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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

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Professor Dr. Theo Dingermann, Seniorprofessor an der Universität Frankfurt, hat auf einer Fortbildungsveranstaltung die verschiedenen Cannabisarten mit ihren unterschiedlichen Wirkungen beschrieben.

Die Pflanzengattung Hanf (Cannabis) gehört in die Familie der Hanfgewächse und besteht aus drei verschiedenen Arten, auf die sich jede erhältliche Mischung oder Kreuzung zurückführen lässt: Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis.

Zu Cannabis sativa, der bekanntesten Art, sagt Dingermann:

„Das High, das solche Sorten erzeugen, wird meist als psychedelisch, verträumt und kreativitätsfördernd beschrieben. Der Effekt ist sowohl geistig als auch körperlich spürbar.“

Diese Cannabis-Sorten werden insbesondere zur Behandlung von Übelkeit und Brechreiz eingesetzt, beispielsweise verursacht durch eine Chemotherapie oder durch HIV/Aids-Medikamente, ausserdem bei Appetitlosigkeit, Migräne, Depression, chronischen Schmerzen und verwandten Symptomen.

Das High von Cannabis indica beschrieb Dingermann als schwer und stark und in der Regel wie ein Beruhigungsmittel wirkend. Diese Empfindung sei vor allem körperlicher Natur und wirke entspannend, da die Muskelspannung vermindert werde. Bevorzugte Anwendungsbereiche sind daher die Behandlung von Muskelspasmen und Tremor-Symptomen (beispielsweise bei Multiple Sklerose und Parkinson) sowie chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Ängste.

Cannabis ruderalis ist eine kleinwüchsige, struppige Pflanze, die nur äußerst wenig THC enthält und wegen ihrer frühen Blüte in der Züchtung eine Rolle spielt.

Quelle:

ptaforum 06/2016

http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8597

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Differenzierung, die auch für die medizinische Anwendung wichtig ist. Für die unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica dürfte unter anderem der höhere Gehalt an Cannabidiol (CBD) in Cannabis indica verantwortlich sein. Mit reinen THC-Präparaten wie Dronabinol ist jedenfalls nicht allen Patientinnen und Patienten optimal geholfen. CBD kann die Wirkung offenbar in manchen Fällen günstig modulieren.

Siehe dazu auch:

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Zu Möglichkeiten des legalen Bezug von Cannabis-Präparaten für Patientinnen und Patienten in der Schweiz:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelöl und Salbeiöl gegen HIV-Infektion – „Heiler“ verurteilt

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Ein selbsternannter „Heiler“ aus dem Wallis soll eine Patientin gefährdet haben. Nun wurde der Mann zu einer Strafe in Höhe von 1000 Franken verurteilt.

Im Unterwallis soll ein selbsternannter „Heiler“ einer seiner Patientinnen Lavendelöl und Salbeiöl verschrieben haben. Die Frau litt an einer HIV-Infektion. Gemäss einem Bericht in der Zeitung «Nouvelliste» gab der „Heiler“ seiner Patientin den Rat, die HIV-Medikamente abzusetzen. Nun wurde er deswegen verurteilt. Der „Heiler“ hat gemäss Strafbefehl gegen das kantonale Gesundheitsrecht verstossen, weil die Frau «auf seine Aufforderung hin ihre Anti-HIV-Behandlung Ende 2014 abgebrochen hatte».

Der Mann gab bei der Befragung durch die Polizei an, dass er seiner Patientin lediglich empfohlen habe, die Medikamente abzusetzen. Wie dem Strafbefehl jedoch zu entnehmen ist, hat er die Therapie mit herkömmlichen HIV-Medikamenten als nutzlos abgestempelt, was auf seiner Homepage zu sehen gewesen sei.

Durch seine Empfehlungen habe er die Frau in Gefahr gebracht, weil eine HIV-Infektion unheilbar sei und nur eine korrekte Behandlung eine Verzögerung des Ausbruchs von Aids ermöglicht.

Quelle:

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Walliser-Schamane-wollte-Aids-mit-Lavendel-heilen-15426304

http://www.lenouvelliste.ch/articles/valais/martigny-region/il-propose-de-la-lavande-a-une-malade–562381

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Fälle kommen selten zur Anzeige. Oft sind betroffene Patientinnen oder Patienten kritiklos von ihrem „Heiler“ überzeugt oder es ist ihnen peinlich, auf einen Scharlatan hereingefallen zu sein.

Aber man muss klar festhalten: Das grösste Risiko der „Alternativmedizin“ und „Komplementärmedizin“ liegt darin, dass „Heilerinnen“ oder „Heiler“ für sich und ihre Methoden keine Grenzen sehen.

Allmachtsvorstellungen, Grössenphantasien und Schwarz-Weiss-Denken sind in dieser „Szene“ leider nicht selten. Sie können dazu führen, dass Patienten von notwendigen medizinischen Abklärungen und Therapien abgehalten werden.

