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Kartoffelwickel bei Husten

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Das Magazin „Focus“ hat Hausmittel gegen Husten vorgestellt, darunter auch den Kartoffelwickel:

„Wickel um die Brust haben gleich zwei positive Effekte. Sie wärmen und sie transportieren beim Atmen Heilsubstanzen zu den entzündeten Bronchien. Probieren Sie bei sich selbst oder ihrem Kind warme Kartoffelwickel aus. Dafür die Kartoffeln garkochen, dann zerdrücken und den Brei in eine Mullwindel geben. Legen Sie sich zuerst ein Handtuch auf die Brust und darauf dennoch ordentlich warmen Kartoffelwickel. Das Handtuch ist wichtig, damit Sie sich nicht verbrennen. Fixieren Sie den Wickel mit einem Wollschal. Der sorgt für zusätzliche Wärme und hält alles fest.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein Kartoffelwickel kann immer dann in Betracht gezogen werden, wenn eine intensive Wärmeanwendung erwünscht ist. Er kann zum Beispiel Krämpfe oder Muskelverspannungen lindern. Kartoffeln können die Wärme sehr lange speichern. Man muss darum gut auf die Temperatur aufpassen, vor allem bei Kindern. Die Hitze kann nach dem Auflegen noch steigen. Das ist aber der einzige heikle Punkt. Sonst sind Kartoffelwickel sehr verträglich.

Beim Kartoffelwickel ist es allerdings fraglich, ob er tatsächlich „Heilsubstanzen zu den entzündeten Bronchien“ transportiert. Dieser Effekt kann wirksam sein bei Wickel und Auflagen mit ätherischen Ölen, z. B. bei Auflagen oder Einreibungen mit Thymianöl / Eukalyptusöl gemischt mit einem fetten Öl wie Mandelöl. Auch beim Zwiebelwickel verdunsten Substanzen, die zur Heilwirkung beitragen können.

Die Wirkung des Kartoffelwickels kommt aber wohl ausschliesslich durch die intensive Wärmezufuhr zustande.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Thymiantee bei Bronchitis

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Das Portal Apotheke-Adhoc empfiehlt als Hausmittel bei Bronchitis:

„Thymiantee: Thymian enthält viele antibakterielle ätherische Öle, weshalb er im Volksmund als „natürliches Antibiotikum“ bezeichnet wird. Für eine Tasse reichen ein bis zwei Teelöffel Thymiankraut. Dieser Tee sollte 10 bis 15 Minuten ziehen.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/blogads-welche-hausmittel-helfen-gegen-bronchitis/

Kommentar und Ergänzung:

Ja, das ätherische Thymianöl wirkt stark antibakteriell, jedenfalls bei Untersuchungen im Labor.

Im Standardwerk „Arzneidrogen“ von Georg Schneider heisst es dazu:

„Das Öl war gegen 35 getestete grampositive und 18 gramnegative Bakterien sowie 11 Pilzarten mit MHK-Werten von 0,125 bis 8 mg/ml wirksam. Thymianöl ist eines der antibiotisch wirksamsten ätherischen Öle.“

Allerdings lässt sich ein Laborergebnis nicht einfach auf die Anwendung beim Menschen übertragen. Thymiankraut enthält zwischen 1% und 2,5% Thymianöl, wovon aber wegen schlechter Wasserlöslichkeit nur ein Teil ins Teewasser übergeht. Dann muss das Thymianöl nach der Aufnahme in den Körper allfällige Umwandlungsprozesse in der Leber überstehen, wird über die Blutbahn im ganzen Organismus verteilt und soll dann in den Atemwegen eine Konzentration erreichen, die Bakterien hemmt. Das ist eigentlich eher fraglich. Bei Thymiantee von einem „natürlichen Antibiotikum“ zu sprechen ist daher ziemlich überzogen.

Eine Inhalation mit Thymianöl scheint mir da besser geeignet, erreicht man doch so die Atemwege von aussen ohne Umweg über den Verdauungstrakt und die Blutbahn.

Will man über den Verdauungstrakt in den Atemwegen ätherische Öle zur Anwendung bringen, sind magensaftresistente Kapseln wirksamer, weil dadurch grössere Mengen zugeführt werden können.

