Artikel mit Schlagwort ‘Antibiotika’
Mittwoch, November 23rd, 2011
Das Magazin „focus“ brachte eine Serie zum Thema „ Mit Hausmitteln Erkältungen lindern“.
Ein Abschnitt daraus war dem Meerrettich gewidmet, wobei der Ausdruck „Breitbandantibiotika“ im Titel etwas gar stark aufgetragen ist. Meerrettich ist aber tatsächlich eine sehr interessante Heilpflanze gegen Infektionen.
Zitat:
„Die unscheinbare Wurzel zeigt erstaunliche Heilkraft. Dank der antibiotischen Inhaltsstoffe Allicin und Sinigrin, wirkt Meerrettich ähnlich wie Penicillin. Er hilft bei allen Erkältungssymptomen, Schnupfen, Husten, Bronchitis, Mandelentzündung, Nasennebenhöhlen- und Stirnhöhlenentzündungen, Kopfschmerzen und Fieber. Zudem stärkt er das Immunsystem und nimmt es sogar mit Grippeerregern auf.“
Kommentar M.K.:
Allicin ist ein Hauptinhaltsstoff im Knoblauch und wird hier irrtümlich dem Meerrettich zugeordnet. Meerrettich enthält vor allem Glukosinolate (Senfölglykoside) wie das erwähnte Sinigrin.
Diese Glukosinolate scheinen tatsächlich nach der Aufnahme in den Körper in den Harnwegen (bei Blasenentzündung) und in den Bronchien (bei Bronchitis) antibakteriell zu wirken. Weil die Glukosinolate schon im Dünndarm resorbiert werden, bleibt im Gegensatz zur Behandlung mit Antibiotika die für die Verdauung und das Immunsystem so wichtige körpereigene Dickdarmflora unbeeinflusst.
Gegen Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündung und Stirnhöhlenentzündung wird Meerrettich äusserlich angewendet als Meerrettichauflage.
„Anwendung: Die frische Wurzel ganz fein reiben und sofort verwenden, denn die ätherischen Öle verfliegen innerhalb einer Viertelstunde. Den geriebenen Meerrettich kann man einfach auf Brot essen, in anderen Gerichten weiterverarbeiten oder als Wickel benutzen. Für den Wickel die geriebene Masse etwa einen Zentimeter dick auf ein Tuch streichen und an den Seiten umschlagen. Gegen Kopfschmerzen das Päckchen auf den Nacken legen. Bei Bronchitis in Lungenhöhe auf dem Rücken platzieren.“
Kommentar M.K.:
Als Tagesdosis wird 20 g Meerrettichwurzel empfohlen. Weil die Glukosinolate rasch ausgeschieden werden ist es empfehlenswert, diese 20g in mehrere Portionen über den Tag zu verteilen.
„Risiken und Nebenwirkungen: Meerrettich enthält Senföle, die Hautreizungen verursachen können. Die Wickel deshalb nicht länger als ein paar Minuten einwirken lassen. Zum Schutz die Haut vorher mit Melkfett oder Vaseline einreiben.“
Kommentar M.K.:
Meerrettich nicht in Augennähe applizieren.
Innerlich kann Meerrettich Magenbeschwerden oder Darmbeschwerden auslösen.
Daher mit der nötigen Sorgfalt anwenden.
Quelle:
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/tid-12543/sanfte-therapie-breitbandantibiotika-aus-der-natur_aid_348263.html
Siehe auch:
Phytotherapie: Senföe aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren
Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger
Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung
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Freitag, November 4th, 2011
Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.
Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.
Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.
Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0
Kommentar & Ergänzung:
Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.
Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.
So ist beispielsweise die Wechselwirkung zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.
Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:
„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“
(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).
Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.
(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)
Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.
Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.
Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.
Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.
So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.
Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.
Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.
Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.
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Freitag, Oktober 28th, 2011
„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.
Zur Kapuzinerkresse steht dort:
„Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
Die Blüten und Blätter der großen Kapuzinerkresse schmecken frisch zu Salaten, Quark oder aufs Butterbrot. Sie wirken blutreinigend und aktivieren die Abwehrkräfte. Die Blütenknospen und weichen Samen werden als Kapernersatz verwendet.“
Quelle:
http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story
Kommentar & Ergänzung:
Was heisst „blutreinigend“? Wovon soll die Kapuzinerkresse denn das Blut reinigen?
Blutreinigung ist im Zusammenhang mit Heilpflanzen ein unsinniger Begriff. Er passt allenfalls zur Dialyse, nicht aber zu Kräutertees aller Art.
Siehe:
Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee
Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstees
Auch die Angabe, dass Kapuzinerkresse die Abwehrkräfte aktiviert, ist irreführend.
Kapuzinerkresse enthält (wie Brunnenkresse, Meerrettich, Rettich) Senfölglykoside (Glukosinolate) mit bakterientötender Wirkung. Das ist etwas ganz anderes als eine Aktivierung der Abwehrkräfte (Immunstimulation).
Genauer beschrieben wird die Wirkungsweise hier:
„Der deutsche Name Kapuzinerkresse gibt bereits einen ersten Hinweis auf das wirksame Prinzip. Tropaeolum enthält ähnlich der Gartenkresse, dem Meerrettich und anderen Brassicaceen ein Senföl-Glykosid, aus dem ein scharf schmeckendes und stechend riechendes Öl, das Benzylsenföl enzymatisch freigesetzt werden kann. Das Öl wird im Darm fast vollständig resorbiert, eine Schädigung der physiologischen Flora in tieferen Darmabschnitten ist nicht zu befürchten – im Unterschied zu vielen Antibiotika. Die Ausscheidung erfolgt zum Teil unverändert über die Lunge mit der Atemluft, der instabile Mercaptursäure-Metabolit des Benzylsenföles erscheint im Harn. In bakteriologischen Versuchen zeigte das Öl eine breite Wirksamkeit gegen grampositive und -negative Bakterien sowie gegen Candida-Pilze. Zu den Benzylsenföl-empfindlichen Keimen gehören auch die typischen Erreger von unkomplizierten Harnwegsinfekten wie Escherichia coli und Enterokokken.“
(Quelle: http://www.pta-forum.de/index.php?id=73)
Harnwegsinfekte (Blasenentzündung) und Atemwegsinfektionen(Bronchitis) sind die zwei wichtigsten Anwendungsbereiche der Kapuzinerkresse.
