Archive for the ‘Philosophisches’ Category

Zitat des Tages von Julia Offe zu Astrologie, Wahrsagerei und Wunderheilung

Samstag, Oktober 20th, 2012

Der Schwarzwälder-Bote veröffentlichte ein Interview mit der Biologin Julia Offe. Sie ist Mitglied der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP).

Auf die Frage, warum Astrologen, Wahrsager oder Wunderheiler so viel Zuspruch finden in der Gesellschaft, antwortet Julia Offe:

„Unsere Welt ist sehr komplex geworden, unsere Lebenswege sind nicht mehr einfach und vorgezeichnet. Vielleicht finden sie in den einfachen Antworten und dem Gefühl, dass Dinge vorherbestimmt sind, gewissen Halt. Ein Stück weit entlässt einen das aus der Verantwortung für das eigene Leben.“

Quelle:

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.parawissenschaften-ein-studium-schuetzt-nicht-vor-irrsinn.4a37feba-a06d-4007-b2a8-bd04fb12d94d.html

Kommentar & Ergänzung:

Genau, das ist jedenfalls ein wesentlicher Punkt für den kommerziellen Erfolg.

Der Esoterik-Entertainer und Geschäftsmann Mike Shiva beispielsweise kassiert Fr. 4.50 pro Minute für diese Halt-Lieferung und dafür, dass man ein bisschen von der eigenen Verantwortung für sein Leben entlastet wird. Ein stolzer Preis für esoterisch verbrämte Banalitäten. Aber wenn das Bedürfnis und die Not gross genug sind, zahlen Menschen fast jeden Preis.

Um Fernsehsender, die solche Abzockerei ermöglichen und mitkassieren, sollten Werbende und Zuschauer meines Erachtens einen weiten Bogen machen.

Es ist aber eine existenzielle Frage, woher ein Mensch seinen Halt bezieht, vor allem auch bei chronischen Erkrankungen.

Wenn mir jemand die Zukunft vorhersagt, dann kann ich mir das Geld sparen, weil es sowieso so kommt, wie es vorher bestimmt ist.

Und wenn mir jemand die Zukunft vorhersagt mit der Einschränkung, dass es auch ganz anders kommen kann – durch spezielle Umstände, wenn ich mich genug anstrenge….- dann ist die Prophezeihung nichts wert und hat allenfalls Manipulationscharakter.

Diskutieren Sie solche Fragen mit mir auf den Eidberger Gedankengängen.

Ich bin vieeel billiger als Mike Shiva, weil ich – leider, leider – nicht über Ihre Zukunft bescheid weiss….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

“Better Aging” statt “Anti-Aging”

Dienstag, Oktober 9th, 2012

„Better Aging“ mit Ihrer Apotheke – so titelte vor ein paar Monaten eine Apothekenkunden-Zeitschrift. Was folgte war ein Artikel zur Hautpflege mit Vitalstoffkombinationen für anspruchsvolle Frauen jeden Alters.

Immerhin: „Better Aging“ gefällt mir besser als „Anti-Aging“. Älter werden wir alle unaufhaltsam – also was soll so ein dummes Schlagwort wie „Anti-Aging“? Vielleicht trägt ein Begriff wie „Anti-Aging“ einfach dazu bei, das Unvermeidliche etwas beiseite zu schieben.

„Better Aging“ akzeptiert wenigstens den naturgegebenen Alterungsprozess.

Und wer möchte nicht besser Älterwerden?

Alles paletti also?

Nicht ganz. Wenn ich mir so anschaue, was uns in Gesundheitszeitschriften alles an Methoden und Mittelchen mit grossem Nachdruck empfohlen wird für ein besseres Älterwerden, dann macht mich das schon fast krank. Mein Eindruck dazu ist, dass das Älterwerden zunehmend als behandlungsbedürftiger Lebensabschnitt dargestellt wird.

Zu dieser Medikalisierung einer Lebensphase tragen sowohl Medizin als auch Komplementärmedizin bei.

Selbstverständlich kann es beim Älterwerden Beschwerden geben, die Behandlung brauchen. Aber Älterwerden für sich genommen – ist keine behandlungsbedürftige Lebensphase.

Vielleicht 90% der angepriesenen Methoden und Mittelchen sind vollständig überflüssig und helfen vor allem den Herstellern und Verkäufern.

Ich empfehle selbst zwar gerne Heilkräuter, bin aber kein Propagandist, der allen Menschen egal wie krank oder gesund sie sind irgendwelche Naturheilmittel andrehen muss.

