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Akute Bronchitis: Phytopharmaka sind antiviral wirksam ohne Resistenz

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Weil Virustatika nur gegen Influenza (Grippe) zugelassen sind, können pflanzliche Arzneimittel bei Atemwegsinfekten eine Alternative sein.

Atemwegsinfekte sind die Auslöser für rund 20 Prozent der Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU) und rund 10 Prozent der AU-Tage. Zur Behandlung kommen Phytotherapeutika aus der Kapland-Pelargonie wie Umckaloabo® in Frage.

An einer Veranstaltung, die vom Umckaloabo®-Hersteller Schwabe unterstützt wurde, sagte Professor Matthias Tisch, Leiter der Poliklinik am Bundeswehrkrankenhaus Ulm:

„Der in Umckaloabo® enthaltene Spezialextrakt EPs® 7630 bewirkt laut Studien eine signifikante Verkürzung der Krankheitsdauer um zwei bis drei Tage.“

In-vitro-Tests (also Untersuchungen im Reaganzglas) zum Wirkmechanismus des Extrakts ergaben, dass er auf verschiedene Weise antiviral wirkt. So reduziert EPs® 7630 die Freisetzung vervielfältigter Viren aus infizierten Zellen durch seinen Einfluss auf komplexe Virusproteine, die diesen Prozess steuern.

Ausserdem wurde ein zytoprotektiver Effekt festgestellt sowie eine Aktivierung der Immunabwehr gegen Viren bei einer Infektion.

Der Wurzelextrakt wurde in Studien mit über 10.000 Patienten untersucht, darunter knapp 4000 Kinder und Jugendliche. Die Anwendungsgebiete waren nicht nur akute Bronchitis, sondern auch akute Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung) und Tonsillitis (Mandelentzündung) gehörten dazu.

Franz D. Daschner, ehemals Professor an der Uni Freiburg, sagte:

„Die pflanzlichen Inhaltsstoffe des Extraktes besitzen antiinfektive Eigenschaften ohne eine Resistenzbildung hervorzurufen, da sie nicht in den Erregerstoffwechsel eingreifen.“

Dass heute immer noch etwa 60 bis 70 Prozent der bei Atemwegsinfekten verschriebenen Medikamente Antibiotika enthalten, sbezeichnete er als „Kunstfehler“.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/870263/akute-bronchitis-phytos-antiviral-wirksam-resistenz.html?sh=8&h=-1886162606

 

Kommentar & Ergänzung:

Umckaloabo® ist das am besten untersuchte Präparat auf der Basis von Kapland-Pelargonie.

Weitere Beiträge dazu finden Sie über die Suchfunktion auf dieser Website unter dem Stichwort „Umkaloabo“.

Insbesondere bei aktuer Bronchitis sind die Studien mit Patienten ziemlich gut, was die auswurffördernde Wirkung betrifft.

Bei akuter Sinusitis, Pharyngitis und Tonsillitis ist die Studienlage meinem Eindruck nach weniger überzeugend.

Positiv ist die breite Erfahrung mit Studien bei Kindern. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Phytopharmaka, aber auch synthetische Pharmaprodukte, weisen hier Lücken auf und sind bei Kindern nur schlecht dokumentiert.

Etwas Vorsicht scheint mir angebracht bei der Beurteilung der antiviralen Wirkung. Was im Labor im Reagenzglas Viren hemmen kann, muss dies noch lange nicht im menschlichen Organismus ebeno können.

Dass bei aktuer Bronchitis immer noch zu viele Antibiotika verschrieben werden, ist in der medizinischen Fachliteratur wiederholt kritisiert worden. Insbesondere bei viraler Ursache können Antibiotika gegen die Auslöser nicht wirksam werden, weil sie nur Bakterien bekämpfen.

