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Neues Cannabis-Medikament in der Schweiz

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Die Arzneimittelfirma Hänseler aus Herisau vertreibt ab 1. November 2014 schweizweit eine ölhaltige Cannabis-Lösung. Das sogenannte Sativa-Öl soll hauptsächlich Schmerzen lindern.

Die Abgabe ist rechtlich aufwendig, weil die Cannabis-Pflanze unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Der behandelnde Arzt muss für jeden einzelnen Patienten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmebewilligung zur Verschreibung von THC einholen. Im Gesuch ist genau zu begründen, warum kein anderes Medikament verwendet werden kann.

Immer mehr Untersuchungen zeigen, dass Cannabis Schmerzen und Spastiken (Muskelverspannungen) lindern kann. Als alkoholische Tinktur und als synthetisches Dronabinol werden Cannabispräparate von Ärzten bereits verschrieben und abgegeben, wenn eine Bewilligung des BAG vorliegt.

Verschiedene Presseberichte melden, dass ab dem 1. November nun erstmals auch ein THC-haltiges Öl erhältlich sei. Die Hänseler AG aus Herisau verfüge seit dem Frühjahr schweizweit als erste über eine Ausnahmebewilligung zur Herstellung des sogenannten Sativa-Öls.

Apotheken können das Präparat als Magistralrezeptur beziehen. Solche Arzneimittel werden auf ärztliches Rezept für eine bestimmte Person durch die Apotheke selber hergestellt oder bei spezialisierten Betrieben bestellt.

Die St. Galler Pflegefachfrau Bea Goldman, die das Öl vor sieben Jahren entwickelt hat, instruiert und begleitet mit dem Produkt hauptsächlich Patienten mit der unheilbaren Nervenkrankheit ALS.

Nach Goldmann zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass das Öl sehr gut wirkt. Im Gegensatz zu bestehenden Cannabinoid-Medikamenten sollen etliche Patienten durch das Sativa-Öl die Krankheit besser bewältigen können.

Die ölige Trägersubstanz habe zudem eine längere Wirkungsdauer. Gegen einen Missbrauch der öligen Lösung spreche die THC-Konzentration von nur einem Prozent. Um in Zukunft mehr Patienten behandeln zu können, plant Goldmann zusammen mit dem Neurologen Markus Weber die Lancierung der ersten Cannabis-Sprechstunde am St. Galler Kantonsspital.

Quelle:

http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/ostschweiz/tb-os/Neues-Cannabis-Medikament-aus-Herisau;art120094,3979111

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich finde ich es begrüssenswert, wenn es mehr Varianten gibt für die Anwendung von Cannabis als Heilmittel. Etwas überzogen scheint mir allerdings, wenn in diesen Meldungen geschrieben wird, dass nun erstmals ein THC-haltiges Öl erhältlich sei.

Dronabinol-Tropfen sind ebenfalls auf einer öligen Basis, wobei allerdings das THC nicht aus Cannabis stammt.

Von diesem Sativa-Öl habe ich noch nie etwas gehört und auch keine Unterlagen dazu gesehen. Darum kann ich es nicht einschätzen. Vermutlich wurde dieses Präparat bisher eher „diskret“ eingesetzt.

Bei medizinisch begründeten Cannabis-Anwendungen ist es zentral, dass die verschreibenden Personen die Präparate gut kennen. Das wird bei Bea Goldmann und dem Sativa-Öl der Fall sein. Und es ist auch ein interessantes Projekt, wenn am Kantonsspital St. Gallen eine Cannabis-Sprechstunde entstehen soll.

Ansonsten ist meines Erachtens der Apotheker Manfred Fankhauser aus Langnau im Emmental die Fachperson in der Schweiz, die sich am besten mit legalen Cannabis-Produkten für medizinische Anwendungen auskennt.

Siehe dazu:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

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Lavendel und Melisse als „Stresskiller“

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Der NHV Theoprastus, ein Verein zur Förderung traditioneller Heilkunde, empfiehlt uns:

„Wer bei den Weihnachtsvorbereitungen einen Stresskiller braucht, kann es mit einem Tee aus Lavendel oder Melisse versuchen. Die beiden Heilpflanzen gelten als beruhigend für gereizte Nerven.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/tee-aus-melisse-oder-lavendel-als-stresskiller-081300427.html

Kommentar & Ergänzung:

Lavendel (Lavandula angustifolia) und Melisse (Melissa officinalis) sind beides Heilpflanzen, die zur Entspannung beitragen können.

Die Bezeichnung Stresskiller ist im zweiten Teil des Wortes allerdings schon ein bisschen gar hart .

Beide Pflanzen verdanken ihre beruhigende Wirkung dem ätherischen Öl, also dem Lavendelöl bzw. dem Melissenöl.

