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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Lavendel zur Duftpflanze des Jahres 2016 gewählt

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In Österreich hat eine Berufsgruppen-Vereinigung für gewerbliche Aromapraktiker/innen und Aromapflege-Fachkräfte den Lavendel zur Duftpflanze des Jahres 2016 gewählt. Aus diesem Anlass berichtet „Die Presse“ über den Lavendel. Zitat:

„Ätherisches Lavendelöl hat mehr als 300 verschiedene aktive Moleküle und daher viele verschiedene Wirkungen. Echter Lavendel (als Tee, Duftkissen oder ätherisches Öl) beruhigt, wirkt harmonisierend, entspannend und ausgleichend. Das haben mittlerweile etliche wissenschaftliche Studien bestätigt.“

Zu Wort kommt in dem Text auch Reinhard Länger von der Ages Pharm-Med Medizinmarktaufsicht, ein profunder Kenner der Phytotherapie:

„Der echte Lavendel, Lavandula angustifolia, ist gemäß europäischem Arzneibuch die Stammpflanze für Lavendelblüten und Lavendelöl. Experimentell konnten antibakterielle, krampflösende und entzündungshemmende Effekte beobachtet werden.“

Lavendelblüten und Lavendelöl bei Unruhezuständen und zur Erleichterung des Einschlafens und Durchschlafens verwendet. Neue klinische Studien haben ausserdem gezeigt, dass Lavendelöl nach der Einnahme in Kapselform Ängste lindern kann. Reinhard Länger sagt dazu: „Standardisierte Arzneimittel mit Lavendelöl erweisen sich bei innerlicher Anwendung in Bezug auf die angstlösende und schlaffördernde Wirkung als gleich effektiv wie chemisch-synthetische Wirkstoffe.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/4930152/Ein-Duft-der-beruhigt?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelöl und Lavendelblüten werden sowohl in der Aromatherapie als auch in der Phytotherapie gerne eingesetzt bei Schlafstörungen und Unruhezuständen.

Die Phytotherapie verwendet ausschliesslich Lavendelöl aus Lavandula angustifolia, dem Echten Lavendel, so wie es im Europäischen Arzneibuch vorgeschrieben ist. Das Lavendelöl aus dem Echten Lavendel ist am besten untersucht und am besten dokumentiert bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit.

Das Lavendelöl nach Arzneibuch ist als Arzneimittel zugelassen und wird in Apotheken und (in der Schweiz) Drogerien offen verkauft.

Die Aromatherapie setzt auch andere Lavendelöle aus anderen Lavendelarten ein, zum Beispiel:

– Lavandin (Lavandula hybrida – Kreuzung aus Lavandula angustifolia und Lavandula latifolia). Dieser Hybrid-Lavendel ist in der Herstellung wesentlich ergiebiger als echter Lavendel und sein Öl deshalb auch preisgünstiger. Lavandin wirkt aber nicht beruhigend und kann wegen seinem Gehalt an Kampfer sogar eher anregende Effekte auslösen.

– Schopflavendelöl (Lavandula stoechas). Eine Unterart des Schopflavendels ist der Grüne Lavendel (Lavandula viridis). Lavendelöl aus dem Grünen Lavendel wurde in Portugal gegen Hautpilze untersucht und zeigte dabei gute Wirkungen.

Siehe dazu:

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

– Speik-Lavendel (Lavandula spicata, Lavandula latifolia) enthält ebenfalls Kampfer. Speik-Lavendelöl wird als Insektenbekämpfungsmittel und in der Tiermedizin eingesetzt.

Wie schon erwähnt, setzt die Phytotherapie Lavendelöl nicht nur inhalativ bei Schlafstörungen ein, sondern auch innerlich in Kapselform gegen leichtere Angststörungen (Präparat Lasea®).

Siehe dazu:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln (Lasea®) bei Angststörungen

Darüber hinaus werden Lavendelblüten bzw. Lavendelöl auch eingesetzt als Lavendelsäckchen oder Lavendelbad.

Lavendelöl eignet sich zudem für Einreibungen gemischt mit fetten Ölen (zum Beispiel Mandelöl).

P.S.:

Ausführlichere Informationen über Lavendelöl finden Sie in der Broschüre:

Ätherische Öle in der Pflege 

Grundlagenwissen über ätherische Öle und Anwendungen von Lavendelöl.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pfefferminzöl als Appetithemmer?

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Die österreichische Zeitung „Die Presse“ hat kürzlich über Aromapflege berichtet.

Der Artikel ist ein gutes Beispiel für schlechten Journalismus – mit zahlreichen Fehlinformationen und leeren Behauptungen.

