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Tausendgüldenkraut von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

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Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine positive Beurteilung des Tausendguldenkrauts (Centaurii herba) vor.

Für den Einsatz bei milden Verdauungs- oder Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit seien die Erfahrungswerte sehr gut, schreibt die EMA. Sofern nach zwei Wochen die Beschwerden trotz Anwendung des Tausendgüldenkrauts nicht nachgelassen haben, soll laut Empfehlung ein Arzt aufgesucht werden. Obwohl Nebenwirkungen nicht bekannt sind, sollen Menschen mit peptischen Ulcera (Magengeschwüren) Tausendgülden-Produkte meiden.

Abgesehen vom mehr als 30-jährigen Erfahrungswissen nennt die EMA keine Fakten, die die Wirksamkeit des Tausendgüldenkrauts belegen. Klinische Studien sind keine durchgeführt worden und in-vitro-Daten aus Laboruntersuchungen nur marginal vorhanden. Es existieren laut EMA wenige Hinweise auf die stimulierende Wirkung von Appetit und Verdauung.

In Deutschland ist ein Präparat im Handel das Tausendgüldenkraut kombiniert mit Liebstöckel und Rosmarin enthält und bei unkomplizierten Harnwegsinfekten helfen soll. Für diese Indikation gibt die EMA aber keine Empfehlung ab.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) gehört zu den Bitterstoffpflanzen, die hauptsächlich bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden. Weitere Beispiele für Bitterstoffpflanzen sind Enzian, Löwenzahn, Engelwurz, Hopfen (wird aber vor allem gegen Schlafstörungen eingesetzt), Schafgarbe, Wermut, Beifuß, Kardobenediktenkraut, Kalmus, Bitterklee, Artischocke, Isländisch Moos (wird aber vor allem gegen Reizhusten eingesetzt) und Teufelskralle (wird aber vor allem gegen Rheuma, Arthrose etc. eingesetzt).

Hier gibt’s weitere Informationen zu den Bitterstoffpflanzen:

Wirkstoffe der Heilpflanzen: Bitterstoffe

 

Beim erwähnten Kombi-Präparat gegen Harnwegsinfekte mit Tausendgüldenkraut, Rosmarin und Liebstöckel halte ich die Wirksamkeitsbelege für sehr schwach. Das Thema in diesem Beitrag:

Urologen erforschen Phytopräparat mit drei Heilpflanzen

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Artischocke bei Kreislaufproblemen?

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Die Boulevard-Zeitung „Blick“ stellt „Grosis Hausmittelchen“ vor. Das wäre ja löblich, wenn dabei nicht soviel Unfug zusammengeschrieben würde. Es ist wirklich eindrücklich, was alles an Unsinn in Medien und auch sonst im Internet über Heilpflanzen herumgeistert.

Ich nehme hier den Abschnitt über Artischocke unter die Lupe und will damit auch zeigen, dass und wie man solche Aussagen auf ihre Substanz abklopfen soll und kann.

Was also schreibt der „Blick“ über Artischocke:

Artischocke: Hilfe bei Kreislaufproblemen und zu hohem Cholesterinwert

Schon Griechen und Römer wussten um die verdauungsfördernde Wirkung des Distelgewächses. Regelmässiger Verzehr hilft bei Kreislaufproblemen und hohem Cholesterinspiegel. Zudem sorgt die Artischocke für ein rasches Völlegefühl – ideal also für alle, die abnehmen wollen.“

Quelle:

http://www.blick.ch/gesundheit/wellness/grosis-hausmittelchen-bringens-rezeptfrei-und-guenstig-gesund-werden-id5668173.html

Kommentar:

Davon, dass Artischocke „bei Kreislaufproblemen“ hilft, weiss die Phytotherapie-Fachliteratur nichts.

Aber könnte es nicht ein, dass die Phytotherapie-Fachautoren und die Qualitätssicherungsgremien wie die ESCOP diese Wirkung einfach noch nicht erkannt haben und der Blick-Journalist Recht hat?

Sehr unwahrscheinlich – aber nicht ausgeschlossen. Die Angabe „Kreislaufprobleme“ ist allerdings schon ausgesprochen fragwürdig, weil viel zu vage. „Kreislaufprobleme“ gibt es in sehr vielen Varianten und mit ganz unterschiedlichen Ursachen. Kaum denkbar, dass Artischocke einfach in jedem Fall helfen können soll. Da wären genauere Angaben gefragt.

Artischockenextrakt aus den Blättern bewirkte in Studien eine leichte Senkung des Cholesterinspiegels. Ob ein solcher Effekt beim Verzehr von Artischocke als Gemüse auch auftritt, wie das der „Blick“ behauptet, ist völlig unklar. Jedenfalls handelt es sich hier um eine Anwendung aus der modernen Phytotherapie und nicht um „Grosis Hausmittelchen“.

Komplett eigenartig ist dieser Satz:

„Zudem sorgt die Artischocke für ein rasches Völlegefühl – ideal also für alle, die abnehmen wollen.“

Artischocke wird in der Phytotherapie empfohlen gegen Völlegefühl.