Dass es auch Situationen geben könnte, in denen man schlicht rein gar kein Mittelchen braucht, kommt manchen werbegeschädigten Konsumenten kaum mehr in den Sinn.

Viel mehr als Mittelchen und Methoden benötigt das Älterwerden eine bewusste Lebensgestaltung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Zitat von Luigi Zingales im Interview mit Daniel Binswanger zum Thema “explodierende Gesundheitskosten”

Sonntag, September 9th, 2012

„Das Magazin“ (Nr. 29 / 2012) publizierte ein Interview  von Daniel Binswanger mit dem Ökonomieprofessor Luigi Zingales. Darin geht es unter anderem auch um die Frage, wie der ökonomisch bedrohten Mittel- und Unterschicht geholfen werden könnte.

Zitat Luigi Zingales:

„Ein weiteres zentrales Feld sind die Gesundheitskosten in den USA und vielen anderen westlichen Ländern. Sie müssen unbedingt unter Kontrolle gebracht werden, da sie extrem hoch sind, schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung und einen immer grösseren Teil der Einkommen der Mittelschicht aufzehren. Der Kampf für die Kaufkraft der mittleren und unteren Einkommen muss auch ein Kampf gegen die Gesundheitskosten sein.“

Dass die horrend zunehmenden Gesundheitskosten eine ganze Reihe von Problemen schaffen, ist wohl weitgehend anerkannt. Ich habe dieses Thema aber noch kaum je so klar in den Kontext der gegenwärtigen Krise gestellt gesehen wie in diesem Interview.

Klar ist aber auch, dass die politischen Bemühungen zur Eindämmung der Gesundheitskosten immer wieder in einer Sackgasse landen. Wohl weil unzählige Lobbys ihre jeweiligen Pfründen mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Eine einfache Lösung für dieses Problem wird es also bestimmt nicht geben.

Nötig wäre aber meiner Ansicht nach auch eine breite gesellschaftliche Debatte über  unser Verhältnis zu Gesundheit und Krankheit.

Dabei geht es unter anderem um weitverbreitete, absolute Gesundheitsideale. Irgendwie scheint das Bewusstsein verloren zu gehen, dass in manchen Situationen – leider – auch Krankheit zum Leben gehört.

Georges Canguilhem schreibt dazu:

„Und warum schliesslich sollte man alle Kräfte aufbieten, um den Leuten zu verheimlichen, dass es, von dem Moment an, da man lebt, normal ist, krank zu werden, dass es normal ist, sich mit oder ohne Beistand der Medizin davon zu erholen, dass Gesundheit und Heilung in die Grenzen und das Vermögen biologischer Regulationen eingeschrieben sind?………Der Mensch steht also nicht aufgrund eines Urteils oder eines Schicksals der Krankheit offen, sondern wegen seiner einfachen Anwesenheit in der Welt.“

(Georges Canguilhem; Gesundheit – eine Frage der Philosophie, Merve Verlag Berlin 2004)

Absolute, starre Gesundheitsideale können sehr hinderlich sein im Umgang mit chronischen Krankheiten.

Vor allem für Menschen mit chronischen Krankheiten ist die Auseinandersetzung mit solchen Fragen wichtig beim Umgang mit Schmerzen, Einschränkungen und Beschwerden. Unterstützung dafür finden Sie auf www.patientenseminare.ch

Georges Canguilhem (1904 – 1995) war einer der führenden Philosophen und Wissenschaftshistoriker Frankreichs. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Michel Foucault, Pierre Bourdieu und Alain Badiou.

Wichtig zur Reduktion der Gesundheitskosten ist auch eine verstärkte und verbesserte Gesundheitsbildung.

Was Phytotherapie-Wissen zur Gesundheitsbildung beitragen kann, erfahren Sie hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Schmerz als Thema…….

Montag, September 3rd, 2012

…wird gerne verdrängt. Angebote und gute Ratschläge, wie man den Schmerz los wird, gibt es zu hunderten. Es gibt aber auch Schmerz, der bleibt – als ungebetener Gast im Leben. Dann wird Schmerz für die Betroffenen zwangsläufig zum Thema, doch häufig bleiben sie damit ziemlich allein. Schmerz als Thema ist jedenfalls nicht sehr sexy in einer Gesellschaft, die der Gesundheitsreligion frönt.

Grund genug also, über Schmerz zu reden und über Schmerz nachzudenken.

Beispielsweise darüber, wie man mit diesem unerwünschten Lebensgefährten „z’ Rank“ kommt, wie man auf Schweizerdeutsch so schön sagt.