In Frage kommen Sibrovita N (mit Eukalyptusöl) oder Gelomyrtol ( entspricht Gelodurat als kassenzulässige Variante wenn ärztlich verordnet), einem Präparat aus aus rektifiziertem Eukalyptusöl, rektifiziertem Süßorangenöl, rektifiziertem Myrtenöl und rektifiziertem Zitronenöl.

Für Thymianöl gibt es keine entsprechenden Kapseln.

Eine akute Bronchitis wird im übrigen in den meisten Fällen durch Viren ausgelöst. Thymianöl zeigt im Labor auch Wirkungen gegen Viren, doch ist dieser Effekt offenbar schlechter untersucht als die antibakterielle Wirkung. Im Labor getestet wurde die Wirksamkeit gegen Herpes simplex Viren, die für Fieberbläschen verantwortlich sind.

Ergänzend soll noch erwähnt werden, dass Thymianöl zudem schleimlösend bei produktivem Husten wirkt. Auch für diesen Zweck würde ich aber die Inhalation dem Thymiantee vorziehen, oder Sibrovita / Gelodurat / Gelomyrtol als Kapsel einnehmen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Inhalieren gegen Erkältungen

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Das Magazin „Focus“ gibt Tipps gegen Erkältungen und kommt dabei auch auf Inhalationen zu sprechen. Nicht ganz falsch, aber auch ziemlich ungenau.

Was schreibt „Focus“:

„Salzspülung und Inhalieren

Gegen eine verstopfte Nase kann eine Salzwasserspülung aus der Apotheke oder Drogerie helfen. Das Inhalieren mit Ölen oder Kamillentee löst den Schleim.“

Wenn von „Ölen“ gesprochen wird, dann meint man in der Regel „fette Öle“ wie Mandelöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Hier sind aber zweifellos ätherische Öle gemeint. Fette Öle sind gar nicht flüchtig und würden nicht in den Dampf übergehen. Fette Öle und ätherische Öle sind aber zwei vollkommen unterschiedliche Dinge und deshalb wäre es hier sinnvoll, von „ätherischen Ölen“ zu schreiben.

Und ja, mit Kamillentee kann man inhalieren. Eine Mischung von Kamillenblüten mit Thymiankraut fände ich bei Husten und Schnupfen allerdings noch besser.

Beim direkten Inhalieren mit ätherischen Ölen, also wenn ätherische Öle auf heisses Wasser gegeben und direkt eingeatmet werden, sollte die Dosierung eher tief bleiben. 1 – 2 Topfen genügen in der Regel.

Und was schreibt „Focus“ weiter:

„Heiß Baden

Ein heißes Bad mit Eukalyptus oder ätherischen Ölen beruhigt, der heiße Dampf befreit die Atemwege. Vorsicht: Bei Fieber sollte nicht heiß gebadet werden!“

 

Ja, ein Erkältungsbad ist eine gute Idee. Mit „Eukalyptus“ ist wohl das ätherische Eukalyptusöl gemeint, so dass die Formulierung „Eukalyptus oder ätherische Öle“ etwas schief ist.

Neben Eukalyptusöl wäre auch Thymianöl eine gute Wahl. Allerdings fehlen im „Focus“-Text genauere Angaben zur Zubereitung und Dosierung, was meines Erachtens für eine sichere und verträgliche Anwendung wichtig wäre.

Ätherische Öle mischen sich schlecht mit Wasser und sind leichter, schwimmen also auf der Wasseroberfläche (Ausnahmen sind zum Beispiel Nelkenöl und Zimtöl). In der Badewanne hat das zur Folge, dass zum Beispiel Thymianöl und Eukalyptusöl konzentriert obenauf schwimmen, was beim Kontakt mit der Haut Reizungen verursachen kann.

Daher müssen die ätherischen Öle emulgiert werden, zum Beispiel indem man sie mit etwas Kaffeerahm (Sahne) oder Vollmilch mischt, bevor sie dem Badewasser zugefügt werden.

