Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Hausmittel gegen Erkältung: Halsschmerzen

Samstag, Dezember 17th, 2011

Hauptsächlich bei Infekten der oberen Atemwege, einer Erkältung oder auch bei einer Mandelentzündung schmerzt der Hals. Meistens sind dafür Viren verantwortlich, manchmal auch Bakterien. Die Schleimhäute werden dadurch gereizt und entzünden sich: Der Hals wird rot, schwillt an und schmerzt.

In solchen Fällen muss man aber nicht gleich teure Medikamente schlucken, auch alte Hausmittel wie etwa Quarkwickel oder Inhalieren haben sich bewährt.

Dauern die Beschwerden jedoch länger als drei, vier Tage an oder werden sie sogar schlimmer, sollten man besser zum Arzt gehen.

„Viel Kräutertee trinken“, empfiehlt die „BZ“ ihren Leserinnen und Lesern:

„Möglichst viel trinken. Das hält die Schleimhäute feucht, Erkältungsviren können sich nicht so gut vermehren. Heilpflanzen wirken keimhemmend, entzündungsdämmend, abschwellend und eigen sich deshalb besonders gut als Tee. Gut sind Salbei, Thymian, Kamille oder eine „heiße Zitrone“. Ob die Getränke aber heiß oder kalt sind, ist nicht entscheidend. Wichtig ist die Menge: mindestens zwei Liter am Tag.“

„Mit warmer Kamille gurgeln“, lautet der zweite Rat:

„Gurgeln Sie mehrmals täglich. Dadurch werden Krankheitserreger im Rachen weggespült. Gut bei Halsschmerzen ist Kamillentee (lang gezogen). Die Heilpflanze hat eine entzündungshemmende Wirkung und lindert Schmerzen. Der Tee sollte lauwarm sein. Achtung: Nicht mit hochprozentigem Schnaps gurgeln. Dadurch werden die entzündeten Schleimhäute zusätzlich gereizt.“

Bei Halsschmerzen würde ich allerdings zum Gurgeln anstelle von Kamillentee den Salbeitee vorziehen. Salbei enthält neben antimikrobiell wirkenden ätherischen Ölen (gegen Viren, Bakterien, Pilze) noch Lamiaceen-Gerbstoff (Rosmarinsäure), der gut entzündungswidrig wirkt.

„Mit Salzwasser inhalieren“, lautet der dritte Rat:

„Um den Schleim in der Nase und den Nebenhöhlen zu lösen, ist das Inhalieren von Salzwasser besonders wirksam. Die Dämpfe erreichen auch den Kehlkopf gut und lindern Heiserkeit. Einfach einen Liter Wasser erhitzen, drei Teelöffel Salz dazu geben und den aufsteigenden Wasserdampf unter einem Handtuch durch die Nase einatmen.“

Inhalieren mit Salzwasser ist tatsächlich ein einfaches, aber oft wirksames Hausmittel.

Schliesslich empfiehlt die „BZ“ noch den Halswickel:

„Bei Dauerkratzen kann auch ein Halswickel helfen. Dazu wird ein Küchenhandtuch mit kühlen bis warmem (je nach Bedürfnis) Wasser getränkt, ausgewrungen und um den Hals gelegt. Darüber ein trockenes Tuch oder einen Wollschal wickeln. Zwischen 20 und 30 Minuten sollte der Wickel einwirken. Oder: Quark auf das Handtuch streichen und um den Hals legen.“

Insbesondere der Quarkwickel hat eine kühlende und dadurch abschwellende Wirkung. Völlig unsinnig sind allerdings immer noch herumgeisternde Geschichten, wonach der Quarkwickel „Giftstoffe“ herausziehen soll.