Dadurch werden Patientinnen und Patienten gefährdet.

Im vorliegenden Fall hat der Kanton Wallis Anzeige erhoben. Und mit Sicherheit wird nun zu wehleidigen Klagen kommen über die Verfolgung und Unterdrückung der „Alternativmedizin“ durch die böse „Schulmedizin“ oder die „Pharmaindustrie“.

Dabei sind hier weder verschwörungstheoretische Konstrukte noch blinde Solidarisierung am Platz.

Wer so fahrlässig „therapiert“ und falsche Versprechungen macht, handelt verantwortungslos und nutzt die Hoffnungen und Ängste von kranken Menschen schamlos aus. Dem sollte wo immer möglich ein Riegel geschoben werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zistrose (Cistus incanus): Extrakte der Zistrose inaktivieren HI-Viren, Ebola-Viren und Marburg-Viren

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Extrakte der Zistrose (Cistus incanus) inaktivieren in Laborexperimenten HI-, Ebola- und Marburg-Viren und verhindern ihre Vermehrung.

Für virale Infektionen wie beispielsweise HIV/Aids braucht es infolge von Resistenzbildung immer wieder neue antivirale Wirkstoffe. Gegen Ebola- oder Marburg-Viren existieren gegenwärtig noch gar keine zugelassenen Präparate. Forscher vom Institut für Virologie des Helmholtz-Zentrums München konnten nun zeigen, dass Extrakte aus der Zistrose (Cistus incanus) virostatische Eigenschaften besitzen. Der Pflanzenextrakt blockiert das Andocken der Viren an Zellen, indem Inhaltsstoffe selektiv an die Viruspartikel binden und so die Infektion verhindern. Die Wissenschaftler arbeiteten mit klinischen Isolaten des HI-Virus vom Typ 1 und 2, einschließlich eines HIV-Stammes, der gegen mehrere therapeutisch eingesetzte antivirale Wirkstoffe resistent ist.

Dabei inaktivierten die Zistrose-Extrakte die HI-Viren bei allen Experimenten.

Die Wirkstoffe blockieren virale Hüllproteine, womit das Andocken der Viren an die Wirtszellen verhindert wird. Selbst nach 24-wöchigen Labortests entwickelten sich keine Resistenzen.

Prof. Dr. Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie sagt: „Unsere Ergebnisse zur Anti-HIV-1-Wirkung von Cistus incanus liefern erste Hinweise, dass käuflich erhältliche Extrakte aus der Zistrose für die Entwicklung von neuartigen und wissenschaftlich fundierten Phytotherapeutika gegen HIV genutzt werden könnten“. Da die antivirale Wirkungsweise der von uns untersuchten Pflanzenextrakte sich von allen bisher klinisch eingesetzten Medikamenten gegen HIV-1 unterscheidet, wären solche Präparate eine wertvolle Ergänzung der Palette an etablierten Arzneistoffen.“

Die Cistus-Extrakte waren nicht nur gegen HIV, sondern auch gegen Viruspartikel mit Hüllproteinen von Ebola- bzw. Marburg-Viren aktiv. Die Forscher fanden auch Hinweise dafür, dass Zistrose-Extrakte zahlreiche antivirale Inhaltsstoffe enthalten, die in Kombination wirken könnten. Zusammen mit der schon in der Literatur beschriebenen antiviralen Aktivität von Zistrose-Extrakten gegen Grippeviren, belegen die Resultate die breite antivirale Wirkung von Cistus-Extrakten gegen wichtige humanpathogene Viren.

Virusbedingte Infektionen gehören zu den zehn weltweit häufigsten Todesursachen bei Menschen.

Die Wissenschaftler können sich aufgrund ihrer Resultate eine Reihe neuer Anwendungen im globalen Kampf gegen virale Infektionskrankheiten vorstellen, zum Beispiel die Entwicklung von optimierten antiviralen Gemischen aus Pflanzenextrakten als Phytotherapeutika. Möglicherweise könnten Cremes oder Gels als Mikrobizide die sexuelle Verbreitung von Erregern wie HIV verhindern, da Cistus-Extrakte die Infektiosität von Viruspartikel blockieren. Ausserdem sind Cistus-Extrakte vielversprechende Quellen für die Isolierung von neuen Wirkstoffklassen bzw. -Molekülen.

Quelle:

http://derstandard.at/2000030308072/Zistrose-Heilpflanze-gegen-HIV-und-Ebolaviren

Originalpublikation:

Potent in vitro antiviral activity of Cistus incanus extract against HIV and Filoviruses targets viral envelope proteins
Stephanie Rebensburg et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep20394; 2016

http://www.nature.com/articles/srep20394

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Untersuchungen. Es muss aber unterstrichen werden, dass es sich um Laborergebnisse handelt. Die Situation im menschlichen Organismus unterscheidet sich davon stark. Im Reagenzglas lassen sich Viren und Zistrose-Extrakt isoliert von allen anderen Einflüssen zusammenbringen. Das ermöglicht ein direktes Einwirken von Inhaltsstoffen auf die Viren. Im menschlichen Organismus gibt es dagegen viele zusätzliche Einflüsse, die als Störfaktoren wirken können.

