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Phytotherapie – was sind Adaptogene?

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Den Begriff „Adaptogene“ prägte der russische Forscher Dr. Nicolai Lazarev schon im Jahr 1958. Der Mediziner bezeichnete damit Pflanzen, deren Inhaltstoffe die Resistenz des Körpers gegenüber Stress steigern.

Gemäss einer Definition des Committee on Herbal Medicinal Products (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA sollen Adaptogene die Resistenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren verbessern. Im Gegensatz zu Tonika und Stimulanzien soll eine durch Adaptogene erhöhte Arbeitskapazität nach Absetzen nicht wieder sinken. Des Weiteren sollen Adaptogene gut verträglich und frei von Nebenwirkungen sein.

Weltweit haben es bisher nur wenige Heilpflanzen geschafft, den Kriterien der EMA zu genügen: Dazu zählen beispielsweise Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis), Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus), Ginsengwurzel (Panax ginseng) und die Rosenwurz (Rhodiola rosea).

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54660

Kommentar & Ergänzung:

Die Phytotherapie setzt Adaptogene vor allem bei Stress und in der Rekonvaleszenz ein. Vom Wirkungsprofil passen diese Heilpflanzen auch zu „Burnout“, was aber ein umstrittener Begriff ist und keine eigentliche Diagnose.

Ganz scharf gefasst ist aber auch dieser Begriff der „Adaptogene“ nicht. Auffallend ist zudem, dass die Heilpflanzen, die als „Adaptogene“ genutzt werden, sehr unterschiedliche Wirkstoffe enthalten. Die adaptogene Wirkung lässt sich jedenfalls nicht auf eine einheitliche Wirkstoffgruppe zurückführen.

Zu erwähnen ist noch, dass die vier aufgeführten Adaptogene Chinesisches Spaltkörbchen, Taigawurzel, Ginsengwurzel und Rosenwurz jeweils in sehr unterschiedlichen Arzneizubereitungen auf dem Markt sind – zum Beispiel als Wurzelpulver, Pflanzentinktur, Pflanzenextrakt etc.

Dabei gibt es grosse Unterschiede in der Wirksamkeit, die man kennen sollte, wenn man die Pflanzen nutzbringend anwenden will.

Das ist grundsätzlich ein wichtiger Punkt in der Phytotherapie: Es kommt nicht nur darauf an, die passende Heilpflanze oder das passende Phytopharmaka zu einen bestimmten Beschwerdebild zu finden. Genauso wichtig ist die Frage, welche Zubereitungsform in der jeweiligen Situation am wirksamsten ist.

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Milcheiweiss Casein wirksam gegen Stress und Einschlafprobleme?

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Der Pharmavista Newsletter berichtet in seiner neusten Ausgabe über Casein als möglicherweise wirksames Mittel bei Stress und gegen Einschlafprobleme.

Casein ist die Haupteiweisskomponente der Milch. Es besteht nicht aus einer definierten, homogenen Substanz. Die Bezeichnung Casein umfasst vielmehr verschiedene Phosphoproteine, die in Form von Micellen vorliegen.

Caseine in der Milch enthalten Peptidsequenzen mit opioidartigen Eigenschaften, wozu Exorphine zählen wie die beta-Casomorphine. Im Tiermodell beeinflussten diese Peptide die Regulation des Elektrolyttransports, verminderten das Schmerzempfinden und wirkten einschlaffördernd.

Alphacasozepin, das Decapeptid von Alphacasein, zeigte in Versuchen und klinischen Studien eine benzodiazepinähnliche Wirkung mit Bindungsaffinität zu den GABA-A-Rezeptoren. Diese Substanz hat stressvermindernde und anxiolytische (= angstlösende) Eigenschaften ohne nachteiligen Gewöhnungseffekt.

Nahrungsergänzungsmittel mit Casein (oder Proteinhydrolysat aus Milch) werden in Frankreich als Einschlafhilfe empfohlen und kommen bei Stress zur Anwendung. Casein, mit einem mehr oder weniger festgelegten Gehalt an Alphacasozepin, wird kombiniert mit adaptogen wirksamen Pflanzen wie Rhodiola (bspw. Seriane Kps.) oder Eleutherococcus (bspw. Anbosyn Tbl.) angeboten. Anbosyn wurde in einer kleinen klinischen Studie mit 87 Versuchspersonen über einen Zeitraum von 12 Wochen bezüglich Wirksamkeit bei Burnout geprüft. Bei drei von vier Personen soll ein positiver Effekt festgestellt worden sein.