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Sonntag, September 18th, 2011
Die Diskussion um potenzielle Leberschädigung durch Umckaloabo® hat zahlreiche Patienten und niedergelassene Ärzte verunsichert. Professor Heinrich Matthys vom Universitätsklinikum Freiburg sieht allerdings derzeit keinen Grund, auf das Phytotherapeutikum zu verzichten.
“Da Atemwegsinfekte zu weit über 90 Prozent viral bedingt sind – vom Schnupfen über die Pharyngitis/ Laryngitis zur Bronchitis / Bronchiolitis – sind hier anstelle von Antibiotika vor allem OTC-Präparate indiziert”, stellt Matthys fest.
Für den Pneumologen ist bei deren Auswahl aber wichtig, dass sie den gleichen evidenzbasierten Kriterien entsprechen, wie sie für verschreibungspflichtige Arzneimittel gelten, und entsprechende randomisierte, prospektive und placebokontrollierte Studien vorliegen.
Hier sehe er auch den besonderen Stellenwert von Umckaloabo®, so der Experte, der etliche Studien mit dem Extrakt aus Pelargonium sidoides EPs® 7630 initiiert, begleitet und veröffentlicht hat.
Darin habe sich gezeigt, dass der Umckaloabo-Extrakt nicht nur als reines Symptomatikum wirke, sondern antibakterielle und antivirale Eigenschaften habe und die Krankheitsdauer merklich verkürze.
Zum Forschungsstand bezüglich Umckaloabo erklärt Matthys: “Es zählt zudem zu den wenigen gut untersuchten Phytotherapeutika im Bereich respiratorischer Infekte, von denen es Cochrane Library-Dokumente gibt.”
In den Studien sei der Pelargonium Extrakt EPs® 7630 auch umfassend toxikologisch und sicherheitspharmakologisch untersucht worden, wobei sich nach den Erfahrungen von Matthys keine Auswirkungen auf das hepatobiliäre System gezeigt haben.
Die gute Verträglichkeit von Umckaloabo-Extrakt werde auch dadurch untermauert, dass bei über 50 Millionen Anwendungen in den vergangenen 20 Jahren bei keinem Patienten auf die EPs® 7630-Einnahme nachgewiesene schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind.
In placebokontrollierten Studien mit Kindern ab dem ersten Lebensjahr und bei Erwachsenen seien leicht erhöhte Beschwerden (p< 0,05) meist gastrointestinaler Art festgestellt worden, hält Matthys fest.
“Ich habe zu dem jüngsten Fall des 40-jährigen Mannes mit einer Hepatitis kein toxikologisches Dossier zur Verfügung, das eine schlüssige Beurteilung eines Kausalzusammenhangs mit der Einnahme von Umckaloabo® erlauben würde”, so der Freiburger Pneumologe.
Ohne entsprechende Untersuchungen zum Ausschluss bakterieller/viraler Ursachen oder Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen sei jedoch keine sichere Beurteilung möglich.
Gerade die sonografisch festgestellte Hepatosplenomegalie spreche beipielsweise eher für eine infektiöse Genese der Leberentzündung als für eine arzneimitteltoxische.
Matthys würde deshalb nach den bisherigen Daten und aufgrund seiner eigenen Erfahrungen aus Umckaloabo-Studien derzeit nicht ohne weiteres auf das Phytotherapeutikum bei Patienten mit viralen respiratorischen Infekten verzichten.
Er würde das Mittel jedoch grundsätzlich nicht anwenden bei erkälteten Patienten mit einer gravierenden Grunderkrankung wie HIV und Mukoviszidose sowie bei Patienten mit Bronchiektasen, da bei diesen Atemwegserkrankungen meist eine bakterielle Besiedlung vorliegt, gegen die wirksamen Antibiotika eingesetzt werden müssen.
Der Freiburger Pneumologe hält darüber hinaus fest: “Evidenzbasierte Aussagen zur Einnahme von EPs® 7630 bei Patienten mit Leber- und Nierenkrankheiten sind derzeit nicht möglich, da diese Patienten ebenso wie Patienten mit Drogen- (Alkohol) und Medikamenten-Abusus in allen kontrollierten Studien ausgeschlossen wurden.”
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/allgemeinmedizin/article/667831/kein-grund-umckaloabo-verzichten.html?sh=312&h=-1436656583
Kommentar & Ergänzung:
Zur Diskussion bezüglich potenzieller Leberschädigung durch Umckaloabo siehe auch:
Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik
Leberschäden durch Umckaloabo?
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Mittwoch, August 24th, 2011
Ätherisches Öl aus Koriander hat das Potenzial, Nahrungsvergiftungen und Medikamenten-resistente Infektionen zu bekämpfen. Denn es macht gefährliche Bakterien unschädlich, schreiben portugiesische Wissenschaftler im “Journal of Medical Microbiology”.
“Korianderöl könnte künftig Lebensmittel vor Verderb durch Bakterien schützen und in Lösungen, Mundspülungen oder Pillen Infektionen mit multi-resistenten Bakterieninfektionen entgegenwirken”, erläutert Studienleiterin Fernanda Domingues von der Universität Beira.
Koriander ist mit seinem intensiven Aroma fester Bestandteil der Küche Südeuropas. Doch auch das ätherische Öl, das aus den Samen der Gewürzpflanze gewonnen wird, zählt zu den weltweit am häufigsten verwendeten ätherischen Ölen. Die Vorteile und Heilwirkungen von Koriander bzw. Korianderöl ist in der Volksmedizin schon lange bekannt, darunter die Schmerz- und Krampflinderung, die Hilfe bei Übelkeit, die Unterstützung der Verdauung sowie die Behandlung von Pilzerkrankungen.
Die Wissenschaftler testeten die Wirkung einer Lösung mit 1,6 Prozent Korianderöl auf zwölf verschiedene Bakterien, darunter Stränge von Escherichia coli, Bacillus cereus, Salmonellen sowie vom Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Alle getesteten Stränge wurden im Wachstum gehemmt und großteils auch abgetötet. “Korianderöl zerstört die Membran um die Bakterienzelle und verhindert dadurch deren Atmung, was in letzter Folge das Bakterium tötet”, erklärt Domingues.
Dass Korianderöl oder Naturprodukte ähnlicher Wirkung bald im Spital Einzug halten, glauben allerdings Spezialisten für Infektiologie nicht. “Es könnte nach erfolgreichen klinischen Tests durchaus als Beiwerk zu Antibiotika angewendet werden, wird diese jedoch nie ersetzen. Die Verantwortung, die man hier übernehmen müsste, ist zu groß”, sagt dazu Stefan Breyer von der Infektionsambulanz der Medizinischen Universität Wien.
