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Heidelbeeren aus dem Supermarkt – betreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

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Heidelbeeren haben gerade Saison. Im Supermarkt bekommt man allerdings kaum die wildwachsende Waldheidelbeere, sondern viel häufiger eine Kulturheidelbeere.

Heidelbeeren gehören zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse.

Kulturheidelbeeren wie Vaccinium corymbosum unterscheiden sich beträchtlich von der wild wachsenden Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus). Die Waldheidelbeere wächst europaweit in lichten Nadelwäldern, Hochmooren und Heiden, in den Bergregionen gern im subalpinen Nadelwald als Unterwuchs. Der Halbstrauch wird bis zu 50 cm hoch. Die schwarzblauen Beeren sind erbsengroß und schmecken sehr aromatisch. Der Heidelbeersaft aus Vaccinium myrtillus ist aufgrund des blauen Farbstoffs Anthocyan intensiv blau gefärbt. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Antioxidanzien gehören, die den Körper vor schädlichen freien Radikalen schützen. Weitere wertvolle Inhaltsstoffe der Waldheidelbeere sind Ballaststoffe, Fruchtsäuren, Mangan, Mineralstoffe wie Magnesium, Vitamin E und Vitamin C.

Die Kulturheidelbeere Vaccinium corymbosum ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und stammt nicht von der heimischen Waldheidelbeere ab. Ihre Früchte sind grösser als diejenigen der Waldheidelbeere, wachsen an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern und haben einen deutlich süßeren, aber weniger intensiven Geschmack. Ihr Fruchtfleisch ist fest und hat nur wenige Kerne. Bei den Mineralstoffen und Vitaminen bestehen kaum größere Unterschiede zwischen Waldheidelbeere und Kulturheidelbeere. Der blaue Farbstoff Anthocyan steckt bei der Kulturheidelbeere allerdings nur in der Haut, während Saft und Fruchtfleisch farblos sind. Dadurch bekommt man beim Essen kaum blaue Zähne.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/heidelbeere-30444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Für die Phytotherapie sind als Wirkstoffe in der Heidelbeere relevant die Gerbstoffe und die Anthocyane.

Getrocknete Heidelbeeren werden wegen der Gerbstoffe zum Beispiel gegen Durchfall eingesetzt.

Anthocyane hemmen Entzündungen, werden jedoch nur schlecht in den Organismus aufgenommen. Daher sind insbesondere Untersuchungen zur Wirksamkeit bei Darmentzündungen interessant – in diesen Fällen braucht es die Aufnahme in den Körper nicht.

Siehe dazu:

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

Interessant wären genaue Angaben bezüglich den Unterschieden im Gehalt an Anthocyanen und Gerbstoffen zwischen Kulturheidelbeeren und Waldheidelbeeren. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine brauchbaren Informationen.

Weil die Kulturheidelbeere im Inneren nicht blau gefärbt ist, liegt es allerdings auf der Hand, dass sie weniger Anthocyane enthält als die Waldheidelbeere. Ich würde jedenfalls als Heilpflanze die Waldheidelbeere vorziehen.

Laut ESCOP-Monografie können anthocyanangereicherte Extrakte aus Heidelbeeren angewendet werden für die „symptomatische Behandlung bei Problemen von Krampfadern wie schmerzende und schwere Beine, periphere Durchblutungsstörungen, kapillare Durchblutungsstörungen des Auges.“

Der „Leitfaden Phytotherapie“ führt Indikationen aus der WHO-Monografie auf. Darunter ist ein Hinweis, der interessant ist, weil er aus der Reihe tanzt:

„symptomatische Behandlung von Dysmenorrhö bei prämenstruellem Syndrom“

Die Plausibilität dieser Angabe ist schwer einzuschätzen, weil sie sonst in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auftaucht (Dysmenorrhö = schmerzhafte Menstruation).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Baikal-Helmkraut gegen Krebs?

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Ich bin an Kursen schon mehrmals angesprochen worden auf die Frage, ob das Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis) gegen Krebs wirksam sei.

Das Baikal-Helmkraut ist in Sibirien beheimatet – zum Beispiel eben am Baikalsee) – und seine weitere Verbreitung reicht bis nach China.

Im Internet wird dem Baikal-Helmkraut oft eine Wirkung gegen Krebs zugeschrieben.

Geht man der Sache auf den Grund, stellen sich aber eine ganze Reihe von Fragen, die noch offen sind.

Wir haben hier ein Problem, das oft anzutreffen ist:

Es gibt eine Reihe von Laboruntersuchungen mit Inhaltsstoffen aus dem Baikal-Helmkraut, insbesondere zur Substanz Wogonin, einem Flavonoid, das in der Wurzel der Pflanze vorkommt.

So meldet zum Beispiel das Deutsche Krebsforschungszentrum:

„Die Substanz Wogonin löst in Tumorzellen das Todesprogramm Apoptose aus, hat auf gesunde Zellen jedoch so gut wie keinen Effekt.“

Quelle:

https://idw-online.de/de/news240617

Das tönt sehr interessant und beinahe ideal. Die grosse Frage ist aber: Funktioniert das auch so gut im lebendigen Organismus bei Krebskranken?

