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BfArM warnt erneut vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) hat seine Warnung erneuert und verschärft: MMS, das angeblich gegen Aids, Krebs, Herpes, Malaria, Demenz und vieles andere mehr helfen soll, wurde als bedenkliches, nicht zugelassenes Arzneimittel eingestuft. Damit ist der Verkauf von MMS in Deutschland ab sofort illegal.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die «Miracle Mineral Supplement»-Produkte MMS und MMS2 der Firma Luxusline Ltd. als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Zudem bewertet es diese Produkte als bedenklich, weil der begründete Verdacht bestehe, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

Das BfArM warnte schon im vergangenen Jahr vor Natriumchlorit-Produkten, die in der Regel über das Internet als Miracle Mineral Supplement zur Heilung von Krebs, Malaria, chronischen Infektionen und weiteren schwerwiegenden Krankheiten beworben werden. Mit der aktuellen Einstufung bestätigt das BfArM seine kritische Haltung zum Vertrieb und der Anwendung dieser Produkte.

Als bedenklich nach § 5 Arzneimittelgesetz sind die beiden Produkte laut BfArM deshalb einzustufen, weil mit der Einnahme schädliche Wirkungen verbunden sind, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

MMS enthält die Chemikalie Natriumchlorit in einer Lösung von 28 Prozent, MMS2 Calciumhypochlorit 70 Prozent in Kapseln. Die beiden Produkte werden kombiniert mit einer «Aktivator»-Zitronensäurelösung 10 Prozent zur Trinkwasseraufbereitung in den Handel gebracht. Durch die Reaktion von MMS mit der sogenannten Aktivatorlösung, also von Natriumchlorit und Zitronensäure, entwickelt sich Chlordioxid, ein giftiges Gas mit stechendem, chlorähnlichem Geruch. Chlordioxid wird als Bleichmittel von Papier und zur Desinfektion von Trinkwasser verwendet und kann schwere Verätzungen der Haut sowie schwere Augenschäden auslösen.

Den Giftnotrufzentralen liegen laut Angaben des BfArM Fälle von Erbrechen, Atemstörungen und Hautverätzungen bei der Einnahme von MMS vor.

Behörden in Amerika, Kanada, Frankreich und Deutschland warnen immer wieder vor MMS, weil nach Einnahme dieser Präparate unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen durch Schäden an roten Blutkörperchen beobachtet wurden.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=56643

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mms-bfarm-stuft-es-nach-zulassung-als-bedenklich-ein-a-1017455.html#ref=plista

 

Kommentar & Ergänzung:

Auch diese Warnung wird die MMS-Gemeinde nicht von ihrem Wundermittel abbringen.

Das Märchen vom simplen Heilmittel, das fast alle Krankheiten besiegt, ist einfach viel zu schön. Dazu kommt dann noch die Opferlegende vom grossartigen menschenfreundlichen Wundermittel, das von der bösen Pharma-Lobby unterdrückt wird.

Natürlich treten die erwähnten Vergiftungserscheinungen nur bei einer kleinen Minderheit der Anwenderinnen und Anwender auf.

Ich selber bin allerdings auch schon von Leuten kontaktiert worden, die von erheblichen Reizwirkungen nach MMS-Anwendung berichtet haben.

Mir ist es gerade als ehemaligem Drogisten ein Rätsel, wie man sich freiwillig Chlorgas aussetzen und das auch noch für gesund halten kann.

Am eindrücklichsten ist aber, wie Leute daran glauben können, dass ein derart einfach gestricktes Produkt eine ganze Palette von sehr unterschiedlichen schweren Krankheiten heilen kann.

Auf diesen Post werden wieder – wie beim Thema MMS üblich – eine Reihe von gehässigen Kommentaren von MMS-Anhängerinnen und –anhängern eintrudeln, die oft gipfeln in der sehr investigativen Frage „Wie viel zahlt dir die Pharmaindustrie für diesen Hetzartikel?“ – Darum hier gleich prophylaktisch der Hinweis: Nein, ich bin nicht von der Pharma-Lobby bezahlt – und Kommentare dieser Art werden umstandslos gelöscht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

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Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

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Ingwer (Zingiber officinale) wird nicht nur seit langem als Gewürz verwendet, die Knolle gehört auch zu den wichtigen Heilpflanzen in verschiedenen Kulturkreisen – so in der ayurvedischen Medizin, in der chinesischen Medizin und in der westlichen Medizin bzw. Naturheilkunde.