Lavendelblüten werden eher selten als Tee verwendet. Bewährt haben sie sich als Lavendelsäckchen, das man unters Kopfkissen legt. Häufiger wird das Lavendelöl genutzt:

– Als Lavendelduft eingeatmet,

– gemischt mit Mandelöl oder Bodylotion eingerieben oder

– als Lavendelbad (8 Tropfen in etwas Kaffeerahm gemischt ins Badewasser).

Melissenblätter eignen sich gut als beruhigender Tee. Allerdings verlieren sie beim Trocknen und Aufbewahren rasch ihr ätherisches Öl. Dem Melissentee fehlt dann sein charakteristisches Aroma. Tee aus frischen Melissenblätter wäre besser, ist aber im Winter nicht so einfach greifbar.

Melissenöl wirkt wie Lavendelöl entspannend und ist in gleicher Weise anwendbar (Einatmen, Einreiben in Bodylotion, als Melissenbad). Allerdings ist Melissenöl viel teurer als Lavendelöl.

Ganz abgesehen von der Wirksamkeit spricht für die Anwendung von Kräutertee gegen Stress auch das Teeritual, das schon für sich allein genommen einen entspannenden Effekt hat.  Wichtig wird dabei auch sein, welchen Tee man vom Geschmack her mag.

Verveine (Zitronenverbena, Wohlriechendes Eisenkraut) ist in dieser Hinsicht sehr beliebt und wirkt leicht beruhigend.

In manchen Ländern ist als Abendtee die Kamille Favorit. Bei uns allerdings hat Kamillentee ein „Imageproblem“. Wer als Kind im Krankheitsfall immer Kamillentee trinken musste, wird dieses Aroma lebenslänglich mit elenden Zuständen verbinden.

Tipp: Probieren Sie den Kamillentee mal mit etwas Zitronensaft. So lässt sich sein Aroma modifizieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturkunde: Hefepilze überwintern im Wespenmagen

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Hefepilzen (Saccharomyces cerevisiae) sind für die genetische Grundlagenforschung wichtig und unentbehrlich bei der Produktion vieler bedeutender Lebensmittel.

Sie werden daher in Brauereien, Bäckereien und Labors gehalten. Bei Bedarf holt man sich Nachschub aus der Natur. Aber wie lebt Saccharomyces cerevisiae dort und vor allem: Wie kommen die Hefepilze über die Kälte und den Nahrungsmangel des Winters?

Die überraschende Antwort: In den Mägen von überwinternden Wespenköniginnen.

Ducia Cavalieri (Florenz) hat den Mageninhalt von überwinternden Königinnen – bei Wespen, Bienen und Hornissen – untersucht und (nur) bei Wespen Saccharomyces cerevisiae gefunden. Die Wespenkönigin nimmt Hefepilze mit auf, wenn sie im Herbst etwa an Trauben nascht, und sie gibt sie an ihre Jungen weiter, wenn sie sie im Frühjahr darauf mit dem herausgewürgten Mageninhalt aufpäppelt (Pnas, 6.8. 2012). Die Hefepilze leben dann noch, das konnte Cavalieri mit eingebauten Leuchtgenen zeigen.

Die Kenntnis um diese wichtige Funktion der Wespen in der Natur nützt uns zwar nicht direkt, wenn die Tiere uns im Spätsommer und Herbst lästig werden. Aber eine gewisse Imageaufbesserung kann den Wespen nicht schaden, denn in vielen Situationen ist durchaus eine friedliche Koexistenz  möglich zwischen Wespen und Menschen.

Und wer sofort in Panik ausbricht beim Auftauchen eines gelb-schwarz gefärbten Fluginsekts, kann nicht mehr gut unterscheiden, ob die Situation jetzt gerade heikel oder harmlos ist und lässt sich vielleicht sogar von den ebenfalls gelb-schwarz gefärbten, aber stachellosen Schwebfliegen unnötigerweise in Schreck versetzen.

Quelle:

http://diepresse.com/home/science/1277407/Den-Wespen-fuer-Brot-und-Wein-danken?_vl_backlink=/home/science/index.do

Siehe auch:

Naturkunde: Gallische Feldwespe – je farbiger desto giftiger

P.S. zum Thema Hefen in der Medizin:

Eng verwandt mit der Backhefe Saccharomyces cerevisiae ist der  Hefepilz, Saccharomyces boulardii (Synonym: Saccharomyces cerevisiae var. boulardii).

Er  wird als probiotischer Arzneistoff zur Behandlung von Durchfall sowie vorbeugend während und nach Antibiotikagabe eingesetzt.