In Pulverform werden caseinhaltige Präparate auch von Sportlern zur Vermehrung der Muskelmasse eingenommen.

Wie andere Eiweissse aus Kuhmilch kann auch Casein bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Nahrungsergänzungsmittel auf der Grundlage von Casein werden für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren nicht empfohlen.

Als Quellenangabe führt der Pharmavista-Newsletter auf:

_Le Moniteur des pharmacies; no3068/2015/p48

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5145&NMID=5145&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessantes Thema. Möglicherweise ist das ein Erklärungsmodell für das alte Hausmittel „Ein Glas Milch mit Honig“ gegen Einschlafstörungen.

Allerdings muss dazu festgehalten werden, dass es sich bei diesen Angaben wohl hauptsächlich um Erkenntnisse aus Laborversuchen und aus kleinen klinischen Studien handelt, wobei aus der Beschreibung im Pharmavista-Newsletter nicht einmal ersichtlich ist, ob dabei eine Placebo-Kontrolle eingebaut war. Also insgesamt wohl noch eine ziemlich unsichere Datenlage. Aber trotzdem sehr überraschend. Mir war jedenfalls bisher nicht bekannt, dass Eiweissbausteine (Peptide) aus der Milch zu mindestens im Experiment schmerzlindernde und angstlösende Eigenschaften zeigen und benzodiazepinähnliche Effekte an Rezeptoren auslösen. Benzodiazepine sind als Tranquilizer als (allzu)viel verwendete Medikamentengruppe eine bedeutende Grösse im Pharmamarkt (z. B. Lexotanil®, Temesta®, Valium®, Seresta®).

Bisher wurde die Anwendung von Milch als Einschlafhilfe im Übrigen anders erklärt:

„Milch enthält in relativ hoher Konzentration die Aminosäure Tryptophan. Unser Körper kann diesen Eiweißbaustein nicht herstellen, benötigt ihn aber, um im Hirn den Botenstoff Serotonin zu erzeugen. Der wiederum sorgt nicht nur für allgemeines Wohlbefinden, sondern beruhigt auch und hilft beim Einschlafen. Man kann Tryptophan in der Apotheke als »natürliches« Schlafmittel kaufen. Um auf die allgemein empfohlene Tryptophan-Dosis zu kommen, müsste man allerdings etwa zwei Liter Milch trinken. Im Honig dagegen ist die Konzentration nicht ausreichend.“

Quelle:

http://www.zeit.de/2009/11/Stimmts

Interessant ist zudem auch die erwähnte Kombination von Casein mit Rhodiola (Rhodiola rosea, Rosenwurz) und Eleutherococcus (Eleutherococcus senticosus, Taigawurzel).

Siehe dazu:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

Rosenwurz (Rhodiola rosea, Orpin rose) gegen Stress und Müdigkeit 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

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Das Burnout-Syndrom (englisch burn out = ausbrennen) wird als Zustand emotionaler Erschöpfung

mit verminderter physischer und intellektueller Leistungsfähigkeit beschrieben. Die „Internationale Klassifikation der Erkrankungen“ (ICD) beschreibt das Syndrom als „Ausgebrannt Sein“ und „Zustand der totalen Erschöpfung“.

Das Burnout-Syndrom gilt nicht als Behandlungsdiagnose, auf deren Grundlage die Entwicklung und Zulassung spezieller Arzneimittel möglich wäre.

Deshalb gibt es gegenwärtig auch keine Arzneien mit der Indikation „Burn-out-Syndrom“.

Zentral in der Behandlung ist ohnehin eine langfristig ausgelegte Änderung der Lebensführung.

Auf diesem Hintergrund kann Phytotherapie bei Burnout nur einen kleinen Beitrag leisten im Rahmen eines umfassenderen Therapiekonzepts.

Einigen Heilpflanzen und daraus hergestellten Zubereitungen werden „adaptogene“ Wirkungen zugeschrieben.

Solche „Adaptogene“ sollen die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegenüber physikalischen, chemischen und biologischen und psychischen „Stressoren“ steigern.

Der Endokrinologe Hans Selye hat schon 1946 ein Adaptations-Modell mit den Stufen „Alarm“, „Widerstand“ und „Erschöpfung“ beschreiben.

Die Erschöpfungs-Phase entspricht weitgehend dem heutigen „Burnout-Syndrom“.