Schauen wir uns nur ein kurzes Zitat daraus genauer an:

„Und wer mit ätherischen Ölen abnehmen oder keinesfalls zunehmen will, wähle Pfefferminzöl. Dessen Duft soll appetithemmende Wirkung haben und kann zusätzlich die Gallenproduktion anregen, die für die Fettverbrennung verantwortlich ist.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/4630761/Aromapflege_Die-Therapie-der-Tropfen?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

1. Hat Pfefferminzöl als Duft eine appetithemmende Wirkung?

Nie gehört. Nie in der Phytotherapie-Fachliteratur davon gelesen.

Im Fachbuch „Aromatherapie“ von Wabner / Beier (Hrsg.) steht zu Pfefferminzöl:

„Erfahrungsheilkundliche Anwendungsgebiete: Pfefferminzöl kommt zur Anwendung bei Appetitlosigkeit, Mundgeruch, Zahnschmerzen, Muskelschmerzen, Asthma, Durchfall, Ohnmacht, Schock, Schwindel, Tuberkulose, Gelbfieber, Cholera.“

Diese Aufzählung ist zwar in den meisten Punkten sehr zweifelhaft (Tuberkulose! Cholera!…). Aber was steht denn da als erstes Anwendungsgebiet? Ausgerechnet Appetitlosigkeit! Dann müsste Pfefferminzöl ja appetitsteigernd wirken!

Die Behauptung, dass Pfefferminzöl appetithemmend wirkt, steht sehr im luftleeren Raum. Und wer eine solche exotische Behauptung in die Zeitung stellt, sollte genauer darlegen, wie die Aussage zustande kommt. Wer hat das wo, wann und wie festgestellt? Nur so kann man sich als Leserin oder Leser eine eigene Meinung bilden, ob die Aussage glaubwürdig ist.

2. Kann Pfefferminzöl-Duft die Gallenproduktion anregen?

Sehr unwahrscheinlich. Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt den Pfefferminzblättern bzw. dem Pfefferminztee eine Steigerung der Gallenproduktion zu, wobei für diese Wirkung vor allem Inhaltsstoffe verantwortlich sein sollen, die nicht flüchtig sind – die Phenolcarbonsäuren Chlorogen- , Kaffee- und Rosmarinsäure. Und was nicht flüchtig ist geht bei der Wasserdampfdestillation auch nicht ins ätherische Öl über.

Es spricht sehr viel dafür, dass mit dieser Aussage – Pfefferminzöl als Duft regt die Gallenproduktion an – ganz simpel Wirkungen des Pfefferminztees bei Anwendung im Verdauungstrakt auf die Anwendung von Pfefferminzöl als Duft übertragen worden sind.

3. Ist die Gallenproduktion für die Fettverbrennung zuständig?

Nein, das ist medizinisch total falsch. Die Gallenflüssigkeit trägt zur Fettverdauung bei. Mit der Fettverbrennung hat sie nichts zu tun.

Fazit:

– So viel Fragwürdiges in nur zwei Sätzen – das ist kaum zu übertreffen. „Die Presse“ sieht sich als Qualitätszeitung. Dieser Artikel erfüllt den Anspruch nicht.

– Niemals einfach glauben, was in den Medien und im Internet geschrieben wird. Sich zur Gewohnheit machen, kritische Fragen zu stellen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Salbei zur Duftpflanze des Jahres 2015 gewählt

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Die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker (VAGA) wählte die Salbei zur Duftpflanze des Jahres 2015. Der „Kurier“ berichtet darüber und weißt auf die Wirkung der Salbeiblätter bei Halsweh und gegen zu starkes Schwitzen hin.

Leider kolportiert die Zeitung auch die Mär von der östrogenartigen Wirkung der Pflanze:

„Menstruation. Salbei enthält östrogenartige Substanzen, die bei Wechsel- und Menstruationsbeschwerden helfen können. Schon Hippokrates setzte Salbei als Uterus-Heilmittel ein.“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Diese Aussage lese ich nicht zum ersten Mal. Eigenartig ist allerdings, dass nie erwähnt wurde, um welche östrogenartigen Substanzen ist sich handeln soll. Das wäre aber nötig, wenn die Aussage glaubwürdig sein soll. In der Phytotherapie-Fachliteratur tauchen keine Salbei-Inhaltsstoffe mit östrogener Wirkung auf und die schweisshemmende Wirkung dürfte durch direkte Beeinflussung der Schweissdrüsen zustande kommen – und nichts mit Phytoöstrogenen zu tun haben.

Die Aussage steht also auf ausgesprochen schwachen Füssen.