Saccharomyces boulardii ist in der Schweiz in Form von Kapseln und als Pulver in Beuteln im Handel (Perenterol®, Perenterol® travel) und seit 1990 als Arzneimittel zugelassen. Perenterol® travel ist seit 2010 registriert und zur Therapie des Reisedurchfalls freigegeben. In Europa wird der Pilz seit den 1950er Jahren als Probiotikum angewendet.

Im Gegensatz zur Backhefe enthält Perenterol lebende Hefezellen.

Übrigens noch zum Thema Natur: Wer Beobachten gelernt hat  und etwas versteht von den Zusammenhängen in der Natur, kann jederzeit eine spannende Safari vor der Haustüre erleben und zum Beispiel harmlose Schwebfliegen (Syrphidae) von stachelbewehrten Wespen unterscheiden.

Solche Naturentdeckungen sind ein gutes Kontrastprogramm zur Arbeit am Computer, aber auch sonst zum Stress im Alltag.

Einen Einstieg in diese weitgehend unbekannte Wunderwelt in unserer unmittelbaren Umgebung können Sie auf meinen Naturexkursionen erleben. Eine Übersicht der Daten finden Sie hier.

Das nächste Naturseminar ist die Spätsommer-Exkursion in Trin / Flims / Bargis am 14. – 16. September 2012. Heilkräuter, Herbstblumen, Spinnen und ihre Netze, Heuschrecken und ihre Gesänge, sowie eine faszinierende Berglandschaft werden dieses Wochenende zu einem Naturerlebnis machen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zitrusöle auf der Haut steigern Sonnenbrandrisiko

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Zitrusöle auf der Haut steigern das Sonnenbrandrisiko. Nach der Massage mit solchen ätherischen Ölen sollten deshalb starke UV-Strahlen gemieden werden. Zitrusöle enthalten phototoxische Substanzen, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Die Haut kann mit Rötungen bis hin zur Brandblasenbildung reagieren, wenn nach Applikation von Zitrusölen Sonnenbestrahlung folgt.

Es empfiehlt sich daher genau nachzufragen, welche Bestandteile ein Massageöl enthält. Neben Zitrusölen machen auch Lavendelöl, Lindenöl, Sandelholzöl und Zedernöl die Haut lichtempfindlicher, heisst es in der Pressemeldung, die vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen stammt. Wer mit diesen ätherischen Ölen massiert wurde, solle die Sonne für rund zwölf Stunden meiden.

Gewarnt wird auch vor dem Besuch im Solarium mit Zitrusölen auf der Haut.

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/3077427/zitrusoel-haut-erhoeht-sonnenbrandgefahr.story

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Risiko für phototoxische Reaktionen auf bestimmte ätherische Öle ist auch aus der Parfümerie bekannt, beispielsweise beim Bergamottöl.

Bergamottöl gehört auch zu den Zitrusölen (Bergamotte = Citrus aurantium subsp. bergamia, Rutaceae) und ist ein wichtiger Bestandteil aller Arten von Kölnisch Wasser. Trägt man solche Parfümprodukte vor dem Sonnenbad auf die Haut auf, kann dies zu einer sogenannten „Berloque-Dermatitis“ führen.

Was ist eine Berloque-Dermatitis?

„Die Berloque-Dermatitis ist eine Sonderform der phototoxischen Reaktion. Die phototoxische Reaktion wird überwiegend durch bestimmte Pflanzen, Lebensmittel und Medikamente ausgelöst. Sie erhöhen die Wirkung des Strahleneffektes auf der Haut und es kann leicht ein Sonnenbrand entstehen.

Bei der Berloque-Dermatitis spielen bestimmte Pflanzenstoffe (Furocumarine) eine Rolle, die man häufig in Parfüm finden kann. Durch das Besprühen oder Betupfen der Haut und die anschließende Bestrahlung mit dem Sonnenlicht kommt es zu verbrennungsähnlichen Symptomen, wie Hautrötung, Schwellung und Blasenbildung. Später entstehen dauerhafte Pigmentflecken.“

(Quelle: Wikipedia)

Das aus den Schalen der Bergamotte gewonnene ätherische Bergamottöl soll offenbar mit einer sehr viel größeren Menge an Olivenöl verdünnt auch als Bräunungsbeschleuniger eingesetzt werden. Davon ist abzuraten, weil auch die Schäden durch UV-Strahlen verstärkt werden.

Furanocumarine sind als phototoxische Pflanzeninhaltsstoffe generell von Bedeutung.

Was sind Furanocumarine?

