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Bartgeier gesichtet auf Kräuterwanderung in Mürren (Berner Oberland)

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In der Kräuterwanderwoche vom 9. – 14. Juli 2017 in Mürren konnten wir am Freitag im Engetal (Schilthornregion) einen Bartgeier beobachten. Es lohnt sich also, auf Kräuterwanderungen nicht nur zu den Pflanzen am Boden, sondern auch gelegentlich in die Luft zu schauen….

Der Bartgeier wurde lange Zeit als gefährlicher Beutegreifer angefeindet und intensiv verfolgt. In einem Lehrbuch für Naturgeschichte aus dem 19. Jahrhundert  schreibt der Gelehrte Gotthilf Heinrich Von Schubert über den Bartgeier: „ … er besitzt eine ungeheure Muskel-Stärke, so dass er mit Leichtigkeit Lämmer, Ziegen, selbst Kinder in den Krallen von einem Berge zum anderen trägt.“

Inzwischen ist dieses falsche Bild korrigiert. In Wirklichkeit ist der Bartgeier ist nämlich ein harmloser Aasverwerter. Er ernährt sich von toten Tieren.

Nachdem der imposante Vogel im 18. Jahrhundert in den Alpen noch weit verbreitet war, verschwand er zu Beginn des 20. Jahrhunderts  vollständig aus dem Alpenraum.

 

Nun wird der Bartgeier dank einem Wiederansiedlungsprojekt bei uns wieder heimisch. Obwohl das Bartgeier-Projekt inzwischen grosse Fortschritte gemacht hat, ist die Wiederansiedlung noch nicht abgeschlossen.

Infos hier: Bartgeier-Projekt der Stiftung Pro Bartgeier

Einen Bartgeier hätte ich eher in Graubünden und im Wallis erwartet, aber nicht unbedingt in Mürren. Allerdings ist es für einen Bartgeier vom Wallis ins Berner Oberland eine kurze Reise. Auf der Kräuterwanderung in Jeizinen im Wallis konnten wir schon mal einen Bartgeier im Vorbeiflug sehen. Das Tier im Engetal bei Mürren liess sich aber während gut einer halben Stunde beobachten, flog den Felswänden entlang und setzte sich auch mehrmals für Minuten ins Gelände.

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Isländisches Moos gegen Husten (Cetraria islandica)

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Isländisches Moos (Cetraria islandica) wird aufgrund des hohen Gehalts an Schleimstoffen als linderndes Mittel bei trockenem Reizhusten eingesetzt. Einschränkend ist bei der Anwendung als Tee allerdings der ausgesprochen bittere Geschmack. Reinhard Länger empfiehlt in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) deshalb die Zubereitung als Kaltauszug:

„Untersuchungen am Dept. für Pharmakognosie der Univ. Wien haben ergeben, dass im Gegensatz zu vielen Literaturangaben die Flechtensäuren in kaltem Wasser nur schlecht löslich sind und daher Kaltauszüge (Mazerate) nicht bitter schmecken. Sie enthalten aber denn noch ausreichend Schleimstoffe, so dass sie bei Reizhusten und entzündlichen Mund- und Rachener- krankungen sowie Heiserkeit gut eingesetzt werden können. Aus praktischen Gründen empfiehlt es sich, am Morgen eine größere Menge Kaltauszug herzustellen und diesen im Kühlschrank zu lagern. Über den Tag verteilt können dann kleinere Mengen leicht erwärmt zum Gurgeln, Spülen oder Trinken verwendet werden. Aus Gründen der mikrobiologischen Qualität sollten am Abend eventuelle Reste des Mazerats entsorgt werden. Erfolgt die Extraktion mit Wasser, das auch nur leicht angewärmt ist, schmeckt der Teeaufguss extrem bitter.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0415.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Für den Geschmack ist der Kaltauszug zweifellos von Vorteil. Allerdings entfernt man mit den bitteren Flechtensäuren auch die antimikrobielle Wirkung des Isländischen Mooses. Für die Behandlung von trockenem Reizhusten sind die Flechtensäuren jedoch nicht relevant.

Der Name „Isländisches Moos“ ist im übrigen ziemlich irreführend, da es sich um eine Flechte handelt, nicht um ein Moos. Flechten bestehen aus einer Symbiose zwischen Pilz und Alge. „Isländische Flechte“ wäre eine treffendere Bezeichnung.

Und diese Flechte kommt zwar in Island vor, aber auch bei uns in den Alpen. Dort wächst sie recht häufig am Boden und kann leicht entdeckt werden, wenn man sie kennt.

Auf vielen Kräuterwanderungen in den Bergen, die ich im Sommerhalbjahr anbiete, können Sie „Isländisches Moos“ in der Natur kennenlernen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tipps zur Naturverträglichkeit von Skitouren und Snowboarden

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Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Deutschland informiert mit dem Onlineportal „NaturSportInfo“ über Auswirkungen von Natursport auf die Tier- und Pflanzenwelt und deren Lebensräume

Das Portal wurde gerade komplett modernisiert. Wer Sport in der Natur betreibt, kann sich hier kundig machen, wie sich sportliche Aktivitäten möglichst naturverträglich gestalten lassen.

