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Lavendel und Melisse als „Stresskiller“

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Der NHV Theoprastus, ein Verein zur Förderung traditioneller Heilkunde, empfiehlt uns:

„Wer bei den Weihnachtsvorbereitungen einen Stresskiller braucht, kann es mit einem Tee aus Lavendel oder Melisse versuchen. Die beiden Heilpflanzen gelten als beruhigend für gereizte Nerven.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/tee-aus-melisse-oder-lavendel-als-stresskiller-081300427.html

Kommentar & Ergänzung:

Lavendel (Lavandula angustifolia) und Melisse (Melissa officinalis) sind beides Heilpflanzen, die zur Entspannung beitragen können.

Die Bezeichnung Stresskiller ist im zweiten Teil des Wortes allerdings schon ein bisschen gar hart .

Beide Pflanzen verdanken ihre beruhigende Wirkung dem ätherischen Öl, also dem Lavendelöl bzw. dem Melissenöl.

Lavendelblüten werden eher selten als Tee verwendet. Bewährt haben sie sich als Lavendelsäckchen, das man unters Kopfkissen legt. Häufiger wird das Lavendelöl genutzt:

– Als Lavendelduft eingeatmet,

– gemischt mit Mandelöl oder Bodylotion eingerieben oder

– als Lavendelbad (8 Tropfen in etwas Kaffeerahm gemischt ins Badewasser).

Melissenblätter eignen sich gut als beruhigender Tee. Allerdings verlieren sie beim Trocknen und Aufbewahren rasch ihr ätherisches Öl. Dem Melissentee fehlt dann sein charakteristisches Aroma. Tee aus frischen Melissenblätter wäre besser, ist aber im Winter nicht so einfach greifbar.

Melissenöl wirkt wie Lavendelöl entspannend und ist in gleicher Weise anwendbar (Einatmen, Einreiben in Bodylotion, als Melissenbad). Allerdings ist Melissenöl viel teurer als Lavendelöl.

Ganz abgesehen von der Wirksamkeit spricht für die Anwendung von Kräutertee gegen Stress auch das Teeritual, das schon für sich allein genommen einen entspannenden Effekt hat.  Wichtig wird dabei auch sein, welchen Tee man vom Geschmack her mag.

Verveine (Zitronenverbena, Wohlriechendes Eisenkraut) ist in dieser Hinsicht sehr beliebt und wirkt leicht beruhigend.

In manchen Ländern ist als Abendtee die Kamille Favorit. Bei uns allerdings hat Kamillentee ein „Imageproblem“. Wer als Kind im Krankheitsfall immer Kamillentee trinken musste, wird dieses Aroma lebenslänglich mit elenden Zuständen verbinden.

Tipp: Probieren Sie den Kamillentee mal mit etwas Zitronensaft. So lässt sich sein Aroma modifizieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Heilpflanzenkunde: Kamille für Haut und Magen

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Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor, darunter auch die Kamille:

„Kamillenblüten gehören in die Hausapotheke. Aus der Echten Kamille lässt sich durch Destillation ein tiefdunkelblaues, ätherisches Öl gewinnen. Die Kamille war schon bei den Ärzten des Altertums bekannt, schon die Römer haben sie beschrieben. Sie wirkt entzündungshemmend, wundheilend und krampflösend. Die meisten trinken sie als Tee – aber auch als Dampfbad zum Inhalieren tut sie gut. Was viele nicht wissen: Sie hilft auch äußerlich – zum Beispiel bei Hautverletzungen.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Die blaue Farbe bekommt das Kamillenöl vom Inhaltsstoff Chamazulen, welcher erst bei der Wasserdampfdestillation entsteht, während in den Kamillenblüten nur die Vorstufe Matricin vorhanden ist.

