Archive for the ‘Phytotherapie’ Category

Pfeffer-Inhaltsstoff Piperin hemmt Bildung von Fettzellen

Dienstag, Mai 8th, 2012

Wissenschaftler erforschen den schlank machenden Effekt von Pfeffer. Der Pfeffer-Inhaltsstoff Piperin gibt dem Pfeffer seine charakteristische Würze und unterdrückt gleichzeitig die Neubildung von Fettzellen im Organismus. Diese Wirkung konnten nun koreanische Wissenschaftler durch Laboruntersuchungen zeigen. Piperin soll die Aktivität von Erbanlagen blockieren, die der Neubildung von Fettzellen dienen.

Wissenschaftler um Ui-Hyun Park von der Sejong University in Seoul führten Untersuchungen an Kulturen von menschlichen Zellen durch, aus denen sich Fettzellen entwickeln können. Diese Vorläuferzellen regten die Forscher durch bestimmte Kulturbedingungen zur Bildung von Fettzellen an und erfassten dabei die Gene, die bei diesem Vorgang aktiv waren. Das gleiche Experiment führten die Forscher anschließend noch einmal mit Zellkulturen durch, die auf einem Medium wuchsen, das unterschiedliche Mengen von Piperin enthielt. Die Resultate beider Experimente wurden dann verglichen.

Dabei zeigte sich, dass die Fett-Vorläuferzellen unter der Einwirkung von Piperin weniger ausgewachsene Fettzellen bildeten als ohne den Wirkstoff. Die Analysen zeigten zudem, dass die mit Piperin behandelten Zellen weniger Fett aus dem Kulturmedium aufgenommen hatten. Der Vergleich der Resultate der genetischen Untersuchungen deckte zudem auf, was hinter diesen Effekten steckte: Die Behandlung mit Piperin hatte die Aktivität zahlreicher verschiedener Gene blockiert, die im Zusammenhang mit der Entwicklung zu Fettzellen stehen.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Resultate zur Entwicklung von Arzneimitteln beitragen, die durch die Wirkung von Piperin Übergewicht bekämpfen können oder sich günstig auf Stoffwechselerkrankungen auswirken.

Quelle:

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/315456.html

PLoS ONE, doi:10.1021/jf204514a: http://pubs.acs.org/stoken/presspac/presspac/full/10.1021/jf204514a

Kommentar & Ergänzung:

Piperin löst die eigentümliche Geschmacksqualität „brennend“ aus. Sie kommt zustande durch Reizung von Thermorezeptoren und Schmerzrezeptoren, das heisst, es gibt keine eigenen Geschmacksrezeptoren  für eine Geschmacksqualität „brennender Geschmack“, vergleichbar mit den vier Geschmacksqualitäten bitter, salzig, süss und sauer.

Wird Pfeffer als Gewürz verwendet, kommt es auf reflektorischem Weg von der Mundschleimhaut aus zu Magensaftsekretion.

Piperin wirkt insektizid. Stubenfliegen sollen gegenüber Piperin sogar empfindlicher sein als gegenüber Pyrethrum (nach: Pharmakognosie, Phytopharmazie)

Ob und wie sich das im Haushalt konkret nutzen lässt, ist mir allerdings nicht bekannt.

Die Ergebnisse der Universität Sejong bezüglich Hemmung der Bildung von Fettzellen durch Piperin sind natürlich interessant, doch stellt sich bei solchen Laborexperimenten stets die Frage, ob und wie weit sie auf die Anwendung im menschlichen Organismus übertragbar sind. Vielleicht wären für diesen Effekt ja Pfefferdosen nötig, die weit jenseits der Menge liegen, die man realistischerweise in die Ernährung integrieren kann.

Ähnliche Fragezeichen gelten auch für Capsaicin aus Chili (als Fatburner vor allem via Internet propagiert).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Darminfektionen: Knoblauch wirksamer als Antibiotika

Montag, Mai 7th, 2012

Rohes Geflügel kann Bakterien enthalten, die zu Magen-Darm-Erkrankungen führen: Amerikanische Wissenschaftler haben nun einen Naturstoff im Knoblauch entdeckt, der besser als übliche Antibiotika gegen das Lebensmittel-Bakterium Campylobacter wirkt. Die Knoblauch-Verbindung könnte Lebensmittel sicherer machen, hoffen die Wissenschaftler.

Campylobacter-Bakterium können Durchfall, Krämpfe, Fieber und Schmerzen verursachen.

