Archive for the ‘Gesellschaftliches’ Category

Castingshows verändern Körperideal von Mädchen und begünstigen möglicherweise Essstörungen

Dienstag, Februar 21st, 2012

Castingshows wie „Germany´s Next Topmodel“ beeinflussen das Körperbild von Jugendlichen, vor allem von Mädchen. Das zeigt eine neue Studie. Demnach empfinden sich zahlreiche Mädchen und junge Frauen, die derartige Shows verfolgen, als zu dick. Damit könnten Castingshows die Tendenz zu Essstörungen wie etwa Magersucht oder Bulimie verstärken, warnt die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Die Fachgesellschaft weist darauf hin, dass etwa eine Magersucht ohne fachgerechte Behandlung rasch chronifizieren kann und sowohl die seelische als auch die körperliche Gesundheit schwer schädigt.

Castingshows wie „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) sind speziell bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Einige dieser Sendungen konsumieren mehr als 62 Prozent der Heranwachsenden zwischen zwölf und 17 Jahren. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass GNTM bei Mädchen die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper vergrössert. In der Untersuchung des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) des Bayerischen Rundfunks befragten Wissenschaftlerinnen Mädchen, die regelmäßig GNTM sahen. Das Ergebnis: Die Gefühle zahlreicher Befragten schwankten zwischen Bewunderung und Neid. „Alle, die da sind, haben so eine tolle Figur, das gibt mir Anreize abzunehmen“, erklärte eine 14-Jährige. Eine 15-Jährige gab an: „Dann denk’ ich mir meist, warum ich nicht so dünn bin.“ Und bereits eine Elfjährige fand ihren Bauch und ihre Beine zu dick, weil Topmodels ja schlank sein müssten.

„Wenn Mädchen sich trotz normalen Gewichts als zu dick empfinden, sind sie anfälliger für eine Essstörung wie Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa“, erklärt Professor Dr. med. Stephan Herpertz von der DGPM. Gemäss Studien leiden in Deutschland an Magersucht (Anorexie) bis zu 0,8 Prozent und an Bulimie drei Prozent der jungen Frauen zwischen 14 und 20 Jahren. Dabei schränken Betroffene mit Magersucht ihre Nahrungsaufnahme stark ein oder vermindern ihr Gewicht aktiv durch Erbrechen, exzessiven Sport oder die Einnahme von Abführmitteln. Junge Frauen mit Bulimie streben ebenfalls ein Gewicht an, das ihnen ständiges Fasten abverlangt. Sie haben aber gleichzeitig die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren und ein Teufelskreis zwischen übermäßigem Essen, Erbrechen und Fasten entsteht. Beide Essstörungen können schwerwiegende seelische wie auch körperliche Schäden verursachen. So wirkt sich die Magersucht zum Beispiel ungünstig auf die Knochendichte, das Längenwachstum und die Hirnreifung aus. An dieser Krankheit sterben rund 12 Prozent der davon betroffenen Menschen.

„Essstörungen wie Anorexie haben gravierende Folgen für die Gesellschaft“, erklärt Professor Herpertz von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bochum. „Denn sie betreffen fast ausschließlich junge Menschen und beeinträchtigen sowohl deren gesundheitliche als auch berufliche Entwicklung.“ Bei der Therapie der Patienten empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) in einer aktuellen S3-Leitlinie hauptssächlich zu einer Psychotherapie, die speziell auf die jeweilige Essstörung ausgerichtet ist. „Sie soll das Essverhalten wieder normalisieren und die mit der Krankheit verbundenen seelischen Probleme lösen. Der Heilungserfolg bei der Anorexie liegt lediglich bei etwa der Hälfte der Patientinnen“, stellt der Sprecher der Leitlinie fest. Selbst bei positivem Verlauf sei dies ein langwieriger Prozess, der häufig eine stationäre Behandlung notwendig mache.

In jedem Fall sollte eine Chronifizierung der Anorexie oder Bulimie unbedingt vermieden werden. Wichtigster Hinweis auf eine Magersucht ist das konstant sinkende Körpergewicht: Bei Kindern und Jugendlichen sei ein Unterschreiten der zehnten Body-Mass-Index (BMI) Altersperzentile kritisch, schreibt die DGPM. Gewicht, Größe und Geschlecht berücksichtigt, würde das heissten, dass mehr als 90 Prozent der Gleichaltrigen mehr wiegen als der Betroffene. Die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers als zu dick trotz objektivem Untergewicht ist ein weiteres wichtiges Warnsignal sowohl für Magersucht wie auch Bulimie. „GNTM hat sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotenzial für junge Frauen und ein öffentlicher Diskurs wäre wichtig“, stellt Professor Herpertz fest.

