Artikel mit Schlagwort ‘Arzneimittel’
Montag, März 26th, 2012
Stillende Mütter sollten ihren Koffein-Konsum begrenzen. Koffein geht nämlich in die Muttermilch über. Der Körper eines Babys kann Koffein jedoch nicht genügend rasch abbauen, so dass sich diese Substanz anhäuft. Ein Baby benötigt mehr als 3 Tage, um das aufgenommene Koffein wieder abzubauen. Das kann Unruhe, Bauchschmerzen und Blähungen beim Säugling auslösen. Darum rät man Müttern in der Stillzeit, koffeinhaltige Getränke nur in Maßen und möglichst nach dem Stillen zu sich zu nehmen. Koffein ist aber nicht nur im Kaffee enthalten, sondern auch in zahlreichen Soft-Drinks, Sportgetränken, speziell Schwarztee, Schokolade und einigen rezeptfreien Arzneimitteln.
Darauf sollten stillende Mütter achten, wenn sie ihren Koffeinkonsum auf die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen 300 mg pro Tag beschränken wollen. Das entspricht rund zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag.
Es gibt keine Untersuchungen darüber, welche Koffein-Mengen ‚sicher’ für stillende Mütter und ihr Kind sind. Aus Erfahrung ist aber bekannt, dass viel Kaffee Schlafstörungen beim Baby verursachen kann.
Zum Koffeingehalt von Kaffee, Cola, Schwarztee
Ein Espresso (50 ml) beinhaltet zirka 50 mg Koffein, eine Tasse Filterkaffee (125 ml) zirka 80-120 mg.
Cola (200 ml) enthält etwa 20-50 mg und Milchschokolade (100 g) etwa 20 mg Koffein.
Je länger Schwarztee oder Grüntee zieht, desto mehr Koffein geht ins Teewasser über. Zucker und Milch verlangsamen die Aufnahme des Koffeins. Mit einer ‚normalen’ Tasse Schwarztee (125 ml) konsumiert eine Mutter 30-60 mg Koffein. Die tödliche Koffein-Dosis liegt beim Menschen bei 10 g Koffein.
Quelle:
http://de.nachrichten.yahoo.com/koffeinhaltige-getränke-beim-stillen-nur-maßen-genießen-090000800.html
http://monks-aerzte-im-netz.de/app
Kommentar & Ergänzung:
Eindrücklich ist die hohe Halbwertszeit von Koffein bei Neugeborenen. Überhaupt ist die Halbwertszeit stark von verschiedenen Faktoren abhängig:
„Die biologische Halbwertszeit von Coffein im Plasma beträgt zwischen 2,5 und 4,5 Stunden (andere Quellen sprechen von 3–5 h) bei gesunden Erwachsenen. Dagegen erhöht sich die Halbwertszeit auf im Mittel 80 Stunden (36–144 h) bei Neugeborenen und auf weit über 100 Stunden bei Frühgeburten. Bei Rauchern reduziert sich die Coffein-Halbwertszeit um 30–50 %, während sie sich bei Frauen, die orale Verhütungsmittel einnehmen, verdoppelt. Bei Frauen, die sich im letzten Trimenon der Schwangerschaft befinden, steigt sie auf 15 Stunden an. Ferner ist bekannt, dass das Trinken von Grapefruitsaft vor der Coffeinzufuhr die Halbwertszeit des Coffeins verlängert, da der Bitterstoff der Grapefruit die Metabolisierung des Coffeins in der Leber hemmt.“
(Quelle: Wikipedia)
Zur Wirkung von Grapefruitsaft auf die Metabolisierung von Medikamenten siehe:
Grapefruitsaft und andere Fruchtsäfte können Medikamenten-Wirkungen beeinflussen
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Montag, März 26th, 2012
Zur Herstellung von Lakritze werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Süssholzsaft wird dann ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma.