Quelle:
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35063
http://jmm.sgmjournals.org/content/early/2011/08/23/jmm.0.034157-0
Kommentar & Ergänzung:
Natürlich kann Korianderöl nicht als genereller Ersatz für Antibiotika eingesetzt werden.
Antibiotika könne auch systemisch wirken, Korianderöl dagegen hauptsächlich lokal.
Korianderöl zeigt aber in vielen Tests tatsächlich eine gute Wirkung gegen Bakterien und auch gegen Hautpilze.
Ein Vorteil von Korianderöl ist zudem sein sehr geringes Risiko für Photosensibilisierung und Allergisierung.
Siehe auch:
Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl
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Montag, August 15th, 2011
Die Wundreinigung mithilfe von Fliegenlarven (Maden) wird immer häufiger in Kliniken eingesetzt.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten wissenschaftlichen Erfahrungsberichte zur Wundtherapie mit Fliegenlarven veröffentlicht. Während man es früher den Schmeißfliegen überließ, ihre Eier in die unverbundene Wunde zu legen, aus denen sich dann die Maden entwickelten, spezialisierten sich später Firmen auf die Züchtung und den Vertrieb von Fliegenmaden. Der Siegeszug der Antibiotika seit den 1940er Jahren beendete jedoch ziemlich rasch die Anwendung der Madentherapie.
Erst Jahrzehnte später zeigte sich, dass Fliegenlarven den Antibiotika in mancher Hinsicht überlegen sein können. Dazu erklärt Sebastian Debus, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: „Die Wunden sind häufig schlecht durchblutet, deshalb gelangen die Antibiotika über den Blutkreislauf erst gar nicht dahin, wo man sie benötigt. Eine lokale Aufbringung von Antibiotika auf die Wunde ist in diesen Fällen meist ungünstig, weil sich besonders rasch Resistenzen bilden.“ Debus therapiert rund jeden fünften Patienten mit Fliegenmaden. Nur etwa ein Viertel der Patienten lehnt dieses Behandlungsverfahren ab.
Und für Joachim Dissemond an der Hautklinik des Universitätsklinikums Essen ist die Wundreinigung mithilfe von Fliegenmaden das Mittel der Wahl, wenn eine Wunde nicht chirurgisch gereinigt werden kann, weil der Patient eine Narkose nicht verträgt
Quelle:
Das Comeback der Maden. FAZ vom 10.8.2011.
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/08/10/madentherapie-gehoert-eindeutig-zum-repertoire-der-schulmedizin.html
Kommentar & Ergänzung:
Die Madentherapie ist eine interessante Option in der Wundbehandlung, aber nicht ein Wundheilmittel für alle Fälle, wie auch der Beitrag in der DAZ und in der FAZ zeigt.
Detailliertere Infos zur Fliegenmadentherapie liefert Wikipedia (Literatuarangaben siehe dort unter „Madentherapie“).
Hier ein paar Zitate aus Wikipedia mit Zwischentiteln:
Worum geht’s bei der Madentherapie?
„Bei der Madentherapie (auch Biochirurgie genannt) werden in Speziallaboren gezüchtete, keimfreie Maden eingesetzt, um chronische Wunden von nekrotischem (abgestorbenem) Gewebe und Bakterienbefall zu befreien. Vornehmlich kommen Maden der Goldfliege (Lucilia sericata) zur Anwendung. Lange wurde angenommen, dass die Maden nur oder überwiegend abgestorbenes Gewebe als Nahrung aufnehmen – dadurch wurde der medizinische Einsatz als Therapie möglich. Unterstellt wurde, dass das intakte Gewebe verschont bleibt. Dieser Arbeitshypothese widersprechen jüngere Publikationen im renommierten British Medical Journal. Eine exakte Dosierung (Anzahl und Größe der Maden), die stete Kontrolle durch medizinisches Personal und die Einhaltung der richtigen Anwendungsdauer kann dafür sorgen, dass intaktes Gewebe geschont wird. Sobald Schmerzen auftreten, wird lebendes Gewebe von den Maden angegriffen.
Die Maden der Goldfliege besitzen eine extrakorporale Verdauung (extraintestinale Verdauung), sie geben also Verdauungssäfte ab um die Nahrung zu verflüssigen, die anschließend aufgenommen wird. Sie werden entweder als „Freiläufer“ eingesetzt, das heißt, sie befinden sich frei beweglich in der Wunde, oder in einem Beutel aus Gaze, der auf die Wunde aufgelegt wird. Die Abgabe der Verdauungssäfte in die Wunde und die Aufnahme des angedauten, verflüssigten Gewebes erfolgt dann durch die Gaze hindurch. Die Verwendung von Maden in Beuteln führt allerdings zu einer deutlichen Verringerung der Wirksamkeit.
Die Madentherapie wurde erstmals im amerikanischen Bürgerkrieg gezielt eingesetzt. In den 1930er Jahren erreichte sie eine gewisse Verbreitung, verschwand aber mit dem Aufkommen der Antibiotika wieder. Erst seit den 1990er Jahren ist eine Wiederbelebung des Verfahrens zu vermerken. Eine großangelegte Studie im Jahr 2009 verglich die Madentherapie mit einer herkömmlichen, modernen Methode der Wundheilung, der Auflage eines Hydrogels zur Behandlung von offenen Wunden. Es zeigte sich, dass die Madentherapie zwar zu einem schnelleren Abbau der nekrotischen Gewebe führte, dass es aber bei beiden Methoden etwa gleich schnell zur Heilung durch Wundverschluss kommt, bei etwa gleich hohen Kosten.“
(Quelle: Wikipedia)
Zu Wirkung und Anwendung der Madentherapie
- Madentherapie baut nekrotische Wundbeläge ab
„Viele chronische Wunden sind von einem Belag aus abgestorbenen Zellen und Wundsekret bedeckt. Diese Beläge behindern die Wundheilung, da sie zum einen ein mechanisches Hindernis bei der Wundbehandlung darstellen und zum anderen vom Blutkreislauf und somit vom körpereigenen Immunsystem abgeschnitten sind. Die Wundbeläge stellen ideale Nährböden für Bakterien dar, die ihrerseits die Wundheilung behindern. Durch den Bakterienbefall kann eine Gangrän genannte Form der Gewebenekrose hervorgerufen werden, und in Extremfällen kann es zu einem Multiorganversagen kommen, wenn aus der Grenzzone zwischen nekrotischem und intaktem Gewebe toxische oder immunsuppressive (Immunreaktionen unterdrückende) Stoffe in den Blutkreislauf gelangen.