„Furocumarine (auch Furanocumarine) kommen häufig in Doldenblütlern vor wie Bärenklau (Riesen-Bärenklau, Wiesen-Bärenklau) und Angelika (Engelwurz), außerdem in Rautengewächsen wie Zitruspflanzen (darunter Bergamotte, Zitrone, Limette, Grapefruit, Bitterorange u.a.) sowie in einer Reihe weiterer Pflanzen. Furocumarine gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und dienen als Phytoalexine.

Im Grundgerüst der Furocumarine ist Cumarin mit einem Furanring fusioniert. Bekannte Furocumarine sind Xanthotoxin, Psoralen und Bergapten.

Wie die meisten α,β-ungesättigten Carbonylverbindungen sind Furocumarine sehr reaktiv. Unter Einwirkung von Sonnenlicht (UVA- und UVB-Strahlung) werden Furocumarine photoaktiviert. Prominentes Beispiel ist der giftige Saft des Riesen-Bärenklaus (Herkulesstaude). Die darin enthaltenen Furocumarine schädigen den menschlichen Organismus auf zweierlei Weise:

– Photosensibilisierend/Phototoxisch: Gelangen Furocumarine auf die Haut und werden anschließend dem Sonnenlicht (UV-Strahlung) ausgesetzt, kommt es je nach Schwere zu verbrennungsähnlichen Symptomen (Hautrötung, Schwellung, Blasenbildung, Läsionen, Photopigmentierung, Narbenbildung).

– Krebserregend: Furocumarine gehen unter UV-Einwirkung kovalente Bindungen mit den Pyrimidinbasen der DNA ein, vernetzen so die DNA-Doppelstränge irreversibel miteinander (cross-linking) und wirken dadurch krebserregend.“

(Quelle: Wikipedia)

Zum Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) siehe auch:

Riesenbärenklau: Risiko von Hautentzündungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wozu sind Glockenblumen gut?

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Das fragte mich vor kurzem eine Zuhörerin an einem Vortrag. Gemeint hat sie damit: Kann man Glockenblumen als Heilpflanzen brauchen oder kann man sie essen?

In der heutigen Phytotherapie spielen Glockenblumen (Campanula) keine Rolle und auch in den alten Kräuterbüchern tauchen sie selten auf.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird eine Pflanze aus der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) verwendet:

Die Ballonblume (Platycodon grandiflorus, Syn.: Campanula glauca, Campanula grandiflora, Platycodon glaucus, Platycodon grandiflorum), auch Großblütige Ballonblume oder Chinesische Glockenblume genannt.

Foto bei Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kikyo_06c1347s.jpg&filetimestamp=20060704111637

Die Ballonblume wird verwendet bei Husten, Schmerzen, Entzündungen, Fieber, Nervenleiden, Krebs und zur Immunstimulation. Verwendet wird die Wurzel. Die Wurzeln werden zudem gegart in Suppen als kräftigendes Gemüse gegessen. Hauptsächlich in der Koreanischen Küche kommen die Wurzeln als „bellflower roots“ vor.

Die Wurzeln gelten aber auch als giftig.

Es gibt Laborexperimente und Tierversuche mit der Ballonblume:

„Im Tierversuch verstärken Extrakte aus der Pflanze die Aktivität von B-Zellen und die Zytokin-Produktion. Saponine aus der Wurzel (Platycodin A-E) zeigen im Labor entzündungshemmende Wirkung.“

(Quelle: Wikipedia)

Fundierte Studien mit Patienten, die relevanter für die Beurteilung einer allfälligen Wirksamkeit wären, liegen offenbar nicht vor.

Die Heimat der Ballonblume liegt in Nordostasien in China, in Ostsibirien, Mongolei, Korea und Japan. Sie wird auch als Zierpflanze angebaut.

Alle Campanula-Arten in Mitteleuropa sind essbar. Die Blüten werden unmittelbar nach dem Aufblühen als essbare Dekoration verwendet, die jungen Sprosse im Frühling zu Spargelgemüse, die Blätter im Frühjahr als Zugabe in Salaten.

Und natürlich gibt es eine Vielfalt an gärtnerischen Kulturformen der Glockenblumen.

Unsere einheimischen Glockenblumenarten sind auch für den Wildpflanzengarten zu empfehlen.

Die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) beispielsweise ist Pollenspender für Wildbienen (Sandbienen, Scherenbienen, Glanzbienen, Sägehornbienen, Mauerbienen, Keulhornbienen, Maskenbienen, Furchenbienen, Blattschneiderbienen), Tagfalter und Hummeln.

So gibt es zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), deren Weibchen beim Pollensammeln streng auf Campanula-Arten spezialisiert sind. Die Männchen übernachten oft in Glockenblumenblüten – schön trocken und windgeschützt – und sind damit praktischerweise schon an einem Ort mit hoher Weibchenfrequenz.