Niemand kann nämlich genau erklären, um was für „Giftstoffe“ es sind da handeln soll. Viren und Bakterien jedenfalls zieht man nicht einfach so durch die Haut. Ausserdem ist völlig unklar, wie der Quark wissen kann, welche Stoffe er als Giftstoffe herausziehen muss, und welche Stoffe unbedingt drin bleiben müssen. Und wenn man dann noch hört, der Quarkwickel ziehe die „Giftstoffe“ „osmotisch“ heraus, dann bleibt nur noch das grosse Staunen. Osmose funktioniert nämlich nur über eine halbdurchlässige Membran. Wäre die Haut eine solche halbdurchlässige (semipermeable) Membran, dann würde ich in der Badewanne aufgehen wie ein Kuchen im Backofen und schliesslich wohl platzen.

Das ist aber – damit wir uns nicht missverstehen – kein Quarkwickel-feindliches Statement. Quarkwickel sind oft sehr wirksam, wohl einfach aufgrund der intensiven, langanhaltenden Kühlwirkung. Dafür gebührt dem Quarkwickel meine Anerkennung. Ich bin nur gegen abstruse Konstrukte wie die „Giftstoff-herauszieh-Theorie“ (GHT).

Quelle der „BZ“-Zitate:

http://www.bz-berlin.de/ratgeber/gesundheit/die-besten-hausmittel-gegen-erkaeltung-article1342725.html#bzRSS

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen?

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Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie

Freitag, Juli 29th, 2011

In der „Frankfurter Rundschau“ äusserte sich Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde, Universität Rostock) zum Thema Heilpflanzen-Anwendungen gegen Schmerzen:

„’Für Teufelskrallenextrakt, Weidenrindenextrakt, Brennnesselkrautextrakt und Beinwellextrakt liegen inzwischen sehr spannende Forschungsergebnisse vor’, sagt die Rostocker Naturheilkundlerin. ‚So vermutete man lange Zeit, es seien die Salicylate, die bei der Weidenrinde schmerzstillend wirken. Heute gehen wir davon aus, dass es nicht so sehr die nebenwirkungsträchtigen, aber nur in geringer Konzentration vorkommenden Salicylate sind, sondern vielmehr die darin enthaltenen Polyphenole.’ Nur durch diese Kombination lasse sich die gute Wirksamkeit erklären. Bei der Phytotherapie, so Karin Kraft, ‚arbeitet in der Regel ein ganzes Konzert von Wirkstoffen zusammen’.“

Quelle:

http://www.fr-online.de/wissenschaft/sicherheit-aus-dem-kraeutergarten/-/1472788/8436546/-/view/asFirstTeaser/-/

Kommentar & Ergänzung:

Teufelskrallenwurzelextrakt, Weidenrindenextrakt und Brennnesselkrautextrakt werden innerlich angewendet, Beinwellextrakt dagegen in Form von Beinwell-Salbe oder Beinwell-Gel.

Das von Karin Kraft erwähnte „Konzert von Wirkstoffen“ ist ein Charakteristikum der Phytotherapie. Und bei der Weidenrinde ist es tatsächlich auffallend, dass die klinische Wirkung sich nicht nur mit dem Gehalt an Salicin erklären lässt.

Siehe auch:

Phytotherapie bei Schmerzen

Phytotherapie: Teufelskralle bei Rheuma

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheuma-Beschwerden

Phytotherapie & Arthrose: Weidenrinde & Teufelskralle

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Brennnesselkur gegen Rheuma

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/06/22/brennnessel-kur-gegen-rheuma.html

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Zum Thema „Konzert der Wirkstoffe“ (oder fachlicher: Multi-Target-Therapie):

Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Falls Sie unter chronischen Schmerzen leiden, könnte auch das folgende Tagesseminar für Sie interessant sein:

Phänomen Schmerz besser verstehen und damit umgehen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Energetisierte Heilpflanzen…..

Sonntag, Juli 24th, 2011

Der neuste Gag in der esoterischen Pflanzenheilkunde sind „energetisierte Heilpflanzen“.

