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Studie untersucht Bärentraubenblätter als Alternative zu Antibiotika bei Blasenentzündung

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Die Universität Göttingen untersucht ab August in einer klinischen Studie, ob Bärentraubenblätter bei Blasenentzündungen eine Alternative zu Antibiotika sein können. Sie kooperiert dazu mit der Universität Bremen und der Medizinischen Hochschule Hannover. Vorerst müssen etwa 430 Frauen für die Teilnahme rekrutiert werden. Mit Resultaten wird in zwei Jahren gerechnet.

Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Medizinisch werden Blasenentzündungen bisher mit Antibiotika behandelt. Je häufiger Antibiotika jedoch eingesetzt werden, desto grösser wird das Risiko von Resistenzen. Die Bakterien können sich verändern und soweit unempfindich gegen Antibiotika ewerden, dass diese ihre Wirksamkeit verlieren. Bei leichten Blasenentzündungen können Patientinnen zwar auch ein Schmerzmittel nehmen. Die Universität ist aber der Ansicht, dass Bärentraubenblätter eine natürliche Alternative sein könnten und will dem nun mit dieser Studie auf den Grund gehen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=70743

Kommentar & Ergänzung:

Ich warte jetzt schon gespannt auf die Ergebnisse dieser Studie. Interessant zu wissen wäre noch, in welcher Form Bärentraube untersucht wird. Bärentraubenblättertee? Wohl kaum. Bärentraubenblättertee ist geschmacklich ziemlich auffällig – um es neutral zu sagen. Da wäre es kaum möglich, ein Placebo für die Kontrollgruppe zu kreieren, das vom Bärentraubenblättertee nicht unterscheidbar ist. Es wird wohl ein Bärentraubenblätterextrakt zu Anwendung kommen, der in ein Dragees verarbeitet werden kann und sich auf einen konstanten Arbutingehalt einstellen lässt. Nach Angaben der Phytotherapie-Fachliteratur sollte die Tagesdosis an Arbutin für die Behandlung einer akuten Blasenentzündung bei 400 – 840 mg liegen.

Mit 430 geplanten Probandinnen scheint es sich um eine Phase II-Studie zu handeln. Das ist erfreulich, denn oft werden Heilpflanzen-Präparate nur mit ein paar Dutzend Probanden auf dem Level von Pilotstudien untersucht, die keine Wirksamkeit belegen können. Die Meldung zeigt aber auch, dass solche Phase II-Studien aufwändig und teuer sind. Der Betrag von 1,5 Millionen Euro, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung beisteuert, belegt das eindrücklich. Für Phytopharmaka ist es normalerweise nicht so einfach, Fördermittel in dieser Grössenordnung zu bekommen und die Möglichkeiten der Hersteller übersteigen diese Beträge oft.

Ich kann mir vorstellen, dass die sich weltweit zuspitzende Problematik der Antibiotika-Resistenzen hier geholfen hat, dass entsprechende Fördermittel bewilligt wurden.

Die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) wächst in höheren Lagen auf der gesamten nördlichen Hemisphäre. In Europa kommt sie von der Iberischen Halbinsel über ganz Mitteleuropa bis Skandinavien vor. In östlicher Richtung ist sie Sibirien, zum Altai und Himalaja verbreitet.

In der Schweiz ist die Bärentraube in relativ grossen Beständen im Wallis und im Oberengadin anzutreffen. Wir finden sie auf unseren Kräuterwanderungen aber oft auch in den Nordalpen, zum Beispiel in Lenk, Mürren, Trin / Flims, Kandersteg und Feldis. Sie werden in diesen Regionen manchmal übersehen, weil sie quasi im Meer der Preiselbeer-Sträucher untergehen, die bei oberflächlichem hinschauen ein ähnliches Bild geben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Thymian als Antibiotikum bei Infekten?

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Unter dem Titel „Pflanzliche Antibiotika bei Infekten & Co“ berichtet die „Carstens-Stiftung“ über Alternativen zu Antibiotika aus der Phytotherapie.