Die gegen Viren wirksamen Substanzen in der Zistrose gehören zu den Gerbstoffen.

Dazu ist zu sagen, dass viele Pflanzen Gerbstoffe mit antiviraler Wirkung enthalten, zum Beispiel Melisse und Salbei. Melissenextrakt und Salbeiextrakt werden daher in Salben gegen Herpesviren eingesetzt. Es stellt sich daher die Frage, ob die gezeigte antivirale Wirksamkeit der Zistrose-Extrakte wirklich so speziell ist, oder ob Gerbstoffe aus anderen Pflanzen vergleichbare Effekte zeigen würden.

Der Klarheit halten ist zudem festzuhalten, dass die antivirale Wirkung der Gerbstoffe sich auf lokale Anwendungen auf Haut und Schleimhaut beschränkt. Es gibt bisher keine Belege, dass Gerbstoffe über den Verdauungstrakt ins Blut gelangen und dort systemisch antiviral wirken. Daher ist es auch überzogen, wenn in Medienberichten über diese Untersuchungen bereits von einer neuen Waffe aus der Pflanzenwelt gegen HIV gesprochen wird. Damit wird eine systemische Wirkung suggeriert, mit der sich eine HIV-Infektion heilen liesse.

Beispiel:

„Pflanzenextrakt hilft gegen HIV und Ebola“

(Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19808-2016-02-03.html)

 

Ein solcher Titel spricht natürlich mehr an und tönt attraktiver als eine realistischere, nüchterne Überschrift wie:

„Pflanzenextrakt inaktiviert Virus im Reagenzglas“.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Palliativmedizin: Cannabinoide gegen Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen

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Wenn schwerkranke Menschen an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen leiden, können Cannabinoide hilfreich in der Palliativtherapie sein.

Lebensqualität sei das herausragende Ziel für Menschen am Lebensende, sagte Professor Dr. Andreas S. Lübbe von der Palliativstation in Bad Lippspringe beim Münchner Fachpresse-Workshop Supportivtherapie.

Starke Schmerzen, Appetitlosigkeit (Anorexie), Fatigue, Erbrechen und Übelkeit belasten zahlreiche Kranke enorm – und auch ihre Angehörigen.

Wenn Patientinnen oder Patienten nicht essen können oder wollen kann das zu starkem Gewichtsverlust und zu krankhafter, starker Abmagerung (Kachexie) führen.

Cannabis kann unter anderem den Appetit anregen. Dronabinol-Tropfen enthalten THC und können deshalb Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit vermindern.

Lübbe nannte die Cannabinoide als einen Baustein zur medikamentösen Behandlung der Anorexie (Appetitlosigkeit).

Derzeit gibt es in Deutschland nur ein entsprechendes Fertigarzneimittel auf dem Markt: den Mundspray Sativex® zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei MS-Patienten.

Eine Alternative dazu bietet die Dronabinol-Rezeptursubstanz, die in Apotheken gemäß NRF-Vorschrift zu öligen Tropfen (25 mg/ml) oder Kapseln (2,5 oder 5 oder 10 mg/Kapsel) verarbeitet werden kann. Informationen zur Rezeptur stellt der Hersteller unter www.bionorica-ethics.de zur Verfügung.

Das Rezepturarzneimittel muss von einem Arzt oder einer Ärztin auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.

Als Indikationen für Dronabinol gelten unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Anorexie bei Krebs- oder Aidspatienten sowie Spastizität und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss).

Ebenso gebe es eine hohe Evidenz bei Patienten mit Kachexie-Syndrom, sagte Lübbe. Dronabinol könne Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit mildern.

Appetitanregung und Muskelrelaxation sind laut Hersteller die Hauptwirkungen von Dronabinol.

Weniger ausgeprägt sind die Effekte gegen Übelkeit und Erbrechen, gegen Schmerzen und Angst, sowie die beruhigenden und entzündungswidrigen Wirkungen.

Dronabinol kommt darüber hinaus zur Anwendung bei Schmerzen anstelle von oder ergänzend zu Opioiden. Lübbe hält dies vor allem für sinnvoll, wenn Patienten an weiteren Symptomen leiden, gegen die Cannabinoide wirksam sind. Als Beispiele erwähnte er Übelkeit, Anorexie, Spastizität, Hypersalivation und Schlafstörungen.

Zur Appetitstimulation sollte man mit einer tiefen Dosis anfangen und langsam auftitrieren. Das bedeutet: Zu Beginn zweimal täglich einen bis drei Tropfen der öligen Lösung (0,83 bis 2,5 mg) geben und alle drei Tage steigern. Lübbe sagte, dass die meisten Patienten nicht mehr als 10 mg pro Tag brauchen.

