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Guarmehl bei Diabetes Typ 2

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Guarmehl wird aus den Samen der Guarbohne oder Büschelbohne (Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, einer Fabaceae. Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, die die Transitzeit der Nahrung im Darm verlängern. Zudem wird das zuckerspaltende Enzym α-Amylase durch Guarmehl gehemmt. Das reduziert Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit und Sicherheit von Guarmehl bei Diabetes Typ 2. Darüber hinaus beeinflusst die Einnahme den Gesamtcholesterol- und den LDL-Spiegel günstig. Allerdings kann Guarmehl den Insulineffekt verstärken. Wie für alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation gilt auch hier die Regel, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informieren sollte. Zudem ist es wichtig, dass er seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig misst.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169

 

Kommentar & Ergänzung:

Zum Guarkernmehl siehe auch:

Was ist Guar?

Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

Phytotherapie bei Diabetes Typ 2 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Garcinia cambogia – ein fragwürdiges Schlankheitsmittel

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Garcinia cambogia gehört zur Pflanzenfamilie der Clusiaceae und ist ein mittelgrosser, zwischen 5-20 Meter hoher, immergrüner Baum, der in Indien und Sri Lanka heimisch ist.

Extrakte aus den Früchten von Garcinia cambogia werden in zahlreichen Ländern als Schlankheitsmittel vermarktet.

Eine grosse Anzahl von Präparaten wird vor allem im Internet verbunden mit unrealistischen Erfolgsversprechungen beworben.

Der Pharmavista-Newsletter hat soeben dazu einen kritischen Text veröffentlicht:

„Der gewünschte Gewichts- und Fettverlust wird der Wirkung der Hydroxycitronensäure (HCA, hydroxycitric acid) zugeschrieben. Der HCA-Gehalt in Pflanzenextrakten kann bis 50% betragen. HCA hemmt die ATP-abhängige Citratlyase, welche im Fettstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Zurzeit fehlen allerdings aussagekräftige klinische Studien, welche die Wirksamkeit eindeutig bestätigen.“

In der Schweiz gibt es keine registrierten Produkte mit Garcinia cambogia.

In Frankreich darf die Pflanze in der Apotheke seit 2012 nicht mehr zur Produktion von Schlankheitsmitteln verwendet werden. Laut einem Expertenbericht wird Garcinia cambogia wegen seiner hypoglykämischen und hypolipämischen Eigenschaften als Medikament eingestuft. Die Pharmakovigilanz dieser Pflanze wurde verstärkt, das heisst: Sie steht unter verstärkter Beobachtung hinsichtlich allfällige Nebenwirkungen.

Es wird vermutet, dass Präparate aus Garcinia cambogia zu hepatischen und muskulären Nebenwirkungen sowie Konvulsionen führen können.

Der Text im Newsletter schliesst mit der Aussage:

„Produkte mit Garcinia cambogia, welche nicht der behördlichen Kontrolle unterliegen, werden weiterhin via Internet vertrieben. Vom Konsum wird jedoch strikt abgeraten.“

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4993&NMID=4993&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Fundierte Aussagen zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Garcinia cambogia sind in der Fachliteratur tatsächlich ausgesprochen rar.

Es gibt ein paar Laboruntersuchungen, die eine Wirksamkeit nahelegen:

„Hydroxycitronensäure (engl. hydroxycitric acid, HCA; 1,2-Dihydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure) wurde in verschiedenen tropischen Pflanzen nachgewiesen, z.B. in den citrusähnlichen Früchten der südostasiatischen Garcinia cambogia (Tamarinde) sowie Hibiscus subdariffa, einer Hibiskus-Art. Das Diastereomer (2S,3R)-HCA hemmt in vitro die α-Amylase der Bauchspeicheldrüse und die α-Glucosidase und damit den Kohlenhydrat-Metabolismus inklusive der nachgeschalteten Liponeogenese (Umwandlung von Kohlenhydraten in körpereigenes Fett). Es wird auch über eine Hemmung der ATP-abhängigen Citrat-Lyase (EC 4.1.3.6) berichtet. Die Citrat-Lyase katalysiert die Spaltung von Citrat in Oxalacetat und Acetyl-Coenzym A (AcCoA) im so genannten Citrat-Malat-Pyruvat-Cyclus. AcCoA ist als zentrale Stoffwechseldrehscheibe auch die Ausgangssubstanz für die Biosynthese von Fetten. Aufgrund dieser Laborbeobachtungen werden Garcinia cambogia-Extrakte und HCA als diätunterstützendes Nahrungsergänzungsmittel angeboten.“

