Artikel mit Schlagwort ‘Ausbildungen’

Photosensibilisierung durch Johannisöl?

Sonntag, Oktober 23rd, 2011

Johannisöl ist ein altes Hausmittel in der Wundbehandlung, gegen Sonnenbrand, zur Narbenpflege etc.

Wann genau eine Anwendung von Johannisöl sinnvoll ist, müsste noch genauer unter die Lupe genommen werden.

Oft hört man im Zusammenhang mit Johannisöl, dass es eine photosensibilisierende Wirkung habe, also die Haut empfindlicher gegen Sonnenstrahlung mache.

Beim Johanniskraut ist die Frage einer Photosensibilisierung schon seit längerem ein Thema, doch geht es dabei um die Einnahme von Johanniskraut-Extrakten gegen Depressionen. Verantwortlich für diesen Effekt ist der Inhaltsstoff Hypericin.

Es spricht sehr viel dafür, dass dieses Risiko überschätzt wird.

Siehe:

Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt

Johanniskraut & Sonnenlicht

Bei der äusserlichen Anwendung von Johannisöl spricht alles dafür, dass vom Hypericin auf diesem Weg kein Risiko einer Photosensensibilisierung ausgeht. Allenfalls bewirkt der „Brennglaseffekt“ des fetten Öls ein erhöhtes Sonnenbrandrisiko. Das sieht auch eine Publikation der carstens-stiftung so:

„Eine Photosensibilisierung konnte lediglich für das Johanniskrautöl mit der sensitiven photometrischen Erythemmessung nachgewiesen werden. Dieser signifikante Effekt (Erythemverstärkung) konnte  allerdings mit dem visuellen Score nicht betätigt werden, so dass der Effekt insgesamt als klinisch nicht relevant eingestuft werden kann. Unter Umständen ist die leichte Erythemverstärkung durch das Öl auf einen ‚Brennglaseffekt’ zurückzuführen, indem die Durchlässigkeit für UV-Strahlen erhöht wird. Eine Photosensibilisierung, die den Hypericinen zugeschrieben wird, ist beim Öl eher unwahrscheinlich,  da die Hypericine als lipophile Oxidationsprodukte (Ölhypericine) vorliegen und wahrscheinlich nicht mehr photodynamisch aktiv sind.“

Aus: Photosensibilisierende und immunmodulierende Eigenschaften von Johanniskrautcreme und Johanniskrautöl; Ch. M. Schempp, B. Winghofer, R. Lüdtke, J.C. Simon, E. Schöpf, auf: http://www.carstens-stiftung.de/wissen/phyto/pdf/jahrbuch_johanniskraut_schempp.pdf

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen für Wundheilung und bei Hautproblemen

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Verschiedene Heilpflanzen verbessern die Wundheilung, lindern Hautentzündungen oder wirken abschwellend. Es sollten jedoch nur Heilpflanzen verwendet werden, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Eine Fachperson erläutert, welche Kräuter das sind und welche Wirkung sie haben.

Ob Kamille, Fenchel oder Salbei: Viele Heilpflanzen eignen sich als Kräutertee für die Selbstbehandlung.

«Die klassische Kräutermedizin – in der Natur selbst Pflanzen sammeln und daraus zum Beispiel einen Tee kochen -, hat den Nachteil, dass die Inhaltsstoffe oft unterdosiert sind», sagt Andreas Kiefer, Vorstandsmitglied der Bundesapothekerkammer in Berlin.

Außerdem sei beim Selbstsammeln die Gefahr von Allergien höher, denn viele Wildpflanzen enthalten allergieauslösende Substanzen. Eine gute Alternative seien daher moderne pflanzliche Arzneimittel. Diese Heilpflanzen-Präparate leiten sich von der traditionellen Kräutermedizin ab. Industriell produzierte, standardisierte Extrakte werden als Salben, Cremes oder Tinkturen eingesetzt.

Eine der bekanntesten Heilpflanzen ist die Kamille bzw. die Kamillenblüte. Äußerlich angewendet wirken ihre Extrakte entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Im klassischen Kamillentee sind allerdings nur die wasserlöslichen Inhaltsstoffe zu finden. Alkoholische Kamillenextrakte enthalten weitere entzündungshemmende Inhaltsstoffe. «Deshalb sind diese bei medizinischen Anwendungen einem Tee überlegen», erklärt Kiefer.
Eichenrinde: gute Wirkung bei entzündeter Haut

Gerbstoffe entfalten eine zusammenziehende Wirkung auf entzündete Haut. Arzneipflanzen mit Gerbstoffen sind beispielsweise Eichenrinde oder die Zaubernuss (Hamamelis). Die feinen Gefäße in der Haut werden weniger durchlässig, wodurch Entzündungen und Juckreiz gemildert werden. Gerbstoff-Umschläge oder Bäder sind wirksam gegen Ekzeme, Schweißfüße oder Hämorrhoiden. Zaubernuss-Extrakte wirken auch bei leichten Hautverletzungen.

Breiumschläge mit Bockshornklee- oder Leinsamen erweichen die Haut. Um sie herzustellen, werden die pulverisierten Samen mit Wasser verrührt und aufgekocht. Solche Breiumschläge aus Leinsamen oder Bockshornkleesamen machen die Haut geschmeidig und helfen gegen lokale Entzündungen wie Furunkel.

Bei Hautkrankheiten ist nicht nur der Inhaltsstoff wichtig, auch die Hilfsstoffe und die Zubereitung der Präparate spielen eine große Rolle. Bei akuten Hauterkrankungen wie nässenden Entzündungen wirken die Pflanzenextrakte besser, wenn sie in eher wässrige Grundlagen eingearbeitet sind. Bei chronischen Ekzemen hingegen sind fettreiche Zubereitungen besser wirksam.