Ergebnisse aus Versuchen an Zellen und in Tiermodellen lassen sich nicht einfach auf den Menschen übertragen.

Da stellen sich in solchen Fällen immer noch sehr viele Fragen. Beispielsweise:

Wird die Substanz aus dem Verdauungstrakt in wirksamer Menge aufgenommen? Was ist überhaupt die wirksame Menge im Organismus? Ist diese Menge erreichbar über den Verdauungstrakt? Oder muss die Substanz injiziert werden?

Und wenn eine Anwendung als Kräutertee ins Auge gefasst wird:

Ist die Substanz überhaupt genug wasserlöslich, wenn sie als Tee zugeführt werden soll? Ist ein Teeaufguss geeignet, oder muss die Reinsubstanz verwendet werden?

Nur klinische Studien am Menschen könnten fundierte Aussagen liefern über einen konkreten Nutzen von Wogonin bzw. von Baikal-Helmkraut in der Krebstherapie. Gäbe es überzeugende klinische Studien, dann wären sie mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Phytotherapie-Fachliteratur zu finden. Dort findet man aber nur sehr magere Angaben zu dieser Pflanze.

Das deutet darauf hin, dass wir noch recht weit entfernt sind von einer Anwendung bei Krebskranken mit gesichertem Nutzen – falls es überhaupt soweit kommt.

So spannend die Forschung zum Baikal-Helmkraut auch ist: Im Internet wimmelt es von Empfehlungen, die vorschnell von positiven Laborergebnissen auf entsprechende Wirkungen beim kranken Menschen schliessen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Flohsamen bei Durchfall

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Professor Dr. Gerald Holtmann von der australischen University of Queensland kam an einer Veranstaltung der Gastro-Liga in Berlin auf das Thema „Flohsamen“ zu sprechen:

„Bei milderen Formen des Durchfalls kann die Einnahme von Flohsamen (Psyllii semen) Linderung verschaffen. Der Gelbildner vermengt sich mit dem übrigen Darminhalt und wird von Darmbakterien nur teilweise abgebaut. »Somit kann Flohsamen harte Stühle weicher und flüssige Stühle konsistenter machen«, erklärte Holtmann.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60394

Kommentar & Ergänzung:

Flohsamen (Psyllii semen) sind als mildes Mittel gegen Verstopfung bewährt und bekannt. Dass Flohsamen auch gegen Durchfall helfen können, ist dagegen eher ein „Insider-Tipp“. Es lohnt sich, diese Option im Auge zu behalten.

Interessant ist darüber hinaus folgendes Zitat aus dem gleichen Artikel:

„Prinzipiell hält Holtmann die Beeinflussung der Sekretion für einen Schlüsselmechanismus zur Therapie der Diarrhö. »Nachdem jahrelang nichts Neues kam, befinden sich mittlerweile einige neue Substanzen in weit fortgeschrittenen Phasen der Entwicklung.« Als Beispiel nannte der Referent R-568, einen Agonist am Calciumsensitiven Rezeptor, der die überschüssige Sekretion in den Darm bremst. Ebenfalls in Phase III der klinischen Prüfung befindet sich der Opioid-Rezeptor-Agonist Eluxadolin, der als Viberzi® in den USA bereits seit Mai 2015 zugelassen ist.“

Aufgefallen sind mir die Formulierungen „Prinzipiell hält Holtmann die Beeinflussung der Sekretion für einen Schlüsselmechanismus zur Therapie der Diarrhö“ und „…..Rezeptor, der die überschüssige Sekretion in den Darm bremst“.

Das passt aus phytotherapeutischer Perspektive auf die Anwendung von Gerbstoffpflanzen (Tormentill, Schwarztee u. a.), bei denen ebenfalls von einer Verminderung der Sekretion in den Darm ausgegangen werden kann. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Diese Verbindung zu den Gerbstoffpflanzen macht Holtmann natürlich nicht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krafttraining genügt nicht zur Reduktion des Sturzrisikos bei Senioren

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Krafttraining allein reduziert das Sturzrisiko bei älteren Personen nicht. Ebenso nötig ist Training der Motorik und der Kognition.

Die Skelettmuskulatur sei selbst in hohem Alter trainierbar, sagt Professor Reto Kressig vom Universitären Zentrum für Altersmedizin in Basel. Er verweist auf eine Studie mit 100 Pflegeheimbewohnern mit einem Durchschnittsalter von 87 Jahren.

Bei diesen Probanden führte progressives Krafttraining über zehn Wochen zu einer Kraftverdopplung.

Die Kombination des Trainings mit Proteindrinks erhöhte die Muskelkraft um 130 Prozent, Proteindrinks ohne Training zeigten dagegen keine Wirkung.

Krafttraining allein macht jedoch weder den Gang sicherer noch reduziert sich dadurch die Sturzgefahr.

Es braucht dazu zusätzlich Training von Motorik und Kognition.

Denn die Sturzwahrscheinlichkeit verdoppelt sich schon durch minimale, mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Gangunregelmäßigkeiten mit einer Schritt-zu-Schritt-Variabilität von 1,7 cm.

Bei alten Menschen, die beim Gehen stehen bleiben, um zu sprechen, zeigte sich ein stark gesteigertes Sturzrisiko!