Heilpflanzen, so wie sie die Natur wachsen lässt, reichen also offenbar nicht mehr. Heilpflanzen müssen mit allerlei Brimborium „energetisiert“ werden. Genauso wie normales Trinkwasser den Ansprüchen mancher Menschen genügt. „Energetisiertes“ oder „belebtes“ Wasser muss es unbedingt sein. Manchmal scheint mir wirklich, dass wir ein ziemlich dekadente, verwöhnte und übersatte Gesellschaft sind. Ich reise oft in China – auch in sehr ländlichen und armen Gebieten. Ich habe dort noch niemand getroffen mit dem Bedürfnis, Heilpflanzen oder Trinkwasser zu energetisieren. Solche Bedürfnisse entwickeln offenbar nur Leute, die sonst schon viel mehr haben, als sie brauchen können.

Das alt-ehrwürdige Wort „Energie“ möchte ich allerdings in Schutz nehmen. Es kann schliesslich nichts  dafür, wenn es für alles Mögliche missbraucht wird.

„Energie“ stammt vom griechischen Wort „energeia“ ab und bedeutet etwa so viel wie „Am-Werk-sein-der-Dinge“, oder schlicht „Wirksamkeit“. Viel sagt es also nicht gerade aus, wenn Heilpflanzen „energetisiert“ werden.  Aber sie lassen sich jedenfalls einiges teurer verkaufen.

Warum müssen selbst Heilpflanzen derart mit magischer Bedeutung aufgeladen werden?

Warum reicht die schlichte Begegnung mit dem, was da ist, nicht aus?

Werden da nicht ganz einfach Heilpflanzen für eigene Bedürfnisse „missbraucht“?

Es ist meines Erachtens eine verlogene Sprache, wenn solch wohltönende, aber nichts sagende Schlagworte wie „Energetisierte Heilpflanzen“ verwendet werden.

Fragen Sie wo immer möglich genau nach, wie diese Aussagen gemeint sind, wenn Sie mit derart aufgeblähten Worthülsen eingedeckt werden.

Es scheint mir aus politischen Gründen problematisch, sich an solche Leerformeln zu gewöhnen.

Mal ganz abgesehen davon, dass Patientinnen und Patienten hier ausgenommen und getäuscht werden mit Versprechungen, die meines Erachtens reine Fantasieprodukte sind. Es sind ethische Fragen, die sich da stellen.

P.S.: Der Bereich Komplmentärmedizin / Naturheilkunde ist sehr vielfältig, aber auch sehr intransparent. Zudem fehlt jede Qualitätskontrolle. Wenn Sie sich einen Überblick und eine eigene Meinung bilden wollen, finden Sie das dazu nötige Basiswissen im Tagesseminar

Komplementärmedizin – Basiswissen zur Orientierung im überquellenden Angebot

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erdbeeren als Radikalfänger / Antioxydans

Mittwoch, Juni 29th, 2011

Wer reichlich Erdbeeren isst, tut zumindest seinen Roten Blutkörperchen (Erythrozyten) etwas Gutes.

Einer italienischen Studie zufolge wird durch Inhaltsstoffe der Erdbeeren der antioxidative Status des Plasmas verbessert und der bereits in vitro ( = im Labor, im Reagenzglas) beobachtete Schutz der Erythrozyten vor Hämolyse erhöht (Food Chemistry 2011; 128: 180).

Die Studienteilnehmer assen über 16 Tage täglich 500 Gramm Erdbeeren.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/article/660235/erdbeeren-antioxidativen-effekt.html?sh=37&h=-1436656583

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308814611004067

Kommentar & Ergänzung:

Als Hämolyse bezeichnet man die Auflösung von roten Blutkörperchen, den Erythrozyten.

Schön, wenn Erdbeeren Erythrozyten vor Hämolyse schützt, aber 500 g Erdbeeren als Langzeitprophylaxe sind nicht gerade praktikabel. Die meisten Früchte sind ausgesprochen gute Radikalfänger / Antioxidantien – Himbeeren, Heidelbeeren, Aprikosen, Pfirsiche, Orangen, Brombeeren, Äpfel….

Es soll sich also nun niemand auf Erdbeeren fixieren – stattdessen essen wir doch einfach diejenigen Früchte, die wir gerne haben. Das ist viel besser als all die Antioxidantien, die uns als Nahrungsergänzungsmittel aufgeschwatzt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Sind Goldmelisse und Zitronenmelisse botanisch verwandt?