Das Internetportal informiert umfassend über die Folgen von Natursportaktivitäten auf Naturlebensräume und zeigt, wie Natursportarten naturverträglich ausgeübt und Konflikte vermieden werden können.
Die möglichen Auswirkungen des Skisports auf die Natur sind häufig nicht genügend bekannt. Skifahrern ist oft nicht bewusst, wenn sie sich in weitgehend störungsfreien und unerschlossenen Gebirgsregionen bewegen, die auch sensibler Lebensraum von Wildtieren wie Auerhuhn, Birkhuhn und Schneehuhn sind. Diese Tiere sind ausgesprochen störungsempfindlich. Das Auerhuhn beispielsweise zeigt auch bei häufigen Begegnungen kaum eine Gewöhnung an den Menschen und hat eine Fluchtdistanz von bis zu 500 Metern.

Auch die dünne Vegetationsdecke im Gebirge ist an manchen Stellen gefährdet und  kann durch das Skifahren verletzt werden, was oftmals großflächige Erosion zur Folge hat. Das Onlineportal NaturSportInfo zeigt hier Möglichkeiten auf, wie Wintersport auf eine für die Natur verträgliche Weise betrieben werden kann.

Schutz- und Schongebiete für Pflanzen und Tiere sollten selbstverständlich respektiert und entsprechend gemieden werden. Es wird empfohlen, sich an ausgewiesene Wege, Pisten und Loipen sowie gekennzeichnete naturverträgliche Skirouten zu halten.

Die Datenbank Onlineportal „NaturSportInfo“  umfasst Beschreibungen von aktuell 30 Natursportarten und deren Auswirkungen auf den Naturraum. Verknüpft damit ist eine Auflistung der betroffenen Lebensräume und der dort vertretenen Tier- und Pflanzenarten. Fachinformationen für Akteure aus Natursport und Naturschutz sowie für speziell Interessierte bieten die Rubriken Fachliteratur und Konfliktlösungen. Das Angebot wird laufend erweitert und aktualisiert.

Das Portal ist erreichbar via www.natursportinfo.de.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news568292

Kommentar & Ergänzung:

Für die Tier- und Pflanzenwelt vor allem der Alpen ist es wichtig, dass solche Informationen angeboten und von den Natursportlern auch aufgenommen werden.

Seit Jahren werden die Alpen mehr und mehr zum Sportgerät und damit stark instrumentalisiert. Sie bekommen so einen ähnlichen Status wie eine Maschine im Fitnesscenter oder ein Bock in der Turnhalle. Dabei geht es immer weniger um eine Begegnung mit einem Lebensraum und seinen menschlichen, tierischen und pflanzlichen Bewohnerinnen und Bewohnern. Der Lebensraum ist nur noch die Folie, auf der eine sportliche Leitung erbracht wird. Die Sensibilität für den Lebensraum verschwindet bei einem zunehmenden Teil der Nutzerinnen und Nutzer.

Das ist heikel im Sommer, vor allem aber auch im Winter. Vögel, Gämsen, Steinböcke, Rehe und Hirsche haben in den Bergen im Winter ein Energieproblem. Jede zusätzliche Flucht kostet viel Kraft.

Bis zu einem gewissen Grad gewöhnen sich die Tiere in den Alpen an Menschen, sofern diese sich an die gleichen Wege und Pisten halten.

Schneesportler, welche die grenzenlose Freiheit suchen, und jenseits der Pisten Ski fahren und Snowboarden oder mit den Schneeschuhen quer durch die Landschaft laufen, versetzten dagegen die Tierwelt durch ihr überraschendes Auftauchen in helle Aufregung.

P.S.: Für den Winter habe ich keine Naturkurse anzubieten – aber wenn Sie im Frühling und Sommer auf naturverträgliche Art faszinierende Lebensräume in den Bergen und im Flachland kennenlernen möchten, dann schauen Sie sich einmal in meinem Kursprogramm die Exkursionsangebote an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzenkunde: Was blüht gerade? – Huflattich (Zytröseli, Märzeblüemli, Teeblüemli)

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Der Huflattich (Tussilago farfara) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist eine der ersten Frühjahrsblumen. Seine gelben Blüten kommen vor der Entwicklung der Laubblätter.

Foto auf Wikipedia.

Zytröseli, Märzeblüemli und Teeblüemli sind verbreitete Volksnamen für den Huflattich in der Schweiz.

Die Blütezeit des Huflattich erstreckt sich von Februar bis April. Die Blüten werden von Bienen, Käfern und Schwebfliegen bestäubt und sind in dieser frühen Jahreszeit eine wichtige Nahrungsquelle für die Insekten.

Die Blätter des Huflattich werden oft mit den sehr ähnlichen Blättern der Weißen Pestwurz (Petasites albus) verwechselt.

In der Phänologie fällt die Blüte des Huflattichs in den Vorfrühling.

Was ist Phänologie?

Der Huflattich dient einigen in ihrem Bestand gefährdeten Schmetterlingsarten als Futterpflanze, darunter den Raupen des Alpen-Würfeldickkopffalters (Pyrgus cacaliae), der Großen Bodeneule (Rhyacia lucipeta) und der Gelblichen Alpen-Erdeule (Xestia ochreago).

Huflattich ist eine Pionierpflanze auf mindestens wechselfeuchten, lehmigen oder tonigen Rohböden. Durch menschliches Zutun wächst er gerne an Straßenböschungen, Sandgruben, Baustellen, Erdablagerungen und Steinbrüchen und findet dort manchmal Bedingungen, die zu Massenbeständen führen. An solchen Standorten, die aufgrund menschlicher Tätigkeiten entstanden sind, wird der Huflattich in der Regel bald von anderen Pflanzengesellschaften verdrängt. Nur an natürlichen Standorten wie Bach- und Flussufern hält sich der Huflattich länger.