Der Artikel im „Kurier“ geht auch auf die Geschichte der Salbei als Heilpflanze ein:

„Schon die Griechen glaubten, Salbei könne unsterblich machen. Im Mittelalter hatte das Kraut den Ruf eines universellen Heilmittels. Ein Spruch aus der Volksmedizin des 13. Jahrhunderts lautet etwa: ‚Wie kann ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?’“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Der Spruch: „Cur moriatur homo, cui Salvia crescit in horto ?“ – „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst?“, wird immer wieder gerne zitiert und er zeugt davon, dass man der Salbei Wunderkräfte zugetraut hat. Die Aussage stammt aus einem alten medizinischen Lehrgedicht der Schule von Salerno, dem „Regimen Sanitatis Scholae Salernitanae“, dessen Handschrift um 1101 entstanden sein dürfte.

Allerdings lautet dort die Antwort auf die gestellte Frage:

„Contra vim mortis non est medicamen in hortis.“ – „Gegen den Tod ist kein Kräutlein im Garten gewachsen.“

Und dieser Teil – der doch etwas relativierend wirkt, wird nur selten zitiert.

 

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Aromatherapie / Phytotherapie: Ätherische Öle bei Schlafstörungen

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Ätherische Öle können bei milden Schlafstörungen eine Alternative zu Schlaftabletten sein und werden zu diesem Zweck in Aromatherapie und Phytotherapie eingesetzt.

Forscher haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit, in der 15 Einzelstudien zusammengefasst worden sind, den Nutzen von ätherischen Ölen bei Schlafstörungen aufzeigen können. Am häufigsten wurde Lavendelöl in den Studien eingesetzt (10 Studien).

Berichte über Nebenwirkungen gab es dabei nicht.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/schlafen-im-duftparadies.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24720812

Lillehei AS, Halcon LL. A systematic review of the effect of inhaled essential oils on sleep. J Altern Complement Med. 2014 Jun;20(6):441-51.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung sagt insgesamt nicht viel aus und die Qualität dieser Übersichtarbeit kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber, dass Lavendelöl am besten untersucht und belegt ist zur Behandlung von Schlafstörungen. Daher wird Lavendelöl in Aromatherapie, Aromapflege und Phytotherapie auch oft angewendet für diesen Indikationsbereich.

Interessant zur Behandlung von Schlafstörungen ist auch Melissenöl aus Melissa officinalis (Zitronenmelisse). Melissenöl ist aber viel teurer als Lavendelöl.

Wenn in der Übersichtsstudie steht, dass keine Nebenwirkungen berichtet wurden, heisst das nicht, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen sind. Ätherische Öle können zum Beispiel Allergien auslösen. Dieses Risiko ist unterschiedlich bei den verschiedenen ätherischen Ölen. Lavendelöl gilt als in der Regel gut verträglich, doch kann es auch hier vereinzelt zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Zu den Wirkungen und Anwendungsbereichen von Lavendelöl finden Sie hier eine Broschüre:

Ätherische Öle in der Pflege – Grundlagenwissen über ätherische Öle – Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Aromapflege: Ätherische Öle mit antiviraler Wirkung

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Auf springermedizin.at veröffentlichte Wolfgang Steflitsch einen Beitrag mit dem Titel „Ein medizinischer Blick auf die Aromatherapie“. Ein Abschnitt in diesem Artikel geht auf die antivirale Wirkung von ätherischen Ölen ein:

„Aber auch die antivirale Aktivität zählt zu den Domänen von ätherischen Ölen. Besondere Einsatzgebiete sind dabei Herpes- und Influenza-Viren. Bewährte ätherische Öle in dieser Indikation sind Ingwer (Zingiber officinale), Kamille deutsch (Matricaria recutita), Manuka (Leptospermum scoparium), Sandelholz (Santalum album), Melisse (Melissa officinalis), Teebaum (Melaleuca alternifolia), Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. Cineol) und Ysop (Hyssopus officinalis).“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=41341

Komplementärmedizin Nr. 2 / 2014

 

Kommentar & Ergänzung:

Viele ätherische Öle zeigen antivirale Wirkungen. Das ist eine interessante Eigenschaft dieser Wirkstoffe aus Heilpflanzen.

Auf welchen Kriterien sich die obige Auswahl begründet, ist unklar. Mir fehlt hier zum Beispiel Pfefferminzöl, das gut wirksam ist gegen Herpesviren.