Meist ist unzureichende Hygiene bei der Verarbeitung oder Zubereitung schuld daran, wenn sich jemand mit dem Erreger ansteckt. Der befindet sich häufig auf rohem Fleisch, hauptsächlich von Schweinen und Hühnern. Von dort können sie in den menschlichen Organismus gelangen, wenn das Fleisch nicht gut erhitzt oder beispielsweise durch kontaminiertes Küchengerät verschmutzt wird.

US-Forscher wollen nun einen neuen Weg gefunden haben, den Erregern zu Leibe zu rücken – und zwar mit Knoblauch.

Dr. Xiaonan Lu und seine Kollegen von der Washington State University in Washington, USA, untersuchten, inwieweit ein Inhaltsstoff von Knoblauch – das Diallyldisulfid – im Kampf gegen solche Darmbakterien helfen kann. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Knoblauch-Inhaltsstoff Bakterien selbst dann unschädlich machen kann, wenn sie sich in einem Biofilm befinden. Bei diesem Biofilm handelt es sich um eine Art Schleimschicht, in der die Bakterien leben und die sie hochwirksam vor Antibiotika schützt.

Nach Angaben der Wissenschaftler steigt die Antibiotikaresistenz im Biofilm um das Tausendfache im Vergleich zu freien Bakterienzellen.

Das Diallyldisulfid wirkt trotz Biofilm und zwar etwa 100-mal stärker als zwei der gängigen Antibiotika (Ciprofloxacin, Erythromycin) und häufig sogar in einem Bruchteil der Zeit. Ihre Resultate publizierten die Wissenschaftler in dem Fachblatt Journal of Antimicrobial Chemotherapy.

Die Autoren schränken aber ein, dass die Forschung in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen steckt. Es handle sich noch immer um Grundlagenforschung, die von der Anwendung in der Praxis noch weit entfernt sei.

Während der Konsum von Knoblauch allgemein als gesundheitsförderlich gelte, sei es eher unwahrscheinlich, dass man damit einer durch Campylobacter ausgelösten Lebensmittelvergiftung vorbeugen könne. Allerdings könne die Schwefelverbindung dazu beitragen, die Bakterienmenge in der Umwelt und speziell bei der Herstellung von Nahrungsmitteln zu verringern.

Bakterien, der Gattung Campylobacter gehören mit zu den häufigsten Auslösern von Darm-Erkrankungen, die durch den Verzehr von Lebensmitteln entstehen. Darüber hinaus können die Bakterien Krankheiten wie das seltene Guillain-Barré-Syndrom verursachen. Am häufigsten infizieren sich Menschen den Wissenschaftlern zufolge durch den Konsum von rohem oder nicht vollständig durchgegartem Geflügel.

In früheren Studien hatten die Forscher das Diallyldisulfid bereits erfolgreich gegen andere Erreger getestet, unter anderem Listeria monocytogenes (Listerien) und das EHEC-Bakterium des Serotyps O157:H7.

Quelle:

http://www.aponet.de/aktuelles/forschung/2012-05-knoblauch-besser-als-antibiotika.html

http://jac.oxfordjournals.org/content/early/2012/04/27/jac.dks138.short?rss=1

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,830885,00.html

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch wird heute vor allem zur Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen und eingesetzt.

Die Wirkung gegen verschiedenste Infektionskrankheiten ist aber schon seit langem bekannt.

Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, wenn in südlichen Regionen mit warmem Klima und dementsprechend hohem Risiko von Lebensmittelverderbnis viel mit Knoblauch gekocht wird.

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Knoblauch gegen Infektionen

Montag, Mai 7th, 2012

Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, wie ist es um die Wirksamkeit von Allium sativum (Knoblauch) bei viralen und bakteriellen Infekten bestellt ist.

Professor Jürgen Reichling gab dazu folgende Antwort:

„Zubereitungen aus der Knoblauchzwiebel (Allii sativi bulbus) werden adjuvant bei Erhöhung der Blutfettwerte und zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen angewendet. Verschiedentlich werden Zubereitungen aus der Droge auch zur Behandlung von Infektionen und Entzündungen des oberen Respirationstraktes empfohlen.

Diese Empfehlung stützt sich auf die Tatsache, dass Lauchöle in vitro sowohl gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien als auch gegen Candida-Arten (Hefepilze) und Influenzaviren wirksam sind. In Tierexperimenten am Meerschweinchen hemmten sie zudem das Wachstum verschiedener Hautpilze.“

„Droge“ meint hier „Heilpflanze“, also Knoblauch, nicht wie im heutigen Sprachgebrauch „Rauschmittel“.