Im Gebirge wächst er bis in Höhenlagen von etwa 2300 Metern.

Inhaltsstoffe des Huflattich

Huflattich enthält unter anderem Polysaccharide, Schleimstoffe, Sterole, Bitterstoffe und Gerbstoffe.

Heilwirkung

Huflattich ist eine Heilpflanze mit langer Tradition gegen Husten. Wegen dem Schleimgehalt wirkt er vor allem lindernd bei trockenem Reizhusten.

Allerdings enthält der Huflattich Pyrrolizidinalkaloide in geringen Mengen (vor allem Senkirkin und Senecionin). Diese Substanzen sind lebertoxisch und zeigten in Experimenten krebsfördernde Effekte. Deshalb wird empfohlen Huflattich, nicht länger als vier bis sechs Wochen pro Jahr und nicht während Schwangerschaft und Stillzeit einzunehmen.

Ich selber empfehle anstelle des Huflattich den Malvenblütentee gegen trockenen Reizhusten (von Malva silvestris). Am Huflattich freue ich mich einfach als Frühlingsboten.

Wenn Sie vertrauter werden möchten mit der Pflanzenwelt, dann schauen Sie sich im Kurskalender mal die Daten und Orte für meine Kräuterwanderungen und Heilpflanzenexkursionen an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Ätherische Öle bei Schnupfen

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Die Bild-Zeitung publizierte einen längeren Beitrag über Schnupfen, in welchem auch auf Heilpflanzen-Anwendungen eingegangen wurde:

„Es muss…nicht immer….Nasenspray sein. Prof. Volker Schulz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Phytotherapie: ‚Ätherische Öle wie Eukalyptus, Latschenkiefer oder Pfefferminze schaffen Durchzug.’ Wer eine ‚Laufnase’ hat, sollte viel trinken. Schulz: ‚Gut geeignet sind warme Tees, etwa mit Kamille oder Thymian. Das fördert das Ausschwemmen der Viren.’“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/erkaeltung/schnupfen-folgen-symptome-viren-gefaehrlich-26364678.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhalation von Pfefferminzöl, Eukalyptusöl oder Latschenkiefernöl gibt tatsächlich mehr „Luft“.

Vor allem von Menthol, dem Hauptbestandteil des Pfefferminzöl, ist bekannt, dass es die Kälterezeptoren in der Nasenschleimhaut empfindlicher macht, wodurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen wird. Die Befreiung der Nase beruht also sehr wahrscheinlich einfach auf einer angenehmen Täuschung. Aber es reicht beim Schnupfen ja, wenn die subjektive Befindlichkeit verbessert wird.

Ätherische Öle sollten allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern nie konzentriert in der Nähe von Atemöffnungen angewendet werden.

Pfefferminzöl und Eukalyptusöl sind ziemlich bekannt, was man vom Latschenkiefernöl nicht behaupten kann.

Die Latschenkiefer (Pinus mugo subsp. Mugo, Latsche, Legföhre, Krüppelkiefer) ist eine Unterart der Bergkiefer (Pinus mugo). Sie wächst meist strauchartig und erreicht Wuchshöhen zwischen 1 und 3 m. Die Latschenkiefer ist gekennzeichnet durch ihren krummen Wuchs mit niederliegenden bis bogig aufsteigenden Stämmen und Ästen, diese bilden häufig ein undurchdringliches Gewirr (Latschenfilz oder Latschenfeld). Der Stamm der Latsche ist lang, liegt jedoch am Boden und ist kaum erkennbar.

Die Hauptvorkommen der Latschenkiefer liegen in den Pyrenäen, Alpen, dem Erzgebirge, den Karpaten, sowie dem nördlichen Apennin bis zum Balkan in Höhenlagen von 1000 m bis 2700 m (Quelle: Wikipedia)
Aus frischen Nadeln, Zweigspitzen und Ästen gewinnt man Latschenkiefernöl.
Es dient zur äußerlichen sowie innerlichen Anwendung bei Katarrhen der oberen und unteren Atemwegen (Husten, Schnupfen). In medizinischen Bädern wird es zur unterstützenden Behandlung bei Rheuma-Erkrankungen im nicht akuten Stadium eingesetzt.
Latschenkiefernöl verströmt einen sehr angenehmen, balsamisch-süssen, würzig-holzigen anhaltenden Duft.
In den Gebirgsregionen wird Latschenkiefernöl traditionell als Bestandteil von Franzbranntwein gegen Rheuma-Beschwerden eingesetzt. Franzbranntwein (spiritus vini gallici) ist eine alkoholische Lösung, vor allem bestehend aus reinem Alkohol, Kampfer, Menthol und verschiedenen ätherischen Ölen wie Fichtennadelöl oder Latschenkiefernöl.

Kamille und Thymian kann man natürlich als Kräutertee trinken beim Schnupfen. Ob das viel bringt – abgesehen von der Wasserzufuhr – würde ich aber bezweifeln. Besser wäre auch hier wohl die Inhalation. Kamillenblüten und Thymiankraut kann man gut mischen, anschliessend kochendes Wasser darüber giessen und die Dämpfe inhalieren.

Siehe auch:

Menthol bei Schnupfen

Was ist Latschenkiefernöl?