Freitag, Juni 17th, 2011

Diese Frage wird mir in der Phytotherapie-Ausbildung und in Heilpflanzenkursen immer wieder gestellt.

Goldmelisse (Monarda didyma)  und Zitronenmelisse (Melissa officinalis) gehören zwar beide zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), doch näher verwandt sind sie nicht.

Nachfolgend ausgewählte Angaben dazu aus Wikipedia.

Zur Goldmelisse

„Die Goldmelisse (Monarda didyma), auch Indianernessel, Scharlach-Monarde genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Monarda in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Merkmale der Goldmelisse:

„Die Goldmelisse ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit einem Rhizom, die Wuchshöhen von 80 bis 150 Zentimeter erreicht. Die Pflanze duftet nach Zitrone. Die aufrechten Stängel sind vierkantig. Die gegenständigen Laubblätter sind einfach, rau, und nur kurz gestielt. Die Blattspreite weist eine Länge von 15 cm und eine Breite von 5 cm auf. Der Blattrand ist gesägt.

Etwa 30 Blüten stehen in terminalen Blütenständen mit roten Hochblättern zusammen. Die zittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig. Der Kelch ist 10 bis 14 Millimeter lang und am Schlund kahl oder nur schwach behaart. Die rote, behaarte Krone ist 30 bis 45 Millimeter lang. Die Kronenoberlippe ist kahl oder nur spärlich behaart. Es sind nur zwei Staubblätter vorhanden. Der Griffel endet mit zwei Narbenästen.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September.“

Vorkommen der Goldmelisse

„Die Goldmelisse kommt im Osten der USA in feuchten Wäldern und Gebüschen vor.“

Nutzung der Goldmelisse

„Die Goldmelisse wird als Zierpflanze genutzt. Die Wildform wird selten, gezüchtete Sorten zerstreut für Rabatten, Staudenbeete und als Schnittblumen verwendet. In Nordamerika wird diese Art darüber hinaus als Heil- und Duftpflanze genutzt. Sie ist seit 1737 oder 1756 in Kultur. Die zahlreichen Sorten sind entweder Abkömmlinge von Monarda didyma oder von Hybriden aus Monarda didyma und Monarda fistulosa. Sie unterscheiden sich in Blütenfarbe, Wuchshöhe und Mehltauresistenz, ein Teil der Sorten hat auffällige Hochblätter.

Die Blätter können frisch und gegart gegessen werden. Mit den Blättern kann man Nachspeisen würzen.

Aus den frischen und getrockneten Blättern und Blütenständen kann man guten Tee („Oswego Tea“) aufgießen.

Die Oswego-Indianer kannten eine Teezubereitungsart. Ende des 18. Jahrhunderts boykottierten amerikanische Kolonisten den aus England eingeführten Tee. Sie tranken Oswego-Tee.

Sehr gut eigenen sich die duftenden Blätter zum Aromatisieren von Tee und Obstsalat. Auch zum Garnieren finden sie Verwendung.“

Zur Zitronenmelisse

„Die Zitronenmelisse oder Melisse (Melissa officinalis) ist eine aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammende Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Inhaltsstoffe der Zitronenmelisse

„Melissenblätter enthalten 4 bis 7 % Hydroxyzimtsäure-Derivate, vor allem Rosmarinsäure (die sogenannten Labiatengerbstoffe), aber auch Chlorogensäure, Kaffeesäure u. a. Ätherisches Öl ist zu 0,05 bis 0,3 %, in Zuchtsorten bis zu 0,8 % enthalten. Die wichtigsten Komponenten sind Citral (mit 40 bis 70 %, als Gemisch aus Geranial und Neral), Citronellal (1 bis 20 %) und β-Caryophyllen (5 bis 15 %). Weitere Bestandteile sind Caryophyllenepoxid, Germacren D, Methylcitronellal, 6-Methyl-5-hepten-2-on, Geranylacetat, α-Copaen und Nerol. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls ist von der Herkunft und den Klimabedingungen, vom Erntezeitpunkt und dem Alter der Pflanze abhängig.