In manchen Fällen ist die Behandlung mit Antibiotika allerdings trotzdem nötig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Efeu-Extrakt als Zusatztherapie bei Kindern mit Asthma

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Die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Efeu-Spezial-Extrakts EA 575® (Prospan®) bei akuten und chronischen Atemwegsinfekten mit der Begleiterscheinung Husten wurde in einer Übersichtsarbeit mit Daten aus 18 klinischen sowie nicht-interventionellen Studien mit insgesamt über 65.000 Patienten belegt. Das teilt die Firma Engelhard Arzneimittel zur Veröffentlichung des Reviews mit.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/asthma/default.aspx?sid=897207&sh=6&h=-19922203&ticket=ST-3980-AgzJqu2R5PlUNSzoas3Qwj1W4tcelNMd40T-20

Originalpublikation:

Planta Med 2015; 81(12/13): 968-974

https://www.thieme-connect.de/DOI/DOI?10.1055/s-0035-1545879

 

Kommentar & Ergänzung:

Das Review wurde vom Prospan-Hersteller Engelhard selbst erstellt und ist dadurch firmenabhängig entstanden. Solche Situationen sind anfällig für „publication bias“ oder „Verzerrung durch selektives Veröffentlichen“. Gemeint ist damit, dass Studien mit für die auftraggebenden Hersteller positiven Resultaten eher veröffentlicht werden als solche mit negativen Resultaten. Verschwinden Studien mit negativen Resultaten („wirkt nicht“) in den Schubladen, so fliessen sie auch nicht ein in Übersichtsarbeiten (Reviews).

Das verzerrt die Resultate der Reviews zugunsten der untersuchten Präparate.

Siehe:

Pharmaforschung hält negative Studien zurück

 

Der Artikel in der Ärzte Zeitung geht noch detaillierter auch einzelne Studien aus dem Review ein:

„Eine offene, multizentrische, kontrollierte Studie mit 50 Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren mit akuter Bronchitis (obstruktiv und nicht-obstruktiv) habe zum Beispiel ergeben, dass die sekretolytischen Eigenschaften von EA 575® denen von Acetylcystein mindestens ebenbürtig sind.“

 

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist sehr klein mit 50 teilnehmenden Kindern, was ihre Aussagekraft stark einschränkt. Es ist aber interessant, dass der Efeu-Extrakt sich punkto schleimlösender Wirkung als ebenbürtig zeigt im Vergleich zu den oft eingesetzten Acetylcystein-Präparaten wie ACC Sandoz oder Fluimucil. Der Haken daran: Die Wirksamkeit von Acetylcystein-Präparaten als Schleimlöser ist nicht belegt:

„Die Wirksamkeit hinsichtlich einer schleimverflüssigenden Wirkung von Acetylcystein ist für einfache Atemwegsinfekte nicht belegt. Die therapeutische Wirksamkeit bei Bronchitis ist nicht unumstritten, da die aus den 1980er Jahren stammenden Studien heutigen Ansprüchen an ein Studiendesign nicht standhalten“ (Quelle: Wikipedia)

 

Solange die Wirksamkeit von Acetylcystein als Schleimlöser nicht belegt ist sagt es nichts über die Wirksamkeit von Efeu-Extrakt aus, wenn die beiden Präparate in einer Studie vergleichbare Wirksamkeit zeigen.

Die „Ärzte Zeitung“ schreibt weiter:

„Zudem bestätigten die Ergebnisse die bronchospasmolytische Wirkung des Efeuextrakts. In einer randomisierten und placebokontrollierten doppelblinden Crossover-Proof-of-Concept-Studie zum Einsatz bei mildem, persistierendem Asthma bronchiale sei die additive Gabe des Efeu-Spezial-Extraktes mit einem bronchodilatativen Effekt einher gegangen, der mit einer signifikanten Besserung der Lungenfunktionsparameter der in die Studie eingeschlossenen Kinder assoziiert war.“

Originalpublikation:

Phytomedicine 2014; 21(10):1216-20)

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24916707

 

Kommentar & Ergänzung:

Auch die aktuelle Phytotherapie-Fachliteratur geht von einer krampflösenden Wirkung des Efeu-Extrakts aus. In dieser Studie wurde offenbar gezeigt, dass Kinder mit leichtem unkontrolliertem Asthma und regelmässiger inhalativer Kortikosteroid-Therapie von einer zusätzlichen Therapie mit Efeu-Trockenextrakt profitieren.

