Artikel mit Schlagwort ‘Alterungsprozess’

Wechselwirkung zwischen Bocksdorn-Beeren (Goji-Beeren) und Vitamin-K-Antagonisten (Phenprocoumon, Warfarin)

Donnerstag, März 28th, 2013

Der Konsum von Nahrungsmitteln aus Beeren des Gemeinen Bocksdorn (Lycium barbarum, Synonym: Lycium halmifolium) kann bei Personen, die Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (beispielsweise Marcumar®) oder Warfarin (beispielsweise Coumadin®) einnehmen, einen lebensgefährlichen Anstieg der Blutungsneigung verursachen. Vor dieser Wechselwirkung (Interaktion) warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im aktuellen «Bulletin zur Arzneimittel­sicherheit». Grund für diese Warnung sind mehrere Fallberichte, in denen Ärzte einen starken Anstieg der INR-Werte von zuvor stabil auf einen Vitamin-K-Antagonisten eingestellten Patienten nach dem Konsum von Bocksdorn-Beeren beziehungsweise von daraus hergestellten Tee oder Saft melden.

Der Gemeine Bocksdorn oder auch Teufelszwirn gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceen), Seine Beeren werden seit Langem in der chinesischen Küche und in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet und sind auch als chinesische Wolfsbeeren oder Goji-Beeren im Handel. Ihnen werden verschiedene heilende beziehungsweise gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen, beispielsweise eine Stärkung des Immunsystems, des Herzens, eine Verminderung der Blutfettwerte und eine Hemmung des Alterungsprozesses. Gemäss Mitteilung des BfArM werden sie in Form von Tabletten, Tee, Saft oder Marmelade verstärkt auch in Europa verkauft.

Über welchen Mechanismus Bocksdorn-Beeren die Wirkung von Cumarinen steigern, ist noch ungeklärt. Als Wirkungsmechanismus diskutiert werden eine Blockade des Cytochrom-P-450-Isoenzyms CYP2C9, eine Wechselwirkung mit P-Glykoprotein, Absorption oder eine antikoagulatorische Wirkung der Bocksdorn-Beeren selbst. Auf Anregung des BfArM diskutiert jetzt der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA über die Aufnahme der Interaktion in die Produktinformationen der Vitamin-K-Antagonisten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=45849&Nachricht_Title=Nachrichten_Keine+Bocksdorn-Beeren+f%FCr+Marcumar-Patienten%21&type=0

Kommentar & Ergänzung:

In der traditionellen chinesischen Medizin werden Goji-Beeren bei verschiedenen Indikationen eingesetzt: Schwindel, Sehstörungen, Abnahme der Sehschärfe, nächtliches Schwitzen, Müdigkeit, Anämie usw.. Die empfohlene Dosis liegt zwischen 5g und 12g getrocknete Früchte täglich.

Es existieren eine ganze Reihe von pharmakologischen Studien mit Goji-Beeren, jedoch handelt es sich dabei meistens um in-vitro Studien ( = im Labor) in welchen antioxidative, immunmodulatorische, entzündungshemmende, lipidsenkende und leberschützende Eigenschaften festgestellt wurden. Die Ergebnisse sind zwar interessant, aussagekräftiger wären allerdings qualitativ hochstehende klinische Studien an Patienten.

Daran mangelt es aber noch.

Einzelne klinische Studien wurden nur mit einer kleinen Anzahl Teilnehmern durchgeführt. Dabei konnte allerdings eine deutliche Reduktion von Müdigkeit, Schlafproblemen, Schwindel und Appetitlosigkeit festgestellt werden. In einer Studie wurde auch der Nutzen als Adjuvans (unterstützendes Mittel) in der Tumorbehandlung im Rahmen einer Chemotherapie gezeigt.

Siehe dazu auch:

Pflanzenheilkunde: Was ist Goji?

Acai, Goji, Maqui, Wunderbeeren

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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“Better Aging” statt “Anti-Aging”

Dienstag, Oktober 9th, 2012

„Better Aging“ mit Ihrer Apotheke – so titelte vor ein paar Monaten eine Apothekenkunden-Zeitschrift. Was folgte war ein Artikel zur Hautpflege mit Vitalstoffkombinationen für anspruchsvolle Frauen jeden Alters.

Immerhin: „Better Aging“ gefällt mir besser als „Anti-Aging“. Älter werden wir alle unaufhaltsam – also was soll so ein dummes Schlagwort wie „Anti-Aging“? Vielleicht trägt ein Begriff wie „Anti-Aging“ einfach dazu bei, das Unvermeidliche etwas beiseite zu schieben.