Die Wirkung von Knoblauch gegen verschiedene Bakterien, Hautpilze und Viren ist verhältnismässig gut untersucht. Allerdings stellt sich bei diesen Experimenten in-vitro (= im Labor, im Reagenzglas) immer die Frage, ob und in wie weit sich solche Resultate auf Erkrankungssituationen beim Menschen übertragen lassen.

Bei lokalen Wirkungen auf der Haut beispielsweise ist eine solche Wirkung plausibel, ob sie aber auch systemisch nach Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt zu erwarten ist, bleibt oft fraglich. Prof. Reichling erwähnt in dieser Hinsicht folgende Studie:

„Laut einer Studie in England soll es bei einer täglichen Einnahme von 1 Knoblauchkapsel über einen Zeitraum von 4 Monaten zu weniger Erkältungskrankheiten im Vergleich zur Placebogruppe gekommen sein (24 versus 65 Prozent).“

Leider fehlen hier genauere Angaben zu dieser Studie, wodurch ihre Aussagekraft nicht beurteilt werden kann. Falls Knoblauchkapseln nämlich tatsächlich eine vorbeugende Wirkung gegen Erkältungskrankheiten haben sollten, wäre das sehr bemerkenswert.

Einen entsprechenden Ruf als Schutzmittel gegen Infektionen hat Knoblauch in der traditionellen Pflanzenheilkunde schon lange.

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/811558/knoblauch-ingwer-infektionen.html?sh=8&h=-1673844218

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Artischocken gegen Darmkeime

Mittwoch, Mai 2nd, 2012

Unverdaute Fette im Darm können die Entstehung eines ungünstigen Keimspektrums in der Darmflora fördern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung, die einen präbiotischen Effekt von Artischockenextrakt und damit eine günstige Verschiebung der Keimbesiedlung im Darm vermuten lässt.

In der Studie wurde die Hemmwirkung eines Artischocken-Extraktes in  auf mehrere Keimarten der Darmflora untersucht. Gehemmt wurden hauptsächlich als unerwünscht betrachtete Keime wie Peptostreptococcus anaero.  Die als nützlich erachteten Milchsäurekeime Lactobacillus acidophilus und Lactobacillus plantarum wurden durch den Artischocken-Extakt hingegen nicht beeinflusst. Diese Resultate könnten deshalb bedeuten, dass die regelmäßige Einnahme von Artischocken-Extrakt zu einer Verschiebung der Darmflora hin zu einem günstigeren Keimspektrum führt.

Die Tests zum Effekt von Königsartischockenextrakt auf ausgewählte Vertreter der Darmflora geben Hinweise auf neue Erklärungsmodelle für die Wirksamkeit von Artischockenextrakt auf Verdauungsbeschwerden.

Die Wirksamkeit von Artischockenblätter-Extrakt dürfte in erster Linie auf einer Anregung des Leberstoffwechsels basieren. Durch vermehrte Bildung und Ausschüttung von Gallensäuren werden Nahrungsfette besser emulgiert, was die Fettverdauung erst ermöglicht.

Überschüssiges, unverdautes Fett wird von der Darmflora verstoffwechselt, was zur Bildung großer Mengen an Gasen und in der Folge zu schmerzhaften Oberbauchbeschwerden, Blähungen und Durchfall oder Obstipation (Verstopfung) führen kann.

Die Einnahme von Artischockenextrakt nach Mahlzeiten lindert fettbedingte Verdauungsstörungen. Das zeigt sich beispielsweise in der Praxis bei Patienten, denen operativ die Gallenblase entfernt wurde.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/811819/artischocken-darmkeime.html?sh=20&h=886345408

Kommentar & Ergänzung:

Der Text in der Aerztezeitung basiert auf der Pressemeldung des Herstellers eines Artischocken-Präparates. Alle Details zu dieser Untersuchung fehlen darin, so dass kaum beurteilbar ist, ob die Veränderungen relevant sind.

Bei allen Studien stellt sich die Frage, ob die gemessenen Endpunkte klinisch von Bedeutung sind. Ob Patientinnen und Patienten etwas davon haben, wenn gewisse Laborwerte verändert oder wie hier die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst wird, müsste jedenfalls geklärt werden.

Klinisch relevant wäre beim beschriebenen Beispiel die Besserung von Oberbauchbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl.

Es gibt Hinweise aus kleineren placebokkontrollierten Studien, die einen solchen Effekt nahelegen.

Bei all diesen einschränkenden Bemerkungen ist aber festzuhalten, dass dieses Erklärungsmodell der Artischocken-Wirkung via Beeinflussung der Darmflora schon interessant ist.

In der Schweiz sind als Artischockenextrakt-Präparate vor allem Hepa-S und Natu-Hepa 600 im Handel.