Auf ein Vollbad würde ich 8 Tropfen Eukalyptusöl oder Thymianöl geben, bei der ersten Anwendung nur 3 – 4 Tropfen, um die Verträglichkeit zu prüfen.

„Focus“ empfiehlt zudem:

„Natürliche Öle

Eukalyptusöl oder Pfefferminzöl vor dem Schlafen gehen auf der Brust verreiben. Wirkt gegen Husten und hilft beim Durchatmen.“

Auch hier würde es korrekt heissen „Natürliche ätherische Öle“. Meine Empfehlung wäre dabei, Eukalyptusöl oder Pfefferminzöl nicht pur aufzutragen, sondern wenige Tropfen gemischt mit etwas fettem Öl, zum Beispiel Mandelöl, oder allenfalls auch mit einer fettreichen Bodylotion (W/O-Emulsion).

Grundsätzlich könnte man aber auch von Eukalyptusöl, Thymianöl oder Pfefferminzöl ein paar Tropfen auf ein Papiertaschentuch geben und sie so über Nacht im Schlafzimmer verdunsten lassen.

Quelle der Zitate:

http://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/erkaeltung-schnell-loswerden-die-besten-tipps_id_7761950.html

Als Ergänzung:

Margret Wenigmann empfiehlt im Fachbuch „Phytotherapie“ für die äusserliche Anwendung von Pfefferminzöl:

„Einige Tr. In die betroffenen Hautpartien einreiben, in halbfesten oder öligen Zubereitungen 5 – 20 –prozentig…“

Bei Säuglingen und Kleinkindern rate ich ab von Pfefferminzöl-Anwendungen.

Margret Wenigmann schreibt dazu:

„Bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Bereich des Gesichtes, speziell der Nase, oder grossflächig auf Brust und Rücken anwenden (Gefahr von Glottiskrampf, Kratschmer-Reflex mit Atemdepression bis hin zur Erstickung).“

Solche Warnungen sind ähnlich formuliert in wohl allen Phytotherapie-Fachbüchern zu finden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Melisse als Beruhigungsmittel

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Das Magazin „Focus“ befasst sich mit den Wirkungen der Melisse:

„Das Hauptanwendungsgebiet der Melisse ist die Beruhigung des Nervensystems. Ein Tee aus frischen Melissen-Blättern kann sich bei Stress und Nervosität als wahres Wundermittel erweisen, denn die in ihm enthaltenen ätherischen Öle wirken entspannend und angstlösend.“

Diese Empfehlungen sind nachvollziehbar, auch wenn der Begriff „wahres Wundermittel“ grundsätzlich fragwürdig ist.

Wer Melisse im Haus habe, brauche sich vor schweren Prüfungen keine Sorgen zu machen, schreibt „Focus“ weiter.

Das kann man probieren, doch gibt es bei Prüfungsangst bzw. Prüfungsstress Heilpflanzen, die ich vorziehen würde. Zum Beispiel als leicht angstlösende Präparate hochdosierten Passionsblumenextrakt oder Lavendelöl-Kapseln (Lasea). Und eher für längerfristige Anwendung zur besseren Stressbewältigung Adaptogene wie Ginseng (Ginsana) oder Rosenwurz (Vitango).

Ausserdem empfiehlt „Focus“:

„Vor dem Zubettgehen getrunken, kann auch ein Gläschen vom berühmten Kräuterschnaps Melissengeist beim Einschlafen helfen.“

Hier würde ich den Melissentee kombiniert mit einer Lavendelöl-Anwendung eindeutig vorziehen. Melissengeist hat mir zuviel Alkohol und zuwenig Melisse. Zudem enthält der Melissengeist neben Alkohol und Melissenblättern eine ganze Reihe von Heilpflanzen, die ihn eher als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden prädestinieren: Alantwurzelstock, Angelikawurzel, Ingwerwurzelstock, Gewürznelken, Galgantwurzelstock, Schwarze Pfefferfrüchte, Enzianwurzel, Muskatsamen, Pomeranzenschalen, Zimtrinde, Zimtblüten, Kardamomensamen.

