aus:
Für Baldrian-Monopräparate sind allenfalls seltene Magen-/Darmbeschwerden
und sehr selten allergische Hautreaktionen bekannt. Auch für Baldrianwurzel-
/Hopfenzapfen-Extrakte sind nur sehr selten (allergische) Hautreaktionen
beschrieben worden.“
Und wie stehen Baldrianpräparate im Vergleich zu synthetischen Schlafmitteln / Beruhigungsmitteln da?
Der Vergleich der Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofile zwischen
chemisch-synthetischen Sedativa beziehungsweise Beruhigungsmitteln und
pflanzlichen Arzneimitteln zeige, dass bestimmte Baldrian-Präparate eine gute
evidenzbasierte und von den Patienten akzeptierte Alternative darstellen, schreibt Professor Keck.
Quelle:
http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf
Kommentar & Ergänzung:
Baldrian ist die am besten erforschte Heilpflanze im Bereich der Behandlung von Schlafstörungen. Relevante Studien gibt es allerdings nur für Baldrianextrakt-Präparate, nicht für Baldriantee und Baldriantinktur.
Baldrian kann Oxazepam (z. B. Seresta, Anxiolit) bei weitem nicht in allen Situationen ersetzten. Falls es aber Situationen gibt, in denen Baldrian und Oxazepam vergleichbar wirken – wie in der erwähnten Doppelblindstudie - dann ist Baldrian eindeutig vorzuziehen, weil Oxazepam Risiken mit sich bringt, die dem Baldrian fehlen (z. B. Abhängigkeit, möglicherweise erhöhte Sturzgefahr bei Senioren)
Neben Baldrian werden in der Phytotherapie einige weitere Heilpflanzen bei Schlafproblemen angewendet:
- Lavendel (Lavendelöl, Lavendelbad)
- Melisse (Melissentee, Melissenöl, Melissenbad)
- Hopfen (Hopfentee, Hopfenextrakt)
- Passionsblumenkraut (Passionsblumenextrakt)
Interessant sind zudem die Orangenblüten, die als Orangenblütentee zum Beispiel in der Krankenpflege beliebt sind.
Vor allem Kinder schätzen als Schlaftrunk auch den Goldmelissentee.
Zur Wirkung von Orangenblütentee und Goldmelissentee gibt es keine fundierten Erkenntnisse. Das spricht aber nicht dagegen, Orangenblütentee oder Goldmelissentee als Einschlafhilfe zu verwenden, wenn jemand gute Erfahrungen damit macht.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Donnerstag, April 19th, 2012
Die Berlinerzeitung empfiehlt Feldsalat (in der Schweiz: Nüsslisalat) gegen Stress.
Quelle:
http://www.bz-berlin.de/ratgeber/ernaehrung/salate-oder-kraeuter-die-vitalstoffbomben-article1417232.html
Das ist zweifellos richtig. Wenn man Nüsslisalat langsam und bewusst verzehrt und gut kaut, kann das durchaus zur Entspannung beitragen……
Die „Berliner Zeitung“ begründet die Empfehlung von Feldsalat gegen Stress aber mit dem Gehalt an Magnesium. Das wirft eine ganze Reihe von Fragen auf……
Magnesium wird für und gegen alles Mögliche empfohlen – auch aus “Stresskiller”, als “Antistress-Mineral” und als “Powerstoff gegen Stress”.
Eine gute Magnesium-Versorgung soll Stressreaktionen vermindern. Als nötiger Tagesbedarf an Magnesium gelten etwa 300 – 350 mg. Physischer Stress (z. B. Leistungssport) kann den Bedarf erhöhen. Der Magnesiumgehalt von Feldsalat liegt bei 13mg/100g.
Natürlich trägt jedes Blättchen Feldsalat zur Magnesiumversorgung bei. Aber um einen Magnesiummangel auszugleichen oder gar direkt Stresssymptome zu reduzieren, wären wohl Tagesdosen von mehreren Kilogramm Feldsalat nötig.
Zudem fragt sich, weshalb ausgerechnet Feldsalat / Nüsslisalat dank Magnesium gegen Stress wirken soll. Magnesium ist enthalten in allen grünen Gemüsen als Bestandteil des Blattgrüns (Chlorophyll). Brennnessel (80mg/100g), Brokkoli (24mg/100g), Kresse (40mg/100g) und Spinat (58mg/100g) beispielsweise haben einen deutlich höheren Magnesiumgehalt, Kopfsalat (9mg/100g) und Endivien (10mg/1oog) liegen etwas tiefer.