Fundstück auf Pharmawiki, der fundierten Quelle für Informationen über Arzneimittel:
„Rezept für selbstgemachte Lakritze:
Geschnittene Süssholzwurzel (aus der Apotheke)
Halbweiss- oder Weissmehl
Kochsalz oder Ammoniumchlorid (aus der Apotheke)
Gelierzucker
Kohlepulver (aus der Apotheke)
Trinkwasser
Die Süssholzwurzel mit heissem Wasser bedecken und 12 Stunden mazerieren, anschliessend durch ein grobes Sieb abseihen und den Rückstand kolieren und auspressen. Filtrat und Pressflüssigkeit vereinigen. Die Flüssigkeit einkochen. Unter Umrühren das Salz, das Kohlepulver und den Gelierzucker zugeben. Zuletzt ausreichend Mehl zugeben und zu einem starren, dickflüssigen schwarzen Kleister verarbeiten. Auf ein Blech oder in Formen giessen und bei niedriger Hitze (150°) im Ofen trocknen. Evt. mit wenig Sonnenblumenöl bestreichen.
Als Alternative kann zum Gelieren auch Arabisches Gummi verwendet werden.“
Quelle:
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Lakritze
Kommentar & Ergänzung:
Lakitze bzw. Süssholzwurzel ist eine interessante und vielseitige Heilpflanze.
In der Phytotherapie gelten folgende Anwendungsbereiche als medizinisch anerkannt:
„Bei Katarrhen der oberen Luftwege und bei Ulcus ventriculi/ duodeni (Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür) (Kommission E); als unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Magenschleimhautentzündung; als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh (ESCOP).“
Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/suessholz.php
Und ausserdem als Kuriosum: Im Film Goldrausch konnte der Schauspieler Charlie Chaplin seine Schuhe und Schnürsenkel verspeisen, weil diese Requisiten aus Lakritze hergestellt waren.
(Quelle: Wikipedia)
Zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Lakritze und Süssholz siehe auch:
Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt
Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden
Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern
In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden
Lakritze schädlich in der Schwangerschaft
Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, März 18th, 2012
Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.
Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden
Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) ist ein pflanzliches Arzneimittel, das im Darm zusammen mit Wasser quillt und die Aufnahme von Kohlenhydraten verlangsamt. Es wird zur Behandlung von Obstipation (Verstopfung) und als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus angewendet, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.
Es handelt sich bei Guar um einen Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht.
Das bewirkt eine Verzögerung der Magenentleerung, im Dünndarm kommt es verlangsamt zur Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen vor allem beim Diabetiker zu geringeren postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht reduziert.
Guar wirkt auch lipidsenkend: Abnahme des Plasma-Gesamtcholesterins und der Triglizeride, kein Effekt auf das HDL-Cholesterin, LDL nimmt ab.
Ausserdem wirkt Guar sättigend.
Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche:
- Verstopfung
- Begleittherapie beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu reduzieren. Da die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch reduziert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden
- Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)
- Übergewicht und Fettleibigkeit
Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen: Blähungen, Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit und Durchfall.
Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne
Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.
Als Nahrungsergänzungsmittel mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl: Benefiber (Novartis).
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Donnerstag, März 15th, 2012
Gerbstoffe sind wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie. Sie bestimmen die Wirkung vieler Heilpflanzen.
Hier einige ausgewählte Infos über Gerbstoffe aus Wikipedia mit Kommentaren und Ergänzungen von mir.
„Ein Gerbstoff ist ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß (Protein) mit diesem verbindet. Die Eigenschaften der Proteine werden dadurch verändert.
Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch die Gerbstoffe verdrängt und es kommt zu einer Entwässerung.
Die Proteine können durch Mikroorganismen nicht mehr oder nur mehr sehr schwer abgebaut werden.
Das Quellvermögen in Wasser, Säuren und Laugen ist stark vermindert.
Die Temperaturbeständigkeit wird erhöht.
Biologisch aktive Eiweißstoffe werden durch Gerbstoffe denaturiert und sind nicht mehr biologisch aktiv.
Strukturierte Eiweißstoffe z. B. Kollagen der Haut, behalten ihre natürliche Struktur. Die Strukturen werden aber durch die Gerbstoffe mehr oder weniger stark vernetzt. Unstrukturierte Eiweißstoffe z. B. das Eiweiß eines Hühnereies, werden ausgefällt.
Diese Veränderungen können allgemein als Gerben bezeichnet werden. Eine abgezogene Tierhaut wird so in Leder umgewandelt, was z. B. die Fäulnis verhindert.