Kräutertees für jede Gelegenheit: Eukalyptus

Naturheilmittel bei Schnupfen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Klimaerwärmung bedroht Wildbienen im Hochgebirge

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Wenn die Klimaerwärmung weiter voranschreitet, dürfte sie zahlreiche Wildbienen im Hochgebirge und in kühleren Regionen der Erde gefährden – mit nicht abschätzbaren Folgen für den Artenreichtum dort. Zu diesem Schluss kommen Forscher vom Biozentrum der Universität Würzburg.

Die Klimaerwärmung wirkt sich auch aus in den Hochgebirgen: Gletscher schmelzen, Dauerfrostböden tauen auf. Und natürlich haben die höheren Temperaturen dort auch Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen – beispielsweise auf Wildbienen, die wichtigsten Bestäuber von Wildpflanzen und Kulturpflanzen.

Welchen Einfluss haben unterschiedliche klimatische Bedingungen auf die Artenvielfalt der Wildbienen? Welche Eigenschaften der Wildbienen sind für ihr Überleben unter anderen klimatischen Verhältnissen von Bedeutung? Solche Fragen haben die Würzburger Biologen Bernhard Hoiß, Jochen Krauss und Ingolf Steffan-Dewenter im Nationalpark Berchtesgaden untersucht. Der Nationalpark sei dafür hervorragend geeignet, weil es dort auf engem Raum große Höhen- und damit große Klimaunterschiede gebe, erklärt einer der Autoren.

Wildbienenarten im Nationalpark Berchtesgaden

In 600 bis 2000 Metern Höhe haben die Würzburger Wissenschaftler im Nationalpark Berchtesgaden total 87 Arten von Wildbienen nachgewiesen. Allein 19 davon zählen zu den Hummeln. Der Artenreichtum und die Zahl der Individuen sind auf den tiefer gelegenen, warmen Flächen etwa zwei bis drei Mal größer als auf den Wiesen weiter oben.

Folgende Eigenschaften treten vermehrt in den Artengemeinschaften auf, die unter kälteren Bedingungen leben: die Organisation in sozialen Insektenstaaten, der Bau unterirdischer Nester, größere Körper und eine größere Höhenverbreitung. Der überwiegende Teil der Wildbienenarten in höheren Lagen hat nur ein kleines Verbreitungsgebiet und ist an alpine und kühle Lebensräume angepasst.

Konkurrenzkraft der Wildbienen sinkt mit steigender Höhe

Diese evolutionären Anpassungen an widrige klimatische Bedingungen im Gebirge vermindern die Konkurrenzstärke. Das bedeutet: Sollten weniger kältetolerante Wildbienenarten mit ähnlichen Ansprüchen wegen der Klimaerwärmung in den Lebensraum der „Hochgebirgsspezialisten“ vordringen, wären diese im Nachteil – zum Beispiels weil ihre Blüten nun auch von anderen Bienen als Nahrungsquelle genutzt werden.

Diese reduzierte Konkurrenzkraft könne den Spezialisten zum Verhängnis werden, wenn mit einem wärmer werdenden Klima die dominanteren, wärmeliebenden Arten die alpinen Lebensräume erobern, erklärt Bernhard Hoiß. Dadurch sei das Überleben der spezialisierten Wildbienen in den hohen Lagen der Alpen bedroht. Und für Gegenden in hohen Breitengraden sei derselbe Effekt zu erwarten, beispielsweise in Nordskandinavien.

Auswirkungen auf die Pflanzenwelt beschreiben

Die Würzburger Biologen wollen nun als nächstes die Frage angehen, wie sich der prognostizierte Schwund der Wildbienen auf die Bestäubung und damit auf die artenreichen Pflanzen-Lebensgemeinschaften in den entsprechenden Regionen auswirkt. Erste Experimente dazu haben sie im Nationalpark Berchtesgaden schon durchgeführt.

Diese Resultate wurden im Forschungsprojekt FORKAST erarbeitet. Es wird vom bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Rahmen des „Klimaprogramms Bayern 2020“ unterstützt.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news493519

„Altitude acts as an environmental filter on phylogenetic composition, traits and diversity in bee communities”, Bernhard Hoiss, Jochen Krauss, Simon G. Potts, Stuart Roberts, and Ingolf Steffan-Dewenter, Proc. R. Soc. B (2012), online publiziert am 29. August, doi:10.1098/rspb.2012.1581

Kommentar & Ergänzung:

Neben Wildbienen (vor allem Hummeln) sind in alpinen Regionen auch Zweiflügler (vor allem die Echten Fliegen) sehr wichtig als Bestäuber von Blütenpflanzen.

Die Klimaerwärmung bedroht auch viele Alpenpflanzen vor allem aus der Gipfelregion.

Wenn Pflanzen, die sonst in tieferen Regionen wachsen, aufgrund der höheren Temperaturen in die Gipfelregion aufsteigen, dann geraten Edelweiss, Enzian, Himmelsherold etc. unter Druck. Alpenpflanzen also, die dort bisher in der Gipfelregion unbehelligt von starker Konkurrenz leben konnten.

Siehe dazu:

Klimaerwärmung bedroht Gebirgspflanzen wie Edelweiss, Enzian & Co.