Melisse enthält ätherisches Öl (Hauptbestandteile Citral und Citronellal, Linalool, Geraniol und Aldehyde) aber auch Gerbstoffe (hauptsächlich Rosmarinsäure), Bitterstoffe, Harz, Schleimstoffe, Glykoside, Saponine und Thymol. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze pro 100 Gramm Frischgewicht beträgt 253,0 Milligramm.“

Namensherkunft

„Der Gattungsname Melissa leitet sich vom griechischen meliteion = Zitronen-Melisse ab, das mit meli = Honig (Genitiv melitos) zusammenhängt. Er bezieht sich auf die Nutzung als Bienenweide. Das Art-Epitheton officinalis bedeutet offizinell, als Arznei verwendet.“

Verbreitung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse ist im Östlichen Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet. Das natürliche Areal reicht von Anatolien über den Kaukasus, Irak und Iran bis Pakistan. Heute wird sie weltweit in den gemäßigten und warmen Zonen kultiviert und verwildert regelmäßig.

In Mitteleuropa ist sie verwildert vor allem auf Waldschlägen und an Forststraßen zu finden.

Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, warmen und trockenen Standorten mit humusreichem sandigem Lehm- oder lehmigem Sandboden.“

Nutzung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse wird als Gewürz-, Arznei- und als Bienenweidepflanze angebaut. Die Blätter werden als Küchengewürz verwendet. Extrakte aus den Blättern werden zu Kräuterlikören verarbeitet. Zum Aromatisieren von kalten Getränken, Salaten und Saucen sowie Kompotten wird Melisse verwendet. Tee und Wein kann man aus ihr herstellen. Melissentee soll beruhigend wirken und verdauungsfördernd sein.

Als Droge werden die Blätter (Melissae folium) verwendet. Die traditionelle Verwendung ist die Unterstützung der Magenfunktion und bei nervlicher Belastung. Präparate wie Teeaufgüsse, Flüssig- oder Trockenextrakte aus der Melisse wirken sedativ und spasmolytisch. Sie werden bei Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Häufig werden sie in Teemischungen mit anderen beruhigend wirkenden Drogen eingesetzt. Bäder werden bei Entzündungen der Haut und der Genitalorgane eingesetzt, aber auch als Entspannungsbäder. Weitere Anwendungsgebiete sind Gallenleiden und hypertone Dyskinesie.

Aufgrund des Gehaltes an Phenolcarbonsäurederivaten, v. a. Rosmarinsäure, haben Melissenblätter eine antimikrobielle und antivirale Wirkung. Dies wird in Salben zur Behandlung von Herpes simplex eingesetzt.

In der Volksmedizin wird die Zitronenmelisse auch gegen Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche eingesetzt.

Im Handel ist reines Melissenöl aufgrund des hohen Preises (rund 6000 EUR pro kg) selten erhältlich, meist sind es Ersatzöle wie Citronellaöl, Lemongrasöl oder Verfälschungen (Indisches Melissenöl).“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Goldmelissentee wird in der Pflanzenheilkunde als Einschlaftee vor allem für Kinder empfohlen und ist wegen seiner roten Farbe und dem angenehmen Aroma beliebt. Auch Goldmelissensirup kommt zur Anwendung.

Eine Wirksamkeit ist allerdings für Goldmelissentee und Goldmelissensirup nicht dokumentiert. Das spricht nicht gegen den Gebrauch, wenn man Goldmelissentee oder Goldmelissensirup gern hat und danach gut schlafen kann.

Das ätherische Öl in den Goldmelissenblüten ähnelt in der Zusammensetzung an manchen Punkte  dem Thymian. Es enthält zum Beispiel wie Thymian Thymol und Carvacrol.

Goldmelissenblüten sind ziemlich teuer, wenn man sie in der Apotheke oder Drogerie kauft.

