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Ingwer unterstützt Heilungsprozess bei Mandel-Operation

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Die Einnahme von Ingwer-Pulver nach einer Entfernung der Gaumenmandeln kann im Vergleich zu Placebo den Schmerz signifikant lindern und die Epithelisierung im Wundbereich beschleunigen. Das ist das Resultat einer kleinen Studie, die kürzlich im Fachmagazin «Clinical and Experimental Otorhinolaryngology» publiziert wurde.

An der prospektiven Studie beteiligten sich 49 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren. Nach dem Eingriff bekamen sie alle standardmäßig eine antibiotische Behandlung bestehend aus Amoxicillin und Clavulansäure (zweimal täglich 1000 mg) sowie dreimal pro Tag 500 mg Paracetamol zur Schmerzlinderung. 29 Patienten erhielten zusätzlich über sieben Tage zweimal täglich Ingwerwurzel in Kapselform (500 mg Ginger Root, Solgar). Ein Facharzt begutachtete und dokumentierte den Heilungsprozess jeweils nach 1, 4, 7 und 10 Tagen. An denselben Tagen wurde das Schmerzempfinden mittels einer visuellen Analogskala erfasst. Das Schmerzempfinden war unter der Ingwer-Gabe an allen Untersuchungszeitpunkten signifikant geringer als in der Vergleichsgruppe. Ausserdem war die Epithelisierung (Wundheilung) nach 7 beziehungsweise 10 Tagen in der Ingwer-Gruppe deutlich weiter fortgeschritten als unter der alleinigen Standardbehandlung: Bei 74 Prozent der Patienten mit der Ingwer-Zusatzbehandlung war die Wundfläche schon zu mehr als 75 Prozent mit Epithel bedeckt. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 24 Prozent der Fall war. Auch die Nahrungsaufnahme konnte in der Ingwer-Gruppe deutlich früher wieder einsetzen. Bei der Häufigkeit postoperativer Übelkeit und Erbrechen sowie von Blutungen waren zwischen den beiden Gruppen keine relevanten Unterschiede feststellbar.

Die Autoren um Dr. İlker Koçak von der Koç Universität in Instanbul führen die Resultate auf spezifische Wirkungen des Ingwers zurück, insbesondere auf entzündungswidrige und wundheilungsverbessernde Eigenschaften, die bereits experimentell in Studien gezeigt werden konnten. Größere Untersuchungen seien jedoch notwendig, um den Effekt zu bestätigen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=73567

https://www.e-ceo.org/journal/view.php?doi=10.21053/ceo.2017.00374

DOI: 10.21053/ceo.2017.00374

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema dieser Studie ist für die Phytotherapie sehr interessant.

Wenn es tatsächlich so ist, dass Ingwer in einer Dosis von 1 g / Tag in einer akuten Situation schmerzlindernd wirkt und vor allem auch noch die Wundheilung verbessert, dann ist das sehr bemerkenswert.

Ich habe mir die Originalstudie kurz angeschaut.

Die Patienten wurden randomisiert, das heisst per Zufall auf die zwei Gruppen verteilt. Das ist wichtig, weil es Manipulationsmöglichkeiten reduziert. Die Patienten wussten nicht, dass die Ingwer-Kapsel auf schmerzlindernde Wirkung getestet werden sollte und der Befund-erhebende Hals-Nasen-Ohren-Arzt wurde im unklaren darüber gelassen, zu welcher Gruppe der jeweils untersuchte Patient gehört. Das sind Qualitätsmerkmale für eine Studie. Die Zahl der Studienteilnehmer ist aber sehr klein und reicht nicht, um eine Wirksamkeit einwandfrei zu belegen. Und die Qualität der statistischen Berechnungen kannich nicht beurteilen.

Im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ ist die Rede von standardisiertem Ingwer-Extrakt. Das stimmt nicht. In der Originalarbeit ist von Ingwerpulver die Rede. Das untersuchte Produkt ist ein schlichtes Nahrungsergänzungsmittel. Damit ist es nicht patentierbar und braucht für die Zulassung am Markt auch keine Wirksamkeitbelege zu liefern, wie das bei eiinem Arzneimittel der Fall wäre. Aus diesen zwei Gründen werden wohl die grösseren Untersuchungen, die von den Studienautoren angeregt werden, kaum zustande kommen.