Dazu muss man gelegentlich einen Schritt zurück treten, um diesen unerfreulichen Gesellen mit etwas Abstand zu betrachten. Und es ist hilfreich, von Schmerzerfahrungen anderer Menschen zu lernen, wie sie uns in Medizingeschichte, Kunst, Literatur und Philosophie überliefert sind.

Solche Reflexionen über das Phänomen Schmerz stehen im Zentrum des Tagesseminars vom 23. September 2012 in Winterthur.

Wenn Sie sich lieber unter vier Augen mit diesem Thema auseinandersetzen möchten,

empfehle ich die „Eidberger Gedankengänge“.

Diese Angebote sind nicht nur für Menschen mit chronischen Schmerzen gedacht. Sie eignen sich beispielsweise auch für Berufsleute, die mit Schmerzpatientinnen und – patienten arbeiten, für Angehörige von Schmerzkranken und generell für alle am Thema „Schmerz“ interessierten Personen. Schmerz ist ein menschliches Grundphänomen und geht deshalb uns alle an.

Detaillierte Infos zu diesen beiden Angeboten und weiteren Kursen finden Sie auf:

www.patientenseminare.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Granatapfel-Extrakt: Keine Besserung von Hitzewallungen in den Wechseljahren

Freitag, August 31st, 2012

Eine klinische Studie von Forschern der MedUni Wien fand für Granatapfelsamen-Öl keine statistisch signifikante Wirkung bei Frauen mit Menopause-bedingten Wallungen. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Menopause veröffentlicht.

Im Rahmen einer zwölfwöchigen Beobachtungsperiode verminderte Granatapfelsamen-Öl nicht signifikant die Wallungen Für die Bestimmung von Langzeiteffekten wären jedoch weitere Studien nötig, schrieben die Autoren von der Universitäts-Frauenklinik (Ambulanz für Komplementäre Medizin) der MedUni Wien am AKH.

Für die klinische Studie bekamen 81 Frauen in den Wechseljahren zwölf Wochen lang entweder zweimal täglich Kapseln mit Granatapfelsamen-Öl (127 Mikrogramm Phytoöstrogene pro Kapsel) oder ein Placebo.

Die Versuchspersonen wurden den beiden Gruppen per Zufall zugeteilt. Weder die beteiligten Ärzte noch die Frauen wussten, welche der Probandinnen Placebo und welche die Kapseln mit Inhaltsstoff einnahmen.

Die Resultate waren statistisch nicht aussagekräftig: In der Gruppe der Frauen mit den echten Kapseln verminderte sich die Zahl der Wallungen pro Tag um durchschnittlich 4,3 (minus 38,7 Prozent). In der Placebogruppe allerdings reduzierte sich die Zahl solcher Attacken auch um 2,5 pro Tag oder um 25,6 Prozent. Die Differenz zwischen den beiden Gruppen war nicht signifikant. Eine Gesamt-Bewertung mit einem Fragebogen zeigte allerdings doch eine deutliche Besserung vegetativer Beschwerden.

Die Studie trägt jedenfalls zur Klärung bei, weil gerade zur Behandlung von Beschwerden der Wechseljahre unzählige Mittel propagiert werden, die häufig keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis besitzen. Auf der anderen Seite ist die Behandlung mit künstlichen Hormonen (Hormonsubstitution) vor Jahren hauptsächlich wegen einer Steigerung des Krebs- und Herz-Kreislauf-Risikos in Verruf gekommen. Sie wird heute deutlich seltener als früher eingesetzt. Das dürfte auch die Brustkrebs-Neuerkrankungsraten vermindert haben.

Quelle:

http://madonna.oe24.at/gesund/Granataepfel-sind-doch-keine-Wunderwuzzis/74575160

Kommentar & Ergänzung:

Der Granatapfel oder Grenadine (Punica granatum) ist eine interessante Frucht. Sie enthält selbst im Vergleich zu Rotwein und Heidelbeeren besonders viele und stark wirksame Polyphenole, welche für positive gesundheitliche Effekte verantwortlich gemacht werden. Die empfohlenen Anwendungsbereiche sind dabei vielfältig und umfassen vor allem Herzkrankheiten, Krebs, Arthritis und Wechseljahrsbeschwerden.

Von den mehr als 250 wissenschaftlichen Studien beschränken sich allerdings die meisten auf Versuche mit Zellkulturen oder Tieren. Die Übertragbarkeit der Resultate auf den Menschen bleibt deshalb bis jetzt oft fraglich und muss in entsprechenden Studien noch belegt werden. Wie die oben beschriebene Studie zeigt, sind die Ergebnisse bei Patientinnen jedenfalls nicht immer überzeugend.