Feldsalat ist durchaus gesund. Er enthält offenbar in relevanten Mengen Provitamin A, Vitamin B und Vitamin C.
Aber warum hängt ihm die „Berliner Zeitung“ noch eine Wirkung gegen Stress an?
Vielleicht haben wir es hier ja mit einem generellen Medienproblem zu tun:
Es „zieht“ heutzutage nur noch das Aussergewöhnliche. Alles Gewöhnliche muss aufgepeppt werden. Eine Schlagzeile wie „Feldsalat ist gesund“ wirkt nicht und ist lahm. „Feldsalat gegen Stress“ fällt dagegen auf. Es müssen laufend Erwartungen geweckt und bedient werden. Je ausgefallener desto besser.
Aussagen brauchen nicht mehr wahr zu sein, sondern funktional, indem sie den Erwartungen der Leserschaft zudienen. Die aber empfindet Gewöhnliches offenbar mehrheitlich als langweilig und braucht diese Aufladung der Begriffe mit Ausgefallenem.
Inhalt hat die Behauptung der Berliner Zeitung „Feldsalat gegen Stress“ keinen. Reiner Bullshit wird uns da serviert.
Feldsalat / Nüsslisalat (Valerianella locusta) gehört übrigens zu den Baldriangewächsen.
Wegen der kurzen Entwicklungszeit und hoher Frostbeständigkeit wird er als wertvoller Wintersalat geschätzt. Einige Varietäten erinnern im Geschmack an Haselnuss, woraus wohl der Name Nüsslisalat entstanden sein dürfte.
Es lebe der Nüsslisalat – ganz ohne Stress.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, April 17th, 2012
Die Aerztezeitung geht in einem Artikel über Behandlungsmöglichkeiten bei Kopfschmerzen und Migräne auch auf Heilpflanzen-Präparate ein:
„Bei Spannungskopfschmerz kann den Patienten dann zum Beispiel empfohlen werden, die Stirn mit Pfefferminzöl einzureiben.
Studiendaten mit einer zehnprozentigen Lösung belegen hier eine eindeutige Wirksamkeit (Z Phytotherapie 2004; 25: 129). Entsprechende Präparate gibt es in der Apotheke, sie können auch auf einem Grünen Rezept verordnet werden. Eine phytotherapeutische Option sind zudem Präparate aus Weidenrinde.
Zur Migräne-Prophylaxe stehen ebenfalls verschreibungsfreie Produkte zur Verfügung. Dazu gehören etwa Pestwurz-Kapseln, die über eine internationale Apotheke aus England bezogen werden können.“
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/kopfschmerzen/article/810225/schnelle-hilfe-haemmern-kopf.html
Kommentar & Ergänzung:
Zum Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen siehe auch:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/05/12/phytotherapie-pfefferminzoel-gegen-spannungskopfschmerzen.html
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/05/04/pfefferminzol-lindert-spannungskopfschmerzen.html
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/10/18/pfefferminzol-bei-spannungskopfschmerz.html
Zur Weidenrinde:
Untersucht bezüglich Wirksamkeit wurde Weidenrindenextrakt, aber vor allem im Bereich von Rheuma-Beschwerden zur Schmerzlinderung. Die Wirksamkeit bei Spannungskopfschmerzen ist dagegen nicht ausreichend dokumentiert, aufgrund der Inhaltsstoffe (Salicin und verschiedene Polyphenole) aber plausibel. Die Wirkung setzt langsamer ein als bei synthetischen Schmerztabletten wie Aspirin, hält aber dafür länger an. Die Wirksamkeit ist in der Regel schwächer verglichen mit Aspirin oder Paracetamol, dafür ist aber die Verträglichkeit sehr gut.
Weidenrindentee und Weidenrindentinktur wurden bezüglich Wirksamkeit zur Schmerzlinderung bisher nicht untersucht. Weidenrindentee dürfte bezüglich der Menge an zuführbaren Wirkstoffen der Weidenrindentinktur überlegen sein.
