Archive for the ‘Naturheilkunde-Debatte’ Category

Gibt es Wechselwirkungen zwischen Schüssler-Salzen und Medikamenten?

Montag, April 9th, 2012

Kann man Schüssler Salze zusammen mit Blutgerinnungshemmern einnehmen? Diese Frage stellte vor kurzem eine Zuhörerin an einem Vortrag.

Solche Fragen sind nicht selten und sie offenbaren eine weit verbreitete Unkenntnis über die Zusammensetzung von Schüssler-Salzen.

Die Beurteilung von allfälligen Wechselwirkungen (Interaktionen) zwischen Naturheilmitteln und Medikamenten ist oft alles andere als einfach. Bei Schüssler-Salzen ist die Antwort aber einfach und eindeutig. Es gibt keine Wechselwirkungen zwischen Schüssler-Salzen und Medikamenten jedweder Art.

Alle Schüssler-Salze bestehen aus Lactose oder aus einem Ersatzstoff wie zum Beispiel Mannitol.

Laktose und Mannitol können in grösseren Mengen eine abführende Wirkung entfalten.

Laktose wird im Verdauungstrakt gespalten und die dabei entstehenden Monosaccharide Galactose und Glukose (Traubenzucker) aufgenommen.

Patienten mit Laktose-Intoleranz können mit Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen reagieren.

Mannitol kann vom menschlichen Organismus nicht verwertet werden.

Wechselwirkungen mit Medikamenten sind daher bei Schüssler-Salzen auf der Basis von Mannitol oder Laktose nicht zu befürchten.

Darüber hinaus enthalten Schüssler-Salze noch Mineralsalze wie Kochsalz (Natrium chloratum) Gips (Calcium sulfuricum) oder Kreide (Calcium carbonicum) in Verdünnungen von 1 : 000 000 (D6) oder 1 000 000 000 000 (D12).

Mit anderen Worten: Die Mineralsalze sind in minimalsten Spuren enthalten, so dass Wechselwirkungen genauso wie physiologische Wirkungen ausgeschlossen sind. Ein Glas Trinkwasser enthält mehr Mineralstoffe als eine ganze Packung Schüssler-Salze.

Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, hat in der Österreichischen Apotheker-Zeitung (Nr. 24 / 2010) dazu folgende Rechnung präsentiert:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre: Wenn in einer Mineralwasserflasche 115 mg/l Kalzium (beispielsweise Vöslauer mild) angegeben sind, dann müsste man, wenn man die in Calcium phosphoricum D6 enthaltenen reinen Kalziumionen auf das im Mineralswasser enthaltene Kalzium umrechnet, 388 kg an Schüßler Salz Nr. 2 in D6 (1.552.000 Tabletten!) täglich einnehmen, um auf die gleiche Menge wie in 1 Liter Mineralwasser zu kommen. Bei einem Gehalt von 39,4 mg Magnesium pro Liter Mineralwasser (beispielsweise Vöslauer mild) fällt der Vergleich auch interessant aus: Berechnet auf die Menge Mg im Mg HPO4 geht es hier um 772.550 Tabletten oder 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 nach Dr. Schüßler in der D6. Ich frage mich, als wie gefährlich aus diesem Gesichtspunkt heraus Mineralwässer eingestuft werden müssten?“ Details

Wenn also Schüssler-Salze Wechselwirkungen zeigen würden, dann müssten Trinkwasser und Mineralwasser viel stärkere Wechselwirkungen auslösen.

Vergleichbar ist im übrigen die Antwort auf die Frage nach Wechselwirkungen von Bach-Blüten.

Vor kurzem wurde ich von einer Klinik angefragt, ob es Wechselwirkungen gebe zwischen Bach-Blüten und HIV-Medikamenten. Auch hier ist die Antwort eindeutig: Bachblüten enthalten keine Wirkstoffe und abgesehen von Alkohol und Wasser auch keine relevanten Inhaltsstoffe. Und wo keine Wirkstoffe / Inhaltsstoffe sind, können auch keine Interaktionen auftreten.

P.S. Bei Phytopharmaka, die definitionsgemäss Wirkstoffe enthalten, ist auch mit Wechselwirkungen zu rechen. Beispielsweise:

Knoblauch: Wechselwirkungen mit HIV-Therapie möglich

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bärlauchtinktur für mehr Durchsetzungskraft

Sonntag, April 8th, 2012

Bärlauch weiss was er will und setzt sich durch. Das sieht man daran, wie souverän der Bärlauch den Winter überwindet.

Deshalb hilft Bärlauchtinktur Menschen, die sich nicht entscheiden können und Menschen, denen es an Durchsetzungskraft fehlt.

Mit dieser schönen Geschichte begründete ein Naturheilpraktiker vor kurzen die Verordnung von Bärlauchtinktur an eine Patientin mit Entscheidungsproblemen.

Solche Geschichten sprechen Menschen oft an. Und wer könnte nicht einen solchen Helfer brauchen. Und manche Geschichten sind auch wertvolle Kulturschätze.

Aber die Geschichte von der Bärlauchtinktur als Helfer bei Entscheidungschwäche und Durchsetzungsmangel ist sehr funktional: Bärlauchtinktur als Problemlöser. Einfach, schnell, käuflich, konsumierbar. Passt gut in unsere Zeit.