Die Klimaerwärmung bedroht auch viele Schmetterlinge:

Klimaerwärmung bedroht Schmetterlinge

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

http://heilpflanzen-info.ch/cms/kurse

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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ProSpecieRara startet Erhaltungsprojekt für Kräuter und Heilpflanzen

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ProSpecieRara sucht Kräuter und Heilpflanzen, die seit mindestens zehn Jahren in einem Garten angebaut werden und bereits vermehrt wurden. Zudem sollten die Kräuter oder Heilpflanzen eine besondere Eigenschaft wie spezielle Farbe oder Duft aufweisen.

ProSpecieRara schreibt im aktuellen Newsletter, es bestehe die Gefahr, dass gut an das Klima angepasste Landsorten durch moderne Züchtungen verdrängt werden.

In der Schweiz habe es neben Firmen auch immer Einzelpersonen wie Apotheker, Drogisten, Landwirte und interessierte Privatpersonen gegeben, welche Heilpflanzen und Kräuter anbauten.

In diesen Kreisen will ProSpecieRara nun nach solchen speziellen Varianten von Kräutern oder Heilpflanzen forschen.

ProSpecie Rara schreibt:

„Haben Sie ein Würzkraut oder eine Heilpflanze ihrem Garten, die Sie:

– seit mindestens 10 Jahren anbauen

– die nicht nur als Einzelexemplare vorhanden sind, sondern schon vermehrt wurden, sei es über Samen oder über Ableger / Stecklinge.

– die eine besondere Eigenschaft besitzen (z.B. ausserordentliche Kälteresistenz, besondere Farbe, spezieller Duft etc.)

Bitte melden Sie ihre Pflanzen mit Angaben zu Verwendung und den obigen Kriterien über 062 832 08 20 (vormittags) oder info@prospecierara.ch.

Schicken Sie uns jedoch bitte vorerst keine Pflanzen zu!“

Diese Inventarisierung von Kräutern und Heilpflanzen mit speziellen Eigenschaften geschieht im Rahmen eines Inventars für das Nationale Aktionsprogramm zur Erhaltung und Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen (NAP) und wird vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) finanziell unterstützt.

ProSpeciaRara geht im Newsletter auch auf die Geschichte des Kräuteranbaus in der Schweiz ein:

„Waren es vor über 1200 Jahren die Klostergärten des frühen Mittelalters wie zum Beispiel St. Gallen, die Heil- und Aromapflanzen anbauten, bestand um 1900 eine Grosskultur von Iris zur Parfümgewinnung. Ausser in den Kriegsjahren, wo der Import von Heilpflanzen sehr schwierig war, hat es sich aber in der Schweiz wirtschaftlich nicht gelohnt in grösserem Stil Kräuter anzubauen. Der Grund lag in den meist kleinen Anbauflächen, hohen Bodenzinsen und Arbeitslöhnen. Während der Kriegszeit waren die Preise oft von sekundärer Bedeutung, weil man froh war überhaupt Waren anbieten zu können. Trotzdem wurden immer wieder Versuche mit verschiedenen Kulturen unternommen. So hat zum Beispiel die Sandoz AG Basel Anfang der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts bis Mitte der Siebzigerjahre im Baselbiet pioniermässig im Grossen Stil Mutterkorn, wolligen Fingerhut und andere Pflanzen angebaut, die für die Herstellung eigener pharmazeutischer Spezialitäten verwendet wurden. Von all diesen Kulturen ist nichts erhalten geblieben.“

Und zum aktuelleren Trend:

„In den 1980-er Jahren bekam der Anbau von Kräutern in den Alpen durch die Ricola AG Aufschwung, die seit 1983 ihre 13 Kräuter ausschliesslich von Produzenten aus dem Schweizer Berggebiet bezieht. Der gegenläufigen Trend findet momentan bei der Weleda AG in Arlesheim statt, die den Anbau ihrer Aroma- und Medizinalpflanzen aus der Schweiz immer mehr ins Ausland verlagert.“

Quellen:

http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_29957.html

http://www.prospecierara.ch/Generator.aspx?tabindex=1&tabid=501&ItemID=1361&mid=625&palias=default

Kommentar & Ergänzung:

Was ist ProSpecieRara?

ProSpecieRara ist eine schweizerische, nicht-Profit-orientierte Stiftung, die 1982 gegründet wurde, um gefährdete Nutztierrassen und Kulturpflanzen vor dem Aussterben zu bewahren. Spiegelschafe, Wollschweine, Rote Gartenmelde, Goldmöstler und zahlreiche andere Raritäten beleben seither wieder Felder, Höfe und Wiesen in der Schweiz.

Als Folge der Artenschutzkonvention von Rio 1992 unterschrieb der Bund das Artenschutzabkommen von Leipzig und verpflichtete sich damit, sämtliche Ressourcen bei Tieren und Pflanzen zu erhalten. ProSpecieRara arbeitet in diversen Projekten Hand in Hand mit dem Bund und bekommt zum Teil Projektgelder vom Bundesamt für Landwirtschaft.

Zu den Ziele von ProSpecieRara:

ProSpecieRara setzt sich für Erhaltung der biologischen Vielfalt ein

26 Nutztierrassen, 1000 Gartenpflanzen und Ackerpflanzen, 450 Beerensorten und 1’800 Obstsorten stellen einen Reichtum dar, den ProSpecieRara mit seinen Aktivitäten und Projekten bewahren will. Mit den verschiedenen Formen, Farben und Eignungen ist diese Vielfalt eine bedeutende genetische Reserve und ein Pool an verschiedenen Eigenschaften, deren Erhaltung wichtig und sinnvoll ist.