Siehe:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2012/04/14/weidenrinde-lindert-kopfschmerzen-und-rheumabeschwerden.html
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/07/29/naturheilmittel-weidenrinde-in-der-schmerztherapie.html
Zur Pestwurz:
Die erwähnte Apotheke in England dürfte identisch sein mit derjenigen hier:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/09/13/pestwurz-extrakt-auch-weiterhin-bestellbar.html
In der Schweiz ist Pestwurz nur in Kombinationspräparaten enthalten. Für einen Versuch bei Migräne geeignet wären Zeller Entspannungsdragees (in der kassenzulässigen Form = Relaxane). In Zeller Entpannungsdragees / Relaxane ist Pestwurz-Extrakt kombiniert mit Melissenblätter-Extrakt, Passionsblumenkraut-Extrakt, Baldrian-Extrakt.
Pestwurz nur in solchen Spezialextrakten einnehmen, nicht in Form von Pestwurztee oder Pestwurztinktur. Pestwurz enthält giftige Pyrrolizidinalkaloide, die bei der Herstellung von Zeller Entspannungsdragees / Relaxane entfernt werden.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, März 7th, 2012
Das empfiehlt die „Bild“-Zeitung. Gutgemeinte Idee, aber mit den konkreten Ratschlägen happert es noch ein bisschen:
„Gegen Muskelschmerzen können Sie eine Baldrian- oder Arnika-Tinktur auf verspannte oder gezerrte Muskeln auftragen und sanft einmassieren.“
Quelle: http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/schmerzmittel/gefahr-segen-was-sie-wissen-muessen-23018112.bild.html
Kommentar & Ergänzung:
Arnikatinktur, liebe Bild-Zeitung, darf nie unverdünnt aufgetragen werden, weil sie sonst zu aggressiv auf die Haut wirkt und Entzündungen auslösen kann. Das müsste man der Leserschaft sagen. 1:10 mit Wasser verdünnt wirkt Arnikatinktur aber gegen Blutergüsse, Verstauchungen, Quetschungen. Arnikagel oder Arnikasalbe sind allerdings üblichere Anwendungsformen.
Baldriantinktur wirkt bei ausreichender Dosierung als mildes Beruhigungsmittel, aber nur bei innerlicher Anwendung. Reibt man die Baldriantinktur ein, hat man eventuell einen Effekt durch den verdunstenden Alkohol. Dann könnte man aber jeden Schnaps nehmen oder besser noch Wacholdergeist, der ausserdem durchblutungsförderndes Wacholderöl enthält.
Heikel ist das Einreiben von Baldriantinktur, wenn man eine Katze im Haus hat. Sie wird an der eingeriebenen Stelle die Krallen wetzen und sich auch sonst ziemlich auffällig verhalten. Die Rechung für allfällige Schäden schicken Sie am besten der Bild-Zeitung……
Die schnellste schmerzlindernde Wirkung bei Muskelschmerzen, Prellungen etc. hat Pfefferminzöl (5 – 10 % Pfefferminzöl gemischt mit Mandelöl).
Prellung und Hämatom mit Heilpflanzen Behandlung
Hausmittel gegen Insektenstiche, Prellungen und Juckreiz
Alternativmedizin – was hilft bei Sportverletzungen
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Donnerstag, Dezember 29th, 2011
Die „Süddeutsche“ berichtet gerade, wie die Gorillas im Nürnberger Tiergarten auf die Böllerei in der Silvesternacht vorbereitet werden:
„Bis zu einen Liter Nerventee muss Fritz derzeit täglich schlucken. Und die drei Weibchen, mit denen sich der Gorillachef im Nürnberger Tiergarten sein Gehege teilt, trinken fleißig mit. Von den Tierpflegern bekommen sie ohnehin mehrmals am Tag eine Trinkflasche durch das Gitter gereicht. Vor Silvester wird ihnen auf diese Weise Baldrian und Melisse eingeflößt – auf einen friedlichen Rutsch ins neue Jahr.
Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/i5l38A/391556/Anstossen-mit-Nerventee.html
Kommentar & Ergänzung:
Na dann: Prost und „Gutes Neues Jahr“ den Gorillas in Nürnberg. Fritz trinke den Nerventee relativ gern, sagt übrigens der zuständige Tierarzt. Doppelblind-Studien gibt es für diesen Anwendungsbereich zwar keine (Placebo-Effekte existieren auch bei Tieren!). Aber für einen Nerventee zur Beruhigung sind Baldrian und Melisse zu mindestens keine schlechte Wahl.