Wenn Sie Glockenblumen sowie viele andere Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilpflanzenexkursionen und Naturseminare.

http://heilpflanzen-info.ch/cms/kurse

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Wirkung von Korianderöl

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Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 1 / 2012) publizierte einen Beitrag zur Wirkung von Korianderöl. In der Zusammenfassung heisst es dort:

„Das ätherische Öl der Früchte gilt als mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches Mittel gegen Darmkrämpfe und es regt die Verdauung an. Zudem wirkt es antimikrobiell und hat sich in der unterstützenden äußerlichen Behandlung von Impetigo, Candidose, Intertrigo, Neurodermitis und Juckreiz bewährt.“

Koriander (Coriandrum sativum L.) ist eine krautige Pflanze, die zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört. Obwohl andere Doldenblütler wie Kümmel, Anis und Fenchel in der Phytotherapie eine wichtige Rolle spielen, wird Koriander trotz seiner jahrtausendelangen Verwendung durch den Menschen nur wenig medizinisch genutzt.

Der Koriander ist eine typische Kulturpflanze und stammt wohl aus den Gebirgen des östlichen Mittelmeergebietes. Wildvorkommen haben kaum Bedeutung.

Korianderöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten, reifen Korianderfrüchten gewonnen. Die farblose bis blassgelbe Flüssigkeit besitzt einen blumigwürzigen Geruch und besteht zu 60-75% aus Linalool, zu jeweils 3-6% aus Geraniol, Borneol, Kampher, Limonen und α-Pinen sowie zu je 1% aus Camphen, Cineol, Geranylacetat, β-Pinen und γ-Terpinen.

Gut untersucht ist die antimikrobielle Wirkung von Korianderöl. Die Zeitschrift für Phytotherapie (1 / 2012) schreibt dazu:

„Korianderöl wirkt gegen Pseudomonas aeruginosa, Bacillus subtilis, Salmonella typhosa, Campylobacter jejuni, Mycobacterium avium, β-hämolysierende Streptokokken und Staphylococcus aureus, inklusive methicillinresistenter Stämme (MRSA). Korianderöl wirkt außerdem antimykotisch gegen Aspergillus aegypticus, Penicillium cyclopium, Penicillium interdigitatum, Trichoderma viride, Epidermophyton interdigitale und Microsporum canis. Ausführlich untersucht wurde die Wirkung von Korianderöl gegen Candida albicans: Es hemmte die Biofilm-Bildung durch den fakultativ pathogenen Hefepilz genauso wirksam wie Nystatin und Fluconazol.“

Gegenüber dem antimikrobiell ebenfalls sehr wirksamen Thymianöl habe Korianderöl den Vorteil, dass es nicht so streng riecht.

Korianderöl sei ein mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches ätherisches Öl. In einer Konzentration von 1-5% in fettem Pflanzenöl gelöst entkrampfe es äußerlich aufgetragen die glatte Muskulatur, löse Darmkrämpfe und rege die Verdauung an. Aufgrund seiner stark blähungstreibenden und beruhigenden Eigenschaften sei das Öl bestens geeignet für Bauchmassagen, auch bei kleinen Kindern oder alten Menschen.

Korianderöl verdient meines Erachtens vermehrte Beachtung.

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Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

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Der regelmäßige Konsum von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren war in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit besseren kognitiven Leistungen in Alter verbunden. Die Wissenschaftler erklären diesen Effekt in den Annals of Neurology (2012; doi: 10.1002/ana.23594) mit dem Gehalt an Anthocyanen und Flavonoiden.

Flavonoide sind Farbstoffe, die in Blüten und Früchten Insekten und Vögel anlocken. Sie schützen ausserdem die Pflanzen vor UV-Licht und einer Oxidation. Besonders kräftig färben die Anthocyane, welche für die dunkelblaue bis schwarze Farbe vieler Beeren verantwortlich sind. Diese Inhaltsstoffe der Beeren gelangen nach dem Konsum ins Blut. Ernährungswissenschaftler schreiben den Anthocyanen seit längerem eine gesundheitsfördernde Wirkung zu, was sich aber schwer beweisen lässt.

Hinweise auf eine gesundheitsfördernde Wirkung der Anthocyane geben  neben tierexperimentellen Studien immer wieder die Ergebnisse von prospektiven Beobachtungsstudien. Eine der größten Studien dieser Art sind die Nurses‘ Health Studies. Seit 1976 befragen Wissenschaftler der Harvard Universität in Boston mehr als 120.000 Krankenschwestern regelmäßig nach deren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, um den Einfluss auf die Gesundheit zu untersuchen. Von 1995 bis 2001 wurden bei 16.010 älteren Krankenschwestern ausführlichen kognitiven Tests durchgeführt.