Völlegefühl wird meist durch eine üppige Mahlzeit verursacht und hat daher nichts mit Ab- oder Zunehmen zu tun. So wie der „Blick“ das formuliert tönt es aber so, wie wenn Völlegefühl etwas Positives wäre, weil man dann weniger isst und schlank bleibt. So ist der Begriff aber nicht gemeint.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

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Curcumin ist ein Wirkstoff aus der Gelbwurz (Kurkuma), einem Bestandteil in Curry-Mischungen. Curcumin zeigt im Labor interessante Wirkungen gegen Krebszellen und wird daher intensiv erforscht. Der erfolgreichen Anwendung von Curcumin in der Krebstherapie steht allerdings entgegen, dass der Wirkstoff nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen wird.

Wissenschaftler aus Wien packten nun den Wirkstoff Curcumin mit Nanotech-Tricks in winzige Fettpartikel, damit er besser in Krebszellen gelangen und diese unschädlich machen kann. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift „Journal of Nanobiotechnology“.

Die Forscher halten viel von Curcumin, weil es Krebszellen daran hindert, ungehemmt zu wachsen, sich im Körper auszubreiten und Metastasen zu bilden. Dies tut Curcumin, indem es bestimmte Signalwege in den Zellen blockiert, erläutern die Wissenschaftler um Uwe Sleytr und Mehmet Ücisik vom Department für Nanobiotechnologie der Universität für Bodenkultur in Wien.

Allerdings sei Curcumin sehr schlecht wasserlöslich und deshalb kaum biologisch wirksam (bioverfügbar), was die medizinischen Anwendungen schmälert, schränken sie ein.

Die Forscher haben Curcumin daher in winzige Fettpartikelchen verpackt, um die Bioverfügbarkeit um das 10.000-fache zu verbessern.  Diese sogenannten CurcuEmulsomen werden zum Beispiel von Leberkrebszellen rasch aufgenommen. Der Fettkern dieser Partikel löst sich nur schrittweise auf. Dadurch wird Curcumin über einen längeren Zeitraum abgegeben, was zu einer langfristig gesteigerten Wirksamkeit führen kann.

Quelle:

http://derstandard.at/1389857599934/Mit-Curry-Krebs-bekaempfen

http://www.jnanobiotechnology.com/content/11/1/37

Kommentar & Ergänzungen:

Die Zeitung „Der Standard“ aus Österreich betitelt diese Meldung so: „Mit Curry Krebs bekämpfen“. Das ist Unsinn, weil eine Wirkung gegen Krebs mit Curry eben gerade wegen der miserablen Aufnahmerate sehr unwahrscheinlich ist.

Aus diesem Grund macht man ja gerade diese Anstrengungen, um die Resorbierbarkeit mit Nanotechnologie zu verbessern.

Curcumin ist ein interessanter Naturstoff, der aber etwas gar vorschnell als Krebsheilmittel vermarktet wird. Vermutlich müssen noch eine ganze Reihe von Hürden überwunden werden, bis aus Curcumin ein wirksames Krebsmittel wird – falls das überhaupt gelingt.

Aber es ist natürlich eine viel angenehmere Vorstellung, dass sich Krebs ganz einfach mit Curry bekämpfen lässt. Der irreführende Titel „Mit Curry Krebs bekämpfen“ kommt dieser Vorstellung entgegen.

Das Portal medizin-transparent.at hat sich mit dem Thema „Curry-Gewürz gegen Krebs?“ befasst. Hier ein Zitat dazu:

„Laborexperimente zeigen, dass Curcumin, welches einen Anteil von 2 bis 5% von Kurkuma ausmacht, als Antioxidans beziehungsweise Radikalfänger wirkt. (Radikale nennt man bestimmte chemisch sehr reaktionsfreudige Moleküle, die Zellen schädigen können. Ein Radikalfänger oder Antioxidans schwächt die zellschädigende Wirkung von Radikalen ab.) Neben der ebenfalls hauptsächlich in Laborexperimenten festgestellten entzündungshemmenden Wirkung scheint Curcumin auch das Wachstum von isoliert gezüchteten Krebszellen zu hemmen. Eine gewisse Krebs-hemmende Wirkung konnte auch in Versuchen an Labor-Mäusen gezeigt werden.

Die Ergebnisse solcher künstlicher Labor- und Tier-Experimente lasssen sich allerdings nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen. So kann sich ein Wirkstoff im menschlichen Körper vollkommen anders verhalten als im Körper eines Labortieres. Zudem ist bekannt, dass als Nahrungsmittel aufgenommenes Curcumin vom menschlichen Körper nur in geringen Mengen verwertet werden kann.