Nach Hans Selye sollten adaptogene Wirkstoffe die therapeutischen Qualitäten „unschädlich“, „unspezifisch“ und „normalisierend“ aufweisen.

Diese Ideal-Vorstellungen erfüllt bis heute noch kein einziges Mittel.

Einige Phytopharmaka kommen diesem Ideal jedoch nahe:

Ginsengwurzel

An erster Stelle ist dabei die Wurzel des Ginseng (Panax ginseng) zu erwähnen, die seit rund 2000 Jahren einen festen Platz in der traditionellen Heilkunde Ostasiens belegt. Die Kommission E formulierte im Resultat ihrer Aufbereitung das bis heute unverändert gültige Anwendungsgebiet: „Als Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz”.

Taigawurzel  („Sibirische Ginseng”, Eleutherococcus senticosus),

Zu den pflanzlichen Adaptogenen gehört auch der „Sibirische Ginseng” (Eleutherococcus senticosus), ein im Norden Russlands heimischer, bis etwa 2 bis 3 m hoch werdender Strauch, der entfernt mit dem asiatischen Ginseng verwandt ist. Eleutherococcus-Wurzel ( = „Taigawurzel“) wurde in den 60iger Jahren in der damaligen Sowjetunion als Ersatzpflanze für den asiatischen Ginseng intensiv erforscht. Die mit Eleutherococcus-Extrakt durchgeführten Untersuchungen entsprechen nach Anlage und Resultaten weitgehend den mit Ginseng-Extrakt durchgeführten Studien. Deshalb empfiehlt die Monographie „Eleutherococci radix (Eleutherococcus-senticosus-Wurzel)” der Kommission E folgerichtig auch identische Anwendungsbereiche wie für Ginsengwurzel.

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Im letzten Jahrzehnt ist in Europa die Rosenwurz (Rhodiola rosea) zunehmend bekannter geworden. Die mehrjährige Sukkulente gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und stammt aus dem nördlichen Polarkreis. Zubereitungen aus der Rosenwurz werden traditionell in Skandinavien und in Sibirien als Mittel zur universellen Stärkung und Erhöhung der Widerstandskraft verwendet. Ähnlich wie die Teaigawurzel soll Rosenwurz hauptsächlich stressmindernde und leistungssteigernde Eigenschaften, daneben jedoch auch antioxidative und kardioprotektive Wirkungen haben.

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/105051184007801_7809_Abstracts-f2.pdf

Phytotherapie Austria 5 / 2011

Kommentar & Ergänzung:

„Adaptogene“ ist ein nicht sehr klar definierter Begriff.

So beschreibt Wikipedia die Adaptogene:

„ Adaptogen ist eine alternativmedizinische Bezeichnung für pflanzliche Zubereitungen und Drogen, die dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben. Ähnliche Bezeichnungen sind Verjüngungsmittel und (im Ayurveda) Rasayana. Der Körper bzw. das Immunsystem soll an den Stress angepasst, also adaptiert werden. Der russische Forscher Nicolai Vasilevich Lazarev hat den Begriff 1958 geprägt. Adaptogene sollen völlig ungiftig und mit breiter positiver Wirkung ausgestattet sein.

Beispiele für Pflanzen, denen solche Wirkungen nachgesagt werden sind Ginseng, Morinda citrifolia (Noni), Shiitake, Reishi/Ling-Zhi, Maitake, Klapperschwamm, Mandelpilz, Schisandra, Rosenwurz, Ashwaganda, Schlafbeere, Tulsi, Jiaogulan, Maca,Kalmegh und Marihuana.“

Der Begriff „Drogen“ meint im Kontext der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“ und nicht wie heute üblich „Betäubungsmittel“.

Mit dem fragwürdigen Begriff „Verjüngungsmittel“ würde ich Adaptogene nicht in Verbindung bringen. Die Wikipedia-Liste mit Beispielen für adaptogene Pflanzen ist etwas fragwürdig. Sie enthält viele Heilpflanzen, deren Profil ganz und gar nicht klar ist.

In der Phytotherapie-Fachliteratur haben meiner Einschätzung nach Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz am meisten „Fleisch am Knochen“.