Bei Geschichten müsste man zudem auch hinschauen, was sie genau aussagen.

Die Fähigkeit des Bärlauchs, zu wissen was er will und sich durchzusetzen, soll sich offenbar auf Menschen mit Entscheidungsproblemen übertragen. Wie das genau gehen soll bleibt offen.

Bärlauch hat aber keine Entscheidungsprobleme, weil er gar keine Wahl hat. Er entwickelt sich fraglos nach einem Programm, das in seinen Genen festgelegt ist.

Man könnte also auch sagen, Bärlauch ist ein Vorbild für die Erfüllung eines vorgegebenen Plans (wie jede Pflanze).  Soll die Bärlauchtinktur also diese Fähigkeit auf den Menschen übertragen? Dann gute Nacht!

Die Annahme, dass Bärlauch weiss, was er will, setzt voraus, dass er ein Bewusstsein von sich und seinen Wahlmöglichkeiten hat.

Und ja, Bärlauch setzt sich durch – unter den Bedingungen seiner ökologischen Nische, an die er seit Millionen von Jahren angepasst ist.  Menschen sind aber nicht derart festgelegt auf eine ökologische Nische. Zum Glück. Vielleicht hat es auch darum der Bärlauch etwas einfacher.

Zudem täuscht der oberflächliche Eindruck: Wir sehen eben nur diejenigen Bärlauch-Exemplare, die sich durchgesetzt haben. Die um ein Vielfaches zahlreicheren Exemplare, welche schon im Samenstadium eingehen, sehen wir nicht.  Soll ich jetzt daraus schliessen, die Mehrzahl der Bärlauche seien Versager?

Solche Vermenschlichung von Heilpflanzen halte ich für eine üble Tendenz. Lassen wir bitte schön die Pflanzen doch einfach Pflanzen sein – und freuen wir uns gerade deswegen an ihnen.

Den Pflanzen werden hier nämlich menschliche Phantasien unterschoben, die mit ihnen nichts zu tun haben.  Ohne dass den Produzenten dieser Fantasien das bewusst zu sein scheint.

Und wenn auf der Basis solcher Fast-Food-Psychosomatik Menschen behandelt werden, ist das meines Erachtens total fragwürdig und willkürlich.

Patienten mit echten psychischen Problemen werden so schlicht und einfach verarscht.

Das sage ich nicht zuletzt als jemand, der zwei mehrjährige Psychotherapie-Ausbildungen absolviert hat, während denen mein Respekt vor der Komplexität psychischer Prozesse stark gestiegen ist.

Eine ähnliche Thematik finden Sie hier:

Huflattich stärkt den Willen und die Durchsetzungskraft

Bärlauch ist als Heilpflanze und für Bärlauchpesto durchaus interessant:

Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel & Co.

Aber nicht verwechseln mit Maiglöckchen (“Meierisli”) oder Herbstzeitlose:

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch, Maiglöckchen, Herbstzeitlose

Tödliche Verwechslungen von Bärlauch und Herbstzeitlose

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Schnittlauch desinfiziert von innen

Sonntag, April 8th, 2012

…schreibt die „Berliner Zeitung“.

Quelle: http://www.bz-berlin.de/ratgeber/ernaehrung/salate-oder-kraeuter-die-vitalstoffbomben-article1417232.html

Glücklicherweise ist das falsch. Würde Schnittlauch von innen desinfizieren, wären alle nützlichen und unentbehrlichen Bakterien im Verdauungstrakt (Darmflora) innert Kürze tot. Da die Gesamtmasse der Mikroflora im Darmtrakt eines erwachsenen Menschen mehrere hundert Gramm beträgt, wäre dieser Eingriff mit einem merklichen Gewichtsverlust verbunden und Durchfall die unvermeidliche Konsequenz jedes Schnittlauchkonsums.

Auch die Vaginalflora (Döderlein-Bakterien) käme bedenklich aus dem Gleichgewicht.

Schnittlauch würde also einiges durcheinander bringen, wenn die Geschichte mit der innerlichen Desinfektion wahr wäre.

Schnittlauch enthält tatsächlich wie andere Lauchgewächse Alliine. Deren Abbauprodukte zeigen antibakterielle Wirkung und sind für das charakteristische Aroma verantwortlich.

Eine innerliche desinfizierende Wirkung ist dabei äusserst unwahrscheinlich. Die dazu nötigen Konzentrationen werden die Alliine und ihre Abbauprodukte im Körper glücklicherweise nicht erreichen.  Eine lokale Wirkung ist dagegen durchaus plausibel. So wurde Schnittlauch zum Beispiel früher gemischt mit Honig zur Wundbehandlung verwendet. Gut möglich, das dabei der Schnittlauch durch antibakterielle Effekte zur Wirkung beitrug.

Aber eine Schlagzeile wie „Schnittlauch desinfiziert von innen“ tönt natürlich wesentlich besser. Und nur darauf kommt es an.