Es gibt in der Natur vorkommende Gerbstoffe und künstlich hergestellte Gerbstoffe.“
(Quelle: Wikipedia)
Das ist eine gute Beschreibung davon, wie Gerbstoffe auf Eiweisse einwirken. Um die adstringierenden (zusammenziehenden), entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen gerbstoffreicher Heilpflanzen zu verstehen, sind diese Vorgänge wichtig.
Zum Vorkommen von Gerbstoffen in Pflanzen
„Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor…..Zum Beispiel in:
Blättern, Hölzern, Rinden, Früchten und Wurzeln von Kastanien, Eiche, Fichte, Mimosa, Quebracho, Tee, Kaffee.
Auch pflanzliche Abbauprodukte wie z. B. Torf enthalten Gerbstoffe. Weintrauben enthalten Gerbstoffe (Tannine) als Bestandteile aus Stielen, Kernen und Beerenhäuten, die zum Geschmack des Weines (insbesondere des Rotweines) beitragen. Der Tanningehalt stellt somit einen Qualitätsfaktor des Weines dar, sofern er in einem ausgewogenen Verhältnis zu den anderen Geschmackskomponenten (Säure, Restzucker) und Aromen steht.“
(Quelle: Wikipedia)
Zur Wirkung der Gerbstoffe in der Phytotherapie
„Die Gruppe der Gerbstoffe nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Sie wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und neutralisieren Gifte. In höherer Dosierung wirken sie jedoch oft selbst schädlich.“
(Quelle: Wikipedia)
Wichtig zu wissen ist aber, dass Gerbstoffe lokal wirken auf Haut und Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. Sie werden aber kaum in den Körper aufgenommen und haben daher keine systemischen Fernwirkungen.
Beispiele von Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten:
“Galläpfel (Gallae) aus Quercus infectoria
Hamamelisblätter (Hamamelidis folium) aus Hamamelis virginiana = Zaubernuss
Walnussblätter (Juglandis folium) aus Juglans regia
Eichenrinde (Quercus cortex) aus Quercus robur….
Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) aus Krameria lappacea
Blutwurzwurzel (Tormentillae rhizoma) aus Potentilla erecta
Heidelbeeren (Myrtilli fructus) aus Vaccinium myrtillus
Volksmedizinische Verwendung finden auch:
Catechu
Brombeerblätter von Rubus fruticosus
Gänsefingerkraut von Potentilla anserina
Erdbeerblätter von Fragaria vesca
Odermennigkraut Agrimonia eupatoria
Frauenmantelkraut von Alchemilla xanthochlora
Breitwegerichblätter von Plantago major
Spitzwegerichblätter von Plantago lanceolata
Rosenblüten von Rosa gallica
Wiesenknopfblätter von Sanguisorba officinalis“
(Quelle: Wikipedia)
Eine wichtige Heilpflanze mit hohem Gerbstoffgehalt fehlt hier:
Schwarztee / Grüntee.
Damit genügend Gerbstoff in den Tee übergeht, müssen Schwarztee und auch Grüntee allerdings lange ausziehen (etwa 8 Minuten).
Chemischer Aufbau der Gerbstoffe
„Auf Grund des chemischen Aufbaues, kann die pflanzlichen Gerbstoffe in folgende zwei Gruppen einteilen:
Hydrolysierbare Gerbstoffe, z. B. Gallotannine, Grundbausteine sind Gerbsäuren z. B: Gallus- oder Ellagsäure in Verbindung mit Glukosen
kondensierte Gerbstoffe, z. B. Pyrocatechine, Grundbausteine sind aromatische Polyhydroxiverbindunge wie z. B. Catechin“
(Quelle: Wikipedia)
Das ist insofern relevant, als hydrolisierbare Gerbstoffe ungeeignet sind zur Behandlung von Durchfall, weil sie nicht genug tief im Darm wirken.
Zur Wirkung der Gerbstoffe
„Medizinisch nutzbar sind Gerbstoffe durch den Prozess der Gerbung. Das Gewebe kann so oberflächlich verdichtet werden, und eine schützende Membran bildet sich aus, z. B. auf einer Schleimhaut. Die Gerbstoffe entziehen also durch ihre zusammenziehende (adstringierende) Wirkung Bakterien den Nährboden, die sich auf Haut und Schleimhaut angesiedelt haben. Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt, kapillare Blutung gestillt, Bakterien und Giftstoffe können nicht mehr tiefer eindringen.