Im Phytokodex wird die adaptogene Wirkung von Ginseng so beschrieben:

„ Adaptogene Effekte (unspezifische Erhöhung der körpereigenen Abwehr gegenüber exogenen Noxen und Stressoren physikalischer, chemischer und biologischer Natur): Ginsengextrakte zeigten im Tierversuch positive Effekte bei Einwirkung sowohl physikalischer Stressoren (Hitze, Kälte, Elektroschock) als auch chemischer Noxen (Alkohol). Die radioprotektive Wirkung konnte sowohl im Tierexperiment als auch an Patienten unter Strahlentherapie bewiesen werden, die Leuko-, Thrombo- und Erythrozytenzahl stieg signifikant, blutzellbildende Stammzellen regenerierten beschleunigt.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Ginsengwurzel.html

Zu erwähnen ist noch, dass es bei Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz Produkte mit sehr unterschiedlicher Qualität gibt. Das ist aber bei Heilpflanzen-Präparaten oft der Fall. Man kann nicht einfach pauschal eine Heilpflanze wie zum Beispiel Johanniskraut empfehlen – man muss immer noch dazu sagen, welches die geeignete Anwendungsform ist – zum Beispiel Kräutertee, Pflanzentinktur, Trockenextrakt – und auch innerhalb dieser Anwendungsformen gibt es unterschiedliche Qualitäten, zum Beispiel verschiedene Verfahren zur Herstellung einer Pflanzentinktur oder eines Extraktes.

Diese Vielfalt trägt mit dazu bei, dass Phytotherapie ein spannendes Wissensgebiet ist.

Siehe auch:

Taigawurzel – Ginseng – Rosenwurz & Co. – was sind Adaptogene?

Ginseng als Adaptogen

Rosenwurz (Rhodiola rosea, Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus (Taigawurzel)

Modewort Burn-out ist zu ungenau

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Nachtschichten steigern Diabetesrisiko

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Wer Schicht arbeitet und auch nachts Dienst tut, hat offenbar ein besonders hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Zwei US-Studien mit Krankenschwestern zeigten, dass auch die Zahl der Dienstjahre eine Rolle spielt.

Nach drei bis neun Jahren Wechselschicht hatten Krankenschwestern – verglichen mit nur tagsüber arbeitenden Schwestern – ein um 20 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, wie Wissenschaftler um Dr. An Pan von der Harvard School of Public Health berichten (PLoS Medicine 2011; 8(12): e1001141).

Nach zehn bis 19 Jahren erhöhte sich das Risiko um 40 Prozent und nach mehr als 20 Jahren sogar um 58 Prozent.

Die Wissenschaftler hatten Daten zweier prospektiver Kohortenstudien ausgewertet, der Nurses Health Studien (NHS) I und II. Die Krankenschwestern – in der Schweiz sagt man heute Pflegefachfrauen –  hatten mindestens dreimal pro Monat im wechselnden Turnus Nachtdienst geschoben.

Risikosteigerung betrifft nicht nur ältere Frauen

Der Zusammenhang zwischen Nachtschicht und Typ-2-Diabetes ließ sich dabei nur zum Teil auf den Body-Mass-Index (BMI) zurückführen: Rechnete man den BMI heraus, verminderte sich der Risikoanstieg zwar auf sechs Prozent nach drei bis neun Jahren, zehn Prozent nach zehn bis 19 Jahren und 24 Prozent nach 20 und mehr Jahren, die Steigerung blieb immer noch statistisch signifikant.

Die 69.269 am NHS I teilnehmenden Frauen waren zu Studienbeginn 42 bis 67 Jahre alt. 6.165 von ihnen erkrankten innerhalb von 20 Jahren an Typ-2-Diabetes.

Die 107.915 Teilnehmerinnen von NHS II waren 25 bis 42 Jahre alt, von diesen Pflegepersonen erkrankten 3.961 binnen 18 Jahren. Die Risikoerhöhung zeigte sich also nicht nur bei älteren Frauen.

Die Wechselschichten machten die Frauen tatsächlich dicker, das ergab eine separate Subanalyse, für die nur die Daten der 25- bis 42-jährigen Krankenschwestern herangezogen wurden. Dabei erhöhte sich das Risiko, Pfunde zuzulegen, in Abhängigkeit von den in Nachtschicht gearbeiteten Jahren.

Diabetesrisiko durch mehrere Faktoren erhöht

Ob die Frauen Sport trieben, Kontrazeptiva einnahmen oder Übergewicht in der Familienanamnese aufwiesen, war dabei nicht relevant.