Bekannte Anwendungsbereich von Ingwer sind Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsbeschwerden, Erkältungskrankheiten, Arthrose.

Die Ayurvedische Medizin verwendet Ingwer gegen Migräne.

Nun wurde die Wirksamkeit eines Ingwer-Extrakts bei Patienten mit Migräneschmerz ohne Aura in einer Studie untersucht. Die Ingwer-Kapseln verminderten den Kopfschmerz innerhalb von zwei Stunden ebenso gut wie die standardmäßig eingesetzte Substanz Sumatriptan, bewirkte jedoch vergleichsweise viel weniger unerwünschte Nebenwirkungen aus.

Für Migräne-Patienten ohne Aura, die eine verträgliche und wirksame Alternative zur Behandlung ihres Migräne-Kopfschmerzes suchen, scheint Ingwer-Extrakt somit ein geeignetes Mittel.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/sanfte-alternative-bei-migraene.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23657930

 

Kommentar & Ergänzung:

Es wurde laut Abstract der Studie Ingwerpulver verwendet. Im Gegensatz zur Angabe der Carstens-Stiftung, die von Ingwer-Extrakt schreibt. Das ist nicht das selbe.

Leider steht im Abstract nicht, wieviel Gramm Ingwer pro Tag verabreicht wurde.

Als mittlere Tagesdosis wird in der Regel angegeben 2 – 4 g getrockneter Ingwerwurzelstock.

Der Wirkstoff Sumatriptan gehört zur Gruppe der Triptane und ist in der Schweiz seit 1993 als Imigran® zur Akutbehandlung der Migräne und des Cluster-Kopfschmerz zugelassen. Inzwischen sind auch zahlreiche Generika im Handel.

Sumatriptan wirkt über die selektive Bindung an Serotoninrezeptoren. Es können vielfältige unerwünschte Nebenwirkungen auftreten wie Schwindel, Benommenheit, Empfindungsstörungen, Blutdruckanstieg, Flush, Atemstörungen, Erbrechen, Übelkeit, Schweregefühl, Schmerzen, Hitze-, Kälte-, Druck-, Engegefühl, Müdigkeit und Schwäche.

Sollte Ingwer tatsächlich gleichwertig wirksam sein verglichen mit Sumatripan, dann wäre das ein „Knüller“, wenn man noch die viel bessere Verträglichkeit mitbewertet.

Allerdings stammt die Studie aus dem Iran. Und bei der Bewertung iranischer Studien bin ich immer ein bisschen zurückhaltend, seit ich ein Interview gelesen habe mit Roman Huber, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg im Breisgau:

„….aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle:

http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/panorama/schoen-mild-und-sehr-beruhigend–38073981.html

 

Fazit: Ich würde die Indikation Migräne klinisch noch nicht als gesichert anschauen. Dazu bräuchte es eine Bestätigung durch eine andere, unabhängige Forschergruppe, am liebsten aus Europa.

Wir wollen ja schliesslich nicht dem Single-Study-Syndrom anheimfallen.

Wenn ich allerdings Migräne hätte, würde ich Ingwer beim nächsten Anfall 1mal ausprobieren. Kostet nicht viel, ist ungefährlich und ein allfälliger Erfolg müsste sich rasch einstellen – und dadurch einiger massen einschätzbar sein.

Obwohl bei Einzelerfahrungen nie Gewissheit besteht, ob eine Besserung tatsächlich dem angewandten Mittel zuzuschreiben ist – oder dem natürlichen Verlauf, dem Placeboeffekt oder anderen Kontextfaktoren.