Die Melisse überrasche aber mit weiteren ungeahnten Heilkräften, schreibt „Focus“ weiter:

„Neben ihren ätherischen Ölen enthält sie Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und Mineralsalze. Insbesondere die Gerbstoffe haben erstaunliche Fähigkeiten. Sie attackieren Herpes-Viren und schützen die Haut vor einer erneuten Infektion. Melissenextrakt gilt heute als anerkanntes Mittel gegen die lästigen Lippenbläschen.“

Korrekt. Der Melissenextrakt wird zu diesem Zweck in eine Creme eingearbeitet (Lomaherpan). Das Präparat muss wie alle lokal anzuwendenden antiviralen Herpesmittel bei den ersten Symptomen eingesetzt werden. Es kann die Dauer der Herpeserkrankung leicht verkürzen – vergleichbar mit anderen Fieberbläschensalben.

Ähnlich lokal antiviral gegen Herpesviren wirken Melissenöl und Pfefferminzöl. In der Schweiz gibt es zudem Parsenn Herpescreme aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt, in kassenzulässiger Form als Phytovir.

Quelle:

http://www.focus.de/kultur/videos/melisse-melisse-zur-beruhigung-des-nervensystems_id_5294391.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kümmelöl-Leibauflagen beim Reizdarmsyndrom

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Etwa 10 und 15 % der Bevölkerung in Europa leiden unter dem Reizdarmsyndrom. Bei den Betroffenen kommt es zu Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall, Unterbauchschmerzen, Völlegefühl oder übermäßig auftretenden Blähungen. Da eine ursächliche Behandlung nicht möglich ist, bieten sich nur Therapiemaßnahmen auf der Symptomenebene an. Vor allem phytotherapeutische Maßnahmen wie die Gabe von Pfefferminzöl und Kümmelöl in Kapselform sowie von Flohsamen haben sich bereits als effektiv in der Bekämpfung einzelner Beschwerden erwiesen.

Ein Team der Universität Duisburg-Essen untersuchte nun die Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen, wie sie in der Kneipptherapie angewandt werden, bei Reizdarm-Patienten.

Die an der Studie beteiligten Reizdarm-Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt, die unterschiedliche Behandlungen bekamen, wobei aber nach dem Rotationsprinzip jeder Proband jede der drei Interventionen erhielt.

Jede der Behandlungen wurde über einen Zeitraum von drei Wochen appliziert, und zwar täglich für jeweils ca. 30 Minuten.

So sahen die drei Behandlungsgruppen aus:

1.)     Die zu prüfende Leibauflage mit Kümmelöl (2 %ig mit Olivenöl) und eine Moor-Wärmeauflage.

2.)     Eine erwärmte Leibauflage mit Olivenöl.

3.)     Eine körperwarme, nicht erwärmte Auflage mit Olivenöl.

Die Gruppen 2 und 3 dienten als Kontrollgruppen. Sie sollten es ermöglichen, die spezifischen Effekte des Kümmelöls sowie die Rolle der Wärme für eine potenzielle Linderung der Symptome zu unterscheiden.

Die Auflagen mit Kümmelöl zeigten sich den anderen Behandlungen deutlich überlegen, was die Zufriedenheit der Patienten und die Linderung der Symptome anbelangt. Die Kümmelölleibauflagen waren gut verträglich und wurden von den meisten der Patienten als angenehm und hilfreich bei der Linderung der Symptome beurteilt.

Quellen:

– http://www.carstens-stiftung.de/artikel/kuemmeloelleibauflagen-beim-reizdarm-endlich-ruhe-im-bauch.html

– Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36(06): 244-246

DOI: 10.1055/s-0041-109742

– Digestion. 2015;92(1):22-31. doi: 10.1159/000398790. Epub 2015 Jun 5.

Efficacy of Caraway Oil Poultices in Treating Irritable Bowel Syndrome–A Randomized Controlled Cross-Over Trial.

Lauche R1, Janzen A, Lüdtke R, Cramer H, Dobos G, Langhorst J.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?filters=&orig_db=PubMed&cmd=Search&term=92%2A%5Bvolume%5D%20AND%2022%5Bpage%5D%20AND%202015%5Bpdat%5D%20AND%20Lauche%20R%5Bauth%5D

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war zwar klein (48 Patienten, wovon 40 Frauen, Durchschnittsalter 53,9 Jahre) und nicht verblindet. Das schränkt die Aussagekraft ein.