Ob die Aussage wahr ist, spielt offenbar keine Rolle. Je toller die Schlagzeile, desto glücklicher die Leserschaft und desto besser verkauft sich die Zeitung. Differenziertere und zurückhaltendere Darstellungen haben da kaum eine Chance.

Leider kein Einzelfall, sondern ein unverkennbarer und ausgesprochen fragwürdiger Trend.

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Alternativmedizin & Allergien: Fehldiagnosen am laufenden Band

Samstag, April 7th, 2012

Die Sendung Report München der ARD befasste sich mit dem Thema Alternativmedizin & Allergien unter dem Titel: „Volkskrankheit Allergie – die Heilversprechen der alternativen Medizin“:

„Mittlerweile soll jeder vierte Deutsche an einer Allergie leiden. Heilpraktiker und die Alternativmedizin beteuern, mit ihren Methoden Allergien erkennen und bekämpfen zu können. Was ist von diesen Versprechen zu halten?“

Zwei Reporter haben sich zu Testzwecken Diagnosen mittels Kinesiologie und Bioresonanz geben lassen, und dabei durchwegs Fehldiagnosen erhalten.

Das ist leider keine Ausnahme, sondern die Regel.

Wann immer solche Allergiediagnosen durch Bioresonanz oder Kinesiologie sorgfältig und unter kontrollierten Bedingungen überprüft werden, halten sie einfach nicht stand. Mehr als Zufallstreffer zeigen sich da nicht, und oft kommt es zur Zuschreibung von Allergien, die real nicht vorhanden sind. Das zeigt der Beitrag von „Report München“ eindrücklich.

Den TV-Beitrag können Sie hier sehen.

Ausserdem:Nahrungsmittelallergie: Unnütze igg-Tests

Kinesiologie: Muskeltest als Diagnosemethode in Frage gestellt

Nahrungsmittelallergien: Viele Tests nutzlos, aber lukrativ

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Löwenzahn entgiftet

Samstag, April 7th, 2012

….schreibt die „Berliner Zeitung“.

Quelle: http://www.bz-berlin.de/ratgeber/ernaehrung/salate-oder-kraeuter-die-vitalstoffbomben-article1417232.html

Sie sagt uns aber leider nicht, um welche Art von Giftstoffen es sich hier handeln soll. Auch bleibt unklar, wie der Löwenzahn denn entscheidet, welche Stoffe als Giftstoffe raus müssen, und welche auf keinen Fall ausgeschieden werden dürfen, weil sie im Organismus eine wichtige Funktion haben. Wie erkennt Löwenzahn „Giftstoffe“? Und wie genau scheidet Löwenzahn „Giftstoffe“ aus? Auf welchem Weg?

Löwenzahn ist fraglos ein gesunder Frühlingssalat und die Vorstellung, dass durch eine Löwenzahnkur all die zwar unbekannten, aber ganz bestimmt bösen Giftstoffe quasi ausgewiesen werden, ist zweifellos beruhigend. Mehr als eine Vorstellung ist es aber nicht.

Ich finde, wir sollten uns angewöhnen, nicht mit leeren Worthülsen zu hantieren und leere Worthülsen auch nicht fraglos hinzunehmen. Sonst werden wir auch in der Politik anfällig für leere Worthülsen und das ist dann tatsächlich „Gift“ für jede offen-demokratische Gesellschaft.

„Entgiftung“ und „entgiftend“  sind – bezogen auf Löwenzahn – solche leeren Worthülsen.

Wenn Sie leeren Worthülsen begegnen – also Ausdrücken, denen ein Inhalt fehlt – dann empfiehlt es sich, immer schön nachzufragen:

Was genau? Wie genau? Wann genau? Wer genau?

Egal ob in der Politik, in der Komplementärmedizin, in der Medizin, im Sport….:

Sich mit leeren Worthülsen bedienen zu lassen ist tendenziell unwürdig, weil Sie als Gegenüber nicht ernst genommen werden.

Löwenzahn ist aber tatsächlich nicht nur ein gesunder Frühlingssalat, sondern auch eine Heilpflanze. Durch seine Bitterstoffe wirkt er verdauungsfördernd, indem er Magensaftproduktion und Gallefluss anregt. Ausserdem wirkt Löwenzahn harntreibend, wahrscheinlich durch den hohen Kaliumgehalt.

Und Löwenzahnhonig ist ganz einfach lecker.

Das will ich noch gesagt haben, damit ich keine Vorwürfe zu hören bekomme, ich mache den Löwenzahn schlecht…..

Im übrigen kann man sich am Löwenzahn freuen, ohne dass man ihn als grossen „Entgiftungskünstler“ inszeniert. Das ist ja doch eine ziemlich menschenbezogene Vorstellung. Wer die Natur hauptsächlich durch die Brille des Nutzens für den Menschen betrachtet – kann man diese Pflanze essen? Wogegen hilft sie? – läuft mit einem ziemlich eingeschränkten Blick umher. Löwenzahnblüten sind im Frühling beispielsweise eine sehr wertvolle und wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen und für viele Wildbienenarten. Ob Löwenzahn „entgiftend“ wirkt, dürfte den Honigbienen und Wildbienen ziemlich egal sein.