1000 mg Ingwerwurzelpulver entspricht inm Bereich der Phytopharmaka, also der pflanzlichen Arzneimittel, vier Kapseln Zintona pro Tag.

Dass Ingwer entzündungswidrig wirken kann, dafür gibt es schon seit einiger Zeit experimentelle Hinweise aus dem Labor, aber nur wenige konkrete Erkenntnisse bei Patienten. Und in der Ayurvedischen Medizin wird Ingwer mit Erfolg in der Behandlung von Migräne eingesetzt. Das kommt dem Thema Schmerzreduktion zumindestens nahe.

Ingwertherapie zeigte in einer Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo bei Arthrose. Dabei variierte die Behandlungsdauer aber zwischen drei und zwölf Wochen, während an der besprochen Studie nach Mandel-OP die schon kurzfristig auftretende Wirkung auffällt.

Neu für die Phytotherapie-Fachliteratur ist die mögliche Förderung der Wundheilung durch Ingwer bei peroraler Anwendung. Wenn das bestätigt werden könnte, wäre das sehr interessant. Dann könnte man darüber nachdenken, bei welchen Wunden das sonst noch Sinn macht und das gäbe eine ganze Palette von Einsatzmöglichkeiten. Aber eben: Da hat es noch einige ‚wenn’ und ‚könnte’….

Bemerkenswert ist auch, dass sich keine Abnahme bei der Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen zeigte. Ingwer wurde mehrfach zur Linderung von Übelkeit nach Operationen bzw. Narkosen untersucht und zeigte dabei widersprüchliche Ergebnisse. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

„Nach einem überblick über die publizierten Doppelblindstudien zur Verhinderung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen besteht zwischen Ingwer und Placebo kein Unterschied, jedoch ein Effekt bei Schwangerschaftserbrechen und der Reisekrankheit. Dennoch wird von verschiedenen Seiten die Anwendung bei Schwangeren wegen fehlender umfangreicher Daten und der unklaren Thromboxan-Synthesehemmung durch Ingwer nicht empfohlen.“

Siehe auch:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als ‚Gut‘ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

 

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Ingwer bei Erkältungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

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Ingwer (Zingiber officinale) wird nicht nur seit langem als Gewürz verwendet, die Knolle gehört auch zu den wichtigen Heilpflanzen in verschiedenen Kulturkreisen – so in der ayurvedischen Medizin, in der chinesischen Medizin und in der westlichen Medizin bzw. Naturheilkunde.

Bekannte Anwendungsbereich von Ingwer sind Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsbeschwerden, Erkältungskrankheiten, Arthrose.

Die Ayurvedische Medizin verwendet Ingwer gegen Migräne.

Nun wurde die Wirksamkeit eines Ingwer-Extrakts bei Patienten mit Migräneschmerz ohne Aura in einer Studie untersucht. Die Ingwer-Kapseln verminderten den Kopfschmerz innerhalb von zwei Stunden ebenso gut wie die standardmäßig eingesetzte Substanz Sumatriptan, bewirkte jedoch vergleichsweise viel weniger unerwünschte Nebenwirkungen aus.

Für Migräne-Patienten ohne Aura, die eine verträgliche und wirksame Alternative zur Behandlung ihres Migräne-Kopfschmerzes suchen, scheint Ingwer-Extrakt somit ein geeignetes Mittel.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/sanfte-alternative-bei-migraene.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23657930

 

Kommentar & Ergänzung:

Es wurde laut Abstract der Studie Ingwerpulver verwendet. Im Gegensatz zur Angabe der Carstens-Stiftung, die von Ingwer-Extrakt schreibt. Das ist nicht das selbe.

Leider steht im Abstract nicht, wieviel Gramm Ingwer pro Tag verabreicht wurde.

Als mittlere Tagesdosis wird in der Regel angegeben 2 – 4 g getrockneter Ingwerwurzelstock.

Der Wirkstoff Sumatriptan gehört zur Gruppe der Triptane und ist in der Schweiz seit 1993 als Imigran® zur Akutbehandlung der Migräne und des Cluster-Kopfschmerz zugelassen. Inzwischen sind auch zahlreiche Generika im Handel.