Es ist aber schwierig, für einfache, billige, nicht patentierbare Massnahmen grosse Forschungsgelder für umfangreiche Studien zu finden.

Daher sind auch schon derart kleine Studien willkommen.

Auch ist es generell schwierig, Wickel, Auflagen und ätherische Öle zu verblinden.

Bei einer Tablette ist das einfacher. Man kann sie wirkstoffrei herstellen und hat voilà – ein identisch aussehendes Placebo (Scheinpräparat) für die Kontrollgruppe.

Aber wie lässt sich ein Placebo herstellen für eine Kümmelölleibauflage, ein wirkstoffloses Scheinpräparat, das aussieht, sich anfühlt und riecht wie eine Kümmelölleibauflage?

Wenn etwas so riecht, sich anfühlt und aussieht wie eine Kümmelölleibauflage, dann ist es eine Kümmelölleibauflage.

Die mangelnde Verblindung kann man also nicht den Forschern und nicht der Kümmelölleibauflage zum Vorwurf machen. Sie folgt aus der Komplexität der Intervention.

In der Zeitschrift für Phytotherapie (6/2015) werden die Resultate der Studie so zusammengefasst:

„Ein signifikanter Unterschied bezüglich der Symptome zugunsten der Kümmelölleibauflage wurde im Vergleich zur körperwarmen Auflage identifiziert (Differenz –38,4 Punkte; p = 0,033), nicht jedoch im Vergleich zur erwärmten Auflage mit Olivenöl (Differenz –24,3 Punkte; p = 0,139). Die Anzahl der Therapieansprecher (mindestens 50 Punkte Symptomreduktion) war in der Gruppe der Patienten mit Kümmelölleibauflage (43,9 %) signifikant höher im Vergleich zu maximal 20 % in den anderen beiden Gruppen.“

Signifikant war der Unterschied zugunsten der Kümmelölauflage also nur im Vergleich zur körperwarmen Auflage mit Olivenöl, nicht jedoch zur erwärmten Auflage. Das unterstreicht die Bedeutung der Wärmeanwendung. Offensichtlich waren die Patienten aber mit der Kümmelölleibauflage zufriedener. Da könnte auch der Duft eine Rolle spielen, der eine Massnahme wirksamer erscheinen lässt.

Und wie macht man nun eine Kümmelölleibauflage praktisch. Der Betrag in der „Zeitschrift für Phytotherapie“ (6/2015) gibt dazu eine Anleitung:

„Für die Kümmelölleibauflage benötigen Sie eine Wärmeauflage (Wärmeflasche, Moor-Wärmeauflage), ein Geschirrtuch, ein großes Frotteetuch sowie eine Mischung aus Kümmel- und Olivenöl (2–10 % Kümmelölanteil, erhältlich z. B. in der Apotheke) und einen Löffel.

Tränken Sie das Geschirrtuch in heißem Wasser, und wringen Sie es gut aus. Nehmen Sie einen Teelöffel des Ölgemisches und reiben Sie es mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn auf den Bauch ein. Darüber legen Sie dann das feuchtwarme Geschirrtuch und fixieren das Ganze mit dem großen Frotteetuch. Legen Sie dann die Wärmeauflage oben auf. Danach begeben Sie sich für ca. 30 Minuten mit der Auflage ins Bett oder auf die Couch.

Wichtig: Prüfen Sie unbedingt die Temperatur der Auflage im Vorfeld, z. B. am Unterarm. Besondere Vorsicht ist bei Kindern oder älteren Menschen geboten, insbesondere wenn die Temperaturwahrnehmung gestört ist. Bei empfindlicher Haut können Sie den Anteil des Kümmelöls zudem reduzieren.

Sollten bei der Anwendung Unverträglichkeitsreaktionen auftreten (Juckreiz, Rötung), entfernen Sie die Auflage und reinigen Sie die Haut gründlich mit warmem Wasser. In diesem Fall sehen Sie von weiteren Anwendungen ab.“

Zum Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen?