Werden motorische Einschränkungen und Kraftdefizite bei alten Menschen rechtzeitig erkannt, können diese mit einem gezielten Training verbessert werden. In geriatrischen Institutionen gibt es darum Möglichkeiten, frühzeitig auf Gangunregelmäßigkeiten zu testen. Das geschieht mit Multitasking-Aufgaben.

In diesen Testverfahren wird eine motorische mit einer kognitiven Aufgabe kombiniert, beispielsweise das Lösen einer Rechenaufgabe beim Gang über einen Teppich.

Die in der Schweiz populäre Dalcroze-Rhythmik (nach Émile Jaques-Dalcroze, 1865-1950) verbessert Exekutivfunktion und Gangsicherheit.

In Gruppen trainieren die Teilnehmenden im Rhythmus von improvisierten, am Klavier gespielten Melodien.

Dabei verändern sich je nach Melodie unerwartet die Bewegungsfolgen.

Professor Kressig schildert, dass 80-jährige Damen, die seit Jahren die Dalcroze-Rhythmik praktizieren, beim Dual-Task-Test ebenso gut abschneiden wie 30-jährige.

Bei 134 zu Hause lebenden Senioren, die sechs Monate lang einmal pro Woche am Training teilnahmen, führte die Intervention zu einer signifikanten Verbesserung der Exekutivfunktion und zu einer Reduktion der Sturzrate auf die Hälfte.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/893646/sturzrisiko-krafttraining-nicht-genug.html

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0034-1387497     (Aktuel Ernährungsmed 2015; 40: S5-S7).

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass oft an mehreren Faktoren gleichzeitig angesetzt werden sollte, um eine Verbesserung zu erreichen.

Beim Thema Sturzrisiko von Senioren gibt es über die erwähnten Punkte Kraft, Motorik und Kognition hinaus noch einen weiteren beachtenswerten Aspekt:

Schlafmittelkonsum erhöht das Sturzrisiko. Durch ihre muskelrelaxierende Wirkung und die zum Teil nachhaltig eingeschränkte Wachheit kann es zu verstärkter Gangunsicherheit kommen.

Siehe dazu:

Schlafmittel: Sturzrisiko auch mit Nicht–Benzodiazepinen

Pflanzliche Schlafmittel sind frei von diesem Risiko – sie steigern also das Sturzrisiko und damit das Risiko von Knochenbrüchen nicht.

Das macht sie zu einer Option in der Behandlung von Schlafstörungen, die nicht gering geschätzt werden sollte.

Siehe dazu:

Schlafstörungen – Senioren profitieren von pflanzlichen Schlafhilfen

Süchtig nach Schlafmitteln – Phytotherapie bietet gesunde Alternative

Phytotherapie bei Schlafstörungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hormonersatztherapie steigert Risiko auf Eierstockkrebs

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Die heute seltener verordnete Hormonersatztherapie nach den Wechseljahren steigert einer Meta-Analyse im Lancet (2015; doi: org/10.1016/S0140-6736(14)61687-1) zufolge auch das Risiko für Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom).

 

Als die Women’s Health Initiative im Jahr 2002 aufzeigte, dass die Einnahme von Östrogen-Gestagen-Präparaten nach der Menopause das Risiko auf Herzinfarkt und Brustkrebs steigert, gingen die Verordnungszahlen der seit den 1940er Jahren propa­gierten Hormonersatztherapie stark zurück. In den letzten Jahren sollen sich die Verordnungen dann stabilisiert haben. Nach den Recherchen der Collaborative Group on Epidemiological Studies of Ovarian Cancer um den Epidemiologen Richard Peto von der Universität Oxford nehmen in den USA und Großbritannien inzwischen wieder 6 Millionen Frauen Hormonpräparate ein, um ihre Wechseljahrbeschwerden zu lindern.

 

Die jetzt vorgestellten Resultate der Collaborative Group on Epidemiological Studies of Ovarian Cancer sprechen erneut gegen den unbedachten und langfristigen Einsatz der Hormonpräparate. Die Auswertung von 52 epidemiologischen Studien (17 prospektive und 35 retrospektive Untersuchungen) zeigte nämlich, dass die Einnahme der Hormone auch mit einem Anstieg der Ovarialkarzinome verbunden ist.

Da diese Tumore relativ selten sind, wurde ein Zusammenhang mit Hormonpräparaten in der Women’s Health Initiative möglicherweise übersehen.

Anders als beim Brustkrebs existiert jedoch keine effektive Früherkennung und die Behandlungsresultate sind sehr viel ungünstiger als beim Brustkrebs, das im Frühstadium von neun von zehn Frauen überlebt wird, während die Mehrheit der Ovarialkarzinome zu spät entdeckt wird und nicht mehr kurativ therapiert werden kann.

 

Laut Peto erkrankt eine von 50 Frauen im Verlauf ihres Lebens an einem Eierstockkrebs. Die Studie kommt zum Schluss, dass eine Hormontherapie nach der Menopause zu einer zusätzlichen Erkrankung unter 1.000 Frauen führt. Dies ergibt einen Anstieg der Häufigkeit von 20 auf 21 Erkrankungen auf 1.000 Frauen. Bei derzeit etwa einer Million Frauen, die sich allein in Großbritannien für eine Hormontherapie entscheiden, führt dies pro Jahr zu etwa 7.000 Ovarialkarzinome, die bei einem Verzicht auf die Hormontherapie vermeidbar wären.

