Archive for the ‘Gesundheitliches’ Category

Pfeffer-Inhaltsstoff Piperin hemmt Bildung von Fettzellen

Dienstag, Mai 8th, 2012

Wissenschaftler erforschen den schlank machenden Effekt von Pfeffer. Der Pfeffer-Inhaltsstoff Piperin gibt dem Pfeffer seine charakteristische Würze und unterdrückt gleichzeitig die Neubildung von Fettzellen im Organismus. Diese Wirkung konnten nun koreanische Wissenschaftler durch Laboruntersuchungen zeigen. Piperin soll die Aktivität von Erbanlagen blockieren, die der Neubildung von Fettzellen dienen.

Wissenschaftler um Ui-Hyun Park von der Sejong University in Seoul führten Untersuchungen an Kulturen von menschlichen Zellen durch, aus denen sich Fettzellen entwickeln können. Diese Vorläuferzellen regten die Forscher durch bestimmte Kulturbedingungen zur Bildung von Fettzellen an und erfassten dabei die Gene, die bei diesem Vorgang aktiv waren. Das gleiche Experiment führten die Forscher anschließend noch einmal mit Zellkulturen durch, die auf einem Medium wuchsen, das unterschiedliche Mengen von Piperin enthielt. Die Resultate beider Experimente wurden dann verglichen.

Dabei zeigte sich, dass die Fett-Vorläuferzellen unter der Einwirkung von Piperin weniger ausgewachsene Fettzellen bildeten als ohne den Wirkstoff. Die Analysen zeigten zudem, dass die mit Piperin behandelten Zellen weniger Fett aus dem Kulturmedium aufgenommen hatten. Der Vergleich der Resultate der genetischen Untersuchungen deckte zudem auf, was hinter diesen Effekten steckte: Die Behandlung mit Piperin hatte die Aktivität zahlreicher verschiedener Gene blockiert, die im Zusammenhang mit der Entwicklung zu Fettzellen stehen.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Resultate zur Entwicklung von Arzneimitteln beitragen, die durch die Wirkung von Piperin Übergewicht bekämpfen können oder sich günstig auf Stoffwechselerkrankungen auswirken.

Quelle:

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/315456.html

PLoS ONE, doi:10.1021/jf204514a: http://pubs.acs.org/stoken/presspac/presspac/full/10.1021/jf204514a

Kommentar & Ergänzung:

Piperin löst die eigentümliche Geschmacksqualität „brennend“ aus. Sie kommt zustande durch Reizung von Thermorezeptoren und Schmerzrezeptoren, das heisst, es gibt keine eigenen Geschmacksrezeptoren  für eine Geschmacksqualität „brennender Geschmack“, vergleichbar mit den vier Geschmacksqualitäten bitter, salzig, süss und sauer.

Wird Pfeffer als Gewürz verwendet, kommt es auf reflektorischem Weg von der Mundschleimhaut aus zu Magensaftsekretion.

Piperin wirkt insektizid. Stubenfliegen sollen gegenüber Piperin sogar empfindlicher sein als gegenüber Pyrethrum (nach: Pharmakognosie, Phytopharmazie)

Ob und wie sich das im Haushalt konkret nutzen lässt, ist mir allerdings nicht bekannt.

Die Ergebnisse der Universität Sejong bezüglich Hemmung der Bildung von Fettzellen durch Piperin sind natürlich interessant, doch stellt sich bei solchen Laborexperimenten stets die Frage, ob und wie weit sie auf die Anwendung im menschlichen Organismus übertragbar sind. Vielleicht wären für diesen Effekt ja Pfefferdosen nötig, die weit jenseits der Menge liegen, die man realistischerweise in die Ernährung integrieren kann.

Ähnliche Fragezeichen gelten auch für Capsaicin aus Chili (als Fatburner vor allem via Internet propagiert).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Soja reduziert Hitzewallungen in den Wechseljahren

Montag, Mai 7th, 2012

Frauen, die rund um die Wechseljahre (Klimakterium) zweimal pro Tag Soja konsumieren, können damit offenbar die Häufigkeit und das Ausmaß der Hitzewallungen lindern. Zumindest um ein Viertel gehe das charakteristische Menopause-Symptom auf diese Weise zurück, berichten Wissenschaftler der University of Delaware in der Fachzeitschrift “Menopause”.