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Meisterwurztinktur helfe allen Menschen bei Schwächezuständen, schreibt ein Verkäufer von Meisterwurztinktur (den ich hier nicht nenne, weil ich ihn nicht noch kostenlos bekannter machen will).

Nichts gegen Meisterwurz (Peucedanum ostruthium). Er hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen grossen Ruf und riecht eindrücklich aromatisch durch den Gehalt an ätherischen Ölen.

An der erwähnten Aussage lässt sich jedoch vor allem zeigen, woran sich unseriöse Heilungsversprechungen erkennen lassen.

Meisterwurztinktur hilft also angeblich allen Menschen mit Schwächezuständen.

Zwei Punkte sind an dieser Aussage kritisch:

  1. Das Wort „alle“.

Diese Verallgemeinerung kommt einer Garantie gleich. Garantien sind in der Heilkunde immer ein Grund zu Skepsis. Der menschliche Organismus ist zu komplex für Garantien. Bei einem Staubsauger ist eine Garantie angemessen, beim Menschen nicht.

  1. „allen Menschen mit Schwächezuständen.“

Das bedeutet dann auch: Bei allen Arten von Schwächezuständen.

Schwächezustände können aber ganz unterschiedliche Ursachen haben. Es ist kaum vorstellbar, dass Meisterwurztinktur in allen Fällen helfen kann, unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache.

Aber nun einmal abgesehen von der unseriösen absoluten Formulierung des Herstellers: Kann Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen helfen?

Dazu gibt es keine verlässlichen Daten. In der Phytotherapie taucht Meisterwurz kaum auf und schon gar nicht mit der Indikation „Schwächezustände“.

In der Antike war Meisterwurz als Heilpflanze unbekannt. Im 16. Und 17. Jahrhundert dagegen galt die Wurzel dagegen als Universalmittel und wurde in den Kräuterbüchern oft genannt.

Matthiolus (1500 – 1577) schreibt zum Beispiel:

„Sie zertheilen und verzehren die groben, zähen, kalten flüsse im Leibe. Dienen wider den Husten. Sie zertrennen auch den schleimigen Lungenkoder und fürdern ihn zum aussreuspern.“

Quelle: „Arzneipflanzen in der Traditionellen Medizin“, Kooperation Phytopharmaka (Hrsg.), 2000.

Husten ist in den alten Kräuterbüchern ein häufig genanntes Anwendungsgebiet für Meisterwurz. Die Pflanze ist aber auch ein gern eingesetzter Bestandteil von Kräuterschnäpsen.

Aufgrund ihres Gehalts an ätherischem Öl und Bitterstoffen ist eine verdauungsfördernde Wirkung plausibel.

Und die Schwächezustände? Denkbar wäre eine anregende Wirkung des ätherischen Öls im Sinne einer Aromatherapie, aber das ist reine Spekulation und experimentell zeigt die Pflanze offenbar eher leicht beruhigende Effekte (nach „Handbuch Phytotherapie“ von Jänicke / Grünwald / Brendler (2003).

 

Es spricht viel dafür, dass die Indikation „Schwächezustände“ für die Meisterwurztinktur eher auf der verkaufsfördernden Fantasie des Verkäufers beruht als auf fundierten Erkenntnissen. Denn wer fühlt sich schon nicht gelegentlich schlapp und könnte dann eine solche Pflanzentinktur brauchen?

Und abschliessend: Wenn schon Meisterwurz, dann würde ich den Tee der Tinktur vorziehen. Er ist günstiger zu kaufen und führt mehr Wirkstoffe zu.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Und ausserdem:

Meisterwurz (Imperatoria) als Antidot?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

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Vaginalcreme mit Fenchel gegen Scheidentrockenheit

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Eine Vaginalcreme mit Fenchel reduzierte in einer Studie die Symptome postmenopausaler Scheidentrockenheit.

Während der Wechseljahre wird die Östrogenproduktion im weiblichen Organismus vermindert. Dabei kommt es bei beinahe 40 % der Frauen zu Symptomen wie Brennen, Jucken, Scheidentrockenheit und Dyspareunie (Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs). Der pH-Wert in der Vagina erhöht sich, was dazu führt, dass Krankheitserreger sich leichter ansiedeln und Entzündungen auslösen können. Sexuelle Aktivität kann dieser Entwicklung entgegen wirken, doch zahlreichen Frauen bleibt nur der Griff zu Cremes und Gleitmitteln.

