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Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

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Der Saathafer wurde vom Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.

Der Saathafer (Avena sativa) ist ein Getreide und zählt zu den Süßgräsern (Poaceae oder Gramineae). Er bildet im Gegensatz zu Weizen, Roggen und Gerste seine Körner nicht in Ähren, sondern in vielfach verzweigten Rispen aus.

Die Haferkörner sind von Spelzen umschlossen, die durch einen speziellen Mahlgang entfernt werden müssen. Der Hafer liefert zwar tiefere Hektar-Erträge als Weizen, Roggen und Gerste, doch ist er diesen gegenüber beim Nährwert und nicht zuletzt beim Geschmack überlegen. Zudem ist Hafer weniger anspruchsvoll, denn er gedeiht auch auf kargen Böden und bei feuchter Witterung.

Drei Pflanzenteile des Saathafers stossen auf pharmazeutisches Interesse:

Haferstroh (Avenae stramentum) wird als Abkochung für Bäder bei Hautverletzungen und Juckreiz verwendet.

Für die Gewinnung von Haferkraut (Avenae herba) wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Haferkraut ist reich an Flavonoiden, Saponinen und Mineralien (Kalium, Calcium, Magnesium), wobei den Flavonoiden entzündungshemmende und den Saponinen immunmodulierende Eigenschaften zugesprochen werden.

Haferkraut-Extrakte kommen daher bei trockener Haut und bei atopischer Dermatitis zur Anwendung.

In den Neunzigerjahren wurde in Frankreich durch Selektion eine Hafersorte mit einem besonders hohen Anteil an Flavonoiden und Saponinen gezüchtet, die schon sehr jung geerntet und durch ein besonderes Verfahren extrahiert wird. Der aufgereinigte Extrakt ist frei von Proteinen und wird für Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze eingesetzt, die für Allergiker speziell gut verträglich sein sollen. Seine Bedeutung für die Dermatologie wurde schon in neueren Fachpublikationen gezeigt. Haferkrautextrakt-Produkte werden aber auch zur Pflege von empfindlicher Haut (Babys, Senioren) und zur Behandlung von Wunden, Rosacea und nicht zuletzt von Psoriasis eingesetzt.

Das Haferkorn (Avenae fructus), aus dem die allseits bekannten Haferflocken hergestellt werden, ist reich an Ballaststoffen (Polysacchariden), von denen die löslichen β-Glucane etwa die Hälfte ausmachen.

In 100 Gramm Haferflocken sind etwa 4,5 Gramm β-Glucane enthalten, in der Haferkleie sind es sogar mehr als 8 Gramm pro 100 Gramm. Die β-Glucane geben dem Haferschleim seine Konsistenz. Indem sie die Verdauung und den Stoffwechsel beeinflussen, wirken sie sich günstig auf den Cholesterinspiegel und den Blutzuckerspiegel aus.

Die Fähigkeit der β-Glucane, Gallensäuren zu binden, führt wahrscheinlich zur Ausscheidung von Cholesterol und zur Reduktion des Gesamtcholesterol- und des LDL-Cholesterol-Spiegels, was einer Atherosklerose vorbeugen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2011 bestätigt, dass die Einnahme von Hafer-β-Glucanen zur Reduktion des Cholesterolspiegels beitragen kann.

Die unlöslichen Ballaststoffe regulierend ausserdem die Verdauungstätigkeit. Da sie die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm in den Körper verzögern, steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit zeitverzögert an, was eine geringere Ausschüttung von Insulin zur Folge hat. Schon vor 100 Jahren wurden daher diätetische „Hafertage“ für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eingeführt. Eine neuere Studie am Diabetologikum in Berlin hat gezeigt, dass die Insulindosis bei Patienten mit einem hohen Insulinbedarf nach zwei Hafertagen um bis zu 30 Prozent reduziert werden kann. Dieser günstige Effekt soll bis zu vier Wochen nachweisbar sein.

Haferflocken zeigen aber auch günstige Auswirkungen auf die Verdauungsorgane selbst. Die Darmwand wird durch die viskösen löslichen Ballaststoffe vor Reizen aus dem Darmlumen geschützt und ein empfindlicher Magen beruhigt.

Umstritten ist noch, ob Menschen mit Zöliakie zu Haferprodukten greifen können. Bei der Zöliakie entzündet sich die Schleimhaut des Darms nach dem Verzehr von Gluten, dem Kleber-Eiweiß in verschiedenen Getreidekörnern.

Gluten ist die dominierende Eiweissfraktion im Weizenkorn, Im Haferkorn herrscht dagegen das Globulin Avenalin mit 80% vor, während Gluten nur einen Anteil von 15 Prozent hat. Hirse, Mais und Reis gelten dagegen als glutenfrei.

Die Zusammensetzung des Glutens unterscheidet sich in den einzelnen Getreidearten und ihren Sorten. Allgemein besteht Gluten aus den Proteingemischen der Prolamine und Gluteline, die wegen ihres hohen Anteils an den Aminosäuren Prolin und Glutaminsäure so benannt worden sind.