Grüntee beziehungsweise Schwarztee ist zwar keine Heilpflanze. Er wird dennoch wegen seines Gehalts an Gerbstoffen gegen nässende Ekzeme angewendet: aus dem im Handel erhältlichen Grüntee oder Schwarztee einen starken Tee kochen und zehn Minuten ziehen lassen. Umschläge mit Grüntee oder Schwarztee sollten mehrmals täglich erneuert werden.

Quelle:

http://www.ruhrnachrichten.de/leben/gesundheit_und_wellness/gesundheit/Pflanzen-koennen-der-Haut-helfen;art364,1434760

Kommentar & Ergänzung:

Die Aussagen im Text auf ruhrnachrichten.de sind erfreulich fundiert.

Einzig die Aussage, dass beim Sammeln von Heilpflanzen in der Natur ein höheres Allergierisiko besteht, weil „viele Wildpflanzen….allergieauslösende Substanzen“ enthalten, kann ich nicht nachvollziehen. Ob ich zum Beispiel Schafgarbe oder Malvenblüten in der Natur sammle oder in der Apotheke oder Drogerie kaufe, macht meines Erachtens keinen eindeutigen Unterschied bei allergieauslösenden Stoffen in dem Sinne, dass Apothekenware grundsätzlich weniger Allergene enthalten würde. Vielleicht spricht aus dieser Aussage eher der Apotheker, der die Heilpflanzen gerne verkauft.

Am heikelsten beim Selbersammeln von Heilpflanzen scheint mir, dass man die Pflanzenwelt gut kennen muss, um Verwechslungen auszuschliessen.

Wichtig in diesem Text ist der Hinweis, dass bei der Behandlung von Hauterkrankungen  nicht nur die Inhaltsstoffe wichtig sind, sondern auch die Zubereitungsform (wässrig / fetthaltig).

Gefreut hat mich, dass Schwarztee und Grüntee als Gerbstoffpflanzen erwähnt werden. Sie gelten oft nur als Genusstee und ihre Qualitäten als Heilpflanzen gehen daher leicht vergessen. Das ist schade, weil Schwarztee oder Grüntee oft im Haushalt greifbar sind und wenig kosten.

Zum Thema „Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden“ gibt es ein kompaktes, informatives Tagesseminar.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Unseriöse Krebstherapien erkennen

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Ein neues Internetportal soll Krebspatienten Orientierung bieten: Fachleute bewerten auf der Webseite gängige ergänzende Behandlungsmethoden gegen die Nebenwirkungen einer Krebstherapie.

Nicht alle Mittel und Methoden gegen die Nebenwirkungen einer Krebstherapie sind sinnvoll und seriös. Ein neues Internetportal bewertet die gängigen ergänzenden Behandlungen, schreibt die Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen.

Zahlreiche Krebspatienten wählten beispielsweise als Komplementärmethoden neben ihrer Chemotherapie naturheilkundliche Maßnahmen, weil sie glaubten, dass es in der Naturheilkunde keine Nebenwirkungen gibt. Allerdings seien viele dieser Methoden nicht oder nur ungenügend geprüft, warnt die Gesellschaft.

Das Portal listet die gebräuchlichen Methoden auf und teilt sie in die Kategorien wirksamkeitsgeprüfte, nicht hinreichend wirksamkeitsgeprüfte und bedenkliche Maßnahmen ein. Unter wirksamkeitsgeprüft steht zum Beispiel die Enzymtherapie, die als «therapeutisch vielversprechend und preisgünstig» beurteilt wird. Als bedenklich stufen die Fachleute dagegen beispielsweise die sogenannte Thymustherapie ein, bei der unter anderem das Risiko ernsthafter Infektionskrankheiten und allergischer Reaktionen bestehe.

Hier geht’s zum Internetportal:

http://www.komplementaermethoden.de/

Quelle:

http://www.wiesbadener-kurier.de/ratgeber/gesundheit/meldungen/11280380.htm

Kommentar & Ergänzung:

Krebspatienten werden oft überschwemmt mit gut gemeinten Ratschlägen und manchmal auch „umzingelt“ von mehr oder weniger durchgeknallten Heilerinnen und Heilern, die Heilung mit obskuren Methoden versprechen.

Für Betroffene ist es oft sehr schwierig, sich in diesem Komplementärmedizin-„Dschungel“ zu Recht zu finden und sich ein fundiertes Urteil zu bilden.

Naturheilkunde / Phytotherapie kann bei vielen Begleitbeschwerden einer Krebsbehandlung lindernd wirken.

Wenn dieses neue Internetportal mithilft, sinnvolle von unsinnigen Anwendungen zu unterscheiden, dann ist das sehr zu begrüssen.

Ich habe selber einmal eine Checkliste aufgestellt, die mithelfen kann, seriöse von unseriösen Methoden zu unterscheiden:

Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Zudem gibt es ein Tagesseminar, das Patienten, Angehörigen und weiteren interessierten Personen helfen kann, Empfehlungen und Methoden aus Komplementärmedizin / Naturheilkunde genauer unter die Lupe zu nehmen:

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

Zur Linderung der Nebenwirkungen von Chemotherapie & Bestrahlung durch Phytotherapie siehe auch:

Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie & Bestrahlung

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Schlafstörungen bei Kindern

Freitag, Oktober 21st, 2011

In der Zeitschrift „Kinderärztliche Praxis“ (5 / 2008) erschien ein Artikel über „Phytopharmaka bei Kindern – Indikationen, Möglichkeiten, Grenzen“ von Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock).

Hier ein Zitat zum Thema „Schlafstörungen bei Kindern“:.