Höhere Dosierungen kommen in der Regel zur Anwendung bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen sowie zur Schmerzbehandlung.

Als unerwünschte Wirkungen können typischerweise auftreten: Schwindel (mehr als 10 Prozent der Patienten) sowie Müdigkeit, Amnesie, Dysarthrie (Sprechstörungen) und affektive Störungen.

Kontraindikationen für Dronabinol sind psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Panikattacken oder Depression sowie Krampfanfälle und Epilepsie in der Anamnese.

Lübbe hält Cannabinoide für eine Bereicherung in der Palliativmedizin und verlangte »mehr Mut zum Einsatz«.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57248

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen zu Dronabinol, Sativa-Öl und Sativex finden Sie hier:

Dronabinol / THC vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

Neues Cannabismedikament in der Schweiz (Sativa-Öl)

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erehältlich (Dronabinol / Cannabistinktur)

Cannabis-Wirkstoffe neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Kapseln besser wirksam als ein Joint

 

Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Cannabis als Heilmittel – Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Cannabis als Heilpflanze – es tut sich was

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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BfArM warnt erneut vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) hat seine Warnung erneuert und verschärft: MMS, das angeblich gegen Aids, Krebs, Herpes, Malaria, Demenz und vieles andere mehr helfen soll, wurde als bedenkliches, nicht zugelassenes Arzneimittel eingestuft. Damit ist der Verkauf von MMS in Deutschland ab sofort illegal.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die «Miracle Mineral Supplement»-Produkte MMS und MMS2 der Firma Luxusline Ltd. als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Zudem bewertet es diese Produkte als bedenklich, weil der begründete Verdacht bestehe, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

Das BfArM warnte schon im vergangenen Jahr vor Natriumchlorit-Produkten, die in der Regel über das Internet als Miracle Mineral Supplement zur Heilung von Krebs, Malaria, chronischen Infektionen und weiteren schwerwiegenden Krankheiten beworben werden. Mit der aktuellen Einstufung bestätigt das BfArM seine kritische Haltung zum Vertrieb und der Anwendung dieser Produkte.

Als bedenklich nach § 5 Arzneimittelgesetz sind die beiden Produkte laut BfArM deshalb einzustufen, weil mit der Einnahme schädliche Wirkungen verbunden sind, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

MMS enthält die Chemikalie Natriumchlorit in einer Lösung von 28 Prozent, MMS2 Calciumhypochlorit 70 Prozent in Kapseln. Die beiden Produkte werden kombiniert mit einer «Aktivator»-Zitronensäurelösung 10 Prozent zur Trinkwasseraufbereitung in den Handel gebracht. Durch die Reaktion von MMS mit der sogenannten Aktivatorlösung, also von Natriumchlorit und Zitronensäure, entwickelt sich Chlordioxid, ein giftiges Gas mit stechendem, chlorähnlichem Geruch. Chlordioxid wird als Bleichmittel von Papier und zur Desinfektion von Trinkwasser verwendet und kann schwere Verätzungen der Haut sowie schwere Augenschäden auslösen.

Den Giftnotrufzentralen liegen laut Angaben des BfArM Fälle von Erbrechen, Atemstörungen und Hautverätzungen bei der Einnahme von MMS vor.

Behörden in Amerika, Kanada, Frankreich und Deutschland warnen immer wieder vor MMS, weil nach Einnahme dieser Präparate unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen durch Schäden an roten Blutkörperchen beobachtet wurden.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=56643

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mms-bfarm-stuft-es-nach-zulassung-als-bedenklich-ein-a-1017455.html#ref=plista

 

Kommentar & Ergänzung:

Auch diese Warnung wird die MMS-Gemeinde nicht von ihrem Wundermittel abbringen.

Das Märchen vom simplen Heilmittel, das fast alle Krankheiten besiegt, ist einfach viel zu schön. Dazu kommt dann noch die Opferlegende vom grossartigen menschenfreundlichen Wundermittel, das von der bösen Pharma-Lobby unterdrückt wird.

Natürlich treten die erwähnten Vergiftungserscheinungen nur bei einer kleinen Minderheit der Anwenderinnen und Anwender auf.

Ich selber bin allerdings auch schon von Leuten kontaktiert worden, die von erheblichen Reizwirkungen nach MMS-Anwendung berichtet haben.

Mir ist es gerade als ehemaligem Drogisten ein Rätsel, wie man sich freiwillig Chlorgas aussetzen und das auch noch für gesund halten kann.

Am eindrücklichsten ist aber, wie Leute daran glauben können, dass ein derart einfach gestricktes Produkt eine ganze Palette von sehr unterschiedlichen schweren Krankheiten heilen kann.