Zu Ingwer siehe auch:

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Onkologie / Palliative care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechansimus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie 

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und  Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren 

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ätherische Öle gegen Bakterien

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Viele ätherischen Öle hemmen das Wachstum von Bakterien. Sie könnten in manchen Fällen eine Alternative zu Antibiotika sein.

Patrick Warnke, Professor für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, hatte als Student in Australien beobachtet, dass unangenehm riechende Klimaanlagen durch Einsprühen von Eukalyptusöl geruchfrei wurden.

Daran erinnerte er sich an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und probierte die gleiche Strategie bei Patienten mit übel riechenden Tumoren im Gesichts- und Halsbereich.

„Zweimal täglich wurden die Geschwüre mit einer Mischung aus ätherischen Ölen gespült, die überwiegend Eukalyptus enthielt. Schon am dritten oder vierten Tag war der faulige Geruch verschwunden. Auch die Entzündungen gingen zurück.

Die Kranken mussten nicht mehr isoliert werden und konnten wieder nach Hause zu ihren Angehörigen. Für die Patienten war dies ein großer Gewinn an Lebensqualität.
Der Kieferchirurg entschloss sich dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Kieler Institut für Infektionsmedizin ließ er verschiedene ätherische Öle auf ihre antimikrobielle Wirksamkeit untersuchen und mit herkömmlichen Antiseptika wie Chlorhexidin und Polyvidon-(PVP-)Jod (z. B. Betadine) sowie mit 70-prozentigem Alkohol vergleichen.
Die Tests zeigten, dass manche ätherische Öle das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen, erläutert der Kieler Mikrobiologe Professor Rainer Podschun. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift für Zahnärztliche Implantologie berichten, zeigen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian, Zitronen, Zitronengras und Nelken deutliche Hemmeffekte bei Staphylokokken, Streptokokken und Candida-Pilze.
Ätherische Öle wirksam gegen Problemkeime
Professor Warnke, sieht seine Vermutung bestätigt, dass die geruchsstoppende Wirkung der ätherischen Öle auf ihren antimikrobiellen Eigenschaften basiert. Besonders beeindruckend sei die intensive Wirkung gegen klinische Problemkeime wie den Methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), die auf herkömmliche Antibiotika nicht mehr ansprechen. Diese Keime verursachen häufig gefährliche Wundinfektionen. Auch der Pilz Candida krusei, der bei immungeschwächten Patienten zu lebensbedrohlichen Infektionen führen kann, wurde im Laborexperiment gehemmt.

Mit ihrer Studie bestätigen die Kieler Wissenschaftler naturheilkundliche Erfahrungen:

Die Ureinwohner Australiens etwa verwenden Teebaumöl seit Jahrhunderten als Wundheilungsmittel, Nelkenöl nutzten bereits unsere Vorfahren als Hausmittel bei Zahnschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut.

Ätherische Öle können aber noch mehr,  erklärt Professor Hildebert Wagner vom Zentrum für Pharmaforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Sie wirken nicht nur antimikrobiell, sondern auch entzündungshemmend und krampflösend“. Daher eignen sie sich ausgezeichnet zur Behandlung von Atemwegsinfekten und können eine Antibiotikatherapie sinnvoll unterstützen.
Gegen Erkältungskrankheiten existieren viele Fertigpräparate mit ätherischen Ölen zum Einnehmen, Gurgeln, Inhalieren und Einreiben. „Für viele ätherische Öle, beispielsweise aus Eukalyptus und Thymian, liegen umfassende wissenschaftliche Daten vor“, erklärt Heilpflanzen-Experte Wagner.

Die Wirksamkeit von Teebaumöl dagegen wurde längere Zeit kontrovers beurteilt. „Mit unserer Studie konnten wir aber zeigen, dass es tatsächlich wirkt“, erklärt Warnke. „Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Wundbehandlung.“
Ätherische Öle – interessant für die Zahnmedizin
Hauptsächlich ihre Effizienz gegen Problemkeime macht die ätherischen Öle als Alternative zu herkömmlichen Antibiotika therapeutisch interessant. Allerdings eignen sich ätherische Öle bisher ausschliesslich zur lokalen Anwendung.