 

Quelle:

aerzteblatt.de, Hormonersatztherapie erhöht Risiko auf Ovarialkarzinom

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein weiterer Grund, bei leichteren Wechseljahrbeschwerden die Option Phytopharmaka ins Auge zu fassen. Das heisst vor allem: Präparate mit Trockenextrakt aus Traubensilberkerzen-Wurzelstock (Cimicifuga racemosa, Actaea racemoa) bei Hitzewallungen. In den frühen Wechseljahren, wenn noch keine Hitzewallungen auftreten,  Mönchspfefferextrakt.

Bei leichteren Wechseljahrbeschwerden könnten aber auch nichtmedikamentöse Massnahmen helfen, zum Beispiel regelmässige sportliche Aktivitäten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Baldrian auch bei Chemotherapie anwendbar

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Baldrianwurzelextrakte sind schon seit vielen Jahren Bestandteil der Phytotherapie bei Schlafstörungen und Unruhe.

In letzter Zeit sind allerdings Meldungen aufgetaucht, wonach Baldrian während einer Chemotherapie eingenommen die Wirkung der Chemotherapie beeinträchtigen könnte.

Ein Team aus Medizinern und Pharmakologen der Universitäten Leipzig und Rostock entschloss sich darum zu prüfen, ob es eine wissenschaftliche Grundlage für derartige warnende Hinweise gibt. Dazu untersuchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die gesamte für dieses Thema relevante Fachliteratur. Die Recherche umfasste sowohl Untersuchungen unter Laborbedingungen als auch klinische Studien am Menschen. Ausgewertet wurden bei dieser systematischen Literaturrecherche die wichtigsten medizinischen Datensammlungen inklusive einer Datenbank für Medikamenten-Interventionen.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass in der Fachliteratur keine nennenswerten Hinweise auf Wechselwirkungen von Baldrianextrakten mit anderen Medikamenten zu finden sind. Krebspatienten, die guten Schlaf dringend brauchen, vor dem Einsatz von Baldrian zu warnen, schade daher mehr als es nütze. Beim Kauf von Baldrianpräparaten sollten Betroffene jedoch auf Qualität achten und sich gegebenenfalls vom Arzt oder Apotheker beraten lassen.

 

Quelle:

http://phytotherapie-komitee.de/#Publish_PIR::Press_Release/show/press_release_id=112

(Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, Vol. 2014 (2014), Article ID 879396, http://dx.doi.org/10.1155/2014/879396).

 

Kommentar & Ergänzung:

Phytopharmaka wie zum Beispiel die Baldrianextrakte enthalten Wirkstoffe und können daher potenziell mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen (Interaktionen) auslösen.

Das ist ein grundsätzlicher Unterschied zu Homöopathika, Bachblüten und Schüssler Salzen, die keine Wirkstoffe enthalten und daher auch nicht mit Medikamenten interagieren können.

Daher ist das Thema „Wechselwirkungen“ bei Heilpflanzen-Präparaten ernst zu nehmen.

Allerdings gibt es in diesem Bereich auch immer wieder Warnungen, die sehr theoretisch und unrealistisch sind. Heilpflanzen enthalten in der Regel eine grössere Zahl an verschiedenen Inhaltsstoffen, wovon aber die meisten in tiefen Konzentrationen vorliegen.

Mit empfindlichen Testsystemen findet sich da leicht eine Substanz, die reagiert und als potentielle Interaktion in Frage kommt. Ob diese Substanz auch in „freier Wildbahn“, also in Patienten, eine Rolle spielt, ist daraus aber noch nicht ersichtlich.

 

Darum braucht es Sorgfalt in beide Richtungen, indem einerseits allfällige Wechselwirkungen aufmerksam im Auge behalten, aber andererseits auch nicht Warnungen ohne reale Grundlage verbreitet werden. Denn in den allermeisten Fällen sind Phytopharmaka gut verträglich.

 

Wichtig ist aber, dass Patientinnen und Patienten den behandelnden Medizinerinnen oder Medizinern mitteilen, wenn sie pflanzliche Präparate einnehmen. So können allfällige Wechselwirkungen erkannt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schlafmittel können natürlichen Schlaf nicht ersetzen

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Bei Schlafstörungen sorgen Schlaftabletten zwar meist für die ersehnte Nachtruhe, doch ist diese grundsätzlich nicht so erholsam wie natürlicher Schlaf. Das trifft auf die meisten Schlafpräparate zu.

Durch Schlaftabletten lässt sich der natürliche Schlaf nicht ersetzen.

Manche Patienten hoffen zwar, durch einen Wechsel des Schlafmedikaments lasse sich das ändern.

Das sei jedoch nicht richtig, erklärt die Landesapothekerkammer Hessen.

Über längere Zeit eingenommene Schlaftabletten können zudem dazu führen, dass der Betroffene Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln oder unsicher im Straßenverkehr werden. Außerdem besteht bei rezeptpflichtigen Schlafmitteln ein Risiko, nach kurzer Zeit davon abhängig zu werden.