Das ist ein sehr interessantes Thema und die „Carstens-Stiftung“ weißt zu Recht auf die grossen Probleme hin, die der leichtfertige Einsatz von Antibiotika mit sich bringt. Die Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit dramatisch zu:

„Das ist auch der Grund, warum jedes Jahr Hunderttausende in Krankenhäusern an Infekten sterben, die durch antibiotikaresistente Keime verursacht werden, und die Zahl der resistenten Bakterien nimmt stetig zu. Die Wissenschaftler forschen weltweit nach Alternativen und finden diese in der Natur.“

Der Artikel stellt dann beispielhaft „einige pflanzliche Antibiotika“ vor, „deren Wirkung wissenschaftlich zum Teil nachgewiesen werden konnte.“

Von diesen Beispielen möchte ich hier den Abschnitt über Thymian herausgreifen und kommentieren:

„Wissenschaftler wiesen die keimtötende Wirkung von Thymian in einer Versuchsreihe mit Streptococcus pyogenes nach. Diese Bakterien sind Hauptverursacher von Mandelentzündungen. Durch die Zugabe von Thymian verringerte sich ihre Zahl drastisch. Der Effekt ist nahezu vergleichbar mit dem eines Antibiotikums wie Amoxicillin. In einer weiteren Studie fanden Forscher heraus, dass Mundspülungen, die Thymian enthielten, ebenfalls die Zahl der schädlichen Bakterien stark dezimieren und so Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches lindern. Auch bei Bronchitis, Husten, fieberhaften Infekten und Grippe kann Thymian helfen: Das ätherische Öl des Thymians löst sogar festsitzenden Schleim in den Atemwegen, wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, krampflösend und schweißtreibend. Thymian gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: als Öl, Körperöl, Pastillen, Saft, Tropfen, Erkältungsbad, Salbe oder Tee.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/pflanzliche-antibiotika-bei-infekten.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin mit der Stossrichtung dieser Beschreibung einverstanden. Thymian zeigt in vielen Experimenten gute Wirkungen gegen Bakterien.

Allerdings ist diese Aussage recht ungenau. Bei dieser „Versuchsreihe mit Streptococcus pyogenes“ und beim Vergleich mit dem Antibiotikum Amoxicillin handelt es sich um Untersuchungen im Labor. Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit wurde dabei nicht „Thymian“ (als Thymiankraut) zugegeben, sondern das ätherische Thymianöl oder sein Hauptbestandteil Thymol – und das ist ganz und gar nicht das selbe wie „Thymian“, weil die Konzentration der antibakteriellen Wirkstoffe dadurch viel höher ist. Wenn da also zur Wirkung gegen Streptococcus pyogenes geschrieben steht: „Durch die Zugabe von Thymian verringerte sich ihre Zahl drastisch“, so ist das irreführend.

Auch die Aussage: „Der Effekt ist nahezu vergleichbar mit dem eines Antibiotikums wie Amoxicillin“, ist heikel, wenn nicht klar gesagt wird, dass es sich um ein Experiment im Reagenzglas mit Thymianöl oder Thymol handelt. Leserinnen und Leser ziehen dann nämlich möglicherweise den Schluss, dass Thymian bei Infektionen im menschlichen Organismus „nahezu vergleichbar“ mit dem Antibiotikum Amoxicillin wirkt. Dann könnte man auch auf die Idee kommen, bei einer Infektion Amoxicillin durch Thymiantee zu ersetzen. Es gibt aber keinerlei Hinweise darauf, dass „Thymian“ systemisch gegeben bei einer Infektion antibiotisch wirkt. Im Labor an Bakterienkulturen lassen sich mit vielen ätherischen Ölen eindrückliche antibakterielle Effekte zeigen. Dort trifft das ätherische Thymianöl direkt mit den Bakterien zusammen – face to face quasi. Die Situation im „Biotop“ Mensch sieht aber sehr anders aus. Bereite ich mir einen Thymiantee, geht schon mal nur ein Teil des wasserscheuen ätherischen Öls ins Teewasser über.

Wird dann trotzdem ätherisches Öl aus dem Verdauungstrakt aufgenommen, passiert es zuerst die Leber und wird dort möglicherweise umgebaut, damit die Nieren es ausscheiden können. Unwahrscheinlich, dass auf diesem Weg Konzentrationen im Organismus erreicht werden, die systemisch antibakteriell wirken und mit Amoxicillin vergleichbar sind.