Die Wissenschaftler um Melissa Melby werteten 19 Studien mit total 1.200 Frauen aus, die bisher zur Auswirkung von Soja auf die Wechseljahre durchgeführt wurden. Kombiniere man alle bisherigen Untersuchungen, ergebe sich ein positiver Effekt, resümiert die Studienleiterin. Ein spezielles  Augenmerk wurde auf die im Soja enthaltenen Isoflavone gelegt. Diese Pflanzenstoffe sollen eine milde, Östrogen-ähnliche Wirkung entfalten. In jedem Gramm Sojaprotein von Sojabohnen sowie auch zahlreicher Sojaprodukte sind 3,5 Milligramm Isoflavone enthalten. Daneben gibt es auch Nahrungsergänzungsmittel speziell mit dieser Substanz.

Bei Frauen, die über sechs Wochen oder länger täglich 54 Milligramm davon zu sich nahmen, zeigten sich um 20 Prozent weniger Hitzewallungen und ein Rückgang des Schweregrades um 26 Prozent. Da diese Resultate stets im Vergleich zu einem Placebo-Präparat gemessen wurde, dürfte der endgültige Effekt noch höher liegen.

Bei längerfristiger Einnahme zeigten die Soja-Isoflavone in den Studien noch eine deutlich stärkere Wirkung. Aufmerksam auf das Thema Soja und Isoflavone wurde die Forschung, weil Japanerinnen im Klimakterium kaum Hitzewallungen entwickeln: Sojaprodukte begleiten in Japan bereits im Mutterleib und über die gesamte Lebensspanne den Alltag. Wenn man mit 50 Jahren nie Soja gegessen habe, sei es jedoch noch nicht zu spät. Zwar steige die Wirkung der Isoflavone mit der Dauer ihrer Einnahme. Die Forscher sind aber überzeugt, dass sie auch bei spätem Beginn noch helfen.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=37190

http://www.udel.edu/udaily/2012/apr/melby-soy-menopause-040412.html

Kommentar & Ergänzung:

Zur Frage der Wirksamkeit von Sojaprodukten gegen Wallungen in den Wechseljahren gibt es verwirrend gegensätzliche Resultate und Stellungsnahmen.

Siehe auch:

Wechseljahre: keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Soja: Keine Wirkung gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Allerdings hat eine Metaanalyse, also die Auswertung aller geeigneten Studien zu einem bestimmten Thema, wie sie offenbar das Team der Universität Delaware gemacht hat, mehr Gewicht als eine Einzelstudie. Sofern sie gut gemacht wurde und die Studien, auf die sie sich stützt, von guter Qualität sind.

Interessant ist die Bemerkung, dass Japanerinnen, die von Kindheit an regelmässig Soja konsumieren, möglicherweise mehr profitieren als Frauen in Europa und Amerika, die erst in den Wechseljahren mit der Sojaeinnahme beginnen.

Ein Erklärungsversuch für dieses Phänomen würde mich interessieren.

Eine ähnliche Frage stellt sich bei der Brustkrebs-Prävention.

Japanerinnen erkranken offenbar seltener an Brustkrebs, wofür häufig der höhere Sojakonsum verantwortlich gemacht wird (Japanerinnen unterscheiden sich aber noch an vielen weiteren Punkten ihres Lebensstils von Europäerinnen!).

Falls Soja tatsächlich kausal für die tieferen Brustkrebsraten in Japan verantwortlich eine sollte, könnte es auch sein, dass dieser Schutzeffekt schon und vor allem in jungen Jahren relevant ist. Dann wäre es nicht mehr sinnvoll, wenn eine 50 jährige Sojaprodukte isst mit der Erwartung einer Brustkrebs-präventiven Wirkung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wie giftig ist Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem

Mittwoch, Mai 2nd, 2012

Vor kurzem wurde ich an einem Vortrag gefragt, wie giftig der Doldige Milchstern sei und ob die daraus hergestellten Bach-Blütentropfen bedenkenlos eingenommen werden könnten.

Der Doldige Milchstern (Ornithogalum umbellatum) enthält insbesondere in der Zwiebel zahlreiche Cardenolide. Das dominierende Glykosid, mit 0,04% in der getrockneten Zwiebel, ist Convallatoxin, welches auch im Maiglöckchen (Convallaria majalis) zu finden ist und auf das Herz wirkt.

Doldiger Milchstern (Foto auf Wikipedia) ist daher als Giftpflanze zu betrachten.

Als Bach-Blütenessenz Star of Bethlehem (Stern von Bethlehem) wird Doldiger Milchstern gegen Nachwirkungen eines Schocks empfohlen.