Granatapfelprodukte sind als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Das heisst, sie müssen für eine Zulassung keine Wirksamkeit belegen. Ausserdem gibt es beträchtliche Unterschiede bezüglich Qualität und Gehalt an wirksamen Polyphenolen. Der „Granatapfel-Boom“ wird dadurch immer unübersichtlicher.

Inzwischen verkauft selbst die Migros Granatapfelkapseln. Auf der Packung steht, der Granatapfel sei ein Sinnbild für Leben, Liebe, Schönheit und Macht. Und in der Granatapfelkapsel sei die Mystik dieser Frucht eingefangen.

Da stellen sich für mich schon ein paar Fragen:

Wie fängt man denn die Mystik einer Pflanze in eine Kapsel ein? Bestimmt braucht es dazu das Lösungsmittel Mystagol.

In dem löst sich Mystik perfekt……..

Im Ernst:

Die Symbolik der Pflanzen ist ein faszinierendes Phänomen.

Vor allem bietet sie grossartige Einblicke in die Kulturgeschichte.

Der Mensch ist – nach Ernst Cassirer (1874 – 1945) ein „animal symbolicum“, das heisst ein symbolbildendes und symbolverwendendes Wesen. Der Mensch hat nur über Symbole einen Wirklichkeitsbezug. Der Begriff „animal symbolicum“ hebt die typisch menschliche Fähigkeit hervor, Symbole hervorzubringen und in einer Welt der Symbole zu denken und zu leben.

In seinem Hauptwerk “Philosophie der symbolischen Formen” und vor allem in seinem anthropologischen Spätwerk „Versuch über den Menschen“ erläutert Ernst Cassirer den Begriff.

Wikipedia zum „animal symbolicum“:

„Der Mensch lebt nicht in einer rein physischen Umwelt, sondern in einem symbolischen Universum. Sprache, Mythos, Kunst, Religion und alle anderen Bereiche kulturellen Wirkens bilden die Fäden des symbolischen Gewebes. Jeder Fortschritt des menschlichen Denkens und der menschlichen Erfahrung verstärkt und erweitert dieses Gewebe…. Der Mensch zeichnet sich…..dadurch aus, dass er der Welt über das Symbol sowohl individuelle als auch kollektiv konnotierte Bedeutung verleiht.“

Die Symbolik der Pflanzen ist ein wunderbares Kulturprodukt des Menschen. Mit den Pflanzen hat sie in diesem Sinne nichts zu tun. Wenn also die Migros die Mystik des Granatapfels in eine Kapsel einfangen will, scheint mir das ziemlich despektierlich. Oder nehme ich Packungsbeschreibung da vielleicht zu ernst….?

Hier noch der Abschnitt „Der Granatapfel in der Symbolik“ aus Wikipedia:

„ Der Granatapfel ist seit Urzeiten ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für Macht (Reichsapfel), Blut und Tod.

In der christlichen Symbolsprache kann der Granatapfel für die Kirche als Ekklesia stehen, als Gemeinschaft der Gläubigen. Er symbolisiert auch das Enthaltensein der Schöpfung in Gottes Hand bzw. Vorsehung. Er ist außerdem auch Symbol des Priesterstandes, weil er in seiner harten Schale (= Askese des Priesterstandes) reiche Frucht trägt. Aufgrund dieser Symbolik taucht der Granatapfel in zahlreichen mittelalterlichen Tafelgemälden auf. So spielt zum Beispiel auf der von Matthias Grünewald 1517/1519 geschaffenen Stuppacher Madonna das Jesuskind mit dem Granatapfel, den ihm seine Mutter reicht. Damit ist die Frucht der Schlüssel zu der mit diesem Gemälde verbundenen Aussage, dass Maria die Mutter der Kirche sei.

Der Orden der Barmherzigen Brüder hat als Emblem einen Granatapfel mit Kreuz. Zum einen wurde der Orden in der spanischen Stadt Granada gegründet, die in ihrem Wappen den Granatapfel hat. Zum anderen gilt der Granatapfel bei vielen Völkern als Symbol der Liebe, der Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. In der katholischen Kirche wurde der Granatapfel schon bald zu einem Symbol für Jesus.

Der Granatapfel ist auch Bestandteil der Wappen der Stadt Granada, der gleichnamigen Provinz und vieler ihrer Orte, sowie Teil des Wappens von Spanien, wo es das alte Königreich Granada nach der Übernahme durch die christlichen Herrscher Spaniens repräsentiert.