Krankheitsauslösend sind bei der Zöliakie die Prolamine, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Für zahlreiche Zöliakie-Patienten ist zwar das Weizen-Prolamin Gliadin, nicht jedoch das Hafer-Prolamin Avenin unverträglich. Und die relative Unverträglichkeit des Avenins hängt zudem noch von der Hafersorte ab; es gibt Hafersorten, die sogar für eine glutenfreie Ernährung infrage kommen.

Mehrere Studien zur Verträglichkeit des Hafers bei Zöliakie-Patienten haben gezeigt, dass kleinere Mengen Hafer im allgemeinen gut vertragen werden. In Schweden und Finnland gilt die Aufnahme von bis zu 50 g Hafer pro Tag als unbedenklich. Es muss sich dabei jedoch um „nicht-kontaminierten Hafer“ handeln, der nicht mit anderem Getreide verunreinigt sein darf und speziell für diesen Zweck angebaut wird.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ ist überzeugt davon, dass das diätetische und therapeutische Potenzial des Hafers noch nicht ausgeschöpft ist und hofft, dass die Arzneipflanze des Jahres 2017 Gegenstand weiterer Forschungen sein wird.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/10/28/noch-viel-potenzial-bei-hautkrankheiten-und-zoeliakie

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine ungewöhnliche Wahl, zählt doch der Hafer seit je her zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den typischen Heilpflanzen. Nimmt man ihn aber aus der Perspektive der Heilwirkungen in den Blick, steht er in einem Übergangsbereich zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie. Und dieser Übergangsbereich ist durchaus interessant.

Wie gewohnt begründet der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ seine Wahl der Arzneipflanze des Jahres 2017 auch dieses Mal fundiert.

2016 war der Kümmel Arzneipflanze des Jahres, 2015 das Johanniskraut, 20114 der Spitzwegerich, 2013 die Kapuzinerkresse und 2012 das Süssholz.

Hier geht’s zur Website des Studienkreises:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Bäder und Wickel als Hausmittel bei Bronchitis

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Ein Apotheken-Portal empfiehlt Bäder und Wickel als Hausmittel bei Bronchitis. Schauen wir uns die Empfehlungen mal genauer an.

Im Text wird einleitend darauf hingewiesen, dass Bäder und Wickel seit Jahrhunderten als wirksame Hausmittel gegen Bronchitis eingesetzt werden.

Die Wärme wirke entspannend auf die Bronchien und die beigesetzten Öle oder Substanzen könnten dabei helfen, den Schleim in den Bronchien zu lösen.

Konkret werden folgende Anwendungen empfohlen:

„Ansteigendes Fußbad mit Thymian und Schachtelhalm: Kochen Sie jeweils einen Liter Thymian- und Schachtelhalmtee, indem Sie je acht Teelöffel der beiden Kräuter mit einen Liter kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Diese beiden Tees schütten Sie mit etwas kaltem Wasser in eine Fußbadewanne, bis das Gemisch eine Temperatur von 33 Grad hat. Nachdem Sie die Füße in die Wanne gestellt haben, gießen Sie allmählich heißes Wasser hinzu, bis eine Temperatur von 42 Grad erreicht ist.“

Das „ansteigende Fussbad“ ist eine Wasseranwendung nach Kneipp. Über eine Wirksamkeit des „ansteigenden Fussbads“ bei Bronchitis gibt es meines Wissens keine gesicherten Belege. Zu den empfohlenen Zusätzen kann ich aber zumindestens etwas sagen:

Thymian enthält ätherisches Thymianöl, das grundsätzlich über die Haut aufgenommen werden kann und bei einem Fussbad auch inhalativ aufnehmbar ist.

Acht Teelöffel Thymiankraut werden aber wohl zuwenig Thymianöl freisetzen, um eine schleimlösende Wirkung in den Bronchien zu erzielen. Ein paar Tropfen reines Thymianöl emulgiert in Kaffeerahm (Sahne) oder Vollmilch wären mit Sicherheit effektiver.

Schachtelhalm als Zusatz überzeugt mich gar nicht. Er enthält weder passende Wirkstoffe, die über die Haut aufgenommen werden, noch flüchtiges ätherisches Öl, das inhalativ wirken könnte.

„Bienenwachswickel (aus der Apotheke): Erwärmen Sie das Wachstuch auf Körpertemperatur und legen Sie den warmen Wickel direkt auf die Brust. Den Wickel können Sie mit einem Unterhemd oder einem Wickeltuch fixieren und eine bis drei Stunden auf der Brust belassen.“

Der Bienenwachswickel ist eine reine Wärmeanwendung.