Empfehlenswert ist es grundsätzlich, die Ursachen für Einschlafstörungen oder Durchschlafprobleme so früh wie möglich zu erkunden. Neben Stress, chronischer Erschöpfung und einer ungesunden Lebensweise kommen auch Krankheiten als Ursache in Frage. Schlaftabletten sind dann häufig nicht das angemessene Mittel gegen die Probleme mit der Nachtruhe. Wer beispielsweise wegen Muskelschmerzen oder rheumatischer Beschwerden nicht schlafen kann, sollte besser eine Schmerztherapie ins Auge fassen, empfiehlt die Landesapothekerkammer. Auch bei Kopfschmerzen, die zum Aufwachen führen, könnten andere medizinische Möglichkeiten sinnvoller sein. Darüber hinaus können auch andere Medikamente für den gestörten Schlaf verantwortlich sein.

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/wechsel-des-schlafmittels-verbessert-schlafqualität-nicht-145107503.html

Kommentar & Ergänzung:

Hier fehlen Optionen der Phytotherapie. Mit pflanzlichen Schlafmitteln lassen sich nicht alle Schlafstörungen erfolgreich behandeln, aber als Option, als Wahlmöglichkeit, sollten sie ernst genommen werden. Schliesslich gibt es bei pflanzlichen Schlafmitteln kein Risiko von Abhängigkeit, keine erhöhte Sturzgefahr, kein Hang-over am nächsten Tag und keine relevante Störung der Schlafarchitektur.

Zudem bietet die Phytotherapie bei Schlafstörungen verschiedene Ansatzpunkte:

– Kräutertees wie Orangenblütentee oder Zitronenmelissentee. Zwar gibt es für Kräutertees keine klinischen Studien, weil hier mangels Patentierbarkeit niemand Geld investiert. Doch Kräutertees haben ihre eigene Qualität nicht zuletzt dadurch, dass sie sich gut als Abendritual eignen und sinnliche Aspekte nutzen (warmes Teewasser, Duft).

– Ätherische Öle wie Lavendelöl und Melissenöl können auf verschiedene Arten zur Anwendung kommen (inhalativ, als Bad, als Einreibung).

– Trockenextrakte zum Beispiel aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume eignen sich zur Anwendung als Schlafdragée, wobei oft Kombipräparate Baldrianextrakt / Hopfenextrakt oder Mono-Präparate aus Baldrianextrakt eingesetzt werden.

Hier gibt es für einige Kombi-Präparate und Mono-Präparate klinische Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, wobei es allerdings in der Regel 2 – 3 Wochen geht, bis die Wirkung der Heilpflanzen-Extrakte besser ist als bei einem Scheinpräparat (Placebo).

 

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Augentrost als Augenheilmittel

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Die Kundenzeitschrift „Die Apotheke“ (Juli / 2014) beschreibt die Anwendungsbereiche der traditionellen Heilpflanze Augentrost (Euphrasia rostkoviana):

„Als Heilmittel hat Euphrasia allgemein eine entzündungshemmende Wirkung auf die Schleimhäute. Die Wirkstoffe weisen weiters antibakterielle Effekte auf. Neben der Anwendung bei Augenbeschwerden – bei Reizungen, Entzündungen von Augenlidrand und Bindehaut, Sehstörungen und Augenermüdung – wurde der Augentrost auch traditionell innerlich als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen angewandt. In der Pflanzenheilkunde wird er heute vor allem in Augentropfen und –salben verwendet.“

Quelle:

Die Apotheke, Juli 2014

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2014/DA-2014-07.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Augentrost ist ein hübsches Pflänzchen (Foto auf Wikipedia) und ein Halbschmarotzer.

Der antiken Kräuterliteratur taucht Augentrost nicht auf, weil er in Griechenland nicht vorkommt. Erstmals sicher identifizierbar erwähnt wird die Pflanze im spätmittelalterlichen „Gart der Gesundheit“ (1485). Beachtet wurde der Augentrost vermehrt in der Renaissance auf dem Hintergrund der damals dominierenden Signaturenlehre, die von Farben und Formen der Pflanzen auf deren Wirkungen schloss.

Paracelsus (1493 – 1541) und andere sahen in der Blüte ein Auge dargestellt und schlossen daraus auf eine Wirksamkeit als Augenheilmittel: Das gelbe Zentrum als Pupille, die länglich schwarzen Striche als Wimpern. Damals war noch nicht bekannt, dass die Farben und Formen der Blüten an die Insekten gerichtet sind, und nicht als Botschaft an uns. Auch war den Menschen wohl kaum bewusst, dass diese Zuschreibungen in ihren eigenen Interpretationen gründen und mit der Pflanze direkt nichts zu tun haben. Man könnte die Interpretationen jederzeit anders legen und zum Beispiel aufgrund der wimpernartigen dunklen Striche auf eine wimpernwachstumsfördernde Wirkung schliessen.

In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts, zum Beispiel bei Hieronymus Bock oder Matthiolus, ist der Augentrost ausführlich beschrieben. Matthiolus nennt ihn „ein Prinzipal zu den blöden und tunkeln Augen“. Das zeigt gut auf, dass die Zuschreibungen der Signaturenlehre meist ziemlich umfassend sind und nicht unterscheiden zwischen verschiedenen Augenkrankheiten. Augentrost enthält in diesen Vorstellungen einfach die Kraft für die Augen – egal um welche Augenkrankheit es gerade geht.

