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Probiotika und Ballaststoffe gegen Verstopfung

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Die österreichische Zeitung „Der Standard“ veröffentlichte einen Text zum Thema Verstopfung und befragte dazu den Wiener Allgemeinmediziner Gerhard Wallner.

„Der erste Schritt, um einer chronische Verstopfung Herr zu werden, ist in jedem Fall die Änderung des Lebensstils. Das heißt: auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse umsteigen, ausreichend viel trinken und auf genügend Bewegung achten. Das bewirkt, dass der Stuhl weicher wird und die Darmtätigkeit wieder in Gang kommt. Künstliche Ballaststoffe wie Weizenkleie oder Flohsamen können ohne Weiteres zugeführt werden. Die Einnahme von Probiotika oder Inulin (Zichorienwurzel) könne die Darmtätigkeit ebenfalls anregen, so Wallner.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000070695670/Verstopfung-Was-den-Darm-in-Schwung-bringt

 

Kommentar & Ergänzung:

Weizenkleie und Flohsamen als „künstliche Ballaststoffe“ zu bezeichnen ist etwas seltsam, aber sonst sind die Tipps nachvollziehbar.

Flohsamen sind ein Quellmittel. Sie enthalten Schleimstoffe, die in Kontakt mit Wasser ihr Volumen stark vergrössern und durch einen Dehnungsreiz auf die Darmwand mild abführend wirken.

Weizenkleie enthält etwa 10 – 20 % unverdauliche Zellulose, die in den tieferen Darmabschnitten zum Teil von Darmbakterien abgebaut wird. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die positiv für das Darmmillieu sind. Darum kann man die Weizenkleie zu den Präbiotika zählen. Das sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder mehrerer Bakterienarten im Dickdarm gezielt anregen und dadurch die Gesundheit verbessern.

Gegen Verstopfung würde ich Flohsamen der Weizenkleie vorziehen, weil letztere deutlich stärker Blähungen verursachen kann.

Inulin gehört auch zu den Präbiotika. Es ist in den Wurzeln vieler Asteraceen (Korbblütler) vorhanden, neben der Zichorie (Wegwarte) zum Beispiel im Löwenzahn und im Topinambur (Helianthus tuberosus), aber auch in Doldenblütlern wie zum Beispiel der Pastinake.

Inulin besteht hauptsächlich aus einer Kette von Fruchtzuckermolekülen, wird aber im Dünndarm nicht abgebaut und daher wie Weizenkleie im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt. Dabei kann es auch zu Blähungen kommen. Die entstehenden Proprionate wirken möglicherweise als natürlicher Appetithemmer.

Jedenfalls haben wir es hier mit ziemlich interessanten Naturstoffen zu tun.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Zwiebelsirup gegen Husten

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Zwiebelsirup ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten. Das Magazin „Focus“ hat dazu ein Rezept veröffentlicht:

„Für einen einfachen Hustensaft nehmen Sie 100 Gramm gehackte Zwiebeln und 100 Gramm feinen Kandiszucker. Beides wird so lange zusammen gekocht, bis sich der Zucker völlig aufgelöst hat. Dann können Sie den Saft abseihen und auch täglich drei Mal einen Esslöffel zu sich nehmen. Den Rest ebenfalls im Kühlschrank aufbewahren.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Wie genau die Zwiebel gegen Husten wirksam sein soll, ist nicht bekannt.

Die Zwiebel enthält, wie ihre Verwandten, beispielsweise der Knoblauch, viele schwefelhaltige Verbindungen, die für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind. Diese schwefelhaltigen Verbindungen sind es, welche den charakteristischen Zwiebelgeruch auslösen und eine antibakterielle Wirkung entfalten.

Inzwischen ist es möglich, die antibakteriellen Zwiebel-Verbindungen im Labor konzentriert herzustellen. Auch konnten Forscher bei Versuchen mit Bakterienkulturen zeigen, dass die Substanzen manche Erreger effektiv bekämpfen.

Ein Potential der Zwiebel als Hausmittel gegen Erkältungen lässt sich daraus allerdings nicht direkt ableiten. Möglicherweise werden die Inhaltsstoffe nach dem Zwiebelgenuss so schnell abgebaut, dass sie nicht wirken können. Oder sie erreichen nicht jene Stellen im Körper, an denen die Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger sitzen.

Günstig ist allerdings, dass der menschliche Organismus die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe der Zwiebel nicht über die Verdauungsorgane ausscheidet, sondern über den Atem. So gelange die Abbauprodukte via Lunge und Bronchien nach aussen und können dort möglicherweise Bakterien hemmen.

Die meisten Erkältungen sind allerdings viral bedingt.

Der Zwiebelsirup könnte auch über eine schleimlösende Wirkung den Husten lindern. Untersuchungen dazu gibt es allerdings nicht. Ein so einfaches und billiges Mittel kann man aber auch einfach mal ausprobieren.

Hier gibt es noch mehr Infos zum Zwiebelsirup:

Zwiebelsaft oder Zwiebelsirup lindert Husten

 

Zwiebelsirup als Hausmittel gegen Husten

Zwiebelsirup gegen Husten

Zwiebelsirup und andere Hausmittel bei Husten

Zwiebelsirup gegen Husten

Pflanzenheilkunde: Zwiebelsirup löst Schleim bei Husten

Zwiebel gegen Bakterien wirksam

Zwiebeltee als Hausmittel gegen Erkältungen

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Nelkenöl lindert Zahnschmerzen

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Das Magazin „Stern“ berichtet über die schmerzlindernde Wirkung von Gewürznelken bzw. von Nelkenöl.