„Bei Kindern sind Schlafstörungen, psychosomatische Störungen, Angstzustände und insbesondere Depressionen häufiger, als allgemein angenommen wird. Im Bereich der Phytotherapie existieren verschiedene therapeutische Optionen.

Bei Einschlafstörungen eignen sich Zubereitungen aus Baldrianwurzel, Melissenblätter, Lavendelblüten und Hopfenzapfen. Baldrianwurzel wird häufig mit Melissenblättern oder Hopfenzapfen kombiniert. Melissenblätter haben sedierende und karminative Eigenschaften, ihr Einsatz ist bei Einschlafstörungen, die durch nervöse Herz- und Magen-Darmbeschwerden hervorgerufen werden, besonders sinnvoll. Lavendelblüten wirken schwach beruhigend und sind bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen geeignet, zudem bei nervösen Magen-Darmbeschwerden. Für Unruhe- und Angstzustände sowie Schlafstörungen sind Zubereitungen aus Hopfenzapfen empfehlenswert. Beliebt ist auch das traditionelle Hopfenkissen.“

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kommentar und Ergänzung:

Auch Orangenblütentee oder Goldmelissentee sind Optionen, die ausprobiert werden können, obwohl es für die Wirkung dieser Heilpflanzen keine Belege gibt.

Siehe auch:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Goldmelisse – Zitronenmelisse: Unterschiede?

Ausserdem:

Schlafstörungen – nichtmedikamentöse Massnahmen nutzen

Viele Kinder im Einschulungsalter leiden an Schlafstörungen

Hopfen und Baldrian sind für Kinder aus geschmacklichen Gründen in Form von Kräutertee eher ungünstig.

Lavendel eignet sich gut in Form von Lavendelöl (im Raum verdunsten lassen, Lavendelbad, Lavendeleinreibung verdünnt mit fettem Öl) oder als Lavendelkissen.

Melisse ( = Zitronenmelisse) als Tee am besten mit frischen Melissenblättern aus dem Garten zubereiten oder als Melissenöl (teuer!) anwenden.

Eine weitere Option ist Passionsblumenkraut.

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Aromatherapie / Phytotherapie: Rosenöl

Freitag, Oktober 21st, 2011

An einem Vortrag wurde ich vor kürzlich gefragt, ob Rosenöl tatsächlich so teuer sei und wozu es verwendet werde. Hier ein paar Informationen und Anmerkungen zu einem interessanten ätherischen Öl, das in der Phytotherapie selten, in der Aromatherapie aber oft eingesetzt wird..

Rosenöl ist ausserordentlich teuer. Das hat mit der geringen Ausbeute bei der Herstellung zu tun.

Rosenöl ist ein ätherisches Öl, das durch Wasserdampf-Destillation aus den Blütenblättern von Rosen gewonnen wird. Die zur Rosenöl-Gewinnung benutzten Blüten werden hauptsächlich in Bulgarien (Rosental), Frankreich, Marokko und der Türkei kultiviert und von Hand gepflückt.

„Gewonnen wird Rosenöl hauptsächlich aus den folgenden Rosenarten:

Rosa centifolia

Rosa damascena

Weniger bedeutend sind die Rosenarten von Rosa alba und Rosa gallica. Die Ausbeute ist gering: lediglich 0,02 bis 0,05 %. Aus drei Tonnen Blüten wird ca. ein Liter Rosenöl destilliert.

Rosenöl ist daher eines der teuersten ätherischen Öle. Im Großhandel kostet ein Kilogramm echtes bulgarisches Rosenöl (rosa damascens) über 5000 €, ein Kilogramm türkisches Rosenöl ca. 3000 €. Auch preiswerte synthetische Nachstellungen von Rosenöl sind im Handel. Naturidentische Nachbildungen können um 60–70 € pro kg kosten und dem Dufterlebnis von echtem Rosenöl sehr nahe kommen – dieses jedoch nicht erreichen. Nicht naturidentische, synthetische Nachbildungen sind deutlich preiswerter aber vom Duft her weniger ansprechend.

Rosenöl wird für kostbare Parfüms (z. B. Chanel № 5), zur Raumbeduftung in Duftlampen, in der Aromatherapie, mitunter auch zur Parfümierung von Zucker-, Schokoladen-, Tabakwaren und Likören genutzt. In der Parfümerie ist Rose, neben Jasmin, der am häufigsten eingesetzte Blumenduft.“

(Quelle: Wikipedia)

Interessant ist auch die Geschichte des Rosenöls:

„Vor der Wasserdampf-Destillation wurde das Rosenöl durch Extraktion der Blüten mittels fetter Öle gewonnen. Der Grieche Theophrastus (370 v. Chr) beschrieb die Gewinnung von Rosenöl durch Sesamöl. Rosenöl wurde damals dem Wein zugesetzt. Von Plinius ist überliefert, dass die Römer ihre Nahrungsmittel wie auch ihre Körper mit Rosenöl bedufteten. Die Erkenntnisse über die Destillation von Rosenöl kamen aus Persien. Schon im Jahr 810 erhielt Bagdad aus der Provinz Faristan ca. 30.000 Flaschen mit Rosenwasser. Die Kenntnisse der Destillation von Rosenöl erreichten Europa um 1000 n. Chr.

Im 17. Jahrhundert dehnte sich die Rosenkultivierung von Persien nach Indien, Nordafrika und in die Türkei aus. Im Jahr 1710 begann der Rosenanbau in Bulgarien, 200 km östlich von Sofia in Kasanlak. Seit 1750 bis in die Gegenwart ist die Region zwischen Kasanlak und Karlowo die bedeutendste Anbauregion zur Gewinnung von Rosenöl (Tal der Rosen). Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Bulgarien noch ca. 2800 Kleindestillierbetriebe für Rosenöl mit Wasserdampfbehältern für ca. 1–10 Tonnen Blüten.