Da die Goldfliegenmaden sich zuerst von nekrotischem Material ernähren, stellen die Wundbeläge eine ideale Nahrungsquelle für sie dar. Die Goldfliegenlarven werden auf die zu behandelnde Wunde aufgebracht und scheiden dort Verdauungssäfte aus. Die darin enthaltenen Enzyme dauen nur das Gewebe an und verflüssigen es. Dabei wird lebendes Gewebe nur dann nicht angegriffen oder geschädigt, wenn es für die Maden unerreichbar abgedeckt wird. Das sich bildende Gemisch wird von den Goldfliegenmaden aufgesaugt und verdaut. Dabei nehmen die Goldfliegenmaden in wenigen Tagen um das Hundertfache zu. Dann stellen sie die Nahrungsaufnahme ein und müssen gegen neue, frisch geschlüpfte Goldfliegenmaden mit entsprechendem Appetit ersetzt werden. Nach mehreren Anwendungen bleibt eine vom nekrotischen Wundbelag befreite Wunde zurück, die dann weiterbehandelt werden kann. Eine beschleunigte Wundheilung ist durch die Wundreinigung nicht zu erwarten.“
(Quelle: Wikipedia)
- Selektive bakterizide Wirkung der Fliegenmaden
„Die Goldfliegenmaden beseitigen Bakterien, indem sie eine eigene Gruppe von antibakteriellen Stoffen (Defensine) und Seraticin produzieren und den pH-Wert in der Wunde durch Ausscheidung von Ammoniak und Ammoniakderivaten auf ein für Bakterien wenig verträgliches Niveau anheben. Danach werden die abgetöteten Bakterien zusammen mit dem angedauten, abgestorbenen Gewebe aufgesaugt und verdaut. Dabei ist unerheblich, ob die Bakterien gegen einzelne Antibiotika resistent sind oder gar Multiresistenzen besitzen. Aus diesem Grund wird die Madentherapie auch bei Wunden angewandt, die mit MRSA-Stämmen oder anderen multiresistenten Bakterien infiziert sind.
In einer Laborstudie stellte sich heraus, dass Lucilia sericata-Larven empfindlich auf Pseudomonas aeruginosa-Bakterien reagieren und absterben können, also nicht alle Bakterien beseitigen können, die in Wunden vorkommen können.“
(Quelle: Wikipedia)
Nebenwirkungen der Madentherapie
„Etwa 20 bis 35 Prozent der Patienten mit Wunden empfinden zusätzliche Schmerzen und benötigen Schmerzmittel (Analgetika). Gelegentlich verursachen die Maden aber auch nur kribbelnde und juckende Gefühle. Schmerzen gelten als Zeichen für den Abbau von lebendem Gewebe, was durch die Anwendung von zu vielen Maden (Überdosierung) vorkommt. Nach dem vollständigen Verzehr des nekrotischen Gewebes wird auch gesundes Gewebe angegriffen. Auch bei Durchblutungsstörungen im benachbarten nicht-nekrotischen Gewebe kann es durch das Verdauungssekret der Maden zu Schädigungen kommen.“
(Quelle: Wikipedia)
Anwendungsbeispiele der Madentherapie
„Neben der Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) und der diabetischen Gangrän, bei der Gewebe abstirbt, wird die Madentherapie auch bei Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris) und bei entzündlichen Druckstellen (Dekubitus) angewendet.“
(Quelle: Wikipedia)
Vergleich mit anderen Methoden der Wundbehandlung
„Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2009 an 267 Patienten mit einem Ulcus cruris (offenes Bein) verglich die Madentherapie mit Lucilla sericata und eine konventionelle Therapie, bei der ein Hydrogel aufgelegt wurde. Zwar wurde abgestorbenes Gewebe bei der Madentherapie schneller abgebaut (Débridement; zwei bis drei statt zehn Wochen), die Dauer der Wundheilung war jedoch nicht signifikant unterschiedlich, der Medianwert lag jeweils um 240 Tage. Dies galt unabhängig davon, ob die Maden frei oder in einem Gazenetz auf die Wunde aufgebracht wurden. Patienten der Madentherapie hatten gegen Ende der ersten Anwendung der Maden signifikant mehr Wundschmerzen. Die verursachten Kosten waren vergleichbar. Die Autoren der Studie empfehlen daher, bei der Entscheidung für eine Therapie den Patientenwunsch und deren Schmerzerfahrung mit den Maden zu berücksichtigen.“
(Quelle: Wikipedia)
Eingesetzte Fliegenarten
„Lucilia sericata wurde seit der Studie von Baer 1931 am weitaus häufigsten eingesetzt. Die Verwendung von anderen Calliphoridae-Arten wurde jeweils in nur vier (Phormia regina), zwei (Lucilia caesar) oder einer Studie beschrieben (Calliphora vicina, Chiysomya rufifacies. Lucilia caesar, Lucilia cuprina, Lucilia ilhatris, Protophormia terraenovae). Ebenfalls in einer Studie wurde die Sarcophagidae-Art Wohlfahrtia nuba verwendet.
Stand 2009 ist in den USA eine bestimmte Zuchtlinie (Stamm LB-01) der Art Lucilia sericata zum Verkauf zugelassenen.
(Quelle: Wikipedia)
Zur Geschichte der Madentherapie
- Die Madentherapie bis zum 19. Jahrhundert:
„Von mehreren Völkern sind Berichte überliefert, dass sie Maden zur Wundreinigung einsetzten. Dazu gehören die Ngemba, ein Stamm der Aborigines in New South Wales, Völker im nördlichen Burma bis in die chinesische Provinz Yunan und die Maya, die mit Tierblut getränkte Tücher erst in die Sonne und, nachdem Fliegen ihre Eier darauf gelegt hatten, auf die Wunden gelegt haben sollen.
Seit dem 17. Jahrhundert sind in Europa sporadische Berichte über einen Nutzen von Fliegenlarven bei der Wundheilung überliefert, beispielsweise von Hieronymus Fabricius (1537-1619) und 1829 von Dominique Jean Larrey. Larrey, Feldarzt in der französischen Armee, konnte seine Patienten jedoch nicht davon überzeugen, die Maden in den Wunden zu belassen. Im amerikanischen Bürgerkrieg setzte John Forney Zacharias, Arzt der konföderierten Armee, Fliegenmaden gezielt zur Behandlung von Wundbrand ein. Zacharias beschreibt neben einer schnellen und effektiven Wundheilung durch die Maden auch eine hohe Überlebensrate der Verwundeten:
“I am sure I saved many lives by their use, escaped septicemia and had rapid recoveries.”