Kamillentee wird in der Phytotherapie bei Entzündungen im Magen empfohlen. Allerdings haben viele Leute aus ihrer Kindheit ein „Kamillentrauma“, weil sie bei Magen-Darm-Erkrankungen immer Kamille trinken mussten und durch Kamillenduft und Kamillengeschmack an solch elende Zustände erinnert werden. Oft hilft es da, wenn man den Kamillentee mit etwas Zitronensaft trinkt, was ihm eine andere Geschmacksnote gibt.

In einigen Ländern wird Kamillentee im übrigen als Abendtee gegen Einschlafprobleme getrunken.

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Heilpflanzen bei Einschlafstörungen

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„Der wichtigste Tipp bei Einschlafstörungen ist das Bemühen um Schlafhygiene: Bei zu wenig Bewegung, einem zu hellen und zu lauten Schlafzimmer sind Schlafstörungen vorprogrammiert. Jederzeit hilfreich ist ein entspannendes Lavendelbad. Baldrian, Melisse, Hopfen und Passionsblume wirken bei ausreichender Dosierung gut Schlaf-anstoßend. Im Gegensatz zu synthetischen Schlafmitteln verändern pflanzliche das natürliche Schlafprofil nicht – und machen auch nicht abhängig.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/apothekenfuehrer/3168662/morgen-graut.story

Kommentar & Ergänzung:

– In den Studien zeigt Baldrianextrakt eine Wirksamkeit erst nach etwa 10 – 14 Tagen. Baldriantee und Badriantinktur wirken möglicherweise unmittelbar via Dufteffekt. Das volle Potenzial zeigen aber auch sie erst mit dieser Verzögerung.

– Ein Lavendelbad macht man ab besten mit Lavendelöl (etwa 8 Tropfen Lavendelöl in etwas Kaffeerahm mischen und dem Badewasser zugeben).

Neben dem Lavendelbad sind als Anwendungsform auch Lavendelsäckchen bewährt Lavendelblüten werden dazu in ein Stoffsäckchen eingenäht, welches unter das Kopfkissen  gelegt wird.

– Melisse enthält Melissenöl, das entspannend und beruhigend wirkt, aber sehr teuer ist. Geeignet ist aber auch Melissentee, am besten zubereitet mit frischen Melissenblättern.

Melissengeist enthält zwar Melissenblätter und andere Heilpflanzen (Alantwurzel, Enzianwurzel, Pomeranzenschalen, Angelikawurzel, Ingwerwurzel , Gewürznelken, Galgantwurzelstock, Zimtrinde, Alexandriner-Sennesblätter, Muskatnusssamen, Schwarze Pfefferfrüchte, Kardamomenfrüchte). Den Hauptanteil im Melissengeist macht aber der Alkohol aus (66 Volumen-% Alkohol).

– Hopfen wird oft in Kombinationspräparaten zusammen mit Baldrianwurzel eingesetzt. Hopfentee und Hopfentinktur sind sehr bitter.

– Passionsblumenkraut kommt vor allem in Fertigpräparaten zum Einsatz, zum Beispiel im Relaxane / Zeller Entspannungsdragée zusammen mit Pestwurz, Baldrian und Melisse.

– Ergänzend erwähnt werden soll der Orangenblütentee, der sich im Spitälern und Pflegeheimen als schlaffördernder Abendtee etabliert hat. Orangenblütentee ist beliebt. Seine Wirksamkeit wurde allerdings nie genauer untersucht. Beides gilt auch für den Goldmelissentee.

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Pflanzliche Schlafmittel führen nicht zu „Hang-over“

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Schlafstörungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Daher zählen Schlaf anstoßende Medikamente zu den am meisten verordneten Arzneien.

Schätzungen zufolge leiden mehr als 30 Prozent der Bevölkerung unter Schlafstörungen und zehn Prozent zeigen dadurch verursachte Leistungseinbußen am Tage. Sechs bis zehn Prozent aller Erwachsenen nahmen einer aktuellen Studie gemäss Schlafmittel ein, um sich zu einem besseren Schlaf zu verhelfen.