Mehrere Faktoren begünstigen offenbar das erhöhte Diabetesrisiko bei Nachtarbeit, vermuten die Wissenschaftler. So führen wechselnde zirkadiane Rhythmen zur Abnahme des Leptinspiegels, lassen Blutzucker, Insulin und Blutdruck steigen und führen oft zu Schlafstörungen.

Pflegende mit Nachtschichten rauchten zudem über die Jahre mehr als Schwestern ohne Nachtschichten. Pflegende mit Nachtschichten mussten zudem zwangsläufig ihre Mahlzeiten den Schichten anpassen.

Ständiges Verschieben von Essenszeiten hatte man schon in anderen Untersuchungen mit einem Anstieg von postprandialen Glukosewerten, Insulinspiegel und BMI in Zusammenhang gebracht.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/683717/nachtschichten-foerdern-diabetes.html?sh=19&h=1618356173

http://www.plosmedicine.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pmed.1001141

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist ein Hinweis darauf, wie wichtig der Lebens- und Arbeitskontext für die Gesundheit ist. Man kann Gesundheit und Krankheit nicht immer nur am individuellen Verhalten festmachen. Wir sind immer auch eingebettet in Strukturen, die Einfluss nehmen auf unsere Gesundheit. Und diese Strukturen lassen sich vom Einzelnen nur beschränkt beeinflussen. Also müssen wir als Gesellschaft  für gesundheitsfördernde Strukturen sorgen.  Weil es Menschen braucht, die Nachtschicht arbeiten, muss die Gesellschaft dafür sorgen, dass diese Arbeit so gesundheitsfreundlich wie mögliche getan werden kann. Beispielsweise, indem ausreichend Erholungsphasen ermöglicht werden.

Phytotherapeutisch könnten bei Nachtschicht-Arbeit möglicherweise Adaptogene sinnvoll sein. Die wichtigsten Adaptogene in der Phytotherapie sind Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz.

Siehe dazu:

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

Ginseng als Adaptogen

Rosenwurz (Rhodiola rosea) gegen Stress und Müdigkeit

Adaptogene helfen dem Organismus bei der Bewältigung belastender Situationen.

Allerdings sollten solche Heilpflanzen-Präparate nicht als Alibi-Übung dienen und anstelle einer Verbesserung der Verhältnisse konsumiert werden.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

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Mit Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. wird in der Phytotherapie eine Gruppe von Heilpflanzen eingesetzt, die als Adaptogene bezeichnet werden.

Was genau unter Adaptogenen zu verstehen ist, bleibt aber dabei oft unklar.

Univ. Doz. Reinhard Länger gibt in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie eine gute Beschreibung der Adaptogene:

„Das Herbal Committee der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) publizierte ein Dokument, in dem Adaptogene näher charakterisiert werden:

Adaptogene sollen die Fähigkeit besitzen, durch Stress beeinträchtigte Körperfunktionen zu normalisieren und zu stärken. Adaptogene sind im Allgemeinen nicht toxisch und weisen eher unspezifische pharmakologische

Eigenschaften auf. Sie sollen die Resistenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren steigern. Im Gegensatz zu Tonika und Stimulantien soll eine durch Adaptogene gesteigerte Arbeitskapazität nach Absetzen nicht wieder abfallen. Obwohl zahlreiche Versuche unternommen wurden, dies mit klinischen Studien zu belegen, ist der Begriff Adaptogen nach wie vor in der wissenschaftlichen Phytotherapie nicht generell akzeptiert und wird daher im Bereich der traditionellen pflanzlichen Arzneimittel verwendet. Als Beispiele für Arzneipflanzen, auf die diese Definition zutrifft, werden

Ginseng (Panax ginseng), Chinesische Beerentraube (Schisandra chinensis), Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) genannt. Außer Rhodiola rosea, die auch in unseren Alpen heimisch ist, kommen die anderen genannten Arten ausschließlich in Asien natürlich vor.“

Quelle: http://www.phytotherapie.co.at/PHYTO-Therapie_1-11_web.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen:

Rosenwurz (Rhodiola rosea, orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Ginseng als Aphrodisiakum

Ginseng als Adaptogen

Ginseng lindert Fatique bei Krebskranken

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

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Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

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Die Österreichische Apothekerzeitung (22 / 2010) publizierte einen Artikel zum Thema „ Stärkung des Immunsystems mit Phytopharmaka – Pflanzliche Immunmodulatoren und Adaptogene“. Ein interessanter Abschnitt darin handelt von der Taigawurzel, Eleutherococcus senticosus. Hier einige Zitate (kursiv) mit kurzen Kommentaren von mir.