„Vollbad mit Teebaumöl: Lösen Sie fünf Tropfen Teebaumöl und fünf Tropfen Kamilleöl in einem Teelöffel 50-prozentigen Alkohol und geben Sie diese Mischung ins Badewasser.“

Ätherische Öle in einem Vollbad kommen vor allem inhalativ zur Wirkung. Kamillenöl wirkt entzündungswidrig und Teebaumöl antimikrobiell. Ob sie bei der Anwendung in einem Vollbad in den Bronchien eine genügend hohe Konzentration erreichen, um dort Wirksamkeit zu entfalten, bleibt aber offen. Ich würde statt Teebaumöl Eukalyptusöl oder Thymianöl vorziehen. Sie besitzen beide neben der antimikrobiellen Wirkung noch schleimlösende Eigenschaften und sind an diesem Punkt dem Teebaumöl überlegen.

Interessant ist die Empfehlung, die ätherischen Öle mit 50-prozentigem Alkohol zu mischen. Ich weiss nicht, wie gut das funktioniert. Meistens wird empfohlen, die ätherischen Öle vor der Zugabe ins Badewasser mit Kaffeerahm (Sahne) oder Vollmilch zu emulgieren.

Quelle der Zitate:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/blogads-welche-hausmittel-helfen-gegen-bronchitis/

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen: Echter Eibisch (Althaea officinalis)

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Die „Kleine Zeitung“ stellt verschiedene Kräuter vor, darunter auch den Eibisch. Schauen wir uns das einmal an:

„Die Blüten, jungen Blätter und Wurzeln (im Herbst ausgegraben) des echten Eibisch werden frisch oder getrocknet verwendet. Als Tee helfen sie bei Husten, Magen-Darmbeschwerden, Blasen- und Harnwegsentzündungen. Hautverletzungen, Geschwüre und Furunkel behandelt man am besten mit einem Eibisch-Brei. Bei Bienen-Allergie sollten Sie Eibisch eher meiden. Diese werden vom Malvengewächs nämlich besonders stark angezogen.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860

Kommentar & Ergänzung:

Eibisch enthält in allen Pflanzenteilen Schleimstoffe, wobei die Eibischwurzel am wirksamsten sein dürfte.

Der Anwendungsbereich „Husten“ ist für Eibisch passend, doch müsste präziser „trockener Reizhusten“ stehen.

„Magen- und Darmbeschwerden“, das ist eine Wischi-Waschi-Angabe, die nichts bringt. Schleimpflanzen könnten allenfalls die Magenschleimhaut schützen bei Entzündungen. In tieferen Regionen des Verdauungstraktes sind sie verdaut und unwirksam.

Blasenentzündungen und Harnwegsentzündungen – diese Empfehlungen sind vollkommen unplausibel. Schleimstoffe gelangen nicht in die Harnwege und andere Wirkstoffe, die bei Harnwegsinfektionen nützlich sein könnten, sind nicht bekannt.

Hautverletzungen und Geschwüre – das sind zu mindestens sehr fragwürdige Empfehlungen. Welche Art von Hautverletzungen? Schnittwunden? Wohl kaum.

Welche Art von Geschwüren? Und weshalb?

„Furunkel“ als Anwendungsgebiet, diese Empfehlung basiert auf der erweichenden Wirkung, die man den Schleimstoffen zuspricht. Auf dieser Grundlage wird zum Beispiel „Chäslichrut“ (Weg-Malve, Malva neglecta) für Bäder bei Furunkeln eingesetzt oder Kataplasmen (Breiumschläge) mit Leinsamen.

Übers Ganze gesehen ist die Beschreibung der Eibisch-Indikationen in der „Kleinen Zeitung“ also ziemlich vage und fragwürdig und das ist oft so, wenn Heilpflanzen in den Medien vorgestellt werden.

Ein gutes Anwendungsgebiet für Eibisch fehlt zudem: Eibischwurzeln (als Kaltauszug) eignen sich gut zur Linderung von Mundschleimhautentzündungen, die zum Beispiel als Begleiterscheinung einer Chemotherapie auftreten können.

Der Hinweis bezüglich Bienenallergie bezieht sich auf das Anpflanzen von Malven bzw. Eibisch im Garten.  Ob dieser Tipp sinnvoll ist, wäre noch zu diskutieren.

Siehe auch:

Eibischtee gegen Reizhusten

Phytotherapie: Eibischwurzel gegen Sodbrennen

Eibisch-Extrakt lindert Reizhusten

Hustentee aus Isländisch Moos und Eibischwurzel kalt ansetzen

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Weiterbildung: Heilpflanzen-Anwendung für Spitex, Pflegeheim, Palliative Care, Psychiatrische Klinik, Spital…

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Am 6. Dezember 2012 startet die nächste Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen und andere Gesundheitsberufe in Winterthur.

Zum Sinn professioneller Heilpflanzen-Anwendungen in der Krankenpflege schreiben die Phytotherapie-Pflegefachfrauen Annina Buchli und Beatrice Trüb in der Fachzeitschrift „Krankenpflege“ (Nr. 3 / 2011) in einem Beitrag unter dem Titel „Heilpflanzenanwendungen – einfach und wirksam“:

„Viele Pflegende schätzen die Heilpflanzenanwendungen auch als eigentliche «urpflegerische» Handlungen, bei

welchen neben dem professionellen Wissen über Pflege und Heilpflanzen auch Momente der Zuwendung eine tra-

gende Rolle spielen. Diese für die Genesung anerkanntermassen so wichtigen Faktoren sind sonst schwer im

Pflegealltag einzubauen. Sie erhalten im Kontext mit individuell ausgewählten Heilpflanzenanwendungen wie Tee,

Wickel, Einreibungen, Waschungen, (Teil-)Bädern und Inhalationen einen gesicherten Platz.“

Quelle:

http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/171140_Krankenpflege%203-2011.pdf

Hier finden Sie Informationen zur Phytotherapie-Ausbildung.