Die Harvard-Wissenschaftlerin Elizabeth Devore und Mitarbeiter haben die Testresultate jetzt mit den früheren Angaben zur Ernährung in Beziehung gesetzt. Sie fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren zum kognitiven Abbau im Alter. Frauen, die diese Beeren häufiger konsumiert hatten, zeichneten sich durch eine höhere geistige Regsamkeit aus. Devore geht von einer Verzögerung des normalen Alterungsprozesses im Bereich des kognitiven Abbaus um 1,5 bis 2,5 Jahre aus. Ein ähnlicher Zusammenhang bestand mit der errechneten Zufuhr von Flavonoiden und Anthocyanen.

Für Devore ist der Konsum von Beeren eine einfach umzusetzende Empfehlung, die kaum schaden kann. Die etwaigen günstigen Wirkungen könnten angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung kaum unterschätzt werden, findet die Wissenschaftlerin.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50009/Beeren-halten-das-Gehirn-jung

Kommentar & Ergänzung:

Vorbildlich weißt das Aerzteblatt auf die kritischen Punkte dieser Studie hin:

„Wie immer bei Beobachtungsstudien ist eine kausale Zuordnung nicht eindeutig möglich. So ist vorstellbar, dass die höhere kognitive Kompetenz bei den Frauen die Einsicht in die Vorteile einer gesünderen Lebensweise gefördert hat. Dazu könnten neben dem Verzehr von Beeren noch andere Lebensstilfaktoren gehören, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, die geistigen Funktionen im Alter zu erhalten.“

Weitere Informationen zu Wirkungen der Anthocyane:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündunghemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

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Hautkrebs-Risiko durch Solarium-Besuche wird unterschätzt

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Jährlich erkranken in Deutschland 224.000 Menschen neu an Hautkrebs, 26.000 davon am besonders gefährlichen malignen Melanom. Der so genannte „schwarze“ Hautkrebs wird zunehmend bei jüngeren Menschen diagnostiziert, vor allem bei Frauen. Fachleute machen häufige Solarienbesuche für diesen Trend verantwortlich. Die Gefahr, durch regelmäßige Solariengänge an einem malignen Melanom zu erkranken, ist bedeutend höher, als bisher angenommen wurde.

Das Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken, steige auf fast 200 Prozent, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden, erklärte Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Zu diesem Resultat kommt eine Studie französischer und italienischer Wissenschaftler, die am 23. April 2012 im Rahmen des internationalen EUROSKIN-Workshops ‚Health Risks of Sunbed Use – Needs, Regulations and Perspectives‘ in Berlin präsentiert wurde.

Das Mannheimer Institut für Public Health (MIPH) der Universität Heidelberg hat mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Krebshilfe 4.800 Bundesbürger zu ihren Solarien-Nutzungsgewohnheiten befragt. Die ‚SUN STUDY 2012 hat gezeigt, dass Menschen unter 36 Jahren sich besonders oft künstlich bräunen. Gegenwärtig nutzen etwa 3,5 Millionen unter 36-Jährige Deutsche Sonnenbänke. Bei den Solariengängern konnte eine typische ‚Viel-Nutzer-Gruppe‘ identifiziert werden, die entsprechend besonders gefährdet ist: Es sind Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Frauen dieser Altersgruppe besuchen etwa doppelt so häufig die Sonnenbank wie Männer. Ein weiteres Resultat ist besonders schockierend: Etwa 167.000 der derzeitigen Solariennutzer sind minderjährig. Nach geltendem Recht  sind die Betreiber in Deutschland verpflichtet, Jugendlichen den Zugang zu Solariengeräten zu verbieten.

Quelle: www.krebshilfe.de

Kommentar & Ergänzung:

Wenn tatsächlich ein so grosser Anteil der regelmässigen Solarium-BesucherInnen noch in jungem Alter ist, könnten noch drastische Steigerungen der Hautkrebs-Erkrankungsraten auf uns zukommen.

Gebräunte Haut scheint ein ziemlich riskantes Schönheitsideal zu sein.

Ich bin oft in China unterwegs und treffe dort mehrheitlich auf ein gegenteiliges Ideal, wonach braun werden nicht als attraktiv gilt.

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Ungesunde TCM-Kräuter

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Zwei Studien zeigen Risiken bei manchen Heilpflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Krebserkrankungen des Harntrakts kommen in Taiwan ungewöhnlich oft vor. Eine neue Studie kommt zu Schluss, dass höchstwahrscheinlich Pflanzenzubereitungen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bei zahlreichen Betroffenen die Tumoren ausgelöst haben dürften.