„Ich bin mir sicher, ich rettete viele Leben durch ihre [der Maden] Anwendung, vermied Blutvergiftungen und erzielte schnelle Genesungen.“
John Forney Zacharias
Auch andere Feldärzte in diesem Krieg bemerkten die vorteilhaften Auswirkungen der Infestationen der Wunde. Zu einer weiter verbreiteten gezielten Anwendung kam es jedoch nicht. Die Madentherapie wird daher auch heute noch von Militärärzten empfohlen, wenn keine Alternativen verfügbar sind. Beim Auftreten von Schmerzen wird allerdings auch dem verwundeten Soldaten empfohlen, die Behandlung abzubrechen, um kein gesundes Gewebe zu verlieren.
Eines der auftretenden Probleme war die richtige Zuordnung der Larven zu verschiedenen Fliegenarten, insbesondere bei unerwartetem Madenbefall. Es gibt solche, die sich in lebendes Gewebe aktiv einbohren und dieses dabei schädigen, wie beispielsweise die Neuwelt-Schraubenwurmfliege (Cochliomyia hominivorax). Man spricht dann von Myiasis, der Fliegenmadenkrankheit. Lucilla sericata, die Goldfliegenlarve hingegen, kann sich nicht auf glatter menschlicher Haut festhalten, benötigt ein Fell als Hilfe und befällt daher nur Kleintiere wie Kaninchen oder Schafe, die durch eine geächtete Amputation des Schafsschwanzes (Mulesing) hiervor geschützt werden sollen. Der Blowfly Strike, der tödliche Angriff von Lucilia-Fliegenmaden auf Schafe, ist in den Ländern mit Schafzucht gefürchtet. Außerdem wurde Ende des 19. Jahrhunderts die Keimtheorie entwickelt und erkannt, dass Fliegen Krankheitserreger übertragen können.“
(Quelle: Wikipedia)
- Madentherapie im frühen 20. Jahrhundert
„Auch im 20. Jahrhundert fiel die positive Wirkung von Fliegenmaden zunächst im Krieg, bei schlechter medizinischer Versorgungslage auf. Die Sterberate bei offenen, infizierten Wunden lag über 70%. Der US-amerikanische Chirurg Wiliam S. Baer war im Ersten Weltkrieg Feldarzt in Frankreich. Er berichtete später, dass er zwei Soldaten behandelt habe, die sieben Tage verwundet auf einem Schlachtfeld gelegen hatten, und in deren Wunden sich tausende Fliegenmaden befanden. Nachdem Baer diese entfernt hatte, stellte er fest, dass die Wunden sauber waren und erstaunlich schnell und ohne Komplikationen heilten. 1929 war Baer Professor für orthopädische Chirurgie an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland. Hier suchte er nach Therapien für Patienten mit Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung), darunter viele Kinder. Bei 21 Patienten mit bis dahin therapieresistenter, chronischer Osteomyelitis setzte Baer in die eröffneten Läsionen über mehrere Wochen alle vier Tage Maden einer heimischen Schmeißfliege ein. Nach zwei Monaten konnten alle 21 Patienten als geheilt entlassen werden.
Ein Problem bei der weiteren Anwendung war die Verseuchung der Maden mit Clostridium tetani, dem Erreger des Wundstarrkrampfs (Tetanus) und Clostridium perfringens, dem häufigsten Erreger des Gasbrands. Um sterile Zuchten zu erhalten, sterilisierte er Eier und gab diese dann zu sterilisiertem Futter, bis sie die gewünschte Größe erreichten. „Surgical maggots“ (chirurgische Maden) der Arten Lucilla sericata und Phormia regina wurden schließlich von Pharmaunternehmen angeboten. Zwischen 1930 und 1940 wurden über hundert medizinisch-wissenschaftliche Publikationen zum Thema Madentherapie veröffentlicht. In über 300 amerikanischen Krankenhäusern wurde die Madentherapie in der Praxis angewendet.
Durch die Einführung von Sulfonamiden und Penicillin standen plötzlich andere Mittel zur Wundbekämpfung zur Verfügung und der Fortschritt in der Madentherapie kam zum Erliegen. Zwischen 1940 und 1990 erschienen lediglich vereinzelte Artikel, in denen beschrieben wurde, wie die Madentherapie als letzte exotische Behandlung bei hoffnungslosen Fällen eingesetzt wurde. 1988 wurde die Madentherapie von Milton Wainwright für tot erklärt:
“Fortunately maggot therapy is now relegated to a historical backwater, of interest more for its bizarre nature than its effect on the course of medical science … a therapy the demise of which no one is likely to mourn.”
„Glücklicherweise ist die Madentherapie heute verbannt in eine historische Provinz, von Interesse eher wegen ihrer bizarren Natur als wegen ihres Einflusses auf die medizinische Wissenschaft. … Eine Therapie, deren Ableben niemand nachtrauert.“
Milton Wainwright
- Das Wiederaufleben der Madentherapie ab den 1990er Jahren
„Ende der 1980er Jahre untersuchten Ronald Sherman und Edward Pechter, Ärzte am Medical Center der University of California, Los Angeles, bei einem Patienten eine zufällig mit Maden infestierte Wunde und beobachteten deren Sauberkeit. Sherman baute darauf hin im Veterans Administration Hospital in Long Beach (Kalifornien) eine Fliegenzucht auf, um sterile Maden zu produzierten, die zur Wundbehandlung eingesetzt wurden. Erste Studien in den 1990er Jahren zeigten einen schnelleren Abbau von nekrotischem Gewebe als andere Methoden.
1995 wurde in Wales eine erste europäische Produktionsstätte für Goldfliegen-Larven aufgebaut. Zoobiotic lieferte innerhalb von 3 Jahren über 5000 Einheiten an Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte. In Deutschland hat sich die Firma Biomonde als Hersteller und Vertreiber von Fliegenmaden etabliert. Biomonde wurde am 4. Mai 2010 von ZooBiotic übernommen. 2002 wendeten über 1000 Kliniken, Krankenhäuser und Arztpraxen die Madentherapie an. Seit 2008 können Apotheken auch die keimfreien Eier der Goldfliege erhalten und daraus Fliegenmaden züchten. Die Anwendung der Maden in der Wundbehandlung liegt allein in der Verantwortung des behandelnden Arztes, da die in Europa als Arzneimittel geltenden Maden in Deutschland nicht zugelassen sind und nur bis zu einer späteren Zulassung angeboten werden dürfen, siehe Arzneimittelgesetz § 141 Satz 4.