Ob das im Kurkuma vorkommende Curcumin zur Vorbeugung oder Behandlung von Krebs geeignet ist, können nur klinische Studien an menschlichen Patienten zeigen.“

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Mit diesen Vorbehalten gegen eine allzu schnelle Vermarktung von Curry als Krebsheilmittel will ich aber nicht in Frage stellen, dass Curry bzw. Kukuma ein interessantes Gewürz und Curcumin ein interessanter Wirkstoff ist.

Siehe auch:

Curcumin gegen Krebs

Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs

(Im Darm könnte eine Wirksamkeit von Curcumin gegen Krebs wahrscheinlicher sein, weil ein lokaler Effekt angenommen werden kann und eine Aufnahme in den Körper nicht zwingende Voraussetzung ist).

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs?

Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

Wirkstoffforschung: EGCG aus Grüntee und Curcumin aus Gelbwurz hemmen Viren

Curcumin wirkt gegen Hepatitis-C-Viren

Von den Nahrungsmitteln, die einen günstigen Einfluss auf Krebserkrankungen haben könnten, scheint mir Broccoli interessanter als Kurkuma. Für Broccoli bzw. seinen Hauptwirkstoff Sulphoraphan liegen zwar auch noch keine Belege mit Studien an Krebspatienten vor. Die Laborergebnisse sind aber ebenso vielversprechend. Und vor allem dürfte als grosser Vorteil wohl ins Gewicht fallen, dass relevante Mengen an Sulphoraphan oder anderen Senfölglykosiden mit der Nahrung zugeführt werden können, zum Beispiel mit 3 – 5 Portionen Broccoli oder Blumenkohl pro Woche.

„In verschiedenen Studien konnte sowohl in der Zellkultur, als auch in Tierversuchen, eine auf Tumorzellen hemmende Wirkung von Sulforaphan nachgewiesen werden. Hierbei sollen bestimmte Komponenten von sich teilenden Krebszellen, die sogenannten Mikrotubuli, von Sulforaphan zerstört werden, was zum Niedergang der Krebszelle führt. Derzeit (Stand September 2012) befindet sich Sulforaphan in einer Vielzahl klinischer Studien. So unter anderem in einer Phase-II-Studie zur Behandlung des Prostatakarzinoms.

In neueren experimentellen Studien vom Universitätsklinikum Heidelberg und Deutschen Krebsforschungszentrum konnte gezeigt werden, dass der Inhaltsstoff Sulforaphan aus Broccoli und verwandtem Gemüse das Krebswachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebs hemmen kann und die Wirkung von Chemotherapien verstärkt. Sulforaphan blockiert hierbei einen bestimmten Stoffwechselweg in Krebsstammzellen, was erstmals in Versuchen an Krebszellen und Mäusen gezeigt werden konnte. Nach einer kanadischen Studie soll bei Patienten mit Prostatakarzinom der wöchentliche Verzehr von Broccoli oder Blumenkohl die Metastasierung des Tumors um 50 Prozent verringern.“

Quelle: Wikipedia

Siehe auch:

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bei Völlegefühl: Pfefferminztee statt Verdauungsschnaps

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Lässt sich ein Völlegefühl nach dem Essen mit einem Verdauungsschnaps lindern?

Die Ernährungsexpertin Michaela Bänsch von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie in Saarbrücken hat zu dieser Frage Stellung genommen.

Ein Verdauungsschnaps nach einem üppigen Essen kann das Völlegefühl mindern, weil der Alkohol die Magenmuskulatur entspannt.

Trotzdem sei der Schnaps keine gute Wahl, erklärt Bänsch, weil der Alkohol zugleich dazu führe, dass die Magenmuskulatur weniger kräftig als sonst pumpe.

Der Mageninhalt erreiche so den Darm langsamer und das Essen bleibe dadurch im Endeffekt länger im Magen. Je hochprozentiger der Schnaps, desto langsamer werde verdaut.

Kräuterliköre enthalten zwar auch Alkohol, erklärt Bänsch. Gegenüber dem Schnaps besitzen sie jedoch einen entscheidenden Vorteil.

Sie enthalten auch ätherische Öle aus pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Ingwer, Anis, Artischocke, Kümmel und Kamille. Diese ätherischen Öle schützen laut Bänsch vor Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfen und anderen Verdauungsbeschwerden. Damit die ätherischen Öle ihre Wirkung entfalten können, brauchen sie ein sogenanntes Trägermedium – in diesem Fall Alkohol. Mit Wasser alleine, beispielsweise als Kräutertee, würde es gemäss Bänsch nicht klappen. Eine Ausnahme hiervon sei die Pfefferminze.

Die ätherischen Öle der Pfefferminze verbinden sich rasch mit dem Teewasser. Ein Pfefferminztee könne so zum gewünschten Erfolg führen und das Völlegefühl ganz ohne Alkohol vermindern, hält Bänsch fest. Denn der Pfefferminztee störe die Verdauung nicht. Die Ernährungsexpertin rät darüber hinaus zu einem Verdauungsspaziergang. Der habe zudem den Vorteil, dass sich ein paar der zuvor konsumierten Kalorien gleich wieder abbauen lassen.