Es gibt allerdings einen wichtigen Aspekt, der bei diesem Thema zu beachten ist:

Im Labor können ziemlich leicht antivirale Wirkungen von ätherischen Ölen erzeugt und festgestellt werden. Entscheidend ist aber die Frage, ob solche Effekte auch in der konkreten Erkrankungssituation auftreten. Bei Herpes ist das plausibel, wenn Melissenöl oder Pfefferminzöl im Frühstadium lokal aufgetragen wird. Bei Influenza (Grippe) ist das schwieriger. Ätherische Öle kann man mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht in so hohen Dosierungen einnehmen, dass sie eine Konzentration erreichen, die im ganzen Körper antiviral wirkt. Und auch beim Verdunstenlassen in der Raumluft ist fraglich, ob eine wirksame Konzentration erreicht wird. Allenfalls könnte man durch direktes Inhalieren von ätherischen Ölen einen lokalen antiviralen Effekt in den Atemwegen bewirken, aber es stellen sich hier noch sehr viele offene Fragen.

Meinem Eindruck nach gibt es in der Aromatherapie bzw. Aromapflege eine Tendenz, allzu schnell von Laborwirkungen auf Wirkungen in der Erkrankungssituation zu schliessen. Da würde ich mir mehr Differenzierung wünschen.

Siehe auch:

Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen 

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

 

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Aromatherapie / Aromapflege: Spiegel online berichtet über Forschungsergebnisse

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Das macht er allerdings über weite Strecken sehr vage.

Beispielsweise:

„Zwar mehren sich die Hinweise, dass ätherische Öle tatsächlich helfen könnten, Krankheiten zumindest teilweise zu lindern. Doch noch ist Zurückhaltung geboten: Zum einen gibt es insgesamt noch zu wenige wissenschaftliche Studien, die eine ursächliche und spezifische Wirkung am Menschen und bei bestimmten Krankheiten eindeutig belegen. In der Regel sollte die Aromatherapie daher lediglich als Unterstützung bei der Behandlung von Patienten gesehen werden. Zum anderen bergen ätherische Öle mitunter auch Gefahren, zum Beispiel für Kinder, oder können allergische Reaktionen auslösen.“

Da bleibt ziemlich unklar, welche ätherischen Öle nun welche Krankheiten teilweise lindern können.

Konkreter ist der Hinweis auf die Wirkung von Lavendelöl bei Angststörungen:

„Deutsche Forscher gingen auch der Frage nach, ob natürliche Öle möglicherweise bei psychischen Erkrankungen helfen. In einer Doppelblindstudie, an der ein Hersteller für pflanzliche Arzneimittel finanziell beteiligt ist, verglichen sie die Wirkung von Lavendelöl bei Angststörungen mit jener des Wirkstoffs Lorazepam, einem Benzodiazepin. Demnach waren Lavendelölkapseln genauso wirksam wie Lorazepam. Im Gegensatz dazu machte der natürliche Wirkstoff aber nicht müde oder abhängig ‚und eignet sich deshalb gut für die Behandlung einer Angststörung, schreiben die Studienautoren im Fachmagazin ‚Phytomedicine’.“

Dabei handelt es sich allerdings um die Einnahme von Lavendelöl in Kapselform. Ich würde diese innerliche Anwendung eher zur Phytotherapie zählen als zur Aromatherapie, die ihren Fokus auf die Anwendung von Düften „via Nase“ legt.

Im Spiegel-Artikel wird zudem der emeritierte Chemie-Professor und Aromatherapie-Forscher Dietrich Wabner zitiert:

„Die Aromatherapie ist eine rationale Therapie mit pflanzlichen Ölen und fern aller Esoterik.“

Diese Aussage scheint mir ergänzungsbedürftig. Aromatherapie lässt sich meines Erachtens durchaus „rational“ betreiben, gestützt also zumindestens auf nachvollziehbare, überzeugende Argumente und zum Teil auch gestützt auf Forschungsergebnisse.

Die Praxis sieht aber schon sehr anders aus. Die meisten Aromatherapie-Bücher sind voll mit Angaben zu Wirkungen und Anwendungsbereichen der ätherischen Öle, bei denen nicht im geringsten nachvollziehbar ist, wie die Aussagen zustande gekommen sind.

Wenn da beispielsweise nur steht, Zedernholzöl wirke schützend oder Rosmarinöl stärke den Willen, dann wirft das eine ganze Reihe von Fragen auf. Wovor soll Zedernholzöl schützen? Lawinen, Insekten, böse Geister, schlechte Energien, Bakterien? Und wie bitte soll Rosmarinöl den Willen stärken? Das ist sehr erklärungsbedürftig.

Solche Aussagen sind kaum überprüfbar, weil nicht offengelegt wird, wie sie zustande gekommen sind. Um mir eine eigene Meinung darüber zu bilden, ob Zedernholzöl wirklich schützend wirkt, müsste ich erfahren, auf welchen Erkenntnissen diese Aussage basiert.

