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Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

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Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

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Brustkrebs & Komplementärmedizin

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Viele Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, suchen ergänzende Methoden zu den medizinischen Behandlungen. Dr. med. Jutta Hübner erläuterte kürzlich in einem Interview Möglichkeiten und Risiken in der komplementären Onkologie. Sie leitet die Palliativmedizin, die komplementäre und supportive Onkologie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main.

Auf die Frage, was sie unter komplementärer Onkologie verstehe, antwortete Jutta Hübner:

„Für mich ist das eine begleitende Therapie, die häufig aus der Naturheilkunde oder Erfahrungsmedizin stammt. Krebskranke Menschen wenden sie zumeist in Eigenregie an. Bei diesen Mitteln und Verfahren haben wir noch nicht die Qualität an Wissen aus Studien, wie sie uns bei den herkömmlichen Therapien vorliegen.“

Entscheidend sei, so Jutta Hübner, dass die komplementärmedizinischen Empfehlungen sehr gut auf die eigentliche Therapie abgestimmt sein müssen, um zu vermeiden, dass Wechselwirkungen auftreten und die Wirkung von Medikamenten abgeschwächt wird.

Auf die Frage, welche Probleme denn auftreten können, sagt Dr. Jutta Hübner:

„Die Extrakte des Johanniskrauts etwa –  ein gutes Mittel gegen leichte und mittelschwere Depressionen – regen den Enzymstoffwechsel enorm an. Nimmt die Patientin zur gleichen Zeit weitere Medikamente ein, baut der Körper sie schneller ab. Dann verweilt beispielsweise ein Krebsmittel kürzer im Organismus und verliert dadurch einen Teil seiner Kraft.

Auch die zusätzliche Einnahme von Antioxidanzien wie Vitamin C sehen wir sehr kritisch. Möglicherweise können diese Substanzen die Wirkung einer Chemo- und Strahlentherapie mindern. Das gilt jedoch nicht für Vitamine aus frischem Obst und Gemüse.“

Die Expertin erwähnt unter anderem auch bewährte Möglichkeiten aus der Phytotherapie, mit denen Nebenwirkungen der Tumortherapie oder Begleiterscheinungen der Krebskrankheit gelindert werden können:

„Während der Chemotherapie leiden Patientinnen oft unter Übelkeit. Da kann Ingwer aus der Phytotherapie sehr gut helfen. Ein häufiges Thema in unserer Ambulanz sind Muskel- und Gelenkbeschwerden wie sie bei einer  Brustkrebstherapie mit hormonunterdrückenden Medikamenten auftreten. Sport kann diese Probleme sehr gut bessern. Bei Hitzewallungen können Patientinnen versuchen, die Beschwerden mit Traubensilberkerze zu mildern. Und Aromaöle wirken unter anderem entspannend, stimmungsaufhellend und anregend. Die komplementäre Onkologie ist ein sehr weites Feld.“

Im Interview wird Jutta Hübner auch gefragt, was sie von der umstrittenen Misteltherapie halte:

„Ich empfehle sie nicht, weil mir die im Moment vorhandenen Daten nicht ausreichen. Möchte eine Patientin gerne Mistel nehmen, kann ich sie über die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren. In einigen Fällen, wie zum Beispiel bei Leukämien und Lymphomen, sollte eine Misteltherapie nicht angewendet werden. Bei Patientinnen, die nach einer Chemotherapie dann einen Versuch mit einer Misteltherapie machen möchten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, spricht meist nichts dagegen.“

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Brustkrebs/Brustkrebs-Was-kann-ich-selbst-tun-77401.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Antworten von Jutta Hübner in diesem Interview weisen präzis und fundiert auf Risiken und Chancen ergänzender Massnahmen in der Onkologie hin.

Das ist sehr erfreulich, weil in diesem Bereich auch viel publiziert wird, das man eigentlich nur als Schrott bezeichnen kann. In Zeitschriften, Fernsehsendern und Buchverlagen fehlt in dieser Hinsicht über weite Strecken jede ernsthafte Qualitätskontrolle.

Zum Johanniskraut könnte man noch ergänzen: Diese Aktivierung von fremdstoffabbauenden Enzymen in der Leber lässt sich auch bei vielen anderen Medikamenten beobachten. Sie ist also nicht spezifisch für Johanniskraut. Heikel ist beim Johanniskraut in diesem Zusammenhang vor allem, dass manche Menschen gar nicht auf die Idee kommen, dass ein Naturheilmittel auch Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben könnte, und daher die Einnahme solcher Präparate den behandelnden Medizinern nicht mitteilen.

Auch die Warnung vor der unkontrollierte Einnahme von Antioxidanzien ist sehr berechtigt.

Die Empfehlung von Ingwer (Zingiber officinale) gegen Übelkeit bei Chemotherapie und von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) gegen Hitzewallungen gehört zu den bewährten Heilpflanzen-Anwendungen in der Phytotherapie.

Auch die Vorsicht gegenüber der Misteltherapie ist gut nachvollziehbar. Die Vertreter der Anthroposophischen Medizin betonen zwar immer wieder, wie gut die Wirkung der Mistel auch wissenschaftlich bestätigt sei. Sie interpretieren sie Datenlage aber oft ziemlich einseitig zu ihren gunsten.

Von Jutta Hübner ist ein informatives Buch erschienen, das sich mit ergänzenden Massnahmen im Bereich Komplementärmedizin & Krebs befasst:

Aloe, Ginkgo, Mistel & Co

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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