Neben der Klassifizierung der Schlafstörung und der Behandlung ihrer Ursachen können auch einfache schlaffördernde Maßnahmen und die temporäre Anwendung schlafanstoßender Arzneimittel sinnvoll sein. Pflanzliche Arzneimittel stellen dabei eine wissenschaftlich gut belegte Alternative zu zahlreichen chemisch-synthetischen Schlafmitteln dar.

Die Heilpflanzen-Präparate bieten neben ihrer milden schlafanstossenden Wirkung weitere Vorteile, beispielsweise die Erhaltung eines natürlichen Schlafprofils und den Wegfall des Risikos von Abhängigkeit oder eines „Hang-over“ am nächsten Tag.

Gut belegt ist zum Beispiel ein Kombinationspräparat methanolischer Trockenextrakte aus Baldrian und Hopfen bei Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen.

Die adenosinerge Wirkung von Baldrian verbessert die Schlafbereitschaft und wird durch die melatonerge Wirkung des Hopfens ergänzt, die den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/schlafstoerungen/article/812692/pflanzliche-schlafmittel-frei-hang-over.html?sh=2&h=658195823

Kommentar & Ergänzung:

Pflanzliche Schlafhilfen wirken nicht in jedem Fall von Schlafstörungen. Aber aufgrund der guten Verträglichkeit und dem Fehlen riskanter Nebenwirkungen sind sie in vielen Situationen eine gute Option.

Neben Baldrian und Hopfen kommen als Phytosedativa auch Lavendelblüten bzw. Lavendelöl, Melissenblätter bzw. Melissenöl,  sowie Passionsblumenkraut.

Als Abendtee beliebt in Pflegeheimen und im Spital ist der Orangenblütentee.

Siehe auch:

Beeinträchtigen Baldrian, Melisse & Co. Fahrtüchtigkeit und Reaktionsfähigkeit?

Pflanzliche Schlafmittel: Weder Hang-over noch Entzugssymptome

Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Kräuter und ihre Wirkung: Zitronenmelisse

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

Interessantes zu Hopfen und Hopfenzapfen (Lupuli strobulus)

Baldrian, Hopfen und Johanniskraut sind keine Dauerlösung

Heilpflanzen-Präparat aus Baldrian und Hopfen löst Einschlafprobleme

Pflanzenheilkunde: Kräuterkissen für gesunden Schlaf

Studie zeigt: Auch Schulkinder schlafen mit Baldrian besser

Süchtig nach Schlafmitteln – Phytotherapie bietet gesunde Alternativen

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Heilpflanzen bei Depression, Angst und Schlafstörungen

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Unter dem Titel „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“ publizierte das Komitee  Forschung Naturmedizin (KFN) einen Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck.

Darin findet sich eine interessante Übersicht von Heilpflanzen, die in den Bereichen Depression, Angst und Schlafstörungen eingesetzt werden. Hier die Übersicht (Darstellung leicht verändert, Schreibfehler bei den Pflanzennamen korrigiert, Inhalt unverändert):

„Arzneipflanzen, die bei depressiven Störungen, Angst- und Schlafstörungen

eingesetzt werden:

Pflanze / Deutscher Name: Anwendung

Bacopa monnieri / Brahmi: Depression, Angst, Schlaf

Centella asiatica / Indischer Wassernabel: Depression, Angst

Crocus sativus / Safran: Depression, Angst

Echinum amoenum / Borage:  Depression, Angst

Ginkgo biloba / Ginkgo: Depression, Angst

Hypericum perforatum / Johanniskraut:  Depression, Angst, Schlaf

Lavandula spp / Lavendel: Depression, Angst, Schlaf

Matricaria recutita / Kamille: Angststörungen

Melissa officinalis / Melisse: Depression, Angst, Schlaf

Panax ginseng / Ginseng: Depression, Angst, Schlaf

Papaver somniferum / Mohn: Sedation, Euphorie

Passiflora incarnata / Passionsblume: Angst, Schlaf

Piper methysticum / Kava-Kava: Depression, Angst, Schlaf

Rhodiola rosea/ Rosenwurz: Depression, Angst, Erschöpfung

Scutellaria lateriflora / Helmkraut: Angst, nervöse Erschöpfung, Schlaf

Eschscholzia californica / Kalifornischer Mohn: Angst, Schlaf

Valeriana spp. / Baldrian:  Depression, Angst, Schlaf

Vitex agnus-castus / Mönchspfeffer: (menstruelle) Dysphorie, Schlaf

Withania somnifera / Schlafbeere:  Angst, Schlaf, nervöse Erschöpfung

fett = basierend auf Humanstudien

(nach Sarris et al. A systematic review of insomnia and complementary

medicine.SleepMedRev 15, 99-106, 2011)“

Quelle: http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Diese Aufstellung enthält gute Anregungen und Ideen. Die Wirksamkeit der einzelnen Heilpflanzen bei den aufgeführten Indikationen ist aber sehr unterschiedlich gut belegt. Für die Wirksamkeit von Johanniskraut-Extrakten bei leichten und mittleren Depressionen gibt es beispielsweise gute klinische Studien, bei Mönchspfeffer gegen Schlafstörungen oder bei Kamille gegen Angststörungen ist das nicht der Fall.

Beim Thema Schlaf fehlt mir in dieser Aufstellung der Hopfen, welcher vor allem als Hopfenextrakt zusammen mit Baldrianextrakt angewendet wird.  Für solche Kombinationspräparate gibt es ebenfalls guten klinische Studien.

Beliebt als Abendtee bzw. Schlaftee sind zudem Orangenblüten und Goldmelissenblüten, obwohl für beide keine Belege für die Wirksamkeit vorliegen.

Von Kava-Kava gibt es leider zur Zeit keine wirksamen Präparate im Handel. Kava-Extrakte zeigen in klinischen Studien Wirksamkeit bei generalisierten Angststörungen. Die entsprechenden Fertigpräparate wurden vor einigen Jahren wegen Verdachtsmeldungen auf Leberschäden aus dem Handel genommen (wobei ein ursächlicher Zusammenhang mit der Kava-Einnahme nur mangelhaft geklärt ist).

Siehe auch:

Neue Kava-Studie zeigt Wirksamkeit wässriger Extrakte

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Anstelle der vom Markt genommen wirksamen Kava-Extrakte werden nun Similasan Kava-Kava Tabletten oder spagyrische Kava-Tinktur verkauft, die beide bei der Heilmittelbehörde als Homöopathika angemeldet sind, deshalb keinen Wirksamkeitsbeleg vorlegen müssen und die Wirksamkeit entsprechend auch nicht belegt haben. Die Präparate haben nichts mit den ursprünglichen Kava-Extrakten zu tun, beanspruchen aber dieselbe Wirkung. Meiner Ansicht nach werden hier die Konsumentinnen und Konsumenten hinters Licht geführt.

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Bei Schlafstörungen Schlafhygiene beachten

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Die „Pharmazeutische Zeitung“ publizierte einen informativen Beitrag zur Behandlung von Schlafstörungen. Dabei wurden auch die wichtigsten Regeln der Schlafhygiene erwähnt:

„Regeln für einen gesunden Schlaf:

– nach dem Mittagessen kein Coffein

– Alkohol weitgehend vermeiden

– keine schweren Mahlzeiten am Abend

– regelmäßige körperliche Aktivität

– körperliche und geistige Anstrengungen abends allmählich verringern

– persönliches Einschlafritual angewöhnen

– kühles, dunkles Schlafzimmer

– Bett nur zum Schlafen oder zum Sex benutzen

– nachts nicht auf die Uhr sehen

– tagsüber nicht schlafen

– jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41861&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Gelegentlich mal eine schlaflose Nacht, das kennt wohl fast jeder Mensch. Das gehört wahrscheinlich einfach zum Leben und braucht nicht weiter zu beunruhigen.