Die Wirksamkeit der Madentherapie gegen Wundinfektionen – beispielsweise bei der postoperativen Wundbehandlung – ist 2004 von der Food and Drug Administration (FDA), der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde, anerkannt worden.“
(Quelle: Wikipedia)
Die Madentherapie lässt sich natürlich nicht zur Phytotherapie zählen – im weiteren Sinn zur Naturheilkunde aber schon.
Es ist sehr zu begrüssen, wenn genauer erforscht wird, für welche Art von Wunden eine Madentherapie geeignet ist und für welche nicht.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Samstag, Juli 9th, 2011
Die Einnahme von Antibiotika kann möglicherweise zu einer Wirkungsabschwächung der empfängnisverhütenden Antibaby-Pille führen. „Bei gleichzeitiger Anwendung der Anti-Baby-Pille und bestimmter Antibiotika kann die Zuverlässigkeit der Empfängnisverhütung beeinträchtigt werden. Vorsicht ist geboten bei Penicillinen, Tetracyclinen sowie Cephalosporinen und Chloramphenicol”, erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Der Experte empfiehlt daher: „Bei einer Antibiotika-Therapie sollte….bis zur nächsten Regelblutung sicherheitshalber zusätzlich mit Kondomen verhütet werden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.” Neben einer reduzierten Empfängnisverhütung können auch Zwischen- oder Abbruchblutungen auftreten, die auf die Arzneimittel-Interaktion hinweisen.
Die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln, die geschluckt werden (orale Kontrazeptiva), kann darüber hinaus auch durch andere Medikamente vermindert werden. Hierunter fallen Arzneimittel, die einen verstärkten Abbau der Wirkstoffe hervorrufen, wie zum Beispiel gewisse Antiepileptika, Antimykotika oder Antimalariamittel. „Frauen, die Antibiotika oder andere Medikament verschrieben bekommen und sich hinsichtlich einer wirkungsvollen Empfängnisverhütung durch die Pille unsicher sind, sollten dazu ihren Frauenarzt befragen”, ergänzt Dr. Albring.
Quelle:
http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_news_652_1_534_antibiotika-k-nnen-wirkung-der-anti-baby-pille-herabsetzen.html
Kommentar & Ergänzung:
Eine lange Diskussion gibt es in der Phytotherapie über Wechselwirkungen zwischen der „Pille“ und Johanniskraut-Extrakten.
Siehe dazu auch:
Phytotherapie: Johanniskraut-Wechselwirkungen
Johanniskraut und Anti-Baby-Pille: Warnungen gerechtfertigt?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Juni 10th, 2011
Ein altes Hausmittel, die Karottensuppe nach Moro, könnte möglicherweise auch EHEC-Patienten helfen. Dieser Ansicht ist Professor Josef Peter Guggenbichler, seit 2009 Emeritus der Universitätskinderklinik Erlangen.
Das Rezept für die Karottensuppen nach Moro hat der Ordinarius der Heidelberger Kinderklinik Professor Ernst Moro 1908 nach Hausmitteln kreiert. Damit reduzierten sich bei Kindern die Sterbe- und Komplikationsraten infolge Durchfallerkrankungen drastisch.
Die Karottensuppe nach Moro zählte lange zum Standard auf pädiatrischen Stationen, verlor dann jedoch durch Antibiotika und Antidiarrhoika Medikamente gegen Durchfall) an Bedeutung. Googelt man heute nach Moro’scher Karottensuppe, wird sie hauptsächlich in Abhandlungen und Foren der Tiermedizin gewürdigt.
Nach Angaben von Professor Guggenbichler, der sich seit Jahren für die antibiotikasparende Renaissance der Karottensuppe einsetzt, ist die Wirkung durch Studien und In-vitro-Tests belegt.
Eine Arbeitsgruppe um Guggenbichler und den Wiener Pharmakologen Professor Johann Jurenitsch hat den Wirkmechanismus erforscht: Beim Kochen der Karottensuppe entstehen saure Oligogalakturonide, die den Rezeptoren des Darmepithels ähneln und an pathogene Darmkeime andocken.
Sie fungieren wie Analoga, welche die Rezeptoren der Keime blockieren und dadurch deren Adhäsion (Anhaftung) an die Darmwand verhindern. Folglich werden die Erreger ausgeschieden, sagte Guggenbichler.
Er ist überzeugt davon, dass auch EHEC-Patienten davon profitieren könnten, wenn sie die Moro’sche Karottensuppe gleich beim Beginn blutiger Durchfälle mehrmals täglich über einige Tage einnehmen würden.
Und so wird die Karottensuppe nach Moro zubereitet:
500 g geschälte Karotten in einem Liter Wasser eine Stunde lang kochen, anschliessend durch ein Sieb drücken oder im Mixer pürieren, mit gekochtem Wasser wieder auf einen Liter auffüllen und drei Gramm Kochsalz zugeben.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/med_specials/ehec-2011/article/658294/karottensuppe-nach-moro-koennte-ehec-lahmlegen.html?sh=52&h=-1436656583
Kommentar & Ergänzung:
Die Karottensuppe nach Moro ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Durchfall. Dass sie nun im Zuge der schwerwiegenden EHEC-Erkrankungen ins Gespräch kommt, ist ziemlich überrschend.
Natürlich ist deren Wirksamkeit bei EHEC-Erkrankungen nicht belegt. Das ist bei einer so „frischen“ Erkrankung gar nicht möglich.
Die Idee von Professor Guggenbichler scheint mir aber interessant. Als Wundermittel gegen EHEC sollte die Karottensuppe jedoch nicht hochgepusht werden.
Mit liegt mehr daran, dass die Karottensuppe nach Moro bei den alltäglicheren Durchfallerkrankungen wieder mehr beachtet wird.
Sehr interessant und wertvoll sind die Forschungen der Arbeitsgruppe um Guggenbichler und Jurenitsch zur Aufklärung des Wirkungsmechanismus der Karottensuppe nach Moro.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnen kann, alte Hausmittel / Naturheilmittel wissenschaftlich zu erforschen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, Mai 24th, 2011
Viele ätherischen Öle hemmen das Wachstum von Bakterien. Sie könnten in manchen Fällen eine Alternative zu Antibiotika sein.