Das Zentrum des türkischen Rosenanbaus liegt zwischen Burdur und Isparta im südwestlichen Teil der Türkei.

In Marokko begann die Rosenölherstellung kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in El-Kelâa M’Gouna.

1938 lag die Weltjahresproduktion von natürlichem Rosenöl noch bei jährlich 3 Tonnen. 1955 bei 700 kg, Anfang der 1980er zwischen 1–2 Tonnen pro Jahr. In Bulgarien lag die Produktion im Jahr 2003 bei ca. 900 kg.“

(Quelle: Wikipedia)

Rosenöl wird gerne verwendet in der Kosmetik und in der Parfümerie.

Rosenöl ist wie Lavendelöl ein ätherisches Öl, das auch unverdünnt auf die Haut aufgetragen kann.

Rosenöl besitzt eine ausgeprägte antimikrobielle Wirkung.

In manchen Pflegeinstitutionen wird Rosenöl oft unreflektiert in Sterbephasen angewendet. Das geht auf Vorstellungen aus der Anthroposophischen Medizin zurück,  wonach Rosenöl in der Sterbephase Loslösungsprozesse unterstützen soll.

Das halte ich zwar für ein reines Phantasiekonstrukt. Pflegende, die in der Sterbephase Rosenöl anwenden, würde ich trotzdem fragen, was genau sich ihrer Ansicht nach loslösen soll. Und wer ihrer Ansicht nach bestimmen soll, wann ein Loslösungsprozess mit Rosenöl eingeleitet wird. Wenn das mit dem Loslösen durch Rosenöl nämlich tatsächlich funktionieren würde, müssten da noch einige ethische Fragen geklärt werden.

Die Förderung von „Loslösungsprozessen“ stellt meines Erachtens eher eine religiöse als eine medizinische Anwendung dar, die nur mit einem darüber informierten und damit einverstandenen Patienten durchgeführt werden sollte.

Ich jedenfalls würde mich verwahren dagegen, wenn eine Pflegende meint, an meinem „Loslösungsprozess“ herum werkeln zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass ich mir in einer Sterbephase ganz andere Duftöle wünschen würde als ausgerechnet Rosenöl – Sandelholzöl zum Beispiel.

Aber wenn ein sterbender Mensch den Rosenduft liebt oder es den Pflegenden mit Rosenduft leichter fällt, ins Sterbezimmer zu gehen, dann wird auch Rosenöl passen. Punkt. Warum muss eine gute Anwendung eines feinen ätherischen Öls mit einer angeblichen Förderung von Loslösungsprozessen aufgeblasen werden?

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1938 lag die Weltjahresproduktion von natürlichem Rosenöl noch bei jährlich 3 Tonnen. 1955 bei 700 kg, Anfang der 1980er zwischen 1–2 Tonnen pro Jahr. In Bulgarien lag die Produktion im Jahr 2003 bei ca. 900 kg.“

(Quelle: Wikipedia)

Rosenöl wird gerne verwendet in der Kosmetik und in der Parfümerie.

Rosenöl ist wie Lavendelöl ein ätherisches Öl, das auch unverdünnt auf die Haut aufgetragen kann.

Rosenöl besitzt eine ausgeprägte antimikrobielle Wirkung.

In manchen Pflegeinstitutionen wir Rosenöl oft unreflektiert in Sterbephasen angewendet. Das geht auf Vorstellungen aus der Anthroposophischen Medizin zurück,  wonach Rosenöl in der Sterbephase Loslösungsprozesse unterstützen soll.

Das halte ich zwar für ein reines Phantasiekonstrukt. Pflegende, die in der Sterbephase Rosenöl anwenden, würde ich trotzdem fragen, was genau sich ihrer Ansicht nach loslösen soll. Und wer ihrer Ansicht nach bestimmen soll, wann ein Loslösungsprozess mit Rosenöl eingeleitet wird. Wenn das mit dem Loslösen durch Rosenöl nämlich tatsächlich funktionieren würde, müssten da noch einige ethische Fragen geklärt werden.

Die Förderung von „Loslösungsprozessen“ stellt meines Erachtens eher eine religiöse als eine medizinische Anwendung dar, die nur mit einem darüber informierten und damit einverstandenen Patienten durchgeführt werden sollte.

Ich jedenfalls würde mich verwahren dagegen, wenn eine Pflegende meint, an meinem „Loslösungsprozess“ herum werkeln zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass ich mir in einer Sterbephase ganz andere Duftöle wünschen würde als ausgerechnet Rosenöl – Sandelholzöl zum Beispiel.

Aber wenn ein sterbender Mensch den Rosenduft liebt oder es den Pflegenden mit Rosenduft leichter fällt, ins Sterbezimmer zu gehen, dann wird auch Rosenöl passen. Punkt. Warum muss eine gute Anwendung eines feinen ätherischen Öls mit einer angeblichen Förderung von Loslösungsprozessen aufgeblasen werden?

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Schmerzmittel-Kopfschmerz kommt immer häufiger vor

Freitag, Oktober 21st, 2011

Ein zunehmend häufigeres Phänomen ist der durch Schmerzmittelübergebrauch ausgelöste Kopfschmerz (Schmerzmittelinduzierter Kopfschmerz), von dem etwa ein Prozent der Erwachsenen und rund 0,5 Prozent der Kinder betroffen sind. “Eine große Umfrage bei niedergelassenen Ärzten und in spezialisierten Kopfschmerzambulanzen ergab, dass Schmerzmittelinduzierter Kopfschmerz die dritthäufigste Diagnose nach Migräne und Spannungskopfschmerz darstellt”, erklärte Christian Lampl, Präsident elect der Österreichischen Schmerzgesellschaft, an den 11. Österreichischen Schmerzwochen. Sein Fazit: “Da nahezu alle Schmerzmittel diesen Kopfschmerz verursachen können, sollte die Behandlung chronischer oder chronisch wiederkehrender Kopfschmerzen nicht ohne ärztliche Kontrolle stattfinden.”