Zitat:

„This proof-of-concept study indicates that children with mild uncontrolled asthma despite regular inhaled corticosteroid therapy might benefit from an additional therapy with ivy leaves dry extract. However, further studies are needed.“

Auch dieses Ergebnis ist interessant. Wer keine Ahnung von Studien hat, wird durch die Darstellung in der „Ärzte Zeitung“ aber leicht dazu verleitet, die Aussage zu überschätzen. Eine Proof-of-Concept-Studie (Phase IIa Studie) dient nur der Überprüfung des Therapiekonzepts und sollte positive Effekte der Therapie zeigen. Eine Wirksamkeit wird dadurch nicht belegt. Dazu wäre eine Phase III Studie nötig. Daher die Forderung: „..further studies are needed.“ Mit 30 teilnehmenden Kindern ist die erwähnte Studie zudem auch für eine IIa-Studie klein (üblich: 50 – 200).

Wenn ich diese Studien zum Efeu-Extrakt zerpflücke, dann geht es mit nicht darum, Efeu-Extrakt als Naturheilmittel zu diffamieren. Ich will damit vielmehr zeigen, wie komplex die Interpretation solcher Studien ist, und dass man auch in diesem Bereich nicht alles so schlucken sollte, wie es daher kommt oder präsentiert wird.

Dem Prospan-Hersteller Engelhard ist zugute zu halten, dass er ernsthaft danach strebt, die Wirksamkeit und Sicherheit seines Efeu-Extrakts wissenschaftlich zu belegen – und das insbesondere auch für Kinder. Für die Phytotherapie sind solche Firmen, die Forschungsaufwand auf sich nehmen, sehr wichtig. Und ich ziehe daher die Präparate solcher Hersteller den Trittbrettfahrern vor, die ein Efeupräparat auf den Markt werfen und sich ohne eigene Forschungsleistung auf die Forschungsergebnisse von forschenden Phytopharmaka-Herstellern berufen. Insbesondere die Hersteller von Efeutinkturen begründen die Wirksamkeit ihrer Produkte oft mit Forschungen, die aber eigentlich mit Prospan-Extrakt gemacht wurden. Das ist unlauter, weil Prospan als Trockenextrakt wirkstoffreicher ist als jede Efeutinktur und vor allem als jede Frischpflanzentinktur. Ergebnisse der Prospanforschung lassen sich deshalb nicht auf Efeutinkturen übertragen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

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Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

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Problematisch sei nicht nur die zu häufige und falsche Verschreibung, sondern auch der intensive Einsatz in der Landwirtschaft.

In Europa sei zwischen 2010 und 2013 der Anteil gegen Antibiotika resistenter Bakterien teilweise gestiegen. Das zeigt der neueste Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) in Stockholm.

ECDC-Direktor Marc Sprenger unterstrich in diesem Zusammenhang die komplexen Ursachen von Antibiotikaresistenzen. Dazu gehören insbesondere zu viel Verwendung, auch bei „falschen“ Krankheiten (Virusinfektionen), in der Humanmedizin, nicht ausreichende Dosierung und Einnahmedauer richtig verschriebener Antibiotika und die Verwendung in großen Mengen für Humanmedizin-fremde Ziele.

Letzteres betrifft hauptsächlich die Agrarindustrie. Eine spezielle Problematik sind dabei auch Spitalhygiene und sogenannte Spitalkeime, die besonders häufig Resistenzen aufweisen. Obwohl der größte Teil des Antibiotikaverbrauchs außerhalb von Kliniken stattfinde, sei der Antibiotikagebrauch in den Kliniken der hauptsächliche Faktor für die Verbreitung multiresistenter Bakterien, die Infektionen im Gesundheitseinrichtungen selbst auslösen, erläutert Sprenger.

Die Situation sei unterschiedlich von Antibiotikum zu Antibiotikum und von Keimart zu Keimart. Gleichzeitig seien Antibiotikaresistenzen häufig lokaler (nationaler) Natur, weil sie direkt mit der häufig sehr unterschiedlichen Verwendung in Verbindung stehen. Ein Beispiel sei der Anteil der Klebsiella pneumoniae-Keime, die zum Beispiel gegen die häufig verwendeten Fluorchinolone, Cephalosporine der dritten Generation und Aminoglykoside unempfindlich geworden sind.