Sumatriptan wirkt über die selektive Bindung an Serotoninrezeptoren. Es können vielfältige unerwünschte Nebenwirkungen auftreten wie Schwindel, Benommenheit, Empfindungsstörungen, Blutdruckanstieg, Flush, Atemstörungen, Erbrechen, Übelkeit, Schweregefühl, Schmerzen, Hitze-, Kälte-, Druck-, Engegefühl, Müdigkeit und Schwäche.

Sollte Ingwer tatsächlich gleichwertig wirksam sein verglichen mit Sumatripan, dann wäre das ein „Knüller“, wenn man noch die viel bessere Verträglichkeit mitbewertet.

Allerdings stammt die Studie aus dem Iran. Und bei der Bewertung iranischer Studien bin ich immer ein bisschen zurückhaltend, seit ich ein Interview gelesen habe mit Roman Huber, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg im Breisgau:

„….aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle:

http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/panorama/schoen-mild-und-sehr-beruhigend–38073981.html

 

Fazit: Ich würde die Indikation Migräne klinisch noch nicht als gesichert anschauen. Dazu bräuchte es eine Bestätigung durch eine andere, unabhängige Forschergruppe, am liebsten aus Europa.

Wir wollen ja schliesslich nicht dem Single-Study-Syndrom anheimfallen.

Wenn ich allerdings Migräne hätte, würde ich Ingwer beim nächsten Anfall 1mal ausprobieren. Kostet nicht viel, ist ungefährlich und ein allfälliger Erfolg müsste sich rasch einstellen – und dadurch einiger massen einschätzbar sein.

Obwohl bei Einzelerfahrungen nie Gewissheit besteht, ob eine Besserung tatsächlich dem angewandten Mittel zuzuschreiben ist – oder dem natürlichen Verlauf, dem Placeboeffekt oder anderen Kontextfaktoren.

Zu Ingwer siehe auch:

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Onkologie / Palliative care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechansimus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie 

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und  Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren 

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weihrauch-Forschung: Boswelliasäuren hemmen Entzündungen

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Weihrauch gehörte bereits zu den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland: Neben Myrrhe und Gold brachten sie für das neugeborene Jesuskind auch Weihrauch mit. Seit der Antike zählt der aromatische Duft des verbrennenden Weihrauchharzes zu verschiedensten religiösen Zeremonien und ist bis in die Gegenwart in der Kirche Ausdruck besonderer Festlichkeit. Weihrauch kann aber noch mehr: „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen“, erklärt Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Diese machen Weihrauch als Arzneimitten unter anderem für die Behandlung von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant.

Allerdings sucht man Arzneimittel mit Weihrauchwirkstoffen in deutschen Apotheken bislang vergebens. Denn die pharmakologischen Grundlagen der Wirkung des Weihrauchs sind erst wenig untersucht. „Auch wenn Weihrauchharz schon seit Jahrtausenden beispielsweise in der ayurvedischen Medizin genutzt wird, reichen die bisher durchgeführten klinischen Studien für eine Zulassung in Deutschland und Europa nicht aus“, sagt Prof. Werz.
Das könnte sich nun aber ändern. Im Rahmen eines Verbundprojekts mit Partnern der Uni Saarbrücken und einem Startup-Unternehmen sind Prof. Werz und sein Team dem Wirkmechanismus des Weihrauchs auf der Spur. Dabei konnten die Wissenschaftler zeigen, an welcher Stelle die für die Wirkung des Weihrauchharzes verantwortlichen Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren, in den Entzündungsvorgang eingreifen.

„Boswelliasäuren interagieren mit verschiedenen Eiweißen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind. Insbesondere jedoch mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist“, erklärt Oliver Werz. Prostaglandin E2 zählt zu den Vermittlern der Immunantwort und spielt unter anderem im Entzündungsvorgang sowie bei der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle. „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion“, sagt der Jenaer Pharmazeut. Damit sei nicht nur ein gezielter Einsatz in der Behandlung von Entzündungserkrankungen vorstellbar. Boswelliasäuren ließen auch weniger Nebenwirkungen erwarten, als gegenwärtig verwendete  Entzündungshemmer wie Diclofenac oder Indometacin. Diese wirken weniger spezifisch und können bei längerer Anwendung das Risiko für Magengeschwüre steigen und die Nierenfunktion stören.