„Better Aging“ akzeptiert wenigstens den naturgegebenen Alterungsprozess.

Und wer möchte nicht besser Älterwerden?

Alles paletti also?

Nicht ganz. Wenn ich mir so anschaue, was uns in Gesundheitszeitschriften alles an Methoden und Mittelchen mit grossem Nachdruck empfohlen wird für ein besseres Älterwerden, dann macht mich das schon fast krank. Mein Eindruck dazu ist, dass das Älterwerden zunehmend als behandlungsbedürftiger Lebensabschnitt dargestellt wird.

Zu dieser Medikalisierung einer Lebensphase tragen sowohl Medizin als auch Komplementärmedizin bei.

Selbstverständlich kann es beim Älterwerden Beschwerden geben, die Behandlung brauchen. Aber Älterwerden für sich genommen – ist keine behandlungsbedürftige Lebensphase.

Vielleicht 90% der angepriesenen Methoden und Mittelchen sind vollständig überflüssig und helfen vor allem den Herstellern und Verkäufern.

Ich empfehle selbst zwar gerne Heilkräuter, bin aber kein Propagandist, der allen Menschen egal wie krank oder gesund sie sind irgendwelche Naturheilmittel andrehen muss.

Dass es auch Situationen geben könnte, in denen man schlicht rein gar kein Mittelchen braucht, kommt manchen werbegeschädigten Konsumenten kaum mehr in den Sinn.

Viel mehr als Mittelchen und Methoden benötigt das Älterwerden eine bewusste Lebensgestaltung.

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In-vitro-Studie: Ginkgo schützt Nervenzellen

Donnerstag, März 3rd, 2011

Wenn Nervenzellen altern, vermindert sich die Aktivität ihrer Mitochondrien. Die Folge ist ein Energiemangel, der wiederum die Zellalterung der Neuronen und ein Nachlassen der Gehirnleistung fördert. Dieser Kreislauf lässt sich mit einem Ginkgo-Extrakt durchbrechen, wie Heidelberger Forscher in einem Zellmodell darlegen konnten.

Ein Merkmal des Älterwerdens ist, dass die Konzentration und andere kognitive Fähigkeiten nachlassen. Auslöser der abnehmenden Leistungsfähigkeit der Nervenzellen ist ein zunehmender Energiemangel, der durch Schäden der neuronalen Mitochondrien entsteht. Das haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg herausgefunden, die den Alterungsprozess von Neuronen im Zellmodell imitiert haben. Da Adenosin-Triphosphat (ATP), der universelle Energielieferant des menschlichen Organismus, in den Mitochondrien gebildet wird, handelt es sich dabei um einen sich selbst verstärkenden Effekt.

»Bisherige Zellkulturmodelle zur Untersuchung neurodegenerativer Prozesse hatten den Nachteil, dass in ihnen eine akute und schnelle Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels ausgelöst wurde. Das entspricht jedoch nicht der In-vivo-Situation, wo die Schädigung der Zellen langsam zunimmt«, erläuterte Professor Dr. Jürgen Kopitz vom Pathologischen Institut der Universität Heidelberg bei einer von der Firma Schwabe gesponserten Veranstaltung auf Mallorca. Kopitz und seinen Kollegen gelang es, in ihrem Zellmodell eine langsam akkumulierende moderate Schädigung von Neuroblastomzellen auszulösen.

Im Heidelberger Zellmodell wurde deutlich, dass sich bei ATP-Mangel in den Mitochondrien der Oxidationsschutz vermindert. Oxidativer Stress und Lipidperoxidation können in der Folge Membrane, Proteine und DNA der Zellorganellen schädigen. »Anders als die DNA im Zellkern, verfügt die mitochondriale DNA über keine Reparaturmechanismen«, erklärte Kopitz. In ihrem Modell ließen die Heidelberger Wissenschaftler die Zellschädigung so weit akkumulieren, dass die Zellen am Ende den programmierten Zelltod (Apoptose) einleiteten.

Konzentration nur bedingt trainierbar

Kopitz und Kollegen konnten aufzeigen, dass der Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 (Tebonin,  CH: Tebofortin, Tebokan) die Nervenzellen vor diesen schädigenden Einflüssen schützen kann. Dabei steht laut Kopitz der Schutz der Mitochondrienfunktion durch eine Steigerung des ATP-Spiegels im Mittelpunkt. In den Zellkulturen, die sie mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt hatten, fanden die Forscher praktisch keine Apoptose. In weiteren Versuchen wollen die Wissenschaftler klären, welche Komponenten des Pflanzenextraktes für die beobachteten günstigen Wirkungen auf die Mitochondrienfunktion verantwortlich sind.