Für die Wirkung der Zitronenmelisse als Einschlafmittel gibt es deutlich bessere Belege. Untersucht wurde in dieser Hinsicht vor allem das ätherische Öl. Melissenöl wird über die Atemwege angewendet, als Melissenbad oder als Einreibung gemischt mit fettem Öl oder Bodylotion. Melissentee = Zitronenmelissentee würde ich aus frischen Melissenblättern zubereiten. Die Melissenblätter verlieren beim Trocknen rasch an ätherischem Öl.

Melissenöl und Melissenextrakt sind ausserdem wirksam gegen Herpes-simplex-Viren. Sie werden deshalb bei Lippenherpes (Fieberbläschen) angewendet.

Über’s Ganze gesehen  setzt die Phytotherapie stärker auf die Zitronenmelisse und auf das Melissenöl als auf die Goldmelisse. Goldmelisse wird aber gerne empfohlen als bewährtes Hausmittel und auch als Genusstee.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Vietnam gegen Geschäft mit Bärengalle

Freitag, Mai 27th, 2011

Für die Bären ist die Entnahme von Gallenflüssigkeit eine Qual. In zahlreichen asiatischen Ländern gilt dieser Saft jedoch als Heilmittel. Vietnam will den Bärengallen-Tourismus nun beenden. Doch der Handel mit dem Bärengallen-Extrakt floriert.

Vietnam verstärkt den Druck im Kampf gegen das grausame Geschäft mit der Bärengalle. Die Flüssigkeit wird den Bären entnommen und schon seit mehr als 3000 Jahren in der chinesischen Medizin eingesetzt. Sie soll hauptsächlich gegen Leberkrankheiten helfen.

Das Nationale Amt für Tourismus hat nun Leitlinien veröffentlicht, wonach Reiseunternehmen ihre Lizenz verlieren könnten, falls sie “Bärengallen-Ausflüge” anbieten. Die Welttierschutzgesellschaft (WSPA) begrüßt dieses Vorhaben – ein Ende des lukrativen Geschäfts ist  aber wohl noch nicht in Sicht. “Es bringt Profit”, erklärte Nguyen Manh Cuong vom vietnamesischen Tourismus-Amt.

Als “Hot Spot” für die Bärengallen-Reisen gilt nach Auskunft der WSPA die vietnamesische Urlaubshochburg Ha Long. Pauschaltouristen – hauptsächlich aus Südkorea – bekommen bei entsprechender Buchung die Live-Entnahme von Galle geboten. Darüber hinaus können sie die Flüssigkeit kaufen und illegal in ihr Heimatland einführen. Ein Milliliter lässt sich in manchen Regionen bereits für einen Dollar kaufen.

Die Entnahme der Gallenflüssigkeit ist für die Bären schmerzhaft und ihre Käfige sind oft nicht größer als Telefonzellen. Bis zu dreimal pro Tag wird ihnen laut WSPA der Saft abgezapft – aus einer Wunde, die man häufig nicht verheilen lässt. Die Tiere leiden daraufhin oft an schweren Infektionen. In zahlreichen Fällen verenden sie.

WSPA-Projektleiter Dave Eastham begrüßt, dass Vietnam härter gegen die Reiseunternehmen durchgreifen will. “Das sind fantastische Neuigkeiten”, erklärte er. “Vietnam ist bislang das einzige Land, das dieser Unsitte ein Ende setzen will.” Und er weißt darauf hin, dass Bärenfarmen in Südkorea und China weiterhin legal seien. Mehr als 12.000 Bären befinden sich nach Angaben der WSPA in asiatischen Farmen in Gefangenschaft.

Vietnam hat sich schon 2005 zu einer schrittweisen Abschaffung dieser Einrichtungen entschlossen. Auf Initiative des Ministeriums für Landwirtschaft wurden etwa 4000 in Gefangenschaft lebenden Bären Mikrochips eingepflanzt, um ihren Bestand zu kontrollieren. Dennoch durften die Farmer ihre Bären als Touristenattraktion behalten. 2009 wurde schließlich eine Gesetzesnovelle auf den Weg gebracht, die das Halten geschützter Arten zu kommerziellen Zwecken untersagt. Immer wieder entdecken Tierschützer jedoch illegale Farmen.