Ausserdem gibt es noch den Artischockensaft von Schoenenberger und von actilife, sowie die Boldocynara Tropfen von Bioforce (Artischocke zusammen mit Löwenzahn, Boldo, Pfefferminze)

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Zur Wirkung von Korianderöl

Dienstag, Mai 1st, 2012

Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 1 / 2012) publizierte einen Beitrag zur Wirkung von Korianderöl. In der Zusammenfassung heisst es dort:

„Das ätherische Öl der Früchte gilt als mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches Mittel gegen Darmkrämpfe und es regt die Verdauung an. Zudem wirkt es antimikrobiell und hat sich in der unterstützenden äußerlichen Behandlung von Impetigo, Candidose, Intertrigo, Neurodermitis und Juckreiz bewährt.“

Koriander (Coriandrum sativum L.) ist eine krautige Pflanze, die zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört. Obwohl andere Doldenblütler wie Kümmel, Anis und Fenchel in der Phytotherapie eine wichtige Rolle spielen, wird Koriander trotz seiner jahrtausendelangen Verwendung durch den Menschen nur wenig medizinisch genutzt.

Der Koriander ist eine typische Kulturpflanze und stammt wohl aus den Gebirgen des östlichen Mittelmeergebietes. Wildvorkommen haben kaum Bedeutung.

Korianderöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten, reifen Korianderfrüchten gewonnen. Die farblose bis blassgelbe Flüssigkeit besitzt einen blumigwürzigen Geruch und besteht zu 60-75% aus Linalool, zu jeweils 3-6% aus Geraniol, Borneol, Kampher, Limonen und α-Pinen sowie zu je 1% aus Camphen, Cineol, Geranylacetat, β-Pinen und γ-Terpinen.

Gut untersucht ist die antimikrobielle Wirkung von Korianderöl. Die Zeitschrift für Phytotherapie (1 / 2012) schreibt dazu:

„Korianderöl wirkt gegen Pseudomonas aeruginosa, Bacillus subtilis, Salmonella typhosa, Campylobacter jejuni, Mycobacterium avium, β-hämolysierende Streptokokken und Staphylococcus aureus, inklusive methicillinresistenter Stämme (MRSA). Korianderöl wirkt außerdem antimykotisch gegen Aspergillus aegypticus, Penicillium cyclopium, Penicillium interdigitatum, Trichoderma viride, Epidermophyton interdigitale und Microsporum canis. Ausführlich untersucht wurde die Wirkung von Korianderöl gegen Candida albicans: Es hemmte die Biofilm-Bildung durch den fakultativ pathogenen Hefepilz genauso wirksam wie Nystatin und Fluconazol.“

Gegenüber dem antimikrobiell ebenfalls sehr wirksamen Thymianöl habe Korianderöl den Vorteil, dass es nicht so streng riecht.

Korianderöl sei ein mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches ätherisches Öl. In einer Konzentration von 1-5% in fettem Pflanzenöl gelöst entkrampfe es äußerlich aufgetragen die glatte Muskulatur, löse Darmkrämpfe und rege die Verdauung an. Aufgrund seiner stark blähungstreibenden und beruhigenden Eigenschaften sei das Öl bestens geeignet für Bauchmassagen, auch bei kleinen Kindern oder alten Menschen.

Korianderöl verdient meines Erachtens vermehrte Beachtung.

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Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Montag, April 30th, 2012

Der regelmäßige Konsum von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren war in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit besseren kognitiven Leistungen in Alter verbunden. Die Wissenschaftler erklären diesen Effekt in den Annals of Neurology (2012; doi: 10.1002/ana.23594) mit dem Gehalt an Anthocyanen und Flavonoiden.

Flavonoide sind Farbstoffe, die in Blüten und Früchten Insekten und Vögel anlocken. Sie schützen ausserdem die Pflanzen vor UV-Licht und einer Oxidation. Besonders kräftig färben die Anthocyane, welche für die dunkelblaue bis schwarze Farbe vieler Beeren verantwortlich sind. Diese Inhaltsstoffe der Beeren gelangen nach dem Konsum ins Blut. Ernährungswissenschaftler schreiben den Anthocyanen seit längerem eine gesundheitsfördernde Wirkung zu, was sich aber schwer beweisen lässt.

Hinweise auf eine gesundheitsfördernde Wirkung der Anthocyane geben  neben tierexperimentellen Studien immer wieder die Ergebnisse von prospektiven Beobachtungsstudien. Eine der größten Studien dieser Art sind die Nurses’ Health Studies. Seit 1976 befragen Wissenschaftler der Harvard Universität in Boston mehr als 120.000 Krankenschwestern regelmäßig nach deren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, um den Einfluss auf die Gesundheit zu untersuchen. Von 1995 bis 2001 wurden bei 16.010 älteren Krankenschwestern ausführlichen kognitiven Tests durchgeführt.