In China gilt der Granatapfel wegen seiner vielen Kerne als Symbol für Fruchtbarkeit und Kinderreichtum.“

Siehe auch:

Granatapfel: Jungbrunnen? Sex-Booster?

Pflanzenheilkunde: Granatapfel

Granatapfel-Extrakt als natürlicher Wehenförderer?

Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Zitat des Tages von Leonardo da Vinci

Dienstag, August 28th, 2012

“Die meisten Probleme entstehen bei ihrer Lösung.”

Leonardo da Vinci lebte von 1452 bis 1519 und war Maler, Bildhauer, Wissenschaftler und Naturphilosoph. Zu seinen bedeutendsten künstlerischen Werken zählen das ‘Abendmahl’ und die ‘Mona Lisa’. Zudem hinterließ Leonardo da Vinci Bauwerke und technische Anlagen. Speziell Bedeutung kommt seinen sehr genauen anatomischen und naturwissenschaftlichen Zeichnungen zu. Schon gegen Ende seiner Lebenszeit wurde er verehrt und wird auch von gegenwärtigen Historikern als eines der außergewöhnlichsten Universal-Genies aller Zeiten bezeichnet.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=127688

Kommentar & Ergänzung:

Ich weiss natürlich nicht, an welche Beispiele Leonardo da Vinci bei dieser Aussage gedacht hat. Wäre aber interessant zu wissen.

Mir kommt dabei in den Sinn, dass in Medizin und Komplementärmedizin die Probleme mit der Behandlung manchmal erst richtig anfangen.

Gelegentlich werden Probleme auch zuerst erfunden, bevor sie „erfolgreich“ behandelt werden. Ein Beispiel dafür ist, wenn den Menschen zuerst eingeredet wird, sie seien verschlackt und übersäuert, damit ihnen dann Entschlackungskuren und Basenpulver verkauft werden können. Selbst die Migros fragt inzwischen in der „Gesundheitsabteilung“ auf einer Packung „Sind Sie sauer?“ – und will mir damit eine Basenmischung andrehen, die nur mein Portemonnaie und meine Puffersysteme belastet. COOP und Migros steigen in letzter Zeit im grossen Stil in den Handel mit Gesundheitsprodukten und Nahrungsergänzungsmittel ein, die völlig überflüssig und unnütz sind. Verkauft wird hier nicht Wirkung, sondern ein Mittel gegen (eingeredetes) schlechtes Gewissen.

Aber das ist eine gute Geschäftsstrategie: Man muss den Konsumentinnen und Konsumenten ein Problem einreden, damit man ihnen eine Lösung verkaufen kann.

Dieses Erfolgssystem hat schon die Römisch-Katholische Kirche angewandt: Sünde predigen und danach Ablässe verkaufen – so wächst der Umsatz (das schreibt ein Ministrant a. D.).

Siehe:

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Heilfasten und Entschlackungskuren

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Zitat des Tages von Reinhold Messner zum Thema “Scheitern”

Samstag, August 25th, 2012

„Und Erfahrung wächst uns gerade beim Scheitern zu. Das Scheitern an sich ist nicht tragisch. Die Frage ist, wie gehe ich mit der Erfahrung des Scheiterns um. Das unmittelbar darauf Folgende, die innere Wirkung, das Infragestellen des Ichs, auch die Verzweiflung, ist der Schlüssel dazu. Es ist ein neuer Anfang und die Möglichkeit, seine Grenzen zu erfahren und an seinen Zweifeln zu wachsen. Meine innere Einstellung hat sich vor allem mit meinem häufigen Scheitern verändert. Dabei bin ich nicht sanfter geworden. Nur zäher. Im Scheitern nämlich erfahren wir unser Begrenztsein. Deshalb ist das Scheitern eine stärkere Erfahrung als der Erfolg.“

(Quelle: Der Blaue Reiter, Journal für Philosophie, Nr. 2 / 2009)

Reinhold Messner ist ein bekannter Extrem-Bergsteiger aus dem Südtirol.

Kommentar & Ergänzung:

Scheitern ist in unserer Gesellschaft stark tabuisiert. Über Scheitern redet man nicht. Erfolg zählt. Nur Erfolg zählt. Aber das kann gar nicht aufgehen. Es können gar nicht alle Erfolg haben. Genauso häufig muss es auch Scheitern geben, obwohl es weniger sichtbar wird als Erfolg.

Reinhold Messner legt in diesem Zitat den Finger auf einen entscheidenden Punkt: Scheitern macht uns unsere Begrenzungen bewusst. Und der Umgang mit Begrenzungen ist eine zentrale Erfahrung und eine lebenslange Herausforderung, wenn man Begrenzungen anerkennt und nicht vernebelt.