Siehe dazu:

Naturkunde: Löwenzahn & Wildbienen

Und zum Thema “Entgiftung”:

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

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Heilpflanzen bei Diabetes

Mittwoch, April 4th, 2012

An einem wissenschaftlichen Seminar zum Thema Phytotherapie im Hamburg resümierte Professor Dr. Matthias Melzig von der Freien Universität Berlin den Stand des Wissens zum Wirksamkeit von Heilpflanzen in der Diabetes-Therapie.

Dabei kam auch Guar zur Sprache. Die Wirksamkeit und Sicherheit eines Guar-Präparates seien durch klinische Studien belegt.

Guar wird aus den Samen der Guarbohne (auch Büschelbohne, Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, eine Pflanzenart aus der Familie der Fabaceen.

Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, welche die Transitzeit der Nahrung verlängern. Sie sollen das zuckerspaltende Enzym α-Amylase hemmen und dadurch die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten vermindern.

Die Einnahme von Guar wirkt sich aber auch positiv auf das Gesamtcholesterol und den LDL-Spiegel aus. Allerdings kann Guar auch den Insulineffekt verstärken. Wie bei alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation ist es wichtig, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informiert. Darüber hinaus sollte der diabeteskranke Mensch seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig messen.

Widersprüchliche Ergebnisse gebe es zur Gartenbohne (Phaseolus vulgaris, ebenfalls eine Fabaceae) in Bezug auf die Samenschalen. Die Bohnensamen können sich aber günstig auf den postprandialen Blutzucker auswirken. Für eine ausdrückliche Empfehlung fehlen aber gemäss Melzig noch Daten. Ähnliches gelte für frische Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus, Ericaceae). Vermutlich müssen große Mengen Beeren oder Bohnen gegessen werden, um deutlich spürbare Effekte zu erzielen.

Positiv beurteilte Melzig die Bockshornkleesamen (Trigonella foenum-graecum, Fabaceae). In China und Indien wird Bockshornklee seit Jahrtausenden bei Stoffwechselerkrankungen angewendet, auch bei Diabetes. Er reduziert den Nüchternblutzucker und den postprandialen Blutzucker. Allerdings sind dafür 25 Gramm Bockshornkleesamen pro Tag nötig, was speziell zu Beginn der Behandlung zu Durchfall und Flatulenz führen kann. Genau wie bei Guar sollte auch bei Bockshornkleesamen ein zeitlicher Abstand von mindestens 30 Minuten zur vorherigen Medikamenteneinnahme eingehalten werden, damit diese anderen Arzneimittel gut resorbiert werden können.

Von anderen Heilpflanzen riet Melzig vorerst ab wegen fehlender Wirksamkeitsnachweise oder mangelnder Sicherheitsdaten.

So enthalte beispielsweise der Samen der Geißraute (Galega officinalis, Fabaceae) große Mengen Guanidin-Derivate, also Metformin-ähnliche Substanzen. Allerdings seien die Extrakte schwer standardisierbar.

Unter der Bittergurke (Momordica charantia, Cucurbitaceae) könne es sogar zu hypoglykämischem Koma und Lebertoxizität kommen.

Siehe auch:

Bittermelone / Bittergurke (Momordica charantia) gegen Diabetes?

Ein anderes Kürbisgewächs, die Scharlachranke (Coccinia grandis) aus der indischen Heilkunde, zeigte in klinischen Studien mäßiger Evidenz eine beträchtliche blutzuckersenkende Wirkung. Melzig riet trotzdem von der Scharlachranke ab, da nicht genügend toxikologische Daten vorlägen.

Wegen des vermutlich hohen Alkaloid-Gehalts sollte man auch besser auf die Anwendung des sogenannten »Zuckerzerstörers« bzw. der »Wunderfrucht« Gymnema sylvestre (Apocynaceae) aus der Aryuveda-Medizin verzichten.

Zwar nicht bedenklich, jedoch bislang ohne überzeugenden Wirksamkeitsnachweis bei Diabetes mellitus sind gemäss Melzig folgende Phytopharmaka einzustufen:

Ginseng (Panax Ginseng, Araliaceae)

Knoblauch (Allium sativum, Alliaceae)

Aloe vera (Aloe barbadensis, Alooideae)

Süßkartoffeln (Ipomoea batatas, Convolvulaceae)

Wachs-Jambuse oder Rosenapfel (Syzygium cumini, Myrtaceae)

Mariendistel (Silybum marianum, Asteraceae)

Russischer Estragon (Artemisia dracunculus, Asteraceae)

Nopal (Opuntia streptacantha, Cactaceae)

Wer die Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt habe wisse zudem, dass Zimt (Cinnamomum verum, Lauraceae) laut neueren Studien nicht besser als Placebo wirke. Noch fehle für die meisten Phytopharmaka die klinische Evidenz, um sie Diabetikern adjuvant empfehlen zu können, zum Beispiel den Russischen Estragon.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169

Kommentar & Ergänzung:

Die Diabetes-Therapie ist keine Stärke der Phytotherapie. Die Aussagen von Prof. Melzig stimmen sehr mit der Phytotherapie-Fachliteratur überein. Sinn machen können gewisse Polysaccharide vor allem aus Guar und Bockshornkleesamen, weil sie Blutzuckerspitzen abfangen. Darüber hinaus haben wir nicht viel Überzeugendes aus der Pflanzenwelt zur Verfügung.