In einer kleinen Studie verglichen Wissenschaftler die Wirkung von Gewürznelken mit der eines lokalen Betäubungsmittels, das direkt im Mund angewendet wird und gaben den Patienten im Anschluss zwei Spritzen. Tatsächlich empfanden die Versuchspersonen die Nadelstiche als weniger schmerzhaft. Die „echte“ Betäubung und das Nelkenöl zeigten in etwa den gleichen Effekt; die in der Studie verwendeten Placebos bewirkten dagegen nichts. Die Fachleute der Kommission E schreiben der Gewürznelke eine lokal betäubende Wirkung zu, die akute Zahnschmerzen lindern kann. Nelkenöl wirkt außerdem antiseptisch: Es tötet Bakterien, Pilze und Viren ab.

Der „Stern“ empfiehlt folgende Anwendungsformen:

„Einen Nelkenstängel auf den schmerzenden Zahn legen und warten, bis die Symptome nachlassen.

Ätherisches Nelkenöl wirkt ebenfalls schmerzstillend: Dafür ein paar Tropfen auf einen kleinen Wattebausch tröpfeln und auf den Zahn legen.“

Die Behandlung mit Nelken sei lediglich eine Erste-Hilfe-Maßnahme. Bei Schmerzen soll die betroffene Person besser so bald wie möglich zum Zahnarzt gehen, damit die Ursache des Problems behoben werden.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550313623

 

Kommentar & Ergänzung:

Nelkenöl besteht zu etwa 85 – 95% aus Eugenol und wirkt gut antimikrobiell und lokal schmerzstillend.

Es eignet sich auch zur Linderung des Juckreizes bei Insektenstichen (Laut dem Fachbuch „Leitfaden Phytotherapie„: pur oder in 10%iger alkoholischer Lösung, Alkohol 70% verwenden).

In konzentrierter Form kann Nelkenöl aber auch gewebereizend wirken.

Früher wurde Nelkenöl bzw. Eugenol auch in der Zahnmedizin angewendet. Das Fachbuch „Biogene Arzneimitel“ schreibt dazu:

„Eugenol…und Nelkenöl wurden wegen der antiseptischen, leicht ätzenden und anästhetischen Eigenschaften früher in grossem Umfang in der Stomatologie als Zusatz zu Wurzelkanalfüllmaterialien eingesetzt (mit ZnO zu festem Zinkeugenolat erhärtend). Die Verwendung zu diesem Zweck wird heute wegen möglichem Eindringen in periapikale Gewebe und dadurch bedingte Entzündung und mögliche Sensibilisierung kritisch betrachtet.“

Siehe ausserdem:

Nelkenöl gegen Zahnschmerzen

Eugenol – der Hauptbestandteil im Nelkenöl

Gewürznelken – Nelkenöl

Gewürznelke lindert Schmerzen

 

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Grüntee gegen Zahnfleischentzündung

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Mundspülungen mit Grüntee schützen genauso effektiv vor Zahnbelag und Zahnfleischentzündung wie Chlorhexidin.

Chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) infolge einer verstärkten Anlagerung von krankmachenden Bakterien an Zähnen und Zahnfleisch betrifft weltweit 50 bis 90 % der Erwachsenen.

Insbesondere bei Personen mit einer entsprechenden Anfälligkeit kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln, eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Konsequente, gründliche Mundhygiene kann frühzeitig der Entstehung von Plaques und Zahnfleischentzündung vorbeugen.

Dabei können ergänzend zur mechanischen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnseide und Co. Mundspülungen mithelfen. Die Substanz Chlorhexidin gehört aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit zur Standardlösung im Kampf gegen bakterielle Entzündungen im Mundraum. Allerdings wird Chlorhexidin nicht für eine Langzeitanwendung empfohlen und kann Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühl, Schwellungen und Schleimhautreizungen bewirken. Zudem kann es die Zähne, Füllungen und die Zunge bräunlich verfärben. Es sind allerdings auch Produkte erhältlich, welche keine Verfärbungen verursachen.

Verschiedene Mundspülungen auf pflanzlicher Basis werden als Alternative zu Chlorhexidin bereits angeboten.

Grüntee von der Teepflanze Camellia sinensis besitzt aufgrund seiner verschiedenen Inhaltsstoffe eine vielfältige gesundheitsfördernde Wirkung und kann auch als antibakterielles Mittel eingesetzt werden.

Eine iranische Wissenschaftlergruppe untersuchte nun in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer Mundspülung auf der Basis von Grüntee gegen Chlorhexidin.

Die Studie umfasste 40 Teilnehmer, Medizinstudenten im Alter von 18 bis 25 Jahren. Sie wurden zu Beginn der Studie hinsichtlich ihres mundhygienischen Zustandes untersucht (Entzündungen des Zahnfleisches, Zahnfleischbluten, Ausmaß des Zahnbelags Plaque, Verfärbungen der Zähne). Danach wurden Zahnbeläge, Zahnstein und Verfärbungen entfernt und die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam eine Mundspüllösung auf Basis von Grüntee, welche speziell für die Studie mit einem Tanningehalt von 1 % hergestellt wurde, die andere Gruppe bekam eine Mundspülung mit Chlorhexidin (0,12 %).