Ungeklärt ist, ob die Gorillas nicht doch Champagner vorziehen würden.
Die Böllerei in der Silvesternacht ist für viele Tiere ein Ereignis, das sie in Angst und Panik versetzt. Lärmempfindliche Hunde beispielsweise sollten so gut wie möglich vor solcher Knallerei geschützt werden.
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch
Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen
Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
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Sonntag, Dezember 4th, 2011
„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.
Zur Zitronenmelisse steht dort:
„ Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
Der Duft der Zitronenmelisse entfaltet sich, wenn man die Blätter leicht zerreibt. Am besten werden die jungen Blätter und Triebspitzen vor der Blüte geerntet. Sie schmecken frisch oder getrocknet zu Salaten, Saucen, Obstsalat oder Fisch (nur kurz mitkochen). Sehr erfrischend im Sommer ist angesetzter Melissensirup verdünnt mit Wasser.“
Quelle:
http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story
Kommentar & Ergänzung:
Die Heilwirkung der Zitronenmelisse kommt hier zu kurz.
Hier eine Ergänzung dazu:
Die Melisse (Melissa officinalis, = Zitronenmelisse) gehört zu den Lippenblütlern. Melissenblätter enthalten ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Citral und Citronellal, die für das zitronenartige Aroma verantwortlich sind. Zudem Lamiaceen-Gerbstoffe (Hauptvertreter: Rosmarinsäure) und Flavonoide.
Als medizinisch anerkannt gelten folgende Anwendungsbereiche:
Innerlich bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden sowie bei nervös bedingten Einschlafbeschwerden. Äußerlich gegen Herpesinfektionen (Lippenbläschen durch Herpes simplex). Bei Fieberbläschen wirkt der Melissenextrakt mit dem Lamiaceen-Gerbstoff (in Salbenform angewendet), aber auch das Melissenöl. Echtes Melissenöl ist allerdings sehr teuer.
Gegen Einschlafstörungen wird Melissentee, Melissenöl (inhalativ, als Einreibung) oder Melissenextrakt eingesetzt.
Melissenextrakt wird oft kombiniert mit anderen Pflanzenextrakten, die beruhigende und einschlaffördernde Wirkungen zeigen: Hopfenextrakt, Passionsblumenextrakt, Baldrianextrakt.
Ein traditionelles Melissen-Präparat ist der „Melissengeist“.
Es handelt sich dabei um ein alkoholisches Mischdestillat. Melissenblätter, Orangenschalen, Ingwerwurzel, Nelken, Zimtrinde, Angelikawurzel und andere Heilpflanzen werden gemeinsam in Alkohol angesetzt und dann destilliert. „Karmelitergeist“ (Spiritus Melissae compositus) ist eine Mischung verschiedener ätherischer Öle, unter anderem Melissenöl (häufig ausgetauscht gegen das billigere Citronellöl), in Alkohol gelöst.
Zum „Melissengeist“ siehe auch:
Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Dienstag, November 15th, 2011
Die Pharmaceutical Tribune publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zum Hopfen. Hier ein paar interessante Zitat
Zur Botanik des Hopfens (Humulus lupulus):
„Der wilde Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und ist eine typische zweihäusige Pflanze. Hopfenzapfen sind die Fruchtstände der weiblichen Pflanzen und können Ende August geerntet werden. Die Triebe sind einjährig, die Verbreitung erfolgt über das Rhizom. Man findet wilden Hopfen auf stickstoffreichen und feuchten Böden.“
Wer zum Beispiel mit offenen Augen durch die Rheinschlucht zwischen Valendas und Castrisch (Graubünden) wandert, kann unzählige wunderschöne Hopfenexemplare entdecken.