Von den Heidelbeeren wurden früher gegen Diabetes die Blätter verwendet, nicht die Beeren, wie der Ausdruck „frische Heidelbeeren“ suggeriert. Heidelbeerblätter sind aber klarerweise ungeeignet zur Diabetestherapie.

Und bei Ginseng, Knoblauch, Aloe vera oder Mariendistel wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, sie gegen Diabetes zu empfehlen, Diese Heilpflanzen haben ganz andere Anwendungsbereiche, für welche ihre Wirksamkeit dokumentiert ist.

Zimt gegen Diabetes war vor einigen Jahren die grosse Entdeckung in diesem Bereich der Pflanzenheilkunde. Laboruntersuchungen an isolierten Geweben oder Zellen lassen eine günstige Wirkung plausibel erscheinen. Leider konnten die positiven Resultate einer ersten klinischen Patientenstudie aus Pakistan bisher nicht bestätigt werden, was die Wirksamkeit in Frage stellt.

Ernüchternd?

Möglicherweise schon.

Aber es scheint mir wichtig, nicht nur von tollen Erfolgen und grossartigen Heilungschancen zu berichten, sondern auch von Misserfolgen und Grenzen der Phytotherapie.

Meines Erachtens kann man diesen Punkt als Qualitätskriterium nehmen um Fachleute, Heilmethoden, Gesundheitszeitschriften etc. zu beurteilen:

Ist immer nur von Heilerfolgen die Rede und nie von Grenzen oder Misserfolgen, dann ist dies ein Hinweis für sehr selektive Wahrnehmung oder selektive Berichterstattung. Alle Heilmethoden und Heilmittel haben Grenzen und Misserfolge. Wäre das nicht so, gäbe es keine Krankheiten mehr.

Wenn nur von Heilerfolgen oder gar von sicheren Heilerfolgen berichtet wird, dann haben wir es wahrscheinlich mit einer Form von Missionarismus zu tun. Und diesem Phänomen begegnet man leider nicht selten im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin: Alles was die eigene Überzeugung zu stützen scheint, wird sofort kundgetan, während Fakten, welche die eigene Überzeugung in Frage stellen könnten, ignoriert oder sofort und ungeprüft vom Tisch gefegt werden (zum Beispiel indem jede Kritik als Verschwörung der bösen Pharmaindustrie diffamiert wird).

Das Leben besteht aber selten nur aus Schwarz und Weiss, auch nicht, wenn es um Gesundheit, Krankheit  und Heilung geht.

Seriös wäre es meines Erachtens beispielsweise, wenn in Gesundheitszeitschriften neben Erfolgsmeldungen und Heilungsversprechungen ebenso viel auch von Grenzen und Misserfolgen berichtet würde. Aber wer will so etwas schon lesen? Die Mehrzahl der Leserinnen und Leser will offenbar ausschliesslich wissen, was nützt. Grenzen und Misserfolge –Kritik also – interessieren viel weniger.  Wer so denkt nimmt allerdings in Kauf, einseitig informiert zu sein.

Grenzen und Misserfolge von Heilmitteln und Heilmethoden aufzuzeigen, ist zudem für die meisten Gesundheitszeitschriften nicht lukrativ, weil dadurch ein „negatives Werbeumfeld“ für Inserenten geschaffen wird. Die meisten Gesundheitszeitschriften sind aber  vollständig abhängig von den Inserenten – wie sollen sie da differenziert – also auch kritisch – berichten können.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde & Komplementärmedizin – Vom Wert des Zweifels

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

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Gartenpflanzen: Osterglocken giftig?

Samstag, März 31st, 2012

Die Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus), auch gelbe Narzisse oder Osterglöckchen (weil sie in der Regel um Ostern herum blüht), Falscher Narzissus, Trompeten-Narzisse, oder regional Märzenbecher genannt, ist die bekannteste Pflanzenart in der Gattung der Narzissen (Narcissus) innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae).

Foto siehe Wikipedia

Die Osterglocke ist als Wildform sehr selten geworden und geschützt. Als Zierpflanze ist sie seit dem Jahre 1500 in Kultur.

Die Blätter und Zwiebeln der Osterglocke sind sehr giftig.

In Gärten besteht deshalb Vergiftungsgefahr für Kinder und Haustiere. Weil Narzissenzwiebeln ähnlich aussehen wie Küchenzwiebeln, kann es zu Verwechslungen und Vergiftungen kommen. Die Pflanze enthält mehrere toxische Alkaloide. Am bekanntesten sind die giftigen Verbindungen Lycorin und Galantamin, welche auch in anderen Amaryllisgewächsen vorkommen. Galantamin ist der charakteristische Inhaltsstoff im Schneeglöckchen.

Zu Galantamin siehe auch:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Schneeglöckchen – eine Heilpflanze?

Galantamin hemmt die Cholinesterase und zeigt deshalb parasympathomimetische Wirkung. Lycorin hemmt die Eiweisssynthese, wirkt zelltoxisch und virustatisch, ausserdem brechreizerregend und harntreibend.