Argumente für Phytotherapie in der Pflege im

Dokument Phytotherapie in der Pflege

und im Presse-Echo der „Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege“: www.ig-pp.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heublumenwickel: Was sind Heublumen?

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Heublumenwickel und Heublumenbäder sind beliebte Anwendungen in der Naturheilkunde. Fragt man genauer nach, was Heublumen sind, bekommt man aber oft nur sehr nebulöse Antworten. Mit bunten Wiesenblumen haben Heublumen jedenfall wenig bis gar nichts zu tun.

Hier eine Definition aus Wikipedia:

„ Heublumen (Flores graminis), auch Grasblüten genannt, sind ein Gemisch von Blütenteilen, Samen, kleineren Blatt- und Stängelstücken verschiedener Wiesenpflanzen. Sie bestehen vornehmlich aus den Gräsern Quecke, Trespe, Wiesen-Lolch, Wiesen-Schwingel, Wiesen-Lieschgras, Wiesen-Fuchsschwanz, Ruchgras und Knäuelgras. Das geerntete Heu wird lediglich durch mehrfaches Sieben von groben Stängelteilen, Sand, Staub und Erde befreit. Auf dem Land gelten als Heublumen alle Pflanzenteile, die auf der Tenne von der Heugabel nicht erfasst werden. Nicht selten liegt eine dicke Heublumenschicht auf dem Tennenboden.

Neben den im Pflanzenreich überall vorkommenden Stoffen können in unterschiedlichen Mengen Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl, Cumarine und Furanocumarine nachgewiesen werden.“

(Quelle: Wikipedia)

Und wozu werden Heublumen eingesetzt?

„ Die evidenzbasierte Medizin befasst sich aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung nicht oder kaum mit Heublumen. Lediglich die Volksmedizin gebraucht Heublumen für Umschläge, Auflagen und Bäder zur Schmerzlinderung, Beruhigung und Entspannung bei verkrampfter Muskulatur und zur Durchblutungssteigerung. Heublumenbäder, -wickel und -umschläge gelten in der Volksmedizin als abwehrkräftestärkend und werden bei Erkältungskrankheiten und Fieber sowie bei Rheuma mit Erfolg gebraucht. Auch bei Wechseljahresbeschwerden, vegetativer Dystonie, Hautleiden, Nieren- und Blasenleiden finden Heublumen äußerlich Anwendung. Schon Sebastian Kneipp war von der positiven Wirkung der Heublumen überzeugt – die evidenzbasierte Medizin hingegen spricht den Heublumen lediglich Wirksamkeit als lokales Wärmetherapeutikum bei rheumatischen Erkrankungen zu. Heublumen sollen nicht bei offenen Verletzungen, akuten Entzündungen und akuten rheumatischen Schüben eingesetzt werden. Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen sind nur in sehr seltenen Fällen zu befürchten. Bei der Anwendung von Heublumen als Bad oder Auflage ist detailliertes Wissen über die genaue Zubereitung erforderlich, ansonsten sind Misserfolge nicht auszuschließen. Heublumen findet man häufig auch in Heilkräutermischungen und -säckchen. Hier dienen sie vornehmlich als Träger für das in der Mischung enthaltene ätherische Öl.“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Je nach der Wiese, von der sie stammen, sind Heublumen also unterschiedlich zusammengesetzt. Immer aber handelt es sich um kleine Grasbestandteile. Es ist wohl tatsächlich so, dass Heublumenwickel vor allem eine intensive Form der Wärmetherapie sind. Feuchte Wärme wirkt jedenfalls viel intensiver als trockene Wärme. Der typische Heuduft, für den das Cumarin verantwortlich ist, dürfte zudem eine leicht beruhigende und entspannende Wirkung haben.

Muskelverspannungen und Menstruationskrämpfe sind beispielsweise bewährte Anwendungen der Heublumenwickel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie bei Kontaktekzem

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Im „Phyto-Forum“ der „Aerzte-Zeitung“ wurde vor kurzem folgende Frage gestellt: „Welche Möglichkeiten gibt es, bei einem Kontaktekzem mit pflanzlichen Wirkstoffen etwas auszurichten?“

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling. Er führte zuerst aus, dass Kontaktekzeme durch Allergene (allergisches Kontaktekzem) oder durch Haut irritierende Stoffe (toxisches Kontaktekzem) hervorgerufen werden. Im Vordergrund stehe daher zunächst die Erkennung und Meidung der infrage kommenden Allergene oder irritierenden Stoffe.