Und auch der illegale internationale Handel mit Bärengalle floriert in Asien. Das sei verheerend für die bedrohten asiatischen Schwarzbären und Malaienbären, erklärte jüngst die Organisation Traffic, die gegen den Schmuggel von Tieren und ihren Produkten kämpft. Über 50 Prozent der Geschäfte mit traditionellen Heilmitteln in China, Hongkong, Malaysia, Birma und Vietnam führen nach Traffic-Angaben Bärengallensaft im Sortiment.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Vietnam-greift-durch-article3311976.html

Kommentar & Ergänzung:

Bärengalle gehört zur ursprünglichen traditionellen chinesischen Medizin. Man muss sich klarmachen, dass die Traditionelle Chinesische Medizin, wie wir sie im Westen kennen, ein ziemlich junges Exportprodukt ist, das auf westliche Bedürfnisse hin zugeschnitten wurde. Die originale chinesische Medizin  hat beispielsweise auch über zwei Jahrtausende ein sehr kriegerisches Vokabular verwendet, das im Exportprodukt TCM fehlt, in China aber durchaus noch im Gebrauch ist.

Ich bin selber oft in China unterwegs und immer wieder erstaunt über die sehr unterschiedliche Sichtweise auf die traditionelle chinesische Medizin in China und im Westen.

Dass Vietnam nun die Tierquälerei mit der Bärengalle eindämmen will, ist sehr zu begrüssen.

Auch Tradition muss sich in Frage stellen lassen. Tradition hat nicht fraglos Recht. Das gilt natürlich für alle Arten und Methoden der Heilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Johanniskraut – Wirkstoffe und Wirkungsweise

Freitag, Mai 20th, 2011

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist als Antidepressivum bei leichten und mittleren Depressionen inzwischen gut dokumentiert. Doch wie kommt diese Wirkung zu Stande?

Hier eine Erklärung dazu aus der Medizinzeitschrift „Ars medici“:

„Hochwertige Johanniskrautextrakte enthalten ein Gemisch aus Hyperforin, Hypericin und Pseudohypericin sowie deren Synthesevorstufen, Flavonoide, Xanthone, Gerbstoffe und ätherisches Öl. Neuere Untersuchungen zeigen, dass vor allem Hyperforin und Flavonoide wie Biapigenin und Rutin für die antidepressive Wirkung entscheidend sind. Wie bei den meisten Phytotherapeutika beruht auch die Wirkung von Johanniskraut nicht auf einem einzelnen Inhaltsstoff, sondern auf einem Komplex. Nach aktuellen Untersuchungen hemmt Johanniskrautextrakt die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin und hemmt GABA (Gamma-Amino-Buttersäure) und L-Glutamat. Keines der bekannten synthetischen Antidepressiva weist ein ähnlich breites Wirkspektrum auf. Die Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter erfolgt vor allem durch Hyperforin (und Adhyperforin), weshalb diese im Wirkmechanismus am ehesten mit trizyklischen Antidepressiva vergleichbar sind, ohne jedoch deren typische Nebenwirkungen aufzuweisen. Die Flavonoide Isorhamnetin und Rutin erhöhen signifikant die extrazelluläre Konzentration von Serotonin im präfrontalen Kortex und tragen so zur antidepressiven Wirkung des Gesamtextraktes bei. Diese Wirkung ist mit jener der SSRI vergleichbar. Hypericin und Pseudohypericin erwiesen sich in In-vitro-Versuchen als unwirksam, zeigten aber  in vivo eine antidepressive Wirksamkeit durch Verbesserung der Bioverfügbarkeit. Zudem scheint Hypericin einzelne Stressparameter günstig zu beeinflussen. Diese Effekte sind am ehesten mit der positiven Wirkung niedrig dosierter Neuroleptika zu vergleichen. Johanniskrautextrakte, die alle diese Substanzen in ausreichender Konzentration enthalten, entfalten also eine Wirkungsbreite, die einzelne synthetische Antidepressiva nicht haben!“

Quelle: ARS MEDICI DOSSIER I+II  2010

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat enthält zwei wichtige Punkte:

1. Beim Johanniskraut-Extrakt lässt sich die Wirkung nicht aus einem einzelnen Wirkstoff basierend erklären, sondern aus dem Zusammenwirken von mehreren Wirkstoffen.