Quelle: http://www.chemgapedia.de/vsengine/glossary/de/hydroxy_00045citronens_00228ure.glos.html

Laboruntersuchungen sagen aber noch kaum etwas darüber aus, ob die im Reagenzglas festgestellten Effekte auch im menschlichen Körper in vergleichbarer Weise auftreten.

Und solide klinische Untersuchungen an Menschen existieren nicht.

Interessant ist der Hinweis auf Hydroxycitronensäure in Hibiscus sabdariffa („subdariffa“ ist wohl ein Druckfehler), der Karkade (Afrikanische Malve). Für diese Pflanze gibt es nämlich passend dazu Hinweise auf hypolipämische Effekte (allerdings aus Tierexperimenten):

Hibiskus (Karkade) gegen erhöhtes Cholesterin

Zu möglichen Nebenwirkungen von Hydroxycitronensäure schreibt Chemgapedia:

„Aufgrund der strukturtellen Ähnlichkeit mit der Stammverbindung Citronensäure ist es wahrscheinlich, das HCA in erhöhten Dosierungen ebenfalls als Chelatbildner fungiert und somit die Resorption essentieller Mineralstoffe und Spurenelemente stört.“

In den USA warnte die Food and Drug Administration (FDA) bereits im Jahr 2009 vor Garcinia-cambogia-haltigen Präparaten aufgrund von Fallberichten über Leberschädigungen.

Siehe zum Beispiel hier:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3952288/

Fallberichte belegen allerdings noch keinen ursächlichen Zusammenhang.

Trotzdem ist es schon erstaunlich, mit welch grossartigen Versprechungen Präparate vermarktet werden, bei denen weder Wirksamkeit noch Sicherheit geklärt sind.

Dazu kommt noch, dass im Internet jede Qualitätskontrolle fehlt: Konsumentinnen und Konsumenten haben keinerlei Gewissheit, dass in den Präparaten auch drin ist, was drauf steht – und dass nur drin ist, was drauf steht.

Jedenfalls gibt es immer wieder angeblich rein pflanzliche Schlankheitsmittel, die riskante Appetitzügler wie Sibutramin enthalten.

Zum Beispiel:

Kriminelle, „rein pflanzliche“ Schlankheitsmittel im Internet

Angeblich pflanzliche Potenzmittel und Schlankheitsmittel mit unerlaubten Wirkstoffen

Warnung vor illegalem Schlankheitsmittel „Ultra-effect“

Angeblich pflanzliche Schlankheitsmittel mit gefährlichen Inhaltsstoffen

Warnung vor chinesischem Schlankheitsmittel

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Schwarztee hemmt Karies

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Das Magazin „Focus“ stellt 10 Irrtümer über Zahnpflege richtig.

Irrtum Nr. 10: „Teetrinken schadet den Zähnen“.