Die Studie war doppelblind. Das heisst: Die Testpersonen beider Gruppen wurden nicht darüber informiert, welche Lösung sie erhalten hatten, und auch die untersuchenden Ärzte wussten nicht, zu welcher Gruppe die Probanden gehörten.

Die Teilnehmer bekamen die Anweisung, über einen Zeitraum von vier Wochen zusätzlich zu ihrer normalen Zahnreinigung zweimal täglich eine Minute lang mit 15 ml der jeweiligen Lösung den Mund durchzuspülen.

Nach einer Woche und am Studienende wurden wiederum die zu Beginn untersuchten mundhygienischen Parameter durch ein und denselben Arzt überprüft.

Zu allen drei Überprüfungszeitpunkten liessen sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellen. In beiden Gruppen fanden die Untersucher nach einer bzw. vier Wochen Anwendung der Mundspülungen weniger Zahnbelag, Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten im Vergleich zum Befund beim Studienbeginn. Das bedeutet, dass die Spülungen mit Grüntee genauso wirksam waren wie jene mit Chlorhexidin. Mit Grüntee-Spülungen kam es zudem weniger zu Zahnverfärbungen als mit Chlorhexidin.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gruener-tee-gegen-rotes-zahnfleisch.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26272266

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie ist mit 40 Probanden ziemlich klein und daher in ihrer Aussagekraft begrenzt. Es gibt aber weitere Hinweise auf eine günstige Wirkung von Grüntee bei Zahnfleischentzündungen, zum Beispiel die Beobachtungsstudie hier:

Grüntee fördert gesundes Zahnfleisch

Wobei Beobachtungsstudien nur Hinweise auf mögliche Wirkungen geben, aber nie solche belegen können.

Die Gerbstoffe machen eine Wirksamkeit des Grüntees bei Zahnfleischentzündungen auch plausibel. Dabei dürfte eine direkte entzündungswidrige Wirkung im Vordergrund stehen – im Gegensatz zum Chlorhexidin, das indirekt Entzündungen hemmt über die bakterientötende Wirkung.

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Thymiantee bei Bronchitis

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Das Portal Apotheke-Adhoc empfiehlt als Hausmittel bei Bronchitis:

„Thymiantee: Thymian enthält viele antibakterielle ätherische Öle, weshalb er im Volksmund als „natürliches Antibiotikum“ bezeichnet wird. Für eine Tasse reichen ein bis zwei Teelöffel Thymiankraut. Dieser Tee sollte 10 bis 15 Minuten ziehen.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/blogads-welche-hausmittel-helfen-gegen-bronchitis/

Kommentar und Ergänzung:

Ja, das ätherische Thymianöl wirkt stark antibakteriell, jedenfalls bei Untersuchungen im Labor.

Im Standardwerk „Arzneidrogen“ von Georg Schneider heisst es dazu:

„Das Öl war gegen 35 getestete grampositive und 18 gramnegative Bakterien sowie 11 Pilzarten mit MHK-Werten von 0,125 bis 8 mg/ml wirksam. Thymianöl ist eines der antibiotisch wirksamsten ätherischen Öle.“

Allerdings lässt sich ein Laborergebnis nicht einfach auf die Anwendung beim Menschen übertragen. Thymiankraut enthält zwischen 1% und 2,5% Thymianöl, wovon aber wegen schlechter Wasserlöslichkeit nur ein Teil ins Teewasser übergeht. Dann muss das Thymianöl nach der Aufnahme in den Körper allfällige Umwandlungsprozesse in der Leber überstehen, wird über die Blutbahn im ganzen Organismus verteilt und soll dann in den Atemwegen eine Konzentration erreichen, die Bakterien hemmt. Das ist eigentlich eher fraglich. Bei Thymiantee von einem „natürlichen Antibiotikum“ zu sprechen ist daher ziemlich überzogen.

Eine Inhalation mit Thymianöl scheint mir da besser geeignet, erreicht man doch so die Atemwege von aussen ohne Umweg über den Verdauungstrakt und die Blutbahn.

Will man über den Verdauungstrakt in den Atemwegen ätherische Öle zur Anwendung bringen, sind magensaftresistente Kapseln wirksamer, weil dadurch grössere Mengen zugeführt werden können.

In Frage kommen Sibrovita N (mit Eukalyptusöl) oder Gelomyrtol ( entspricht Gelodurat als kassenzulässige Variante wenn ärztlich verordnet), einem Präparat aus aus rektifiziertem Eukalyptusöl, rektifiziertem Süßorangenöl, rektifiziertem Myrtenöl und rektifiziertem Zitronenöl.

Für Thymianöl gibt es keine entsprechenden Kapseln.

Eine akute Bronchitis wird im übrigen in den meisten Fällen durch Viren ausgelöst. Thymianöl zeigt im Labor auch Wirkungen gegen Viren, doch ist dieser Effekt offenbar schlechter untersucht als die antibakterielle Wirkung. Im Labor getestet wurde die Wirksamkeit gegen Herpes simplex Viren, die für Fieberbläschen verantwortlich sind.