Eine Art von Scheitern kann es auch geben im Kampf gegen eine einschränkende oder bedrohliche Krankheit. Gesundheitsideale können zum Beispiel scheitern. Auch hier stellt sich dann die Frage des Umgangs mit Begrenzungen, die damit verbunden sind. Und es stellt sich die Frage, wie man mit und neben solchen Begrenzungen Lebensqualität erreichen kann.

Anregungen für den Umgang mit solchen Gesundheitseinschränkungen bekommen Sie beispielsweise in den Tagesseminaren „Phänomen Schmerz besser verstehen und damit umgehen“ und „Chronische Erkrankungen besser verstehen und damit umgehen“. Oder -  falls Sie Einzelbegleitung vorziehen – auf den „Eidberger Gedankengängen“.

Infos zu diesen Angeboten auf: www.patientenseminare.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Komplementärmedizin – alles Ansichtssache?

Donnerstag, August 2nd, 2012

Komplementärmedizin ist ein vielfältiges, weitläufiges Terrain, in dem es nicht leicht ist sich zu orientieren. Wer versucht, sich zu einzelnen Aussagen oder Verfahren eine fundierte eigene Meinung zu bilden und dazu Pro- und Contra-Argumente abwägt, bekommt nicht selten zu hören, dass halt alles Ansichtssache sei. Damit erübrigt sich dann scheinbar jede Auseinandersetzung und Meinungsbildung.

Ich halte diese Einstellung für ausgesprochen fragwürdig.

Richtig scheint mir zwar, dass eine absolute, endgültige Wahrheit nicht mit Gewissheit erkennbar ist. Von Xenophanes  stammt dazu ein interessantes Fragment, auf das Karl Popper mehrfach hingewiesen hat:

“Sichere Wahrheit erkannte kein Mensch und wird keiner erkennen

Über die Götter und alle die Dinge, von denen ich spreche.

Sollte einer auch einst die vollkommenste Wahrheit verkünden,

Wissen könnt’ er das nicht: Es ist alles durchwebt von Vermutung.”

(Xenophanes, etwa 570 – 470 v.u.Z., vorsokratischer Philosoph und Dichter der griechischen Antike)

Aber trotz der Erkenntnis, dass eine absolute, endgültige Wahrheit für den Menschen nicht mit Gewissheit zu haben ist, sollte man meines Erachtens darauf bestehen, dass nicht alles nur Ansichtssache sein kann. Soziales Zusammenleben funktioniert nur, wenn die beteiligten Menschen so gut es ihnen möglich ist zu erkennen versuchen, was wahr ist in dieser Welt – als Annäherung an die Wahrheit, ohne endgültige Gewissheit.

Ein Busfahrplan ist keine Ansichtssache. Ein Gerichtsverfahren braucht man gar nicht erst zu eröffnen, wenn es nur Ansichtssache ist. Und über eine Brücke, deren Statikberechnungen nur Ansichtssache sind, würde ich lieber nicht gehen wollen.

Das gilt natürlich auch für den Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin:

Es ist nicht einfach nur Ansichtssache, ob Zeolith Krebs heilt. Unter Umständen hängt ein Leben davon ab, ob die entsprechenden Behauptungen wahr sind oder nicht.

Es ist nicht einfach Ansichtssache, ob Kardentinktur Borreliose heilt. Unter Umständen hängt die Gesundheit eines Menschen sehr davon ab, ob die entsprechenden Behauptungen wahr sind oder nicht.

Es ist nicht einfach Ansichtssache, ob homöopathische Globuli wirksam sind in der Malaria-Prophylaxe oder nicht. Davon hängt unter Umständen das Leben eines Menschen ab.

Wer alles einfach zur Ansichtssache erklärt, drückt sich meines Erachtens vor dem Aufwand, der damit verbunden ist, wenn man Aussagen und Behauptungen sorgfältig prüfen will.