Zitat:

„Schwarzer Tee kann zwar zu unschönen Verfärbungen führen. In dem aromatischen Getränk stecken aber äußerst zahnfreundliche Stoffe. Dazu gehören neben Fluor auch die sogenannten Tannine. Diese Bitterstoffe hemmen das Enzym Amylase, das im Speichel vorhanden ist und Stärke zu kariesförderndem Zucker umwandelt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/irrtuemer/teetrinken-ist-schlecht-fuer-die-zaehne_aid_15608.html

Kommentar & Ergänzung:

Stimmt wahrscheinlich, dass Schwarztee karieshemmend wirkt, jedenfalls wenn man ihn regelmässig trinkt. Allerdings lösen sich die Tannine nur langsam im Teewasser und man muss den Schwarztee daher lange ziehen lassen, um einen hohen Tannin-Gehalt zu bekommen (8 – 10 Minuten). Ein Genusstee ist das dadurch entstehende Getränk für die meisten Menschen dann aber wohl kaum mehr. Je bitterer der Schwarztee, desto höher der Tannin-Gehalt und desto höher die karieshemmende Wirkung.

Die karieshemmenden Tannine im Schwarztee bewirken zwar eine bittere Geschmacksempfindung, laufen phytotherapeutisch allerdings nicht unter der Wirkstoffgruppe „Bitterstoffe“, sondern unter „Gerbstoffe“. Sie verbinden sich mit Eiweiss. Und weil das Enzym Amylase auch zu den Eiweissen gehört, ist ein karieshemmender Effekt auf diesem Weg denkbar.

Gerbstoffe aus Schwarztee (und aus Grüntee) hemmen zudem die Gluconyltransferase. Mit diesem Enzym produziert das Kariesbakterium Streptococcus mutans Dextrane. Die klebrigen Dextrane helfen dem Bakterium, sich an der spiegelglatten Zahnoberfläche festzumachen. Mindestens ein Teil der Antikaries-Wirkung von Schwarztee und Grüntee dürfte also darauf zurückzuführen sein, dass die plaquebildenden Kariesbakterien weniger gut anhaften können.

Dass Teetrinker weniger unter Karies leiden, dafür sprechen mehrere epidemiologische Studien, wobei meines Wissens vor allem Grüntee erfasst wurde.

Solche Studien haben aber immer einen Haken:

Wenn bei Grüntee-Trinkern weniger Karies auftritt

( = Korrelation, gleichzeitiges Auftreten von zwei Faktoren: Hoher Grünteekonsum, wenig Karies),

…..dann heisst das noch nicht, dass weniger Karies wegen dem Grünteekonsum auftritt (Kausalität).

Es könnte sein, dass ein dritter, unbeachteter Faktor mitspielt, der für den verminderten Kariesbefall verantwortlich ist.

Beispiel: Grünteetrinker konsumieren vielleicht weniger zuckerhaltige Cola. Für den tieferen Kariesbefall könnte dann der Wegfall von Cola-Getränke auslösend sein, und nicht der Grünteekonsum.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Diabetes

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An einem wissenschaftlichen Seminar zum Thema Phytotherapie im Hamburg resümierte Professor Dr. Matthias Melzig von der Freien Universität Berlin den Stand des Wissens zum Wirksamkeit von Heilpflanzen in der Diabetes-Therapie.

Dabei kam auch Guar zur Sprache. Die Wirksamkeit und Sicherheit eines Guar-Präparates seien durch klinische Studien belegt.

Guar wird aus den Samen der Guarbohne (auch Büschelbohne, Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, eine Pflanzenart aus der Familie der Fabaceen.

Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, welche die Transitzeit der Nahrung verlängern. Sie sollen das zuckerspaltende Enzym α-Amylase hemmen und dadurch die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten vermindern.

Die Einnahme von Guar wirkt sich aber auch positiv auf das Gesamtcholesterol und den LDL-Spiegel aus. Allerdings kann Guar auch den Insulineffekt verstärken. Wie bei alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation ist es wichtig, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informiert. Darüber hinaus sollte der diabeteskranke Mensch seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig messen.

Widersprüchliche Ergebnisse gebe es zur Gartenbohne (Phaseolus vulgaris, ebenfalls eine Fabaceae) in Bezug auf die Samenschalen. Die Bohnensamen können sich aber günstig auf den postprandialen Blutzucker auswirken. Für eine ausdrückliche Empfehlung fehlen aber gemäss Melzig noch Daten. Ähnliches gelte für frische Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus, Ericaceae). Vermutlich müssen große Mengen Beeren oder Bohnen gegessen werden, um deutlich spürbare Effekte zu erzielen.