Denkbar ist eine systemische antibakterielle Wirkung, wenn ätherische Öle konzentriert in magensaftresistenten Kapseln eingenommen werden, zum Beispiel als Gelomyrtol / Gelodurat, einer Kombination von Eukalyptusöl mit verschiedenem anderen ätherischen Ölen. So können relevante Mengen an ätherischem Öl peroral zugeführt werden. Dass davon ein gewisser Teil die Leber „übersteht“ zeigt sich darin, dass nach der Einnahme die Atemluft nach Eukalyptusöl riecht. Eine antibakterielle Wirkung in den Atemwegen ist so denkbar, vielleicht sogar eine antibakterielle Wirkung in den Harnwegen, wenn Bestandteile des ätherischen Öls dort ausgeschieden werden (das ist aber reine Spekulation). Aber auch bei der hochdosierten Einnahme von ätherischem Öl in Kapselform dürfte eine antibakteriell wirksame Konzentration nur in den Ausscheidungswegen (Atemwege, vielleicht Harnwege) erreichbar sein, nicht systemisch im ganzen Organismus.

Denkbar sind zudem antibakterielle Wirkungen von Thymianöl bei Anwendung als Inhalation.

Fazit: Viele ätherische Öle zeigen antibakterielle Wirkung, doch braucht es dazu eine gewisse Mindestkonzentration, die wohl nur erreicht wird bei örtlicher Anwendung auf Haut oder Schleimhaut. Wie Thymianöl im ganzen Körper antibiotisch gegen Infekte wirken soll, ist unklar.

Die Phytotherapie schreibt dem Thymian eine auswurffördernde Wirkung bei Husten zu. Auch hier ist es aber entscheidend, eine wirksame Anwendungsform einzusetzen.

Der Nutzen einer Anwendung von Thymian bei „fieberhaften Infekten und Grippe“, wie sie der Text empfiehlt, ist unklar. Was soll damit erreicht werden? Bekämpfung der Grippeviren oder Rhinoviren? Thymianöl wirkt zwar im Labor auch gegen Viren (z. B. gegen Herpes-Viren), doch stellt sich auch die Frage, ob eine wirksame Konzentration im ganzen Organismus erreicht werden kann. Das ist eher fraglich….

Und eine schweisstreibende Wirkung von Thymian taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends auf.

 

Meiner Ansicht nach wäre es klarer, im Zusammenhang mit Heilpflanzen-Anwendungen von antimikrobiellen, antibakteriellen, antimykotischen oder antiviralen Mitteln zu sprechen, aber nicht von „pflanzlichen Antibiotika“. Dieser Begriff ist mir zu aufgeplustert und weckt falsche Erwartungen. Seht her, wir haben auch Antibiotika aus der Natur, ganz sanfte, ohne Nebenwirkungen und Resistenzbildung…..

Das schliesst aber nicht aus, dass man in bestimmten, begrenzten Bereichen Antibiotika durch antibakterielle Heilpflanzen-Anwendungen ersetzen kann und vielleicht manchmal auch soll. Die Grenzen sollten jedoch auch abgesteckt werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

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Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gemeinsame Strategie gegen Antibiotika-Resistenzen

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Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen bringt die Politik alle Beteiligten in ein Boot. Zudem werden Kooperationen in der Forschung unterstützt.

2001 hat die Weltgesundheits-Organisation (WHO) eine globale Strategie zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen publiziert, die in den EU-Ländern in unterschiedlichem Maße umgesetzt wurde.

16 Berater einigten sich im August 2010 im Namen der WHO auf einen strategischen Aktionsplan für Europa mit sieben Punkten.

Um die Resistenzentwicklung zu bremsen und neue Antibiotika zu entwickeln, ist die Einbindung aller beteiligten Bereiche im sogenannten „One-HealthAnsatz“ nötig: Humanmedizin, Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Umwelt.

Denn 2013 wurden mit 1452 Tonnen doppelt so viel Antibiotika an Tierärzte abgegeben wie im humanmedizinischen Bereich.

Erst seit dem Jahr 2011 werden die Antibiotikaabgaben in der Veterinärmedizin erfasst.