In ihrer aktuellen Studie haben die Wissenschaftler um Prof. Werz zudem das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen und in seiner entzündungshemmenden Wirkung untersucht. Weltweit kommen mehr als zehn verschiedene Arten von Weihrauch vor. Am bekanntesten und verbreitetsten sei der in Nordindien und Zentralindien beheimatete Weihrauch Boswellia serrata. „Wie wir jetzt gesehen haben, ist jedoch das Harz von Boswellia papyrifera um den Faktor zehn wirksamer“, nennt Prof. Werz ein weiteres Resultat der Untersuchung. Diese Weihrauchart kommt hauptsächlich im Nordosten Afrikas (Äthiopien, Somalia) und auf der arabischen Halbinsel (Jemen, Oman) vor.

Ob sich Weihrauch als Medikament in Zukunft tatsächlich durchsetzen kann, hängt allerdings nicht nur vom Ausgang der noch ausstehenden klinischen Überprüfung ab. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, betont Werz. Damit sind diese Bäume die einzige Quelle für den aussichtsreichen Wirkstoff. Weihrauchbäume sind in ihrem Bestand aber stark bedroht. Vielerorts werden sie einfach als Brennmaterial genutzt. Prof. Werz warnt deshalb: „Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren.“

Quelle:

Friedrich-Schiller-Universität Jena

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=38018

Kommentar & Ergänzung:

Interessant scheint mir vor allem die Aussage, dass Boswellia papyrifera 10mal wirksamer sein soll als der Indische Weihrauch. Das bekannteste Weihrauchpräparat, Gufic H15, besteht nämlich aus Indischem Weihrauch.

Bezüglich dem Wirkungsmechanismus des Weihrauchharzes  gibt es in den Forschungsergebnissen und in der Phytotherapie-Fachliteratur unterschiedliche Erklärungsansätze. Boswelliasäuren galten vor allem auch als Leukotrien-Hemmer.

Eine Zusammenfassung der Diskussion gibt es im Pharmawiki:

„Lange Zeit war die 5-Lipoxygenase, das Schlüsselenzym der Leukotrienbiosynthese, als selektiver Angriffspunkt der Boswelliasäuren identifiziert worden. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Hemmung der 5-Lipoxygenase nicht das zugrunde liegende Wirkprinzip des Weihrauchs ist. Zwar hemmen die Boswelliasäuren die Leukotrienbildung in vitro, aber die dazu notwendigen Konzentrationen sind sehr hoch und in vivo kaum erreichbar, insbesondere wegen der starken Bindung an Plasmaproteine. Die folgenden Angriffspunkte werden für die entzündungshemmenden Eigenschaften der Boswelliasäuren verantwortlich gemacht:

Hemmung der 12-Lipoxygenase

Hemmung der Leukozytenelastase

Hemmung des NFκB-Signalwegs

Hemmung des Cathepsin G

Die antientzündliche Wirkung kann also über ein weites Spektrum an entzündungshemmenden Einflüssen erklärt werden. Ein Angriff an direkt entzündungsfördernden Proteinen wie den Lipoxygenasen und auch Cyclooxygenasen scheint im Organismus eher von untergeordneter Rolle zu sein. Ein Eingriff in den NFκB-Weg stellt im Gegensatz zum direkten Angriff an den Lipoxygenasen eine indirekte Hemmung der Entzündung durch Modulation der „Steuerung“ des Entzündungsgeschehens dar. So werden Botenstoffe, die zur Ausweitung der Entzündung von Immunzellen ausgeschüttet werden, durch Hemmung des NFκB-Weges vermindert gebildet…… Vermutlich ist nicht ein einzelner Angriffspunkt für das Wirkungsbild von Weihrauchharzextrakten verantwortlich, sondern es werden mehrere Mechanismen der Entzündungsregulation beeinflusst, die dann gemeinsam zu einer Entzündungshemmung führen. Trotzdem wird bis heute weitläufig die Hemmung der Leukotriensynthese durch Boswelliasäuren als „das Wirkprinzip“ des Weihrauchs angeführt.“

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Weihrauch

Möglicherweise verschieben die Arbeiten an der Universität Jena dem Focus nun verstärkt auf die Prostaglandinhemmung.