ProSpecieRara setzt sich für die Wahrung der kulturellen Vielfalt ein

Die Vielfalt an alten Landrassen und Kulturpflanzen ist ein wertvolles kulturhistorisches Erbe. Traditionelle Tierrassen  und Pflanzensorten erzählen ein Stück Landwirtschaftsgeschichte und sind mit der Kultur unseres Landes eng verbunden. ProSpecieRara sensibilisiert die Öffentlichkeit für den Schatz, den diese Vielfalt darstellt.

ProSpecieRara setzt sich für freien Zugang ein

ProSpecieRara kämpft gegen Gesetze und Verordnungen, die den Zugang zu Saatgut und Zuchttieren einschränken oder verunmöglichen.

Ernährungsgrundlage sichern

Ein breiter, genetischer Pool an Nutztieren und Kulturpflanzen ist von grossem Wert.

Mit der Erhaltung einer breiten, genetischen Reserve leitet ProSpecieRara einen Beitrag zur Sicherung der pflanzlichen und tierischen Rohstoffe.

Unsere Umwelt verändert sich permanent, so dass bei Kulturpflanzen und Nutztieren in Zukunft andere Eigenschaften gefragt sein könnten als heute. Genetische Vielfalt ist daher die beste Vorbeugung gegen künftige Anpassungsprobleme.

Die in-situ-Erhaltung – also die dynamische Erhaltung in den Gärten, auf den Äckern und in den Ställen – ermöglicht eine fortlaufende Anpassung an die sich verändernde Umwelt. Dies ist ein grosser Vorteil verglichen mit der ex-situ-Erhaltung in Samenbanken und Genbanken, wo Saatgut und tierisches Zuchtmaterial über lange Zeitspannen tiefgefroren und ohne Interaktion mit der Umwelt eingelagert werden.

ProSpecieRara trägt Wissen zusammentragen und gibt Wissen weiter

ProSpecieRara setzt auf die in-situ-Erhaltung, was bedeutet, dass die Vielfalt an Sorten und Rassen über die natürlichen Anbau- und Zuchtzyklen von Saison zu Saison weiter gegeben wird. Nur so bleiben auch das Wissen und die Erfahrungen rund um den Anbau der Sorten und  die Haltung der Rassen erhalten. Wann ist der optimale Erntezeitpunkt einer bestimmten Pflanzensorte? Welches Futter und welche Haltungsformen brauchen die verschiedenen Nutztierrassen? Welche Obstsorten eignen sich für den Anbau in höher gelegenen Regionen? Was muss bei der Landschaftspflege mit alten Ziegenrassen beachten werden? Solches Wissen lässt sich nicht einlagern und einfrieren. Dank der in-situ-Erhaltung wird es von Saison zu Saison weitergegeben. Und auch die Möglichkeiten der Nutzung der Sorten und Rassen und deren Verarbeitung bleiben so kontinuierlich erhalten.

Die Vielfalt lässt sich am sichersten erhalten, wenn sie genutzt wird. Nur was im Umlauf ist, gerät nicht in Vergessenheit.

Gütesiegel als Vermarktungshilfe

Alte Pflanzensorten und Nutztierrassen bleiben aber nur erhalten, wenn sie auch angemessenen Ertrag bringen.

Die Stiftung ProSpecieRara stellt mit ihrem Gütesiegel eine Vermarktungshilfe zur Verfügung. Es zeichnet Spezialitäten von alten Rassen und Sorten aus und garantiert den Konsumentinnen und Konsumenten, dass hinter den Produkten reinrassige Erhaltungszucht und sortenreines Saatgut stecken und dass sich der Kauf dieser Spezialitäten günstig und nachhaltig auf die Erhaltung der gefährdeten Vielfalt auswirkt.

ProSpecieRara organisiert im Herbst Produktemärkte als Plattformen, wo die Gütesiegelbetriebe auf ein interessiertes Publikum stossen (zur Zeit in Zofingen, Basel und Zürich) Die aktuellen Daten sind zu finden im Veranstaltungskalender auf http://www.prospecierara.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Klimaerwärmung bedroht Gebirgspflanzen wie Edelweiss, Enzian & Co.

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Pflanzen und Tiere reagieren weltweit auf die Klimaerwärmung. Das betrifft auch den Alpenraum. Wiener Wissenschaftler haben nun die Überlebenschance von Gebirgspflanzen berechnet und kommen zum Schluss, dass Enzian und Edelweiß etwa drei Viertel ihrer Lebensräume verlieren werden.

Andere Pflanzen wie die Clusius-Primel oder das Portenschlag-Läusekraut werden bis Mitte des nächsten Jahrhunderts aussterben – und dies weltweit, weil sie nur in den Alpen vorkommen.

Dies berichten Wissenschaftler vom Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie der Uni Wien in einer Studie, in der sie Wanderungsprozesse der Gebirgsfauna mit einem neuen Modell vorhersagen.

Das Modell basiert zum einen auf einer Klimaentwicklungsprognose des Weltklimarats IPPC und zum anderen auf der heutigen Verbreitung von 150 Gebirgspflanzenarten, darunter Edelweiß, Enzian, Alpenglöckchen und verschiedene Primelarten.

Die Wissenschaftler unterteilten die gesamten Alpen – von Frankreich bis Österreich – in 20 Millionen lokale Untersuchungseinheiten und errechneten daraus die Gebietsveränderungen der Pflanzen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Dabei kamen sie zum Schluss, dass die Alpenpflanzen Im Durchschnitt 44 bis 50 Prozent ihrer heutigen Fläche verlieren.