Ergänzend soll noch erwähnt werden, dass Thymianöl zudem schleimlösend bei produktivem Husten wirkt. Auch für diesen Zweck würde ich aber die Inhalation dem Thymiantee vorziehen, oder Sibrovita / Gelodurat / Gelomyrtol als Kapsel einnehmen.

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Akute Bronchitis: Phytopharmaka sind antiviral wirksam ohne Resistenz

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Weil Virustatika nur gegen Influenza (Grippe) zugelassen sind, können pflanzliche Arzneimittel bei Atemwegsinfekten eine Alternative sein.

Atemwegsinfekte sind die Auslöser für rund 20 Prozent der Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU) und rund 10 Prozent der AU-Tage. Zur Behandlung kommen Phytotherapeutika aus der Kapland-Pelargonie wie Umckaloabo® in Frage.

An einer Veranstaltung, die vom Umckaloabo®-Hersteller Schwabe unterstützt wurde, sagte Professor Matthias Tisch, Leiter der Poliklinik am Bundeswehrkrankenhaus Ulm:

„Der in Umckaloabo® enthaltene Spezialextrakt EPs® 7630 bewirkt laut Studien eine signifikante Verkürzung der Krankheitsdauer um zwei bis drei Tage.“

In-vitro-Tests (also Untersuchungen im Reaganzglas) zum Wirkmechanismus des Extrakts ergaben, dass er auf verschiedene Weise antiviral wirkt. So reduziert EPs® 7630 die Freisetzung vervielfältigter Viren aus infizierten Zellen durch seinen Einfluss auf komplexe Virusproteine, die diesen Prozess steuern.

Ausserdem wurde ein zytoprotektiver Effekt festgestellt sowie eine Aktivierung der Immunabwehr gegen Viren bei einer Infektion.

Der Wurzelextrakt wurde in Studien mit über 10.000 Patienten untersucht, darunter knapp 4000 Kinder und Jugendliche. Die Anwendungsgebiete waren nicht nur akute Bronchitis, sondern auch akute Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung) und Tonsillitis (Mandelentzündung) gehörten dazu.

Franz D. Daschner, ehemals Professor an der Uni Freiburg, sagte:

„Die pflanzlichen Inhaltsstoffe des Extraktes besitzen antiinfektive Eigenschaften ohne eine Resistenzbildung hervorzurufen, da sie nicht in den Erregerstoffwechsel eingreifen.“

Dass heute immer noch etwa 60 bis 70 Prozent der bei Atemwegsinfekten verschriebenen Medikamente Antibiotika enthalten, sbezeichnete er als „Kunstfehler“.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/870263/akute-bronchitis-phytos-antiviral-wirksam-resistenz.html?sh=8&h=-1886162606

 

Kommentar & Ergänzung:

Umckaloabo® ist das am besten untersuchte Präparat auf der Basis von Kapland-Pelargonie.

Weitere Beiträge dazu finden Sie über die Suchfunktion auf dieser Website unter dem Stichwort „Umkaloabo“.

Insbesondere bei aktuer Bronchitis sind die Studien mit Patienten ziemlich gut, was die auswurffördernde Wirkung betrifft.

Bei akuter Sinusitis, Pharyngitis und Tonsillitis ist die Studienlage meinem Eindruck nach weniger überzeugend.

Positiv ist die breite Erfahrung mit Studien bei Kindern. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Phytopharmaka, aber auch synthetische Pharmaprodukte, weisen hier Lücken auf und sind bei Kindern nur schlecht dokumentiert.

Etwas Vorsicht scheint mir angebracht bei der Beurteilung der antiviralen Wirkung. Was im Labor im Reagenzglas Viren hemmen kann, muss dies noch lange nicht im menschlichen Organismus ebeno können.

Dass bei aktuer Bronchitis immer noch zu viele Antibiotika verschrieben werden, ist in der medizinischen Fachliteratur wiederholt kritisiert worden. Insbesondere bei viraler Ursache können Antibiotika gegen die Auslöser nicht wirksam werden, weil sie nur Bakterien bekämpfen.

In manchen Fällen ist die Behandlung mit Antibiotika allerdings trotzdem nötig.

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Alternativmedizin: Smoothies statt Notarzt

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Als ihr 19 Monate alter Sohn schwer krank war, wollte ein kanadisches Paar ihn mit Alternativmedizin kurieren, statt zum Arzt zu gehen. Der Sohn starb. Die Elten mussten wegen Verletzung der Fürsogepflicht vor Gericht.

Der Fall zeigt exemplarisch, wo das Hauptrisiko der Alternativmedizin liegt. Gefährlich wird es immer dann, wenn Allmachtsvorstellungen und Fundamentalismus ins Spiel kommen und Menschen deswegen bei schweren Krankheiten auf wirksame Medizin verzichten. Oder wenn sie eine solche Entscheidung für ihre Kinder treffen.

Der Sohn Namens Ezekiel war im März 2012 infolge einer Hirnhautentzündung gestorben. David und Collet Stephan hatten bis zuletzt keinen Arzt konsultiert. Stattdessen versuchten sie das Kind zweieinhalb Wochen lang mit alternativmedizinischen Mitteln zu behandeln. Erst als die Atmung des Kindes aussetzte, riefen die Eltern einen Rettungswagen.