Dabei existiert ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Antibiotikaeinsatz bei Zuchttieren und Resistenzen von Salmonellen und Campylobacter, aber auch MRSA-Keimen. Zudem mehren sich die Hinweise für eine Assoziation mit ESBL-Keimen.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die WHO bezüglich Förderung der Forschung.

Es braucht zuverlässige Diagnosetests, die breit und schell verfügbar sind, um Antibiotika gezielter einzusetzen, sowie neue Antibiotika und insbesondere neue Antibiotikaklassen.

In den letzten 30 Jahren sind nur zwei wirklich neue Antibiotikaklassen dazugekommen, Oxazolidinone und zyklische Lipopeptide. Sie sind aber beide nur wirksam gegen grampositive Bakterien.

Die Entwicklung neuer Antibiotika kostet viel Geld, bringt aber nicht entsprechende Gewinnaussichten. Forschung in diesem Bereich ist daher für Pharmafirmen nicht sonderlich attraktiv.

Bund und EU-Kommission setzen zwecks Förderung der Forschung in diesem Bereich nun verstärkt auf Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Industrie (Private Public Partnership). Beispiele dafür sind „New Drugs 4 Bad Bugs“ (ND4BB), gefördert von der Europäischen Kommission, und „InfectControl 2020″, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/atemwegskrankheiten/article/893912/one-health-ansatz-gemeinsam-antibiotika-resistenzen.html?sh=13&h=1911711750

 

Kommentar & Ergänzung:

Er geht besorgniserregend langsam, dieser Kampf gegen die Antibiotika-Resistenzen.

Siehe auch:

Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

Warnung vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen

WHO schlägt Alarm wegen Antibiotikaresistenzen

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz

Heilpflanzen-Anwendungen können in vielen Anwendungsbereichen Antibiotika nicht ersetzen. Die Medizin braucht wirksame Antibiotika.

In manchen Fällen sind aber Antibiotika-Gaben schlicht unnötig und unsinnig, zum Beispiel bei viralen Erkrankungen. In genau begrenzten Situationen kann mit Heilpflanzen-Anwendungen darum durchaus ein Antibiotika-Einsatz vermieden werden.

Siehe beispielsweise:

Akute Bronchitis: Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika

Nicht sofort die Antibiotika-Keule

 

Ätherische Öle gegen Antibiotika-resistente Bakterien

Antibiotika bei Sinusitis: Nutzen in Frage gestellt

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Ätherische Öle gegen Bakterien

Senfölglykoside hemmen multiresistente-Erreger (MRSA)

 

 

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Menschen werden nicht resistent gegen Antibiotika, Bakterien schon….

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Die Gratiszeitung „20Minuten“ berichtet über interessante Forschungsarbeiten an der Universität Bern. Ein internationales Wissenschaftlerteam unter Berner Leitung hat eine Substanz entwickelt, um bakterielle Infektionen ohne Einsatz von Antibiotika zu behandeln.

Falls daraus tatsächlich ein wirksames Medikament gegen bakterielle Infektionen entwickelt werden kann, wäre das ein Beitrag gegen die weltweite Zunahme von Antibiotika-Resistenzen.

„20Minuten“ kolportiert in diesem Artikel allerdings ein weit verbreitetes Missverständnis:

„Ist eine Person gegen Antibiotika resistent, können auch simple Infektionen wie etwa Lungenentzündungen tödlich enden.“

Quelle:

http://www.20min.ch/wissen/news/story/25208370

Personen werden nicht resistent gegen Antibiotika. Bakterien können resistent werden. Das ist ein wesentlicher Unterschied, weil resistent gewordene Bakterien diese Fähigkeit an ihre „Nachkommen“ weitergeben. Die entstandene Resistenz „hängt“ daher nicht an dieser Person. Die Bakterien nehmen die Resistenz mit, wenn sie sich weiter verbreiten und andere Personen befallen.

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USA: Steigender Verbrauch von Antibiotika in der Tierzucht

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In den USA nimmt der Verbrauch von Antibiotika in der Tierzucht weiter zu – von 2009 bis 2012 um 16 Prozent. Die für medizinische Anwendungen wichtigen Wirkstoffe dürfen in den USA auch eingesetzt werden, um das Wachstum der Tiere zu beschleunigen. Die übermässige Anwendung von Antibiotika fördert die Entwicklung von Resistenzen bei Krankheitserregern. Laut der „New York Times“ bleiben die von der Lebensmittelbehörde FDA erlassenen Beschränkungen bis jetzt folgenlos.