Quelle:

http://www.berlin.de/special/gesundheit-und-beauty/ernaehrung/3286656-215-weihnachten-wie-man-das-voellegefuehl-na.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass Kräuterliköre als pflanzliche Inhaltsstoffe ätherische Öle enthalten und damit gegen Völlegefühl nützlich sein können, ist zumindestens denkbar.

Bei den Artischockenblättern gehören die wirksamen Inhaltsstoffe allerdings entgegen den obigen Aussagen nicht zu den ätherischen Ölen. Aus Artischockenblättern gewinnt man wirksame wässrige Trockenextrakte, bei deren Herstellung also Wasser als Lösungsmittel dient. Daher spricht viel dafür, dass sich Artischockenblätter sehr wohl als Kräutertee anwenden lassen.

Pfefferminztee ist ein bewährtes Mittel bei Völlegefühl. Nicht nachvollziehen kann ich, weshalb er gegenüber von Ingwer, Anis, Kümmel und Kamille als der einzig wirksame Kräutertee Bei Völlegefühl hingestellt wird.

Klar ist, dass ätherische Öle schlecht wasserlöslich sind und sich daher nur teilweise im Kräutertee lösen.

Menthol als Hauptbestandteil von Pfefferminzöl gehört chemisch gesehen zu den Alkoholen, welche unter den Inhaltsstoffen der ätherischen Öle verhältnismässig noch besser löslich sind. Das trifft aber beispielsweise auch für Anethol aus Fenchelöl und  Anisöl zu.

Auch im Kümmeltee, im Fencheltee, im Kamillentee, im Ingwertee und im Anistee hat es ätherische Öle – sonst hätten sie nicht ihren charakteristischen aromatischen Geruch.

Ich würde also Pfefferminztee bei Völlegefühl und Blähungen empfehlen, mich aber nicht auf ihn versteifen – wenn Ihnen beispielsweise Kümmeltee oder Fencheltee besser zusagt, spricht gegen eine Anwendung gar nichts. Und Artischockentee, wenn Sie’s gern ein bisschen bitter haben.

Dass Alkohol allein als Verdauungsschnaps nicht sinnvoll ist, diese Ansicht teile ich.

Siehe dazu auch:

Verdauungsschnaps unwirksam

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Verdauungsbeschwerden

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Über die Festtage überbieten sich die Medien mit hilfreichen Tipps gegen Verdauungsbeschwerden. Dabei werden oft auch Heilpflanzen empfohlen – und das mehr oder weniger überzeugend. Als Beispiel dafür ein Beitrag, der unter dem Titel „Hilfe für Leber, Galle und Co.“ auf  rp-online.de veröffentlicht wurde.

Hier die entsprechenden Zitate mit Kommentaren:

„Bitterstoffe wie die in Artischocken regen den Appetit an und fördern den Gallenfluss und die Verdauung und helfen gegen Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen. Wer mit dem Gemüse nichts anzufangen weiß, erhält in Drogeriemärkten und Apotheken auch Artischockenpräparate in verschiedenen Darreichungsformen.“

Kommentar: Die Artischocke eignet sich tatsächlich als Verdauungshelfer. Allerdings ist hier wohl irrtümlich von „Gemüse“ die Rede. Als Heilpflanze gegen Verdauungsbeschwerden werden nämlich die Artischockenblätter verwendet – als Artischockentee, Artischockentinktur, Artischockenextakt.

„Hilfreich ist neben diesem Gemüse auch die Mariendistel. Ähnlich wie die Artischocke schützt sie die Leber, unterstützt sie bei der Regeneration und hilft beim Abbau von Giftstoffen. Am besten entfaltet sie ihre Wirkung, wenn man sich am Abend einen Tee damit aufbrüht. Der aus ihren Früchten gewonnene Inhaltsstoff Silymarin soll selbst bei schweren Leberschäden heilende Wirkung haben.“

Kommentar: Fragwürdiger Tipp. Silymarin ist schlecht wasserlöslich, Tee als Zubereitungsform daher sehr suboptimal. Mariendistel ist auch eher für Langzeitanwendungen sinnvoll, bei Zufuhr leberbelastender Stoffe (gewisse Medikamente) und als Begleittherapie bei chronischen Lebererkrankungen. Vor allem zum Leberschutz braucht es dazu Silymarin in hohen Dosen, die nur in Form von Mariendistelextrakt oder mittels isoliertem Silymarin zugeführt werden können. Das gilt auch für die Hilfe beim „Abbau von Giftstoffen“. Silymarin wirkt antioxidativ und es erhöht den Glutathionspiegel in der Leber. Glutathion wiederum kann in der Leber mithelfen, schädliche Stoffe besser wasserlöslich zu machen, wodurch sie von den Nieren besser ausgeschieden werden. Auf diesem Weg könnte man eine entgiftende Wirkung von Silymarin allenfalls erklären, wobei aber auch hier alles für hohe Dosen über längere Zeit spricht. Schutz der Leber, „Abbau von Giftstoffen“ und „Regeneration“ der Leber – das sind Stichworte, die völlig unpassend und überzogen sind, wenn es um eine Tasse Mariendisteltee begleitend zum Weihnachtsessen geht.