Positiv beurteilte Melzig die Bockshornkleesamen (Trigonella foenum-graecum, Fabaceae). In China und Indien wird Bockshornklee seit Jahrtausenden bei Stoffwechselerkrankungen angewendet, auch bei Diabetes. Er reduziert den Nüchternblutzucker und den postprandialen Blutzucker. Allerdings sind dafür 25 Gramm Bockshornkleesamen pro Tag nötig, was speziell zu Beginn der Behandlung zu Durchfall und Flatulenz führen kann. Genau wie bei Guar sollte auch bei Bockshornkleesamen ein zeitlicher Abstand von mindestens 30 Minuten zur vorherigen Medikamenteneinnahme eingehalten werden, damit diese anderen Arzneimittel gut resorbiert werden können.

Von anderen Heilpflanzen riet Melzig vorerst ab wegen fehlender Wirksamkeitsnachweise oder mangelnder Sicherheitsdaten.

So enthalte beispielsweise der Samen der Geißraute (Galega officinalis, Fabaceae) große Mengen Guanidin-Derivate, also Metformin-ähnliche Substanzen. Allerdings seien die Extrakte schwer standardisierbar.

Unter der Bittergurke (Momordica charantia, Cucurbitaceae) könne es sogar zu hypoglykämischem Koma und Lebertoxizität kommen.

Siehe auch:

Bittermelone / Bittergurke (Momordica charantia) gegen Diabetes?

Ein anderes Kürbisgewächs, die Scharlachranke (Coccinia grandis) aus der indischen Heilkunde, zeigte in klinischen Studien mäßiger Evidenz eine beträchtliche blutzuckersenkende Wirkung. Melzig riet trotzdem von der Scharlachranke ab, da nicht genügend toxikologische Daten vorlägen.

Wegen des vermutlich hohen Alkaloid-Gehalts sollte man auch besser auf die Anwendung des sogenannten »Zuckerzerstörers« bzw. der »Wunderfrucht« Gymnema sylvestre (Apocynaceae) aus der Aryuveda-Medizin verzichten.

Zwar nicht bedenklich, jedoch bislang ohne überzeugenden Wirksamkeitsnachweis bei Diabetes mellitus sind gemäss Melzig folgende Phytopharmaka einzustufen:

Ginseng (Panax Ginseng, Araliaceae)

Knoblauch (Allium sativum, Alliaceae)

Aloe vera (Aloe barbadensis, Alooideae)

Süßkartoffeln (Ipomoea batatas, Convolvulaceae)

Wachs-Jambuse oder Rosenapfel (Syzygium cumini, Myrtaceae)

Mariendistel (Silybum marianum, Asteraceae)

Russischer Estragon (Artemisia dracunculus, Asteraceae)

Nopal (Opuntia streptacantha, Cactaceae)

Wer die Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt habe wisse zudem, dass Zimt (Cinnamomum verum, Lauraceae) laut neueren Studien nicht besser als Placebo wirke. Noch fehle für die meisten Phytopharmaka die klinische Evidenz, um sie Diabetikern adjuvant empfehlen zu können, zum Beispiel den Russischen Estragon.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169

Kommentar & Ergänzung:

Die Diabetes-Therapie ist keine Stärke der Phytotherapie. Die Aussagen von Prof. Melzig stimmen sehr mit der Phytotherapie-Fachliteratur überein. Sinn machen können gewisse Polysaccharide vor allem aus Guar und Bockshornkleesamen, weil sie Blutzuckerspitzen abfangen. Darüber hinaus haben wir nicht viel Überzeugendes aus der Pflanzenwelt zur Verfügung.

Von den Heidelbeeren wurden früher gegen Diabetes die Blätter verwendet, nicht die Beeren, wie der Ausdruck „frische Heidelbeeren“ suggeriert. Heidelbeerblätter sind aber klarerweise ungeeignet zur Diabetestherapie.