Diesen umfassenden Anspruch als Augenheilmittel muss man heute daher schon sehr relativieren. Empfohlen werden Umschläge und Augenbäder mit Augentrost in der traditionellen Pflanzenheilkunde noch bei leichten Bindehautentzündungen (Konjunktivitis). Belegt ist diese Wirkung nicht und die wissenschaftlich orientierte Phytotherapie lehnt die Anwendung von Umschlägen und Augenbädern mit Augentrost ab, weil sie bakteriologisch verunreinigt sein könnten und möglicherweise reizende Schwebestoffe enthalten. Ich selber denke, dass Augentrost bei leichten Bindehautentzündungen durchaus lindernd wirken könnte. Die Pflanze enthält Gerbstoffe und antimikrobiell wirkende Iridoide (Aucubin und Catalpol). Allerdings ziehe ich bei leichten Bindehautentzündungen Umschläge mit Schwarztee vor, wobei die Gerbstoffe sich aber bei der Teezubereitung nur langsam lösen. Schwarztee sollte zu diesem Zweck deshalb etwa 8 – 10 Minuten ziehen.

Für die Wirksamkeit einer Anwendung von Augentrost als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen, gibt es keine glaubwürdigen Hinweise.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterwanderung in Quinten am Walensee (Kanton St. Gallen) am 4. Mai 2014

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Für die neue Saison mit den Kräuterwanderungen 2014 bin ich daran, die Daten und Orte festzulegen und im Kursprogramm auf der Website zu publizieren.

Wir starten am 4. Mai mit den Kräuterwanderungen 2014 in Quinten am Walensee.

Quinten ist nur zu Fuss oder per Schiff erreichbar. Wir fahren von Murg aus mit dem Schiff nach Quinten und erkunden die blumenreichen Matten am Nordufer des Walensees. Quinten ist bekannt für ein ausgesprochen mildes Klima. Die Pflanzenwelt ist hier anfangs Mai schon sehr weit entwickelt, so dass wir eine grosse Vielfalt an Heilpflanzen und Wildblumen kennenlernen können. Auch landschaftlich ist diese Kräuterwanderung ein Erlebnis, geprägt vom Walensee und den imposant aufragenden Churfirsten. Wie bei allen Kräuterwanderungen werde ich die Heilwirkungen und die Erkennungsmerkmale der Heilpflanzen vorstellen. Wir werden aber auch die Tierwelt im Auge behalten. Die alten Trockenmauern sind ein Eldorado für Eidechsen  und in dieser Jahreszeit fliegen in Quinten schon viele Schmetterlinge – zum Beispiel Aurorafalter, Schwalbenschwanz und der faszinierende Segelfalter.

Die Detailinformationen zu dieser Kräuterwanderung finden Sie im Kursprogramm.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Interessantes zum Nocebo-Effekt

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Kennen Sie den Nocebo-Effekt?

Damit sind unerwünschte Nebenwirkungen gemeint, die aufgrund einer negativen Erwartungshaltung (z. B. Befürchtungen) entstehen.

Der Nocebo-Effekt ist quasi der böse Bruder des Placebo-Effekts (= erwünschte Wirkungen durch eine Erwartungshaltung).

Alles, was beim Patienten den Eindruck erweckt, medizinisch behandelt zu werden, kann Placebo- und Noceboeffekte auslösen: ein Gespräch, Handauflegen, mit Nadeln stechen, eine Spritze, eine Tablette, ein Wickel, ein Kräutertee…einfach alles, was im Auge des Patienten nach Therapie aussieht.

Während die Placebo-Wirkung zunehmend erforscht und in den Medien thematisiert wird, ist dies beim Nocebo-Effekt weniger der Fall.

Das ist schade, denn genauso wie der Placebo-Effekt ist auch der Nocebo-Effekt faszinierend und zugleich sehr bedeutsam in verschiedener Hinsicht.

Eindrücklich beobachten lässt sich der Nocebo-Effekt In randomisiert-kontrollierten Studien.

In solchen Studien bekommt eine Patientengruppe das zu testende Medikament verabreicht und eine andere Patientengruppe zur Kontrolle ein Scheinmedikament. Welcher Gruppe sie zugeteilt werden, wissen die Probanden dabei nicht. Noceboeffekte sind nun jene Nebenwirkungen, die sich in der Patientengruppe mit dem Scheinmedikament zeigen. Obwohl diese Patienten also gar keinen Wirkstoff bekommen, können die Nebenwirkungen heftig und häufig sein; so heftig, dass Teilnehmer aus diesem Grund die Studie beenden müssen: Zwischen sechs und zwölf Prozent der Probanden in der Placebogruppe leiden an so starken Nebenwirkungen, dass sie die Studie vorzeitig abbrechen. Der Noceboeffekt kann also massive gesundheitliche Einschränkungen bewirken. Gemäss einer Meta-Analyse leiden rund die Hälfte aller Studienteilnehmer in der Placebogruppe Nebenwirkungen, der Wert schwankt jedoch stark in den einzelnen Studien

Interessant ist daran vor allem, dass die Nebenwirkungen der Scheinbehandlung zu den Nebenwirkungen des jeweils getesteten Medikaments passen, also sehr spezifisch sind.