Die früher als „Wunderantibiotika“ für den Spitalsbereich bezeichneten Carpabeneme sind eine der letzten Möglichkeiten bei sonst resistenten Klebsiella pneumoniae und E. coli-Keimen. Hier zeichnet sich haupsächlich bei den Klebsiellen eine Verschlechterung der Situation ab.

In den vergangenen 20 Jahren sind als Spitalkeime auch die sogenannten methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Bakterien (MSRA) wichtig geworden. Hier haben in den vergangenen Jahren entsprechende Gegenmaßnahmen für eine Reduktion der Problematik gesorgt. Die Verminderung des Anteils der resistenten Erreger zwischen 2010 und 2013 in Europa war jedoch geringer als davor.

ECDC verlangt in diesem Zusammenhang einen vorsichtigen Gebrauch der Arzneimittel von der Versorgung von Patienten mit bakteriellen Infektionen im Akutfall bis hin zur Langzeitpflege sowie entsprechende Hygienemaßnahmen, um Infektionen überhaupt zu vermeiden.

Quelle:

http://derstandard.at/2000008243550/Europaeische-Experten-warnen-vor-Antibiotika-Resistenz

 

Kommentar & Ergänzung:

Eine Massentierhaltung, die auf die flächendeckende, kontinuierliche Antibiotika-Gabe angewiesen ist, ist nicht nachhaltig und gehört in dieser Form abgeschafft. Schärfere Regeln sind nötig. Das gilt allerdings auch für die Medizin, die wider besseres Wissen offensichtlich nicht in der Lage ist, falsche und unnötige Antibiotika-Verschreibungen von sich aus in den Griff zu bekommen. Es braucht hier harte gesetzliche Regelungen, wenn möglich weltweit.

Das schreibe ich nicht aus Feindschaft gegenüber den Antibiotika, sondern weil ich den unschätzbaren Wert dieser Medikamente anerkenne. Und dass sich Antibiotika nicht einfach durch Heilpflanzen ersetzen lassen, braucht gar nicht erst speziell betont zu werden.

In ganz bestimmten Teilbereichen könnten Heilpflanzen allerdings schon zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Jedenfalls kommen mir dazu einige Möglichkeiten in den Sinn. So könnte beispielsweise die gute antimikrobielle Wirkung vieler ätherischer Öle bei örtlicher Einwirkung besser genutzt werden (z. B. Korianderöl, Lavendelöl, Teebaumöl).

Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettich, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse entfalten antibakterielle Wirkungen bei Infektionen der Harnwege (Blasenentzündung) und der Atemwege (akute Bronchitis) und lassen sich gut einsetzen, wenn man auch ihre Grenzen kennt. Und die Kapland-Pelargonie (Umckaloabo®) ist ein bewährtes Mittel bei unkomplizierter, viraler Bronchitis, einem Krankheitsbild, bei dem immer noch Antibiotika eingesetzt werden, obwohl diese bei viralen Erkrankungen gar nicht wirksam sind.

Eine weitere Option ist Myrtol / Eukalyptusöl in Kapselform (Gelomyrtol®) – vor allem bei Infektionen der Atemwege (Bronchitis, Sinusitis).

Siehe auch:

Jedes dritte Antibiotikum unnötig verordne

Phytotherapie: Infektabwehr aus der Natur (Pelargonium-Extrakt) 

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit 

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz 

Akute Bronchitis – Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika 

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte 

Senfölglycoside gegen Infektionen

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte

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Ein Extrakt aus Pelargonium sidoides (Umckaloabo) ist ein geeignetes Arzneimittel bei akuten Atemwegsinfekten. Zu diesem Schluss kommt eine Metaanalyse, die an der 29. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie in Winterthur vorgestellt wurde.

Bei akuten Atemwegsinfekten ist der Einsatz von Antibiotika in der Regel nicht sachgerecht. Darum sind pflanzliche Alternativen wie der Extrakt aus der Kapland-Pelargonie (Umckaloabo) interessant.

Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Umckaloabo-Extraktes wurden nun erneut in einer Metaanalyse untersucht. Die Resultate dieser Metanalyse wurden bei der 29. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie in Winterthur vorgestellt.