Zum Stichwort „Ansichtssache“ ein Zitat von Herbert Schnäbelbach:

„Vieles mag Ansichtssache sein, aber eben nicht alles. Die Grenzen der Beliebigkeit werden markiert durch die Ansprüche der Wahrheit und Richtigkeit, die wir erheben müssen, um uns erkennend und handelnd in der natürlichen und sozialen Welt orientieren zu können. Man kann zudem zeigen, dass nur unter der Voraussetzung, dass unsere gemeinsam geteilten Überzeugungen im Wesentlichen wahr sind, intersubjektive Verständigung überhaupt möglich ist; diese Wahrheitsunterstellung garantiert den Sinn unserer Rede….Dass es nicht allein von uns abhängt, was richtig ist oder nicht, machen uns bereits die grammatischen Regeln unserer Sprache deutlich, denen wir folgen müssen, um uns in ihr verständlich zu machen; es gibt keine Privatsprache….Wenn wir meinen, im technischen  oder lebenspraktischen Bereich nur dem folgen zu können, was wir ganz privat jeweils für richtig halten, werden wir die Folgen zu spüren bekommen, und deswegen glaubt dies auch niemand im Ernst. Wenn es um Wissen geht, hilft es nichts, hartnäckig zu beteuern, man sei sich einer Sache gewiss, denn die bloss subjektive Sicherheit einer Überzeugung reicht nicht aus, um das zu sichern, worum es im Wissen geht: die Objektivität und Wahrheit des Gewussten.“

Schnäbelbach kommt ein paar Zeilen weiter unten auch auf den interessanten Zusammenhang von Wahrheit und Irrtum zu sprechen:

„Die Möglichkeit des Irrtums ist…gerade das Beste am Wissen, denn nur weil wir uns irren können, können wir unsere Überzeugungen korrigieren und vervollständigen. Dies wäre nicht der Fall, wenn alles wirklich bloss Ansichtssache wäre.“

Wer alles zur Ansichtssache erklärt, negiert die Möglichkeit des Irrtums. Wer aber vor dem Irrtum den Kopf in den Sand steckt wird sich kaum weiterentwickeln und nur schwerlich Neues dazu lernen.

Entscheidend ist daher, wie man zu sorgfältigen Urteilen und fundierten Meinungen kommt, die sich einer vorläufig aufgefassten Wahrheit annähern.

Siehe dazu auch:

Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Tagesseminar:

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

Quelle der Zitate von Herbert Schnäbelbach:

Herbert Schnäbelbach, Heiner Hastedt, Geert Keil (Hg.):

Was können wir wissen, was sollen wir tun?

RoRoRo Tb 2009, Seite 47/48

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Zitat von Karl Jaspers zum Umgang mit chronischer Krankheit

Freitag, Juni 15th, 2012

„Wenn ich mich auf die Kräfte besinne, aus denen ich gelebt habe, und ich die Fügungen meines Schicksals bedenke, so wundere ich mich um so mehr, als mein Dasein von der Knabenzeit an durch eine Krankheit belastet wurde. Der Gymnasialdirektor sagte mir beim Abschied: Aus Ihnen kann ja nichts werden, da Sie organisch krank sind. Die Folgen dieser Krankheit waren die Verzichte, die Beschränkungen bei allen Unternehmungen, die immer wiederholte Erfahrung des Nichtkönnens.

Methodische, absolut zweckmässige Lebensführung unter medizinischem Gesichtspunkt war unerlässlich. Aber sie hätte das Leben selber unerfüllt gelassen. Von Hausbesuchen und Reisen bis zu der Lehrtätigkeit waren physische Störungen unvermeidlich. Die Berührung mit er Welt forderte das Risiko von Krankheitszuständen. Der Kranke braucht die Freiheit, die medizinische Ordnung zu durchbrechen. Für die Krankheit zu leben hebt das Leben selber auf, lässt es in Isolierung und Erfahrungslosigkeit geraten. Die Spannweite zwischen geistigem Gelingen und Versagen war gross………..

Stets ergriff ich die Gegenwärtigkeit, ohne viel zu erwarten zu dürfen. Ich lebte für den Augenblick und bezog ihn doch auf etwas Fernes. In kurzer realer Perspektive, doch geistig auf lange Sich zu leben schien ein Widersinn. Ich war für meine Person selten enttäuscht, vielmehr überrascht, was mir von innen und aussen vergönnt war. Der klare Verzicht auf das wirklich Unmögliche liess einen Spielraum, in dem mehr Chancen lagen, als ich vorher denken konnte. Die Wirklichkeit brachte mehr, als ich je erwartet hatte.“

(Zitat aus: Karl Jaspers, Wahrheit und Bewährung, Piper 1983, Seite 207 / 208)

Kommentar & Ergänzung:

Karl Jaspers (1883 – 1969) war ein deutscher Psychiater und Philosoph.