Das führe jedoch bis zu diesem Zeitpunkt nicht automatisch zum Aussterben. Die Wissenschaftler gehen von einem „extinction debt“ aus, wie sie in ihrer Studie feststellen. Dabei handelt es sich um eine Art „Aussterbe-Verzögerung“, die in bisherigen Modellen nicht berücksichtigt wurde.

Um langfristig an einem Standort zu überleben, muss eine Pflanze den vollständigen Reproduktionszyklus abwickeln können, also Samen bilden, keimen, heranwachsen, blühen und schließlich wieder Samen produzieren. Veränderungen der Standortbedingungen als Folge des Klimawandels können den erfolgreichen Abschluss des vollständigen Lebenszyklus erschweren oder verunmöglichen. Die Pflanzenart ist dann an diesem Standort längerfristig nicht überlebensfähig.

Es dauert allerdings einige Zeit, bis sie tatsächlich verschwindet, denn ausgewachsene Alpenpflanzen halten Einiges aus. Die „Aussterbe-Verzögerung“ beträgt durchschnittlich 40 bis 50 Jahre – bei manchen Pflanzenarten deutlich weniger, bei anderen viel mehr.

In den kommenden Jahrzehnten werden deshalb wahrscheinlich nur geringe Verluste an Pflanzenarten in den Alpen zu beobachten sein. Das sage aber nichts über die längerfristige Zukunft dieser Arten aus, betont Karl Hülber vom Wiener Institut für Naturschutzforschung und Ökologie (VINCA), ein Mitautor der Studie. Irgendwann sterbe auch die widerstandsfähigste und langlebigste Pflanze und dann sei es vorbei.

Bis zu acht Prozent aller Pflanzenarten werden laut Prognose bis zum Ende des 21. Jahrhunderts an Orten wachsen, an denen ein dauerhaftes Überleben unmöglich ist. Berücksichtigt man den Verzögerungseffekt und geht davon aus, dass es nicht wieder kühler wird, werden diese Pflanzenarten bis zum Jahr 2140 ausgestorben sein.

Zu den zukünftigen Opfern der Klimaerwärmung gehören etwa die Zwergprimel und das Alpenglöckchen. Die Zwergprimel wird laut Modell bis zum Jahr 2100 100 Prozent ihrer Lebensräume verlieren, das Alpenglöckchen 98 Prozent. Auch das Edelweiß und diverse Enzianarten sind bedroht, denn sie verlieren 70 bis 80 Prozent der für sie bewohnbaren Gebiete in den Alpen.

Noch dramatischer ist die Entwicklung für sogenannte endemische Arten, also Pflanzen, die es nur in der alpinen Region gibt. Von ihnen werden unter den erwähnten Bedingungen bis zu 28 Prozent aller Arten bis ins Jahr 2140 ausgestorben sein. Das ist besonders besorgniserregend, weil diese Pflanzearten im Falle des Aussterbens unwiederbringlich verloren sind.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1698337/

Die Studie:

„Extinction debt of high-mountain plants under twenty-first-century climate change“ von Stefan Dullinger und Kollegen ist in „Nature Climate Change“ erschienen.

http://www.nature.com/nclimate/journal/vaop/ncurrent/full/nclimate1514.html

Kommentar & Ergänzung:

Aus der Beschreibung geht meinem Eindruck nach nicht deutlich hervor, weshalb die Alpenpflanzen durch die Klimaerwärmung bedroht sind:

Wird das Klima wärmer, wandern Pflanzen, die sonst in tieferen Regionen wachsen, zunehmend in die Gipfelregionen. Sie verdrängen dort die Pflanzenarten der höheren Standorte, denn Gipfelpflanzen können ja nicht einfach auch nach oben ausweichen.

Alpenpflanzen beeindrucken nicht nur mit ihren zum Teil sehr intensiven Farben. Sie sind auch faszinierende Überlebenskünstler, die unter schwierigsten Bedingungen existieren können.

Siehe auch:

Klimaerwärmung bedroht Schmetterlinge

Wenn Sie Enzian, Edelweiss, Steinbrech, Akelei & Co. kennen lernen möchten, können sie das gerne auf meinen Heilpflanzen- und Alpenblumenkursen. Daten und Orte finden Sie hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Blick ins Pflanzenlexikon: Schafgarben

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Die Schafgarben (Achillea) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr botanischer Name Achillea leitet sich von dem griechischen Helden Achilles ab, von welchem behauptet wird, dass er mit dieser Pflanze Wunden behandelt habe. Pflanzenarten aus der Gattung „Schafgarben“ finden als Heilpflanzen Verwendung. In China wurden Schafgarbenstängel zu Orakelzwecken verwendet, um Hexagramme zu bestimmen (I Ging).

Die Gattung Schafgarbe umfasst etwa 115 – 200 Arten. In der Schweiz sind es 9 Arten.

Wichtige Beispiele:

Gemeine Schafgarbe (= Gewöhnliche Schafgarbe, Achillea millefolium)

Achillea millefolium ist diejenige Schafgarbenart, die bei uns als Heilpflanze verwendet wird (Foto auf Wikipedia)

Nimmt man es botanisch genauer, kann man noch 6 Kleinarten unterscheiden, die sich auch im Wirkstoffgehalt unterscheiden können.