Da Bachblüten keine Wirkstoffe enthalten sind keine unerwünschten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu befürchten. Allerdings gibt es auch keine fundierten Hinweise auf eine spezifische Wirkung gegen „Schock“.

Der Begriff Schock ist in diesem Zusammenhang im übrigen irreführend. Er „bezeichnet in der Medizin ein lebensbedrohliches Zustandsbild, bei dem die Blutzirkulation in den Kapillaren vermindert ist. Als Folge treten eine Sauerstoffunterversorgung der Gewebe und in letzter Konsequenz Stoffwechselstörungen auf.

Ursache ist eine absolute oder relative Verminderung des zirkulierenden Blutes. Ersteres tritt nach Blut- oder Flüssigkeitsverlust auf, letzteres bei einem Versagen der Kreislaufregulation in der Körperperipherie, etwa bei Blutvergiftung oder allergischen Reaktionen vom Soforttyp (Anaphylaxie). Auch wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut in die Peripherie zu pumpen, kann es zum Schock kommen.

Die Folgen einer extremen psychischen Belastung werden im Gegensatz zur Umgangssprache in der medizinischen Fachsprache nicht als Schock bezeichnet, sondern als Akute Belastungsreaktion.“

(Quelle: Wikipedia)

Im Umfeld der Bach-Blüten wird unter Schock eher ein Schreck verstanden oder ein Psychotrauma. Solche Reaktionen klingen typischerweise nach der akuten Phase von selbst wieder ab. Jedes Heilmittel, das in dieser Phase zur Anwendung kommt, wird daher eine grosse Erfolgsquote haben, einfach wegen dem natürlichen Verlauf der Dinge. Rechnet man mit dem Placeboeffekt und dem spontanen Verlauf einer Schreckreaktion, so ist die Wirksamkeit der angewendeten Heilmittel ohne Doppelblindstudie nicht beurteilbar.

Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem ist Bestandteil der Bachblüten-Notfalltropfen (zusammen mit Rock Rose, Impatiens, Cerry Plum, Clematis).

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Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Montag, April 30th, 2012

Der regelmäßige Konsum von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren war in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit besseren kognitiven Leistungen in Alter verbunden. Die Wissenschaftler erklären diesen Effekt in den Annals of Neurology (2012; doi: 10.1002/ana.23594) mit dem Gehalt an Anthocyanen und Flavonoiden.

Flavonoide sind Farbstoffe, die in Blüten und Früchten Insekten und Vögel anlocken. Sie schützen ausserdem die Pflanzen vor UV-Licht und einer Oxidation. Besonders kräftig färben die Anthocyane, welche für die dunkelblaue bis schwarze Farbe vieler Beeren verantwortlich sind. Diese Inhaltsstoffe der Beeren gelangen nach dem Konsum ins Blut. Ernährungswissenschaftler schreiben den Anthocyanen seit längerem eine gesundheitsfördernde Wirkung zu, was sich aber schwer beweisen lässt.

Hinweise auf eine gesundheitsfördernde Wirkung der Anthocyane geben  neben tierexperimentellen Studien immer wieder die Ergebnisse von prospektiven Beobachtungsstudien. Eine der größten Studien dieser Art sind die Nurses’ Health Studies. Seit 1976 befragen Wissenschaftler der Harvard Universität in Boston mehr als 120.000 Krankenschwestern regelmäßig nach deren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, um den Einfluss auf die Gesundheit zu untersuchen. Von 1995 bis 2001 wurden bei 16.010 älteren Krankenschwestern ausführlichen kognitiven Tests durchgeführt.

Die Harvard-Wissenschaftlerin Elizabeth Devore und Mitarbeiter haben die Testresultate jetzt mit den früheren Angaben zur Ernährung in Beziehung gesetzt. Sie fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren zum kognitiven Abbau im Alter. Frauen, die diese Beeren häufiger konsumiert hatten, zeichneten sich durch eine höhere geistige Regsamkeit aus. Devore geht von einer Verzögerung des normalen Alterungsprozesses im Bereich des kognitiven Abbaus um 1,5 bis 2,5 Jahre aus. Ein ähnlicher Zusammenhang bestand mit der errechneten Zufuhr von Flavonoiden und Anthocyanen.

Für Devore ist der Konsum von Beeren eine einfach umzusetzende Empfehlung, die kaum schaden kann. Die etwaigen günstigen Wirkungen könnten angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung kaum unterschätzt werden, findet die Wissenschaftlerin.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50009/Beeren-halten-das-Gehirn-jung

Kommentar & Ergänzung:

Vorbildlich weißt das Aerzteblatt auf die kritischen Punkte dieser Studie hin:

„Wie immer bei Beobachtungsstudien ist eine kausale Zuordnung nicht eindeutig möglich. So ist vorstellbar, dass die höhere kognitive Kompetenz bei den Frauen die Einsicht in die Vorteile einer gesünderen Lebensweise gefördert hat. Dazu könnten neben dem Verzehr von Beeren noch andere Lebensstilfaktoren gehören, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, die geistigen Funktionen im Alter zu erhalten.“

Weitere Informationen zu Wirkungen der Anthocyane:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündunghemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

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Hautkrebs-Risiko durch Solarium-Besuche wird unterschätzt

Sonntag, April 29th, 2012

Jährlich erkranken in Deutschland 224.000 Menschen neu an Hautkrebs, 26.000 davon am besonders gefährlichen malignen Melanom. Der so genannte „schwarze“ Hautkrebs wird zunehmend bei jüngeren Menschen diagnostiziert, vor allem bei Frauen. Fachleute machen häufige Solarienbesuche für diesen Trend verantwortlich. Die Gefahr, durch regelmäßige Solariengänge an einem malignen Melanom zu erkranken, ist bedeutend höher, als bisher angenommen wurde.

Das Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken, steige auf fast 200 Prozent, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden, erklärte Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Zu diesem Resultat kommt eine Studie französischer und italienischer Wissenschaftler, die am 23. April 2012 im Rahmen des internationalen EUROSKIN-Workshops ‘Health Risks of Sunbed Use – Needs, Regulations and Perspectives’ in Berlin präsentiert wurde.

Das Mannheimer Institut für Public Health (MIPH) der Universität Heidelberg hat mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Krebshilfe 4.800 Bundesbürger zu ihren Solarien-Nutzungsgewohnheiten befragt. Die ‘SUN STUDY 2012 hat gezeigt, dass Menschen unter 36 Jahren sich besonders oft künstlich bräunen. Gegenwärtig nutzen etwa 3,5 Millionen unter 36-Jährige Deutsche Sonnenbänke. Bei den Solariengängern konnte eine typische ‘Viel-Nutzer-Gruppe’ identifiziert werden, die entsprechend besonders gefährdet ist: Es sind Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Frauen dieser Altersgruppe besuchen etwa doppelt so häufig die Sonnenbank wie Männer. Ein weiteres Resultat ist besonders schockierend: Etwa 167.000 der derzeitigen Solariennutzer sind minderjährig. Nach geltendem Recht  sind die Betreiber in Deutschland verpflichtet, Jugendlichen den Zugang zu Solariengeräten zu verbieten.

Quelle: www.krebshilfe.de

Kommentar & Ergänzung:

Wenn tatsächlich ein so grosser Anteil der regelmässigen Solarium-BesucherInnen noch in jungem Alter ist, könnten noch drastische Steigerungen der Hautkrebs-Erkrankungsraten auf uns zukommen.

Gebräunte Haut scheint ein ziemlich riskantes Schönheitsideal zu sein.

Ich bin oft in China unterwegs und treffe dort mehrheitlich auf ein gegenteiliges Ideal, wonach braun werden nicht als attraktiv gilt.

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Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Samstag, April 28th, 2012

Getränke und Früchte wie Tee, Äpfel, Erdbeeren, Heidelbeeren, Rotwein, Orangen sowie Orangensaft haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind reich an Flavonoiden. Wer viel davon konsumiert, reduziert laut den Resultaten einer Studie sein Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Hauptsächlich Beeren sollen vor der Degeneration des extrapyramidal-motorischen Systems schützen.

Eine Wissenschaftlergruppe der Harvard Medical School in Boston hat für ihre Studie zum Einfluss von Flavonoiden auf das Parkinsonrisiko die Daten von 49.281 Männern aus der Health Professional Follow-up Study und von 80.336 Frauen aus der Nursesʼ Health Study untersucht. Während der 20- bis 22-jährigen Nachbeobachtungszeit erkrankten 805 Teilnehmer – 438 Männer und 367 Frauen – an Morbus Parkinson.

Die Forscher teilten die Teilnehmer der Studien in fünf Gruppen ein: weniger als eine Portion flavonoidreiche Nahrung monatlich, eine bis drei Portionen pro Monat, eine Portion wöchentlich, zwei bis drei Portionen pro Woche oder mehr als fünf Portionen pro Woche. Eine solche Portion umfasste beispielsweise etwa 120 g Beeren. Die Gesamtaufnahme an Flavonoiden lag zwischen etwa 100 mg pro Tag in der Gruppe mit dem tiefsten und etwa 600–800 mg pro Tag in der Gruppe mit dem höchsten Konsum.

Schutzeffekt durch Anthocyane

Männer aus der Gruppe mit der höchsten Flavonoidaufnahme hatten verglichen mit Männern aus der tiefsten Gruppe ein rund 40% niedrigeres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Bei Frauen konnte ein solcher Effekt nicht festgestellt werden. Ein differenzierteres Bild ergab die Betrachtung der einzelnen Nahrungsmittel. Beeren, die reich an Anthocyanen sind – in der Studie Erdbeeren und Heidelbeeren – hatten eine Schutzwirkung bei Männern und Frauen. Das Risiko für Morbus Parkinson sank um mehr als 20%. Äpfel schützten Männer (46% tieferes Risiko), jedoch nicht Frauen vor einer Parkinsondiagnose zu erhalten. Tee, Rotwein, Orangen und Orangensaft zeigten keine Wirkung.

Ob die tiefere Rate von Parkinsonerkrankungen wirklich den Flavonoiden zuzurechnen ist, lässt sich allerdings nicht mit Gewissheit sagen. Zuverlässige Biomarker, die Auskunft über die tatsächliche Aufnahme von Flavonoiden geben könnten, existieren nicht. Berücksichtigt werden muss zudem, dass die Flavonoide nach der Resorption im Verlaufe von Stoffwechselprozessen erheblich verändert werden. Die Harvardwissenschaftler wollen deshalb nicht ausschließen, dass der Schutz vor Parkinson durch die Flavonoide, sondern durch andere Bestandteile pflanzlicher Nahrung ausgelöst wird.

Quellen:

http://www.springermedizin.de/schuetzen-beeren-vor-parkinson/2878808.html

Autor: Dr. Robert Bublak,

basierend auf Gao X et al. Habitual intake of dietary flavonoids and risk of Parkinson disease. Neurology 2012; DOI: 10.1212/WNL.0b013e31824f7fc4

http://www.neurology.org/content/78/15/1138.abstract?etoc

Kommentar & Ergänzung:

Wie immer bei solchen Beobachtungsstudien lässt sich daraus kein kausaler Zusammenhang belegen. So wäre es beispielsweise möglich, dass verbunden mit dem höheren Beerenkonsum noch andere Lebensstilfaktoren vorkommen, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, das Parkinson-Risiko zu senken.

Aber auch wenn dieser Zusammenhang so nicht mit Gewissheit belegt ist: Beeren sind sicherlich ein gesunder Bestandteil der Ernährung.

Siehe auch:

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugend durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

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China: Widerstand gegen Entnahme von Bärengalle steigt

Freitag, April 27th, 2012

In der traditionellen chinesischen Medizin gilt die Galle von Bären als Heilmittel. Um an das “flüssige Gold” zu gelangen, werden die Bären grausam gequält. Jetzt allerdings regt sich laut einer Studie Kritik an der schmerzhafte Prozedur.

In China werden etwa 10.000 Bären für die traditionelle chinesische Medizin gequält. Zahlreiche Menschen halten die flüssige Bärengalle für ein wahres Wundermittel, doch nun rege sich Widerstand gegen die brutalen Praktiken an den Bären. wie ein Forscher-Team um Qiang Weng von der Universität für Forstwirtschaft in Peking im Fachblatt “Nature” schreibt.

Mit einer Nadel ziehen die Mitarbeiter spezieller Bären-Farmen die Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase der lebendigen Bären. “Eine schmerzhafte und erschreckende Prozedur”, schreiben die Forscher in dem Artikel. Die begehrte Substanz kann mittlerweile auch künstlich im Labor produziert werden – zahlreiche Reiche wollen dennoch das echte “flüssige Gold”. Für einige Hersteller sei das Motivation genug, die Tierquälerei weiterhin aufrecht zu erhalten.

Die Tierschutzorganisation Animal Asia Foundation kämpft den Wissenschaftlern zufolge seit zehn Jahren gegen das Geschäft mit dem Gallensaft der Bären und bekommt jetzt starke öffentliche Rückendeckung. Das Forscher-Team verlangt in seinem Artikel, China müsse Ersatzprodukte stärker bewerben und die Bevölkerung besser aufklären. Außerdem solle ein Tierschutzgesetz erlassen werden, das eventuell sogar die Bären-Farmen untersage.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Chinas-Baeren-leiden-Hoellenqualen-article6117816.html

Kommentar & Ergänzung:

Bärengalle zählt zur ursprünglichen traditionellen chinesischen Medizin. Man muss sich klarmachen, dass die Traditionelle Chinesische Medizin, wie wir sie im Westen kennen, ein ziemlich junges Exportprodukt ist, das auf westliche Bedürfnisse hin zugeschnitten wurde. Die originale chinesische Medizin  hat zum Beispiel auch über zwei Jahrtausende ein sehr kriegerisches Vokabular verwendet, das im Exportprodukt TCM fehlt, in China jedoch durchaus noch im Gebrauch ist.

Ich bin selber häufig in China unterwegs und immer wieder erstaunt über die sehr unterschiedliche Sichtweise auf die traditionelle chinesische Medizin in China und im Westen.

Dass in China nun der Widerstand gegen diese Tierquälerei mit der Bärengalle zunimmt, ist sehr zu begrüssen.

Auch Tradition muss sich in Frage stellen lassen. Tradition hat nicht fraglos Recht. Das gilt natürlich für alle Arten und Methoden der Heilkunde.

Siehe auch:

China: Kritik an geplantem Börsengang einer Bärengalle-Produktionsfirma

Vietnam gegen Geschäft mit Bärengalle

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

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Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Donnerstag, April 26th, 2012

Millionen Menschen auf der ganzen Erde sind betroffen von Demenzkrankheiten. Wie eine Studie aus den USA nun zeigt, vermindern tägliche körperliche Übungen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken: Dies gilt sogar noch bei Menschen über 80 Jahre, und es genügen bereits einfache Tätigkeiten.

In ihrer Studie erfassten die Wissenschaftler des Rush University Medical Center in Chicago zehn Tage pausenlos die körperlichen Aktivitäten von 716 Senioren im Durchschnittsalter von 82 Jahren mit einem speziellen Gerät am Handgelenk.

Keiner der Probanden litt zu diesem Zeitpunkt an einer Demenzerkrankung. Zudem gaben die Teilnehmenden regelmäßig selbst Auskunft über ihre körperlichen und sozialen Aktivitäten.

Bereits Kochen und Waschen wirken günstig

In den folgenden dreieinhalb Jahren erkrankten 71 Probanden an Alzheimer. Diejenigen zehn Prozent der Studienteilnehmer, die körperlich am inaktivsten waren, erkrankten der Studie zufolge 2,3-mal häufiger als die aktivsten zehn Prozent. Und unter denjenigen Teilnehmenden, deren Bewegungsintensität am niedrigsten war, lag das Alzheimer-Risiko 2,8-mal so hoch wie in der Spitzengruppe der bewegungsintensivsten Probanden.

Die Studie zeige, dass nicht nur Übungen, sondern auch Aktivitäten wie Kochen, Waschen und Putzen mit einem geringeren Alzheimerrisiko in Zusammenhang stehen, erklärte Studienautor Aron S. Buchman in einer Mitteilung.

Auch ältere Menschen, die nicht mehr zu sportlichen Übungen fähig sind, können daher von einem aktiven Lebensstil profitieren. Publiziert wurde die Studie in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift “Neurology” der American Academy of Neurology.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1697529/

Kommentar & Ergänzung:

Mit völliger Sicherheit lässt sich mit dieser Art von Studie ein Zusammenhang nicht belegen.

Es könnte auch ein unbekannter Faktor für die Resultate verantwortlich sein.

Beispielsweise wäre es auch möglich, dass nachmalige Alzheimer-Patienten sich im Vorstadium der Krankheit wegen der sich anbahnenden (aber noch nicht diagnostizierten) Krankheit weniger bewegen. Dann wäre der Zusammenhang nicht so wie in diesem Beitrag dargestellt (Bewegungsmangel fördert Alzheimer) sondern umgekehrt (Sich anbahnende Alzheimer-Erkrankung fördert Bewegungsmangel).

Ich will damit nur festhalten, dass man Studien dieser Art nie als beweisend für bestimmte Zusammenhänge betrachten sollte.

Dass Bewegung im Frühstadium von Alzheimer eine günstige Wirkung hat, halte ich für plausibel.

Siehe:

Naturheilkunde: Spazierengehen bessert Gedächtnisschwäche

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Omega-3-Fettsäuren aus Krill-Öl

Freitag, April 20th, 2012

Unter dem Begriff Krill werden zahlreiche kleine Krebstiere zusammengefasst, welche hauptsächlich in den kalten Gewässern der Antarktis leben. Das in Nahrungsergänzungsmitteln vermarktete Neptune Krill-Öl® (NKO®) wird durch ein patentiertes Extraktionsverfahren der Firma Neptune (Quebec, Kanada) aus der Krill-Art Euphausia superba gewonnen.

Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren ist etwas tiefer als im Fischöl. Der überwiegende Teil dieser Omega-3-Fettsäuren liegt allerdings in Form von Phospholipiden vor, was die Bioverfügbarkeit zu verbessern scheint. Krill-Öl unterscheidet sich vom Fischöl auch im Gehalt an Astaxanthin, einem Carotinoid-Antioxidans mit vermutlich entzündungshemmenden Eigenschaften.

Laut Pharmavista-Newsletter wurden für folgende Anwendungsbereiche Studien mit NKO® durchgeführt:

„_Prämenstruelles Syndrom und Dysmenorrhoe: 70 Frauen im gebärfähigen Alter konsumierten entweder 2g NKO® oder Fischöl (mit 18% EPA und 12% DHA) während des ersten Monats der Studie, danach während des zweiten und dritten Monats täglich 2g für 8 Tage vor der Menstruation und 2 Tage während der Menstruation. Die Resultate weisen auf eine bessere Wirksamkeit des Krill-Öls hin.

_Chronische Entzündung: In einer klinischen Studie wurden 90 Probanden mit kardiovaskulären Erkrankungen, rheumatoider Arthritis und Arthrose sowie Anzeichen einer chronischen Entzündung (erhöhte Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (CRP)) 300 mg NKO®/Tag oder 300 mg Placebo verabreicht. Nach 30 Tagen war die Konzentration des CRP in der Krill-Öl Gruppe um ca 30% gesunken, in der Placebo Gruppe hingegen gestiegen.

_Hypercholesterinämie: In einer 3monatigen Studie konnte eine Abnahme des Cholesterinspiegels nach Einnahme von 1 bis 3g Krill-Öl/Tag gezeigt werden.“

Zu möglichen Nebenwirkungen des Krillöls schreibt der Pharmavista-Newsletter:

„Als mögliche Nebenwirkungen können Erbrechen und Durchfall auftreten. Vorsicht ist geboten bei antikoagulierten Patienten, da Omega-3-Fettsäuren die Blutungszeit verlängern können. Krill-Öl sollte nicht von Personen mit Allergien gegen Meeresfrüchte eingenommen werden.“

Der Pharmavista-Newsletter zieht den Schluss, dass diese ersten Studien zwar vielversprechende Resultate zeigen, dass diese aber noch durch weitere Studien bestätigt werden müssen.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4575&NMID=4575&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Krillöl wird in der Schweiz in Form von Kapseln gehandelt (z.B. Novakrill®, Alpinamed® Krill Oil). Diese Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und nicht als registrierte Arzneimittel. Deshalb dürfen auf den Packungen keine Heilwirkungen und Indiktionen aufgeführt werden.

Krillöl ist wesentlich teurer als Fischöl und daher stellt sich die Frage, ob es auch entsprechend wirksamer ist.

Ein kritischer Punkt ist die Frage nach der Unabhängigkeit der oben erwähnten Studien.

Auf enutrio.de wurde 2007 ein interessanter Beitrag zum Thema Krillöl publiziert, der diesen Punkt unter die Lupe nimmt. Bei der erwähnten Studie zum Prämenstruellen Syndrom (PMS) beispielsweise fungiert als Studienleiterin Dr. Tina Sampalis. Sie ist Vizepräsidentin für Forschung und Entwicklung der Neptune Technologies, einer Firma, die Krillöl-Produkte produziert. Das bedeutet noch nicht, dass die Ergebnisse einer solchen Studie wertlos sind, aber es rechtfertigt einen besonders kritischen Blick. Siehe auch: http://www.enutrio.de/krill-oel/

Einen zusammenfassenden Kommentar zur Studienlage gibt esowatch:

„Es gibt derzeit nur sehr wenige Studien zur Wirksamkeit von Krillöl gegen entzündliche Vorgänge. Zu diesen Studien kann zusammenfassen ausgesagt werden:

Krillöl wird besser resorbiert als Fischöl, allerdings nur bei Patienten mit Fettresorptionsstörungen. Bei der Behandlung des Prämenstruellen Syndroms (PMS) scheint Krillöl gute Wirkung zu zeigen, es kann ebenso effektiv die Blutfette bei vorbelasteten Patienten positiv beeinflussen und schneidet diesbezüglich im Vergleich zu Fischölkapseln besser ab. Krillöl ist im Vergleich zu Fischöl zwar ein wirkungsvolleres Antioxidans, als Anti Aging-Mittel schneiden aber Trockenpflaumen, Rosinen und eine Vielzahl weiterer, sehr preiswerter Lebensmittel sehr viel besser ab.

Die Wirkung von Krillöl als Entzündungshemmer mit dem möglichen Einsatzgebiet Arthritis ist wissenschaftlich nicht belegt. Allerdings haben Krillöl (und Fischöl) aufgrund ihres Omega-3 Gehalts bestimmt Einfluss auf Entzündungsvorgänge. Eine vergleichende und unabhängige Studie existiert allerdings bis jetzt nicht.

Die bisherigen Studienergebnisse zeigen, dass eine Supplementation von Krillöl hauptsächlich bei Personen mit Fettresorptionsstörungen zu empfehlen ist, auch bei Patienten mit gestörten Blutfetten oder Frauen mit PMS ist es einen Versuch wert. All diese Personen sind jedoch bereits krank. Für den krankheitspräventiven Einsatz bei gesunden Menschen, etwa gegen Krebs oder Alterserscheinungen, ist die Supplementation von Krillöl wenig sinnvoll, vor allem in Anbetracht des Preis-Leistungsverhältnisses. 100 Kapseln á 500 mg Neptune Krillöl kosten derzeit ca. 90€ zzgl. Versandkosten.“

Quelle: Esowatch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Hoodia als fragwürdiger Appetitzügler

Freitag, April 20th, 2012

Die kaktusähnliche Hoodia-Pflanze wird im Internet als ultimatives Schlankheitsmittel vermarktet. Dabei werden fragwürdige und problematische Aspekte konsequent ausgeblendet.

Kritische Fragen sind aber nötig zur Wirksamkeit, zur Sicherheit, zur Nachhaltigkeit der Hoodia-Ernte und zum Aspekt der „Biopiraterie“.

Hoodia gordonii (Asclepiadaceae) wächst in weiten Teilen Südafrikas. Hirten in Südafrika und Namibia benutzen die Triebe von Hoodia-Arten traditionell als Appetitzügler und Durststiller.

Wie zahlreiche andere Asclepiadaceen enthalten Hoodia-Arten Herzglykoside oder biochemisch verwandte Substanzen, z.B. Pregnanderivate. Der Hauptwirkstoff in Hoodia ist ein als P57 bekanntes Pregnanglykosid, das dem Körper einen schon ausreichend hohen Blutzuckerspiegel vortäuscht.

Die schmale Basis, auf welcher sich die Hoodia-Propaganda bewegt, fass der neueste Pharmavista-Newsletter zusammen:

„Im Tierversuch zeigte P57 starke appetitzügelnde Effekte. Gemäss Literaturangaben scheint die appetitmindernde Wirkung bei kontinuierlicher Einnahme einer Standarddosis bereits nach acht Tagen nicht mehr spürbar zu sein.

In einer kleinen randomisierten Studie am Menschen konnte jedoch weder für den standardisierten Hoodiaextrakt noch für Placebo ein signifikanter Effekt auf Energiezufuhr und Körpergewicht festgestellt werden… Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit oder Erbrechen traten in der Verumgruppe allerdings signifikant häufiger auf. Resultate grösserer klinischer Studien sind zurzeit nicht vorhanden.

Basierend auf der traditionellen Anwendung werden trotz unzureichender wissenschaftlicher Grundlage zahlreiche Hoodia-Produkte via Internet angepriesen.“

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=1601&NMID=1601&LANGID=2

Die erwähnte Studie ist hier auffindbar:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21993434

In der Schweiz gibt es zurzeit kein als Arzneimittel registriertes Hoodia-Produkt.

Zum Thema Nachhaltigkeit der Hoodia-Nutzung und zur Frage der Biopiraterie via Hoodia siehe:

WWF: Besorgnis um Hoodia-Pflanze

Im Schlankheitsmittel-Markt tauchen laufend neue oder traditionelle Produkte auf mit grossartigen Versprechungen. In sehr vielen Fällen ist weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit geklärt. Dieses Thema ist ein Eldorado für Abzocker.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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