Fenchelfrüchte aus Foeniculum vulgare werden sowohl in der traditionellen Medizin als auch in der modernen Phytotherapie eingesetzt. In einer Studie wurde untersucht, ob sich Scheidentrockenheit mit einer lokal anwendbaren Fenchelcreme lindern lässt.

Für die Studie wurde eine speziell hergestellte 5-prozentige Fenchelcreme an 30 postmenopausalen Frauen getestet. Die Probandinnen der Kontrollgruppe in dieser randomisierten Doppelblindstudie bekamen dagegen eine Placebo-Creme. Die Symptome Brennen, Jucken, Trockenheit, Färbung der Vagina und Dyspareunie wurden in ihrer Ausprägung vor Behandlungsbeginn sowie nach zwei, vier und acht Wochen erfasst.

Ein Abstrich diente der zytologischen Untersuchung und wurde beim Start und acht Wochen nach der Behandlung durchgeführt, ebenso wie eine Messung des pH-Wertes im Scheidenmilieu.

Im Vergleich zur Placebo-Creme führte die Fenchelcreme sowohl zu einer der Verbesserung zytologischen Parameter als auch zu einer signifikanten Verminderung der Symptome. Keine der 30 Frauen in der „Fenchelcreme-Gruppe“ litt nach der 8-wöchigen Behandlung unter Juckreiz oder Trockenheit, lediglich eine Probandin berichtete von leichtem Brennen und zwei von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Der pH-Wert, der vor der Behandlung bei allen Frauen über pH 5 lag, war am Schluss der Behandlungsphase bei allen Frauen in der Fenchelcremegruppe tiefer als pH 5.

In der Kontrollgruppe dagegen erfuhren die Studienteilnehmerinnen nur eine leichte Besserung mancher Symptome, der pH-Wert und die zytologischen Werte veränderten sich im Vergleich zu den Ausgangswerten nur geringfügig.

In keiner der beiden Gruppen zeigten sich unerwünschte Nebenwirkungen durch die Anwendung der Cremes.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/fenchelcreme-gegen-scheidentrockenheit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26617271

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist eine Überraschung, weil Fenchel in der Phytotherapie bisher hauptsächlich zur Linderung von Verdauungsstörungen und als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt wird. Im Zusammenhang mit Scheidentrockenheit taucht Fenchel bisher nicht auf. Allerdings zeigen Inhaltsstoffe des Fenchels im Labor östrogene Eigenschaften und das dürfte auch der Hintergrund dieser Studie sein.

Die untersuchte Fenchelcreme ist bisher nicht im Handel erhältlich und leider ist aus dem Abstract nicht ersichtlich, welche Art von Fenchelzubereitung genau verwendet wurde. Eigentlich müsste Fenchelöl in einer Basiscreme passen, da die östrogenen Inhaltsstoffe Bestandteil dieses ätherischen Öls sind. Zu klären wäre dann allerdings die adäquate Konzentration. Bis auf der Basis dieser Studie ein Präparat mit belegter Wirksamkeit und geprüfter Verträglichkeit vorliegt, dürfte es also noch einige Forschungsanstrengungen brauchen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Oeko-Test beurteilt Hustensäfte für Kinder

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Die Zeitschrift „Oeko-Test“ hat Hustensäfte für Kinder beurteilt. Dabei kamen auch Heilpflanzen-Präparate zu guten Bewertungen.

Bei den Schleimlösern (Expektorantien) schnitten unter den Thymian-Präparaten Aspecton Hustensaft und Abtei Bronchial Sirup mit „gut“ ab. Thymiverlan, Tussamag zuckerfrei und Bronchicum Elixier (Thymian/ Primel) bekamen wegen des Alkoholgehalts nur ein „ausreichend“. Mit „mangelhaft“ wurde Eucabal Hustensaft (Thymian / Spitzwegerich) bewertet.