Die Harvard-Wissenschaftlerin Elizabeth Devore und Mitarbeiter haben die Testresultate jetzt mit den früheren Angaben zur Ernährung in Beziehung gesetzt. Sie fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren zum kognitiven Abbau im Alter. Frauen, die diese Beeren häufiger konsumiert hatten, zeichneten sich durch eine höhere geistige Regsamkeit aus. Devore geht von einer Verzögerung des normalen Alterungsprozesses im Bereich des kognitiven Abbaus um 1,5 bis 2,5 Jahre aus. Ein ähnlicher Zusammenhang bestand mit der errechneten Zufuhr von Flavonoiden und Anthocyanen.

Für Devore ist der Konsum von Beeren eine einfach umzusetzende Empfehlung, die kaum schaden kann. Die etwaigen günstigen Wirkungen könnten angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung kaum unterschätzt werden, findet die Wissenschaftlerin.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50009/Beeren-halten-das-Gehirn-jung

Kommentar & Ergänzung:

Vorbildlich weißt das Aerzteblatt auf die kritischen Punkte dieser Studie hin:

„Wie immer bei Beobachtungsstudien ist eine kausale Zuordnung nicht eindeutig möglich. So ist vorstellbar, dass die höhere kognitive Kompetenz bei den Frauen die Einsicht in die Vorteile einer gesünderen Lebensweise gefördert hat. Dazu könnten neben dem Verzehr von Beeren noch andere Lebensstilfaktoren gehören, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, die geistigen Funktionen im Alter zu erhalten.“

Weitere Informationen zu Wirkungen der Anthocyane:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündunghemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

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Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Samstag, April 28th, 2012

Getränke und Früchte wie Tee, Äpfel, Erdbeeren, Heidelbeeren, Rotwein, Orangen sowie Orangensaft haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind reich an Flavonoiden. Wer viel davon konsumiert, reduziert laut den Resultaten einer Studie sein Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Hauptsächlich Beeren sollen vor der Degeneration des extrapyramidal-motorischen Systems schützen.

Eine Wissenschaftlergruppe der Harvard Medical School in Boston hat für ihre Studie zum Einfluss von Flavonoiden auf das Parkinsonrisiko die Daten von 49.281 Männern aus der Health Professional Follow-up Study und von 80.336 Frauen aus der Nursesʼ Health Study untersucht. Während der 20- bis 22-jährigen Nachbeobachtungszeit erkrankten 805 Teilnehmer – 438 Männer und 367 Frauen – an Morbus Parkinson.

Die Forscher teilten die Teilnehmer der Studien in fünf Gruppen ein: weniger als eine Portion flavonoidreiche Nahrung monatlich, eine bis drei Portionen pro Monat, eine Portion wöchentlich, zwei bis drei Portionen pro Woche oder mehr als fünf Portionen pro Woche. Eine solche Portion umfasste beispielsweise etwa 120 g Beeren. Die Gesamtaufnahme an Flavonoiden lag zwischen etwa 100 mg pro Tag in der Gruppe mit dem tiefsten und etwa 600–800 mg pro Tag in der Gruppe mit dem höchsten Konsum.

Schutzeffekt durch Anthocyane

Männer aus der Gruppe mit der höchsten Flavonoidaufnahme hatten verglichen mit Männern aus der tiefsten Gruppe ein rund 40% niedrigeres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Bei Frauen konnte ein solcher Effekt nicht festgestellt werden. Ein differenzierteres Bild ergab die Betrachtung der einzelnen Nahrungsmittel. Beeren, die reich an Anthocyanen sind – in der Studie Erdbeeren und Heidelbeeren – hatten eine Schutzwirkung bei Männern und Frauen. Das Risiko für Morbus Parkinson sank um mehr als 20%. Äpfel schützten Männer (46% tieferes Risiko), jedoch nicht Frauen vor einer Parkinsondiagnose zu erhalten. Tee, Rotwein, Orangen und Orangensaft zeigten keine Wirkung.

Ob die tiefere Rate von Parkinsonerkrankungen wirklich den Flavonoiden zuzurechnen ist, lässt sich allerdings nicht mit Gewissheit sagen. Zuverlässige Biomarker, die Auskunft über die tatsächliche Aufnahme von Flavonoiden geben könnten, existieren nicht. Berücksichtigt werden muss zudem, dass die Flavonoide nach der Resorption im Verlaufe von Stoffwechselprozessen erheblich verändert werden. Die Harvardwissenschaftler wollen deshalb nicht ausschließen, dass der Schutz vor Parkinson durch die Flavonoide, sondern durch andere Bestandteile pflanzlicher Nahrung ausgelöst wird.