Entscheidender als die Erforschung des Wirkungsmechanismus im Labor ist allerdings die Wirksamkeit in klinischen Studien mit Patienten.

Im Zentrum solcher Studien steht die chronische Polyarthritis, aber auch Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

In diesen Bereichen liegen positive Studienresultate vor, die allerdings wegen methodischer Diskussionspunkte kontrovers beurteilt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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BBT: Pseudo-Qualitätssicherung im Bereich Alternativmedizin

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Das Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) arbeitet an der Schaffung eines eidgenössisch anerkannten Berufsabschlusses für die nicht-ärztliche Alternativmedizin.

Die Etablierung eines eidgenössischen Abschlusses sei ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung in diesem wachsenden Markt und der Bund strebe eine einheitliche Ausbildung im unübersichtlichen Feld der Alternativmedizin an, hält das BBT fest.

Das tönt gut. Qualitätssicherung in Bereich der Alternativmedizin fehlt bisher fast vollkommen und wäre daher nötig.

Eine verbesserte Qualitätssicherung wurde schliesslich auch den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern versprochen, wenn sie dem Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin zustimmen (Abstimmung Mai 2009). Besonders weit zum Fenster hinausgelehnt mit leeren Versprechungen haben sich an diesem Punkt – leider – Politikerinnen und Politiker der Sozialdemokratischen Partei (Simonetta Sommaruga, Jean-François Steiert, Edith Graf-Litscher) und der Grünen Partei (Yvonne Gilli), aber auch der Freisinnig-Demokratischen Partei (Rolf Büttiker).

Sie haben Qualitätssicherung im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin versprochen, dabei aber die zentrale Frage, nach welchen Kriterien Qualität in diesem Bereich beurteilt werden soll, vollständig ausgeklammert.

Daher noch einmal:

Nach welchen Kriterien genau soll beurteilt werden, wer/was im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin Qualität hat und was nicht?

Wer entscheidet über diese Kriterien?

Und nach welchen Kriterien werden diejenigen ausgewählt, die über diese Kriterien entscheiden?

Siehe dazu auch:

Komplementärmedizin-Abstimmung: Fragwürdige Versprechen zur Qualitätssicherung

Politikerinnen und Politiker, die sich nicht mit diesen Fragen befassen und darauf Antworten suchen, machen meines Erachtens eine Politik der leeren, populistischen Versprechungen. Das ist billig und ohne Aufwand zu haben. Qualitätssicherung wird zum inhaltslosen Schlagwort.

Seit der Abstimmung vom Mai 2009 ist ja nun einige Zeit vergangen und wir können schauen, wie sich die versprochene Qualitätssicherung anlässt:

– Es wurde inzwischen eine „Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz» (OdA-AM) gegründet und vom Bund bisher mit 174 800 Franken unterstützt. Diese Dachorganisation reglementiert im Auftrag des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) die Berufsausbildung von nicht ärztlichen Alternativmedizinern. Ziel dieser Arbeit ist die Schaffung von eidgenössisch anerkannten Berufsabschlüssen.

– Mitglied der OdA-AM sind folgende Verbände:

APTN Association des Practiciens en Thérapie Naturelles;

HVS Homöopathie Verband Schweiz;

NVS Naturärztevereinigung Schweiz;

SEBIM Schweizerische Gesellschaft für Energie-, Bioresonanz- und Informationsmedizin;

SBO-TCM Schweizerische Berufsorganisation für TCM;

SVANAH Schweizer Verband der approbierten Naturärztinnen und Naturheilpraktikerinnen;

SVMAV Schweizer Verband für Maharishi Ayurveda;

hfam konferenz höhere fachschulen alternativmedizin;

VSNS Verband Schweizer Naturheilkunde Schulen.

Geht es um die Arbeit dieser Verbände in der OdA-AM um Qualitätssicherung, so wäre die erste Frage, nach welchen Qualitätskriterien diese Verbände ausgewählt wurden.