Patrick Warnke, Professor für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, hatte als Student in Australien beobachtet, dass unangenehm riechende Klimaanlagen durch Einsprühen von Eukalyptusöl geruchfrei wurden.
Daran erinnerte er sich an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und probierte die gleiche Strategie bei Patienten mit übel riechenden Tumoren im Gesichts- und Halsbereich.
„Zweimal täglich wurden die Geschwüre mit einer Mischung aus ätherischen Ölen gespült, die überwiegend Eukalyptus enthielt. Schon am dritten oder vierten Tag war der faulige Geruch verschwunden. Auch die Entzündungen gingen zurück.
Die Kranken mussten nicht mehr isoliert werden und konnten wieder nach Hause zu ihren Angehörigen. Für die Patienten war dies ein großer Gewinn an Lebensqualität.
Der Kieferchirurg entschloss sich dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Kieler Institut für Infektionsmedizin ließ er verschiedene ätherische Öle auf ihre antimikrobielle Wirksamkeit untersuchen und mit herkömmlichen Antiseptika wie Chlorhexidin und Polyvidon-(PVP-)Jod (z. B. Betadine) sowie mit 70-prozentigem Alkohol vergleichen.
Die Tests zeigten, dass manche ätherische Öle das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen, erläutert der Kieler Mikrobiologe Professor Rainer Podschun. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift für Zahnärztliche Implantologie berichten, zeigen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian, Zitronen, Zitronengras und Nelken deutliche Hemmeffekte bei Staphylokokken, Streptokokken und Candida-Pilze.
Ätherische Öle wirksam gegen Problemkeime
Professor Warnke, sieht seine Vermutung bestätigt, dass die geruchsstoppende Wirkung der ätherischen Öle auf ihren antimikrobiellen Eigenschaften basiert. Besonders beeindruckend sei die intensive Wirkung gegen klinische Problemkeime wie den Methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), die auf herkömmliche Antibiotika nicht mehr ansprechen. Diese Keime verursachen häufig gefährliche Wundinfektionen. Auch der Pilz Candida krusei, der bei immungeschwächten Patienten zu lebensbedrohlichen Infektionen führen kann, wurde im Laborexperiment gehemmt.
Mit ihrer Studie bestätigen die Kieler Wissenschaftler naturheilkundliche Erfahrungen:
Die Ureinwohner Australiens etwa verwenden Teebaumöl seit Jahrhunderten als Wundheilungsmittel, Nelkenöl nutzten bereits unsere Vorfahren als Hausmittel bei Zahnschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut.
Ätherische Öle können aber noch mehr, erklärt Professor Hildebert Wagner vom Zentrum für Pharmaforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Sie wirken nicht nur antimikrobiell, sondern auch entzündungshemmend und krampflösend“. Daher eignen sie sich ausgezeichnet zur Behandlung von Atemwegsinfekten und können eine Antibiotikatherapie sinnvoll unterstützen.
Gegen Erkältungskrankheiten existieren viele Fertigpräparate mit ätherischen Ölen zum Einnehmen, Gurgeln, Inhalieren und Einreiben. „Für viele ätherische Öle, beispielsweise aus Eukalyptus und Thymian, liegen umfassende wissenschaftliche Daten vor“, erklärt Heilpflanzen-Experte Wagner.
Die Wirksamkeit von Teebaumöl dagegen wurde längere Zeit kontrovers beurteilt. „Mit unserer Studie konnten wir aber zeigen, dass es tatsächlich wirkt“, erklärt Warnke. „Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Wundbehandlung.“
Ätherische Öle – interessant für die Zahnmedizin
Hauptsächlich ihre Effizienz gegen Problemkeime macht die ätherischen Öle als Alternative zu herkömmlichen Antibiotika therapeutisch interessant. Allerdings eignen sich ätherische Öle bisher ausschliesslich zur lokalen Anwendung.
„Äußerlich angewandt, könnten sie zur Therapie von oberflächlichen Wundinfektionen dienen oder die Zahl der Problemkeime auf Schleimhäuten reduzieren“, erklärt Mikrobiologe Rainer Podschun.
Er sieht aber noch viel Forschungsbedarf: „Bisher haben wir nur die Wirkung auf bestimmte grampositive Bakterien getestet, aber nicht auf gramnegative und anaerobe Keime“, stellt Podschun fest. Aus Laborversuchen könne zudem nicht abgeleitet werden, wie ätherische Öle wirken, wenn sie beim Menschen zur Anwendung kommen.
Auch für die Zahnmedizin ergeben sich interessante Perspektiven. Ätherische Öle könnten zur Desinfektion eingesetzt werden – zum Beispiel, wenn bei Zahnimplantaten Infektionen an der Kontaktfläche auftreten. Weil zunehmend mehr Implantate gesetzt werden, treten auch solche Infektionen häufiger auf, sagt Kieferchirurg Warnke. Bisher gebe es dafür noch keine überzeugende Therapie.
Zahnmediziner suchen darum nach Alternativen. Sollten sich die antimikrobiellen Wirkungen bei den entsprechenden Keimen bestätigen, könnten die ätherischen Öle für ein neues Therapiekonzept zur lokalen Behandlung implantatbedingter Entzündungen zur Anwendung kommen. Problematisch bei der Anwendung in der Mundhöhle sei allerdings der starke, oft bittere Eigengeschmack.
Fertigpräparate mit ätherischen Ölen für die Wundbehandlung wird es so rasch nicht geben, weil das teure und aufwendige Studien erfordern würde, die gegenwärtig niemand finanzieren möchte. Für die traditionellen Anwendungsgebiete, wie Erkältungen, Zahnschmerzen, kleinere Wunden, oder auch nur als Wohlfühlduft sind in der Apotheke hochwertige ätherische Öle und Mischungen erhältlich.
„In seltenen Fällen verursachen sie jedoch Allergien und Hautreizungen“, sagt der pharmazeutische Biologe Wagner. Stark riechende Substanzen wie Eukalyptusöl und Pfefferminzöl können bei Säuglingen und Kleinkindern zudem lebensbedrohlichen Atemstörungen führen auslösen. Auch Zahnarzt Warnke rät: „Lassen Sie sich vor der Anwendung ätherischer Öle in Ihrer Apotheke beraten.“
Zur Qualität der ätherischen Öle:
Bei handelsüblichen ätherischen Ölen sind große qualitative Unterschiede festzustellen: „Duftmischungen enthalten oft synthetische Aromastoffe und zeigten in unserer Studie keine antibakterielle Wirksamkeit“, erklärt Kieferchirurg Professor Patrick Warnke. In der Apotheke werden ätherische Öle angeboten, welche die strengen Anforderungen des Deutschen Arzneibuchs erfüllen.