Die Rechtsmedizin kam zum Schluss, dass Ezekiel an einer von Bakterien ausgelösten Meningitis starb, also einer Hirnhautentzündung. Diese gefährliche Erkrankung lässt sich mit Antibiotika behandeln. Gegen einen häufigen auftretenden Meningitis-Auslöser bei Kindern, Haemophilus influenzae b, gibt es eine Schutzimpfung. Das Kind war allerdings nicht geimpft. Eine andere Expertin erklärte, Ezekiel sei an einer viralen Meningitis gestorben und dass er noch leben könnte, wenn der damals eingesetzte Notarztwagen über die Ausstattung verfügt hätte, ein Kleinkind mit aussetzender Atmung zu versorgen. Allerdings befindet sie sich diese Expertin selbst in einem Rechtsstreit mit dem Staat.

Laut Berichten von Medien sagten David und Collet Stephan aus, dass sie dachten, ihr Sohn habe die Grippe oder Pseudokrupp. Sie hätten ihm unter anderen Smoothies und Mittel wie scharfem Pfeffer, Meerrettich, Knoblauch sowie Olivenölextrakt verabreicht.

Das Kind habe am 27. Februar 2012 erste Symptome gezeigt, am 5. März verbesserte sich sein Zustand leicht. Am Tag darauf sei es aber ungewöhnlich lethargisch gewesen, habe nichts getrunken oder gegessen, nur gestöhnt. Die Eltern beschreiben daraufhin wieder eine gewisse Besserung, dann wieder eine Verschlechterung des Gesundheitszustands.

Am 12. März sei der Körper des Kindes so steif gewesen, dass sich sein Rücken durchgebogen habe und die Eltern flößten ihrem Sohn Flüssigkeit mithilfe einer Pipette ein, weil er von allein nicht mehr aß oder trank. Am 13. März suchten die Eltern einen Heilpraktiker auf, von dem sie ein Echinacea-Präparat bekamen, ein pflanzliches Präparat aus dem Sonnenhut, das die Immunabwehr stärken soll. Laut verschiedenen Berichten wurde das Kind in der Heilpraktikerpraxis nicht untersucht. Das Kind soll so steif gewesen sein, dass es im Auto nicht habe sitzen können, sondern hingelegt werden musste.

Als am Abend die Atmung des Kindes aussetzte, rief David Stephan zuerst seinen Vater an, bevor er die Ambulanz alarmierte. Da hatte sich Ezekiels Gesicht schon blau verfärbt. Im Spital stellten die Mediziner fest, dass bei Ezekiel kaum noch Hirnaktivität vorhanden war. Am 16. März starb das Kind.

David Stephan ist Vizepräsident in der Firma seines Vaters in der Provinz Alberta, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt und erklärt, diese seien unter anderem gegen ADHS, Depressionen oder Autismus wirksam.

Vor Gericht wurde das Paar schuldig gesprochen. Ezekiels Vater wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, die Mutter zu drei Monaten Hausarrest.

Sie zeigten aber keinerlei Einsicht.

Auf einer eigens zu diesem zweck eingerichteten Facebook-Seite

«Prayers for Ezekiel» (Gebete für Ezekiel) erinnern sie nicht nur an den Tod ihres Sohnes. Die Stephans kämpfen mit Polemik gegen den kanadischen Richter Rodney Jerke, der die beiden wegen unterlassener Hilfe für ihr an bakterieller Hirnhautentzündung erkranktes Kind verurteilte. Über die sozialen Medien unterstellen die Eltern eine angebliche Verschwörung der Behörden gegen die Anhänger alternativer Medizin und gegen Impfungsverweigerer. Der Richter hat deshalb bei der Urteilsverkündung angeordnet, dass die Stephans auf derselben Facebook-Seite das Urteil gegen sie und die Begründung des Richters in voller Länge veröffentlichen müssen.

Dieser Schritt hat Juristen und andere Experten in Nordamerika überrascht, weil es sich hier um einen Strafprozess und nicht ein Zivilverfahren handelte, wo Täter in Verleumdungsfällen manchmal gezwungen werden, ihre falschen Behauptungen öffentlich zu widerrufen. Der Fall zeige aber, in welchem Zeitalter wir leben, sagte die Rechtsprofessorin Carissima Mathen von der Universität Ottawa. «Viele Leute beziehen ihre Informationen aus den sozialen Medien. Sie glauben, was sie dort lesen.»

Die Zeitung «National Post» sieht die Anordnung zur Publikation des Ureils auf der Facebook-Seite als «klares Zeichen, dass die Gerichte auf die zunehmende Macht der sozialen Medien reagieren und auf die Weise, wie dort Kriminelle Unterstützung und Publizität gewinnen können, die den Glauben an das Rechtssystem unterhöhlen».

Quellen:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kanada-eltern-nach-tod-ihres-kindes-verurteilt-a-1089934.html

Tages-Anzeiger, 2016-07-01

Kommentar & Ergänzung:

Das ist zwar ein extremes Beispiel, aber leider kein Einzelfall. Es ist erschütternd, wie lange diese Eltern ihren Sohn leiden liessen, im Irrglauben, das beste für ihn zu tun.