In diesem Punkt ist nicht ein Hauch von transparenten Qualitätskriterien sichtbar. Es scheint eher eine Frage erfolgreichen Lobbyings zu sein, wer hier Qualitätssicherung machen soll. Das bedeutet dann allerdings das Grounding jeder Qualitätssicherung.

(damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich habe weder die Neigung noch den Wunsch, in der OdA-AM irgendwie mitzuwirken und die Arbeit der OdA-AM begrifft mich nicht, da Phytotherapie nicht zur Alternativmedizin / Komplementärmedizin gehört. Siehe: Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?)

– Konkret erarbeitet die OdA-AM Berufsbilder für die vier Fachrichtungen traditionelle chinesische Medizin (TCM), Homöopathie, Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEM) und ayurvedische Medizin, die zu einem eidgenössisch anerkennten Berufsabschluss führen sollen.

Auch hier stellen sich viele Fragen, wenn es bei der Arbeit der OdA-AM und des BBT’s um Qualitätssicherung gehen soll:

Nach welchen Qualitätskriterien wurden diese vier Methoden ausgewählt. Es gibt mehrere hundert verschiedene Methoden in der Alternativmedizin / Komplementärmedizin. Oder muss ich auch hier davon ausgehen, dass es eine Frage des Lobbyings ist, welche Methode berücksichtigt ist?

– Weitere Fragen bezüglich Qualitätssicherung stellen sich, wenn man die einzelnen Fachrichtungen in den Blick nimmt. Wer entscheidet, was in Fachbereich Homöopathie, Traditionelle chinesische Medizin (TCM), Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEM) oder ayurvedische Medizin als Qualität zu gelten hat?

Im Fachbereich Homöopathie gibt es verschiedene Richtungen, deren Grundsätze sich zum Teil widersprechen (z. B. Kompex-Homöopathie, klassische Homöopathie). Wer entscheidet?

Traditionelle Europäische Medizin ist ein sehr junges Konglomerat, zusammengestellt aus denjenigen Puzzle-Teilen der alten europäischen Heilkunde, die den Bedürfnissen heutiger Menschen entgegen kommen. Wer entscheidet nach welchen Kriterien, welche Puzzle-Teile qualitativ überzeugen?

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist als Exportprodukt zugeschnitten auf westliche Bedürfnisse und etwa 65 Jahre alt. Mit der sehr heterogenen alten chinesischen Medizin hat sie nur noch sehr wenig gemeinsam. Auch hier stellt sich die Frage, wer Qualität beurteilen soll.

Und zuletzt noch Ayurvedische Medizin. Hier ist schon ziemlich klar, dass die Sekte des Maharishi Mahesh Yogi, dem Begründer der Transzendentalen Meditation (TM), im Auftrag und mit Unterstützung des BBT’s bestimmt, was Qualität in der Ayurvedischen Medizin ist. Die „Yogi-Flieger“ sind auch im Vorstand der OdA-AM vertreten und steuern so generell mit im Aufbau der eidgenössisch anerkannten Berufbilder in der Alternativmedizin.

Der Tages-Anzeiger berichtete kürzlich über den fragwürdigen Stand der Dinge bezüglich der „Yogi-Flieger-Connection“:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/YogiFlieger-unterwegs-im-Auftrag-des-Bundes/story/31057135

Es sieht alles danach aus, dass die Qualitätssicherung innerhalb der einzelnen Fachrichtungen auf einem Binnenkonsens erfolgen wird.

Als Binnenkonsens wird ein Konsens bezeichnet, der nur innerhalb eines begrenzten Menschenkreises besteht, hier also aus denjenigen Vertretern der jeweiligen Fachrichtungen, die sich durch Lobbying durchgesetzt haben.

Fazit:

Solange keinerlei transparente und unabhängig von den einzelnen Methoden geltende Qualitätskriterien gelten, täuscht das BBT gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern Qualitätssicherung nur vor – während es eigentlich um Lobbying geht. Ist das jetzt die Qualitätssicherung, die uns vor allem die Grüne Partei der Schweiz (GPS) und die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS) so vollmundig versprochen haben?

Abschliessend:

Meiner Ansicht nach gibt es im Bereich der Alternativmedizin gar keine transparenten und unabhängig von den einzelnen Methoden nachvollziehbaren Qualitätskriterien, wenn wissenschaftliche Kriterien, welche diese Bedingungen erfüllen könnten, ausgeklammert sind.