Quelle: NZZ am Sonntag, 5. Oktober 2014

Kommentar & Ergänzung:

Ein Risiko der übermässigen Anwendung von Antibiotika in der Tiermast besteht darin, dass mehr und mehr Antibiotika ihre Wirksamkeit auch beim Menschen einbüssen.

Und weil sich Antibiotika-Resistenzen weltweit ausbreiten, wäre es ein dringendes Gebot der Risikominimierung, den Antibiotikaverbrauch in Landwirtschaft und Agrarindustrie strikt auf Situationen einzugrenzen, in denen ein Tier diese Arzneimittel wegen einer Erkrankung nötig hat – in Amerika, Europa, China, weltweit.

In der EU ist die Anwendung von Antibiotika als Mastbeschleuniger seit dem 1. 1. 2006 verboten. Der Tierarzt und ehemalige Leiter des Veterinäramts im Landkreis Cloppenburg Dr. Hermann Focke vermutet aber, dass dieses Verbot massiv umgangen wird:

„Der Einsatz von Antibiotika als so genannte Leistungsförderer – treffender als Masthilfsmittel oder Mastbeschleuniger bezeichnet – ist seit dem 1.1.2006 EU-weit verboten. Diese bis Ende 2005 häufig geübte Praxis hätte daher in den folgenden Jahren zu einem drastischen Umsatzrückgang bei den Veterinärantibiotika führen müssen. Das Gegenteil war aber der Fall. Im ersten Jahr nach dem Inkrafttreten des Verbots stieg 2006 der Umsatz von Antibiotika in Deutschland um 7 Prozent und im folgenden Jahr noch einmal um 9,2 Prozent. Die bis Ende 2005 zugelassenen antibiotischen Leistungsförderer spielen heute praktisch keine Rolle mehr. Stattdessen werden oft die für die therapeutische Anwendung zugelassenen Antibiotika verwendet. Sie werden den, wohlgemerkt, gesunden Tieren in geringerer, also nicht therapeutischer Dosierung verabreicht. So wird zum Beispiel die für eine Heilbehandlung von fünf Tagen vorgegebene Antibiotikamenge auf 15 Tage gestreckt, nur um die Mastergebnisse zu verbessern.“

Quelle: http://www.geo.de/GEO/natur/massentierhaltung-antibiotika-in-der-tiermast-viertel-nach-zwoelf-70654.html

 

Die Schweiz ist von diesem Problem genauso betroffen

„Bei rund der Hälfte der rund 260’000 Kälber, die in der Kalbfleisch-Produktion in der Schweiz gemästet werden, müssen Antibiotika regelmässig eingesetzt werden, um die Tiere gegen Krankheiten zu behandeln und vor Infektionen zu schützen Dieser massive, tonnenweise Einsatz von Antibiotika ist durch das System der Zusammenführung der Tiere in Mastgruppen und deren Haltung begründet.

Werden Kälber von verschiedenen Bauernhöfen aufgekauft und in Mastbetriebe gebracht, kommen mit den Tieren unterschiedlicher Herkunft auch die Bakterien von verschiedenen Höfen zusammen. Stress durch den Transport und das massenweise Zusammentreffen mit unbekannten Artgenossen vermindern zudem die Widerstandskraft der Kälber gegen Krankheiten.

Weil das Immunsystem junger Kälber noch schwach ist, erkranken sie deshalb häufig, wenn sie mit neuen Keimen in Kontakt kommen: Solche Infektionen führen zu starker Schwächung der Tiere und oft sogar zum Tod.