Auf diesen Post werden wieder – wie beim Thema MMS üblich – eine Reihe von gehässigen Kommentaren von MMS-Anhängerinnen und –anhängern eintrudeln, die oft gipfeln in der sehr investigativen Frage „Wie viel zahlt dir die Pharmaindustrie für diesen Hetzartikel?“ – Darum hier gleich prophylaktisch der Hinweis: Nein, ich bin nicht von der Pharma-Lobby bezahlt – und Kommentare dieser Art werden umstandslos gelöscht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Anmassende Ratschläge für Kranke – leider kein seltenes Übel

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Wer krank ist, bekommt oft ungefragt Ratschläge jeder Art.

Ist jemand schwer krank oder gar unheilbar krank, werden die Ratschläge nicht selten eine Stufe aufdringlicher und aggressiver. Und sie sind häufig gekoppelt mit dem Vorwurf, dass die kranke Person halt selber schuld ist, wenn sie nicht auch noch Mittel X und Y probiert. „Die will ja gar nicht wirklich gesund werden“, lautet dann die mehr oder weniger durchscheinende Schlussfolgerung. Viele schwerkranke Menschen könnten ein Buch schreiben mit solchen Erfahrungen.

Melanie Schickedanz – selber an Myalgischer Enzephalomyelitis erkrankt – hat in „The Huffington Post“ die Ratschlaggeber in vier Typen unterteilt:

 

„Typ 1 – Die Person, die von etwas hört, nachfragt und wirklich helfen möchte“

Mit diesem Typ, schreibt Melanie Schickedanz, hat man als Erkrankter kein Problem.

Die folgenden Typen zählt sie zu den „schwierigen Mitmenschen“:

„Typ 2 – Die Person, die von etwas hört und einem erklärt, dass das hilft“

„Typ 3 – Vertreter von Produkten, die sich ihre Abnehmer im Bekanntenkreis und in den Medien suchen“

„Typ 4 – Der Scharlatan, der mit dem Leid und der Hoffnung kranker Menschen Geld scheffelt“

 

Quelle:

http://www.huffingtonpost.de/melanie-schickedanz/kranke-menschen-gepeinigt-scharlatane-gesundheits-vertreter_b_5521119.html?utm_hp_ref=gesundheit

Kommentar & Ergänzung:

Mir fällt auf, wie häufig solch anmassende Ratschläge aus dem Feld von Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Naturheilkunde stammen.

Meinem Eindruck handelt es sich dabei nur in wenigen Fällen um Leute, die gezielt mit den Hoffnungen von Schwerkranken Geld scheffeln wollen und dabei genau wissen, dass sie den Patientinnen und Patienten Schrott andrehen.

Scheinbar fühlen sich hier aber sehr viele Leute kompetent mitzureden, die ganz offensichtlich kaum eine Ahnung haben. Und nicht wenige sind beseelt von einer Mission und 200% überzeugt von ihrem Wundermittel. Sie können einfach nicht anders, als die ganze Welt mit ihren lebensrettenden Botschaften zu beglücken. Das ist gar nicht so viel anders wie wenn Missionare den armen Heiden die frohe Botschaft aufoktroyieren wollen – und gar nicht fragen, ob diese auch gewünscht wird (ein Teil der Missionare hat da aber dazugelernt).

Langjährig penetrant sind in dieser Hinsicht esoterische Theorien, die jeder Krankheit als Ursache einen psychischen Defekt oder Konflikt unterstellen. Folgerichtig muss sich der Kranke nur ernsthaft genug mit sich auseinandersetzen, um gesund zu werden. Geht die Krankheit nicht weg, ist das ein Hinweis, dass der Kranke gar nicht gesund werden will. „Blame the victim“ heisst das auf Englisch.

Neben diesem esoterischen Dauerbrenner gibt es im Ratschläger-Sammelsurium immer wieder auch aktuellere Modeströmungen. Gegenwärtig sind in dieser Hinsicht gerade am aufdringlichsten die AnhängerInnen des Miracle Mineral Supplement (MMS) unterwegs. Mit ihrem angeblichen Wundermittel glauben sie AIDS, Krebs, Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung, Herpes, Autismus, Hepatitis, Borreliose etc, etc. heilen zu können. MMS ist eigentlich die Lösung aller Gesundheitsprobleme. Nur schon dieser grössenfantasiegeschwängerte Anspruch sollte stutzig machen.

Auch diese Welle wird aber vorbei gehen und durch ein neues Wundermittel ersetzt werden, weil es genug Leute gibt, die den Glauben an solche Wundermittel brauchen.

Um das klar zu stellen:

Ich schreibe diesen Kommentar nicht einfach aus einer Laune heraus, um mal wieder ein paar Seitenhiebe zu verteilen oder ein bisschen herumzunörgeln.

Mir ist es mit diesem Thema sehr ernst.