Phyto-Dermatika zur äußeren Anwendung können durchaus eine sinnvolle Ergänzung zu einer Therapie mit Glukokortikoiden sein, schreibt Reichling. Die Therapie richte sich dabei nicht nach den Ursachen des Ekzems, sondern im Wesentlichen nach der Verlaufsform oder nach den symptomatischen Beschwerden.

„Da die Behandlung des Ekzems stadiengerecht erfolgen sollte, kommt der jeweiligen Darreichungsform große Bedeutung zu. Hier ist der Rat eines erfahrenen Dermatologen oder Apothekers unerlässlich.

Wässrige und wässrig-alkoholische Zubereitungen aus Heilpflanzen werden bevorzugt in Form von Bädern, Teilbädern, Umschlägen, Salben, Cremes und Pasten eingesetzt. Die infrage kommenden Heilpflanzen zeichnen sich durch ein breites Wirkungsprofil aus.“

Kommentar M.K.: Im Bereich der „Phyto-Dermatologie“ ist es tatsächlich entscheidend, dass die Behandlung dem jeweiligen Ekzemstadium angepasst wird. Dabei kommt es nicht nur auf die Auswahl einer geeigneten Heilpflanze an. Genauso wichtig ist die passende Darreichungsform. Konkret: Akute, nässende Ekzeme werden nass behandelt (Wässrige Umschläge oder Teilbäder zum Beispiel mit Eichenrinde), je chronisch-trockener das Ekzem ist, desto fetter die Darreichungsform.

„Sie besitzen zumeist entzündungshemmende, juckreizstillende, antimikrobielle, granulations- und wundheilungsfördernde sowie sekretionshemmende Eigenschaften. Gerbstoffhaltige Pflanzendrogen werden hierbei bevorzugt eingesetzt, wie zum Beispiel Zubereitungen aus Eichenrinde, Odermennigkraut, schwarzen und grünen Teeblättern, Walnussblättern sowie Hamamelisrinde und Hamamelisblättern.“

Kommentar M.K.:

Das Wort „Pflanzendrogen“ ist etwas irreführend. Unter „Drogen“ versteht man in der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“.

Gerbstoffreiche Heilpflanzen werden vor allem bei nässenden Ekzemen als Umschläge oder Teilbäder eingesetzt. Einen sehr hohen Gerbstoffanteil hat die Eichenrinde. Aber auch Grüntee oder Schwarztee können äusserlich als Gerbstoff-Anwendung eingesetzt werden, sofern man den Tee lange ziehen lässt.

„Bewährt haben sich auch Zubereitungen aus Spitzwegerichkraut, die eine entzündungshemmende Wirkung aufweisen sowie Zubereitungen aus Kamillenblüten, die sowohl entzündungshemmende, juckreizstillende, antimikrobielle als auch granulations- und wundheilungsfördernde Eigenschaften besitzen.“

Kommentar M.K.: Spitzwegerichkraut ist für die Ekzembehandlung eher unüblich. Die Tradition spicht dem Spitzwegerich eher wundheilende und entzündungswidrige Wirkung zu. Ausserdem enthält der Spitzwegerich antimikrobielle Wirkstoffe.

„Von Hamamelisrinde und -blättern sowie Kamillenblüten gibt es Fertigarzneimittel in Form von Cremes und Salben sowie von Extrakten für Bäder, Teilbäder und Umschläge. Vom Ballonrebenkraut sind Salben und Cremes verfügbar, die eine 10-prozentige homöopathische Urtinktur als Wirkstoff enthalten.

In klinischen Beobachtungsstudien konnte eine gute Verträglichkeit und eine entzündungshemmende Wirkung nachgewiesen werden.“

Kommentar M.K.:

Bei Hamamelis (Zaubernuss) ist das im Vergleich zu Kamille sehr geringe Allergiepotenzial bemerkenswert.

Ballonrebe (Cardiospermum) gehört zu den vergleichsweise wenigen Heilpflanzen der Phytotherapie, die aus Afrika stammen. Weitere Beispiele sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Perargonie).

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/683811/welche-phyto-dermatika-helfen-kontaktekzemen.html

Vertiefte Informationen im Tagesseminar „Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden“.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Blick ins Pflanzenlexikon: Malven

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Die Malven sind eine Pflanzengattung in der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).

In der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie werden Malven vor allem eingesetzt wegen ihrem Schleimgehalt, zum Beispiel in Hustentees gegen trockenen Reizhusten.

Die Gattung Malva umfasst etwa 15 bis 30 Arten:

Malva aegyptia L.

Rosen-Malve (Malva alcea L.)

Malva assurgentiflora (Kellogg) M.F.Ray (Syn. Lavatera assurgentiflora Kellogg)

Malva australiana M.F.Ray (Syn. Lavatera plebeia Sims)

Malva bakeri Molero & J.M.Monts. (Syn. Lavatera microphylla E.G.Baker)

Malva borealis Wallman

Malva canariensis M.F.Ray (Syn. Lavatera acerifolia Cav.)