Mit Möglichkeiten zur Optimierung der Konzentration ohne pharmakologische Hilfsmittel beschäftigt sich Professor Dr. Karl Westhoff von der Technischen Universität Dresden. Westhoff zufolge hängt die Konzentration von diversen Variablen ab, die man nicht immer alle selbst beeinflussen kann. Lärm, Schmerzen, Ärger oder fehlende Motivation seien Beispiele für Bedingungen, welche die Konzentrationsfähigkeit stark einschränken, erklärte Westhoff. Besonders störend sind gemäss Westhoff überzogene Erwartungen, die andere oder man selbst an sich stellt. »Konzentration setzt eine bewusste Informationsverarbeitung voraus. Kein Mensch kann daher viele Dinge gleichzeitig machen, auf die er sich richtig konzentrieren muss«, sagte der Psychologe.

Die Fähigkeit zur Konzentration ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das gemäss Westhoff nur bedingt trainierbar ist. In den üblichen Konzentrationstests muss der Proband einfache Aufgaben lösen, die keine speziellen Kenntnisse oder Fähigkeiten erfordern. Kriterien für die Güte der Konzentration sind die Schnelligkeit und die Anzahl der Fehler. Übt man Konzentrationstests, gewinnt man an Geschwindigkeit und macht auch etwas weniger Fehler. Diese Übungsgewinne bleiben über Wochen und Monate bestehen, betreffen jedoch immer nur den Bereich, auf dem geübt wurde. Eine allgemeine Verbesserung der kognitiven Funktionen lässt sich damit also nicht erzielen. Gemäss Westhoff existiert kein Konzentrationstest mit nachgewiesenen Transfereffekten. Optimale Rahmenbedingungen seien für eine gute Konzentration viel wichtiger als häufige Konzentrationsübungen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36968&type=0 /

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin unabhängig von Phytopharmaka-Herstellern jeder Art und damit auch von Wilmar Schwabe in Karlsruhe. Daher kann ich gut einmal hier ein Lob aussprechen. Schwabe investiert viel Geld und Fachwissen in die Ginkgo-Forschung. Dies im Gegensatz zu vielen Trittbrett-Fahrern, die nur Umsatz mit Ginkgo-Präparaten machen, ohne zum Wissensstand etwas beizutragen.

So sind denn auch die Arbeiten an der Universität Heidelberg interessant, wobei allerdings noch zwei Punkte anzufügen sind:

Erstens handelt es sich im Laborexperimente (In-vitro). Unklar bleibt damit, ob die beobachteten Effekte auch im Gehirn eines lebendigen Menschen stattfinden.

Zweitens wird aus dem Bericht nicht ersichtlich, ob und falls ja in welcher Fachzeitschrift die Resultate veröffentlicht worden sind. Die Präsentation an einer Pressekonferenz in Mallorca allein ist noch kein Gütesiegel.

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Ginkgo biloba: Schutz der Mitochondrien vor oxidativem Stress

Freitag, November 12th, 2010

Zellkultur-Versuche mit Ginkgo-biloba-Extrakt zeigen eine vermehrte Bereitstellung von ATP (1).

Ein standardisierter Ginkgo-biloba-Extrakt schützt die Mitochondrien (2) vor schädlichen Sauerstoffverbindungen.

Darauf weisen präklinische Studien hin. Bedeutsam ist dies, weil auch beim physiologischen Alterungsprozesses der oxidative Stress in den Mitochondrien steigt. So sammeln sich zunehmend reaktive Sauerstoffverbindungen in den Zellen an. Nach aktuellen Studiendaten zeigt sich bei Alzheimer-Patienten ein Enzymmangel in den Mitochondrien, der den Überschuss an reaktiven Sauerstoffverbindungen weiter ansteigen lässt. Die Folgen sind eine reduzierte Produktion des Energieträgers ATP – ein Funktionsverlust, der die Bildung toxischer Beta-Amyloid-Proteine und schließlich die Apoptose (3) der Neuronen fördert.

In Zellkultur-Versuchen mit dem Ginkgo-biloba-Extakt ließ sich nun die mitochondriale ATP-Ausbeute unter oxidativem Stress optimieren. Dabei war eine gesteigerte Bereitstellung von ATP nachzuweisen, unabhängig davon, ob das Ginkgo-biloba-Präparat vor oder nach der Exposition mit reaktiven Sauerstoffverbindungen beigegeben wurde.