Wer vertritt sie? Wie kam dieser Mensch zu seiner Aussage?

Eigene Erfahrungen? Dann stellt sich die Frage, wie sorgfältig die Person sich mit ihren Erfahrungen auseinandergesetzt hat. Eigene Erfahrungen unterliegen sehr häufig Täuschungen.

Experimente? Studien mit Patienten? Dann wäre wichtig zu wissen, um welche Art von Experimenten oder Studien es sich handelt und wie glaubwürdig sie sind.

Nur wenn ich den Weg sehe, auf dem eine Aussage zustande gekommen ist, kann ich ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Diese Transparenz fehlt oft in der Aromatherapie-Fachliteratur, aber auch in den meisten Büchern über Pflanzenheilkunde.

Seriöse Phytotherapie-Fachliteratur dagegen basiert mit ihren Aussagen über Heilwirkungen von Arzneipflanzen auf überprüfbaren Quellen, wie zum Beispiel den Monografien der ESCOP.

In diesen Fällen lässt sich überprüfen, welche Fachleute für die Empfehlungen stehen und auf welcher Erkenntnisbasis sie ihre Schlussfolgerungen getroffen haben.

Prägnant formulierte der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Quellen:

Die Spiegel-Zitate:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aromatherapie-helfen-aetherische-oele-wie-lavendeloel-gegen-krankheiten-a-971155.html

Die Studie zur Wirkung von Lavendelölkapseln gegen Angststörungen:

http://www.phytomedicinejournal.com/article/S0944-7113(09)00261-X/abstract

 

Es handelt sich dabei um das Präparat Lasea®.

Siehe dazu:

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen 

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelölpräparat Lasea 

BfArM wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelölpräparats Lasea

 

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Melisse zur Duftpflanze des Jahres 2014 gewählt

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Die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker (Vaga) hat die Melisse (= Zitronenmelisse, Melissa officinalis) zur Duftpflanze des Jahres 2014 gewählt.

„DiePresse“ geht auf die medizinischen Wirkungen der Melisse ein und zitiert dazu Prof. Rudolf Bauer, Vorstand des Instituts für pharmazeutische Wissenschaften, Department Pharmakognosie, der Karl-Franzens-Universität Graz:

„Melissenextrakt hat einen leicht cholesterinsenkenden Effekt, auch der Zuckerspiegel geht damit herunter.“ Zu diesem Schluss soll eine Studie aus Deutschland gekommen sein.

Ich kenne diese Studie nicht und in der gängigen Phytotherapie-Fachliteratur taucht eine Reduktion von Cholesterin und Blutzuckerspiegel als Wirkung von Melissenextrakt nicht auf. Ob diese Angaben für Patientinnen und Patienten relevant sind, kann ich daher nicht einschätzen. Interessant sind diese Angaben aber schon.

Bekannt seit der Antike indes sei die beruhigende Wirkung von Melisse, schreibt „DiePresse“, und fährt fort:

„Den Lippenblütler kennen wohl viele auch durch Klosterfrau-Melissengeist, seit dem 17. Jahrhundert beliebtes Volksarzneimittel, das bei Magen- und Darmbeschwerden, Erkältung, Appetitlosigkeit und innerer Unruhe eingesetzt wird.“

Eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung habe die mehrjährige Pflanze – etwa in Form von Tee, Badezusatz oder Extrakt – unter anderem auch bei nervös bedingten Einschlaf- sowie bei psychovegetativen Störungen.

Die Anwendung als Beruhigungsmittel und als Hilfe bei Einschlafstörungen ist der etablierteste Einsatzbereich der Melisse.

Bauer ergänzt:

„„Die Rosmarinsäure und gewisse Gerbstoffe der Melisse wirken zudem antibakteriell und antiviral.“ – Darauf beruht die Anwendung von Melissensalbe bei Fieberbläschen (Herpes-simplex-Infektion), wobei nur im Anfangsstadium eine Wirksamkeit erwartet werden kann.

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1563184/Gekurte-Pflanzenstars-mit-viel-Wirkung?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Zu Wirkungen der Melisse siehe auch:

Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

Die Beschreibung der Melissen-Wirkungen in „DiePresse“ ist fundierter als die letztjährige Präsentation von Thymian als Duftpflanze des Jahres 2013 in der selben Zeitung.

Siehe:

Thymian zur Duftpflanze des Jahres 2013 gewählt

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Thymian zur Duftpflanze des Jahres 2013 gewählt – aber fragwürdig beschrieben…

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Thymian sei ein Tausendsassa unter den Kräutern, titelt Claudia Richter in „Die Presse“. Ein bisschen reisserisch zwar, aber schauen wir uns den Text doch mal genauer an

(Zitate kursiv).