Malva cathayensis M.G.Gilbert, Y.Tang & Dorr

Malva cretica Cav.

Malva durieui Spach (Syn. Lavatera mauritanica Durieu)

Malva erecta J.Presl & C.Presl

Malva eriocalyx (Steudel) Molero & J.M.Monts. (Syn. Malva arborea (L.) Webb & Berthel., Lavatera arborea L., Malva dendromorpha M.F.Ray)

Malva hispanica L.

Malva iljinii Riedl

Malva lindsayi (Moran) M.F.Ray (Syn. Lavatera lindsayi Moran)

Moschus-Malve (Malva moschata L.)

Weg-Malve (Malva neglecta Wallr.)

Malva nicaeensis All.

Malva occidentalis (S.Watson) M.F.Ray (Syn. Lavatera occidentalis S.Watson)

Malva pacifica M.F.Ray (Syn. Lavatera venosa S.Watson)

Malva parviflora L.

Malva pseudolavatera Webb & Berthel. (Syn. Lavatera cretica L., Malva linnaei M.F.Ray)

Kleinblütige Malve (Malva pusilla Sm.)

Malva stipulacea Cav.

Malva subovata (A.DC.) Molero & J.M.Monts. (Syn. Lavatera maritima Gouan, Malva wigandii (Alef.) M.F.Ray)

Wilde Malve (Malva sylvestris L.): Sie wird als Gemüse- und Heilpflanze verwendet.

Malva thuringiaca (L.) Vis. (Syn. Lavatera thuringiaca L.)

Malva tournefortiana L.

Malva trimestris (L.) Salisb. (Syn. Lavatera trimestris L.)

Quirl-Malve (Malva verticillata L.)

Malva vidali (Pau) Molero & J.M.Monts. (Syn. Lavatera vidali Pau)

(Quelle: Wikipedia)

In der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie werden vor allem die Malvenblüten der Wilden Malve (Malva silvestris) in Husten- und Brustteemischungen eingesetzt. Sie lindern mit ihrem Schleimgehalt den Reizhusten.

Für Bäder bei schlecht heilenden Wunden und Furunkeln werden Malvenblätter verwendet (von der Weg-Malve, Malva neglecta und von der Wilden Malve, Malva silvestris). In der Schweiz spricht man Mundart vom „Chäslichrut“.

Zu den Malvengewächsen, aber nicht in die Gattung Malva, gehört auch der Eibisch (Althaea officinalis). Eibischwurzel gehört auch zu den Schleimpflanzen und wirkt als Eibischwurzeltee gegen Reizhusten. Eibischschleim lindert Mundschleimhautentzündung und Magenbrennen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Kräuter und ihre Wirkungen: Eibisch (Althaea officinalis)

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„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zum Eibisch steht dort:

„Die Blüten, jungen Blätter und Wurzeln (im Herbst ausgegraben) des echten Eibisch werden frisch oder getrocknet verwendet. Als Tee helfen sie bei Husten, Magen-Darmbeschwerden, Blasen- und Harnwegsentzündungen. Hautverletzungen, Geschwüre und Furunkel behandelt man am besten mit einem Eibisch-Brei. Bei Bienen-Allergie sollten Sie Eibisch eher meiden. Diese werden vom Malvengewächs nämlich besonders stark angezogen.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Eibischwurzel enthält Schleimstoffe. Die Anwendung von Eibischwurzeltee bei Husten ist daher plausibel, vor allem wenn es sich um einen trockenen Reizhusten handelt.

Die Empfehlung bei „Magen-Darmbeschwerden“ ist zu unspezifisch. Sinn machen dürfte Eibischwurzeltee bei Magenschleimhautentzündung und bei Sodbrennen, weil die Schleimstoffe eine schützende Wirkung auf die Magenschleimhaut entfalten. Im Darm wird sich diese Wirkung aber verlieren, da die Schleimstoffe aus dem Eibisch im Verdauungstrakt abgebaut werden.

Die Empfehlung bei Blasenentzündung und Harnwegsentzündung ist nicht nachvollziehbar. Die Schleimstoffe aus dem Eibisch werden als solche jedenfalls nicht in den Körper aufgenommen und andere Wirkstoffe, die bei  Blasenentzündung sinnvoll wären, sind beim Eibisch nicht bekannt. Es handelt sich hier um eine Empfehlung, die nirgends in der Phytotherapie-Fachliteratur abgestützt ist und auch nicht in einer ESCOP-Monografie.

Zum Thema „Monografien“ als Element der Qualitätssicherung in der Phytotherapie siehe:

Phytotherapie: Kommission E – was bedeutet das?

Dieser Text in der „Kleinen Zeitung“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass in Zeitungen und im Internet zum Thema Naturheilmittel neben nützlichen Informationen auch jede Menge Blödsinn geschrieben wird, weil kaum eine Qualitätskontrolle stattfindet.