Es gibt verblendeten Extremismus nicht nur in der Politik. Auch in der Alternativmedizin sind Menschen anzutreffen, die sich komplett in ihrer eigenen Welt abgeschottet haben.

Dem liegt oft eine radikale Spaltung der Welt in Schwarz und Weiss zugrunde. Hier die heile Alternativmedizin, dort die böse „Schulmedizin“. Dann füllt es sehr schwer, im Notfall oder generell bei schweren Erkrankungen Hilfe aus dem feindlichen Lager anzunehmen.

Schwarz-Weiss-Denken aber ist immer riskant, egal ob es um Politik geht oder um unsere Gesundheit.

 

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Probiotika: Ist Kefir gesund?

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Kefir soll lebensverlängernd wirken und im Darm krankmachende Mikroorganismen unterdrücken. Ein Beitrag auf sience.orf.at geht der Frage nach, was an diesen Versprechungen dran ist.

Doch zuerst: Was ist Kefir überhaupt?

Wikipedia schreibt dazu:

„Kefir……ist ein dickflüssiges, kohlensäure- und leicht alkoholhaltiges Milchgetränk, das ursprünglich aus Russlands Nordkaukasus-Region stammt. Ähnlich wie Sauerteig entsteht Kefir durch einen Gärungsprozess, typischerweise durch Milchsäurebakterien wie Lactococcus lactis und Lactobacillus acidophilus, Hefen wie Candida utilis, Kluyveromyces marxianus (alias Candida kefyr) und Kluyveromyces lactis, und wenig Essigsäurebakterien. Daneben gibt es noch den Wasserkefir, der auf der Vergärung von Zucker in wässriger Lösung basiert.“

Aufgrund dieser mikrobiellen Zusammensetzung kann Kefir zu den Probiotika gerechnet werden. Probiotika enthalten lebensfähige Mikroorganismen, sollen die Darmflora günstig beeinflussen und zum Teil auch das Immunsystem.

Eine erste wichtige Frage ist in diesem Zusammenhang, ob die probiotischen Mikroorganismen die Magensäure überstehen und sich im Darm etablieren können. Das gelingt nämlich nicht allen.

Der Mikrobiologe Paul Cotter vom University College in Cork konnte aber zeigen, dass die Mikroorganismen des Kefirs das schaffen.

Probanden einer kleinen Studie tranken dabei einen Monat lang täglich einen Becher Kefir Dabei gelangten die Kefir-Mikroben in den Darm und konnten dort die Zusammensetzung der Darmflora bis zu einem gewissen Grad verändern.

Ob diese Veränderungen in der Darmflora gesundheitsfördernd waren, wurde allerdings nicht untersucht, und davon kann auch nicht automatisch ausgegangen werden. Zwar waren in dem verwendeten Kefir-Getränk mit Lactobacillus kefiranofaciens und Lactobacillus kimchi unter anderem Bakterien vom Stamm der Laktobazillen enthalten – das sind Milchsäurebakterien, denen allgemein eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Allerdings wirken die verschiedenen Laktobacillus-Unterarten nicht alle gleich, unterstreicht Cotter. Für einige Unterarten konnte bislang noch gar keine Wirkung nachgewiesen werden. Dem Mikrobiologen ist es wichtig, dass die Menschen wissen, dass die gesundheitsfördernde Wirkung im Detail sehr vom einzelnen Stamm abhängt.

Zur Frage, ob Kefir-Mikroorganismen die Gesundheit fördern, gibt es noch allgemein Forschungslücken. Kefir sei viel zu wenig untersucht, um zu sagen, ob er etwas bewirken kann oder nicht, sagt Bernd Kerschner von Medizin Transparent, einer Plattform der Universität Krems, die Studien hinsichtlich ihrer Aussagekraft untersucht.

Im Labor konnte zwar gezeigt werden, dass Kefir verschiedene krankmachende Mikroorganismen wie zum Beispiel Listerien unterdrücken kann. Was im Reagenzglas funktioniert, sagt aber noch kaum etwas aus betreffend Wirksamkeit beim Menschen.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2865357/

https://de.wikipedia.org/wiki/Kefir

 

Kommentar & Ergänzung:

Wieder einmal mehr offene Fragen als sichere Antworten. Das ist ja in vielen Bereichen so und heutzutage eine grosse Herausforderung. Wir müssen als Individuen und als Gesellschaften lernen, mit offenen Fragen und Widersprüchen umzugehen. Sich festkrallen an vorschnellen Antworten, grossartigen Versprechungen und absoluten Behauptungen ist jedenfalls keine empfehlenswerte Lösung.

Beim Thema Kefir lohnt sich noch ein Blick auf den Ursprung des Mythos.

Die verbreiteten Aussagen über angeblich lebensverlängernde Wirkungen von Kefir gehen auf eine Schrift des russischen Bakteriologen und Nobelpreisträgers Ilja Iljitsch Metschnikow aus dem Jahre 1908 zurück. Metschnikow hatte darin einen Zusammenhang zwischen dem relativ hohen Lebensalter von Rumänen und Bulgaren und deren regelmäßigen Verzehr von saurer Milch hergestellt.