In weiteren Versuchen mit Hippocampuszellen aus Alzheimer-Maus-Modellen zeigte sich mit Ginkgo-Extrakt-Behandlung keine schwere Beta-Amyloid-Überladung. Die Neurone blieben weiterhin intensiv vernetzt und mit hoher Synapsendichte ausgestattet. Der Ginkgo-Extrakt wirkte allen entscheidenden Hippocampus-Schädigungen entgegen.

Außerdem blieben Indikatoren für neuronale Plastizität wie BDNF (Brain derived neurotropic factor) im Normbereich, während bei den Zellen unbehandelter Tiere massive Funktionseinbußen auftraten.

Dass der Ginkgo-Extrakt möglicherweise auch den Übergang zu einer Demenz verzögert – dafür liefert jetzt die GuidAge Studie Hinweise . In der Studie mit 2850 älteren Menschen war die Demenzrate bei Teilnehmern, die vier Jahre mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt worden waren, signifikant tiefer als mit Placebo.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/demenz/article/627515/ginkgo-biloba-schuetzt-mitochondrien-oxidativem-stress.html?sh=14&h=461294622

Kommentar & Ergänzung:

Fachwort-Erläuterungen:

(1) Adenosintriphosphat (ATP) ist ein Nukleotid, bestehend aus dem Triphosphat des Nucleosids Adenosin (und als solches ein energiereicher Baustein der Nukleinsäure RNA).

ATP ist jedoch hauptsächlich die universelle Form unmittelbar verfügbarer Energie in jeder Zelle und gleichzeitig ein wichtiger Regulator energieliefernder Prozesse. ATP wird bei Bedarf aus anderen Energiespeichern (Kreatinphosphat, Glykogen, Fettsäuren) resynthetisiert. Das ATP-Molekül besteht aus einem Adeninrest, dem Zucker Ribose und drei Phosphaten (α bis γ) in Ester- (α) bzw. Anhydridbindung (β und γ).

(Quelle: Wikipedia)

(2) Ein Mitochondrium (auch Mitochondrion, Plural Mitochondrien; von altgriechisch μίτος mítos ‚Faden‘ sowie χόνδρος chóndros ‚Korn‘)[1] ist ein von einer Doppelmembran umschlossenes Organell mit eigener Erbsubstanz. Mitochondrien kommen in den Zellen fast aller Eukaryoten (Organismen, deren Zellen Zellkerne haben) vor. Bei wenigen einzelligen Eukaryoten sowie bei Prokaryoten kommen sie nicht vor. Mitochondrien fungieren als „Energiekraftwerke“, indem sie der Zelle das energiereiche Molekül Adenosintriphosphat zur Verfügung stellen.

(Quelle: Wikipedia)

(3) Die Apoptose (griechisch απόπτωσις von apo „weg“ und ptosis „Fall“, wie das Fallen der Blätter im Herbst[1]) ist eine Form des programmierten Zelltods. Es ist ein „Selbstmordprogramm“ einzelner biologischer Zellen. Dieses kann von außen angeregt werden (etwa durch Immunzellen) oder aufgrund von zellinternen Prozessen ausgelöst werden (etwa nach starker Schädigung der Erbinformation). Im Gegensatz zum anderen bedeutenden Mechanismus des Zelltodes, der Nekrose, wird die Apoptose von der betreffenden Zelle selbst aktiv durchgeführt, ist Teil des Stoffwechsels der Zelle. Dadurch unterliegt diese Form des Zelltods strenger Kontrolle und es wird gewährleistet, dass die betreffende Zelle ohne Schädigung des Nachbargewebes zugrunde geht.

(Quelle: Wikipedia)

Anmerkungen:

Das sind interessante Erkenntnisse über Ginkgo biloba.

Festzuhalten bleibt allerdings:

- Der Artikel basiert auf der Pressekonferenz eines Herstellers von Ginkgo-Extrakt-Präparaten. Die dazu gehörenden Forschungen sind offenbar noch nicht in Fachzeitschriften publiziert, sonst wären die Quellen angegeben worden. Wer, Wie und Wo der Forschungsarbeiten bleiben daher im Dunkeln, was die Beurteilung sehr erschwert.

- Es handelt sich um Laborergebnisse. Ob sich die beobachteten günstigen Effekte des Ginkgo-Extraktes auch auf den Menschen übertragen lassen, ist, völlig ungeklärt.