Für akute, temporäre Verdauungsbeschwerden wegen Völlerei ist Mariendistel meines Erachtens einfach nicht überzeugend.

„Ebenfalls aus der Naturheilkunde kommt die Schafgarbe, die bei Verdauungsproblemen als vielseitiger Helfer bekannt ist. Ein Teelöffel Schafgarbenkraut mit einer Tasse heißem Wasser überbrüht ergibt einen Tee, der zwischen den Mahlzeiten getrunken verdauungsfördernd wirkt. Die in dem Kraut enthaltenen Bitterstoffe wirken außerdem krampflösend, galle- und verdauungsfördernd. Hilfe geben sie damit auch für einen geregelten Stuhlgang. Durch ihre ätherischen Öle und Flavonoide weist sie zudem antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften auf. Selbst Menschen mit empfindlicher Magenschleimhaut können bedenkenlos auf sie zurückgreifen. Eine Tasse zusätzlich vor dem Zubettgehen beruhigt Leber, Galle und Magen und beschert eine ruhige und entspannte Nacht.“

Kommentar:

Schafgarbenkraut ist charakterisiert durch ätherisches Öl, Bitterstoffe und Flavonoide. Es ist ein Amarum-aromaticum. Als Bitterstoffpflanze regt Schafgarbe die Magensaftproduktion und den Gallenfluss an. Gut geeignet bei Verdauungsbeschwerden.

Im Text auf rp-online.de wird ein Gastroenterologe zitiert mit der Aussage: „Übertreiben Sie es mit fetthaltigen Speisen nicht und setzen Sie nicht auf den Magenschnaps.“

Der nämlich fördere entgegen der volksläufigen Meinung die Verdauung nicht, weil er die Organe zusätzlich mit Alkohol belaste. Die beste Alternative dazu sei schwarzer Tee, empfiehlt der Facharzt.

Kommentar:

Dass Verdauungsschnäpse nicht sinnvoll sind, hat sich inzwischen auch in einer Studie gezeigt:

Verdauungsschnaps unwirksam

Nicht nachvollziehbar ist für mich die Empfehlung von Schwarztee als Verdauungsförderer (obwohl Schwarztee oft auch zum Fondue getrunken wird).

Schwarztee enthält vor allem Gerbstoffe und wirkt dadurch stopfend bei Durchfall. Was er bei Verdauungsbeschwerden wie zum Beispiel Völlegefühl positiv bewirken soll, ist mir nicht ansatzweise klar. Passender wäre meines Erachtens zum Beispiel der Pfefferminztee mit seiner gallenflussfördernden Wirkung (auch zum Fondue).

„Sinnvoll ist es zudem, das Essen tatsächlich zu genießen, sich Zeit zu lassen und es gut zu kauen. Auch hilft ein Spaziergang nach dem Essen. Die Bewegung von außen regt die Verdauungsorgane an. So gerät nichts ins Stocken und die Nahrung wird zügig weitertransportiert.“

Kommentar:

Der altbewährte Verdauungsspaziergang also. Und noch besser wäre manchmal präventiv eine gewisse Mengenbeschränkung beim Essen….

Quelle der Zitate:

http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/ernaehrung/fit-fuer-das-grosse-weihnachts-schlemmen-aid-1.3811365

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Phytotherapie bei funktionellen Magenbeschwerden

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Auch wenn funktionelle Magenbeschwerden keine organisch gravierende Erkrankung sind – die Symptome sorgen für hohen Leidensdruck. Häufig können Heilpflanzenpräparate und Tipps zum Lebensstil jedoch Linderung bringen.

In der Phytotherapie bewährt hat sich eine Kombination aus bitterer Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmel- und Mariendistelfrüchten, Melissenblättern, Schöllkraut und Pfefferminzblättern. In mehreren klinischen Studien konnte damit ein schmerzlindernder, motilitätsfördernder, reflux- und entzündungshemmender Effekt belegt werden.

In einer Vergleichsstudie mit Metoclopramid waren mit dem Phytopharmakon signifikant mehr Patienten beschwerdefrei (Z Gastroenterol 2007, 45:1041-1048).

Speziell gegen gasassoziierte Beschwerden wie Magendrücken, Völlegefühl, Blähungen und vorzeitiges Sättigungsgefühl können ebenfalls pflanzliche Zubereitungen helfen, etwas solche mit Enzianwurzel, Kümmelfrüchten, Pfefferminzblättern und Artischockenblättern.

Dabei aktivieren die Bitterstoffe im Enzian die Verdauung. Die ätherischen Öle aus dem Kümmel und der Pfefferminze wirken krampflösend und Artischockenextrakte steigern den Gallenfluss und verbessern dadurch die Fettverdauung. Günstige Effekte konnten sowohl für Fertigarzneimittel mit Pfefferminzöl als auch für standardisierten Artischockenextrakt (900-1800 mg/Tag) gezeigt werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/extras/extras_specials/apothekerplus/article/664818/phytotherapie-beruhigt-magen.html?sh=411&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Verdauungsbeschwerden sind eine Domäne der Phytotherapie.