Quelle:
http://www.apotheken-umschau.de/Alternative-Medizin/Aetherische-Oele-gegen-Bakterien-106113.html
Kommentar & Ergänzung:
Dass sehr viele ätherische Öle gute antimikrobielle Eigenschaften haben ist schon seit langem bekannt.
Trotzdem braucht es noch viel Forschung, um offene Fragen zu klären, beispielsweise bezüglich der Verträglichkeit und der optimalen Konzentration der Anwendungen.
Für den Entscheid, welches ätherische Öl in einer bestimmten Situation vorzuziehen ist, ist neben der Wirksamkeit gegen die vorliegenden Keime auch die Verträglichkeit bedeutsam.
Zu begrüssen ist meines Erachtens, wenn man dabei nicht immer nur auf dem trendigen Teebaumöl verharrt, sondern auch andere antimikrobielle ätherische Öle einbezieht wie Thymianöl oder Eukalyptusöl.
Das ist in den beschriebenen Untersuchungen geschehen.
Der Text wird am Schluss etwas gar stark zu Apothekenpropaganda – nicht besonders erstaunlich für eine Apothekenkundenzeitschrift. Ich würde jedenfalls nicht so weit gehen zu sagen, dass man nur in der Apotheke ätherische Öle in guter Qualität kaufen kann – und ebenso wenig, dass man in der Apotheke ausnahmslos gute Qualität bekommt.
Tatsache ist aber: In Apotheken und Drogerien (ich Rede von der Schweiz) kann man ätherische Öle in Arzneibuchqualität kaufen – wenn man dies verlangt. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen aber auch ätherische Öle, die nicht den Vorschriften des Arzneibuches für Arzneimittel entsprechen.
Die Vorschriften des Arzneibuches kann man tatsächlich als eine Qualitätssicherung betrachten. Sie sagen allerdings nichts über die Anbaubedingungen aus (Bio oder nicht) und leider gibt es nur eine relativ beschränkte Zahl von ätherischen Ölen nach den Vorschriften des Arzneibuches. Aber zum Beispiel bei Thymianöl, Pfefferminzöl, Eukalyptusöl und Lavendelöl ziehe ich Arzneibuchqualität vor.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, Mai 16th, 2011
Immer mehr Bakterien entwickeln Antibiotikaresistenzen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt. Grund für diese gefährliche Entwicklung seien die zu häufige und allzu sorglose Anwendung von Antibiotika. «In Ermangelung dringender Korrektur- und Schutzmaßnahmen steuert die Welt auf ein post-antibiotisches Zeitalter zu, in dem viele gewöhnliche Infektionen nicht mehr geheilt werden und, noch einmal, unvermindert töten», erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.
In den EU-Ländern sterben nach den Angaben der WHO-Europazentrale in Kopenhagen jährlich 25 000 Menschen durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien, die häufig bei Krankenhausbehandlungen entstanden sind. Im vergangenen Jahr wurden gemäss WHO rund 440 000 neue Tuberkulose-Fälle in fast 70 Ländern gemeldet, gegen die eine Vielzahl von Medikamenten unwirksam blieben.
Das Problem der Resistenzen ist aber nicht auf Bakterien beschränkt: Malaria-Parasiten würden immer widerstandsfähiger gegen die neusten Medikamente, und auch bei speziellen Medikamenten gegen HIV tauche das Problem immer öfters auf.
«Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt, weil die Resistenz gegen vorhandene Antibiotika beispiellose Ausmaße erreicht hat und neue Antibiotika nicht schnell genug bereitgestellt werden können», warnte die europäische WHO-Chefin Zsuzsanna Jakab. Die Organisation verlangt deshalb unter anderem von den einzelnen Staaten, den Arzneimitteleinsatz zu regulieren, sowie mehr Forschung.
Für die 53 Mitgliedsländer der WHO-Europaregion existiert keine gemeinsame Statistik über Todesfälle durch Antibiotikaresistenzen. Die Lage sei jedoch häufig «noch schlimmer» als in der EU, weil es in zahlreichen Staaten keine regulierte Anwendung antibiotischer Medikamente gebe.
Als Negativbeispiel erwähnt die WHO, dass Antibiotika in 14 von 21 osteuropäischen Ländern ohne ärztliches Rezept frei verkäuflich sind. Das würden unter anderem Landwirte nutzen, die ihren Tieren Antibiotika prophylaktisch verabreichten. Zahlreiche Ärzte würden Antibiotika außerdem «leichtfertig und unangemessen» zur Behandlung von Virus-Infekten wie Grippe und simplen Erkältungen verschreiben, obwohl diese gar nicht damit behandelt werden könnten.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=37501&Nachricht_Title=Nachrichten_WHO+schl%E4gt+Alarm%3A+Die+Welt+ohne+Antibiotika&type=0&folder_id=37352
Kommentar & Ergänzung:
Ich bin weit davon entfernt, ein fundamentalistischer Antibiotikafeind zu sein. Diese Medikamente sind zu wichtig für pauschale Feindbild-Spielchen.
Gerade wer den Wert dieser Arzneimittelgruppe erkennt muss aber tief besorgt sein über die gegenwärtige Entwicklung. Und es scheint, dass auch die seit vielen Jahren ertönenden Warnungen vor dem unkontrollierten Antibiotika-Einsatz ohne grosse Wirkung verpuffen.
Nötig wären schärfere Regeln und Kontrollen in der Landwirtschaft, in der Veterinärmedizin und in der Humanmedizin.
In Teilbereichen, in denen Antibiotika weder nötig noch sinnvoll sind, könnten auch Heilpflanzen-Präparate als Alternative eine Rolle spielen.
Allerdings haben wir es hier mit einem weltweiten Problem zu tun.
Ich bin oft in China unterwegs und bin immer wieder entsetzt, wie dort ziemlich routinemässig Antibiotika ohne Rezept in Apotheken verkauft werden bei Indikationen, die einfach unsinnig sind. Eine sorgfältige Diagnostik muss Basis jeder Antibiotika-Therapie sein.
Das ist allerdings wohl nicht so einfach realisierbar in Ländern, in denen grosse Teile der Bevölkerung sich eine ärztliche Behandlung nur im Notfall leisten können.
Es ist daher sehr zu begrüssen, dass die WHO das Thema Antibiotikaresistenzen mit Nachdruck auf die Traktandenliste setzt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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