Immerhin ein Drittel aller Patienten, die an chronischen täglichen Kopfschmerzen (Chronic Daily Headache, CDH) leiden,  erfüllt die diagnostischen Kriterien dieses Kopfschmerzes. Der Zeitraum zwischen Ersteinnahme und Entwicklung eines Kopfschmerzes ist am ungünstigsten für spezifische Migräne-Arzneimittel wie Triptane (1,7 Jahre im Durchschnitt) und Ergotamine (2,7 Jahre), verglichen mit Schmerzmitteln und gewissen Rheuma-Medikamenten mit 4,8 Jahren.

Experte: Stationärer Entzug empfehlenswert

Ob der Schmerzmittel-Überkonsum Folge oder Ursache der Zunahme der Kopfschmerzfrequenz ist, wird immer noch kontrovers diskutiert. Diskutiert wird unter Ärzten auch, ob ein stationärer oder ein ambulanter Entzug erfolgreicher ist. Daten zur Rückfalls-Häufigkeit liegen in unterschiedlichen Studien im Bereich zwischen 30 und 50 Prozent. Die Erfolgschancen hängen von verschiedenen Faktoren ab. Doch auch die Art des Schmerzmittels, das zu häufig eingenommen wurde, bestimmt ob stationär oder ambulant behandelt wird, unterstreicht Lampl. Im Allgemeinen sei beispielsweise bei Mischpräparaten und Ergotaminen der stationäre Entzug anzuraten, erklärt der Experte.

Quelle:

http://derstandard.at/1318725994345/Kopfschmerz-Spezialist-Schmerzmittel-Kopfschmerz-immer-mehr-verbreitet

Kommentar & Ergänzung:

Es steht ausser Frage, dass Schmerzpatienten eine optimale medizinische Behandlung bekommen sollen.

In der Phytotherapie wird zur Linderung von Kopfschmerzen oft Pfefferminzöl empfohlen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Pfefferminzöl gegen Spnnungskopfschmerzen

Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen

Naturheilmittel gegen Kopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Mit Pfefferminzöl lassen sich Kopfschmerzen in manchen Fällen  lindern. Das Problem mit chronischen Kopfschmerzen und mit Medikamentenabhängigkeit lässt sich damit aber nicht lösen.

Im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen ist mir aber ein anderer Aspekt wichtig:

Noch nie gab es so vielfältige Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung  und doch leidet Experten zufolge jeder elfte Europäer tägliche an Schmerzen. Da stellt sich die Frage, wie man mit diesem ungebetenen, ungeliebten Begleiter umgehen kann und zu Gange kommt. Weil wir hoch entwickelte Schmerzbekämpfungs-Möglichkeiten zur Verfügung haben, geht in unserer Kultur die Fähigkeit zum Umgang mit bleibendem oder immer wiederkehrenden Schmerz zunehmend verloren.

Wir könnten an diesem Punkt viel lernen von anderen Kulturen und früheren Zeiten, die im Umgang mit chronischen Schmerzen mehr Erfahrungen sammeln konnten (bzw. mussten).

Für Betroffene mit chronischem Schmerz, für ihre Angehörigen oder für Berufsleute, die mit Schmerzpatienten arbeiten, findet am 6. November 2011 ein Tagesseminar in Winterthur statt.

Vorgestellt werden dabei nicht nur kulturelle, religiöse, psychologische, philosophische und medizinische Aspekte des Schmerzes, sondern auch symbolische und praktische Strategien, um das bisweilen Unbegreifliche und Grausame des Schmerzes zu integrieren.

Das facettenreiche Phänomen Schmerz wird dadurch in einer Vielfalt offenbar, die ein rein medizinischer Zugang an den kranken Menschen notgedrungen ausblendet.

Weitere Informationen:

Tagesseminar: Schmerz besser verstehen und damit umgehen

Weitere Tagesseminare:

Chronische Krankheiten besser verstehen und damit umgehen, 20. November 2011

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot, 26. November 2011

Wer diesen Themen lieber im Einzelgespräch nachgeht, kann das auf den Eidberger Gedankengängen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Forum Naturheilkunde & Philosophie

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Ballaststoffe helfen gegen Verstopfung bei Kindern

Donnerstag, Oktober 20th, 2011

Gegen Verstopfung bei Kindern ist manchmal guter Rat teuer. Am ehesten sind dann Ballaststoffe empfehlenswert – sie steigern Studien zufolge die Defäkationsfrequenz und vermindern die Bauchschmerzen.

Alternative Therapien stehen hoch im Kurs, hauptsächlich in der Kinderheilkunde. Doch welche Therapien wirken wirklich?

Niederländische Forscher versuchten diese Frage für die funktionelle Obstipation (Verstopfung) bei Kindern im Rahmen eines systematischen Reviews zu klären (Pediatrics 2011; 128: 753-761).

Weder die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme noch eine Verhaltenstherapie oder Präbiotika und Probiotika können den Darm besser aktivieren als Placebo. Ballaststoffe dagegen scheinen eine gewisse Wirkung zu erzielen.

Mehr konnten niederländische Forscher neun untersuchten Studien mit insgesamt 640 Kindern nicht entnehmen.