Pfefferminzöl kommt vor allem in Form von dünndarmlöslichen Kapseln zur Anwendung, zum Beispiel bei Reizdarm:

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie Flop

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Artischocke wird sehr vielseitig eingesetzt:

Artischockenextrakt bei Verdauungsbeschwerden von Schichtarbeitern

Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

Artischocken-Extrakt als Cholesterinsenker

Erfolg mit Artischocken-Extrakt bei Dyspepsie (Verdauungsstörungen)

Artischocken-Presssaft gegen Verdauungsbeschwerden untersucht

Bei dem erwähnten Kombinationspräparat handelt es sich um Iberogast®.

Siehe:

Heilpflanzen-Anwendungen bei Magen-Darm-Krämpfen

Kinderheilkunde: Heilpflanzen-Kombination gegen Bauchbeschwerden

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Weiterbildung Palliative Care & Onkologie-Pflege: Bitterstoffe bei Mundtrockenheit

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ schildert Heilpflanzen-Anwendungen bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum – konkret von Mundhöhle (Stomatitis), Zahnfleisch (Gingivitis), Zahnhalteapparat (Parodontitis), Rachen (Pharyngitis), Zunge (Glossitis) oder Mandeln (Angina tonsillaris).

Ein Abschnitt, der auch für Palliative Care und Onkologie-Pflege interessant ist, gilt der Anwendung von Bitterstoffen bei Mundtrockenheit:

„Bitterstoffdrogen wie Tausendguldenkraut, Bitterkleeblätter und

Enzianwurzel wirken tonisierend auf die Schleimhaut und regen

über den bitteren Geschmack beim Gurgeln die Speichel- und

Schleimsekretion an. Sie werden daher bei Mundtrockenheit ein-

gesetzt, die häufig im höheren Lebensalter sowie nach Bestrahlun-

gen der Mundhöhle auftritt. Mit wässrigen Zubereitungen wird

mehrmals täglich gespült“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2012/DA-2012-02.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Damit keine Missverständnisse aufkommen: „Drogen“ sind im Kontext der Phytotherapie einfach getrocknete Heilpflanzen, also nicht wie heute gebräuchlich „psychotrope Substanzen“.

Bitterstoffpflanzen regen nicht nur die Speichelproduktion an, sondern auch die Magensaftproduktion und oft auch den Gallenfluss. Sie wirken dadurch gegen Völlegefühl nach Mahlzeiten und gegen Appetitlosigkeit.

Weitere Informationen zu den Bitterstoffen:

Wirkstoffe der Heilpflanzen: Bitterstoffe

Bitterstoffe sind im Pflanzenreich weit verbreitet. Sie dienen der Pflanze vor allem als Abwehrmittel gegen Fressfeinde.

Weitere Bittterstoffpflanzen mit Anwendung hauptsächlich im Verdauungstrakt sind: Wermut, Kalmus, Schafgarbe, Angelikawurzel (Engelwurz), Löwenzahn, Artischocke,

Ausserdem gibt es Bitterstoffpflanzen, die aufgrund von anderen Wirkstoffen ausserhalb des Verdauungstraktes zur Anwendung kommen. Zum Beispiel:

Hopfen (wird vor allem als Schlafhilfe eingesetzt),

Teufelskralle (wird vor allem bei Rheuma, Arthrose etc. eingesetzt),

Isländisch Moos (wird vor allem gegen trockenen Reizhusten eingesetzt)

Eine Weiterbildung „Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologie-Pflege“ finden Sie hier.

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Artischocken gegen Darmkeime

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Unverdaute Fette im Darm können die Entstehung eines ungünstigen Keimspektrums in der Darmflora fördern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung, die einen präbiotischen Effekt von Artischockenextrakt und damit eine günstige Verschiebung der Keimbesiedlung im Darm vermuten lässt.

In der Studie wurde die Hemmwirkung eines Artischocken-Extraktes in  auf mehrere Keimarten der Darmflora untersucht. Gehemmt wurden hauptsächlich als unerwünscht betrachtete Keime wie Peptostreptococcus anaero.  Die als nützlich erachteten Milchsäurekeime Lactobacillus acidophilus und Lactobacillus plantarum wurden durch den Artischocken-Extakt hingegen nicht beeinflusst. Diese Resultate könnten deshalb bedeuten, dass die regelmäßige Einnahme von Artischocken-Extrakt zu einer Verschiebung der Darmflora hin zu einem günstigeren Keimspektrum führt.

Die Tests zum Effekt von Königsartischockenextrakt auf ausgewählte Vertreter der Darmflora geben Hinweise auf neue Erklärungsmodelle für die Wirksamkeit von Artischockenextrakt auf Verdauungsbeschwerden.