Literatur:

Maya Götz/Johanna Gather: Wer bleibt drin, wer fliegt raus? Was Kinder und Jugendliche aus Deutschland sucht den Superstar und Germany’s Next Topmodel mitnehmen. Televizion, 23/2010/1

Herpertz S, Hagenah U, Vocks S, Jörn von Wietersheim J, Cuntz U, Zeeck A: S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Essstörungen in Deutschland. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(40): 678–85.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0678; http://www.aerzteblatt.de/archiv/107955

Eine Tabelle zu den geschlechtsspezifischen Body-Mass-Index (BMI) Altersperzentilen finden Interessierte hier: http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=106

Quelle:

Pressemeldung

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)

http://idw-online.de/pages/de/news464371

Kommentar & Ergänzung:

So weit so besorgniserregend. Die Frage stellt sich, was angesichts dieser Erkenntnis zu tun ist. Konkret: Was tun, wenn Fernsehsendungen die Gesundheit gefährden und Krankheiten wie die Magersucht fördern, die tödlich verlaufen können. Verbieten wird man solche Krankmacher-Sendungen ja wohl nicht können. Vielleicht könnte man die Sender verpflichten, einen Teil der mit Castingshows erzielten Werbeeinnahmen in Präventions- und Therapieprogramme für Menschen mit Essstörungen zu stecken. Oder man könnte einen Boykott von Firmen ins Auge fassen, die solche Sendungen mit Werbung unterstützen. Der öffentliche Diskurs, den Professor Herpertz fordert, ist wichtig, aber er wird nicht genügen, wenn keine Massnahmen folgen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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China: Kritik an geplantem Börsengang einer Bärengalle-Produktionsfirma

Dienstag, Februar 21st, 2012

Der geplante Börsengang einer Firma, die Heilmittel aus Bärengalle produziert, ist in China bei Tierschützern, Prominenten und auch bei zahlreichen Bürgern auf heftige Kritik gestoßen. Bei der Börsenaufsicht wurde gemäss Medienberichten eine Petition eingereicht mit der Forderung, eine Notierung des Unternehmens Guizhentang an der Börse nicht zuzulassen. Auf Kurzmitteilungsdiensten im Internet wurde die Firma kritisiert, weil sie den Bären Gallenflüssigkeit entnimmt.

Tierschützer werfen der Firma vor, dass die Bären in sogenannten Bärengalle-Farmen in Käfigen gehalten werden und dass den Tieren die Flüssigkeit über Katheter entnommen wird, die in permanente Wunden in der Gallenblase eingeführt werden. Zudem würden Antibiotika angewendet, um chronischen Entzündungen vorzubeugen. Dadurch komme es auch zu Verunreinigungen in der Gallenflüssigkeit, die gefährlich für Menschen sein könnten.

Die staatliche Zeitung “China Business News” publizierte auf der Titelseite eine satirische Montage von einem Bären in einem Käfig mit einem Bild des Vorsitzenden der Vereinigung für Traditionelle Chinesische Medizin, Fang Shuting. Dazu wird Fang im Text mit den Aussage zitiert, den Bären gehe es sehr gut, während die Gallenflüssigkeit entnommen werde.

In den Medien wurde Fang Shuting damit zitiert, dass es in China 68 lizenzierte Bärenfarmen mit über 10 000 Bären gebe. Bärengalle kostet in China pro Kilogramm bis zu 4 000 Yuan (480 Euro).

Der Tierschutz bekommt in China zunehmend Unterstützung, hauptsächlich weil sich auch Stars wie der Basketballspieler Yao Ming und Schauspieler Jackie Chan dafür einsetzen. Dieser Sinneswandel ist nur ein Teil einer sich allmählich ändernden Einstellung zum Umweltschutz und Naturschutz allgemein. Tierschutzaktivisten haben in den vergangenen Jahren tausende Katzen und Hunde befreit, die für Restaurants und Märkte vorgesehen waren.

Der Hauptwirkstoff in der Gallenflüssigkeit ist Ursodeoxycholsäure (UDCA), das als entzündungshemmend gilt und zur Behandlungen von Gallensteinen und Lebererkrankungen verwendet wird. Die Gallenflüssigkeit wird dem Asiatischen Schwarzbär entnommen, der in China als geschützte, aber nicht gefährdete Tierart gilt.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/kritik-geplantem-börsengang-von-bärengalle-unternehmen-125825660.html

Kommentar & Ergänzungen:

Ich bin viel in China unterwegs und in chinesischen Läden und Apotheken werden zahlreiche tierische Heilmittel der traditionellen chinesischen Medizin verkauft.