Denn: Die Datenlage ist bis dato verhältnismässig dünn. Aufgrund der Uneinheitlichkeit der Studien bezüglich der Teilnehmer, der Therapiemethoden und der Bewertung des Outcomes konnte keine Metaanalyse durchgeführt werden. Nur fünf der einzeln bewerteten Studien waren für die Forscher von methodisch hoher Qualität.

In zwei randomisierten kontrollierten Studien (RCT) wurde bei Kindern mit funktioneller Verstopfung der Effekt von Ballaststoffen mit Placebo verglichen.

In der ersten Studie mit 31 Kindern im Alter zwischen 4,5 und 11,7 Jahren lag nach vier Wochen die Defäkationsfrequenz in der Interventionsgruppe (Glucomannan, 100 mg / kg / Tag bis zu 5 g / Tag) nur noch bei 19 Prozent der Kinder unter 3mal / Woche (gegenüber 52 Prozent in der Placebogruppe; p = 0,05).

Auch die Häufigkeit von Bauchschmerzen verminderte sich in der Ballaststoffgruppe auf 10 Prozent (gegenüber 42 Prozent in der Kontrollgruppe; p < 0,05). Die behandelnden Mediziner bewerteten die Beschwerden bei 45 Prozent der Kinder in der Interventionsgruppe als verbessert (gegenüber 13 Prozent in der Kontrollgruppe; p = 0,05).

Die Eltern beurteilten die Ballaststoffen noch besser (68 Prozent versus 13 Prozent; p = 0,05).

Auch in der zweiten Studie mit 56 teilnehmenden Kindern wirkten sich Ballaststoffe (Kakao-Getreide-Zusatz, 10,4 g / Tag für 3- bis 6-Jährige und 20,8 g / Tag für 7- bis 10-Jährige) signifikant positiv auf die Geschwindigkeit der Darmpassage und die subjektive Beurteilung der Stuhlkonsistenz aus.

Eine dritte, qualitativ weniger gute Studie verglich die Wirkung von 10 g Ballaststoffen mit 10 g Lactulose in Trinkyoghurt. Bei keinem der Bewertungskriterien ergaben sich hier signifikante Vorteile.

Auch für folgende Behandlungsstrategien konnten keine signifikanten Differenzen bei der Darmtätigkeit zu einer Vergleichsmedikation oder Placebo nachgewiesen werden:

- erhöhte Flüssigkeitsaufnahme über drei Wochen,

- die Zufuhr von Präbiotika (Nutrilon 1) über drei Wochen,

- Probiotika (Lactobacillus rhamnosus GG) zusätzlich zu 70 Prozent Lactulose über 12 Wochen,

- Magnesiumoxid versus Lactobacillus casei rhamnosus,

- monatliche Verhaltenstherapie zusätzlich zu anderen Maßnahmen.

Der systematische Review (Überblicksarbeit) zeigt, dass es hauptsächlich an validen Studien zur nicht-medikamentösen Behandlung der Verstopfung bei Kindern mangelt. Zu zahlreichen Alternativstrategien wie Bewegungstraining, Homöopathie oder Yoga existieren überhaupt keine Untersuchungen.

Wegen der ungenügenden Studienlage weisen die Autoren darauf hin, dass auch das Resultat dieses Reviews nur mit Vorsicht interpretiert werden darf. Sie verlangen darum Studien mit standardisierten Protokollen entsprechend den Rom-III-Kriterien hauptsächlich auch im Rahmen der Primärversorgung.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/magen_darm/article/672591/ballaststoffe-helfen-stillstand-kinder-darm.html?sh=3&h=-1368449139

http://www.pediatricsdigest.mobi/content/128/4/753.short

Kommentar & Ergänzung:

Ballaststoffe sind für die Phytotherapie natürlich ein wichtiges Thema bei der Behandlung einer Verstopfung.

Was ist Glucomannan?

Glucomannan ist ein löslicher Ballaststoff, der eine größere Wassermenge als andere traditionelle Ballaststoffe binden kann. Zusammen mit Wasser unterstützt Glucomannan die Darmfunktion, indem es ein natürliches Gel bildet. Das Glucomannan-Gel weicht den Stuhl auf und erleichtert dadurch die Passage des Stuhls im Darm.

Glucomannan wird zum Beispiel gewonnen aus den Knollen der asiatischen Pflanze Amorphophallus konjac (Konjakpflanze, Familie der Araceae).

Glucomannan ist ein Lebensmittel, das v.a. in der asiatischen Küche zum Binden von Speisen verwendet wird – ähnlich Kartoffel- und Maisstärke.

Die Konjakpflanze wird auch Teufelszunge genannt und ist eine Pflanzenart aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Die Knolle wird Konjakwurzel genannt.

Besonders in Japan wird die Konjakwurzel in der Lebensmittelindustrie genutzt.

In der japanischen Küche wird Konjak in Gerichten wie Oden verwendet.

In der EU wird das Mehl der Konjakwurzel (Konjakmehl) als Lebensmittelzusatzstoff E 425 eingesetzt. Sie wird häufig auch für kosmetische Produkte benutzt.

Glucomannan hat auch einen gewissen Sättigungseffekt und wird daher ziemlich aggressiv als Schlankheitsmittel vermarktet.

Was ist Lactulose?

„ Lactulose ist ein Wirkstoff aus der Gruppe Laxantien, der oral zur Behandlung von Verstopfung und einer hepatischen Enzephalopathie verwendet wird. Es wird häufig in der Geriatrie eingesetzt. Einige Lactulosepräparate können auch an Säuglinge verabreicht werden. Als häufigste unerwünschte Wirkung tritt zu Beginn der Therapie Flatulenz auf.“ (Quelle: Pharmawiki)

Lactulose ist ein Disaccharid (Zweifachzucker) aus Galaktose und Fruktose, das unsere Verdauungsenzyme nicht spalten können.