Wer Heilpflanzen-Präparate und andere Naturheilmittel verantwortungsbewusst anwenden will, holt sich daher am besten selber ein fundiertes Wissen, zum Beispiel im Heilpflanzen-Seminar oder in der Phytotherapie-Ausbildung.

Ob die Anwendung von Eibisch-Brei bei „Hautverletzungen“ Sinn macht ist ungeklärt. Eibisch ist hier sicher nicht erste Wahl und „Hautverletzungen“  als Angabe zuwenig differenziert. Ebenso müsste die Indikation „Geschwüre“ zuerst genauer geklärt werden.

Die Empfehlung von Eibisch-Brei zur Behandlung von Furunkeln basiert wohl auf der Vorstellung,  dass die Schleimstoffe eine erweichende Wirkung haben.

Üblicher sind in diesem Bereich traditionellerweise allerdings heisse Leinsamen-Breiumschläge oder lokale Bäder mit Chäslichrut (Malvenblätter) oder mit Sanikelkraut.

Eine wichtige Information für die Anwendung von Eibischwurzel fehlt im Text der „Kleinen Zeitung“: Eibischwurzel sollte nur mit kaltem Wasser angesetzt werden. Heisses Wasser kann zur Verkleisterung der Stärke führen, was die Freisetzung von Schleimstoffen aus Eibischwurzel vermindert.

Botanisch gehört der Eibisch zur Familie der Malvengewäche (Malvaceae).

Wo kommt Eibisch vor:

„Der echte Eibisch kommt wild in den Steppenzonen Südrusslands und Kasachstan östlich bis zum Altai vor. Im Westen reicht die Verbreitung in Südeuropa vom Balkan über Italien bis zur Iberischen Halbinsel. Nach Mitteleuropa wurde die Pflanze durch den Menschen gebracht (Archäophyt), beständige verwilderte Vorkommen sind hier auf küstennahe Gebiete und Binnensalzstellen beschränkt. Vorübergehend taucht die Pflanze an Ruderalstellen, in Gartenanlagen oder auch auf Schuttplätzen auf. Bevorzugt werden sonnige warme Standorte mit nährstoffreichen, gut wasserversorgten Lehm- oder Tonböden.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen: Schafgarbe (Achillea millefolium)

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Die Pharmaceutical Tribune veröffentlichte kürzlich einen interessanten Beitrag zur Schafgarbe. Hier ein paar Auszüge mit dazwischen gesetzten Kommentaren von mir:

„Äußerlich werden Umschläge aus zerquetschtem Kraut als Auflage bei Verletzungen empfohlen. Sitzbäder mit Schafgarbenaufguss können auf Grund der adstringierenden Wirkung Linderung bei Wunden im Anal- oder Dammbereich bringen…….Laut Kneipp entspricht das Potenzial der Schafgarbe dem des Johanniskrauts.“

Schafgarbe (Achillea millefolium) hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen soliden Ruf als Wundheilpflanze. Sie wurde auch Soldatenkraut und Zimmermannskraut genannt.

Eine wundheilende Wirkung könnte auf das ätherische Öl mit dem Bestandteil Chamazulen zurückzuführen sein. Schafgarbenöl gleicht an diesem Punkt dem Kamillenöl, das seine tiefblaue Farbe dem Chamazulen verdankt.

Wenn Sebastian Kneipp das Potential der Schafgarbe mit demjenigen des Johanniskrautes vergleicht, meint er das sicherlich bezüglich der wundheilenden Wirkung, und nicht bezogen auf die heute viel bekanntere Wirkung des Johanniskrautes gegen Depressionen.

„Die wirksamen Inhaltsstoffe sind vielfältig. Bis zu 1 % ätherisches Öl ist im Kraut enthalten. Laut Arzneibuch beträgt der geforderte Mindestgehalt der Arzneidroge 0,3 %. Dieses kann je nach Ursprung azulenhaltig (bis zu 40 %) oder azulenfrei sein.“

Bei der Schafgarbe (Achillea millefolium) gibt es mehrere Unterarten, die sich im Wirkstoffgehalt stark unterscheiden. Das drückt sich auch in der grossen Spannweite des Azulen-Gehaltes aus – von Null bis zu 40%.

„Die enthaltenen Sesquiterpenlaktone wirken als Bitterstoffe krampflösend auf den Verdauungstrakt und fördern die Gallensekretion.(1)“

Schafgarbe gehört zu den Amara-Aromatica, das sind Heilpflanzen, die sowohl ätherische Öle als auch Bitterstoffe einthalten.

„Das ätherische Öl ist antibakteriell und fungistatisch.“

Fungistatisch = pilzhemmend

„Untersuchungen belegen die choleretische Wirkung für diese Inhaltstoffgruppe anhand methanolischer Extrakte im Vergleich zu Zynarin. (2)“

Choleretisch = regt die Gallensaftproduktion in der Leber an.

Zynarin meint wohl Cynarin, den Bitterstoff aus den Artischockenblättern.