Die Wirksamkeit von Artischockenblätter-Extrakt dürfte in erster Linie auf einer Anregung des Leberstoffwechsels basieren. Durch vermehrte Bildung und Ausschüttung von Gallensäuren werden Nahrungsfette besser emulgiert, was die Fettverdauung erst ermöglicht.

Überschüssiges, unverdautes Fett wird von der Darmflora verstoffwechselt, was zur Bildung großer Mengen an Gasen und in der Folge zu schmerzhaften Oberbauchbeschwerden, Blähungen und Durchfall oder Obstipation (Verstopfung) führen kann.

Die Einnahme von Artischockenextrakt nach Mahlzeiten lindert fettbedingte Verdauungsstörungen. Das zeigt sich beispielsweise in der Praxis bei Patienten, denen operativ die Gallenblase entfernt wurde.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/811819/artischocken-darmkeime.html?sh=20&h=886345408

Kommentar & Ergänzung:

Der Text in der Aerztezeitung basiert auf der Pressemeldung des Herstellers eines Artischocken-Präparates. Alle Details zu dieser Untersuchung fehlen darin, so dass kaum beurteilbar ist, ob die Veränderungen relevant sind.

Bei allen Studien stellt sich die Frage, ob die gemessenen Endpunkte klinisch von Bedeutung sind. Ob Patientinnen und Patienten etwas davon haben, wenn gewisse Laborwerte verändert oder wie hier die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst wird, müsste jedenfalls geklärt werden.

Klinisch relevant wäre beim beschriebenen Beispiel die Besserung von Oberbauchbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl.

Es gibt Hinweise aus kleineren placebokkontrollierten Studien, die einen solchen Effekt nahelegen.

Bei all diesen einschränkenden Bemerkungen ist aber festzuhalten, dass dieses Erklärungsmodell der Artischocken-Wirkung via Beeinflussung der Darmflora schon interessant ist.

In der Schweiz sind als Artischockenextrakt-Präparate vor allem Hepa-S und Natu-Hepa 600 im Handel.

Ausserdem gibt es noch den Artischockensaft von Schoenenberger und von actilife, sowie die Boldocynara Tropfen von Bioforce (Artischocke zusammen mit Löwenzahn, Boldo, Pfefferminze)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Artischocken-Extrakt als Cholesterinsenker

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Klinische Studien zeigen, dass Artischockenblätterextrakt die Gallenproduktion anregt und den Triglyceridspiegel und Cholesterolspiegel im Blut reduziert. Cynarin, das ursprünglich für das wirksame Prinzip gehalten wurde, kommt jedoch nur in geringen Mengen in der frischen Artischocken-Pflanze vor. Es entsteht erst durch Wärmebehandlung, beispielsweise bei der Extraktbereitung.

Inzwischen führen Forscher die blutfettsenkende Wirkung des Artischocken-Extraktes auf den in den Blättern enthaltenen Gesamtkomplex an Flavonoiden und Chinasäurederivaten zurück.

Wie kommt die cholesterinsenkende Wirkung des Artischocken-Extraktes zustande?

Die Reduktion der Cholesterolspiegel und Triglyceridspiegel beruht auf mehreren, sich ergänzenden Effekten: Artischockenextrakt hemmt die Biosynthese des Cholesterols in der Leber und bewirkt, dass das Cholesterol verstärkt mit der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm ausgeschieden wird. Artischockenextrakt erhöht die Produktion von Gallenflüssigkeit in der Leber und steigert dadurch den Gallenfluss. Außerdem verschiebt sich unter der Behandlung mit Artischockenextrakt das Verhältnis aus HDL-Cholesterol und LDL-Cholesterol zugunsten des als schützend eingestuften HDL-Cholesterols. Die ESCOP-Monographie aus dem Jahre 2003 führt sechs multizentrische, randomisierte, placebokontrollierte, offene und auch doppelblinde Studien zu diesem Thema auf. In einer Studie erhielten die Probanden sechs Wochen lang Artischockenblätter-Extrakte. Nach dieser Zeit war der Wert des Gesamt-Cholesterols im Durchschnitt um 11 Prozent bis 18 Prozent verringert, das LDL-Cholesterol um 16 Prozent bis 23 Prozent. Der Wert für das HDL-Cholesterol erhöhte sich dagegen um 20 Prozent.

Quelle:

http://www.pta-forum.de/index.php?id=247

Kommentar & Ergänzung:

Die Artischocke ist eine sehr vielseitige Heilpflanze. Eine gute Beschreibung ihrer Wirkung als Lipidsenker findet sich auch hier:

„Lipidsenkende Wirkung: Extrakte aus der Artischocke senken hochsignifikant sowohl den Triglyceridgehalt als auch den Gesamtcholesterinspiegel im Blut. Cynarin ist ein Lipolysehemmstoff ähnlich Nikotinsäure, ist aber wesentlich besser verträglich. Luteolin hemmt die Cholesterinsynthese.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Artischockenblatt.html

Es gibt zwar stärkere Lipidsenker als die Artischocke, doch zeichnet sich diese durch eine ausgezeichnete Verträglichkeit aus.