Es ist mir aber auch klar, dass im Bereich Alternativmedizin wissenschaftliche Qualitätskriterien nicht zur Anwendung kommen können, wenn von diesen Fachbereichen noch etwas übrig bleiben soll.

Ich plädiere daher nicht gegen eine Regulierung durch das BBT.

Die Regulierung und Qualitätssicherung durch das BBT sollte sich aber auf die medizinischen Grundlagenfächer begrenzen, weil dort transparente und über einen Binnenkonsens hinaus nachvollziehbare Kriterien auffindbar sind.

Tut das BBT aber so, als mache es Qualitätssicherung in den Fachbereichen der Alternativmedizin, so gaukelt es den Bürgerinnen und Bürgern etwas vor, das nicht wahr ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Interessiert an einer Naturheilkunde-Ausbildung?

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Wenn Sie interessiert sind an einer Ausbildung in Naturheilkunde, dann lohnt es sich genau zu klären, was Sie lernen möchten.

Naturheilkunde ist nämlich ein Begriff, der sehr ungenau und ziemlich willkürlich benutzt wird.

Versteht man den Begriff Naturheilkunde auch von seiner Geschichte her, bezeichnet er ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Alfred Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)

– Bewegungstherapie

– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem

dem Krankheitsbild angepasste Diät)

– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit

der Natur)

– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp.

Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.

Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Ayurvedische Medizin

Anthroposophische Medizin

(Quelle: Wikipedia, Artikel „Naturheilkunde“, gekürzt und überarbeitet)

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Es gibt im Bereich der Naturheilkunde-Ausbildungen keine Qualitätsstandards und keine verbindlichen Lehrpläne.

Wenn Sie sich Fragen stellen zur Qualität einer Naturheilkunde-Ausbildung – und das ist sehr wichtig, wenn Sie einer Ausbildung in diesem Bereich machen wollen –  dann hilft Ihnen vielleicht folgende Checkliste weiter:

Naturheilkunde-Ausbildung: Was sie wissen sollten

Ausserdem:

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Falls Sie aus diese weiten und vielfältigen Feld der Naturheilkunde eine Ausbildung oder Weiterbildung im Teilbereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde ins Auge fassen, finden Sie dazu meine aktuellen Angebote oben unter dem Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kurkuma als Leberschutz untersucht

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In der ayurvedischen Medizin wird Curcumin seit Jahrhunderten gegen Galle- und Leberbeschwerden angewendet, um die Verdauung zu fördern und Entzündungen zu hemmen. In einer internationalen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Trauner von der MedUni Graz wurde die Wirkung von Curcumin nun im Mausmodell erforscht.

Curcumin ist ein intensiv orange-gelber Farbstoff, welcher in natürlicher Form in der Gelbwurzel (Kurkuma) vorkommt. Im Rahmen der Studie wurden im Mausmodell die medizinischen Auswirkungen der Inhaltsstoffe von Curcumin bei fortschreitender chronischer Leberschädigung durch Entzündung der Gallenwege und Cholestase untersucht. Unter Einwirkung von Curcumin kam es zu einer Besserung der Gallenwegsentzündung und Leberfibrose mit bedeutend weniger Leberschädigung durch Gallestau im Tiermodell. Zudem konnten die daran beteiligten Signalübertragungswege im Gallengangsepithel und in den bindegewebsbildenden Zellen in der Leber aufgeklärt werden. „Aus diesem Forschungsergebnis könnte sich ein vielversprechender therapeutischer Ansatz ergeben“, erklärt Prof. Dr. Michael Trauner, Leiter der Arbeitsgruppe für experimentelle und molekulare Hepatologie der Med Uni Graz.

Quelle:

Baghdasaryan, A. et al.: Gut 2010; 59: 521-30; doi:10.1136/gut.2009.186528

MedUni Graz/PH, Ärzte Woche 14 /2010

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=16334

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin wird seit Jahren intensiv untersucht und zeigt dabei sehr interessante Eigenschaften. Allerdings werden oft vorschnell Ergebnisse aus Tiermodellen auf den kranken Menschen übertragen.