Gerbstoffe haben antimikrobielle Eigenschaften und werden eingesetzt bei Magen- und Darmentzündungen, leichten Durchfällen, Entzündungen im Mund und Rachenraum, als blutstillendes Mittel, zur schnellen Wundheilung und bei leichten Verbrennungen und Frostschäden.“
(Quelle: Wikipedia)
Heikel finde ich die Empfehlung „zur schnellen Wundheilung“. Gerbstoffe können in der Wundbehandlung nur in ganz bestimmten Situationen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei nässenden Wunden (Reinigungsphase) als Eichenrindenumschlag oder Eichenrindenbad. In der Granulationsphase der Wundheilung würde ich aber Gerbstoff-Anwendungen nicht empfehlen. Gerbstoffe können das Gewebe austrocknen und in der Granulationsphase muss die Wunde feucht bleiben.
Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gerbstoffe
„Zusammenziehend, schmerzlindernd, stopfend bei Durchfall, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, fungizid, entzündungshemmend, austrocknend, Gegengift bei Schwermetall- oder Alkaloidvergiftung“
(Quelle: Wikipedia)
Manche Gerbstoffe wirken auch gut lokal gegen Viren, zum Beispiel die Lamiaceen-Gerbstoffe aus der Melisse gegen Herpesviren (Fieberbläschen).
Nebenwirkungen der Gerbstoffe
„Bei Langzeitanwendung können Leberschäden entstehen. Bei zu hohen Dosen kann es zu Magenschleimhautentzündung oder Brechreiz kommen. Gerbstoffe vermindern die Resorption basischer Arzneimittel sowie mancher Mineralstoffe wie Eisen. Nicht bei Verstopfung, trockenen Ekzemen oder trockenen Schleimhäuten anwenden. Nicht länger als 5–10 Minuten köcheln. Es empfiehlt sich für die innere Anwendung, sie mit Schleimstoffen zu kombinieren.“
(Quelle: Wikipdedia)
Eine Heilpflanze, in der Gerbstoffe und Schleimstoffe schon kombiniert vorliegen, ist Malva silvestris / Malva neglecta, verwendet als Malvenblätter ( = Chäslichrut) zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündung, zur Wundheilung und bei Furunkeln. Allerdings enthalten die Malvenblätter sowohl Gerbstoffe als auch Schleimstoffe eher in tiefer Konzentration.
Es gibt tatsächlich einzelne Berichte von Leberschäden durch Gerbstoffpflanzen bei sehr hohen Dosierungen über lange Zeit, zum Beispiel bei exzessivem Konsum von Schwarztee. Aber normalerweise werden Gerbstoffe ja nicht in relevanten Mengen resorbiert.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Samstag, März 10th, 2012
Im Pharmawiki wurde gerade ein neuer Artikel veröffentlicht über die Wilde Yamswurzel. Darin wird die Wirksamkeit von Yamssalbe und Yams-Kapseln zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden in Frage gestellt:
„Das getrocknete Rhizom der wilden Yamswurzel Dioscorea villosa wird in Form von Kapseln und als Salbe zur Behandlung von Wechseljahrbeschwerden eingesetzt. Die Wirksamkeit ist umstritten, da die Inhaltsstoffe der Pflanze im Körper nicht – wie häufig falsch angenommen und kommuniziert wird – zu weiblichen Sexualhormonen umgewandelt werden.“
(Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Wilde%20Yamswurzel)
Die Wilde Yamswurzel enthält in großen Mengen Diosgenin, das dem Gelbkörperhormon ähnlich ist und in verschiedenen Publikationen auch als “natürliches” Progesteron bezeichnet wird. Doch obwohl Diosgenin natürlichen Ursprungs ist, unterscheidet es sich stark vom Gelbkörperhormon, welches im Körper der Frau hergestellt wird.
Für die Medikamentenherstellung wird Progesteron in mehreren chemischen Syntheseschritten aus dem natürlichen Ausgangsstoff Diosgenin gewonnen.
Die Verwendung von Yamsssalbe oder Yamskapseln basiert auf der Annahme, dass der menschliche Organismus Diosgenin aufnimmt und dann je nach Bedarf zu Progesteron oder Östrogen umbaut. Allerdings ist kein menschliches Enzym bekannt, das diesen Umbau bewirken könnte.