Vergiftungen mit Osterglocke können Symptome auslösen wie Speichelfluss, Erbrechen und Durchfall, später Lähmungen, Leberschäden, Kollaps und sogar Tod.

Die Oxalatkristalle der äusseren Zwiebelschalen oder der Blätter können bei Gärtnern Hautreizungen verursachen, die sogenannte Narzissen-Dermatitis.

Mit der Osterglocke ist also punkto Giftwirkung nicht zu spassen.

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Huflattich stärkt den Willen und die Durchsetzungskraft?

Samstag, März 24th, 2012

Huflattich stärke den Willen, lese ich in einem Internet-Beitrag.

Er soll den Pionier in uns wecken und helfe den Menschen, sich durchzusetzen, aber auch, sich selber treu zu bleiben. Huflattich helfe, für ein paar Tage oder Wochen auf einige Verführungen zu verzichten und den guten Vorsätzen treu zu bleiben, indem er den Willen stärke………

Solche Beschreibungen sind Assoziationen und Fantasien über Pflanzen. Sie haben mit der Person zu tun, die solche Assoziationen und Fantasien hat. Mit der Pflanze, um die es hier geht, haben sie nichts zu tun.

Der Heilpflanze Huflattich werden hier Eigenschaften angedichtet, die nur im Kopf der „Dichterin“ vorhanden sind. Die Pflanze wird quasi als Depot  für eigene Assoziationen und Fantasien benutzt.

Es ist natürlich gar nichts dagegen einzuwenden, wenn Pflanzen unsere Assoziationen und Fantasien anregen. Im Gegenteil, das macht einen Teil ihrer Faszination aus.

Fragwürdig ist nur, wenn man nicht erkennt, dass es sich bei solchen Beschreibungen um Eigenproduktionen handelt, und glaubt, es handle sich um Eigenschaften der Pflanze.

Und wenn – wie in dem erwähnten Internet-Beitrag – eine Naturheilpraktikerin solche Beschreibungen liefert und ihre Patientinnen und Patienten danach behandelt, dann baut sie ihre Behandlung auf den eigenen oder fremden Fantasien und Assoziationen auf.

Und weil es im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde keine Qualitätssicherung gibt, kann das jeder und jede so machen. Man trifft heutzutage zum Beispiel Beschreibungen über das „Wesen der Pflanzen“, die reine Fantasieprodukte sind. Auf dieser Basis Therapieempfehlungen abzugeben, ist höchst fragwürdig.

Siehe:

Die fragwürdige Rede vom Wesen der Pflanzen

Wesen und Signatur der Heilpflanzen – Gänseblümchen

Zum Wesen der Heilpflanzen – Storchenschnabel gegen Schock

Huflattichtee trinken und schwupps, schon bin ich willensstark und durchsetzungsfähig. Die ideale Heilpflanze für Soldaten und Manager…….aber eigentlich kann das doch jeder und jede brauchen. Trinken wir doch alle Huflattichtee!

Aber halt, dann gleicht sich das ja wieder aus, wenn alle willensstark und durchsetzungsfähig werden. Also trinken Sie besser heimlich Huflattichtee und erzählen Sie es niemandem weiter….

Und wie praktisch, dass Huflattich gleich auch noch hilft, auf gewisse Verführungen zu verzichten. Dazu sind aber noch genauere Untersuchungen nötig zur Art der Verführung, gegen die Huflattich helfen soll.

Im Ernst: Wenn das so einfach wäre mit Durchsetzungsfähigkeit und Willensstärke. Gibt es tatsächlich Leute die glauben, dass uns der Huflattich diese Arbeit netterweise abnimmt?

Vielleicht weil er spezielle Kompetenzen hat im Bereich „Durchsetzungsfähigkeit“ als Pflanze, die schon bald nach dem Schnee kommt?

Dann könnte man ja Huflattich allenfalls als Symbol für Durchsetzungsfähigkeit nehmen.

Dann wäre es aber wichtig zu verstehen, dass Symbole von Menschen geschaffen werden und keine Eigenschaft der Pflanze sind.

Nachtrag:

Der Mensch ist – nach Ernst Cassirer (1874 – 1945) ein „animal symbolicum“, das heisst ein symbolbildendes und symbolverwendendes Wesen. Der Mensch hat nur über Symbole einen Wirklichkeitsbezug. Der Begriff „animal symbolicum“ hebt die typisch menschliche Fähigkeit hervor, Symbole hervorzubringen und in einer Welt der Symbole zu denken und zu leben.

In seinem Hauptwerk Philosophie der symbolischen Formen und vor allem in seinem anthropologischen Spätwerk Versuch über den Menschen erläutert Ernst Cassirer den Begriff. Wikipedia zum „animal symbolicum“:

„Der Mensch lebt nicht in einer rein physischen Umwelt, sondern in einem symbolischen Universum. Sprache, Mythos, Kunst, Religion und alle anderen Bereiche kulturellen Wirkens bilden die Fäden des symbolischen Gewebes. Jeder Fortschritt des menschlichen Denkens und der menschlichen Erfahrung verstärkt und erweitert dieses Gewebe…. Der Mensch zeichnet sich…..dadurch aus, dass er der Welt über das Symbol sowohl individuelle als auch kollektiv konnotierte Bedeutung verleiht.“

P.S: Huflattich (Tussilago farfara) blüht im Flachland jetzt im März (Volksnamen: Märzeblüemli, Teeblüemli, Zitröseli). In der Phänologie fällt seine Blühphase in den Vorfrühling

Es lohnt sich, die hübsche Pflanze zu beachten.