In welchen Bereichen wird Taigawurzel eingesetzt?

„Eleutherococcus senticosus (Rupr. & Maxim) Maxim. (Sibirischer Ginseng, syn. Acanthopanax senticosus (Rupr. & Maxim) Harms, Araliaceae), die Taigawurzel, wird zur Erhaltung und Aktivierung der körpereigenen Widerstandskraft, besonders bei außergewöhnlichen körperlichen, seelischen und geistigen Belastungen, einge-setzt. Sie steigert die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit bei Erschöpfungszuständen und ist vor allem als »Adaptogen« bekannt.“

Taigawurzel gehört wie Ginsengwurzel (Panax ginseng) zu den Heilpflanzen mit adaptogener Wirkung. Bei beiden Heilpflanzen gibt es ausserdem Hinweise auf immunstimulierende Effekte:

„In einer Studie an gesunden Probanden kam es nach 4-wöchiger Therapie mit einem ethanolisch-wässrigen Flüssigextrakt zu einer hochsignifikanten Zunahme immunkompetenter Zellen, vor allem von T-Lymphozyten, aber auch Killerzellen. Eine signifikante Stimulierung der Phagozytose wurde von Szolomicki und Mitarb. an 35 Probanden nach täglicher Einnahme von 75 Tropfen eines Flüssigextraktes über 30 Tage beobachtet. Auch das Auftreten von Herpes simplex type II Infektionen konnte nach Einnahme eines Trockenextraktes von Eleutherococcus senticosus (400 mg) erheblich verringert werden.“

Zu den Inhaltsstoffen von Taigawurzel:

„Die Taigawurzel enthält als Hauptinhaltsstoffe (Eleutheroside) Saponine, Lignane und deren Glykoside, monomere Phenylpropane, Cumarine und Sterole. Außerdem sind immunstimulatorisch wirkende Polysaccharide enthalten. Eleutherosid B (4-O-β-D-glucosid Syringin) ist bioverfügbar und erreicht bereits nach 15 Minuten das Konzentrationsmaximum im Blut. Es wird innerhalb von 48 h vor allem zu 90% über die Nieren wieder ausgeschieden.“

Die Inhaltsstoffe der Taigawurzel sind sehr unterschiedlich. Auch die Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten waren Gegenstand von Untersuchungen:

„An gesunden Probanden konnte bei gleichzeitiger Gabe der Taigawurzel (970 mg) und CYP2D6- (Dextromethorphan) und CYP3A4- (Alprazolam) Substraten keine Interaktion festgestellt werden. Die an einem Einzelpatienten reproduzierbar beobachtete Interaktion mit Digoxin konnte durch eine Studie an 10 Patienten mit Bluthochdruck und regelmäßiger Einnahme von Digoxin nicht bestätigt werden. 300 mg eines Eleutherococcus-Trockenextraktes hatten während einer 8-wöchigen Einnahme keinen Einfluss auf den Digoxin-Blutspiegel. Digoxin ähnliche Substanzen in der Taigawurzel gaben vermutlich ein falsch positives Ergebnis in der Digoxin-Serum-Analyse.“

Und zur Dosisempfehlung:

„Von der EMA wurden Eleutherococcus-Zubereitungen als »Traditional Herbal Medicinal Products« eingestuft. Sie sollten nicht länger als 2 Monate mit einer Tagesdosis von 2 bis 3 g Droge eingenommen werden.“

Unter der Bezeichnung „Droge“ versteht man in der Phytotherapie getrocknete Heilpflanzen. Taigawurzel wird allerdings kaum  als Tee angewendet, oft jedoch als Fluidextrakt.

Die Einschränkung der Anwendungsdauer auf 2 Monate gründet auf fehlenden Langzeitstudien und theoretischen Sicherheitsüberlegungen. Schilcher / Kammerer / Wegener legen im „Leitfaden Phytotherapie“ auf drei Monate und fügen an, dass eine erneute Anwendung nach weiteren etwa zwei Monaten mögliche ist.

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-22.pdf

Ergänzend Infos zu Botanik und Vorkommen von Eleutherococcus senticosus (nach Wikipedia):

„Die Borstige Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus, Syn.: Hedera senticosa Rupr. & Maxim. (basionym), Acanthopanax senticosus (Rupr. & Maxim.) Harms), auch kurz Taigawurzel, Teufelsbusch, Stachelpanax, Sibirischer Ginseng, Eleutherokokk genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Araliengewächse (Araliaceae).