Thymian wurde von der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege und von Vaga, der österreichischen Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker, zur Duftpflanze des Jahres 2013 gewählt. Aha.

Thymian ist tatsächlich eine wichtige Ätherisch-Öl-Pflanze und die Wahl daher nachvollziehbar.

Was aber da über den Thymian geschrieben steht, kommt zum Teil sehr geschwurbelt daher.

Thymian bekämpfe Husten, Schmerzen und Bakterien, schreibt die Autorin.

Tatsächlich schreibt die Phytotherapie-Fachliteratur dem Thymian eine schleimlösende Wirkung zu. Das kann sich positiv auswirken bei produktivem Husten, ist aber wenig nützlich bei trockenem Reizhusten. Eine Differenzierung wäre hier sinnvoll.

Thymian wirkt auch gegen Bakterien, aber es wäre wichtig zu wissen, wo und in welcher Form. So pauschal ist die Aussage nicht sehr nützlich.

Dass Thymian gegen Schmerzen wirken soll, ist der Fachliteratur nicht bekannt. Wie soll denn das genau gehen und gegen welche Schmerzen bitte?

Es kommt aber noch schlimmer:

Thymian „ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten, hilft bei der Fettverbrennung, kräftigt das Immunsystem, wirkt verjüngend auf den Gehirn- und Nervenstoffwechsel und hemmt Entzündungen sowie Schmerzen.“

Das mit dem „altbewährten Hausmittel“ sehe ich auch so. aber was soll der Unfug mit der Behauptung, Thymian helfe bei der Fettverbrennung? Wie genau macht er das denn? Schlank mit Thymian? Das funktioniert vielleicht, wenn ich nur noch Thymiantee zu mir nehme. Das reduziert natürlich die Kalorienzufuhr auf quasi Null, ist aber nicht gerade praktikabel. Und so ist es wohl auch nicht gemeint.

Und die Aussage, Thymian kräftige das Immunsystem, ist genauso windig. Was genau soll da passieren im Immunsystem und wie wurde das festgestellt? Und falls tatsächlich Veränderungen in irgendeinem Teil des komplexen Immunsystems stattfinden, ist immer noch die Frage, ob der betreffende Mensch auch so davon profitiert, dass er weniger krank wird. Alles ungeklärt, tönt aber toll.

Verjüngend auf den Gehirn- und Nervenstoffwechsel soll der Thymian auch noch wirken. Wer hätte das denn nicht gerne. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Verjüngung nicht gleich zurück bis in die Pubertät geht, weil in dieser Lebensphase das Gehirn ja immerhin ein bisschen anders tickt und die lieben Mitmenschen mit dieser Retro-Veränderung vielleicht ihre liebe Mühe hätten.

Dass Thymian Entzündungen hemmt, ist vorstellbar (Lamiaceen-Gerbstoff). Aber auch hier wäre eine Präzisierung wichtig. Wann, wo und in welcher Form angewandt?

Schauen wir uns ein weiteres Zitat an:

„So wurde in zahlreichen Studien – unter anderem auch an der Universität Graz – nachgewiesen, dass die ätherischen Öle des Thymians antibakteriell und fungizid, also pilzabwehrend, wirken. ‚Man kann diese Öle daher zur Raumbeduftung verwenden. Die in der Luft zirkulierenden Moleküle können dann Bakterien oder Pilzsporen schwächen oder beseitigen’, erwähnt Karner. ‚Das wird pflegerisch auf einigen Krankenhausstationen eingesetzt.’ Erste Hinweise zeigen, dass die ätherischen Thymian-Öle auch eine schwache antivirale Wirkung haben könnten.“

Dass Thymianöl antibakteriell und fungizid wirkt, ist tatsächlich gut mit Studien belegt. Allerdings hauptsächlich mit Bakterien- und Pilzkulturen im Labor. Wenn nun hier unter weglassen der Präzisierung „im Labor“ geschrieben wird, eine antibakterielle und fungizide Wirkung sei nachgewiesen, und dann übergangslos diese antimikrobiellen Effekte auf die Anwendung von Thymianöl als Raumbeduftung übertragen werden, dann ist dies ziemlich irreführend.

In der Kultur im Labor erreicht man locker eine viel höhere Konzentration an Thymianöl als in der Luft.