Der Grund dafür liegt darin, dass alle Teilnehmer einer Studie vor Studienbeginn die gleiche Aufklärung bekommen, egal ob sie anschliessen per Zufallentscheid der Vergleichsgruppe (Placebogruppe) mit dem Scheinmedikament oder der Gruppe mit dem richtigen Medikament zugeteilt werden. Zur notwendigen Aufklärung zählen auch die Informationen über mögliche Nebenwirkungen. Die Probanden wissen also, welche Nebenwirkungen sie zu erwarten haben – und genau diese treten dann bei einigen der Placebogruppen-Teilnehmer auch auf. Die Erwartungshaltung bewirkt diese Nebenwirkungen.

Quelle und weitere Infos zum Nocebo-Effekt:

http://www.medizin-transparent.at/nocebo-wenn-nichts-schadet

Kommentar & Ergänzung:

Nocebo-Effekte sind allgegenwärtig und sehr bedeutsam.

Beispiele:

1. Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten

Ellenlange Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten dürften wohl dazu beitragen, dass aufgeführte Nebenwirkungen tatsächlich vermehrt auftreten. Patientinnen und Patienten müssen selbstverständlich über mögliche Nebenwirkungen informiert sein. Wenn aber viele auch sehr selten auftretende Nebenwirkungen aufgeführt werden, nährt dies Befürchtungen, die zu negativen Erwartungshaltungen und damit zu Nocebo-Effekten führen können.

2. Nocebo-Effekte beim Thema „Amalgam“

Nocebo-Effekte spielen auch eine wichtige gesundheitliche Rolle ausserhalb von medizinischen Therapieverfahren, beispielsweise beim Stichwort „Amalgam“.

Siehe dazu auch:

Forschungsprojekt verneint Risiko durch Amalgam-Füllungen

Ich will nicht grundsätzlich ausschliessen, dass Amalgam möglicherweise in Einzelfällen gesundheitliche Auswirkungen haben könnte, obwohl eindeutige Belege dafür fehlen. Klar scheint mir allerdings, dass in diesem Bereich Nocebo-Effekte sehr grosse Bedeutung haben. Auffallend ist jedenfalls, dass alle nur irgendwie möglichen psychischen und körperlichen Beschwerden auf Amalgam zurückgeführt werden. Das deutet auf einen „Super-Nocebo-Effekt“ hin. Davon profitieren in grossem Stil naturheilkundliche „Ausleitverfahren“ und die „ganzheitliche Zahnmedizin“.

Wenn die Beschwerden, die dem Amalgam angelastet werden, nichts mit dieser Substanz zu tun haben, dann folgt daraus allerdings nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt.

3. Nocebo-Effekte beim Thema „Elektrosmog“

Beim Thema „Elektrosmog“ (umgangssprachlich für nichtionisierende Strahlung) scheint mir die Situation in vielem ähnlich wie beim Thema „Amalgam“.

Ich würde Warnungen bezüglich „Elektrosmog“ nicht einfach generell auf die leichte Schulter nehmen und halte es für sinnvoll, wenn die Entwicklung in diesem Bereich kontinuierlich mittels wissenschaftlicher Studien auf allfällige gesundheitliche Risiken überprüft wird. Substanzen wie PCB, DDT, Lindan, Asbest etc. wurden schliesslich auch jahrzehntelang als unproblematisch betrachtet.

Ein Beispiel für solche Forschungen war das nationale Forschungsprogramm NFP 57 des Nationalfonds, das den Einfluss nichtionisierender Strahlung (NIS) auf Umwelt und Gesundheit unter die Lupe nahm.

Siehe dazu:

Entwarnung, aber kein grünes Licht

Dass Nocebo-Effekte beim Thema Elektrosmog eine wichtige Rolle spielen, ist allerdings überaus deutlich erkennbar.

Testet man nämlich „elektrosensible“ Menschen, können sie nicht mit überzufälliger  Trefferquote sagen, ob eine Antenne, deren Strahlung sie ausgesetzt sind, eingeschaltet ist oder nicht.

„An der englischen Universität Essex wurde in einer über drei Jahre dauernden Studie das Verhalten von 44 Versuchspersonen untersucht, die glauben, elektrosmogsensibel zu sein, sowie gleichzeitig 114 Personen, die noch nie negative Auswirkungen durch Mobilfunk an sich bemerkt hatten. In einem Labor wurden diese Personen in verschiedenen Experimenten elektromagnetischen Strahlen mit Frequenzen im GSM- und UMTS-Bereich ausgesetzt. In der Doppelblindstudie wurde den Versuchsteilnehmern gesagt, dass eine Antenne mit der entsprechenden Strahlung für 50 Minuten in Betrieb sei. Die Probanden, die sich für strahlungssensibel hielten, klagten anschließend über Übelkeit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome. Ebenso konnten die Ärzte bei den Betroffenen Änderungen der Herzfrequenz und der Hautfeuchtigkeit messen. Diese subjektiv empfundenen Beschwerden und messbaren Symptome waren allerdings ganz unabhängig davon, ob die Antenne tatsächlich in Betrieb war oder nicht. Zwölf Personen mussten wegen massiver gesundheitlicher Beschwerden den Test beenden.“

Quelle: http://www.psiram.com/ge/index.php/Elektrosmog

Zum Thema Elektrosmog siehe auch die Übersicht auf Wikipedia.