Überzeugt haben auch die Efeu-Säfte Prospan, Hedelix, Bronchostad und Sinuc , sowie die ätherischen Öle in Gelomyrtol forte und Soledum Kapseln.

Untersucht wurden auch Hustenstiller (Antitussiva). Ein „sehr gut“ vergaben die Experten für Schoenenberger Heilpflanzensaft Spitzwegerich Bio.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/oeko-test-punkte-abzug-fuer-alkohol-und-konservierungsmittel-in-hustensaeften-kinder/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&cHash=f01ad2b9823c1f5225db568a9a9775cb

 

Kommentar & Ergänzung:

Punktabzug gab es für Alkoholgehalt und für den Zusatz von Konservierungsmitteln wie Propylparaben und Benzoesäure. Den beiden Konservierungsstoffe Propylparaben und Benzoesäure  werden schädliche Wirkungen zugeschrieben: Paraben soll hormonell wirksam und reproduktionstoxisch sein, Benzoesäure könne im Extremfall Gehirnschäden bewirken.

Nicht ersichtlich wird aus dem Bericht, wie die Wirksamkeit der Präparate beurteilt wurde.

Festzuhalten ist noch, dass die Beurteilung dieser Heilpflanzen-Präparate nicht auf andere Produkte mit den selben Bestandteilen übertragen werden kann. Thymian-Präparate zum Beispiel gibt es eine ganze Reihe und sie sich nur sehr eingeschränkt vergleichbar.

Die Präparate sind nur zum Teil in der Schweiz im Handel, zum Beispiel Prospan (Efeuextrakt) und Gelomyrtol (Gemisch aus ätherischen Ölen, vor allem Eukalyptusöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingweröl gegen Erbrechen?

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Die Zeitung „Bild“ versucht wieder einmal, über die Heilwirkungen von Pflanzen zu informieren. Das geht zum wiederholten Mal schief.

Unter dem Titel „Die heilsamen Wirkung von ätherischen Ölen“ werden einige Pflanzen aufgeführt, deren ätherische Öle bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt werden können. Der Text strotzt vor haltlosen Behauptungen und Irrtümern.

Beispiel:

„Ingwer (Zingiber officinale) Wirkt verdauungsfördernd, schleimlösend, gegen Erbrechen.

Beispiel: Bei Übelkeit einen Tropfen Öl unter die Zunge geben oder einen Tropfen Öl in die Handflächen oder auf ein Taschentuch geben, über die Nase halten und tief einatmen.“

Quelle: http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/medizin/dufte-medizin-aetherische-oele-49083174.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Aus der Phytotherapie-Forschung gibt es einige plausible Hinweise, dass Ingwer Erbrechen lindern kann. Dabei geht es aber immer um die Einnahme von Ingwerwurzelstock in Pulverform.

Bei der Empfehlung von ätherischem Ingweröl gegen Erbrechen stellen sich einige Fragen:

– Als verantwortlich für diese Wirkung werden hauptsächlich die Scharfstoffe angesehen (Gingerole und Shogaole). Diese Scharfstoffe sind aber nicht flüchtig und können daher im ätherischen Ingweröl nicht vorliegen.

– Angenommen, auch die Inhaltsstoffe des ätherischen Öls haben eine Wirkung gegen Erbrechen: Reicht ein Tropfen unter der Zunge oder die Inhalation von ätherischem Ingweröl aus für eine lindernde Wirkung? In der Phytotherapie-Forschung geht man davon aus, dass die Wirkstoffe im Magen wirken, nachdem Ingwerpulver eingenommen worden ist.

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum in der Aromatherapie, dass phytotherapeutisch erforschte und belegte Wirkungen einer Pflanze fraglos auf das ätherische Öl übertragen werden. Dabei wird oft übersehen, dass eine Heilpflanzen oft neben dem flüchtigen ätherischen Öl noch nichtflüchtige Wirkstoffe enthält, die im ätherischen Öl nicht vorhanden sind, aber für die Wirkung entscheidend sein können.

Verschiedene Beiträge zu den Stichworten „Ingwer“ und „Erbrechen“ finden Sie hier:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/?s=Ingwer+erbrechen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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