Chronische Schlafstörungen sind aber etwas ganz anderes.

Erstes ist es wichtig, sie medizinisch abzuklären, weil sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht sein können, die adäquater Behandlung bedürfen.

Zweitens ist es bei chronischen Schlafstörungen sinnvoll, das Potenzial nichtmedikamentöser Massnahmen auszuschöpfen. Dazu gehören die oben aufgeführten Regeln der Schlafhygiene.

„Hygiene“ ist hier gemeint im Sinne einer Gesundheitslehre oder Gesundheitspflege – im Sinne einer Lebensordnung (nach Sebastian Kneipp eine der fünf Säulen der Naturheilkunde), also nicht im Sinn von „sauber und keimfrei“. Hygeia oder Hygieia war in der griechischen Mythologie eine Göttin der Gesundheit. Die Tochter des Asklepios (Gott der Heilkunst) gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene leitet sich von ihr ab.

Drittens gibt es medikamentöse Schlafhilfen.

Synthetische Schlafmittel wirken für den Moment oft prompt und können vorübergehend eine adäquate Lösung sein.

Alle synthetischen Substanzen sind aber mit mehr oder weniger gravierenden Nebenwirkungen und Risiken behaftet: Bei zu kurzer Halbwertszeit wacht der Patient mitten in der Nacht wieder auf. Bei langer Halbwertszeit droht am nächsten Tag ein Hangover, der bei älteren Patienten durch eine verzögerte Ausscheidung noch verstärkt sein kann und sie im Alltag mitunter gefährdet (z. B. durch erhöhte Sturzgefahr). Dieser Aspekt, der vor allem Benzodiazepine betrifft, wird in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Zudem kommt es nach einiger Zeit zu einer Toleranzentwicklung gegenüber diesen Stoffen, denn der Körper vermindert entweder die Zahl der Rezeptoren, an die der Arzneistoff bindet oder er verstoffwechselt die Stoffe durch Enzyminduktion schneller.

Phytopharmaka – also Heilpflanzen-Anwendungen – sind vor allem deshalb eine prüfenswerte Option, weil die beschriebenen Risiken der synthetischen Schlafmittel bei ihnen wegfallen (z. B. keine Toleranzentwicklung, kein Abhängigkeitspotential, keine erhöhte Sturzgefahr). Allerdings wirken sie nicht in jedem Fall verlässlich genug.

Zu den bekanntesten Heilpflanzen, die bei Schlafproblemen in der Phytotherapie zur Anwendung kommen, gehören Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Passiflora), Melisse (= Zitronenmelisse) und Lavendel.

Die beruhigende und schlafanstossende Wirkung dieser Heilpflanzen ist auch wissenschaftlich untersucht und dokumentiert.

Beliebt als Schlaftee sind aber auch Orangenblüten bzw. Orangenblütentee und die Goldmelisse (Goldmelissentee oder Goldmelissensirup, vor allem für Kinder). Bei Orangenblüten und Goldmelissenblüten fehlt die wissenschaftliche Dokumentation bezüglich Wirksamkeit. Da sie als Abendtee jedoch angenehm zu trinken und bestens verträglich sind, spricht gar nichts gegen eine Versuch mit ihnen.

Sehr ungeklärt ist die Wirksamkeit der Hafertinktur, die manchmal gegen Schlafstörungen empfohlen wird.

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Melissentee lindert lästige Krämpfe

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Bei unspezifischen, teils auch krampfartigen Oberbauchbeschwerden rät Dr. Roman Huber von der Universitätsklinik Freiburg zusätzlich zu direkt auf die abdominelle Symptomatik zielenden Behandlungsansätzen entspannungsfördernde Heilpflanzen-Präparate wie Melissenblättertee.