Ein immer wiederkehrendes Problem ist zudem die schlechte Resorbierbarkeit von Curcumin aus dem Verdauungstrakt. Die besten Laborergebnisse sind nicht viel wert, wenn das Curcumin nicht in relevanten Mengen aus dem Verdauungstrakt aufgenommen wird.

Gelbwurz, in welchem das Curcumin natürlicherweise vorkommt,  ist im übrigen der farbgebende Bestandteil in der Curry-Mischung.

In der Phytotherapie gilt als Heilpflanze mit Leberschutz-Effekt vor allem die Mariendistel und die Artischocke. Hauptsächlich mit dem Mariendistel-Inhaltsstoff Silymarin wurden und werden auch Studien mit Patienten durchgeführt.

Soweit ist das Thema „Curcumin & Leberschutz“ noch nicht gediehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturheilkunde – was ist das?

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Naturheilkunde, Komplementärmedizin, Alternativmedizin – das sind Begriffe, die schwer zu fassen sind und sich zum Teil auch überschneiden. Doch wenn wir sie nicht einigermassen definieren und klären, was wir damit meinen, dann reden wir ganz einfach aneinander vorbei.
Naturheilkunde lässt sich in Anlehnung an Wikipedia etwa so zusammenfassen:

Der Begriff Naturheilkunde bezeichnet ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Dass diese Definition nicht problemlos ist, zeigen folgende Beispiele: die Impfung mit einem gentechnologisch hergestellten Heptitis-B-Impfstoff wirkt prophylaktisch durch Aktivierung des körpereigenen Immunsystems oder Penicillin ist ein Stoff natürlichen Ursprungs. Zur Naturheilkunde zählt keines der beiden Beispiele, obwohl sie die oben genannten Definitionskriterien erfüllen.

Die Naturheilkunde wird heute großenteils zum Bereich der Alternativmedizin und im engeren Sinne zur Komplementärmedizin gezählt (d. h. zu den wissenschaftlich nicht anerkannten, die Schulmedizin ergänzenden Verfahren). Als ein bedeutender Pionier der Naturheilkunde gilt der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland. 1888 erschien von Friedrich Eduard Bilz mit seinem Bilz-Buch ein Standardwerk der Naturheilkunde.

Naturheilverfahren

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)
– Bewegungstherapie
– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem
dem Krankheitsbild angepasste Diät)
– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit
der Natur)
– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp. Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.
Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie
Traditionelle Chinesische Medizin
Ayurvedische Medizin
Anthroposophische Medizin

Quelle: Wikipedia, Artikel “Naturheilkunde” (gekürzt und überarbeitet)

Kommentar:

Klassische Naturheilkunde aufwerten!

Weil die fünf Säulen nach Kneipp mit dem wissenschaftlichen Denken und handeln kompatibel sind, eignen sie sich ausgezeichnet zum Brückenbau zwischen Medizin und Komplementärmedizin. In Teilbereichen sind denn auch Phytotherapie, Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Diätetik und Ordnungstherapie (moderner ausgedrückt: Psychosomatik) auch wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden.

Meiner Ansicht nach sind diese fünf klassischen Naturheilverfahren sehr zu Unrecht etwas in den Hintergrund geraten.
Wahrscheinlich sind sie für die heutige Zeit einfach zuwenig schrill, zuwenig exotisch, zu simpel.
Zum Beispiel Bewegung? – Es gibt kaum etwas Gewöhnlicheres und viel zu verdienen ist auch nicht damit. Dabei ist Bewegung hoch wirksam für unsere Gesundheit und wohl wertvoller als alle Nahrungsergänzungsmittel zusammen, die viele Leute tagaus tagein konsumieren.

Wahrscheinlich decken die klassischen Naturheilverfahren auch die hohen Sinnbedürfnisse des heutigen Menschen nicht mehr so gut.

Methoden wie beispielsweise Anthroposophische Medizin, Ayurvedische Medizin oder Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) legen ein Sinngefüge in die Krankheiten. Das kann für manche Patientinnen und Patienten erleichternd wirken.

Allerdings sind es heteronome (= von aussen stammende) Sinngebungen, die sehr genau auf ihre psychologischen, philosophischen und politischen Konsequenzen hin unter die Lupe genommen werden sollten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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