Für die Metaanalyse wurde in der Datenbank Medline nach Placebo-kontrollierten, randomisierten klinischen Studien gesucht, in denen der Pelargonium-Extrakt (Umckaloabo®) bei Patienten mit akuter Bronchitis, akuter Rhinosinusitis oder akuter Tonsillopharyngitis angewendet wurde.

13 Studien, sechs davon mit Kindern, mit total annähernd 3400 Teilnehmern wurden gefunden. In die Metaanalyse konnten zehn Untersuchungen einbezogen werden. In allen drei Indikationen war der Pelargonium-Extrakt gegenüber Placebo deutlich überlegen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/?sid=868088

Kommentar & Ergänzung:

Für eine Metaanalyse werden geeignete Studien zu einem bestimmten Thema zusammengefasst und ausgewertet. Dadurch soll gegenüber einzelnen Studien eine Aussage mit grösserer Relevanz gewonnen werden. Metaanalysen haben daher bei der Bewertung von Evidenz grosses Gewicht. Aber auch Metaanalysen sind nicht über jeden Zweifel erhaben. So ist es zum Beispiel entscheidend, nach welchen Kriterien Studien in die Metaanalyse eingeschlossen oder ausgeschlossen werden.

Die Qualität der beschriebenen Metaanalyse kann ich nicht beurteilen. Die Beschreibung in der Aerztezeitung liefert dazu auch kaum brauchbare Informationen. Wer hat die Metaanalyse durchgeführt? Wurde sie in einer Fachzeitschrift vollständig veröffentlicht und wenn ja, wo und wann?

Unabhängig davon spricht aber viel dafür, dass Umckaloabo bei akuten Atemwegsinfekten tatsächlich eine interessante Alternative zu den bei dieser Indikation in der Regel unnötigen Antibiotika ist.

Siehe auch:

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen 

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Immer noch zu viel unnötige Antibiotika bei akuter Bronchitis

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Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, gegen Viren sind sie wirkungslos.

Weil beinahe alle banalen Atemwegsinfekte von Viren ausgelöst werden, ist es unsinnig, Patienten mit akuter Bronchitis oder anderen Erkältungskrankheiten Antibiotika zu geben.

In 70 Prozent aller Bronchitis-Fälle verschreiben US-Ärzte Antibiotika – obwohl diese Medikamente nichts gegen die Krankheit ausrichten können.

Das ist bedenklich, denn neben akuten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Unverträglichkeit drohen Resistenzen. Zudem ist die Umweltbelastung nicht zu vernachlässigen, da einige der Antibiotika nur langsam abgebaut werden.

Warnungen vor diesen Folgen werden schon seit Jahrzehnten wiederholt, ohne dass sich an dieser Situation grundlegend etwas geändert hat.

Die beiden Harvard-Mediziner Michael Barnett und Jeffrey Linder untersuchten, wie häufig in den USA Antibiotika gegen akute Bronchitis verordnet werden. Im Journal of the American Medical Association publizierten die beiden Allgemeinmediziner ihr ernüchterndes Resultat, dass von 1996 bis 2010 gleichbleibend häufig Antibiotika verschrieben wurden, mit steigender Tendenz (Bd. 311, S. 2020, 2014).

Barnett erklärt dazu:

„Obwohl es klare Beweise dafür gibt, dass sie unwirksam sind, obwohl die Richtlinien davon abraten und obwohl wir seit zwei Jahrzehnten unsere Fortbildung darauf ausrichten, dass die Antibiotika-Verordnung bei akuter Bronchitis null sein sollte, betrug die Häufigkeit in den vergangenen 15 Jahren ungefähr 70 Prozent und stieg in dieser Zeit sogar an.“

In Deutschland sei die Situation ähnlich – außer dass die Datenbasis nicht so gründlich aufgearbeitet werde wie in den USA, schreibt Werner Bartens in der „Süddeutschen“.

Nach jüngeren Untersuchungen geben Ärzte in Deutschland in 50 bis 75 Prozent der Fälle Antibiotika gegen banale Erkältungsleiden, obwohl damit Patienten nicht geholfen, sondern geschadet wird.