Das ätherische Öl der Melisse ist leicht flüchtig. Darum sollten für den Melissentee frische Blätter verwendet werden, schreibt der Experte im „Lehrbuch Naturheilverfahren“. Die Teezubereitung ist sehr einfach: Fünf bis sechs Melissenblätter werden mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen, zugedeckt und fünf Minuten ziehen gelassen. Danach wird abgeseiht. Die Kondenstropfen am Deckel in den Tee zurückgeben und schon ist der Melissentee fertig. Patienten mit Magenbeschwerden / Bauchbeschwerden sollten täglich zwei bis drei Tassen der entspannenden Heilpflanzen-Zubereitung schön warm zu sich nehmen.

Quelle:

MTD, Ausgabe 24 / 2010

http://www.medical-tribune.de/patienten/magazin/26534/

Kommentar & Ergänzung:

Melissentee ist auch gut geeignet als Abendtee bei Einschlafstörungen. Wer keine frischen Melissenblätter zur Verfügung hat, kann auch ein paar Tropfen Melissenöl im Raum verdunsten lassen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten von Melissenöl:

Gemischt mit Bodylotion einmassieren oder emulgiert mit Kaffeerahm als Melissenbad.

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Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

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Was ist eigentlich Orangenblütentee? Zeigt Orangenblütentee tatsächlich eine Wirkung als Einschlafmittel? Das sind Fragen, die an Heilpflanzenkursen oder in der Phytotherapie-Ausbildung immer wieder auftauchen. Orangenblütentee wird als Schlaftee und Abendtee oft und gern verwendet, aber Informationen dazu in Phytotherapie-Fachbüchern ist rar. Und selbst wen man den Suchbegriff  „Orangenblütentee“ bei Wikipedia eingibt, bekommt man kein Ergebnis.

Orangenblüten (aurantii flos) sind die getrockneten, zum grössten Teil geschlossenen, ganzen Blüten der Bitterorange (Citrus aurantium L. subsp. aurantium).
Der Bitterorangenbaum ( = Pomeranzenbaum) ist, ähnlich wie der Zitronenbaum, ein bis zu 5 m hoher Baum mit immergrünen Blättern. Die mittelgroßen, weißen bis cremefarbenen Blüten duften stark mit süß-schwerem Geruch. Sie wachsen in ein- oder wenigblütigen, blattachselständigen Trauben. Die rundliche Frucht besitzt einen Durchmesser von 7-8 cm, ist an beiden Enden abgeflacht und hat eine dicke, rauhe, orangefarbene Schale. Das Fruchtfleisch ist von säuerlich-bitterem Geschmack.

Orangenblütentee wird wegen seiner beruhigenden Wirkung bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen angewendet. Er hat sich auch in Pflegeheimen und Spitälern als Abendtee etabliert.
Allerdings existieren in der Phytotherapie-Fachliteratur keinerlei Belege für die empfohlenen Anwendungsbereiche des Orangenblütentees. Studien und genauere Untersuchungen fehlen.

Orangenblüten enthalten 0,2-0,5 % ätherisches Öle mit hauptsächlich Monoterpenen (Linalylacetat, alpha-Pinen, Limonen, Linalool, Nerol, Geraniol), ausserdem Anthranilsäuremethylester und Bitterstoffe.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öles zeigt Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl (Linalylacetat, Limonen, alpha-Pinen, Linalool, Geraniol). Da für Lavendelöl eine beruhigende Wirkung bei Unruhe und Einschlafstörungen gut belegt ist, scheint eine solche Wirkung für den Orangenblütentee plausibel. Es würde sich dann beim Trinken von Orangenblütentee quasi um eine Aromatherapie via Duftebene handeln. Deshalb wäre wohl die Empfehlung sinnvoll, den Orangenblütentee langsam schluckweise zu trinken, damit das ätherische Öle gut auf die Geruchsrezeptoren einwirken kann.