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Chlorophyll zur Entschlackung und Entgiftung?

Montag, März 19th, 2012

Seit einiger Zeit werden Nahrungsergänzungsmittel mit Chlorophyll propagiert zur Entschlackung und Entgiftung – zum Beispiel in Form von Getränken.

Hat die Einnahme von Chlorophyll als Nahrungsergänzung einen günstigen Effekt?

Diese Frage wurde im Expertenforum der Pharmazeutischen Zeitung gestellt:

„Wirkt Chlorophyll entgiftend, vitalisierend und hält gesund? Und wenn ja, wie und in welcher chemischen Form? Gibt es Studien darüber?“

Die Antwort von Professor Dr. Theo Dingermann:

„Gute, seriöse Studien zu einem möglichen Gesundheitspotenzial von Chlorophyll gibt es nicht. Wir nehmen substanzielle Mengen zu uns, wenn wir viel Gemüse und Obst essen. Eine Substitution ist nicht notwendig. Wegen seiner geruchsneutralisierenden Wirkung ist Chlorophyll als Mittel gegen Mund- und Körpergeruch in Drageeform erhältlich. Als Lebensmittelzusatzstoff erhielt Chlorophyll die Kennnummer E 140. Weitere, dem Chlorophyll zugesprochene Eigenschaften sind hinsichtlich ihrer physiologischen Relevanz nicht belegt.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40157

Kommentar & Ergänzung:

Chlorophyll, also Blattgrün, ist wohl eines der wichtigsten Moleküle für das Leben auf der Erde. Pflanzen sind durch Chlorophyll in der Lage, mit Hilfe von Licht aus Wasser und Kohlendioxid Traubenzucker (Glukose) zu produzieren, also Photosynthese zu betreiben.

Wie das oft bei Nahrungsergänzungsmitteln der Fall ist, sind die Gesundheits- und Heilungsversprechungen bei der Vermarktung von Chlorophyll sehr überzogen.

Vor allem wenn „Entschlackung und Entgiftung“ versprochen wird, kann man getrost von Konsumententäuschung ausgehen.

Siehe dazu:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung: Illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Ein kritischer Kommentar zu Chlorophyll als Nahrungsergänzung:

„Chlorophyll wird in Form von Tabletten, Pulvern, Tropfen und Säften als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dabei werden verschiedene Aussagen zu gesundheitsfördernden Wirkungen bzw. zur Steigerung des allgemeine Wohlbefindens gemacht, wie z.B. als Einsatzstoff in der Krebstherapie, zur Hemmung von Körpergerüchen und Beseitigung von Schwermetallvergiftungen bzw. allgemein zur ‚Entgiftung’, zur ‚Verjüngung’, zur ‚Darmsanierung’, sowie als antibakterielle und antivirale Mittel. Dabei soll einerseits der Phorphyrinring Schwermetalle als Chelatkomplex binden, andererseits soll das im Chlorophyll enthaltene Magnesium gesundheitlich positive Wirkungen haben. All diese Wirkungen sind wissenschaftlich nicht oder nicht ausreichend untermauert.

Die Wirkung gegen Mundgeruch sowohl beim Menschen als auch im veterinärmedizinischen Bereich soll auf dem desodorierenden Effekt beruhen, allerdings fehlen kontrollierte Studien dazu.

Chlorophylle selbst gelten als unbedenklich. Da diese aber, nach Entfernen eines großen Anteils des Magnesiums aus dem Chelatkomplex größtenteils unverdaut in Form von Phäophytin ausgeschieden werden, ist eine entgiftende Wirkung durch Chelatkomplexbildung mit Schwermetallen allerhöchstens auf das Darmlumen beschränkt. Eine Wirkung auf das Körperinnere ist ausgeschlossen.

Hergestellt werden Chlorophyll-Produkte meist aus Algen der Gattungen Chlorella und Spirulina, der Afa-Alge (ein Cyanobakterium) aber auch aus Spinat, Luzerne und anderen krautigen Pflanzen.

Eine Tablette Chlorophyll (Stozzon) enthält 20 mg. Das Römpp-Lexikon gibt als Chlorophyllgehalt für einige Pflanzen folgende Werte an:

Brennesseln 6-7,5 g/kg

Broccoli 8-12 g/kg

Gräser ca. 7 g/kg“

(Quelle: http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Chlorophyll#Anwendung_in_der_Pseudomedizin)

Diese Angaben aus dem Römpp-Lexikon ermöglichen eine interessante Rechnung.

Stozzon Chlorophyll-Dragees enthalten 20 mg Chlorophyll pro Dragee. Blattgrün 1001 Tabletten enthalten 21 mg Chlorophyll pro Tablette.