„ Lactuolse gelangt unverdaut in den Dickdarm, weil an der Dünndarmschleimhaut keine Lactulosespaltenden Glykosidasen vorhanden sind. Dort wird es von Darmbakterien zu Säuren, wie Milchsäure und anderen kurzkettigen Fettsäuren vergärt, welche die Peristaltik stimulieren.“ (Quelle: Pharmawiki)

Lactulose ist Bestandteil zahlreicher Abführmittel.

Beispiele: Rudolac, Gatinar, Duphalac

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Was ist Johannisbrotkernmehl?

Donnerstag, Oktober 20th, 2011

Johannisbrotkernmehl ist als Heilpflanzen-Anwendung wenig bekannt und kommt auch in der Phytotherapie selten zum Einsatz.

Das ist schade, weil Johannisbrotkernmehl durchaus interessante Wirkungen zeigt  - beispielsweise gegen Durchfall. Sehr vielfältig eingesetzt wird Johannisbrotkernmehl zudem in der Lebensmittelindustrie.

Johannisbrotkernmehl stammt vom Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), auch Karubenbaum oder Karobbaum genannt, einer Pflanzenart aus der Unterfamilie der Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Diese Pflanzenart kommt im Mittelmeerraum und Vorderasien vor.

Johannisbrotkernmehl stammt von den extrem harten, glänzenden Samen der Johannisbrotbaumfrucht.

Zur Zusammensetzung von Johannisbrotkernmehl schreibt Wikipedia:

„Das Johannisbrotkernmehl ist weiß, manchmal leicht beige und geschmacksneutral. Es ist ein Polysaccharid, das größtenteils aus Galactose (20 %) und Mannose (80 %) besteht. Dieser Mehrfachzucker kann vom menschlichen Körper nur teilweise verdaut werden und gilt deshalb als Ballaststoff. Neben dem Polysaccharid sind noch ca. 6 % Eiweißstoffe sowie wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) und Spuren von Mineralstoffen enthalten. Alles in allem entsprechen die Eigenschaften größtenteils denen des Guarkernmehls, wobei die Viskosität der Lösungen bei gleicher Konzentration etwas geringer ist. Johannisbrotkernmehl kann zwischen dem 80- und 100-fachen seines Eigengewichts an Wasser binden (fünfmal so quellfähig wie Stärke), stabilisiert Emulsionen und unterbindet Kristallbildung. Weiterhin zeigt es Synergien mit Xanthan, Carrageen und Agar.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur Nutzung von Johannisbrotkernmehl:

„Heute liefern die Kerne ein technologisch genutztes Verdickungsmittel, das Carubin oder auch Johannisbrotkernmehl, Karuben- oder Carubenmehl genannt wird. Hierzu werden das Endosperm abgetrennt und die Samen vermahlen.

Unter der Nummer E 410 ist es in der EU uneingeschränkt (auch für Bio-Produkte) als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Es kommt in Süßwaren, Soßen, Suppen, Puddings und Speiseeis vielfach zum Einsatz. Für diätetische Zwecke dient Johannisbrotkernmehl als Backhilfsmittel in glutenfreiem Brot. Akute Ernährungsstörungen, Verdauungsstörungen, Durchfallerkrankungen, Erbrechen, Colitis und Zöliakie sind Anwendungsgebiete für Diätprodukte aus dem Samenmehl. Außerdem sind ein hoher Cholesterinspiegel, Diabetes mellitus und Fettsucht möglicherweise mit Johannisbrotkernmehl zu behandeln.

Ein aus dem Kern isolierter Stoff senkt erwiesenermaßen sowohl den Blutzuckerspiegel als auch den Cholesterinspiegel und wirkt gewichtsreduzierend. Johannisbrotkernmehl wirkt bei einer Überdosierung leicht abführend und vergrößert durch sein Quellvermögen den Darminhalt. Es behindert geringfügig die Eiweißverdauung und kann in Einzelfällen Allergien auslösen.“

(Quelle: Wikipedia)

Und dann  gibt es noch eine interessante geschichtliche Bedeutung der Johannisbrotkerne:

„Die sehr harten und unverwüstlichen Kerne hatten früher noch eine weitere Bedeutung: Da die Samenkörner des Johannisbrotbaumes ein konstantes Durchschnittsgewicht von rund 200 Milligramm aufweisen (das Gewicht der einzelnen Samen variiert beim Johannisbrotbaum ebenso stark wie bei vielen anderen Baumarten!), vor allem aber, weil sich bei ihnen auch sehr kleine Gewichtsunterschiede von nur 5 Prozent zwischen einzelnen Samenkörnern mit erstaunlicher Genauigkeit (> 70 % Trefferquote) schätzen lassen, wurden sie in der Antike als Wägeeinheit für Diamanten verwendet. Daran erinnert die noch heute gebräuchliche Bezeichnung Karat. Das Karat ist ein Lehnwort nach dem Französischen le carat, welches seinen Ursprung im italienischen carato, m. hat. Dieses entstand über das Arabische qi¯ra¯t aus dem Griechischen kerátion („Hörnchen“), da die Frucht (Hülse) des Johannisbrotbaumes hörnchenförmig ist. Daraus hat sich auch der wissenschaftliche Name für den Johannisbrotbaum, Ceratonia siliqua, hergeleitet.“

(Quelle: Wikipeda)

Das Beispiel des Johannisbrotkernmehls zeigt übrigens, was die Phytotherapie zu einem spannenden Wissensgebiet macht: Sie verbindet medizinische Fragen mit Kenntnissen über die Pflanzenwelt und mit kulturgeschichtlichen Aspekten,

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Mit chronischen Schmerzen umgehen

Sonntag, Oktober 16th, 2011

Noch nie gab es so vielfältige Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung  und doch leidet Experten zufolge jeder elfte Europäer tägliche an Schmerzen. Da stellt sich die Frage, wie man mit diesem ungebetenen, ungeliebten Begleiter umgehen kann und zu Gange kommt. Weil wir hoch entwickelte Schmerzbekämpfungs-Möglichkeiten zur Verfügung haben, geht in unserer Kultur die Fähigkeit zum Umgang mit bleibendem oder immer wiederkehrenden Schmerz zunehmend verloren.