Um Verluste zu vermeiden, werden die kranken Tiere nicht isoliert, sondern es wird meist gleich der ganze Bestand vorsorglich mit Antibiotika behandelt: So wird die Infektion der kranken Tiere bekämpft und die noch Gesunden werden vor Ansteckung geschützt.“

Quelle:

http://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/antibiotika-in-der-tiermast-gefahr-durch-die-hintertuer

 

Hermann Focke weist im selben Interview mit „Geo“ auf das spezielle Risiko hin, das mit dem langdauernden, präventiven Einsatz von Antibiotika in geringen (subtherapeutischen) Dosen verbunden ist:

„Durch die länger andauernde Verabreichung subtherapeutischer Dosen überleben nach dem Darwinschen Gesetz die vitalsten der bakteriellen Keime und bilden auf Dauer Resistenzen gegen die verabreichten Medikamente. Diese erworbenen Resistenzen werden nicht nur auf nachfolgende Bakterien-Generationen weitergegeben, sondern können durch verschiedene Formen des Gen-Austausches auch auf andere Arten von Bakterien übergehen und somit neue Resistenzträger hervorrufen.“

 

Wenn Nutztiere im Rahmen der agroindustriellen Tiermast nur mittels präventiver Antibiotika-Gabe überleben können, dann ist das kein überzeugendes Argument für die Antibiotika-Gabe, sondern ein starkes Argument für eine fundamentale Umgestaltung der Haltungsbedingungen. Dazu können Konsumentinnen und Konsumenten beitragen, indem sie tierische Nahrungsmittel nur aus tiergerechter Produktion akzeptieren. Allerdings kann an die Verantwortung auch nicht nur den einzelnen Konsumentinnen und Konsumenten zuschieben. Es braucht auch deutlich härtere gesetzliche Regelungen. Antibiotika-Gaben in der Veterinärmedizin sollten strikt nur noch bei Infektionen angewendet werden dürfen, die nicht anders zu behandeln sind. Jede präventive Behandlung von ganzen Beständen in der Massentierhaltung müsste streng verboten werden. Auch in der Humanmedizin werden Antibiotika nur in ganz speziellen Situationen präventiv eingesetzt.

Ein Verbot präventiver Antibiotika-Verabreichung würde wohl die Existenz mancher Tiermast-Betriebe in Frage stellen, doch ist das kein starkes Argument, wenn auf der anderen Seite durch ein Verbot das Tierwohl geschützt und die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen reduziert werden.

 

Antibiotika sind als Medikamente viel zu wichtig, als dass man ihre Wirksamkeit derart fahrlässig aufs Spiel setzen dürfte.

 

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Antibiotika in der Tierhaltung begünstigen gesundheitsgefährdende Bakterien und schädigen die Nützlichen

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Forscher des Helmholtz Zentrums München konnten zeigen, dass Antibiotika, die in der Tierhaltung eingesetzt werden und über die Gülle in die Umwelt gelangen, die Zusammensetzung von Bakterien in Böden beeinflussen. Die Untersuchung galt dmn Wirkstoff Sulfadiazin (SDZ), einem weit verbreiteten Tierantibiotikum. Die Wissenschaftler beschreiben im Fachjournal PLoS ONE, dass bereits nach dreimaligem Ausbringen kontaminierter Gülle eine deutliche Abnahme nützlicher Bodenbakterien feststellbar ist, während es gleichzeitig zu einer Zunahme an potentiell menschenpathogenen Mikroorganismen kommt.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht ist weit verbreitet. Die Auswirkungen dieser Praxis auf landwirtschaftlich genutzte Flächen, die mit der Gülle dieser Tiere gedüngt werden, ist daher von großem Interesse.

Die Forscher konnten nun die Befürchtung bestätigen, dass das Ausbringen von Antibiotika einen Einfluss auf die Zusammensetzung von Bodenbakterien hat. Sie fanden einen Rückgang von Bakterien, die für eine gesunde Bodenbeschaffenheit charakteristisch sind. Das sei ein Verlust an Fruchtbarkeit für die Böden führe auf lange Sicht zum Rückgang der Ernteerträge, erklärt Prof. Dr. Michael Schloter, Leiter der Abteilung Umweltgenomik am Helmholtz Zentrum München. Hinzu komme die Erkenntnis, dass die Anzahl der im Boden lebenden Mikroben, die für Menschen gesundheitsgefährdend sein können, unter den experimentellen Bedingungen zugenommen hat.

Die Zunahme an humanpathogenen Mikroorganismen in der Umwelt habe weitreichende Konsequenzen für die menschliche Gesundheit, sagt Schloter.