2. Johanniskraut beeinflusst mehrere Transmittersysteme (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA) und setzt daher breiter an als synthetische Antidepressiva. Diese milde, aber an mehreren Punkten ansetzende Wirkung dürfte wesentlich zum günstigen Nebenwirkungsprofil von Johanniskraut beitragen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Kommission E – was bedeutet das?

Samstag, März 5th, 2011

In Phytotherapie-Fachbüchern liest man oft bei Angaben zu Wirkungen und Anwendungsbereichen von Heilpflanzen den Hinweis auf die Monografien der Kommission E.

Was ist die Kommission E?

Hier die Beschreibung auf Wikipedia:

„Die Kommission E bezeichnet eine selbstständige, wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) und des heutigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Diese Kommission berät das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in der Regel bei der Zulassung von traditionellen Arzneimitteln und von Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen. In den Jahren von 1978 (Inkrafttreten des neuen Arzneimittelgesetzes) bis 1994 bestand die Aufgabe der Kommission E darin, wissenschaftliches und erfahrungsheilkundliches Material zu erwünschten und unerwünschten Wirkungen pflanzlicher Arzneidrogen zu verfassen. Daraus wurden die bis heute gültigen Monografien erstellt, die als Grundlage für die Neuzulassung und Nachzulassung pflanzlicher Arzneimittel gelten.

In der interdisziplinär zusammengesetzten Kommission E sitzen Sachverständige mit besonderen Kenntnissen der wissenschaftlichen oder praktischen Phytotherapie. Die Kommission umfasst Experten für:

Biologie, pharmazeutisch

Biometrie

Medizin (Ärzte)

Naturheilkunde (Heilpraktiker)

Pharmakologie, experimentell

Toxikologie

Die Mitglieder der Kommission E werden alle drei Jahre neu berufen.“

Kommentar & Ergänzung:

Die Erarbeitung der Monografien für eine grosse Anzahl von Heilpflanzen durch die Kommission E zwischen 1978 und 1994 war sehr wertvoll für die Phytotherapie. In den Monografien wurde der Stand des Wissens zu jeweils einer  bestimmten Heilpflanze zusammengefasst: Wirkung, Anwendungsbereiche, Dosierungen etc.

Dazu wurde das weltweit vorhandene wissenschaftliche Erkenntnismaterial von 378 Heilpflanzen und Heilpflanzen-Zubereitungen bewertet.

Viele Phytotherapie-Fachbücher stützen sich auf die Bewertungen und Empfehlungen in den Monografien der Kommission E.

Allerdings muss dazu angemerkt werden, dass diese Monografien inzwischen etwas ins Alter gekommen sind. Das Wissen in der Phytotherapie ändert sich rasant. Neue Heilpflanzen, neue Wirkungen und neue Anwendungsbereiche kommen auf, andere treten in den Hintergrund.

Daher gibt es inzwischen andere Instanzen, die sich weiterhin um die Erstellung von Monografien kümmern:

Seit 1992 gibt es die ESCOP-Monogafien (European Scientific Cooperative an Phytotherapy), seit 1998 die WHO-Drogenmonografien (Droge hier = getrocknete Heilpflanze) und seit 2008 die Monografien des europäischen Herbal Medicinal Products Committee (HMPC).

Diese Monografien sind ein wichtiger Aspekt in der Qualitätssicherung im Bereich der Phytotherapie. Fachbücher, Kurse, Weiterbildungen und Ausbildungen, welche sich an diesen Monografien orientieren, stützen sich auf den zur Zeit gültigen Stand des Wissens.

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