Argumente dagegen seien überall finden, schreibt Bartens, um verweist auf die Initiative „Choosing Wisely“, die verständlich für Ärzte wie Patienten gegen überflüssige Medizin zu Felde zieht und eben beispielsweise auch erklärt, dass und warum Antibiotika gegen akute Bronchitis nicht wirksam sind. (www.choosingwisely.org). Der Autor verweist auch auf die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, in denen dargelegt wird, dass bei Bronchitis und bis zu acht Wochen andauerndem Husten Antibiotika zu vermeiden sind (degam.de). Erst wenn eine Lungenentzündung vorliege, seien Antibiotika wichtig und hilfreich.

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/bronchitis-falsche-antibiotika-1.1970225

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Problem ist auch in der Schweiz von grosser Bedeutung.

Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGIM) hat eine Liste mit fünf zweifelhaften Behandlungs- und Diagnosemethoden veröffentlicht, die mehr schaden als nützen.

Auf dieser Top-5-Liste ist auch zu finden:

„Verschreiben von Antibiotika gegen unkomplizierte Infekte der oberen Luftwege mit viralem Ursprung.“

Auf der Liste stehen Massnahmen, die besonders häufig verordnet werden. Also ist dieses Problem auch in der Schweiz relevant.

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Fuenf-Untersuchungen-die-mehr-schaden-als-nuetzen/story/27540090

 

Das Problem der allzu häufigen Verordnung von Antibiotika in Fällen, in denen sie unnötig und unwirksam sind, ist schon seit vielen Jahren ein Thema. Das medizinische System reagiert hier offensichtlich sehr langsam oder gar nicht. Wenn Appelle nichts fruchten und die Medizin dieses Problem nicht in den Griff bekommt, muss die Politik wirksame Leitplanken setzen.

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

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Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

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Senfölglycoside ( = Glukosinolate) sind schwefel- und stickstoffhaltige chemische Verbindungen, die aus Aminosäuren gebildet werden. Sie geben Gemüse wie Rettich, Meerrettich, Senf, Kresse, Kapuzinerkresse und Kohl den etwas bitteren Geschmack.

Es gibt rund 120 verschiedene Glucosinolate. Sie kommen in Mitteleuropa ausschliesslich in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor. In der Phytotherapie spielen als Senfölglykosid-Pflanzen vor allem Meerrettich, Senf, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse eine Rolle.

In den Pflanzen wirken Senfölglycoside als Abwehrstoffe gegen Tierfraß.

Nach neueren Erkenntnissen beugen Senfölglykoside Infektionen vor und unterstützen die Krebsprävention, wie Sulforaphan oder Iberin.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Medizin als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt.

Genaueres zur Verwendung in der Phytotherapie

Senföle (z. B. Allylsenföl) werden therapeutisch als lokal wirkende Hautreizmittel (Rubefacientia) angewendet. Sie wirken teilweise stark antibakteriell.

Zubereitungen aus senfölhaltigen Pflanzen werden ebenfalls heilkundlich eingesetzt. Kapuzinerkresse etwa wirkt wegen ihres Gehaltes an Benzylsenföl in-vitro bakteriostatisch (gegen grampositive und gramnegative Bakterien), virustatisch und antimykotisch.

Wissenschaftlich belegt ist auch die antimikrobielle Wirkung der Senföle aus dem Meerrettich. Das ätherische Öl enthält als wichtige Bestandteile Allylsenföl (ca. 90%) und 2-Phenylethylensenföl. Je nach Dosis kann der Meerrettich in-vitro bakteriostatisch bzw. bakterizid wirken Das Allylsenföl aus der Meerrettichwurzel besitzt eine gute Wirksamkeit im gramnegativen Spektrum, während das 2-Phenylethylsenföl aus der Meerrettichwurzel ein erweitertes Wirkspektrum im grampositiven Bereich zeigt.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Praxis als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt. In-vitro-Studien belegen, dass eine Kombination der beiden Pflanzenstoffe ein breites antibakterielles Wirkspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen besitzt.

Untersuchungen am Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen haben 2010 gezeigt, dass Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmen können. Die Vermehrung wurde im In-vitro-Modell mit menschlichen Lungenzellen um etwa 90 Prozent vermindert. Bereits im Jahre 1958 wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen am exembryonierten Hühnerei unter dem Einfluss der Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich eine starke Hemmung der Vermehrung von Influenza-Viren belegt

Dass der Konsum senfölhaltiger Pflanzen, wie vielfach behauptet, vor Krebserkrankungen schützen kann, ist wissenschaftlich durch Versuche an Ratten belegt. Ein wissenschaftlicher Beweis für die Wirksamkeit beim Menschen fehlt aber.