Menschen stehen in stetigen Kontakt mit diesen Mikroorganismen und entsprechend steige die Wahrscheinlichkeit, an Infektionen zu erkranken. Dies betreffe vor allem Atemwegs- und Lungenerkrankungen, da die Bakterien durch die Luft eingeatmet werden. Eine Vielzahl der Bakterien sei darüber hinaus gegen gängige Antibiotika resistent, was oftmals eine Behandlung erschwere. Der Wissenschaftler plädiert dafür, dass wir dringend ein verändertes Bewusstsein entwickeln sollten, was den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung betrifft.

Sulfadiazin (SDZ) zählt zur Antibiotikagruppe der Sulfonamide. Es findet hauptsächlich in der Tiermedizin Anwendung. Seine Wirkung basiert auf der Hemmung der Folsäuresynthese von Bakterien. Weil sich rasch Resistenzen entwickeln, kommen sie meistens in Kombination mit anderen Antibiotika zum Einsatz. Sulfadiazin ist wasserlöslich.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news580335

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0092958

Kommentar & Ergänzung:

Mein Eindruck ist, dass ich schon jahrelang  Meldungen höre, wie problematisch und gefährlich der hohe Antibiotikaeinsatz in der Tiermast ist, dass sich aber kaum grundsätzlich etwas ändert.

Siehe auch:

Warnung vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen

Grundsätzlich können hier natürlich Konsumentinnen und Konsumenten Einfluss nehmen, indem sie den Fleischkonsum reduzieren. Und wenn Fleisch, dann möglichst ausschliesslich von Tieren, die Antibiotika nur dann bekommen, wenn sie entsprechend krank sind – und nicht flächendeckend als Dauermedikation.

Solche individuellen Einflussnahmen reichen aber nicht aus. Ganz offensichtlich sind die Landwirtschaftslobbby und die Pharmalobby im Politbetrieb übervertreten. Das führt zu unverantwortlichen Entscheiden. Es braucht daher viel politischen Druck.

Organisationen, die sich für eine gesunde Landwirtschaft einsetzen, brauchen mehr Unterstützung.  Und bei Wahlen keine Stimmen mehr für uneinsichtige Lobbyisten.

Schauen Sie sich doch das Landwirtschaftsdossier der Partei genau an, die Sie zu wählen gedenken.

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Warnung vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen

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Zunehmende Antibiotika-Resistenzen seien ein grob unterschätztes Problem. Das schreiben Spitzenmediziner im britischen Fachmagazin „The Lancet“. Bereits innerhalb einer Generation könnten Routineeingriffe in Spitälern durch superresistente Keime zur tödlichen Gefahr werden, betonen sie in einer Sonderausgabe des Fachjournals zum Welt-Antibiotika-Tag.

Noch kaum je sei die moderne Medizin vor einer solchen Herausforderung gestanden, schreibt zum Beispiel die britische Gesundheitsbeauftragte Sally Davies in ihrem Beitrag. Ohne wirksame Antibiotika würden Behandlungen von kleinen Operationen bis zu großen Transplantationen unmöglich werden.

Die Mediziner sind sich in ihren Beiträgen einig,  dass die Todesraten ohne Gegenmaßnahmen aufgrund von Infektionen wieder auf das Niveau von vor hundert Jahren zurückfallen, also in die Vor-Penizillin-Ära.

Globales Handeln sei nötig, da die zu erwartenden „Superkeime“ sich nicht an Landesgrenzen halten würden.

Das Problem der Antibiotika-Resistenzen fordert nicht nur Gesundheitsbehörden und Mediziner heraus, sondern noch viel mehr die Landwirtschaft, die Antibiotika weiterhin flächendeckend in der Tierhaltung einsetzt.

Er mache sich Sorgen, dass er, wenn er in 20 Jahren für eine Hüftoperation ins Spital gehe, eine Infektion bekomme, die zu schwerwiegenden Komplikationen und seinem möglichen Tod führe, schreibt der britische Vizegesundheitsdirektor John Watson in seinem Beitrag.

Laufend werden neue resistente Bakterienstämme entdeckt. Das letzte neue Antibiotikum dagegen stammt aus dem Jahr 1987 – nicht zuletzt auch, weil Antibiotika für Pharmafirmen kein gutes Geschäft sind.