„Äußerlich angewandt, könnten sie zur Therapie von oberflächlichen Wundinfektionen dienen oder die Zahl der Problemkeime auf Schleimhäuten reduzieren“, erklärt Mikrobiologe Rainer Podschun.

Er sieht aber noch viel Forschungsbedarf: „Bisher haben wir nur die Wirkung auf bestimmte grampositive Bakterien getestet, aber nicht auf gramnegative und anaerobe Keime“, stellt Podschun fest. Aus Laborversuchen könne zudem nicht abgeleitet werden, wie ätherische Öle wirken, wenn sie beim Menschen zur Anwendung kommen.

Auch für die Zahnmedizin ergeben sich interessante Perspektiven. Ätherische Öle könnten zur Desinfektion eingesetzt werden – zum Beispiel, wenn bei Zahnimplantaten Infektionen an der Kontaktfläche auftreten. Weil zunehmend mehr Implantate gesetzt werden, treten auch solche Infektionen häufiger auf, sagt Kieferchirurg Warnke. Bisher gebe es dafür noch keine überzeugende Therapie.

Zahnmediziner suchen darum nach Alternativen. Sollten sich die antimikrobiellen Wirkungen bei den entsprechenden Keimen bestätigen, könnten die ätherischen Öle für ein neues Therapiekonzept zur lokalen Behandlung implantatbedingter Entzündungen zur Anwendung kommen. Problematisch bei der Anwendung in der Mundhöhle sei allerdings der starke, oft bittere Eigengeschmack.

Fertigpräparate mit ätherischen Ölen für die Wundbehandlung wird es so rasch nicht geben, weil das teure und aufwendige Studien erfordern würde, die gegenwärtig niemand finanzieren möchte. Für die traditionellen Anwendungsgebiete, wie Erkältungen, Zahnschmerzen, kleinere Wunden, oder auch nur als Wohlfühlduft sind in der Apotheke hochwertige ätherische Öle und Mischungen erhältlich.

„In seltenen Fällen verursachen sie jedoch Allergien und Hautreizungen“, sagt der pharmazeutische Biologe Wagner. Stark riechende Substanzen wie Eukalyptusöl und Pfefferminzöl können bei Säuglingen und Kleinkindern zudem lebensbedrohlichen Atemstörungen führen auslösen. Auch Zahnarzt Warnke rät: „Lassen Sie sich vor der Anwendung ätherischer Öle in Ihrer Apotheke beraten.“

Zur Qualität der ätherischen Öle:

Bei handelsüblichen ätherischen Ölen sind große qualitative Unterschiede festzustellen: „Duftmischungen enthalten oft synthetische Aromastoffe und zeigten in unserer Studie keine antibakterielle Wirksamkeit“, erklärt Kieferchirurg Professor Patrick Warnke. In der Apotheke werden ätherische Öle angeboten, welche die strengen Anforderungen des Deutschen Arzneibuchs erfüllen.

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Alternative-Medizin/Aetherische-Oele-gegen-Bakterien-106113.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass sehr viele ätherische Öle gute antimikrobielle Eigenschaften haben ist schon seit langem bekannt.

Trotzdem braucht es noch viel Forschung, um offene Fragen zu klären, beispielsweise bezüglich der Verträglichkeit und der optimalen Konzentration der Anwendungen.

Für den Entscheid, welches ätherische Öl in einer bestimmten Situation vorzuziehen ist,  ist neben der Wirksamkeit gegen die vorliegenden Keime auch die Verträglichkeit bedeutsam.

Zu begrüssen ist meines Erachtens, wenn man dabei nicht immer nur auf dem trendigen Teebaumöl verharrt, sondern auch andere antimikrobielle ätherische Öle einbezieht wie Thymianöl oder Eukalyptusöl.

Das ist in den beschriebenen Untersuchungen geschehen.

Der Text wird am Schluss etwas gar stark zu Apothekenpropaganda – nicht besonders erstaunlich für eine Apothekenkundenzeitschrift. Ich würde jedenfalls nicht so weit gehen zu sagen, dass man nur in der Apotheke ätherische Öle in guter Qualität kaufen kann – und ebenso wenig, dass man in der Apotheke ausnahmslos gute Qualität bekommt.