Ein vorsichtiger Umgang mit Elektrosmog macht meines Erachtens schon Sinn. Das Wissen um die grosse Rolle von Nocebo-Effekten erlaubt aber auch eine gewisse Entdramatisierung.

Denn auch hier profitiert eine ganze Branche davon, Pseudo-Schutzmassnahmen gegen Elektrosmog zu verkaufen.

Massnahmen notabene, die unwirksam sind und unnötig, weil die damit angeblich bekämpften Beschwerden durch Nocebo-Effekte ausgelöst werden, welche die Branche mit ihren Warnungen selbst „gezüchtet“ hat.

Auch hier gilt aber: Wenn Beschwerden, die auf Elektrosmog zurückgeführt werden, auf Nocebo-Effekten basieren, dann folgt daraus nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt. Nocebo-Effekte sind nicht = Einbildung.  Ausserdem werden oft echte Beschwerden, die durch anderweitige Störungen verursacht werden, irrtümlich dem Elektrosmog (oder dem Amalgam) zugeschrieben. Auch in diesen Fällen sind die Beschwerden echt, nur die Erklärung dazu ist falsch.

4. Nocebo-Effekte bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen

Nocebo-Effekte beeinflussen in starkem Mass viele homöopathische Arzneimittelprüfungen und damit die Arzneimittelbilder, auf deren Grundlage Homöopathika eingesetzt werden.

Um ihren Anwendungsbereich festzulegen, werden Homöopathika an Gesunden getestet. Dazu müssen die Probanden genau protokollieren, welche Beschwerden und Veränderungen des Befindens während der Einnahme des Mittels auftreten.

Samuel Hahnemann (1755 – 1843) betonte, dass sämtliche Befindlichkeiten der Probanden während der Wirkungszeit des Mittels als durch dieses ursächlich hervorgerufen gelten müssten, selbst wenn der Prüfer Ähnliches in anderen Zusammenhängen beobachtet habe. In seinem Hauptwerk, dem „Organon der Heilkunst“, schreibt der Begründer der Homöopathie:

„Alle Beschwerden, Zufälle und Veränderungen des Befindens der Versuchsperson während der Wirkungsdauer einer Arznei […] rühren bloß von dieser her und müssen als deren eigentümlich zugehörig, als ihre Symptome angesehen werden und aufgezeichnet werden; gesetzt auch die Person hätte ähnlich Zufälle vor längerer Zeit bei sich von selbst wahrgenommen.“ (6. Auflage, §138).

Hahnemann negiert vollständig die Möglichkeit, dass

A. Veränderungen und Beschwerden während der Testphase am Gesunden auch unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten können und

B. dass negative Erwartungen zu Nocebo-Effekten führen können.

Das führt dazu, dass Nocebo-Effekte und zufällig gleichzeitig auftretende, unabhängige Veränderungen in die Arzneimittelbilder einfliessen und diese zu willkürlichen Konstrukten machen.

Allfällige spezifische Wirkungen des Homöopathikums könnte man nur von den beiden Möglichkeiten in Punkt A und B unterscheiden durch eine Kontrollgruppe, die unbehandelte Globuli (Scheinpräparate) bekommt – also mit einem Doppelblind-Test. Das wurde in neuerer Zeit auch gemacht. Siehe dazu beispielsweise hier:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Dabei zeigte sich in der Arzneimittelprüfung am Gesunden allerdings kein Unterschied zwischen dem Homöopathika und dem Scheinpräparat. Daher steht in Frage, ob Belladonna C30 / Belladonna D60 überhaupt ein Homöopathika ist.

Zumindestens bei Belladonna C30 / Belladonna D60 dürfte das Arzneimittelbild bei Prüfungen ohne Kontrollgruppe jedenfalls aus Nocebo-Effekten und spontanen Veränderungen bestehen, die unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten. Das gibt eine massive Verfälschung der Basis, auf welcher die Anwendung von Belladonna C30 / Belladonna D60 steht, so dass in Frage steht, ob solche Präparate nach en Regeln der Homöopathie überhaupt als Homöopathika gelten können.

Ein vergleichbares Ergebnis lieferte die doppelblinde Überprüfung des Arzneimittelbildes von Okoubaka aubrevillei. In der Homöopathie erfreuen sich Potenzen von Okoubaka aubrevillei großer Beliebtheit bei der Behandlung von Magen-Darm-Problemen. Die Forscher fanden bei der Arznimittelprüfung am Gesunden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen dem Homöopathika aus Okoubaka und dem Scheinglobuli bezüglich der Anzahl der als charakteristisch eingestuften Symptome. Auch bei Okoubaka scheint also das Arzneimittelbild aus Nocebo-Effekten und zufällig mit einfliessenden Veränderungen zu bestehen.

Siehe dazu:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/moderne-arzneimittelpruefung-mit-okoubaka.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23561008

Fazit:

Die Beispiele aus den Punkten 1 – 4 zeigen, welch grossen Einfluss Nocebo-Effekte in unserem Alltag haben können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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