Ein internationales Forscherteam um Chung-Hsin Chen vom National Taiwan University Hospital in Taipeh hat mithilfe von Genanalysen 151 Krebserkrankungen der oberen Harnwege untersucht. Eine besondere Gensignatur ist charakteristisch für Tumoren, die unter der Einwirkung von sogenannter Aristolochiasäure entstanden sind. Diese Signatur entdeckten die Forscher bei 60 Prozent der Fälle.

In der Fachzeitschrift PNAS berichten die Wissenschaftler, dass zwischen 1997 und 2003 ein Drittel der taiwanischen Bevölkerung Aristolochia-Präparate einnahm. Sie basieren auf der sogenannten Gewöhnlichen Osterluzei (Aristolochia clematitis) und verwandten Pflanzen, die  in der TCM über lange Zeit als Heilmittel galten.

Dass zahlreiche Taiwanesen durch Aristolochia-Präparate an Harnwegstumoren erkrankten, erkläre auch, weshalb sich die Verteilung dieser Krebsformen dort von der in anderen Staaten unterscheide, meinen die Wissenschaftler. Bei 35 Prozent der Patienten in Taiwan entwickeeln sich die Tumore nicht in der Blase, sondern in Harnleiter oder Nierenbecken. Weltweit sei dies bei weniger als zehn Prozent der Patienten der Fall. Auch erkrankten Frauen in Taiwan überdurchschnittlich häufig an diesen Tumorformen – und sie bekamen auch häufiger Aristolochia-Präparate verordnet als Männer.

Aristolochiasäure schädigt auch die Nieren, was im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen kann. In Belgien erkrankten in den neunziger Jahren mehrere Frauen an Nierenversagen, die die Präparate im Rahmen von Diätkuren eingenommen hatten.

Hierzulande sind Präparate, die Aristolochia-Säure enthalten, bereits länger untersagt. Auch in China und Taiwan wurden sie m Jahr 2003 verboten.

Während also das  Problem mit den Aristolochia-Präparate mittlerweile auch in China vom Tisch ist, geben andere TCM-Präparate, die weiterhin im Handel sind und nun von australischen Wissenschaftlern untersucht wurden, Anlass zu berechtigter Sorge. Die Forscher fanden in den vom Zoll beschlagnahmten Präparaten Extrakte von total 68 verschiedenen Pflanzenfamilien, und einige davon sind alles andere als risikolos.

Einige der Mixturen enthielten beispielsweise Pflanzenbestandteile der Gattung Ephedra (Meerträubel) und Asarum (Haselwurz), die bei falscher Dosierung toxisch sind. In den Packungsbeilagen fehlte der Hinweis auf diese heiklen Inhaltsstoffe und die potenzielle Gefährlichkeit.

In ihrem Artikel im Fachplan PLoS Genetics weisen die australischen Wissenschaftler jedoch noch auf ein weiteres Problem hin: In einigen der analysierten TCM-Proben fanden sie Spuren von Tieren, die gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind, wie der Kragenbär oder die asiatische Huftierart Saiga.

Quelle:

http://derstandard.at/1334132463824/Giftig-und-krebserregend-Ungesunde-TCM-Inhaltsstoffe

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,826636,00.html

http://www.pnas.org/content/early/2012/04/03/1119920109

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Beispiel zeigt, dass Tradition nicht immer Recht hat. In diesem Sinn kann man auch für die westliche Pflanzenheilkunde viel daraus lernen.

Siehe:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Erfahrung allein zeigt Irrtümer und Risiken nur sehr unzulänglich.

Siehe:

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Daher reicht es nicht zu sagen, diese Heilpflanze ist seit Tausenden von Jahren im Gebrauch, ergo ist sie wirksam und harmlos.

Manche Zusammenhänge sieht man erst, wenn man systematisch danach sucht. Dem sagt man dann Wissenschaft.

Aus diesem Grund verknüpft eine seriöse Phytotherapie die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.

Diese Kombination ist unverzichtbar zum Schutz von Patientinnen und Patienten.

Leider ist der Begriff „Phytotherapie“ nicht geschützt und deshalb laufen unter diesem Begriff inzwischen auch Vorstellungen mit, welche die wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit  von Heilpflanzen-Präparaten ablehnen, und sich statt dessen lieber an ihren eigenen Überzeugungen von der ausschliesslich heilenden und sanften Natur festhalten. Das ist meines Erachtens aber eine zu einseitige und riskante Betrachtungsweise.

Eine fundierte, seriöse Phytotherapie verbindet Tradition und Wissenschaft. Sie verlässt sich nicht einfach auf die Fantasien irgendeines Kräutergurus (wie heisst eigentlich die weibliche Form von Guru? Guresse?).