Die Borstige Taigawurzel ist beheimatet in Sibirien, im Amurgebiet, auf der Insel Sachalin, in Japan (auf der Insel Hokkaidō), Nordkorea, im nordöstlichen China (in den Provinzen: Hebei, Shanxi, sowie in der Mandschurei, das sind die Provinzen Heilongjiang, Jilin und Liaoning).“

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Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen

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Die Österreichische Apothekerzeitung (22 / 2010) veröffentlichte Ende 2010 einen Artikel zum Thema „Stärkung des Immunsystems mit Phytopharmaka – Pflanzliche Immunmodulatoren und Adaptogene“.

Ein interessanter Abschnitt darin handelt von Pelargonium sidoides (Umckaloabo, Kapland-Pelargonie):

„Pelargonium sidoides DC. (Geraniaceae) ist eine südafrikanische Arzneipflanze, deren Wurzeln für die Herstellung des Spezialextraktes EPs®7630 (Umckaloabo® in Deutschland und Kaloba® in Österreich) verwendet wird. Der Extrakt enthält als charakteristische Inhaltsstoffe Polyphenole, Proteide, Purine, Mineralstoffe, Zucker und in geringer Konzentration 7-Hydroxycumarinderivate. Wie für Phytopharmaka typisch, ist ein Teil der Inhaltsstoffe bis heute unbekannt. Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass der Extrakt zytoprotektiv wirkt und potente antivirale Eigenschaften hat, was gemäß der fast ausschließlich viralen Ätiologie der Atemwegsinfektionen von hoher therapeutischer Relevanz ist. Es wird die Interferonsynthese gesteigert und die Funktion der Phagozyten verbessert. Außerdem wurden antibakterielle und sekretomotorische Eigenschaften beschrieben. Der Extrakt besitzt daher komplementäre antiinfektive Eigenschaften. Er hemmt nicht nur die Adhäsion und die Internalisierung von Bakterien und verhindert damit deren Invasion in die Submucosa, sondern sorgt auch für eine Verminderung der Erregerlast. Das alles trägt dazu bei, den Körper vor bakterieller Kolonisation, vor Infektion, Superinfektion und Rezidiv zu schützen. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von EPs®7630 wurde an über 3.800 Patienten in kontrollierten Doppelblindstudien und über 5.400 Patienten in offenen Studien und Anwendungsbeobachtungen geprüft. Die Theorie, Umckaloabo® bzw. Kaloba® könnte eine verstärkte Wirkung gerinnungshemmender Medikamente vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon (z.B. Marcumar®) und Warfarin bei gleichzeitiger Einnahme auslösen, konnte bisher nicht bestätigt werden. Bei Co-Medikation mit 0,05 mg/kg KG Warfarin war keine Verstärkung der antikoagulativen Wirkung zu verzeichnen.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-22.pdf

Österreichische Apothekerzeitung 22 / 2010

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat ist wohl ohne Kenntnis medizinischer Fachbegriffe nicht so leicht verständlich.

Beschrieben wird die Wirkung von Umckaloabo (Kapland-Pelargonie). Im Vordergrund stehen dabei antivirale, schleimlösende und immunstimulierende Wirkungen, die sich bei Erkältungskrankheiten gut ergänzen.

Weil Umckaloabo Cumarin-Derivate enthält, wird oft vor einer Verstärkung der Wirkung blutgerinnungshemmender Medikamente gewarnt. Dabei wird aber übersehen, dass es sehr unterschiedlich gebaute Cumarin-Derivate gibt, die sich auch in ihrer Wirkung unterscheiden. Die Cumarine im Umckaloabo sind sehr speziell und anders gebaut als die dimeren Cumarinen mit blutgerinnungshemmendem Effekt. Daher ist es nicht erstaunlich, dass die Autoren zum Schluss kommen, die Verstärkung der Wirkung gerinnungshemmender Medikamente sei bisher nicht belegt.

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Was können pflanzliche Immunmodulatoren?