Die oft anmassende bis aggressive Art, wie Schwerkranken „gute“ Ratschläge aufgedrängt werden, halte ich für eine Form psychischer Misshandlung.

Zu MMS siehe:

BfArM veröffentlicht Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

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Cannabis als Arznei

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Das Kölner Verwaltungsgericht hat vor kurzem entschieden, dass chronische Kranke (z. B. Schmerzpatienten) in Ausnahmefällen künftig für den therapeutischen Eigenbedarf Cannabis bei sich zu Hause anbauen dürfen. Die erfolgreichen Kläger in diesem Verfahren nehmen die Cannabis zur Schmerzlinderung –was eines der Hauptanwendungsgebiete dieser Pflanze in der Medizin ist.

Cannabis hat aber eine ganze Reihe von nützlichen Wirkungen, durch welche die Pflanze aus medizinischer Sicht interessant wird.

Cannabis soll Schmerzen lindern, den Appetit fördern, Übelkeit oder Brechreiz entgegenwirken, Krämpfe und Muskelverspannungen (Spastik) lösen und die Stimmung verbessern.

Die Datenlage für die meisten Anwendungen sei dünn, schreibt Spiegel online in einem Überblick. Wissenschaftler beklagen zum Teil, dass der Goldstandard der medizinischen Studie, der doppelblinde placebokontrollierte Versuch, häufig bereits daran scheitert, dass man die Patienten schlecht „verblinden“ kann. Sie merken eben, ob sie nur ein Placebo bekommen oder eine auf das Bewusstsein wirkende Droge. Cannabis als Heilpflanzen ist zudem nicht sehr interessant für die Forschung, weil man sie nicht patentieren kann, Darum fliest nicht viel Geld in diese Forschung und die Studien sind eher klein und damit nur beschränkt aussagekräftig. Die meisten Studien werden zudem mit isolierten Inhaltsstoffen wie THC und / oder Cannabidiol durchgeführt und nur wenige mit dem „ganzen“ Cannabis. Cannabis enthält aber eine vielfältige Palette an Inhaltsstoffen und es gibt Patienten, denen das ganze Kraut besser hilft als isoliertes THC.

Dass Cannabis den Appetit steigert, ist schon lange bekannt. Dieser Effekt kann – verbunden mit der Reduktion des Brechreizes – hauptsächlich für Krebspatienten segensreich sein, die unter einer belastenden Chemotherapie abmagern.

Auch Aids-Patienten können von der appetitanregenden und Übelkeit hemmenden Wirkung profitieren, da ihre Krankheit oft mit Gewichtsverlust einhergeht. Darüber hinaus könnte ihren die stimmungsaufhellende Wirkung von Cannabis helfen. In einer Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration von 2013 stellen Wissenschaftler allerdings fest, dass Langzeituntersuchungen fehlen.

Quelle:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD005175.pub3/abstract

Da Cannabis Spastiken vermindert, wird es zudem bei Multipler Sklerose angewendet und kann die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen wieder verbessern. Das Fortschreiten der Krankheit kann die Pflanze jedoch nicht verlangsamen. Die Behandlung ist ausschliesslich symptomatisch. Allerdings kann Cannabis auch die mit der Krankheit auftretenden Schmerzen reduzieren.

Es gibt eine Reihe weiterer Krankheiten, bei denen Cannabis angewendet werden kann, darunter das Tourette-Syndrom. Viele Betroffene berichten über eine Abnahme der störenden Tics, schreibt Spiegel online. Auch beim Glaukom (Grüner Star) könne Cannabis oder einzelne Inhaltsstoffe helfen, indem sie den Augeninnendruck reduzieren, der bei dieser Krankheit nach und nach den Sehnerv zerstört. Dieser Effekt trete aber nicht bei allen Betroffenen auf. Und weil Cannabis die Bronchien weite, könne es auch für Menschen mit Asthma nützlich sein – allerdings nicht als Joint, der geraucht wird.

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/cannabis-bei-krebs-ms-oder-aids-kann-die-droge-helfen-a-982282.html

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/medizinisches-marihuana-notloesung-aus-dem-blumentopf-1.2059898

Kommentar & Ergänzung:

Zum Entscheid des Kölner Verwaltungsgericht und zur Situation betreffend der legalen Anwendung von Cannabis als Arznei in der Schweiz siehe hier:

Gericht erlaubt Schmerzpatienten Eigenanbau von Cannabis

Zum Thema Cannabis bei Glaukom habe ich vor einiger Zeit mit einem Augenarzt gesprochen, der sich intensiv mit Phytotherapie in der Augenheilkunde befasst hat (und heute allerdings nicht mehr praktiziert). Aussage: Für eine relevante Wirkung brauche es hohe Dosierungen und zwar geraucht, weil der Wirkstoff so rascher in den Körper gelangt und dieser starke Initialimpuls offenbar nötig ist, um den Augeninnendruck zu senken. Peroral – also über den Verdauungstrakt appliziert – steigt der Spiegel langsamer, was offenbar nicht ausreichend sein soll.