„In hohen Anteilen sind Flavonoidglykoside vom Luteolin- und Apigenintyp sowie Phenolkarbonsäuren im Schafgarbenkraut enthalten. Sie wirken entzündungshemmend und gefäßstabilisierend. Sowohl als wässriger Aufguss als auch in Form einer Tinktur hat Millefolii herba entzündungshemmende und krampflösende Wirkung.(3)“

Traditionell wird die krampflösende Wirkung von Schafgarbentee angewendet zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Das könnte allerdings besser dokumentiert sein – doch würde ich das durchaus mal ausprobieren, wenn ich Menstruationskrämpfe hätte….Für diesen Anwendungsbereich würde ich Schafgarbentee gegenüber der Schafgarbentinktur vorziehen. Als Bittermittel bei Verdauungsschwäche ist Schafgarbentinktur dagegen ebenbürtig.

„Regelmäßige Bäder mit Schafgarbenextrakten bei schlecht heilenden Läsionen am diabetischen Fuß konnten die Wundheilung verbessern. Cave: Korbblütlerallergie!“

Für die Korbblütlerallergie sind die Sesquiterpenlactone verantwortlich. Wer auf sie allergisch ist, wird auch Probleme haben mit den meisten anderen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), zum Beispiel mit Kamille und Arnika.

„Als Apotheker können wir eigene Varianten empfehlen – Schafgarbenextrakt als entzündungshemmenden Zusatz für Sitzbäder gegen Hämorrhoiden und Analfissuren oder einen krampflösenden Tee bei verdauungs- oder menstruationsbedingten Beschwerden im Unterbauch. Auch Kinder ab zwei Jahren profitieren vom Schafgarbentee bei unspezifischen Bauchschmerzen, man sollte ihn nur mit Honig verfeinern.“

Bei Hämorrhoiden und Analfissuren würde ich alllerdings Heilpflanzen mit hohem Gerbstoffgehalt vorziehen, vor allem Eichenrinde oder stark ausgezogenen Schwarztee. Allenfalls liesse sich das aber kombinieren mit den Kamillenblüten / Schafgarbe.

Quelle für die Zitate:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=109691&dspaid=946279

1 Z Naturforsch; 2002: 976–982, 2 Phytomed; 2006: 702–706, 3 BS Vet Med J; 2007: 86–92

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Starke Argumente für Phytotherapie in der Psychiatrie

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Professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Psychiatrie bieten Chancen für alle Beteiligten – für Kliniken, Pflegende, Psychiaterinnen und Psychiater, Patientinnen und Patienten. Warum das so ist, soll hier kurz zusammengefasst werden:

Die in der Phytotherapie verwendeten Extrakte, Tinkturen, Tees, Wickel, Einreibungen oder

Inhalationen  können bei der Regulierung von Störungen in den Bereichen Schlaf, Angst und Gemütsverstimmungen mithelfen. Die besondere Stärke der Phytotherapie in der Psychiatrie liegt aber darin, dass Psychiatriepatientinnen und -patienten über ihre psychiatrische Erkrankung hinaus immer wieder einmal an Beschwerden leiden, wie sie auch in der übrigen Bevölkerung vorkommen: Erkältungskrankheiten, Verdauungsstörungen, Hautprobleme, Kreislauferkrankungen, Blasenentzündungen etc.

Hier kann die Phytotherapie in vielen Fällen überzeugende Angebote machen.

Psychiatriepatienten und  -patientinnen, die aufgrund ihrer psychiatrischen Krankheiten häufig starke Medikamente benötigen, sind oft dankbar für «sanfte» Heilpflanzen-Anwendungen in diesen somatischen Zonen. Ein fundiertes, geklärtes und in der Institution verankertes «Phytokonzept» kann zudem Ärztinnen und Ärzte von Bagatellfällen entlasten, so dass sie sich mehr auf diejenigen Probleme fokussieren können, bei denen ihre psychiatrische Fachkompetenz stark gefordert ist.

Wickel, Kräutertees, Einreibungen oder Bäder vermitteln persönliche Zuwendung in einer strukturierten, ritualisierten Form. Das entlastet Pflegende oft von entsprechenden Ansprüchen zu allen möglichen und unmöglichen anderen Zeiten. Eine tragfähige Compliance bei der psychiatrischen Medikation lässt sich manchmal unterstützen, wenn den Patientinnen und Patienten im Bereich von Heilpflanzen-Anwendungen das Gefühl vermittelt werden kann, dass sie Einfluss haben auf ihre Behandlung und daran mitwirken können.

Kliniken können mit einem Phytotherapie-Konzept das weit verbreitete Bedürfnis nach „natürlichen Heilmitteln“ aufgreifen und mit einem professionellen, seriösen Angebot beantworten. Mit einem Angebot notabene, das kompatibel ist mit Medizin bzw. Psychiatrie, und mit dem sich eine Klinik auch in der Öffentlichkeit positionieren und profilieren kann.

Eine sorgfältige, fundierte Phytotherapie-Ausbildung für Pflegefachleute, aber auch Medizinerinnen und Mediziner wird seit 2001 am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur angeboten.

Weiter Informationen bei der Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege, www.ig-pp.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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