Zu den Inhaltsstoffen des Hopfens:
„Entscheidend für die Wirkung sind die Inhaltstoffe der Drüsenschuppen an der Innenseite der Deckblätter des Hopfenzapfens. Hauptkomponenten des petroletherlöslichen Weichharzes sind die Bitterstoffe Humulon und Lupulon. Bei längerer Lagerung kommt es zum Umbau dieser labilen Stoffe zu Alkoholen wie dem 2-Methylbutenol, das für die sedierende Wirkung verantwortlich ist. In weiterer Folge bilden sich unlösliche so genannte Hartharze. Weiters finden sich in Lupuli strobulus ätherisches Öl (bis zu 1 %) mit den Bestandteilen Myrcen, Humulen, Farnesen und β-Caryophyllen sowie Flavonoide, die bemessen als Rutinosid mit einem Mindestgehalt von 0,25 % zur Standardisierung für die Qualität der Droge herangezogen werden. Die entsprechende Monographie für Lupuli flos ist im Europäischen Arzneibuch enthalten.“
Die Bitterstoffe im Hopfen dominieren den Geschmack des Hopfentees total. Daher sind Hopfentee und auch Hopfentinktur keine attraktiven Zubereitungsformen.
„In der volksmedizinischen Behandlung wird Hopfenextrakt auch zur Spülung infizierter Wunden empfohlen. Wässriger Hopfenextrakt wirkt nachgewiesen bakteriostatisch und hat auch bedingte Wirkung gegen Protozoen.“
In der Wundbehandlung spielt Hopfen heute keine Rolle mehr. Ringelblume, Hamamelis, Kamille, Aloe vera stehen stehen in diesem Bereich der Phytotherapie im Vordergrund. Aus der traditionellen Pflanzenheilkunde kommen dazu noch Sanikel (Sanicula europaea) und Chäslichrut (Malva silvestris oder Malva neglecta). Die bakteriostatische Wirkung des Hopfens dürfte im Bier eine Rolle spielen.
Protozoen sind tierische Einzeller. Durch Protozoen ausgelöst werden beispielsweise Malaria, Amöbenruhr, Trichomoniasis, Toxoplasmose, Schlafkrankheit, Chagas-Krankheit.
Hopfen hat keine Bedeutung in der Behandlung von Protozoen-Erkrankungen.
„Der sedative Effekt ist dennoch Haupteinsatzgebiet von Humulus lupulus. Aktuelle Studien verzeichnen sogar Erfolge beim Einsatz von Hopfenextrakt in der Behandlung autistischer Personen zur Entspannung und Steigerung der Wahrnehmung.“
Das Thema Hopfen & Autismus tönt interessant, ich habe dazu allerdings noch nirgends greifbare Unterlagen gesehen. Als Quellenangabe für diese Aussagen ist erwähnt:
J Nat Prod 2009: 1220–1230
„Zur therapeutischen Anwendung im herkömmlichen Sinn kommt Humulus lupulus als Sedativum und bei Unruhezuständen in Form von beruhigenden Teezubereitungen in Kombination mit Orangenblüten, Johanniskraut oder Lavendelblüten. Auf Grund einfacher Handhabung werden bevorzugt die im Handel befindlichen Fertigpräparate mit hochkonzentrierten Extrakten der Hopfenzapfen in Kombination mit Passiflora, Baldrian und Melisse empfohlen.“
Am häufigsten wird die Kombination von Baldrianextrakt und Hopfenextrakt verwendet.
„In der Praxis haben sich diese Präparate besonders als Tagessedativum nach familiären Schicksalsschlägen oder bei stressbedingter Unruhe bewährt. Auch als Mittel zur Förderung der Schlafbereitschaft können (nicht alkoholische) Zubereitungen aus Humulus lupulus kurz vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Sie erzielen gute Wirkung ohne Gewöhnungseffekt und sind auch für schwangere Frauen ab dem dritten Monat geeignet.“
Beim Hopfen fehlen klare Angaben dazu, wie schnell die Wirkung eintritt.
„In der Volksmedizin ist auch das Schlafen auf mit Hopfen befüllten Kissen als Einschlafhilfe empfohlen. Die phytoöstrogene Wirkung von Hopfenblüten wird diskutiert, aber das ist wiedereinmal eine andere Geschichte … Ein Bierchen in Ehren – sollt jedenfalls niemand verwehren!“
Das Hopfenkissen ist eine interessante Hopfen-Anwendung und eine Alternative zum Lavendelkissen.
Zum Thema Phytoöstrogene und Hopfen siehe auch:
Hopfen & Phytoöstrogene
Quelle:
http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=108767&dspaid=929379
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Freitag, November 4th, 2011
Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.
Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.
Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.
Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0
Kommentar & Ergänzung:
Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.
Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.
So ist beispielsweise die Wechselwirkung zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.
Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:
„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“
(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).
Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.
(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)
Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.
Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.
Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.
Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.
So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.
Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.
Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.
Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.
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