Präparate mit Artischocken-Extrakt in der Schweiz sind zum Beispiel Hepa-S und Natu-Hepa 600.

Sie sind allerdings nicht als Cholesterinsenker zugelassen. Zu vermuten ist auch, dass eine Indikation wie „Hypercholesterinämie“ diese Produkte rezeptpflichtig machen würde.

Siehe auch:

Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

Artischockenextrakt bei Verdauungsbeschwerden von Schichtarbeitern

Erfolg mit Artischocken-Extrakt bei Dyspepsie (Verdaungsstörungen)

Artischocken-Presssaft gegen Verdauungsbeschwerden untersucht

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

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In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie veröffentlichte Prof. Dr. Volker Schulz einen sehr informativen Beitrag über „Pflanzliche Arzneimittel für Herz und Kreislauf“.

Nachfolgend kommentierte Zitate zum Thema Lipidsenkung durch Artischocke und Gelbwurzel (Curcuma):

„Extrakte aus Artischockenblättern (Cynarae folium) und Gelbwurzel (Curcumae longae rhizoma) haben choleretische Wirkungen, die für beide Drogen sowohl in Tierversuchen als auch am Menschen nachgewiesen wurden.“

Kommentar:

„choleretisch“ = fördert die Gallenproduktion in der Leber.

„Droge“ bedeutet im Bereich Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“.

„Verstärkter Gallefluss kann mit einer vermehrten Elimination von Cholesterin aus dem Körper verbunden sein. Bei hyperlipidämischen Ratten wurden tatsächlich nach mehrmaligen intraperitonealen Gaben wässriger oder alkoholischer Extrakte aus Artischockenblättern Senkungen der Triglyceridwerte um 30 Prozent und der Cholesterinwerte um bis zu 50 Prozent beobachtet. Bei Versuchen an Leberzellen in vitro wurde darüber hinaus festgestellt, dass nicht nur die Ausscheidung des Cholesterins verstärkt, sondern auch dessen Biosynthese gehemmt wurde. Lipidsenkende Wirkungen mit Artischockenblätter-Extrakten wurden am Menschen in einer Doppelblindstudie und bei  5 Anwendungs-Beobachtungen nachgewiesen.“

Kommentar: Tierexperimente und Laboruntersuchungen ( = in-vitro) sind nur sehr begrenzt aussagekräftig in Bezug auf Wirkungen am Menschen.  Aber es gibt inzwischen auch einige Studien mit Patienten, die auf eine lipidsenkende Wirkung der Artischockenblätter hinweisen.

„Mit Kurkumawurzel-Extrakten liegen vorwiegend nur tierexperimentelle Befunde in diesem Sinne vor. Gemessen an der Wirkstärke heute verfügbarer synthetischer Lipidsenker, wie auch in Bezug auf die mehrheitlich bei den Synthetica mittels großer Human-Studien gesicherten Erfolge bei der Prävention von Arteriosklerose-Folgekrankheiten, sind die Wirksamkeits-Belege in diesem Indikationsbereich bei den Phytopharmaka dennoch eher als bescheiden einzustufen. Die Anwendung dieser pflanzlichen Mittel ist andererseits nicht mit ernsthaften Risiken verbunden. Im Rahmen naturheilkundlicher Behandlungen hat deshalb deren unterstützende Anwendung auch weiterhin ihre Berechtigung.“

Kommentar: Die Curcuma (Gelbwurzel) ist Bestandteil von Curry-Mischungen. Der Inhaltsstoff Curcumin wird intensiv erforscht für eine mögliche Anwendung in der Krebstherapie. Obwohl bis zu einer erfolgsversprechenden  Anwendung beim Menschen noch sehr viele Fragen offen sind, wird Curcumin zum Teil vorschnell als Wunderheilmittel für die Krebsheilung angepriesen. Ein Problem ist unter anderem die schlechte Wasserlöslichkeit von Curcumin, wodurch die Substanz aus den Verdauungstrakt nur in sehr geringem Mass in den Organismus aufgenommen werden kann.

Siehe dazu:

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs?

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest

Curcumin gegen Krebs?

Zum Thema Cholesterinsenkung werden noch andere interessante Heilpflanzen-Anwendungen diskutiert:

Bockshornklee: Interessant als Heilpflanze und Gewürz

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Grüntee reduziert Cholesterin (aber nur wenig)

Was ist Johannisbrotkernmehl?

Äpfel sind gute Cholesterinsenker

Polyphenole aus Rooibostee schützen vor Arteriosklerose

Leinsamen reduziert Cholesterinspiegel bei Männern

Hibiscus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Auch für diese pflanzlichen Cholesterinsenker gilt, dass ihre Wirkung nur gering ist, bei zugleich aber optimaler Verträglichkeit bzw. fehlendem Risiko.

Quelle der Zitate: PHYTO Therapie  1|10

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