Und bei Ginseng, Knoblauch, Aloe vera oder Mariendistel wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, sie gegen Diabetes zu empfehlen, Diese Heilpflanzen haben ganz andere Anwendungsbereiche, für welche ihre Wirksamkeit dokumentiert ist.

Zimt gegen Diabetes war vor einigen Jahren die grosse Entdeckung in diesem Bereich der Pflanzenheilkunde. Laboruntersuchungen an isolierten Geweben oder Zellen lassen eine günstige Wirkung plausibel erscheinen. Leider konnten die positiven Resultate einer ersten klinischen Patientenstudie aus Pakistan bisher nicht bestätigt werden, was die Wirksamkeit in Frage stellt.

Ernüchternd?

Möglicherweise schon.

Aber es scheint mir wichtig, nicht nur von tollen Erfolgen und grossartigen Heilungschancen zu berichten, sondern auch von Misserfolgen und Grenzen der Phytotherapie.

Meines Erachtens kann man diesen Punkt als Qualitätskriterium nehmen um Fachleute, Heilmethoden, Gesundheitszeitschriften etc. zu beurteilen:

Ist immer nur von Heilerfolgen die Rede und nie von Grenzen oder Misserfolgen, dann ist dies ein Hinweis für sehr selektive Wahrnehmung oder selektive Berichterstattung. Alle Heilmethoden und Heilmittel haben Grenzen und Misserfolge. Wäre das nicht so, gäbe es keine Krankheiten mehr.

Wenn nur von Heilerfolgen oder gar von sicheren Heilerfolgen berichtet wird, dann haben wir es wahrscheinlich mit einer Form von Missionarismus zu tun. Und diesem Phänomen begegnet man leider nicht selten im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin: Alles was die eigene Überzeugung zu stützen scheint, wird sofort kundgetan, während Fakten, welche die eigene Überzeugung in Frage stellen könnten, ignoriert oder sofort und ungeprüft vom Tisch gefegt werden (zum Beispiel indem jede Kritik als Verschwörung der bösen Pharmaindustrie diffamiert wird).

Das Leben besteht aber selten nur aus Schwarz und Weiss, auch nicht, wenn es um Gesundheit, Krankheit  und Heilung geht.

Seriös wäre es meines Erachtens beispielsweise, wenn in Gesundheitszeitschriften neben Erfolgsmeldungen und Heilungsversprechungen ebenso viel auch von Grenzen und Misserfolgen berichtet würde. Aber wer will so etwas schon lesen? Die Mehrzahl der Leserinnen und Leser will offenbar ausschliesslich wissen, was nützt. Grenzen und Misserfolge –Kritik also – interessieren viel weniger.  Wer so denkt nimmt allerdings in Kauf, einseitig informiert zu sein.

Grenzen und Misserfolge von Heilmitteln und Heilmethoden aufzuzeigen, ist zudem für die meisten Gesundheitszeitschriften nicht lukrativ, weil dadurch ein „negatives Werbeumfeld“ für Inserenten geschaffen wird. Die meisten Gesundheitszeitschriften sind aber  vollständig abhängig von den Inserenten – wie sollen sie da differenziert – also auch kritisch – berichten können.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde & Komplementärmedizin – Vom Wert des Zweifels

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

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Schlechte Schlankheitsmethoden: Die Apfelessig-Kur

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Das Magazin „Focus“ veröffentlichte vor kurzem eine Beschreibung der zehn schlechtesten Diäten. Zur „Apfelessig-Kur“ schreibt Focus:

„Morgens bereits ein Glas warmes Wasser mit einem Fingerbreit Apfelessig trinken, danach alle zwei Stunden wieder diese Mixtur zu sich nehmen – so lautet das simple Rezept dieser Abnehmmethode. Damit ist die strenge Apfelessig-Kur eigentlich eine Nulldiät. Entsprechend schnell purzeln die Pfunde. Außerdem führt Apfelessig ab, was das Abnehmen zusätzlich beschleunigt. Allerdings weist die Kur einige negative Nebenwirkungen auf: Wie alle Nulldiäten kann sie Herz und Kreislauf belasten, die Konzentration schmälern und zu Mangelzuständen führen.“