Tatsache ist aber: In Apotheken und Drogerien (ich Rede von der Schweiz) kann man ätherische Öle in Arzneibuchqualität kaufen – wenn man dies verlangt. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen aber auch ätherische Öle, die nicht den Vorschriften des Arzneibuches für Arzneimittel entsprechen.

Die Vorschriften des Arzneibuches kann man tatsächlich als eine Qualitätssicherung betrachten. Sie sagen allerdings nichts über die Anbaubedingungen aus (Bio oder nicht) und leider gibt es nur eine relativ beschränkte Zahl von ätherischen Ölen nach den Vorschriften des Arzneibuches. Aber zum Beispiel bei Thymianöl, Pfefferminzöl, Eukalyptusöl und Lavendelöl ziehe ich Arzneibuchqualität vor.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Erkältungssalbe hilft Kindern mit Infekten

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Die Anwendung einer Menthol enthaltenden Erkältungssalbe wirkt bei Kindern, die wegen Infektionen an nächtlichem Husten und anderen Erkältungssymptomen leiden.

Diese Art Erkältungssalben, deren Wirksamkeit bisher nicht durch wissenschaftliche Studien belegt werden konnte, hat jetzt ein Wissenschaftlerteam aus Pennsylvania genauer erforscht. Den Nachweis erbrachten sie in einer neuen Studie, die das Fachmagazin Pediatrics (doi:10.1542/peds.2010-1601) veröffentlicht.

Dabei handelt es sich um Salben, die neben Menthol auch Eukalyptusöl oder Kampher enthalten. Sie sind rezeptfrei erhältlich und laut Beipackzettel bei Erkältungsbeschwerden mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit und Rachenentzündung indiziert.

Weil Infektionen der oberen Atemwege weltweit die häufigste Ursache für akute Krankheitszustände bei Kindern darstellen, sei der Bedarf für eine wirksame Behandlung sehr hoch, so der Erst-Autor und Leiter der Studie, Ian Paul.

In ihrer doppelt verblindeten Studie werteten die Forscher Auskünfte der Eltern von 138 Kindern zwischen zwei und elf Jahren aus, die akute nächtliche Erkältungssymptome gezeigt hatten.

Diese Kinder teilten sie in drei verschiedene Gruppen auf: Während die erste Gruppe abends 30 Minuten mit einer Erkältungssalbe eingecremt wurde, erhielten die restlichen Kinder entweder eine Behandlung mit Vaseline oder keine Behandlung. Am Morgen danach sollten die Eltern die Ärzte dann über Hustenanfälle und Schlafverhalten ihrer Kinder informieren.

Bis auf eine weiterhin laufende Nase zeigte die Erkältungssalbe in der ersten Gruppe einen signifikanten Therapieerfolg auf alle anderen Symptome. Dabei war die Anwendung von Vaseline genau so wirkungslos wie keine Behandlung. Trotz leichter, die Schleimhaut irritierender Nebenwirkungen zeigte sich das abendliche Einreiben der Haut mit der Erkältungssalbe schließlich als wirkungsvoll.

Trotz der kleinen Zahl von Studienteilnehmern ist Paul überzeugt, dass die Wirkung des bereits über viele Jahrzehnte angewandten Hausmittels nun wissenschaftlich belegt sei.

Das Resultat der Studie ist für die Wissenschaftler auch darum erfreulich, weil eine Untersuchung zuvor Medikamente mit Dextromethorphan und Diphenhydramin als wirkungslos enttarnt hatte – zwei Wirkstoffe gegen Husten und Schnupfen, die nicht wirksamer waren als Placebos.

http://pediatrics.aappublications.org/cgi/content/abstract/peds.2010-1601v1

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/43454/Salbe_auf_der_Brust_hilft_Kindern_mit_Infekten.htm

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/news/husten-und-schnupfen-erkaeltungssalben-helfen-nachweislich_aid_569884.html

Kommentar & Ergänzung:

Menthol reizt die Kälterezeptoren in der Nase. Dadurch nehmen wir den Luftstrom durch die Nase intensiver war. Das verschafft uns die Empfindung einer freieren Atmung. Das Gefühl, dadurch „mehr Luft“ zu bekommen, ist zwar im wesentlichen eine angenehme Täuschung, doch lindert diese nicht unwesentlich die Beschwerden.