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ginkgo bessert Verhaltensauffälligkeiten

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In einer doppelblinden Studie bekamen Patienten mit Demenz und Verhaltensstörungen einen Ginkgo-Extrakt. Die Wirkung wurde mit validen psychometrischen Tests erfasst.

Die Therapie mit einem Ginkgo-biloba-Extrakt (1mal pro Tag) bessert signifikant die kognitiven Symptome und Verhaltensauffälligkeiten bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz im Vergleich mit unbehandelten Patienten. Die Medikation ist gut verträglich und hat keine schweren Nebenwirkungen, wie eine Arbeitsgruppe der Uni Düsseldorf nachgewiesen hat.

In der Multicenterstudie bekamen 410 Patienten mit Demenz (SKT 9 bis 23 Punkte) und neuropsychiatrischen Auffälligkeiten über 24 Wochen einen Ginkgo-Extrakt (EGb 761®, 240 mg) oder Placebo. Die Studie wurde publiziert in „Der Neurologe & Psychiater“ (2011; 6: 16).

Die Wissenschaftler erfassten den Gesamtwert im Syndrom-Kurztest (SKT, kognitives Defizit) und die Gesamtpunktzahl im Neuropsychiatrischen Inventar (NPI, Verhaltensstörungen) sowie weitere Parameter wie die Aktivitäten des täglichen Lebens und den NPI-Stress-Bewertungsbogen.

Patienten, die mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt wurden, verbesserten sich nach 24wöchiger Therapie um 1,4 Punkte im SKT- und um 3,2 Punkte im NPI-Gesamtwert. Die Placebogruppe verschlechterte sich im Gegensatz dazu um 0,3 Punkte im SKT und veränderte sich nicht im NPI-Gesamtwert.

Die Differenzen zwischen den Patientengruppen waren jeweils signifikant. Die Kognition (SKT) verbesserte sich klinisch relevant, also um mindestens 3 Punkte, öfters in der Ginkgo-biloba-Gruppe (32 Prozent) als in der Placebogruppe (15 Prozent).

Ebenso besserten sich die Verhaltensauffälligkeiten (NPI) häufiger klinisch relevant, also um mindestens 4 Punkte, in der Ginkgo-biloba-Gruppe (45 Prozent) als in der Placebogruppe (24 Prozent). Die Ginkgo-biloba-Gruppe schnitt auch für alle sekundären Beobachtungsziele gegenüber Placebo besser ab.

Unerwünschte Ereignisse wurden in beiden Behandlungsgruppen gleich häufig festgestellt. Kopfschmerzen, Schwindel, Atemwegsinfekte und erhöhter Blutdruck waren die am häufigsten erfassten Nebenwirkungen. Sie traten in beiden Gruppen etwa gleich häufig auf.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/default.aspx?sid=670820&ticket=ST-717-ZtvMahZFGvI9b9T5XJe6fAcQrOxOiMeIdCw-20

Kommentar & Ergänzung:

Beachtenswert an diesem Bericht scheint mir vor allem, dass die gefundenen Verbesserungen nach einem Zeitraum von 24 Wochen festgestellt wurden. Das spricht für eine langfristig angelegte Therapie.

Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass auch schon nach beispielsweise 12 Wochen eine gewisse Wirkung  zu finden gewesen wäre, wenn die Auswertung zu diesem früheren Zeitraum stattgefunden hätte.

Beim geprüften Präparat handelt es sich um einen hoch konzentrierten Extrakt. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf Ginkgotinktur oder Ginkgotee übertragen.

Zum Ginkgotee siehe auch:

Ginkgo-Tee nicht ohne Risiko

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Kein Grund, auf Umckaloabo® zu verzichten“

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Die Diskussion um potenzielle Leberschädigung durch Umckaloabo® hat zahlreiche Patienten und niedergelassene Ärzte verunsichert. Professor Heinrich Matthys vom Universitätsklinikum Freiburg sieht allerdings derzeit keinen Grund, auf das Phytotherapeutikum zu verzichten.