Quellen:

http://www.springermedizin.de/schuetzen-beeren-vor-parkinson/2878808.html

Autor: Dr. Robert Bublak,

basierend auf Gao X et al. Habitual intake of dietary flavonoids and risk of Parkinson disease. Neurology 2012; DOI: 10.1212/WNL.0b013e31824f7fc4

http://www.neurology.org/content/78/15/1138.abstract?etoc

Kommentar & Ergänzung:

Wie immer bei solchen Beobachtungsstudien lässt sich daraus kein kausaler Zusammenhang belegen. So wäre es beispielsweise möglich, dass verbunden mit dem höheren Beerenkonsum noch andere Lebensstilfaktoren vorkommen, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, das Parkinson-Risiko zu senken.

Aber auch wenn dieser Zusammenhang so nicht mit Gewissheit belegt ist: Beeren sind sicherlich ein gesunder Bestandteil der Ernährung.

Siehe auch:

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugend durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

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Zur Wirksamkeit von Ginseng – Weisser Ginseng oder Roter Ginseng?

Mittwoch, April 25th, 2012

Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde vor kurzem Ginseng zum Thema.

In der traditionellen chinesischen Medizin werde Ginseng (Panax ginseng, Panax quinquefolius ) seit Jahrtausenden als Heilmittel bei Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Atemnot, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Impotenz, Blutungen und Diabetes angewandt, schreibt Dr. Rainer C. Görne. Die Ginsengwurzel gelte in Asien als Sinnbild für Gesundheit und langes Leben.

Neuere Untersuchungen hätten verschiedene Inhaltsstoffe wie Ginsenoside, Polysaccharide, Peptide und Polyin-Alkohole nachgewiesen:

„Einige dieser Inhaltsstoffe haben in pharmakologischen Experimenten ZNS-Wirkungen, neuroprotektive und immunmodulatorische Wirkungen gezeigt.“

Insbesondere die Ginseng-Saponine, die Ginsenoside haben antioxidative, entzündungshemmende, anti-apoptotische und immunstimulierende Eigenschaften, schreibt der Autor.

In einigen kontrollierten, klinischen Studien sei die Wirkung von Zubereitungen aus Ginseng auf die körperliche und psychomotorische Leistung, kognitive Funktionen, Immunmodulation, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, die Lebensqualität untersucht worden.

Aufgrund der schlechten Qualität der meisten dieser Studien seien die klinischen Daten zur Wirksamkeit unzureichend.

Beim roten Ginseng handle es sich um Panax ginseng, der entweder durch Wasserdampf erhitzt oder in der Sonne getrocknet wurde. Diese Variante einer Ginsengzubereitung werde in Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten verwendet.

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung enthalte das Konzentrat aus rotem Ginseng jedoch nur halb so viel Ginsenoside wie jenes aus weißem Ginseng. Roter Ginseng werde traditionell mit einer Anregung der Sexualfunktion und Steigerung des Antriebs verbunden:

„In einer doppelblinden, klinischen Studie wurde gezeigt, dass eine Zubereitung aus rotem Ginseng eine wirksame Alternative für die Behandlung der erektilen Dysfunktion sein kann (Hong et al. 2002). Zwei kleinere Studien zeigten eine Verminderung des Relaps bei Magenkrebs im Vergleich zur Kontrollgruppe (Suh et al. 2002) sowie potenziell positive Effekte einer Kombination von koreanischem roten Ginseng und einer antiretroviralen Therapie bei HIV-1-infizierten Patienten (Sung et al. 2009).“

Zusammenfassend sei somit festzuhalten, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt zuverlässige klinische Daten zur Wirksamkeit von Ginseng-Präparaten fehlen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/default.aspx?sid=806917&ticket=ST-749-jTkac4gOZNaAF1C4FrZu5OHkAUoM4HGizPQ-20

Kommentar & Ergänzung:

Die Ginseng-Forschung liefert interessante Ergebnisse. Hänsel / Sticher kritisieren allerdings in „Pharmakognosie / Phytopharmazie“ (2010), dass den Untersuchungen „recht häufig eine Relevanz für die menschliche Anwendung fehlt oder mangelhaft ist (z.B. durch unrealistisch hohe Dosierung, i.v. oder i.p. anstelle von p.o.-Applikation, Tierexperimente ohne Bezug zum Therapeutischen Wert am Menschen).“