Die entsprechenden Yams-Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel oder als Kosmetika zugelassen und nicht als Arzneimittel registriert. Daher müssen die Hersteller für diese Präparate auch keine Wirksamkeit dokumentieren.
Nochmals Pharmawiki:
„Die Anwendung bei Wechseljahrbeschwerden beruht auf einem Missverständnis. Die Yamswurzel wurde zur chemisch-synthetischen Gewinnung von weiblichen Sexualhormonen und anderer Steroidhormone verwendet (z.B. Progesteron aus Diosgenin). Bei der Einnahme oder der lokalen Anwendung findet diese Umwandlung im Körper jedoch nicht statt (!).“
Zur Yamswurzel siehe auch:
Yamswurzel-gel bei PMS und Wechseljahrbeschwerden
Dass das Einreiben einer Yamscreme gut tun kann, steht ausser Frage. Eine hormonelle Wirkung sollte man sich davon aber eher nicht erhoffen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, März 5th, 2012
Die „Welt“ publizierte einen informativen Beitrag über Weihrauch.
Dabei kam auch die medizinische Wirkung zur Sprache:
„Sogar eine kleine medizinische Renaissance könnte das Weihrauchharz erleben, nachdem es als Arzneimittel weitgehend durch wirksamere synthetische Stoffe ersetzt worden war. In den 90er-Jahren fanden Pharmakologen im Harz eine Reihe von Substanzen, unter anderem die Boswellia-Säuren, die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen. So könnten sie möglicherweise Rheuma, chronische Darmentzündungen, Multiple Sklerose, Schuppenflechte, Asthma und die Beschwerden von Hirntumoren lindern
Die Forschung, in Deutschland vor allem an den Unis in Tübingen und Saarland, ist aber noch nicht abgeschlossen, es gibt erst wenige Studien mit Patienten. Eine Arzneimittelzulassung gibt es nicht.“
Quelle:
http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html
Kommentar & Ergänzung:
In der Schweiz ist ein Weihrauchpräparat (H 15 Gufic) im Kanton Appenzell als Heilmittel zugelassen. Bei Rheuma (Arthritis) und Darmentzündungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) kommt Weihrauch in Tablettenform innerlich zur Anwendung. Weihrauchsalben, die seit einiger Zeit ebenfalls im Handel sind, eignen sich allenfalls bei Hautentzündungen (Neurodermitis, Psoriasis), aber nicht bei Rheuma. Es ist nämlich völlig ungeklärt, ob die Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden können und auf diesem Weg eine Wirkung entfalten.
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Sonntag, März 4th, 2012
In Deutschland gelangen täglich mehrere Tonnen an Arzneimitteln in die Umwelt. Mehrere Forschungsprojekte konnten entsprechende Rückstände in Böden, Gewässern und auch im Trinkwasser nachweisen. Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt besonders problematische Medikamente auf.
Insgesamt stellte das UBA 156 Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt fest. 24 davon wurden mit hoher Priorität eingestuft, das heisst, dass diese Substanzen besonders schädlich für Umweltorganismen sind. Allein die Hälfte der mit hoher Priorität gelisteten Arzneimittel sind Antibiotika, darunter auch Sulfamethoxazol. Sowohl in Oberflächengewässern, als auch im Grund- und Trinkwasser waren Konzentrationen von 0,1 bis 1 Mikrogramm pro Liter des Sulfonamids nachgewiesen worden. Zudem wurden die Makrolide Clarithromycin und Erythromycin sowie die Tetracycline Doxycyclin und Oxytetracyclin gefunden.
Messungen zeigten, dass auch verschreibungsfreie Analgetika in hohen Konzentration in die Umwelt gelangen. Neben Paracetamol wurden auch Naproxen und Diclofenac in Oberflächengewässern und im Grundwasser entdeckt. Ihre Konzentration bewegte sich im Bereich von einem Mikrogramm pro Liter. Für Diclofenac ist schon bekannt, dass es Nierenschäden bei Fischen auslösen kann. Weitere Medikamente mit einem hohen ökotoxikologischen Wirkpotenzial sind Metoprolol, Cabamazepin, Primidon und die Estrogene Norethisteron, Ethinylestradiol und Estradiol.