„Da Atemwegsinfekte zu weit über 90 Prozent viral bedingt sind – vom Schnupfen über die Pharyngitis/ Laryngitis zur Bronchitis / Bronchiolitis – sind hier anstelle von Antibiotika vor allem OTC-Präparate indiziert“, stellt Matthys fest.

Für den Pneumologen ist bei deren Auswahl aber wichtig, dass sie den gleichen evidenzbasierten Kriterien entsprechen, wie sie für verschreibungspflichtige Arzneimittel gelten, und entsprechende randomisierte, prospektive und placebokontrollierte Studien vorliegen.

Hier sehe er auch den besonderen Stellenwert von Umckaloabo®, so der Experte, der etliche Studien mit dem Extrakt aus Pelargonium sidoides EPs® 7630 initiiert, begleitet und veröffentlicht hat.

Darin habe sich gezeigt, dass der Umckaloabo-Extrakt nicht nur als reines Symptomatikum wirke, sondern antibakterielle und antivirale Eigenschaften habe und die Krankheitsdauer merklich verkürze.

Zum Forschungsstand bezüglich Umckaloabo erklärt Matthys: „Es zählt zudem zu den wenigen gut untersuchten Phytotherapeutika im Bereich respiratorischer Infekte, von denen es Cochrane Library-Dokumente gibt.“

In den Studien sei der Pelargonium Extrakt EPs® 7630 auch umfassend toxikologisch und sicherheitspharmakologisch untersucht worden, wobei sich nach den Erfahrungen von Matthys keine Auswirkungen auf das hepatobiliäre System gezeigt haben.

Die gute Verträglichkeit von Umckaloabo-Extrakt werde auch dadurch untermauert, dass bei über 50 Millionen Anwendungen in den vergangenen 20 Jahren bei keinem Patienten auf die EPs® 7630-Einnahme nachgewiesene schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind.

In placebokontrollierten Studien mit Kindern ab dem ersten Lebensjahr und bei Erwachsenen seien leicht erhöhte Beschwerden (p< 0,05) meist gastrointestinaler Art festgestellt worden, hält Matthys fest.

„Ich habe zu dem jüngsten Fall des 40-jährigen Mannes mit einer Hepatitis kein toxikologisches Dossier zur Verfügung, das eine schlüssige Beurteilung eines Kausalzusammenhangs mit der Einnahme von Umckaloabo® erlauben würde“, so der Freiburger Pneumologe.

Ohne entsprechende Untersuchungen zum Ausschluss bakterieller/viraler Ursachen oder Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen sei jedoch keine sichere Beurteilung möglich.

Gerade die sonografisch festgestellte Hepatosplenomegalie spreche beipielsweise eher für eine infektiöse Genese der Leberentzündung als für eine arzneimitteltoxische.

Matthys würde deshalb nach den bisherigen Daten und aufgrund seiner eigenen Erfahrungen aus Umckaloabo-Studien derzeit nicht ohne weiteres auf das Phytotherapeutikum bei Patienten mit viralen respiratorischen Infekten verzichten.

Er würde das Mittel jedoch grundsätzlich nicht anwenden bei erkälteten Patienten mit einer gravierenden Grunderkrankung wie HIV und Mukoviszidose sowie bei Patienten mit Bronchiektasen, da bei diesen Atemwegserkrankungen meist eine bakterielle Besiedlung vorliegt, gegen die wirksamen Antibiotika eingesetzt werden müssen.

Der Freiburger Pneumologe hält darüber hinaus fest: „Evidenzbasierte Aussagen zur Einnahme von EPs® 7630 bei Patienten mit Leber- und Nierenkrankheiten sind derzeit nicht möglich, da diese Patienten ebenso wie Patienten mit Drogen- (Alkohol) und Medikamenten-Abusus in allen kontrollierten Studien ausgeschlossen wurden.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/allgemeinmedizin/article/667831/kein-grund-umckaloabo-verzichten.html?sh=312&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Zur Diskussion bezüglich potenzieller Leberschädigung durch Umckaloabo siehe auch:

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

Leberschäden durch Umckaloabo?

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