Zur Diskussion, ob Roter Ginseng oder Weisser Ginseng wirksamer ist, schreibt der „Leitfaden Phytotherapie“:

„Roter Ginseng, der zur Konservierung mit gespanntem Wasserdampf behandelt wird, ist nicht generell dem weissen Ginseng qualitativ überlegen und enthält nur dann einen höheren Ginsenosidgehalt, wenn vor dem Dämpfen bei 120 – 130°C Ginsenosid-reicher „weisser Ginseng“ ausgesucht worden ist. Nur bei wenigen „Roter Ginseng-Präparaten“ wird diese qualitative Vorauswahl durchgeführt. Nach der Wasserdampfbehandlung nehmen die vorher weissen Wurzeln eine hornartige Struktur und rötliche Farbe an. Die Aussage, dass nur 5 – 7 jährige Ginsengwurzeln verwendet werden, ist ein Werbegag, denn erst nach dieser Zeit ist die Wurzelmasse so gross, dass sich eine Ernte lohn. Ausserdem haben 1-2-jährige Wurzeln sowie die dünnen Seitenwürzelchen einen höheren Ginsenosidgehalt.“

Bei Ginseng-Präparaten gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Vorsichtig wäre ich bei Produkten, die nur als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sind. Ginseng-Präparate, die eine Zulassung als Arzneimittel haben, werden genauer kontrolliert.

Seriöse Ginseng-Präparate sind auch einen standardisierten, also gleichbleibenden Ginsenosidgehalt eingestellt.

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Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

Mittwoch, April 25th, 2012

Anlässlich einer Pressekonferenz des Komitees Forschung Naturmedizin wurde unter anderem ein Statement veröffentlicht zum Thema „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“.

Der Autor Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck kommt darin auch auf Baldrian zu sprechen:

„Mit Baldrian Monopräparaten gibt es zu der Indikation „Schlafstörungen“

zahlreiche klinische Studien. So ist in mehr als 16 klinischen Studien, an

denen fast 1100 Patienten mit Schlafstörungen teilgenommen haben, die

Wirksamkeit von Baldrian-Präparaten geprüft worden. In sechs der größeren

Studien wurde dabei eine statistisch signifikante Verbesserung des Schlafes

im Vergleich zu  Placebo dokumentiert. Die Verträglichkeit erwies sich als gut.

In einer Doppelblindstudie mit 202 Patienten, die an nicht-organischen Schlaf-

störungen litten, konnte eine vergleichbare Verbesserung unter einem

Baldrian-Präparat dokumentiert werden wie unter Oxazepam.“Zur Verträglichkeit der Baldrian-Präparate schreibt Keck:

„Baldrian-Präparate zeichnen sich durch eine sehr gute Verträglichkeit aus:

Für Baldrian-Monopräparate sind allenfalls seltene Magen-/Darmbeschwerden

und sehr selten allergische Hautreaktionen bekannt. Auch für Baldrianwurzel-

/Hopfenzapfen-Extrakte sind nur sehr selten (allergische) Hautreaktionen

beschrieben worden.“

Und wie stehen Baldrianpräparate im Vergleich zu synthetischen Schlafmitteln / Beruhigungsmitteln da?

Der Vergleich der Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofile zwischen

chemisch-synthetischen Sedativa beziehungsweise Beruhigungsmitteln und

pflanzlichen Arzneimitteln zeige, dass bestimmte Baldrian-Präparate eine gute

evidenzbasierte und von den Patienten akzeptierte Alternative darstellen, schreibt Professor Keck.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Baldrian ist die am besten erforschte Heilpflanze im Bereich der Behandlung von Schlafstörungen. Relevante Studien gibt es allerdings nur für Baldrianextrakt-Präparate, nicht für Baldriantee und Baldriantinktur.

Baldrian kann Oxazepam (z. B. Seresta, Anxiolit) bei weitem nicht in allen Situationen ersetzten. Falls es aber Situationen gibt, in denen Baldrian und Oxazepam vergleichbar wirken – wie in der erwähnten Doppelblindstudie -  dann ist Baldrian eindeutig vorzuziehen, weil Oxazepam Risiken mit sich bringt, die dem Baldrian fehlen (z. B. Abhängigkeit, möglicherweise erhöhte Sturzgefahr bei Senioren)

Neben Baldrian werden in der Phytotherapie einige weitere Heilpflanzen bei Schlafproblemen angewendet:

- Lavendel (Lavendelöl, Lavendelbad)

- Melisse (Melissentee, Melissenöl, Melissenbad)

- Hopfen (Hopfentee, Hopfenextrakt)

- Passionsblumenkraut (Passionsblumenextrakt)

Interessant sind zudem die Orangenblüten, die als Orangenblütentee zum Beispiel in der Krankenpflege beliebt sind.