Weiter:

„Karner persönlich bereitet in Grippezeiten oder für Verwandte, die ins Spital müssen, immer ein Deo aus einer Mischung aus ätherischen Thymianölen und Hydrolaten oder Alkohol vor, um so das Risiko einer bakteriellen Infektion (zum Beispiel Ansteckung mit Grippe oder Krankenhauskeimen) zu reduzieren. ‚Das ist in der wissenschaftlichen Theorie nicht nachgewiesen, aber in der gelebten Praxis hundertfach erprobt.’“

Grippe ist allerdings keine bakterielle Infektion sondern viral bedingt – und gegen Viren ist die Wirkung von Thymianöl weniger gut belegt als gegen Bakterien. Aber solche Unterschiede sind wohl nicht in diesem Artikel nicht so wichtig.

Ein besonderes „Highlight“ ist der Satz: „Das ist in der wissenschaftlichen Theorie nicht nachgewiesen, aber in der gelebten Praxis hundertfach erprobt.“

Ich würde mal davon ausgehen, dass man in der wissenschaftlichen Theorie gar nichts nachweisen kann. Nachgewiesen wird allenfalls etwas in einem Experiment, das heisst in einer kontrollierten Erfahrung. Und der Verweis auf die hundertfache erprobte gelebte Praxis ist eine leere Worthülse. Hier wird einfach ausgeblendet, wie sehr uns Erfahrung täuschen kann.

Siehe dazu:

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Und weiter:

„Wirkungsvoll wie Antibiotika

Ganz wissenschaftlich ging es der deutsche Chemiker Erich Schmidt an: Er und Kollegen analysierten in ihrer wissenschaftlichen Arbeit die chemische Zusammensetzung der vier Chemotypen des ätherischen Öls von Thymian vulgaris und prüften ihre antibakteriellen Eigenschaften. ‚Die höchste Aktivität zeigt der Chemotyp Thymol, er kann es hinsichtlich Wirkstärke mit etlichen künstlich hergestellten Antibiotika aufnehmen‘, sagt Wolfgang Steflitsch, Lungenfacharzt und Präsident der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege.“

(Schreibfehler Thymian vulgaris statt Thymus vulgaris im Original)

Thymol wirkt tatsächlich ausgezeichnet antibakteriell.

Aber: Verglichen mit Antibiotika wird seine Wirkung in der Regel in Bakterienkulturen im Labor. Aussagen wie „Wirkungsvoll wie Antibiotika“ und „kann es hinsichtlich Wirkstärke mit etlichen künstlich hergestellten Antibiotika aufnehmen“ unterstellen aber eine Ebenbürtigkeit in der therapeutischen Situation im Patienten und sich daher irreführend.

„Seine Öle können die Stimmung aufhellen, wirken ausgleichend und konzentrationsfördernd.“ Derlei könne man mit Duftlampen oder Inhalationen erreichen.

Als Indikation für die Anwendung von Thymianöl werden ausserdem aufgeführt „Angstzustände“, „Durchblutungsstörungen“ und „Stress“

Angstzustände – für diese Empfehlung von Thymianöl gibt es keine fundierte Belege, im Gegensatz zum Lavendelöl (Lasea®), für welches zur Anwendung bei leichteren Angstzuständen positive Studien vorhanden sind.

Durchblutungsstörungen –  bei welcher Art von Durchblutungsstörungen soll Thymianöl denn helfen? Und in welcher Form soll es angewendet werden? – Sehr unplausibel und nebulös.

Stress  – diese Empfehlung bleibt eine Behauptung ohne Boden.

In dem Artikel wird zudem versprochen, dass Thymianöle die Stimmung aufhellen sowie ausgleichend und konzentrationsfördernd wirken können.

Die Stimmung aufhellen und konzentrationsfördernd wirken – das können Thymianöle möglicherweise, doch sind dies wohl sehr individuelle Reaktionen, die bei manchen Menschen auftreten und bei anderen nicht. Und „ausgleichend“ ist eine nebulöse Aussage – was ist damit genau gemeint und wie soll diese Wirkung zustande kommen?

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/1335717/Thymian-ein-Tausendsassa-unter-den-Kraeutern?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Lavendelöl-Bestandteil Linalool dämpft Stressreaktion

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Japanische Wissenschaftler haben eine physiologische Erklärung für die stresslindernde Wirkung von Lavendelöl entdeckt. Sie untersuchten die Wirkung von Linalool, das beispielsweise Bestandteil der ätherischen Öle aus Lavendel, Rosenholz, Koriander, Zimt und Ingwer ist. Das Inhalieren von Linalool veränderte in Tierversuchen die Blutzusammensetzung und die Genexpression der Tiere.
Für ihre Studie setzten Akio Nakamura und seine Kollegen Ratten Stress aus. Eine Hälfte der Tiere atmete dabei Linalool ein, die andere Hälfte nicht. Blutuntersuchungen ergaben, dass bei den duftinhalierenden Ratten die Anzahl der neutrophilen Granulozyten und Lymphozyten auf normalen Werten blieb, während sie sich in der Kontrollgruppe durch den Stress erhöhte. Linalool verminderte zudem die Aktivität von etwa hundert Genen, die in Stresssituationen übermäßig aktiv sind, berichten die Wissenschaftler im «Journal of Agriculture and Food Chemistry» (Band 57(12), Seiten 5480 bis 5485).

Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Für den günstigen Effekt von Linalool, einem wichtigen Bestandteil von Lavendelöl, gibt es schon seit längerem Hinweise.
Der Wiener Pharmakologe Prof. Gerhard Buchbauer, ein anerkannter Experte für die wissenschaftliche Erforschung der Wirkungen von ätherischen Ölen, wurde dazu kürzlich auf www.journalmed.de folgendermassen zitiert:
„Linalool baut Stress sowohl bei unmittelbarem Stress als auch bei dessen Abklingphase ab. Das konnte über Speichelcortisol-Messungen auch bei Menschen festgestellt werden“. Der Abbau von Stress zeige positive Folgewirkungen, wie etwa die Beruhigung und die Förderung des Einschlafens wie auch des allgemeinen psychischen Befindens.
„Göttinger Forscher konnten zudem zeigen, dass Studenten mit hoher Unsicherheit und Hemmung nach Linalool-Inhalierung Gelerntes in Prüfungen besser wiedergeben konnten, während bei Selbstsicheren diese Wirkung nicht eintrat. Die Stressreduktion half somit, die eigenen Leistungen zu erbringen“, sagte Buchbauer.

Prof. Gerhard Buchbauer ist Vizevorstand der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege.

Ätherische Öle werden seit vielen Jahren intensiv erforscht. Dabei konnten zahlreiche Wirkungen zuverlässig dokumentiert werden.

Allerdings werden in einer mehr esoterische ausgerichteten Aromatherapie den ätherischen Ölen auch viele Wirkungen zugeschrieben, die oft sehr umfassend und sehr vage formuliert sind (“löst seelische Blockaden auf”, “wirkt schützend”, “bewirkt, dass eine sterbende Person besser loslassen kann”). Dabei wird häufig ausgesprochen kritiklos alles Wunderbare abgeschrieben und weitererzählt, so dass damit oft auch ein gerütteltes Mass an Willkürlichkeit verbunden ist.

Es fehlt dabei meist auch an genaueren Informationen dazu, wie eine bestimmte Aussage über Heilwirkungen zustande gekommen ist: Wer ist auf Grund welcher Erfahrungen oder Untersuchungen zu diesem Schluss gekommen? Wo ist dieser Vorgang dokumentiert und publiziert?
Nur wenn dieser Weg der Erkenntnis transparent gemacht wird, kann man sich als Aussenstehender eine eigene Meinung über die Glaubwürdigkeit solcher Heilungs-Aussagen bilden.

In der Aromatherapie geht es ausschliesslich um die Anwendung ätherischer Öle. Weil in der Phytotherapie ebenfalls ätherische Öle eingesetzt werden, gibt es fliessende Übergänge zwischen Phytotherapie und Aromatherapie.

Für die Phytotherapie ist allerdings die Anwendung von ätherischen Ölen nur ein Teilbereich. Die Aromatherapie nutzt ein viel umfassenderes Sortiment an ätherischen Ölen.
Phytotherapie, jedenfalls wenn sie fundiert sein will, beschränkt sich auf die am besten dokumentierten ätherischen Öle. Sie versucht sorgfältig zu unterscheiden zwischen gut dokumentierten Wirkungen und willkürlichen Zuschreibungen. Wobei aber immer auch berücksichtigt werden muss, dass ein Teil der Reaktionen von Menschen auf ein bestimmtes ätherisches Öl in der Regel individuell unterschiedlich ausfällt.

Wie diese subjektiven Effekte der ätherischen Öle zustande kommen, können Sie nachlesen in unserer Broschüre “Ätherische Öle in der Pflege”.
Neben dem Grundlagenwissen über ätherische Öle finden Sie dort auch den aktuellen Stand des Wissens bezüglich der Wirkungen von Lavendelöl. Ein eigenes Kapitel beschreibt anschliessend detailliert die Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl in der Krankenpflege.
Anschauen und bestellen können Sie die Broschüre hier:
http://www.phytotherapie-seminare.ch/index.php?file=220&lang=de&ses=fdd7c5ee7ef0

Das fachlich fundierteste Buch über Aromatherapie können Sie in unserem Buchshop genauer anschauen und bei Interesse bestellen:
“Aromatherapie”, von Wabner / Beier (Hrsg.)

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