Gegenüber dem britischen „Independent“ fordert der Ärztevertreter Peter Swinyard Öffentlichkeitsarbeit und  ein Umdenken aufseiten der Patienten. Antibiotika nicht zu verschreiben sei für Mediziner im Alltag schwer. Der Patient sei unzufrieden und gehe einfach zu einem Arzt, der ihm die verlangten „Hämmer“ verschreibe.

„Die Leute müssen den Zusammenhang zu verstehen beginnen. Wenn Du die Ohrenentzündung vom kleinen Johnny mit Antibiotika behandelst, könnte seine Mama an Lungenentzündung sterben“, erklärt Swinyard gegenüber der Zeitung. Die Gesundheitsökonomin Joanna Coast vergleicht das Problem mit den Antibiotika-Resistenzen in der „Lancet“ mit dem Klimawandel – genauso bedeutsam und mit aus gegenwärtiger Sicht genauso unklaren Auswirkungen für die Zukunft.

Quelle:

http://orf.at/stories/2206847/2206849

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin in keiner Weise ein fundamentalistischer Antibiotika-Feind. Im Gegenteil:  Wir verdanken den Antibiotika sehr viel.

Gerade deshalb ist es aber unakzeptabel, wenn dieses Problem wider besseres Wissen seit Jahren ungelöst bleibt. Offenbar fehlt der politische Wille,  durch griffige Regeln für Abhilfe zu sorgen.

Dort wo Antibiotika wirklich notwendig sind, lassen sie sich meines Erachtens nicht mit Heilpflanzen-Anwendungen ersetzen.

Es gibt aber Bereiche, in denen Antibiotika unwirksam sind, zum Beispiel gegen virale Erkältungen. In solche Fällen sind Heilpflanzen-Anwendungen oft eine gute Alternative.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Wirkstoffkunde: Theaflavine aus Schwarztee

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Theaflavine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Polyphenolen gehören. Sie entstehen hauptsächlich bei der Fermentation von Grüntee zu Schwarztee aus den im Teeblatt enthaltenen Catechinen sowie bei der Verstoffwechselung von Catechinen in der Leber.

Aufgrund des vermuteten günstigen Einflusses von Theaflavinen auf die menschliche Gesundheit rückt diese Stoffgruppe zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Viele Polyphenole zeigen im Labor anitvirale Effekte

Manche Polyphenole können die Vermehrung von HIV-1 hemmen. In Experimenten mit Zellkulturen zeigten Theaflavine dahingehend ein höheres Potenzial als die ebenfalls für diesen Effekt bekannten Catechine, eine Stoffklasse, die für Grüntee charakteristisch ist (im Grüntee vor allem Epigallocatechingallat, EGCG). Theaflavine wie auch Catechine verhindern die Vermehrung des Virus, indem sie an dessen Oberflächenmolekül gp41 binden, welches das Virus braucht, um über den CD4-Rezeptor in seine Wirtszelle einzudringen.

Den Resultaten klinischer Studien zufolge können Theaflavine ausserdem sowohl den Cholesterinspiegel als auch die Menge des Low Density Lipoprotein im menschlichen Körper reduzieren.

Theaflavine scheinen zudem eine starke antibakterielle Wirkung zu besitzen. In Laboruntersuchungen an den Bakterien Stenotrophomonas maltophilia und Acinetobacter baumannii, welche inzwischen gegen viele Antibiotika Resistenzen entwickelt haben, zeigten sie sich sehr effektiv.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Theaflavine sind orangerot gefärbt und tragen zur Farbe des Schwarztees bei.

Zitronensaft hellt Schwarzen Tee auf, weil Theaflavine sich wie ein chemischer Indikator verhalten: Bei einem anderen pH-Wert der Umgebung absorbieren sie Licht anders und verleihen dadurch der Teefüssigkeit eine andere Farbe.

Theaflavine kommen nur in Schwarzem Tee vor und nicht in Grüntee Ihr Gehalt liegt meist bei 1-2 %.

Während Grüntee seit Jahren intensiv erforscht wird und ein hochgradig gesundes Image hat, wurde der Schwarztee meinem Eindruck nach vielleicht zu Unrecht viel weniger beachtet.

Siehe auch:

Grüntee oder Schwarztee?

Grüntee und Schwarztee – Schutz vor Schlaganfall?

Schwarztee senkt Blutdruck

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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