Von der Bitterorange wird im übrigen auch die Schale verwendet (Bittere Orangenschale, Bitterorangenschale): Die vom weisslich-schwammigen Gewebe des Mesokarps (Albedoschicht) teilweise befreite äussere Schale der Frucht.

Bitterorangenschale enthält neben ätherischem Öl mit der Hauptkomponente Limonen bitter schmeckende Flavonoide (Neohesperidin, Naringin).
Die Bitterstoffe regen reflektorisch die Speichel- und Magensaftsekretion an und wirken daher appetitanregend und verdauungsfördernd. Bittere Orangenschale wird manchmal bei Appetitlosigkeit in der Kinderheilkunde eingesetzt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Kopfschmerzen nach Koffein-Entzug

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Koffein regt den Organismus an, kann aber auch abhängig machen. Das kann zu Kopfweh und Ermüdung führen, wenn die gewohnte Tagesportion ausbleibt. Weshalb das so ist, erläutern Psychiater der University of Vermont College of Medicine im Wissenschaftsjournal Psychopharmacology. Sie erforschten, welche körperlichen Prozesse ein plötzlicher Einnahmestopp von Koffein auslöst.

Bei Versuchspersonen, die über einen längeren Zeitraum Koffeinkapseln eingenommen hatten, zeigten sich deutliche Reaktionen nach einem Zufuhrstopp. Diese Reaktionen glichen den typischen Entzugserscheinungen von Suchtmitteln. Die Geschwindigkeit des Blutflusses im Gehirn und auch die Theta-Rhythmen im EEG-Bild steigerten sich, was die Wisenschaftler als wichtigste Auslöser für das Kopfweh sehen. Die Studienteilnehmer erklärten zudem, dass sie sich beim Entzug besonders müde, erschöpft, lustlos oder matt fühlten.

„Koffein verengt die Blutgefäße, was kurzfristig zu schnellerem Blutfluss wie auch zu hohem Blutdruck führt. Gleichzeitig steigt das Sauerstoff-Angebot in den Zellen“, sagt dazu Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik Kiel. Der in Kaffee, Tee, Cola, Energy-Drinks und auch in Kakao enthaltene Wirkstoff Koffein ziele auf die Rezeptoren ab, welche der Zelle sonst Pause signalisieren. Dadurch verhindere er Müdigkeit.

„Das Problem dabei ist, dass das Gehirn eine ständige Koffein-Dosis bemerkt und sich daran gewöhnt. Deshalb wirkt Koffein umso weniger, je mehr man davon zu sich nimmt“, erklärt Göbel. Entziehe man dem Organismus nach der Gewöhnung Koffein, könne das zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Depressionen führen. „Deutlich wurde das durch den Nachweis, dass die meisten Menschen am Samstag Kopfschmerz haben, da sie am Wochenende ihre gewohnte Kaffeedosis nicht zu sich nehmen.“

Koffein sei medizinisch und pharmakologisch eine Droge, betont Göbel.
Die bei regelmäßigem Koffeinkonsum entstehende Abhängigkeit sei in der Gesellschaft aber so gut organisiert, dass man sie kaum bemerke. „Kaffee gehört zum Alltag und wird permanent eingenommen. Im Arbeitsalltag oder bei Veranstaltungen ist er stets verfügbar, oder man legt eben eine Kaffeepause ein.“ Gelegenheiten des Kaffeekonsums gebe es auch in allen städtischen Einkaufszonen, während in England die traditionelle Teezeit um fünf Uhr nachmittags dieselbe Funktion erfülle, die übliche Müdigkeit dieser Tageszeit auszugleichen. „Stark zubereiter Tee enthält dieselbe Konzentration Koffein wie Kaffee“, so der Schmerzmediziner.