Erkältungssalben und ätherische Öle bei Säuglingen und Kleinkindern nie im Bereich von Hals und Gesicht (vor allem Nase) auftragen. Von Erkältungssalben mit Menthol würde ich bei Säuglingen und Kleinkindern generell abraten. Es sind Fälle beschreiben mit Atemstörungen (sog. Kratzschmer Reflex, der allerdings allgemein bei stark riechenden Substanzen auftreten kann, also nicht für Menthol spezifisch ist).

Falls Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen erwerben möchten:

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Sechs Gründe für Phytotherapie in der Kinderheilkunde

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Heinz Schilcher und Walter Dorsch beschreiben in ihrem Buch „Phytotherapie in der Kinderheilkunde“ sechs Gründe, welche für Heilpflanzen-Anwendungen aus der Phytotherapie bei der Behandlung von Kindern sprechen.

Nachfolgend diese sechs Gründe in leicht modifizierter Form:

1. Viele Phytopharmaka zeichnet ein relativ gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis aus: „ Zahlreiche Naturstoffgruppen (z. B. ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe u. a.) bzw. viele Naturstoffeinzelverbindungen (z.B. Chamazulen, Campher, Bisabolol, Menthol, Rutin u. a.) besitzen experimentell nachgewiesene Wirkungen und / oder klinisch belegte Wirksamkeiten bei gleichzeitig geringen oder zu vernachlässigenden unerwünschten Wirkungen.“

2. Viele – nicht alle – pflanzliche Arzneimittel haben eine milde Wirkung: „Bei zahlreichen Kinderkrankheiten genügen aber gerade ‚milde’ bzw. schwache therapeutischen Effekte auch für eine rationale Behandlungsstrategie.“

3. Die Phytotherapie kennt kinderfreundliche Applikationsformen (z. B. Inhalate, Bäder, Salben, Sirupe usw.).

4. „Kinderfreundliche Applikationsformen und in der Regel die überzeugte Mitarbeit der Mütter bzw. der Kinderbetreuer sorgen für eine gute Compliance.“

5. „Das fünfte Argument, welches für die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel in der Pädiatrie spricht, ist die Tatsache, dass mit einer Reihe von Phytopharmaka nicht nur eine symptomatische, sondern gleichzeitig auch eine kausale Therapie betrieben werden kann.“

6. „Zuletzt muss auch noch darauf hingewiesen werden, dass im Durchschnitt Phytopharmaka kostengünstiger sind als vergleichbare synthetisch hergestellte Arzneimittel, insbesondere wenn Medizinaltees, Tinkturen, Inhalate, Salben etc. rezeptmässig verordnet bzw. angewendet werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Der Erfolg von Phytotherapie in der Kinderheilkunde hängt auch wesentlich damit zusammen, dass  viele Eltern nach natürlichen Alternativen für die Behandlung ihrer Kinder verlangen.

Ergänzend zu Punkt 1: Diesem Argument würde ich zwar zustimmen. Allerdings finde ich Campher und Menthol nicht ganz unproblematische Beispiele für ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis in der Kinderheilkunde. Campher wird – zum Beispiel wenn in Form einer Erkältungssalbe grossflächig auf die Haut appliziert – rasch und gut in den Organismus aufgenommen, wo es in grösseren Mengen für Säuglinge toxisch wirken kann. Menthol ist für Säuglinge ungeeignet, weil es in seltenen Fällen ernsthafte Atemstörungen auslösen kann (z. B. Kratzschmer-Reflex) kommen kann. Daher bei Säuglingen und Kleinkindern Menthol nicht zur Inhalation verwenden und nicht im Bereich von Hals und Gesicht (insbesondere Nase) auftragen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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