Wenn das stimmt, scheint mir die Anwendung von Cannabis bei Glaukom nicht sehr sinnvoll, da es zu diesem Zweck ja eine Langzeitanwendung braucht. Und eine Langzeitanwendung von Cannabis in höheren Dosen und dann noch als Joint? – Da dürften die üblichen augenmedizinischen Augeninnendrucksenker sinnvoller sein.

Gegen die Spastik, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, oder zur Linderung von Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen bei Krebserkrankungen bzw. Krebstherapien, halte ich die Anwendung für plausibel bei Patientinnen und Patienten, die gut darauf ansprechen.

Siehe auch:

Cannabis-Eigenanbau: Pharmazeutische Bedenken

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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BfArM veröffentlicht Warnung von „Miracle Mineral Supplement“ (MMS)

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„Miracle Mineral Supplement“ wird gemeinsam mit einer verdünnten Säure als Mittel etwa gegen Krebs, Malaria oder chronische Infektionen propagiert.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Berlin warnt in einer Pressemitteilung Patienten vor der Anwendung von Natriumchlorit als Arzneimittel.

Natriumchlorit werde derzeit verstärkt über Spam-E-Mail und unsichere Internet-Quellen unter dem Namen „Miracle Mineral Supplement“ (MMS) gemeinsam mit einer verdünnten Säure als Mittel gegen Krebs, Malaria, chronische Infektionen und weitere Krankheiten beworben, heisst es in der Mitteilung.

Das BfArM stellt klar, dass diese und vergleichbare Produkte mit Natriumchlorit als arzneilich wirksamer Bestandteil in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen sind.

Als Arzneimittel werden Produkte nur dann zugelassen, wenn ein behördliches Zulassungsverfahren zum Schluss kommt, dass ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis vorliegt. Aus Natriumchlorit und der verdünnten Säure entwickelt sich bei der MMS-Anwendung Chlordioxid, ein giftiges Gas, das auf Haut und Schleimhaut je nach Konzentration reizend bis ätzend wirkt. Die Anwendung von MMS kann zu erheblichen Gesundheitsgefahren führen.

http://www.bfarm.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/mitteil2014/pm08-2014.html

Kommentar & Ergänzung:

Na ja. Gesund ist Chlordioxid ganz sicher nicht. Die überwiegende Mehrzahl der Anwender wird MMS bei korrekter Anwendung allerdings ohne akute Nebenwirkungen vertragen. Unser Körper hält einiges aus.

Viel schlimmer finde ich die absurden Heilungsversprechungen, mit denen MMS propagiert wird. Wenn ein (angebliches) Heilmittel gleichzeitig Diabetes, AIDS, Malaria, Hepatitis, Borreliose, Tuberkulose, Autismus, Krebs, Demenz, Herpes und vieles weitere mehr heilen soll, dann müssten eigentlich alle Alarmglocken läuten. Dass ein solches Super-Wunderheilmittel vollkommen unrealistisch ist, sollte klar sein.

Hier werden Hoffnungen von Schwerkranken missbraucht.

Am interessantesten am Phänomen MMS ist die Frage, wie es dazu kommt, dass so viele Leute diese leeren Versprechungen für glaubwürdig halten.

Auf kritische Einwände reagieren MMS-AnhängerInnen in der Regel mit Beleidigungen, Unterstellungen und Verschwörungstheorien, statt mit Argumenten und Fakten. Das wird so sicher wie das Amen in der Kirche auch hier geschehen.

Siehe auch:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mms-quacksalber-werben-auf-kongress-in-hannover-a-967307.html

http://news.doccheck.com/de/48042/miracle-mineral-supplement-chlorreichen-luegen/

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus

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Die überwiegende Mehrzahl der gegenwärtigen Malaria-Therapien basiert auf dem Wirkstoff Artemisinin, einem Pflanzenstoff, der in den Blüten und Blättern des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua) vorkommt. Immer mehr Malaria-Parasiten sind jedoch resistent gegen Artemisinin.

Die Resistenz der Malaria-Parasiten gegen Artemisinin breitet sich in Südostasien immer stärker aus und einiges spricht dafür, dass sie auch Südamerika bereits erreicht hat. In Afrika könnte es in wenigen Jahren soweit sein, dass Artemisinin seine Wirksamkeit gegen Malaria-Parasiten verliert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Ouagadougou in Burkina Faso erforschen in einem gemeinsamen Projekt Heilpflanzen aus der traditionellen afrikanischen Medizin, die bei Malaria eingesetzt werden.

Sie gehen davon aus, dass die Resistenzentwickklung in spätestens fünf Jahren soweit ist, dass es neue Medikamente braucht, die auf einem anderen Wirkstoff als Artemisinin basieren.