Ginkgo-Extrakte gehören zu den wichtigsten Heilpflanzen-Anwendungen in der Phytotherapie. Entscheidend für die Beurteilung der Wirksamkeit sind aber Patientenstudien und nicht Laborexperimente.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Anti-Aging mit Salbei?

Dienstag, August 17th, 2010

„Salbei: Hervorragende Anti-Aging-Substanz“, so titelt die österreichische Zeitung „Die Presse“.

Schauen wir uns doch einmal genauer an, was sich hinter diesem etwas gar  reisserischen Titel versteckt.

Hier zuerst eine bearbeitete Zusammenfassung und anschliessend einen Kommentar:

„Rosmarin, Thymian und Co bekämpfen freie Radikale und Entzündungen. Reichlicher und regelmäßiger Gebrauch ist aber Voraussetzung. Auch Tee und Olivenöl haben viele positive Wirkungen“, so beginnt der Text, und fährt dann fort:

„’Wie kann ein Mann sterben, der Salbei in seinem Garten hat?’, fragte sich einst Avicenna, einer der größten persischen Ärzte, um das Jahr 1000. Salbei ist in der Tat ein wahrer Gesundheitsstar unter den Gewürzen, weiß die heutige Wissenschaft, die immer mehr Pflanzen immer öfter mit modernen Methoden analysiert.“

„Salbei ist wirklich eine hervorragende Anti-Aging-Substanz“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Metka. „Wahrscheinlich“, ergänzt der Präsident der Anti-Aging-Gesellschaft Österreichs, „liegt das Geheimnis der Langlebigkeit von Kretern nicht nur in Olivenöl, Fisch, Gemüse und Rotwein; die gesunden Wirkungen von Gewürzen wurden bisher viel zu wenig beachtet.“

Auch Schutz vor Krebs?

Neben Salbei sollen auch noch Rosmarin, Thymian und Knoblauch besonders wertvolle gesundheitliche Vorteile für uns Menschen aufweisen. Aber auch die meisten anderen Gewürze haben günstige Effekte. Die beruhen, grob gesagt, auf drei Wirkmechanismen: Ihre sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind antioxidativ, bekämpfen also schädliche freie Radikale, und wirken antientzündlich. Metka sagt dazu: „Erst in den letzten Jahren ist bewusst geworden, dass permanente stille, schleichende Entzündungen im Körper mit den Jahren fatale Folgen haben können, von Diabetes und Herzinfarkt über Schlaganfall bis zu Alzheimer und Krebs.“ Aus der antioxidativen und antiinflammatorischen (=entzündungshemmenden) Wirkung heraus folge auch ein Schutz vor Krebserkrankungen (Chemoprävention).

Antidiabetikum Oregano

Grundsätzlich sollen mehr oder weniger alle Gewürze diese dreifache Gesundheitswirkung aufweisen, die einen mehr, die anderen weniger, Salbei etwas viel mehr. Allerdings: „Mit einer Prise ist’s nicht getan, diese Menge ist medizinisch absolut wirkungslos. Erst der reichliche und regelmäßige Gebrauch von Gewürzen bringt einen Nutzen hinsichtlich Anti-Aging und Krankheitsvorbeugung“, hält Metka fest.

Zu den kraftvollen Gewürzen gehören auch Zimt und Oregano, „die sind quasi Antidiabetika und beeinflussen den Glukosestoffwechsel äußerst positiv.“ Aber auch indische Gewürze wie etwa Kurkuma zählen zur Kategorie „Würzmedizin“ (Kurkuma kann bis zu einem gewissen Grad Darmkrebs und Morbus Alzheimer vorbeugen).

Und beim Grüntee-Inhaltsstoff Epigallat kommt Metka fast ins Schwärmen: „Unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention.“ Wobei – so der Fachmann – der Schwarztee „nicht schlecht ist“, der Grüne Tee „schon sehr gut“ und der Matcha (der hochwertigste Tee Japans, zu Pulver gemahlener Grüntee) „der absolute Star“ sei. Matcha soll in seiner antioxidativen und antientzündlichen Wirkung zehnmal stärker als der normale Grüntee sein. Matcha, in Japan traditionell für die Teezeremonie eingesetzt, sei wahrscheinlich einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Japaner die höchste Lebenserwartung haben.