Dann enthalten etwa 2 g Broccoli soviel Chlorophyll wie eine Chlorophyll-Tablette.

Da spricht doch alles dafür, ganz einfach „Grünzeug“ aus der Natur zu essen. Schon mit geringen Mengen an Salat und Gemüse übertrifft man die Chlorophyll-Zufuhr via Dragee.

Und dann besteht zum Beispiel Broccoli ja nicht nur aus Chlorophyll, sondern enthält auch noch eine ganze Reihe anderer gesunder Substanzen. Siehe hier:

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Brokkolisprossen hemmen Helicobacter-pylori-Bakterien im Magen

Brokkoli-Inhaltsstoff günstig bei Asthma

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Weltuntergang dreimal verschoben und nun endgültig abgesagt!

Sonntag, März 11th, 2012

Schlimme Nachricht für alle Weltuntergangs-Junkies. Der Weltuntergang am 21. Mai 2011 blieb bekanntlich aus. Das hat nun auch der amerikanische Prediger Harold Camping eingesehen, der die Apokalypse letztes Jahr auf dieses Datum vorausgesagt hatte. In einem Brief an seine Gemeinde auf seiner Website erklärte der 90-jährige nun, es gebe auch keine Hinweise auf ein Ende der Welt in nächster Zeit und er werde keine weiteren Daten prüfen.

Der Mann scheint tatsächlich lernfähig.

Allerdings sollte die Welt laut seiner ursprünglichen Berechnung nach bereits 1988 ihren Betrieb einstellen, schreibt Spiegel online. Und Florian Freistetter erzählt die Geschichte weiter auf scienceblogs.de:

„Harold Camping hat übrigens im Jahr 1992 ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel “1994?”. Darin erklärt er, dass im Jahr 1994 die “Entrückung” stattfinden wird und die Gläubigen direkt in den Himmel auffahren während der Rest der Menschheit sterben muss. Klingt bekannt, oder? Camping hat das damals ganz genau “berechnet” (unter anderem aus der Anzahl der Fische die die Jünger am See Genezareth gefangen haben).“

Als dann seine nächste Weltuntergangs-Prophezeihung auf den 21. Mai 2011 auch wieder in die Hosen ging, hatte der Mann eine plausible Erklärung parat:

„Das Ausbleiben der Entrückung zum angekündigten Datum erklärte er mit einer Fehlinterpretation: Am 21. Mai habe nicht die Entrückung stattgefunden, sondern Jesus habe an diesem Tag sein endgültiges Urteil über alle Menschen gefällt. Am zuvor ebenfalls angekündigten Weltuntergang am 21. Oktober 2011 hielt er fest.“ (Quelle: Wikipedia)

Erschreckend an dieser Geschichte ist ja nicht dieser Spinner, der sich in eine Propheten-Position fantasiert, sondern der Umstand, dass er nach all diesen Fehlprognosen immer noch Gläubige findet, die angesichts des Weltuntergangs ihren Job aufgeben und ihr Vermögen dieser Sekte überweisen, damit sie in grossen Plakaten die Welt vor der bevorstehenden Katastrophe warnen kann.

Für diejenigen, die regelmässig einen Weltuntergangskick brauchen und jetzt von Harold Camping schmählich im Stich gelassen wurden, gibt es ja nun inzwischen Gottseidank ein Ersatzprogramm mit dem Weltuntergang nach dem Maya-Kalender auf den 21. Dezember 2012.

Ich sehe hier im Übrigen durchaus ähnliche Phänomene in den Bereichen Komplementärmedizin / Alternativmedizin. Auch hier gibt es eine ganze Reihe von durchgeknallten Heilerinnen und Heiler, die sich in eine egomanische Retterposition fantasieren und überzeugt sind, jede Krankheit heilen zu können. Und es gibt viel zu viel kritiklose Anhängerschaft, die dankbar an solche Rettungsphantasien glaubt.

Ich finde es wirklich erschütternd, dass vor allem in esoterisch eingefärbten Bereichen von Komplementärmedizin und Alternativmedizin eine Theorie umso glaubwürdiger zu sein scheint, je absurder sie ist.

Hier scheint zu gelten: „Credo quia absurdum est!“, zu übersetzen etwa mit: „Ich glaube, gerade weil es widersinnig ist“, ein Satz, der auf den Kirchenvater Tertullian zurück gehen soll, und der später zum Motto von Martin Luther wurde.

P.S. Wer Kritik an solchen Fragwürdigkeiten im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin äussert, wird von sich betroffen fühlenden Kreisen sofort verdächtigt, im Solde der bösen Pharmaindustrie zu stehen. Ich erkläre hiermit feierlich, keinerlei Zahlungen zu erhalten von Novartis, Hoffmann-La Roche, Pfizer, Merck, Bayer, Boehringer, GlaxoSmithKline……

Mir liegt eine engagierte, aber auch kritische Pflanzenheilkunde am Herzen, und nicht blinde Gläubigkeit.

Siehe dazu:

Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

Zum Thema Weltuntergang / Apokalypse gibt es im Übrigen ein sehenswertes Video von Jörg Wipplinger auf diewahrheit.at

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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