Aline Lamien Meda aus Burkina Faso, die an der Vetmeduni Vienna im Rahmen eines APPEAR-Projekts (Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development) an der Entwicklung eines Arzneibuchs traditioneller Malariamedikamente arbeitet, untersucht gemeinsam mit Harald Nödl, Malaria-Experte der MedUni Wien, rund 50 Pflanzen und Kräuter, die in der traditionellen afrikanischen Medizin bei Malaria angewendet werden, auf ihre Wirksamkeit und ihr mögliches Potenzial als Malaria-Medikament. Bei einigen dieser Kräuter sei bekannt, dass sie die Symptome der Malaria bekämpfen, nicht aber, ob sie den Malaria-Parasiten wirkungsvoll bekämpfen können, sagt Nödl.

Untersucht wird die Wirksamkeit im Labor an gezüchteten Malaria-Parasiten. Es sei zu erwarten, erklärt Nödl, dass nur eine Handvoll der untersuchten Pflanzen für eine sinnvolle, kommerzielle Verwendung in der Malaria-Therapie geeignet ist.

 

Täglich 2000 Malaria-Opfer

Täglich sterben rund 2000 Menschen an Malaria (total etwa 655 000 jährlich), einer Krankheit, die hauptsächlich mit Armut assoziiert ist. Die meisten Opfer fordert Malaria in Afrika und hier vor allem unter den Schwächsten, den Kindern. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit ohne Komplikationen, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Kommt es allerdings zu Komplikationen, ist die Sterblichkeit nach wie vor extrem hoch. Malaria ist auch heute noch, hauptsächlich in Afrika, Asien und Lateinamerika, eine der häufigsten Todesursachen von Kindern unter fünf Jahren.

Quelle:

http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4711&cHash=96e5436e4a284f425834c7d392f9807f

Kommentar & Ergänzung:

Die Malaria-Forschung verdient und braucht angesichts der weltweiten gesundheitlichen und ökonomischen Bedeutung dieser Krankheit hohe Priorität. Von Malaria sind vor allem arme Menschen betroffen, die über wenig Kaufkraft verfügen. Für Pharmakonzerne ist das kein attraktiver Markt. Ökonomisch lohnt es sich für diese Firmen viel mehr, in die Forschung zu investieren bei Krankheiten der Reichen, obwohl dies vergleichsweise weniger dringlich ist. Als Reaktion auf die mangelnde finanzielle Unterstützung der Malaria-Forschung hat Bill Gates 2005 angekündigt, dass er zu diesem Zweck 258,3 Millionen Dollar zur Verfügung stellen werde.

Zu Artemisinin siehe auch:

Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

 

Heilpflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin

Dass nun in Wien Malariapflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin untersucht werden, ist sehr sinnvoll. Tradition irrt sich zwar auch oft – siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Doch gibt es immer wieder auch überzeugende Beispiele für Heilpflanzen-Anwendungen, die auf traditioneller Erfahrung basieren.

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Inhaltsstoff Artemisinin gehört dazu.

Wenn nun traditionelle Heilpflanzen aus Afrika auf ihre Eignung zur Malariabehandlung untersucht werden, so bleibt zu hoffen, dass daraus nicht ein weiteres Beispiel für Biopiraterie entsteht. Unter Biopiraterie versteht man die kommerzielle Weiterentwicklung natürlich vorkommender biologischer Materialien, wie zum Beispiel pflanzliche Substanzen oder genetische Zelllinien, durch ein technologisch fortgeschrittenes Land oder eine Organisation ohne eine faire Entschädigung der Länder bzw. Völker, auf deren Territorium diese Materialien ursprünglich entdeckt wurden.

(Siehe Wikipedia-Artikel Biopiraterie)

Die schwierige Lage bezüglich Malariabehandlung – zum Beispiel die mangelnden finanziellen Ressourcen, die desolaten Gesundheitssysteme – schaffen ideale Bedingungen für Scharlatane aller Art, die simple Lösungen für anspruchsvolle Probleme anpreisen.

Forschung ist dazu ganz und gar unnötig. Es reicht Selbstüberschätzung, Verblendung und eine gehörige Portion Dreistigkeit. Beispiele dafür gibt es zuhauf: Manche Homöopathinnen und Homöopathen, die zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria Globuli empfehlen und damit Leben und Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen – zum Beispiel die unsäglichen „Homöopathen ohne Grenzen“, aber auch Jim Humbel mit seinem vermeintlichen Wundermittel MMS (Miracle Mineral Supplement), das neben Malaria gleich auch noch Krebs, Autismus, AIDS, Tuberkulose, Demenz und vieles andere mehr heilen soll – eine ziemlich grosse Aufgabe für ein Präparat, das ganz simpel aus dem Bleich- und Desinfektionsmittel Natriumchlorit besteht.

Siehe dazu auch:

Artikel zu Miracle Mineral Supplement im Verbraucherschutzportel Psiram.

Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS) 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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