„Von Kindheit an litt Jaspers an Bronchialproblemen (angeborenen Bronchiektasen), die seine körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigten und ihn anfällig für Infektionen machten. Strikte Disziplin zur Aufrechterhaltung seiner Gesundheit bestimmte und beschränkte nach autobiographischen Zeugnissen daher sein Leben, das allerdings wie das seiner Geschwister zusätzlich durch familiäre Umstände erheblich belastet war und ihn für psychologische Fragen sensibilisierte.“

(Quelle: Wikipedia)

Karl Japsers hat ein umfangreiches philosophisches Werk geschaffen. Und zugleich ist er ein Beispiel für die lebenslange Auseinandersetzung mit einer chronischen Krankheit, die sich in obigem Zitat ausdrückt.

Jeder Mensch mit einer chronischen Erkrankung steht immer wieder vor verschiedensten Herausforderungen, die ein (bisher) gesunder Mensch nicht kennt. Auf die Auseinandersetzung mit einer chronischen Krankheit als ungebetenem Begleiter im Leben werden wir in unserer Gesellschaft allerdings kaum vorbereitet. Es werden zwar in Medizin, Komplementärmedizin und Naturheilkunde zahlreiche Medikamente und Therapieverfahren angeboten zur Heilung von Krankheiten. Die anspruchsvolle Bewältigung einer Krankheit, die bleibt, findet dagegen weniger Beachtung.

Aus diesem Grund braucht es meiner Ansicht nach mehr Reflexion über den Umgang mit chronischer Krankheit.

Gelegenheiten dazu bieten die Patienten-Seminare und die Eidberger Gedankengänge.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Vom Kränkeln und Gesündeln

Montag, Juni 4th, 2012

„Kränkeln, ewig etwas unpässlich sein, empfindsam leiden, immer kränklich erscheinen, das konnte man schon lange; Gesündeln ist eine neue menschliche Eigenart. Wer kränkelt, der tanzt um die Krankheiten herum; wer gesündelt, der dreht sich um die Gesundheit – oder vielmehr um deren Fetisch – und lebt für sie. Gesündeln ist ein heute weit verbreitetes Syndrom. Es nimmt, individuell gesehen, unsere unbewusste Vorstellung, wir seien unsterblich und unverletzlich, beim Wort und treibt sie auf die Spitze, verbindet sie mit der Hoffnung, wir selbst könnten unsere Gesundheit herstellen und würden damit zu Herren unserer phantasierten Unsterblichkeit – und zwar im Diesseits unseres irdischen Lebens. Diese verzweifelte Forderung muss notwendig scheitern, weil die Realität von Krankheit und Tod ihr radikal widerspricht.“

(Zitat: Herbert Will, Fetisch Gesundheit, in: Kursbuch 88, Gesundheit, Mai 1987)

Kommentar & Ergänzung:

Es spricht natürlich nichts dagegen, dass wir etwas für unsere Gesundheit tun. Es gibt allerdings eine eigenartige Fixierung auf diese Gesundheitsthemen, die mit „Gesündeln“ nicht schlecht umschrieben ist. Und oft ist damit wohl tatsächlich eine diffuse Vorstellung verbunden, dass wir mit einer ausreichend gesunden Lebensweise gegen ernsthafte Krankheiten wie Krebs geschützt sind.  Es gibt aber durch Gesundheitsverhalten allenfalls eine punktuelle Verminderung von Risiken – jedoch keinen vollständigen Schutz.

Wer gesündelt ergreift allerdings auch völlig unsinnige Massnahmen und ist damit ein perfekter Konsument, eine perfekte Konsumentin für die Gesundheitsindustrie.

Das betrifft im übrigen auch Angebote aus Komplementärmedizin & Alternativmedizin.

Wer gesündelt schluckt oft auch grosse Mengen an Pflanzentinkturen, Globuli, Schüssler-Salze, Homöopathika etc.,  obwohl die Notwendigkeit dieses Konsums ganz und gar nicht klar ist.

Das ist unsinnig, weil dadurch die Überzeugung entsteht, dass solche Produkte zu jeder Lebensphase gehören. Damit wird eine Medikalisierung des Lebens gefördert, was genauso wie durch synthetische Medikamente auch durch Präparate aus dem Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin passieren kann.

Statt immer mehr Pillen, Pflanzentinkturen, Globuli oder Schüssler-Salze zu schlucken, wäre es meines Erachtens wichtig, wenn wir uns grundsätzlicher mit unseren Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit auseinandersetzten.

Eine Gelegenheit dazu bieten die Patienten-Seminare und die Eidberger Gedankengänge.

Infos dazu hier.

P.S.: Nichts gegen Arzneimitteln, wo sie wirklich nötig und sinnvoll sind, aber das dürfte nur ein kleiner Anteil aller konsumierten Präparate sein.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch