Archive for the ‘Natur’ Category

Bärlauchtinktur für mehr Durchsetzungskraft

Sonntag, April 8th, 2012

Bärlauch weiss was er will und setzt sich durch. Das sieht man daran, wie souverän der Bärlauch den Winter überwindet.

Deshalb hilft Bärlauchtinktur Menschen, die sich nicht entscheiden können und Menschen, denen es an Durchsetzungskraft fehlt.

Mit dieser schönen Geschichte begründete ein Naturheilpraktiker vor kurzen die Verordnung von Bärlauchtinktur an eine Patientin mit Entscheidungsproblemen.

Solche Geschichten sprechen Menschen oft an. Und wer könnte nicht einen solchen Helfer brauchen. Und manche Geschichten sind auch wertvolle Kulturschätze.

Aber die Geschichte von der Bärlauchtinktur als Helfer bei Entscheidungschwäche und Durchsetzungsmangel ist sehr funktional: Bärlauchtinktur als Problemlöser. Einfach, schnell, käuflich, konsumierbar. Passt gut in unsere Zeit.

Bei Geschichten müsste man zudem auch hinschauen, was sie genau aussagen.

Die Fähigkeit des Bärlauchs, zu wissen was er will und sich durchzusetzen, soll sich offenbar auf Menschen mit Entscheidungsproblemen übertragen. Wie das genau gehen soll bleibt offen.

Bärlauch hat aber keine Entscheidungsprobleme, weil er gar keine Wahl hat. Er entwickelt sich fraglos nach einem Programm, das in seinen Genen festgelegt ist.

Man könnte also auch sagen, Bärlauch ist ein Vorbild für die Erfüllung eines vorgegebenen Plans (wie jede Pflanze).  Soll die Bärlauchtinktur also diese Fähigkeit auf den Menschen übertragen? Dann gute Nacht!

Die Annahme, dass Bärlauch weiss, was er will, setzt voraus, dass er ein Bewusstsein von sich und seinen Wahlmöglichkeiten hat.

Und ja, Bärlauch setzt sich durch – unter den Bedingungen seiner ökologischen Nische, an die er seit Millionen von Jahren angepasst ist.  Menschen sind aber nicht derart festgelegt auf eine ökologische Nische. Zum Glück. Vielleicht hat es auch darum der Bärlauch etwas einfacher.

Zudem täuscht der oberflächliche Eindruck: Wir sehen eben nur diejenigen Bärlauch-Exemplare, die sich durchgesetzt haben. Die um ein Vielfaches zahlreicheren Exemplare, welche schon im Samenstadium eingehen, sehen wir nicht.  Soll ich jetzt daraus schliessen, die Mehrzahl der Bärlauche seien Versager?

Solche Vermenschlichung von Heilpflanzen halte ich für eine üble Tendenz. Lassen wir bitte schön die Pflanzen doch einfach Pflanzen sein – und freuen wir uns gerade deswegen an ihnen.

Den Pflanzen werden hier nämlich menschliche Phantasien unterschoben, die mit ihnen nichts zu tun haben.  Ohne dass den Produzenten dieser Fantasien das bewusst zu sein scheint.

Und wenn auf der Basis solcher Fast-Food-Psychosomatik Menschen behandelt werden, ist das meines Erachtens total fragwürdig und willkürlich.

Patienten mit echten psychischen Problemen werden so schlicht und einfach verarscht.

Das sage ich nicht zuletzt als jemand, der zwei mehrjährige Psychotherapie-Ausbildungen absolviert hat, während denen mein Respekt vor der Komplexität psychischer Prozesse stark gestiegen ist.

Eine ähnliche Thematik finden Sie hier:

Huflattich stärkt den Willen und die Durchsetzungskraft

Bärlauch ist als Heilpflanze und für Bärlauchpesto durchaus interessant:

Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel & Co.

Aber nicht verwechseln mit Maiglöckchen (“Meierisli”) oder Herbstzeitlose:

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch, Maiglöckchen, Herbstzeitlose

Tödliche Verwechslungen von Bärlauch und Herbstzeitlose

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Naturkunde: Was blüht gerade? – Knoblauchhederich / Knoblauchrauke

Samstag, April 7th, 2012

Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), auch Knoblauchskraut, Lauchkraut, Knoblauchhederich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie ist in Europa weit verbreitet. Die deutschen Namen beziehen sich auf den Knoblauchduft, der beim Zerreiben der Blätter entsteht.

Knoblauchrauke ist eigentlich eine Pflanzenart der Laubwälder, gedeiht jedoch besonders gut in Gebüschen und Hecken sowie an Mauern und Wegrainen, in Gärten und auf Schuttplätzen (Ruderalstellen). Sie befindet sich dort oft in der Gesellschaft von Brennnesseln. Wie die Brennnessel schätzt der Knoblauchhederich frische, stickstoffreiche Lehmböden. Heute ist die Pflanze häufig auch in schattigen Parkanlagen und in Gehölzen im städtischen Raum zu finden.

Foto bei Wikipedia

Knoblauchhederich ist ein Frühblüher (April), doch dauert die Blühzeit bis in den Juli.

Der Knoblauchhederich bietet den Nektar, der sich an der Basis der Blüte sammelt, frei zugänglich an. Dadurch kommen neben Bienen auch die kurzrüssligen Fliegen und Schwebfliegen zum Nektar. Als Bestäuber wirken unter anderem Frühjahrsmücken (Bibio).

Knoblauchhederich als Nahrungsquelle für Schmetterlinge

Der Tagfalter Waldbrettspiel (Pararge aegeria) saugt gern am Nektar des Knoblauchhederichs. Er dient auch dem Aurorafalter (Anthocharis cardamines) als Nektarpflanze und zugleich neben dem Wiesenschaumkraut dessen Raupen als Futterpflanze. Als Futterpflanze nutzt  außerdem der stark gefährdete Mehlfarbene Raukenspanner (Lithostege farinata) den Knoblauchhederich. Die Raupen der Achateule (Phlogophora meticulosa) und des Grünader-Weißlings (Pieris napi)ernährend sich polyphag von der Knoblauchsrauke, das heisst, sie fressen noch viele andere Pflanzen.  Oligophag sind die Raupen des Kreuzblütler-Blattspanners (Xanthorhoe designata) und Gemeinen Blattspanners(Xanthorhoe fluctuata) auf Knoblauchhederich angewiesen.

Knoblauchrauke – eine alte Heilpflanze

Die Knoblauchrauke enthält Glukosinolate (Senfölglykoside), wie andere Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), insbesondere Sinigrin und geringe Mengen Glucotropaeolin. Die Wirkung der Pflanze ist bisher nicht gründlich geklärt worden. In der traditionellen Pflanzenheilkunde  wurde sie bei Erkältungskrankheiten sowei bei Rheuma und Gicht angewendet, sowie äusserlich als frisch zerquetschtes Kraut bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren. Senfölglykoside haben breite antimikrobielle Wirkungen.

Knoblauchrauke als Gewürz

Im Mittelalter wurde die Knoblauchsrauke mit ihrem pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack hauptsächlich von der ärmeren Bevölkerung genutzt, die sich die teuren Gewürze nicht leisten konnte. Knoblauchrauke wurde im Mittelalter aus diesem Grund sogar in Gärten angebaut. Zum Essen werden die Blätter zwischen April und Juni gesammelt. Beim Kochen verflüchtigt sich jedoch der pfeffrig-knoblauchartige Geschmack. Knoblauchsrauke muss deshalb Speisen in rohem Zustand beigegeben werden. Die Wildkräuterküche hat die Knoblauchsrauke wiederentdeckt und mischt die feingehackten Blätter in Salatsoßen und Quark- oder Frischkäsemischungen. Die geschmacksintensiven Blüten werden verwendet, um salzige Sorbets und Salate zu dekorieren. Auch die Samen können zum Würzen verwendet werden.

In Frankreich wird Knoblauchhederich als Salatpflanze genutzt.

Sie eignet sich für Wildpflanzengärten, breitet sich aber aggressiv aus.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturkunde: Was blüht gerade? – Buschwindröschen

Freitag, April 6th, 2012

Im Wald blüht jetzt das Buschwindröschen (Anemone nemorosa), eine Pflanzenart aus der Gattung der Windröschen (Anemone) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Fotos auf Wikipedia hier und hier.

Buschwindröschen ist ein Frühblüher in krautreichen Wäldern und Bergwiesen, vor allem in Buchenwäldern. Mancherorts bedeckt die Pflanze den Waldboden im Frühling fast völlig. Die Pflanze kann sich auch vegetativ vermehren durch Verzweigung des Rhizoms (=Wurzelstock). Nicht selten gehören über 100 Blütentriebe zu einer Buschwindröschen-Pflanze. Das würde man gar nicht vermuten, wenn man die Pflanze einfach von oben sieht.

Buschwindröschen ist in allen Pflanzenteilen gering giftig (Protoanemonin).

Die Pflanze ist auch giftig für Tiere (Pferde, Hunde und Katzen sowie für Nager, wie Hasen und Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster).

Alle Hahnenfuß-Arten sollen für Landschildkröten giftig sein.

Protoanemonin (auch Anemonol oder Ranunculol) kommt als Toxin in allen Hahnenfußgewächsen vor.

Die Substanz wird bei Verletzung der Pflanzen freigesetzt und bei Kontakt mit der Haut oder Schleimhaut kommt es zu Vergiftungserscheinungen wie Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung auf der Haut (Hahnenfußdermatitis). Bei der inneren Aufnahme beeinflusst Protoanemonin das Nervensystem: Es kann zu Erbrechen, Durchfall und Schwindelanfällen kommen, aber auch zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen.

Beim Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin in das ungiftige Anemonin umgewandelt.

In intensiv durch Erholungssuchende genutzten Waldgebieten sind beim Buschwindröschen Wachstum, Blütenbildung und Samenproduktion vermindert. Die Buschwindröschen reagieren auf die durch Trittbelastung und Bodenverdichtung ausgelöste Stresssituation, indem sie sich fast nur noch über Wurzelbildung vermehren. Diese Umstellung von geschlechtlicher auf ungeschlechtliche Vermehrung kann tiefgreifende Folgen auf das längerfristige Überleben der Buschwindröschen-Bestände in unseren Wäldern haben. Das haben Untersuchungen am Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz der Universität Basel gezeigt. Deshalb sollte man nicht wie ein Elefant in Buschwindröschen-Beständen herumtrampeln.

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Blick ins Pflanzenlexikon: Salbei (Salvia)

Dienstag, April 3rd, 2012

Salbei (Salvia) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der Name (lateinisch salvare ‚heilen‘) bezieht sich jedoch auch auf den für Küche und Medizin wichtigen Küchensalbei oder Heilsalbei (Salvia officinalis).

Die Gattung Salvia ist auf der ganzen Erde verbreitet von tropischen bis in gemäßigte Gebiete. Sie umfasst 800 bis 1100 Arten, davon zum Beispiel etwa 84 Arten in China.

Viele Salbei-Arten zeichnen sich aus durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen, was für ihre Verwendung als Heilpflanzen bedeutsam ist. Auch Gerbstoffe sind an der Wirkung von Salbei-Arten oft beteiligt ( sogenannte Lamiaceen-Gerbstoffe).

Zur Verwendung von Salbei schreibt Wikipedia:

„ Der Name Salvia stammt vom lateinischen Wort salvare für heilen und deutet auf dessen Heilkraft hin. Salbei war bereits im Altertum bekannt und wurde im Mittelalter von Mönchen über die Alpen gebracht.

Durch den hohen Anteil ätherischer Öle in diversen Salbeiarten gibt es unterschiedliche Verwendungen. So wird der Echte Salbei (S. officinalis) einerseits als Küchengewürz und andererseits auch in der Heilkunde verwendet, etwa bei Halsschmerzen als Kräutertee oder gegen übermäßiges Schwitzen. Außerdem soll der Salbeitee auch bei Magen- und Darmschmerzen Linderung bewirken, beispielsweise nach einer Antibiotika-Therapie. Enthaltene trizyklische Diterpene wie Carnosol und Carnosolsäure besitzen eine antioxidative, antimikrobielle sowie chemoprotektive Wirkung gegen Karzinogene.

Heilend wirken neben den Ölen auch die Gerbstoffe (Tannine). Andere Arten wie Azteken-Salbei (Salvia divinorum) enthalten halluzinogene Stoffe, die teilweise ebenfalls genutzt werden. Bei Räucherungen entsteht ein marihuanaähnlicher Duft. Der in Deutschland verbreitete Wiesensalbei enthält kaum ätherische Öle und wird deswegen nicht genutzt. Eine Heilwirkung von Inhaltsstoffen dieser Pflanze wurde im Jahre 2008 in Untersuchungen am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg an mehreren Tumorzelllinien bestätigt.

Einige Arten und ihre Sorten werden als Zierpflanzen verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Nachfolgend ein paar wichtige Vertreter aus der Gattung Salbei:

- Echte Salbei (Salvia officinalis, Garten-Salbei) ist im Mittelmeerraum heimisch, wurde von Mönchen über die Alpen in die Klostergärten geholt und gelangte von dort in die Bauerngärten. Salvia officinalis ist diejenige Salbeiart, die bei uns hauptsächlich als Gewürz und Heilpflanze angewendet wird, zum Beispiel gegen Halsschmerzen, Mundschleimhautentzündungen, Aphthen, Zahnfleischentzündungen, sowie innerlich gegen Schwitzen in den Wechseljahren (also bei Wallungen).

Salbeiblüten sind eine hervorragende Bienenweide. Sie übertreffen beim Honigertrag sogar Pflanzen wie den Raps, die als gute Bienenweiden bekannt sind.

- Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) besitzt nicht die Heilwirkungen der Echten Salbei. Sie wird daher in der Pflanzenheilkunde nicht verwendet, ist aber eine Zierde in der Natur, vor allem wenn sie in Wiesen zahlreich wächst. Die Blüten werden vor allem von Hummeln bestäubt.

(Klammerbemerkung: Zur Zeit fliegen wieder die Hummelköniginnen. Woran erkennt man eine Hummelkönigin?)

- Klebriger Salbei (Salvia glutinosa) blüht von Juli bis September im Laubwald und im Mischwald und beeindruckt durch schöne, grosse, gelbe Blüten und citronelligen Duft.

Die Raupe der Messingeule (Noctuidae, Eulenfalter, ein Nachtfalter, ernährt sich (unter anderem) von Klebriger Salbei. Über Heilwirkungen liegt keinerlei gesichertes Wissen vor.

- Weisser Salbei (Indianischer Räuchersalbei, Salvia apiana) kommt vor allem im Südwesten der USA (Nevada, Kalifornien, Mojave-Wüste und Sonora-Wüste) und im Nordwesten von Mexiko vor.

Bereits die Ureinwohner Amerikas brauchten „white sage“ als Räucherwerk. Weisser Salbei ist Bestandteil der so genannten „Smudge sticks“: Kräuterbündel, die an einem Ende angezündet werden; die Flamme wird dann ausgeblasen und der Glut Luft zugefächert.

- Azteken-Salbei (Salvia divinorum, zu deutsch „Göttersalbei“ oder „Wahrsagesalbei“) ist ursprünglich in der Sierra Mazateca im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca beheimatet. Dort wird er von den einheimischen Mazateken seit langer Zeit zu schamanischen Zeremonien genutzt. Von den Curanderos, den mazatekischen Heilern, wird er auf zwei Arten eingesetzt. In niedrigen, nicht-halluzinogenen Dosierungen dient er der Behandlung verschiedener körperlicher Beschwerden. In deutlich höheren Dosierungen dient die Azteken-Salbei der Induktion eines Rauschzustandes mit lebhaften Visionen. Salvia divinorum wird von den Mazateken nur im Rahmen dieser Heil- und Wahrsagerituale verwendet.

In der westlichen Welt ist seit den 1980er Jahren ein deutlicher Anstieg des Interesses an Salvia divinorum festzustellen.

Zu den Inhaltsstoffen und zur Wirkung von Azteken-Salbei schreibt Wikipedia:

„Der Azteken-Salbei enthält terpenoide Salvinorine, von denen sechs Derivate (A-F) bekannt sind. Das Salvinorin A ist ein potentes dissoziatives Halluzinogen, mit einer Wirkdosis ab 0,2 mg.[3][4] Die Pharmakologie des Salvinorin A unterscheidet sich deutlich von LSD-artigen Halluzinogenen: Es wirkt als κ-Opioid-Rezeptor-Agonist.“

In Deutschland ist Salvia divinorum nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) rechtlich ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Zur Rechtslage in anderen Ländern schreibt Wikipedia:

„Zu Salvia divinorum gibt es in Liechtenstein, Österreich und den meisten anderen Ländern der Welt keine strafgesetzliche Reglementierung, somit ist der Besitz legal. Der legale Status wurde eingeschränkt bzw. aufgehoben in Israel (2003), Australien (2004), Italien (2005), Deutschland (2008), Schweiz (2010) und Dänemark. In Norwegen ist Salvia divinorum verschreibungspflichtig.

- Mehlige Salbei (Salvia farinacea, auch Ähriger Salbei, Ähren-Salbei oder Mehl-Salbei) ist beheimatet in Texas und New Mexiko. In den Gemäßigten Breiten wird er als einjährige Pflanze kultiviert und als Zierpflanze in Parks und Gärten besonders in Sommerrabatten angepflanzt.

- Chia (Salvia hispanica) wird wegen seiner Samen kommerziell angebaut, da sie einen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und hochwertigem Protein, Vitaminen, Antioxidantien und Mineralien aufweisen. Das Chiaöl wird aus den Samen des Chia gewonnen und besteht aus rund 60 % alpha-Linolensäure, 17 bis 26 % Linolsäure, einfach ungesättigten Fettsäuren wie Ölsäure, Stearinsäure und Palmitinsäure, und Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Die Eigenschaften von Chiaöl ähneln denjenigen von Rapsöl.

- Rotwurzel-Salbei (Salvia miltiorrhiza) Seine auch als Danshen bezeichneten getrockneten Wurzeln finden vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) Anwendung.

Zu den Inhaltsstoffen schreibt Wikipedia:

„ In der Wurzel des Rotwurzelsalbeis konnten Flavonoide, Diterpene, Triterpene, Salvianolsäuren, Phenylpropane, Chinone, Lignane, Steroide und Tannine nachgewiesen werden. Von allen biologisch aktiven Inhaltsstoffen gelten die Diterpenoide und die Salvianolsäuren als am besten untersucht. Zu den charakteristischen Diterpenoide des Rotwurzelsalbeis zählen Tanshinone und Isotanshinone, wie beispielsweise Tanshinon I, Tanshinon IIA, Tanshinon IIB und Cyptotanshinon. Darüber hinaus sind in der Wurzel die biologisch aktiven Diterpenoide Miltiron und Salviol enthalten. Die Salvianolsäuren des Rotwurzelsalbeis, wie Salvianolsäure A, Lithospermsäure B und Rosmarinsäure gelten als Abkömmlinge der (R)-a,3,4-Trihydroxyphenylpropionsäure (Danshensu).“

Und zu den Anwendungsgebieten:

„ Die Wurzel des Rotwurzelsalbeis wird in der chinesischen Medizin insbesondere zur Behandlung von Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Durchblutungsstörungen, wie beispielsweise Angina pectoris, Hyperlipidämie und Schlaganfall eingesetzt. Traditionell wird die Wurzel darüber hinaus bei Menstruationsbeschwerden, Husten, Schlafstörungen, stechende Schmerzen im Unterleib und der Brust und Hepatosplenomegalie verwendet. Die Wirksamkeit dieser Droge gilt nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin als nicht ausreichend belegt.“

- Muskatellersalbei (Salvia sclarea, auch Muskat-Salbei, Römischer Salbei, Scharlachsalbei oder Scharlei) kommt in Mittel- und Ost-Europa und West-Asien vor. Er wird als Zierpflanze, Heilpflanze und Gewürz genutzt.

„Die Wirkung vom Muskateller-Salbei kommt der des Echten Salbeis gleich. In der griechischen und römischen Antike wurde er bei Kopfschmerzen eingesetzt. Blätter und Blüten können roh oder gegart gegessen werden. Die Blüten werden zur Aromatisierung von Wermutweinen verwendet, früher wurden sie auch anderen Weinen zugesetzt. Diese Verwendung prägte den Begriff “Muskatellerwein”. Das Öl der Pflanze wird in der Parfüm- und Kosmetikindustrie verarbeitet.Die Blüten des Muskatellersalbeis sind zugleich eine verhältnismäßig gute Bienenweide. Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von einem Hektar kann sich pro Blühsaison ein Honigertrag von 107 bis 174 kg ergeben.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ätherische Öl aus der Pflanze – Muskatellersalbeiöl – wird aus den Triebspitzen und Blütenständen gewonnen. Es besteht hauptsächlich aus Linalylacetat (bis zu 75 %), Linalool (bis zu 30 %) und dem Diterpen-Alkohol Sclareol.

Sclareol soll eine dem Östrogen verwandte Molekularstruktur aufweisen. Damit werden in der Aromatherapie Anwendungen von Muskatellersalbei bei Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit und Wechseljahrbeschwerden abgeleitet. Es ist allerdings sehr spekulativ, einzig von der Molekularstruktur auf entsprechende Wirkungen zu schliessen. Zu fragen wäre dabei auch, ob die Substanz in ausreichenden Mengen aufgenommen wird und welche Wirkungen sie im Organismus entfaltet.

Muskatellersalbei soll eine heilige Pflanze der Kelten gewesen sein. Seine berauschende Wirkung wurde offenbar genutzt, um Wein und andere Getränke zu aromatisieren und ihre Wirkung zu verstärken. Um den beliebten Geschmack von mit Muskatellersalbei gewürztem Wein zu gewährleisten, wurde die Muskatellertraube gezüchtet.

Diese Beispiele zeigen, dass es in der Gattung Salbei ausgesprochen interessante Pflanzenarten umfasst – als Heilpflanzen, Gewürzpflanzen, Zierpflanzen, Räucherpflanzen….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturkunde: Was blüht gerade? – Wiesen-Schaumkraut

Dienstag, April 3rd, 2012

Das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schaumkräuter (Cardamine) und zählt zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Foto bei Wikipedia.

Wiesen-Schaumkraut dominiert mit seinen weiß bis zart violetten Blüten ab Ende April bis Mitte Mai häufig das Erscheinungsbild nährstoffreicher Feuchtwiesen.

Die Blüten des Wiesen-Schaumkrautes sind sehr nektarreich und werden von zahlreichen Insekten besucht. Der Nektar ist allerdings nur Bienen und Schmetterlingen zugänglich. Schwebefliegen nutzen den Pollen als Eiweissnahrung.

Aurorafalter

Gemeinsam mit der Knoblauchsrauke (Knoblauchhederich, Alliaria petiolata) ist das Wiesen-Schaumkraut die bevorzugte Nahrungspflanze der Raupe des Aurorafalters (Anthocaris cardamines). Der Aurorafalter, der das Wiesen-Schaumkraut auch als Nektarpflanze nutzt, legt seine Eier meist an der Blattunterseite ab. Die Raupen fressen an diesen Pflanzen bis Juli oder August, verpuppen sich zu einer sogenannten Gürtelpuppe und überwintern dann.

Auffällig und unverwechselbar sind im Frühling die Männchen des Aurorafalters mit ihrer orange-weissen Färbung (Foto bei Wikipedia).

Auf dem Wiesen-Schaumkraut lebt auch die etwa 5 bis 6 Millimeter lange und variabel gefärbte Wiesenschaumzikade.

Sie legt an ihrer Wirtspflanze ihre Eier ab, aus denen im April und Mai Larven schlüpfen, die den Pflanzensaft saugen. Durch Einpumpen von Luftbläschen aus der Atemhöhle in eine eiweißhaltige Flüssigkeit, welche die Larven aus dem After abscheiden, wird ein Schaum produziert.

Foto bei Wikipedia.

Der Schaum schützt die darin sitzende Larve vor Feinden, erhält jedoch in erster Linie die für die Weiterentwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur. Diese auffälligen Schaumnester sind auch an der Kuckuckslichtnelke an Gräsern und anderen Pflanzen zu finden.

Der Name Wiesen-Schaumkraut oder einfach Schaumkraut bezieht sich möglicherweise auf das Vorkommen solcher Schaumnester der Schaumzikaden (Aphrophoridae) an dieser Pflanze. Diese im Frühjahr häufigen Schaumnester werden im Volksmund auch als „Kuckucksspeichel“ oder „Hexenspucke“ bezeichnet.

Das Wiesen-Schaumkraut hat aber auch eine ganze Reihe von Volksnamen, die nicht gerade schmeichelhaft sind, zum Beispiel „Bettseicher“ oder „Schisgelte“.

Das Wiesen-Schaumkraut enthält als Inhaltsstoffe Senfölglykoside, Bitterstoffe und Vitamin C.

Zur Wirkung der Senföglykoside siehe auch:

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

In der Volksmedizin wird Wiesen-Schaumkraut gegen Rheuma und andere Schmerzzustände verwendet. Heilwirkungen sollen vor allem auf dem enthaltenen Vitamin C sowie den Senfölglykosiden beruhen, die insbesondere auf Niere und Leber anregend wirken. Es fehlen aber konkrete Belege für diese Wirkungen.

Die im Wiesen-Schaumkraut enthaltenen Wirkstoffe können in grösseren Mengen den Magen und die Nieren reizen, so dass man es mit der Einnahme nicht übertreiben sollte.

Die jungen Blätter, die vor der Blüte gesammelt werden, sowie die jungen Pflanzen sind essbar und schmecken wegen des enthaltenen Senfölglykosids ähnlich wie Kresse und leicht scharf. Sie werden daher auch ähnlich wie die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) genutzt und gerne in Salaten, in Kräutersuppen, als Gewürz für Quark und Frischkäse sowie in Saucen verwendet.

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Naturkunde: Was blüht gerade? – Schlehdorn / Schwarzdorn

Sonntag, April 1st, 2012

Jetzt im Frühling fällt er besonders auf: Der Schlehdorn ( = Schwarzdorn. Prunus spinosa). Seine Blüten erscheinen vor den Blättern, so steht er strahlend weiss in der Landschaft (Foto auf Wikipedia).

Der Schlehdorn ist eine Pflanzenart aus der Gattung Prunus, der zur Tribus der Steinobstgewächse (Amygdaleae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört.

Der Schwarzdorn gilt als Stammform der Kulturpflaume.

Weil die weißen Blüten des Schlehdorns bereits im März und April  lange vor dem Laubaustrieb erscheinen, lässt er sich in diesem Zeitraum leicht vom Weißdorn unterscheiden, dessen Blüten erst nach den Blättern gebildet werden.

Charakteristisch für die Schlehdornblüten ist ihr leichter Mandelduft. Die Innenseite des Blütenbechers sondert reichlich Nektar ab, so dass die Schlehe für viele Insekten im zeitigen Frühjahr eine wertvolle Nahrungsquelle darstellt. Der Schwarzdorn wird von Insekten bestäubt.

Später entwickelt sich eine kugelige, dunkelblau bis schwarze, stark bereifte Steinfrucht, die sehr sauer und herb schmeckt und erst nach einem Frost schmackhafter wird. Sie reift von Oktober bis November und verbleibt den Winter über am Strauch. Tiere, die den Samen der Frucht wieder ausscheiden, besorgen die Ausbreitung.

Schlehdorn – eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und Säugetiere

Die Schlehe gehört zu den wichtigsten Wildsträuchern für Tiere.

Schon in der ersten wärmenden Frühlingssonne finden Honigbienen, Wildbienen (z. B. Sandbienen, Mauerbienen, Kuckucksbienen, Hummeln, Schwebefliegen und zahlreiche andere Insekten in den Schlehdornblüten reichlich Nektar und Blütenstaub.

Einige früh im Jahr fliegende Schmetterlinge schätzen den energiereichen Nektar der Schlehe ebenfalls (Tagpfauenauge, C-Falter, Grosser Fuchs, Kleiner Fuchs).

Die später im Jahr erscheinenden Schlehdornblätter werden sogar von über 100 Schmetterlingsarten zur Eiablage genutzt, einige von ihnen sind sogar fast ausschliesslich auf Schlehdornblätter angewiesen. Von den Tagfaltern sind bekannte Beispiele der wunderschöne Segelfalter, der Baumweissling und mehrere Zipfelfaltern (Schlehenzipfelfalter, Birkenzipfelfalter, Pflaumenzipfelfalter). Von den Nachtfaltern nutzen die Schlehe unter anderem Schlehen-Grünwidderchen, Kupferglucke, Schlehenspinner, Silberspinner, Wollafter, Gelbes Ordensband, Kleines Nachtpfauenauge.

Neben 73 Kleinschmetterlingsarten wurden als ständige oder vorübergehende Gäste der Schlehe ermittelt: 23 Rüsselkäferarten, 15 Bockkäferarten, 14 Blattwespenarten, 7 Blattlausarten, 5 Wanzenarten.

Für die Früchte, Blätter und Triebe der Schlehe interessieren sich zudem bis zu 18 Säugetierarten.

Schwarzdornhecken bieten darüber hinaus ausgezeichnete Nistplätze für Vögel. Die Dornen wehren Räuber ab.

Bis zu 20 Vogelarten errichten als Buschbrüter im Schlehdorn ihr Nest – zum Beispiel Neuntöter, Dorngrasmücke, Zaungrasmücke, Gelbspötter. In der dichten Vegetation zu Füssen des Schlehdornstrauchs nisten Goldammer, Rotkehlchen, Rebhuhn.

Die Schlehdornfrüchte werden im Winter zum Beispiel gerne gefressen von Rotkehlchen, Kohlmeise, Kernbeisser, Fichtenkreuzschnabel, Amsel, Singdrossel, Misteldrossel, Wacholderdrossel.

Verwendung in der Volksmedizin

„Die Blüten, Rinde und Früchte wirken adstringierend (zusammenziehend), harntreibend, schwach abführend, fiebersenkend, magenstärkend und entzündungshemmend. Ein Blütenaufguss wird besonders bei Kindern bei Durchfallerkrankungen, bei Blasen- und Nierenproblemen und Magenbeschwerden eingesetzt. Schlehenelixier gilt als geeignetes Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten.“

(Quelle: Wikipedia)

Verwendung für Nahrungsmittel und Getränke

„Die Früchte können unreif wie Oliven eingelegt werden, reif zur Herstellung von Marmeladen, Fruchtsäften, Fruchtweinen und als Zusatz zu Likör (Sloe Gin, Schlehenfeuer), Branntwein (Schlehenbrand) und anderen Spirituosen verwendet werden. Schlehenwein ist ein Fruchtwein, der nur auf den Früchten des Schlehdorns basiert. In manchen Gegenden werden die Früchte auch in geringen Mengen dem Apfelwein zugesetzt, wodurch dieser aufgrund der Gerbstoffe in den Schlehenfrüchten einen etwas weinähnlicheren Charakter erhält.

Die Früchte werden erst nach dem ersten Frost am Strauch geerntet. Durch die Frosteinwirkung am Strauch wird ein Teil der bitter schmeckenden und adstringierend wirkenden Gerbstoffe in den Früchten enzymatisch abgebaut. Dabei sinkt der Gerbstoffgehalt im Fruchtsaft von ca. 10 g/l auf unter 5 g/l. Dieser Vorgang kann nicht durch Einfrieren der Früchte in der Tiefkühltruhe ausgelöst werden. Ein vollständiger Abbau der Gerbstoffe ist hingegen unerwünscht, da sie wesentlich zum Geschmack der Produkte beitragen.“

(Quelle: Wikipedia)

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Gartenpflanzen: Osterglocken giftig?

Samstag, März 31st, 2012

Die Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus), auch gelbe Narzisse oder Osterglöckchen (weil sie in der Regel um Ostern herum blüht), Falscher Narzissus, Trompeten-Narzisse, oder regional Märzenbecher genannt, ist die bekannteste Pflanzenart in der Gattung der Narzissen (Narcissus) innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae).

Foto siehe Wikipedia

Die Osterglocke ist als Wildform sehr selten geworden und geschützt. Als Zierpflanze ist sie seit dem Jahre 1500 in Kultur.

Die Blätter und Zwiebeln der Osterglocke sind sehr giftig.

In Gärten besteht deshalb Vergiftungsgefahr für Kinder und Haustiere. Weil Narzissenzwiebeln ähnlich aussehen wie Küchenzwiebeln, kann es zu Verwechslungen und Vergiftungen kommen. Die Pflanze enthält mehrere toxische Alkaloide. Am bekanntesten sind die giftigen Verbindungen Lycorin und Galantamin, welche auch in anderen Amaryllisgewächsen vorkommen. Galantamin ist der charakteristische Inhaltsstoff im Schneeglöckchen.

Zu Galantamin siehe auch:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Schneeglöckchen – eine Heilpflanze?

Galantamin hemmt die Cholinesterase und zeigt deshalb parasympathomimetische Wirkung. Lycorin hemmt die Eiweisssynthese, wirkt zelltoxisch und virustatisch, ausserdem brechreizerregend und harntreibend.

Vergiftungen mit Osterglocke können Symptome auslösen wie Speichelfluss, Erbrechen und Durchfall, später Lähmungen, Leberschäden, Kollaps und sogar Tod.

Die Oxalatkristalle der äusseren Zwiebelschalen oder der Blätter können bei Gärtnern Hautreizungen verursachen, die sogenannte Narzissen-Dermatitis.

Mit der Osterglocke ist also punkto Giftwirkung nicht zu spassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Naturkunde: Löwenzahn und Wildbienen

Freitag, März 30th, 2012

Jetzt im Frühling kann man auf den Blüten des Löwenzahns gut Wildbienen beobachten.

Ich weiss nicht genau warum das so ist, aber mir fallen im Frühling die Wildbienen auf dem Löwenzahn jedenfalls speziell auf.

In Deutschland, Österreich und die Schweiz leben rund 730 Wildbienenarten. Sie „hören“ auf so spezielle Namen wie Sandgängerbienen, Kurzhornbienen, Steppenglanzbienen, Sandbienen, Harzbienen, Wollbienen, Pelzbienen, Kraftbienen, Hummeln, Buntbienen, Keulhornbienen, Scherenbienen, Kegelbienen, Seidenbienen, Hosenbienen, Zweizahnbienen, Glanzbienen, Schmuckbienen, Filzbienen, Langhornbienen, Furchenbienen, Löcherbienen, Maskenbienen, Steinbienen, Schenkelbienen, Mörtelbienen, Blattschneiderbienen, Trauerbienen, Sägehornbienen, Schwebebienen, Wespenbienen, Schienenbienen, Steppenbienen, Mauerbienen, Scheinlappenbienen, Zottelbienen, Schmarotzerhummeln, Graubienen, Schlürfbienen, Blutbienen, Düsterbienen, Spiralhornbienen, Fleckenbienen, Holzbienen.

Und wohlverstanden: Jede dieser Bezeichnungen gilt einer Gattung, die ihrerseits eine grosse Anzahl von Wildbienenarten umfassen kann.

Gut 40 Jahre meines Lebens war mir gar nicht klar, dass es Wildbienen gibt. Seither staune ich jeden Sommer über die Vielfalt der Wildbienenarten.

Wie erkennt man Wildbienen?

Wildbienen sind nicht einfach verwilderte Honigbienen. Sie unterscheiden sich im Aussehen oft sehr deutlich von Honigbienen.

Ein erster Schritt zur Entdeckung von Wildbienen ist es darum, sich das Aussehen der Honigbiene gut einzuprägen. Dann ist es nicht mehr so schwer, Abweichungen zu bemerken – zum Beispiel bei den Besucherinnen der Löwenzahnblüten.

Auch Laien können sich ein gutes Stück weit mit diesem faszinierenden Gebiet vertraut machen und eine weitgehend unbekannte Welt entdecken.

Einen Einstieg bietet das Buch von Heiko Bellmann:

Heiko Bellmann: Bienen, Wespen, Ameisen, Kosmos Naturführer

Eine gute Einführung in die Wildbienenkunde findet sich auf Wikipedia.

Und wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Forsythien giftig?

Mittwoch, März 28th, 2012

Zur Zeit blühen gerade die Forsythien (Forsythia suspensa) in Parkanlagen und Gärten (Foto hier)

Der beliebte Zierstrauch wird in zahlreichen Abarten angepflanzt, stammt ursprünglich aus China und ist in Europa etwas seit gut 100 Jahren bekannt. Er wird manchmal auch Goldflieder, Goldweide oder Goldglöckchen genannt und gehört in die Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae).

Die Giftzentrale Bonn bezeichnet die Forsythie als „gering giftig“ (alle Pflanzenteile).

In  Blättern, Früchten und Samen sollen sich Saponine und Glykoside befinden, in den gelben Blüten Glykoside und ätherische Öle.

Der Verzehr größerer Mengen an Samen, Früchten, Blättern oder Blüten könne zu Unwohlsein mit Übelkeit, Bauchschmerzen und eventuell Durchfall führen.

In den Blüten der Forsythie hat es Flavonoide wie Rutin (ca. 1%) und Quercetin. Rutin ist in der Phytotherapie ein wichtiger Wirkstoff zur Linderung von Venenbeschwerden (venöse Ödeme). Dabei kommt aber in der Regel das Buchweizenkraut zur Anwendung. Da Buchweizenkraut viel mehr Rutin enthält (normalerweise 2-3%, in entsprechend kultivierten Sorten bis 8%) und in therapeutischen Dosen untoxisch ist, kommt die Forsytie hier nicht in Betracht. Allerdings soll die Forsytie laut dem “Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen” (Spektrum Verlag 1999) zur Gewinnung von Rutin verwendet werden. In der chinesischen und japanischen Volksheilkunde sollen die Früchte als Laxans (Abführmittel) und Diuretikum (Harntreibendes Mittel) eingesetzt werden.

In ökologischer Hinsicht ist die Forsythie nicht viel Wert, denn die meisten Sorten werden von Insekten gemieden. Wer also Ziersträucher pflanzen will, von denen auch Vögel und Insekten (Schmetterlinge, Bienen, Käfer…) profitieren, muss einheimische Sträucher vorziehen, z. B. Schwarzdorn, Weissdorn, Vogelbeerbaum, Salweide, Heckenkirsche, Hartriegel, Schneeball, Liguster, Berberitze…..

Aber eben: So schön leuchtend gelb wie die Forsythie blüht im Frühling halt kein einheimischer Strauch.

Wer mehr über die Natur lernen möchte, findet dazu viele Gelegenheiten auf meinen Alpenblumenkursen und Heilkräuterexkursionen. Orte und Daten finden Sie via  „Kurse“.

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Naturkunde: Was blüht gerade? – Scharbockskraut

Dienstag, März 27th, 2012

Zur Zeit blüht das Scharbockskraut mit seinen goldgelben Blütensternen.

Fotos finden Sie hier und hier.

Das Scharbockskraut (Ficaria verna, Syn.: Ranunculus ficaria L., = Feigwurz, = Frühlingsscharbockskraut) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Scharbockskraut ist ein Frühjahrsblüher. Sein Name leitet sich von Scharbock (Skorbut) ab. Seine Vitamin-C-haltigen Blätter sollen früher gegen diese Mangelerscheinung eingenommen worden sein.

Scharbockskraut ist hauptsächlich in Nordeuropa und Mitteleuropa beheimatet. Es wächst meist in feuchten Wiesen, Gebüschen, Hecken, Gärten, in Laubwäldern und an Laubwaldrändern. Dort bildet Scharbockskraut zumeist die erste grüne Bodenschicht (Krautschicht), noch bevor die Bäume ihre Blätter entwickeln.

In südlichen Gegenden sowie nach milden Wintern zeigt sich das Scharbockskraut schon Ende Februar; normalerweise jedoch gegen Ende März. Bereits im Mai beendet dieser „Frühjahrsgeophyt“ seinen Lebenszyklus bald nach der Blüte.

Ein botanischer Sprinter also.

Ähnlich wie der Bärlauch (Allium ursinum) und das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) zieht das Scharbockskraut anschliessend alle oberirdischen Teile der Pflanze unter die Erde zurück.

Scharbockskraut als Wildsalat / Wildgemüse vorsichtig nutzen:

„Scharbockskraut kann – mit Einschränkungen – als Nahrungsmittel verwendet werden. Der Verzehr der Pflanze, insbesondere der Wurzel und Brutknöllchen, kann zu Erbrechen und Durchfall führen. Unterschiedliche Angaben zur Giftigkeit sind auf saisonale Änderungen der Inhaltsstoffe und unterschiedliche Verträglichkeit bei verschiedenen Menschen zurückzuführen. Im Frühjahr, vor der Blütezeit, können die Blätter verzehrt werden. Die Blütenknospen werden ähnlich wie Kapern verwendet. Später im Jahr lassen sich Brutknöllchen und Wurzelknöllchen ernten.

Der giftige Inhaltsstoff Protoanemonin – ein fünfgliedriger Lactonring – bildet sich in höheren Konzentrationen erst nachdem die ersten Blüten erschienen sind. Faustregel für den Genuss der Pflanze ist daher: Vor der ersten Blüte gegebenenfalls in Maßen, nach Erscheinen der ersten Blüten nicht mehr genießen. In der Mehrheit der Kräuterbücher wird auf den hohen Vitamin-C-Gehalt der Pflanze hingewiesen.

Scharbockskraut gehörte früher zum Reiseproviant auf Seereisen und wurde von Seefahrern gegessen, die meist kein frisches Gemüse und Obst zu Verfügung hatten. Scharbockskraut enthält sehr viel Vitamin C und verhinderte dadurch Skorbut, eine Vitamin C-Mangelkranheit die Seefahrer früher auf ihren langen Reisen bedrohte. Der Name Scharbockskraut leitet sich von Scharbock ab, eine alte Bezeichnung für Skorbut.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Angabe, dass die Scharbockskrautblätter als Frühlingssalat nur vor der Blüte genutzt werden sollen, weil sich danach Giftstoffe bilden, findet sich auch in anderen Quellen, zum Beispiel in Siegfried Schlosser / Lutz Reichhoff / Peter Hanelt: „Wildblumen Mitteleuropas – Nutzung und Schutz“ (Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin 1991).

Der Hinweis auf den hohen Gehalt an Vitamin C findet sich häufig, doch sind mir bisher keine konkreten Angeben dazu unter die Augen gekommen.

Bei Hahnenfussgewächsen halte ich generell eine gewisse Vorsicht bezüglich dem Konsum als Wildsalat / Wildgemüse für angebracht.

In dieser Pflanzenfamilie gibt es sehr starke Giftpflanzen wie Eisenhut (Aconitum) mit dem Alkaloid Aconitin.

Nach Wikipedia enthalten alle Hahnenfussgewächse das giftige Protoanemonin. Gemäss „Giftpflanzen“ von Dietrich Frohne und Hans Jürgen Pfländer (1997) ist Protoanemonin vor allem enthalten in den Gattungen

- Ranunculus (Hahnenfuss),

- Anemone (Windröschen, z B. Buschwindröschen, Leberblümchen),

- Pulsatilla (Kuhschelle, Küchenschelle)

- Clematis (Waldreben)

- Helleborus (Nieswurz; z. B. Christrose, Schwarzer Nieswurz)

Beim Trocken der Pflanzen wird Protoanemonin allerdings in ungiftiges Anemonin übergeführt.

Aber im Moment gerade würde ich empfehlen, sich an den glänzend gelben Blütensternen des Scharbockkrautes zu erfreuen. Man muss ja auch nicht immer alles gleich essen….

Und wenn Sie die Natur im Jahreslauf kennen lernen möchten, kommen Sie doch einfach mit auf eine meiner Heilpflanzen-, Alpenblumen-, Natur- oder Kräuterexkursionen. Die Daten finden Sie oben unter „Kurse“.

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