Heikel ist bei der Apfelessig-Kur zudem, dass der Organismus das Übergewicht überwiegend am falschen Ort eliminiert:

„Außerdem baut der Körper unter diesem Hungerstress vor allem Muskelmasse ab und nicht die störenden Speckpölsterchen. Zusätzlich kann der Essig auf Dauer empfindlichen Menschen Magenprobleme bereiten. Sodbrennen und im schlimmsten Fall eine Magenschleimhauentzündung können die Folgen sein.“

Auch die moderatere Form der Apfelessig-Diät sieht der Focus-Artikel kritisch:

„Eine modifizierte Form der Apfelessig-Diät sieht kalorienreduzierte Mischkost vor, wobei die Speisen wenn möglich mit Apfelessig zubereitet werden. Außerdem trinkt man dreimal täglich das Essig-Wasser-Gemisch. Doch auch hier kann es zu Problemen wegen Übersäuerung kommen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/abnehmen/tid-20983/abnehmen-die-zehn-schlechtesten-diaeten_aid_589657.html

Kommentar & Ergänzung:

Schlankheitsdiäten werden immer wieder mit reisserischen Schlagzeilen propagiert und halten kaum je, was sie versprechen. Daher ist es auch immer wieder einmal nötig, sie kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Der Beitrag auf Focus-online gibt dazu eine gute Übersicht.

Apfelessig ist ein altes Naturheilmittel, dem allerdings im Verlaufe der Zeit etwas gar umfassende Heilwirkungen zugeschrieben wurden.

Apfelessig besteht aus Wasser, Essigsäure und einigen Mineralstoffen (v. a. Kalium). Darüber hinaus bietet das hochgepriesende Allheilmittel allerdings kaum noch nennenswerte Inhaltsstoffe. Natürlich prägen verschiedene Aroma- und Geschmacksstoffe die jeweilige Essigsorte abhängig vom Ausgangsprodukt und machen den Essig in der Küche zu einem beliebten und unverzichtbaren Würzmittel.

Wikipedia schreibt zur medizinischen Anwendung von Apfelessig:

„Genau wie andere Essigsorten gilt Apfelessig als Mittel der Naturheilkunde. Anwendungsbereiche sind die Körperhygiene (Bad und Haarwäsche) sowie die Mundhygiene. Innerlich angewendet sollen „Essigtrunke“ eine Entgiftung und Entschlackung des Körpers bewirken und sogar zur Gewichtsreduktion beitragen. Bei äußerlicher Anwendung wird eine Heilung bei Akne, Schuppenflechte oder Hautverletzungen versprochen. Für die meisten genannten gesundheitlichen Wirkungen von Apfelessig und anderen Essigsorten gibt es jedoch mit Ausnahme der antibakteriellen Wirkung noch keine wissenschaftlichen Belege.

Genauere (seriöse) Studien zur Gewichtsabnahme existieren zwar nicht, es gibt jedoch denkbare Wirkungsmechanismen, wie Apfelessig sättigen kann. Die Säure stimuliert im Zwölffingerdarm die Produktion von Cholecystokinin, Säure hemmt die Amylase, was den Glykämischen Index senkt und die Mineralien verringern Appetit durch Mangelnährung. Ferner bewirken kaliumreiche Lebensmittel eine Entwässerung, was wiederum als Gewichtsverlust missverstanden werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass häufiger Konsum von Essig, bei dem es Kontakt mit den Zähnen gibt, sogar zu Zahnerosion führt.“

(Quelle: Wikipedia)

Nicht erwähnt werden im Wikipedia-Text die Essigsocken gegen Fieber, die allerdings nicht speziell den Apfelessig voraussetzen.

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