Aus solchen epidemiologischen Beobachtungen lassen sich aber nie eindeutige Zusammenhänge ableiten. Die angeführten langlebigen Bulgaren und Rumänen werden sich mit grosser Wahrscheinlichkeit auch in vielen anderen Punkten von weniger langlebigen Bevölkerungsgruppen unterscheiden. Für die Langlebigkeit wird es daher eine ganze Reihe von möglichen Erklärungen geben.

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Studie untersucht Bärentraubenblätter als Alternative zu Antibiotika bei Blasenentzündung

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Die Universität Göttingen untersucht ab August in einer klinischen Studie, ob Bärentraubenblätter bei Blasenentzündungen eine Alternative zu Antibiotika sein können. Sie kooperiert dazu mit der Universität Bremen und der Medizinischen Hochschule Hannover. Vorerst müssen etwa 430 Frauen für die Teilnahme rekrutiert werden. Mit Resultaten wird in zwei Jahren gerechnet.

Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Medizinisch werden Blasenentzündungen bisher mit Antibiotika behandelt. Je häufiger Antibiotika jedoch eingesetzt werden, desto grösser wird das Risiko von Resistenzen. Die Bakterien können sich verändern und soweit unempfindich gegen Antibiotika ewerden, dass diese ihre Wirksamkeit verlieren. Bei leichten Blasenentzündungen können Patientinnen zwar auch ein Schmerzmittel nehmen. Die Universität ist aber der Ansicht, dass Bärentraubenblätter eine natürliche Alternative sein könnten und will dem nun mit dieser Studie auf den Grund gehen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=70743

Kommentar & Ergänzung:

Ich warte jetzt schon gespannt auf die Ergebnisse dieser Studie. Interessant zu wissen wäre noch, in welcher Form Bärentraube untersucht wird. Bärentraubenblättertee? Wohl kaum. Bärentraubenblättertee ist geschmacklich ziemlich auffällig – um es neutral zu sagen. Da wäre es kaum möglich, ein Placebo für die Kontrollgruppe zu kreieren, das vom Bärentraubenblättertee nicht unterscheidbar ist. Es wird wohl ein Bärentraubenblätterextrakt zu Anwendung kommen, der in ein Dragees verarbeitet werden kann und sich auf einen konstanten Arbutingehalt einstellen lässt. Nach Angaben der Phytotherapie-Fachliteratur sollte die Tagesdosis an Arbutin für die Behandlung einer akuten Blasenentzündung bei 400 – 840 mg liegen.

Mit 430 geplanten Probandinnen scheint es sich um eine Phase II-Studie zu handeln. Das ist erfreulich, denn oft werden Heilpflanzen-Präparate nur mit ein paar Dutzend Probanden auf dem Level von Pilotstudien untersucht, die keine Wirksamkeit belegen können. Die Meldung zeigt aber auch, dass solche Phase II-Studien aufwändig und teuer sind. Der Betrag von 1,5 Millionen Euro, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung beisteuert, belegt das eindrücklich. Für Phytopharmaka ist es normalerweise nicht so einfach, Fördermittel in dieser Grössenordnung zu bekommen und die Möglichkeiten der Hersteller übersteigen diese Beträge oft.

Ich kann mir vorstellen, dass die sich weltweit zuspitzende Problematik der Antibiotika-Resistenzen hier geholfen hat, dass entsprechende Fördermittel bewilligt wurden.

Die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) wächst in höheren Lagen auf der gesamten nördlichen Hemisphäre. In Europa kommt sie von der Iberischen Halbinsel über ganz Mitteleuropa bis Skandinavien vor. In östlicher Richtung ist sie Sibirien, zum Altai und Himalaja verbreitet.

In der Schweiz ist die Bärentraube in relativ grossen Beständen im Wallis und im Oberengadin anzutreffen. Wir finden sie auf unseren Kräuterwanderungen aber oft auch in den Nordalpen, zum Beispiel in Lenk, Mürren, Trin / Flims, Kandersteg und Feldis. Sie werden in diesen Regionen manchmal übersehen, weil sie quasi im Meer der Preiselbeer-Sträucher untergehen, die bei oberflächlichem hinschauen ein ähnliches Bild geben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Pfefferminzöl bei Muskelkater?

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T-online gibt in einem Beitrag Tipps zum Umgang mit Muskelkater und hat eine interessante Empfehlung: Pfefferminzöl.

Hier eine Zusammenfassung mit anschliessendem Kommentar:

Muskelkater entwickelt sich, wenn die Muskeln beim Training zu stark strapaziert werden und dadurch kleine Risse im Gewebe entstehen. Die verletzten Muskelfasern schwellen an und es kommt zu einer Entzündung, die sich durch den charakteristischen ziehenden und stechenden Schmerz zeigt.

Wer ungewohnt intensive Belastungen oder für den Muskel ungewohnte Bewegungsabläufe durchführt, muss mit Muskelkater rechnen. Verhindern lässt er sich nur mit einem auf die vorhandene Muskelkraft abgestimmten Training.

Aufwärmübungen und Dehneinheiten vor dem Sport reduzieren zwar das Verletzungsrisiko von Sehnen und Bändern, können aber einem Muskekater nicht vorbeugen. Und Schmerzmittel lindern nur das Symptom Schmerz, helfen jedoch den verletzten Muskelfasern nicht. Sportmedizinern zufolge können die in den Schmerzmitteln eingesetzten Wirkstoffe sogar den Muskelaufbau stören.