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Die Österreichische Apothekerzeitung (22 / 2010) veröffentlichte eine Beschreibung der Möglichkeiten zur „Stärkung des Immunsystems mit Phytopharmaka“. Zu Beginn des Artikels wird dargelegt, was Heilpflanzen zur Immunmodulation bzw. Immunstimulation im Organismus bewirken:

„Pflanzliche Immunmodulatoren können insbesondere temporär geschwächte Abwehrsysteme wieder hochregulieren. In erster Linie erfolgt eine Stimulation der unspezifischen körpereigenen Abwehr. Sie beeinflussen daher vor allem die zelluläre Immunität, nämlich Makrophagen, natürliche Killerzellen und Granulozyten, aber auch die humorale Immunität, das Komplementsystem, Cytokine und Interferone. Da Makrophagen die wichtigsten Abwehrzellen darstellen, sind sie das primäre Ziel der Immunmodulation. Ihre Phagozytoserate kann auf das 200-Fache gesteigert werden.

Es wird angenommen, dass circa 90 Prozent aller Infektionen durch die angeborene, unspezifische Immunabwehr erkannt und erfolgreich bekämpft werden können. Die unspezifische Abwehr ist nicht antigen-orientiert und besitzt daher keine Gedächtnisreaktion. Sie ist bei einer Infektion sofort aktiv und bekämpft die eingedrungenen Krankheitserreger, während zur Produktion der spezifischen Antikörper etwa 5 Tage notwendig sind. Somit kommt dem unspezifischen Immunsystem gerade im Anfangsstadium einer Infektion eine besondere Bedeutung zu. Immunmodulatoren bzw. auch so genannte Adaptogene sollten daher möglichst frühzeitig bei den ersten Anzeichen einer Infektion eingenommen werden.

………Es gibt eine Vielzahl von Arzneipflanzen, die als Immunmodulatoren bzw. als Adaptogene verwendet und häufig in der Selbstmedikation eingesetzt werden. Zu den bedeutendsten zählen Echinacea-, Eleutherococcus-, Rhodiola-, Pelargonium- und Uncaria-haltige Präparate. Zu Thuja occidentalis L. (Lebensbaumtriebspitzen) und Baptisia tinctoria (L.) R. BR. (Wurzel des Wilden Indigo), die im Folgenden nicht näher besprochen werden, gibt es keine Positiv-Monographien, beide sind aber in klinisch geprüften Kombinationspräparaten enthalten. Für die Kombination von Echinacea, Baptisia und Thuja konnte in Doppelblindstudien eine Wirksamkeit nachgewiesen werden.“

Quelle:

Österreichische Apothekerzeitung 22 / 2010 http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-22.pdf

Autoren: Univ. Prof. Dr. Rudolf Bauer und Dr. Karin Ardjomand-Wölkart

Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Bereich Pharmakognosie, Karl-Franzens-Universität Graz

Kommentar & Ergänzung:

Der Abschnitt geht auf drei Charakteristika pflanzlicher Immunstimulation ein:

1. Die Wirkung immunstimulierender Heilpflanzen setzt am unspezifischen Immunsystem an.

2. Es handelt sich um eine „Schnellabwehrmassnahme“, die nur im Anfangsstadium der Infektion nützlich zu sein scheint.

3. Da die Bildung spezifischer Antikörper nicht beeinflusst wird, besteht auch kein längerfristiger Einfluss im Sinne einer Steigerung  der immunologischen Gedächtnisreaktion.

Zum Einfluss von immunstimulierenden Heilpflanzen auf Zellen oder Substanzen des Immunsystems gibt es viele spannende Resultate aus der Laborforschung. Der Text fasst dies mit folgenden Sätzen zusammen:

„ Sie beeinflussen daher vor allem die zelluläre Immunität, nämlich Makrophagen, natürliche Killerzellen und Granulozyten, aber auch die humorale Immunität, das Komplementsystem, Cytokine und Interferone. Da Makrophagen die wichtigsten Abwehrzellen darstellen, sind sie das primäre Ziel der Immunmodulation.“

Offen ist bei Resultaten solcher Laborexperimenten allerdings, ob sie auch im Krankheitsfall bedeutsam und nützlich sind.

Der Text in der Österreichischen Apothekerzeitung vermischt meines Erachtens etwas zu stark die Begriffe „Immunmodulatoren“ und „Adaptogene“. Das sind meines Erachtens zwei ganz unterschiedliche Stiefel, obwohl es natürlich auch Heilpflanzen gibt, die beide Wirkungen entfalten (Ginsengwurzel, Taigawurzel). Adaptogene sind Heilpflanzen, welche dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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