Vorkommen und Folgen von Medikamenten in der Umwelt werden nach Ansicht des UBA unterschätzt. Laut UBA wird die Konzentration von Humanarzneimitteln in der Umwelt aufgrund des demographischen Wandels noch weiter ansteigen. Deshalb will die EU die EG-Wasserrahmenrichtlinie um weitere umwelttoxische Substanzen erweitern.
Wie sich diese problematischen Stoffe auf die Umwelt auswirken, wird bislang nicht systematisch untersucht. Das UBA verlangt deshalb ein zulassungsbegleitendes Umweltmonitoring. Die Vorsorge beim Umgang mit Arzneimittelrückständen müsse verbessert werden, denn diese Stoffe könnten problematisch für die Umwelt sein, forderte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Eine bessere Überwachung soll helfen, Belastungsschwerpunkte und ökologische Folgen von Arzneimitteln zu erkennen und die medizinische Versorgung umweltverträglicher zu gestalten.
Quelle:
http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/tonnenweise-arzneimittel-im-abwasser
Kommentar & Ergänzung:
Ich bin kein fundamentalistischer Gegner synthetischer Medikamente. In vielen Fällen sind sie die beste Option und manchmal retten sie Leben.
Aber die zunehmenden Arzneimittelrückstände in der Umwelt sind besorgniserregend und verlangen Wachsamkeit.
Bei der Entwicklung von Medikamenten wird oft speziell Wert auf eine lange Haltbarkeit gelegt. Dies gewährleistet, dass das Medikament nicht abgebaut wird, bevor es seine Wirkung entfalten kann. Viele Pillen sind zum Beispiel so konstruiert, dass sie die Magensäure unbeschadet überstehen und erst im Darm ihren Wirkstoff freisetzen.
Als Folge davon sind viele Arzneien sehr stabil und werden größtenteils unverändert wieder ausgeschieden. Und in der Natur sind solche Moleküle schwer abbaubar.
Mit Natursubstanzen, wie sie in Heilpflanzen-Präparaten vorkommen, kann die Natur besser umgehen. Das spricht meines Erachtens dafür, wo immer möglich auf Phytopharmaka zu setzen.
Siehe auch:
Natur als Medikamenten-Deponie
Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Dienstag, Februar 28th, 2012
Probiotika (pro bios, für das Leben) sind lebende und im weiteren Sinne auch abgetötete Mikroorganismen, die, wenn sie in genügender Menge aufgenommen werden, dem Wirtsorganismus einen gesundheitlichen Nutzen bringen.
Probiotika können zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen eingesetzt werden. Sie normalisieren dabei die Darmflora, indem sie sich im Darm ansiedeln oder den Aufbau einer gesunden Darmflora begünstigen. Probiotika können schon bei Säuglingen eingesetzt werden.
Als Arzneimittel gegen Durchfallerkrankungen werden verwendet:
- Enterokokken SF 68 (Bioflorin®, Bioflorina®)
Lebende Enterokokken des Stammes SF 68 werden als Probiotika zur Prävention und Therapie von Durchfallerkrankungen eingesetzt. Enterokokken normalisieren die Darmflora, indem sie sich im terminalen Dünndarm und im Dickdarm ansiedeln und dort die Darmflora normalisieren, indem sie unter anderem das Wachstum pathogener Mikroorganismen hemmen. Sie können schon bei Säuglingen eingesetzt werden.
Gleichzeitig eingenommene Antibiotika können die Enterokokken abtöten und damit die Wirkung beeinträchtigen. Antibiotika sollten daher in einem zeitlichen Abstand von 1-2 Stunden eingenommen werden.
- Saccharomyces boulardii (Perenterol®)
Saccharomyces boulardii ist ein Hefepilz, der als Arzneimittel zur Prävention und Therapie von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursachen zugelassen ist. Saccharomyces boulardii ist mit der Backhefe eng verwandt und hat antitoxische, entzündungshemmende, antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften.
Der Pilz ist lebensfähig, siedelt sich jedoch nicht dauerhaft im Darm an, sondern wird innert weniger Tage wieder ausgeschieden.
Unerwünschte Wirkungen kommen selten vor. Saccharomyces boulardii kann im Gegensatz zu anderen Probiotika mit Antibiotika kombiniert werden, da die Antibiotika den Hefepilz nicht schädigen.