Das Beispiel mit den ungesunden TCM-Kräutern zeigt auch, wie wichtig eine staatliche Kontrolle des Heilmittelmarktes ist. Vor ein paar Monaten gab es einen Wirbel im Internet über ein angebliches Verbot der Heilpflanzen durch die EU, dabei ging es nur um ein Registrierungsverfahren für pflanzliche Arzneimittel.

Dazu ein Zitat von Reinhold Rathscheck:

„Der Nachweis der Wirksamkeit ist von jedem neuen Mittel zu fordern, das den Anspruch erhebt, ein Arzneimittel zu sein. Hiervon wird man nicht die Mittel ausnehmen dürfen, deren Unschädlichkeit  zwar keineswegs bezweifelt wird, deren Wirkung aber einzig und allein auf dem Glauben beruht. Sonst müsste auch ein Placebo, ein Scheinarzneimittel, das keinen arzneilich wirksamen Stoff enthält, beim Bundesgesundheitsamt registrierbar sein, fehlen ihm doch toxische Effekte mit Sicherheit, wogegen psychische Wirkungen durchaus nachweisbar sein können.

Hier trägt der Staat eine Mitverantwortung: Ein Staat, der einerseits mit Recht Arzneimittelsicherheit fordert, hat seine Bürger andererseits vor Arzneimitteln zu schützen, die keine sind. Er hat kranke Menschen davor zu bewahren, dass Gutgläubigkeit oder Verzweiflung dank staatlicher Mithilfe ummünzbar werden in Profit, ohne dass eine wirkliche Aussicht auf Heilerfolg besteht.“

(aus: Konfliktstoff Arzneimittel, Suhrkamp 1974)

Klar ist aber auch, dass solche Registrierungsverfahren und Kontrollen verhältnismässig sein müssen und dass Entscheide der Arzneimittelbehörden aus fachlicher Sicht auch kritisiert werden dürfen und sollen (z. B. im Fall Kava-Kava)

Das Aristolochiasäure-Problem scheint zumindestens in Europa durch das Verbot entsprechender Bestandteile in Arzneimittel unter Kontrolle zu sein. Bei TCM-Kräutern, die unkontrolliert im Internet gehandelt werden, wäre ich da nicht so sicher.

Und zudem sind die generellen Qualitätsprobleme bei TCM-Kräutern nicht vom Tisch. Anbaubedingungen und Verarbeitungsbedingungen sind oft alles andere als einfach zu kontrollieren. Und ob in den entsprechenden Kräutermischungen auch drin ist, was drauf steht, bleibt oft fraglich – sofern überhaupt etwas draufsteht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie: Leinsamen für Tiere

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Phytotherapie eignet sich gut auch für die Tierheilkunde. Viele Heilpflanzen wirken bei Mensch und Tier sehr ähnlich, doch sind die Dosierungen bei den verschiedenen Tierarten natürlich sehr unterschiedlich. Ob man Baldriantinktur bei einem schlaflosen Goldfisch oder bei einem Zirkuselefanten mit Lampenfieber einsetzt, macht mengenmässig schon etwas aus. Was raten Sie als Dosierungsrichtlinie?

Im Ernst, lassen Sie das mit dem Goldfisch bitte.

Als Beispiel für die Anwendung von Heilpflanzen in der Tiermedizin hier ein paar Angaben zum Leinsamen.

Leinsamen werden beim Menschen vor allem als mildes Abführmittel gegen Verstopfung angewendet.

Auch in der Tiermedizin kommen Leinsamen zum Einsatz, vor allem bei Magenschleimhautentzündung, Darmschleimhautentzündung, Magen-Darm-Störungen.

Innerlich verwendet man die Leinsamen in Form ganzer Samen oder einer Schleimzubereitung. Die Schleimzubereitung wird aus 1 Esslöffel voll geschrotetem oder zerkleinertem Leinsamen und 150ml Flüssigkeit durch Einweichen hergestellt. Diese Zubereitung sollte noch am selben Tag aufgebraucht werden.

Hier die Dosierungsangaben:

Ganze Leinsamen

Mittlere Tagsdosis:

Grosser Wiederkäuer, Pferd                     50 – 100 g

Kleiner Wiederkäuer                                   25 –   50 g

Schwein                                                         10  –  25 g

Hund                                                                  2 –   5 g

Katze                                                                   1 –  3 g

Huhn                                                                   1 –  2 g

Schleim aus Leinsamen

Grosser Wiederkäuer                                  50 – 200 g

Pferd                                                                50 – 100 g

Kleiner Wiederkäuer                                   25 – 50 g

Schwein                                                           10 – 30 g

Hund                                                                   2 – 5 g

Katze                                                                    1 – 3 g

Huhn                                                                   1 – 2 g

Quelle: Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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