Olivenöl gegen Schmerzen

In der Riege der gesunden Pflanzen dürfe freilich die Olive, respektive das Olivenöl, nicht fehlen. „Sein Inhaltsstoff Hydroxityrosol bekämpft freie Radikale 100-mal stärker als etwa Vitamin C. Außerdem ist diese Substanz enorm entzündungshemmend, kann sogar als Schmerzmittel verwendet werden“, erklärt Metka. Allerdings könne das nur ein qualitativ wirklich hochwertiges Öl mit reichlich Polyphenolen. Woran jedoch erkennt man die gesundheitsfördernde Qualität?

„Eine neue Dimension in Bezug auf Qualität und gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind die nach der Veronelli-Methode produzierten sortenreinen Jahrgangs-Olivenöle“, sagt Metka. Das Entscheidende an dieser Methode sei aber, dass die Oliven vor der Pressung entkernt werden. „Diese aufwendige Methode wurde bereits in der Antike wegen der wesentlich längeren Haltbarkeit des Olivenöls angewendet. Heute gilt als wissenschaftlich bewiesen, dass Olivenöl von entkernten Oliven wesentlich höhere Anteile an gesundheitsfördernden Polyphenolen aufweist als konventionell produziertes Olivenöl, bis zum zehnfachen Wert allein an Hydroxytyrosolen. Es gilt als gesichert, dass der Kern der Olive Enzyme beinhaltet, die sich negativ auf den Polyphenolgehalt auswirken.“

Auch am Preis könne man gute Öle erkennen, betont Metka: Unter 15,20 Euro pro Liter sei ein gesundheitlich hochwertiges Olivenöl nicht zu bekommen. Außerdem sei bei guten Ölen der Gehalt von Polyphenolen angegeben.

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/545008/index.do?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Artikel scheint mir erstens ziemlich reisserisch und zweitens auch noch völlig „wischiwaschi“.

Es ist nur schon sehr fraglich, ob man einfach so allgemein sagen kann, Rosmarin, Thymian, Salbei und Co. seien gesund. Grundsätzlich, generell gesund. Sie sind allenfalls gesund in einem bestimmten Bereich, bezogen auf bestimmte Beschwerden. Thymian beispielsweise bei produktivem Husten, Salbei bei Schleimhautentzündungen im Mund oder bei Halsschmerzen.

Und dass nun auch noch die Heilpflanzen und die unschuldige Salbei für das unsägliche Anti-Aging-Theater herhalten müssen, das musste ja so kommen.

Mit Salbei kann man sich also gegen das Älterwerden stemmen? Wie denn genau? Dreimal täglich gurgeln? Oder sich überwiegend von Salbei ernähren?

Und wie genau vertreibt Salbei das Alter?

Im Text wird vor allem auf antioxidative Eigenschaften hingewiesen (Radikalfänger).

Nun sind die Radikalfänger seit einigen Jahren der Renner im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Ihnen wird alles zugetraut. Sie sollen gegen Krebs und  viele andere Krankheiten schützen und halt auch allgemein vor dem Alterungsprozess. Die Forschungsergebnisse sind da wesentlich weniger eindeutig als die Versprechungen. Inzwischen weiss man, dass die vielgescholtenen freien Radikale auch positive Eigenschaften haben und dass allzu hohe Dosen von Antioxidantien  schädlich wirken können.

Ausserdem strotzen Früchte und Gemüse vor Antioxidantien und am gesündesten ist wohl einfach die Vielfalt, wenn man es schon so pauschal ausdrücken will.

Reisserisch ist auch der Abschnitt über Antidiabetika. Bei Zimt gibt es positive Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Altersdiabetes, was aber noch weiterer Prüfung bedarf. Die Empfehlung von Oregano schwebt irgendwo in der Luft ohne fundierte Belege.

Skeptisch machen sollten in diesem Artikel die vielen Superlative:

Hervorragende Anti-Aging-Substanz, äusserst positiv, unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention, enorm entzündungshemmend, der absolute Star.

So reden Verkäufer, Propagandisten, allenfalls Missionare. Täusche ich mich, oder ist der Artikel ein Werbetext für ein bestimmtes Olivenöl?

Dieser Text ist meines Erachtens ein Beispiel dafür, wie kritisch man Gesundheitsinformationen lesen sollte, weil in den meisten Medien jede Qualitätskontrolle fehlt.

Übrigens: Meines Wissens folgt in einem alten Kräuterbuch auf den beliebten Satz: „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst“, der Nachsatz: „Gegen den Tod ist kein Kräutchen gewachsen.“ Womit die Sache wieder in die richtige –menschliche – Relation gerückt wird. Quelle habe ich allerdings nicht mehr gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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