Antimykotika können dagegen die Hefepilze abtöten und so die Wirksamkeit des Arzneimittels reduzieren.
Der Name des Pilzes verweist auf seinen Entdecker, den französischen Mikrobiologen Henri Boulard. Er entdeckte ihn im Jahr 1920 in Indochina während einer Choleraepidemie.
- Lactobacillus (Lactoferment®)
Die Milchsäurebakterien haften sehr gut an Zellen der menschlichen Darmschleimhaut. Sie bilden eine Art Biofilm aus und hemmen dadurch den Befall von Darmzellen mit Durchfall auslösenden Mikroorganismen.
Zudem wurde eine direkte antibakterielle Wirkung auf verschiedene Durchfallerreger nachgewiesen. Lactobacillus vermindert die Durchfall verursachenden Bakterien und bewirkt eine unspezifische Immunstimulation der Schleimhäute mit vermehrter Bildung von Antikörpern. Die säurebildende Abwehrflora wird gefördert: Experimente zeigen eine Stimulation des Wachstums der säurebildenden Darmflora. Dies stärkt die körpereigene Darmbarriere.
Quelle: Pharmawiki
Kommentar & Ergänzung:
Probiotika wie Enterokokken (Bioflorin®), Saccharomyces boulardii (Perenterol®) und Lactobacillus (Lactoferment®) sind eine gute Option zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen, etwa als Folge einer Behandlung mit Antibiotika oder gegen Reisediarrhoe.
Sie können auch eingesetzt werden bei Colitis ulcerosa in der Remissionsphase.
Ich selber nehme Perenterol auf jede Chinareise prophylaktisch mit und hatte noch nie Probleme mit infektiösen Durchfallerkrankungen. Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob ich auch ohne Perenterol gesundprobiotische Joghurtgeblieben wäre. Und gegen Durchfall aufgrund von scharfen Speisen nützen Probiotika natürlich nicht.
Probiotika in Lebensmitteln
Neben der Anwendung als Arzneimittel werden Probiotika zunehmend auch in Nahrungsmitteln eingesetzt und als gesundheitsfördernd beworben („Verdauung gut, alles gut“). Am bekanntesten sind probiotische Joghurts. Die gesundheitlichen Versprechungen sind dabei oft fragwürdig. Der Ernährungswissenschaftler Martijn Katan (Amsterdam) kam beispielsweise in einer Studie zu dem Schluss, dass sich weder die Häufigkeit noch Art des Stuhles bei Menschen ändert, die den Joghurt Activia assen (Quelle: Wikipedia).
Auch die Versprechungen bezüglich verbesserter Immunabwehr gegen Erkältungen (Actimel) sind unbelegt.
„Umstritten sind vor allem Werbeaussagen, die einen wissenschaftlich belegten gesundheitsfördernden Effekt suggerieren. So wurde von Foodwatch 2009 der Goldene Windbeutel an Actimel verliehen. In einem vierwöchigen Abstimmungsverfahren wählten die deutschen Verbraucher das Produkt im Frühjahr 2009 zur ‚dreistesten Werbelüge des Jahres’. Anne Markwardt von Foodwatch sagte: ‚Actimel schützt nicht vor Erkältungen – es stärkt das Immunsystem nur ähnlich gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt, ist aber viermal so teuer und doppelt so zuckrig.’ Danone behauptet dagegen, dass die Vorwürfe nicht zutreffend seien: Actimel aktiviere nachweislich Abwehrkräfte, ‚das sei in mehr als 30 wissenschaftlichen Studien belegt.’ In Großbritannien wurden Werbespots für das Produkt verboten, da positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern unbewiesen seien.
Danone zog 2010 bei der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) seine Anträge zurück, mit denen die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften von Actimel sowie Activia bestätigt werden sollten. Ebenso verzichtete der Konzern in Frankreich und Großbritannien, die angeblich verdauungsfördernde und immunstärkende Wirkung dieser Produkte in Werbespots anzupreisen.“
(Quelle: Wikipedia)
Von Werbeaussagen wie „Die Wirksamkeit ist in 30 wissenschaftlichen Studien belegt“, sollte man sich nicht unnötigerweise allzu stark beeindrucken lassen. Es kommt vor allem auf die Qualität der Studien an, erst in zweiter Linie auf die Quantität.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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