Vor allem Kinder schätzen als Schlaftrunk auch den Goldmelissentee.

Zur Wirkung von Orangenblütentee und Goldmelissentee gibt es keine fundierten Erkenntnisse. Das spricht aber nicht dagegen, Orangenblütentee oder Goldmelissentee als Einschlafhilfe zu verwenden, wenn jemand gute Erfahrungen damit macht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Blick ins Pflanzenlexikon: Schafgarben

Sonntag, April 22nd, 2012

Die Schafgarben (Achillea) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr botanischer Name Achillea leitet sich von dem griechischen Helden Achilles ab, von welchem behauptet wird, dass er mit dieser Pflanze Wunden behandelt habe. Pflanzenarten aus der Gattung „Schafgarben“ finden als Heilpflanzen Verwendung. In China wurden Schafgarbenstängel zu Orakelzwecken verwendet, um Hexagramme zu bestimmen (I Ging).

Die Gattung Schafgarbe umfasst etwa 115 – 200 Arten. In der Schweiz sind es 9 Arten.

Wichtige Beispiele:

Gemeine Schafgarbe (= Gewöhnliche Schafgarbe, Achillea millefolium)

Achillea millefolium ist diejenige Schafgarbenart, die bei uns als Heilpflanze verwendet wird (Foto auf Wikipedia)

Nimmt man es botanisch genauer, kann man noch 6 Kleinarten unterscheiden, die sich auch im Wirkstoffgehalt unterscheiden können.

Schafgarbenkraut enthält Sesquiterpenlacone (Bitterstoffe), ätherisches Öl (je nach Kleinart mit Proazulenen, wie sie auch im Kamillenöl vorkommen) und Flavonoide.

Schafgarbe ist ein pflanzliches Bittermittel, das hauptsächlich innerlich bei Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen angewendet wird, vor allem als Schafgarbentee oder Schafgarbentinktur.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird Schafgarbentee auch angewendet bei Menstruationskrämpfen (Dysmenorrhoe).

Mit den Schafgarbenblättern lässt sich Wolle gelb oder braun färben. Junge Blätter sind als Wildsalat oder Wildgemüse verwendbar.

In früheren Zeiten dienten Schafgarbenblätter ausserdem als Ersatz für Muskat, Zimt, Tabak oder sogar Hopfen.

Schafgarbe ist für Wildpflanzengärten geeignet. Sie ist für Insekten bis in den Herbst hinein eine gute Nahrungsquelle.

Grossblättrige Schafgarbe (Achillea macrophylla)

Die Großblättrige Schafgarbe wächst in sickerfrischen Hochstaudenfluren und Gebüschen der subalpinen Stufe. Die Art ist nährstoffanspruchsvoll und meidet Kalkböden.

Schwarzrandige Schafgarbe ( = Hallers Schafgarbe, Achillea atrata)

Die Schwarzrandige Schafgarbe gehört zu den Alpenblumen und wächst auf Kalk.

Moschus-Schafgarbe (Achillea erba-rotta)

Sie bevorzugt steinige, saure Böden zwischen 1500 und 3400 m ü.M. Moschus-Schafgarbe enthält Bitterstoffe wie Ivain, Moschatin, Achillein, Harzsäure und das stark aromatische, pfefferminzähnliche Ivaöl.

In der Volksheilkunde der Bergregionen wird die Pflanze bei Appetitlosigkeit, Erkrankungen von Magen, Darm und Leber, bei Nervenschwäche und äußerlich als Wundmittel verwendet. „Iva“, der romanische Volksname der Moschus-Schafgarbe, leitet sich vom lat. abigere = abtreiben her und deutet auf eine Verwendung als Abortivum (Abtreibungsmittel). In der Schweiz wird daraus seit über 100 Jahren ein Alpen-Kräuterlikör, der sogenannte „Ivabitter“ oder Iva-Schnaps hergestellt.

Sumpf-Schafgarbe (Bertram-Schafgarbe, Achillea ptarmica)

Sie wächst auf feuchten Wiesen, an Gräben und Ufern.

Eine gefüllte Form mit weissen Blüten ist in manchen Gegenden charakteristisch für alte Bauerngärten.

Gelbe Schafgarbe (Achillea tomentosa)

Sie wächst auf Trockenrasen und in Felsensteppen (z. B. Lötschberg Südrampe).

Wenn Sie Pflanzen (natürlich auch Schafgarbenarten) und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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