Gegen ein sanftes Sportprogramm ist Fachleuten zufolge auch mit Muskelkater nichts einzuwenden. Das Training sollte aber deutlich weniger intensiv ausfallen, weil der Muskel Zeit braucht um sich zu regenerieren. Walken, langsames Radfahren und entspanntes Schwimmen sind gute Trainingsmöglichkeiten in dieser Phase. Bei starkem Muskelkater ist aber eine Auszeit zu empfehlen oder eine Verlagerung des Trainings auf andere Muskelgruppen unter Schonung der beanspruchten.

Zahlreiche Sportler setzen auf Wärme nach der Trainingseinheit, weil sie die Muskeln entspannt und durch Erweiterung der Gefässe die Durchblutung fördert. Dadurch wird der Muskel besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

Von Massagen raten Fachleute bei Muskelkater allerdings ab, da der Druck, der dabei auf die Muskelpartien ausgeübt wird, diesen zusätzlich reizt.

Als Geheimtipp gegen Muskelkater stellt T-online in dem Beitrag Pfefferminzöl vor:

„Die ätherischen Öle, darunter Menthol, Menthon und Menthofuran wirken krampflösend, entspannend, kühlend und durchblutungsfördernd. So werden die Muskeln bei der Regeneration unterstützt und das Ziehen im Muskel gelindert. Am besten trägt man das Öl direkt nach der sportlichen Belastung auf die beanspruchten Bereiche auf.

Ein wenig verdünnt ist das Öl für die Haut besser verträglich. Einfach einige Tropfen auf ein angefeuchtetes Tuch oder Wattepad geben und die gewünschte Hautstelle damit einreiben.“

Wichtig sei zudem, nach der Anwendung die Hände gründlich zu waschen und den Kontakt mit den Augen zu vermeiden.

Der Muskelkater erreicht meist am zweiten oder dritten Tag nach dem intensiven Training seinen Höhepunkt und bis er wieder vollständig abgeklungen ist, kann es bis zu sieben Tage dauern.

Schädlich sei Muskelkater nicht, schreibt T-online. Sehr ausgeprägter und schmerzhafter Muskelkater sei allerdings ein sicheres Zeichen dafür, dass man es übertrieben hat.

Das Gute an Muskelkater sei zudem, „dass der Muskel angeregt wird, sich auf intensivere Trainingseinheiten vorzubereiten, zu wachsen beginnt und an Stärke gewinnt.“

Sei der Schmerz kaum auszuhalten oder lasse er nach einigen Tagen nicht nach, solle man einen Arzt aufsuchen. Dann könne es sein, dass eine Sportverletzung vorliegt, die behandelt werden muss.

Quelle:

http://www.t-online.de/gesundheit/fitness/id_81171044/muskelkater-weitertrainieren-oder-pausieren-.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Pfefferminzöl bei Muskelkater – diese Empfehlung ist mir bisher noch nie über den Weg gelaufen.

Pfefferminzöl wird äusserlich oft verwendet als juckreizstillendes Mittel zum Beispiel bei Insektenstichen (ca. 1%ig) und als Gegenstimulation zur Linderung von Spannungskopfschmerzen (ca. 10%ig).

Bei akuten Prellungen auf den Sportplatz kann Pfefferminzöl Schmerzen ebenfalls lindern durch Gegenstimulation (Counterirritation). Menthol als Hauptbestandteil des Pfefferminzöls reizt die Kältesensoren in der Haut und die Kühlempfindung überlagert die Schmerzempfindung, lindert sie dadurch auf ähnliche Art wie ein Eisspray, aber ohne physikalisch zu kühlen.

Dass Pfefferminzöl auf der Basis einer Gegenstimulation auch Schmerzen bei Muskelkater lindert ist deshalb denkbar. Ich würde dazu allerdings Pfefferminzöl 10%ig in alkoholischer Lösung nehmen, so wie es als Roller oder Tupfer in Apotheken und Drogerien gegen Spannungskopfschmerzen empfohlen wird.

Dass sich mit Pfefferminzöl die Durchblutung (des Muskels) anregen lässt, scheint mir nicht sehr überzeugend. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Naturstoffen mit durchblutungssteigernder Wirkung – zum Beispiel Capsaicin aus Paprika, Rosmarinöl, Kampfer und Wacholderöl. Sie wirken aber eher wärmend und werden in Sportsalben und Rheumasalben eingesetzt. Ob sie auch die Durchblutung der Muskeln fördern ist eher zweifelhaft. Es spricht mehr dafür, dass sich die durchblutungsfördernde Wirkung vor allem auf die Haut beschränkt. Eine schmerzlindernde Wirkung des Pfefferminzöls bei Muskelkater kann ich mir aber gut vorstellen.

Siehe auch:

Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

 

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Unterschätzt wird nicht selten die recht gute Wirksamkeit von Pfefferminzöl gegen viele Bakterien, Viren (z. B. Herpes) und Hefepilze (z. B. Candida albicans). Untersuchungen dazu wurden im Zusammenhang mit Olbas-Tropfen gemacht – ein Gemisch aus Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl.

Siehe dazu:

Olbas-Tropfen: Ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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