Wir könnten an diesem Punkt viel lernen von anderen Kulturen und früheren Zeiten, die im Umgang mit chronischen Schmerzen mehr Erfahrungen sammeln konnten (bzw. mussten).

Für Betroffene mit chronischem Schmerz, für ihre Angehörigen oder für Berufsleute, die mit Schmerzpatienten arbeiten, findet am 6. November 2011 ein Tagesseminar in Winterthur statt.

Vorgestellt werden dabei nicht nur kulturelle, religiöse, psychologische, philosophische und medizinische Aspekte des Schmerzes, sondern auch symbolische und praktische Strategien, um das bisweilen Unbegreifliche und Grausame des Schmerzes zu integrieren.

Das facettenreiche Phänomen Schmerz wird dadurch in einer Vielfalt offenbar, die ein rein medizinischer Zugang an den kranken Menschen notgedrungen ausblendet.

Weitere Informationen:

Tagesseminar: Schmerz besser verstehen und damit umgehen

Weitere Tagesseminare:

Chronische Krankheiten besser verstehen und damit umgehen, 20. November 2011

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot, 26. November 2011

Wer diesen Themen lieber im Einzelgespräch nachgeht, kann das auf den Eidberger Gedankengängen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Forum Naturheilkunde & Philosophie

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Kritik an Einfluss von Esoterikern an deutschen Universitäten

Sonntag, Oktober 16th, 2011

Wissenschaftler kritisieren den steigenden Einfluss von Esoterikern an deutschen Universitäten. Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin an der britischen Universität Exeter, griff im Magazin FOCUS den Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Viadrina in Frankfurt (Oder), Harald Walach, an. Die Arbeit von Harald Walach sei „Ausdruck eines nahezu religiösen Glaubens an die Therapieform, die man beforscht“. Walachs Institut in Frankfurt lehrt unter anderem Homöopathie. Bis anfangs 2012 soll eine Ayurveda-Professur eingerichtet sein. Auch der Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern, der Biologe Beda Stadler, formulierte Kritik. Harald Walach und andere seien nicht bereit, „irgend etwas von dem zu akzeptieren, was Wissenschaft ausmacht“.

Quelle:

http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-41-2011-kritik-an-einfluss-von-esoterikern-an-deutschen-unis_aid_672819.html

Kommentar & Ergänzung:

Meines Erachtens spricht grundsätzlich nichts dagegen, Ayurveda-Professuren oder Homöopathie-Professuren zu errichten, solange es beispielsweise auch Theologie-Professuren gibt. Der heikle Punkt liegt eher darin, wie die Forschung und Lehre an diesen Lehrstühlen in der Praxis dann ausgerichtet ist.

Die Forschung muss ergebnisoffen sein. Es darf sich nicht um einseitige Bestätigungsforschung handeln, die nun endlich beweisen will dass Verfahren X. wirksam ist. Auch negative Ergebnisse müssen riskiert und publiziert werden. Dazu braucht es eine gewisse Neutralität. Und die Lehre darf keinen Missionierungscharakter haben sondern muss auch die Schwachstellen der betreffenden Lehrinhalte offenlegen.

Insofern spricht Edzard Ernst einen wichtigen Punkt an.

Der Lehrstuhl von Prof Harald Walach wird von der Firma Biologische Heilmittel Heel GmbH finanziert, einer Herstellerin von Homöopatika.

Das wirft schon Fragen auf bezüglich Neutralität und Unabhängigkeit.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es solche von der Pharmaindustrie gesponserte Lehrstühle auch in anderen Bereichen gibt.

Im Bereich Komplementärmedizin liegt ein ähnlicher Fall vor bei der Stiftungsprofessur von Claudia Witt an der Charité in Berlin. Finanziert wurde diese Professur durch die Karl und Veronica Carstens-Stiftung mit einer Million Euro über fünf Jahre. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung wurde 1982 vom damaligen deutschen Bundespräsidenten Karl Carstens und seiner Ehefrau Veronica Carstens mit dem Ziel gegründet, Alternativmedizin, vor allem Homöopathie finanziell zu fördern und gleichberechtigt neben die wissenschaftliche Medizin zu stellen.

Von dem, was ich über die bisherige Tätigkeit von Harald Walach weiss, bin ich eher skeptisch, ob er eine unabhängige, ergebnisoffene Forschung garantieren kann. Claudia Witt von der Charité Berlin traue ich das aufgrund ihrer bisherigen Äusserungen eher zu.

Zugunsten von Harald Walach muss aber auch erwähnt werden, dass er auch schon negative Ergebnisse seiner Homöopathie—Forschung publiziert hat. Die doppelblinde Arzneimittelprüfung mit Belladonna D60 / Belladonna C30 ergab damals:

Belladonna D60 / Belladonna C30 = Placebo

Siehe:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Dieses Resultat bedeutet, dass Belladonna D60 / Belladonna C30 kein homöopathisches Medikament ist, ein hoch bedeutsames Forschungsergebnis, das interessanterweise in der Homöopathie keinerlei erkennbare Konsequenzen hatte. Belladonna D60 / Belladonna C30 wird immer noch verordnet und verkauft.

Siehe ausserdem: Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

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