Weil der anregende Effekt des Koffeins Kopfschmerz vorübergehend stillt, wird es schon lange als Arznei eingesetzt. „Coca Cola wurde ursprünglich als Therapie gegen Kopfschmerzen entwickelt“, so Göbel. Die Anwendung der Aufputschsubstanz in Medikamenten kritisiert der Schmerzspezialist allerdings. „Das ist etwa bei den gängigsten Analgetika gegen Kopfschmerz der Fall. Diese Mischpräparate kombinieren Schmerzmittel mit Koffein, wodurch das Risiko einer Abhängigkeit gegeben ist. Es gibt Patienten, die aus diesem Grund regelmäßig 30 Schmerztabletten pro Tag einnehmen.“ Anstelle der Kombination von schmerzstillenden Wirkstoffen (Analgetika) mit Koffein sei eine Monotherapie sinnvoller, die nur einen Wirkstoff verwende und auf Koffein verzichte, betont der Schmerzmediziner. Kaffee könne man dann unabhängig von dem Schmerzmittel einnehmen, wenn man den Koffeineffekt wünsche.

In Maßen genossener Kaffee sei laut Göbel eine sozial verträgliche Droge, weil er die Leistung erhöht. Zudem spreche medizinisch nichts gegen bis zu vier Tassen Kaffee täglich. „Eine Tasse enthält je nach Stärke zwischen 30 und 100 Milligramm Koffein. Koffein ist jedoch bis zu einer Dosis von 200 Milligramm unbedenklich.“ Wer gerne viel Kaffee trinke, solle diesen möglichst schwach zubereiten, empfiehlt der Mediziner. „Wichtig ist es jedoch, Körper und Geist genügend Ausgleich zu geben.“

Quelle: www.journalmed.de, 8. 5. 2009

Kommentar:

Zweifellos gibt es “Kaffee-Junkies”, die sich vielleicht einmal Gedanken machen sollten über die täglich zugeführte Koffein-Dosis.
In mässigen Dosen getrunken, haben allerdings Kaffee, Schwarztee, Grüntee und Weisser Tee durchaus auch positive Wirkungen auf die Gesundheit. Dies verdanken sie verschiedenartigen Inhaltsstoffen, welche sie neben dem Koffein auch noch “mitführen”, beispielsweise den Tee-Polyphenolen. Schwarztee zählt zudem schon seit langem zu den bedeutenden Heilpflanzen.

Fragwürdiger sind deshalb die Energy-Drinks vom Typ “Redbull”, welche Koffein isoliert von den pflanzlichen Begleitstoffen enthalten, gemischt mit Süssstoffen und Aromastoffen. Aus gesundheitlicher Sicht eine ziemliche “Schrottladung”, wobei auch hier der gelegentliche Konsum wohl unbedenklich ist. Wenn aber der grössere Teil des täglichen Flüssigkeitsbedarf via “Energy-Drinks” gedeckt wird, scheint mit das schon eher bedenklich.

Hier ist wieder einmal ein Plädoyer fällig für den Kräutertee.. Wie wäre es zum Beispiel mit Hagebutten, Karkade, Rooibos (Rotbusch), Verveine (Zitronenstrauch, Verbena), Orangenblüten (als Abendtee), Lindenblüten, Pfefferminze. Sie alle sind koffeinfrei, bieten viel Abwechslung und eignen sich als Genusstee – einzeln getrunken oder nach eigenem Geschmack gemischt.

Präzisiert werden müsste noch die Aussage in obigem Beitrag, dass stark zubereiteter Tee dieselbe Konzentration an Koffein enthält wie Kaffee. Das stimmt wohl, wenn mit “stark zubereitet” eine hohe Dosis Teeblätter pro Tasse gemeint ist. Nicht zutreffen dürfte dies, wenn mit “stark zubereitet” gemeint ist: Den Tee lang ziehen lassen.
Wird der Tee nämlich längere Zeit ziehen gelassen, wird das Koffein teilweise durch Gerbstoffe gebunden. Dadurch sinkt die resorbierte Koffeinmenge.

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