Schafgarbenkraut enthält Sesquiterpenlacone (Bitterstoffe), ätherisches Öl (je nach Kleinart mit Proazulenen, wie sie auch im Kamillenöl vorkommen) und Flavonoide.

Schafgarbe ist ein pflanzliches Bittermittel, das hauptsächlich innerlich bei Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen angewendet wird, vor allem als Schafgarbentee oder Schafgarbentinktur.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird Schafgarbentee auch angewendet bei Menstruationskrämpfen (Dysmenorrhoe).

Mit den Schafgarbenblättern lässt sich Wolle gelb oder braun färben. Junge Blätter sind als Wildsalat oder Wildgemüse verwendbar.

In früheren Zeiten dienten Schafgarbenblätter ausserdem als Ersatz für Muskat, Zimt, Tabak oder sogar Hopfen.

Schafgarbe ist für Wildpflanzengärten geeignet. Sie ist für Insekten bis in den Herbst hinein eine gute Nahrungsquelle.

Grossblättrige Schafgarbe (Achillea macrophylla)

Die Großblättrige Schafgarbe wächst in sickerfrischen Hochstaudenfluren und Gebüschen der subalpinen Stufe. Die Art ist nährstoffanspruchsvoll und meidet Kalkböden.

Schwarzrandige Schafgarbe ( = Hallers Schafgarbe, Achillea atrata)

Die Schwarzrandige Schafgarbe gehört zu den Alpenblumen und wächst auf Kalk.

Moschus-Schafgarbe (Achillea erba-rotta)

Sie bevorzugt steinige, saure Böden zwischen 1500 und 3400 m ü.M. Moschus-Schafgarbe enthält Bitterstoffe wie Ivain, Moschatin, Achillein, Harzsäure und das stark aromatische, pfefferminzähnliche Ivaöl.

In der Volksheilkunde der Bergregionen wird die Pflanze bei Appetitlosigkeit, Erkrankungen von Magen, Darm und Leber, bei Nervenschwäche und äußerlich als Wundmittel verwendet. „Iva“, der romanische Volksname der Moschus-Schafgarbe, leitet sich vom lat. abigere = abtreiben her und deutet auf eine Verwendung als Abortivum (Abtreibungsmittel). In der Schweiz wird daraus seit über 100 Jahren ein Alpen-Kräuterlikör, der sogenannte „Ivabitter“ oder Iva-Schnaps hergestellt.

Sumpf-Schafgarbe (Bertram-Schafgarbe, Achillea ptarmica)

Sie wächst auf feuchten Wiesen, an Gräben und Ufern.

Eine gefüllte Form mit weissen Blüten ist in manchen Gegenden charakteristisch für alte Bauerngärten.

Gelbe Schafgarbe (Achillea tomentosa)

Sie wächst auf Trockenrasen und in Felsensteppen (z. B. Lötschberg Südrampe).

Wenn Sie Pflanzen (natürlich auch Schafgarbenarten) und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kümmeltee lindert Magenkrämpfe und Blähungen

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Kümmel kann bei Völlegefühl, Blähungen und Magenkrämpfe Linderung verschaffen. Die kleinen Kümmelfrüchte sollten mit einem Mörser oder dem Rücken eines Esslöffels gequetscht und dann mit heißem Wasser zu einem Tee aufgegossen werden, empfiehlt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.

Nur so könne das ätherische Öl aus dem Kümmel in das Teewasser übergehen und seine krampflösende und keimhemmende Wirkung entfalten.

Zur Linderung von Beschwerden bei Säuglingen oder Kleinkindern solle Kümmelöl zu zehn Prozent mit Olivenöl vermischt und vorsichtig in die Bauchhaut um den Nabel eingerieben werden, rät der Experte. Nebenwirkungen sind gemäss Mayer bei Kümmel nicht bekannt. Er empfiehlt zudem, immer genügend Zeit für eine Mahlzeit einzuplanen und das Essen langsam und gründlich zu kauen. Grob zerkleinerte Speisen würden schwerer verdaut, Gase könnten sich entwickeln und den Bauch aufblähen. Ursache für Magen-Darm-Beschwerden ohne organische Erkrankung seien häufig auch mangelnde Bewegung und schweres Essen.

Quelle:

http://www.infranken.de/nachrichten/ratgeber/Kuemmel-hilft-bei-Magenkraempfen-und-Blaehungen;art186,242568

Kommentar & Ergänzung:

Kümmelfrüchte kann man bei Völlegefühl nach den Mahlzeiten auch direkt kauen und schlucken. Ähnlich wie Kümmel wirken Fenchelfrüchte, Dillfrüchte und Anisfrüchte, aber auch Korianderfrüchte und Kardamomenfrüchte.

Kümmel ist wohl den meisten Menschen in Mitteleuropa als Gewürz bekannt. Dass man Kümmel als einheimische Heilpflanze vor allem in den Voralpen und Alpen auf Wiesen und Weiden oft in grosser Zahl antreffen kann, wissen aber längst nicht alle.

Falls Sie also die Kümmelpflanze in der Natur kennen lernen möchten, können Sie das gerne auf einer meiner Kräuterwanderungen (Termine und Orte hier). Kümmel ist da nicht gerade immer, aber sehr häufig anzutreffen.

Fenchel, Anis, Dill, Koriander und Kardamom sind dagegen keine einheimischen Wildpflanzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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