Das Thema mit der Bärengalle ist aber besonders stossend und es ist erfreulich, dass es in der chinesischen Öffentlichkeit kritische Reaktionen dazu gibt.

Siehe auch:

Vietnam gegen Geschäft mit Bärengalle

China hat fraglos grosse Probleme im Bereich Tierschutz und Umweltschutz. Wer in China unterwegs ist kann aber auch sehen, dass das Land in vielen Gebieten grosse Anstrengungen unternimmt und in manchen Bereichen der Schweiz gar voraus ist.

So wird beispielsweise in vielen Gegenden – zum Beispiel in Yunnan – praktisch flächendeckend Sonnenenergie zur Warmwasseraufbereitung genutzt. Auch Energiesparlampen sind in China praktisch Standard. Und in der Wüste östlich von Dunhuang stehen riesige Windparks (aber auch an vielen Stadträndern Atomkraftwerke). China ist in vielem vielfacettiger, als das von Europa aus aussieht.

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Zitat des Tages zu Blocher, Hildebrand und gewissen Insidergeschäften

Samstag, Januar 7th, 2012

„Die süsseste Versuchung im fortgeschrittenen Alter ist: die eigenen Fehler bei anderen Leuten zu korrigieren. Niemand ist davor gefeit, selbst Christoph Blocher nicht. Dieser warf gestern auf TeleZüri Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand Insidergeschäfte vor. Er selbst habe bei seiner Firma Ems-Chemie so etwas nie getan. Dabei vergass Blocher, dass er selbst seinen Reichtum dem kühnsten Insidergeschäft der Schweizer Wirtschaftsgeschichte verdankt. 1983, als Geschäftsführer der Ems-Chemie, lieferte er der Besitzerfamilie düstere Zahlen. Und riet zum sofortigen Verkauf. Verhandlungsführer war wieder Blocher, der an einen unbekannten Investor verkaufte. Der, wie sich danach herausstellte, Blocher selber war. So kaufte Blocher eine Fabrik für 20 Millionen Franken, deren innerer Wert von Experten auf 80 Millionen geschätzt wurde.“

Quelle: Tages-Anzeiger, 7. Januar 2012

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Der Weltuntergang 2012 nach dem Mayakalender – Kommentar zu einem irren Phänomen

Freitag, Januar 6th, 2012

Ätzend, dieser Hype um den angeblichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 aufgrund angeblicher Vorhersagen eines Mayakalenders.

Ich habe mich gefragt, ob ich auch noch etwas dazu schreiben soll, oder ob es besser wäre, diesen esoterischen Blödsinn gar nicht zu beachten.

Interessant ist nicht die Frage, ob diese bescheuerte Prophezeiung wahr ist oder nicht – die Welt wird am 21. Dezember 2012 nicht untergehen.

Interessant ist vielmehr das Phänomen, wie solche Prophezeiungen konstruiert werden.

Unser Gehirn ist, wenn es auf „Welt“ trifft, ständig auf der Suche nach Ordnung und Zusammenhängen. Das ist auch bei vielen Tierarten schon so.

Besonders in unübersichtlichen Situationen neigt unser Gehirn dazu, auch dort Ordnung und Zusammenhänge zu sehen, wo gar keine sind.  Offenbar ziehen wir notfalls selbst konstruierte Ordnungen dem Chaos vor. Menschen,  die stark zu selbst konstruierten Zusammenhängen neigen, finden sich besonders häufig in den Bereichen der Esoterik und der Verschwörungstheorien. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass diese Bereiche auf solchen Konstrukten basieren.

Stärker werden solche Konstrukte beispielsweise, wenn viele Menschen die selbst geschaffenen Ordnungen und Zusammenhänge einer passenden Führerperson übernehmen. Auf dieser Basis entstehen Sekten, Gurusysteme, fundamentalistische Ideologien, Verschwörungstheorien. Sie alle interpretieren die Welt entlang von forciert konstruierten Zusammenhängen und setzen ihre Interpretation absolut.

Rupert Lay hat dieses Phänomen prägnant beschrieben:

„In Situationen objektiver oder subjektiver Orientierungslosigkeit basteln wir Menschen oft die phantastischsten Theorien zusammen. Sie sind um so phantastischer, als sich der Grund oder die Erklärung eines Sachverhaltes oder einer Beziehung zwischen zwei oder mehreren Sachverhalten nicht gleich aus dem Repertoire des eigenen oder sozialvermittelten Lernens anbietet. Unser Vertrauen in die Richtigkeit dieser selbsterstellten Theorie ist nahezu unerschütterlich, und das um so mehr, je grösser der Aufwand bei ihrer Erstellung war und je sonderbarer sie ist. Informationen, die dieser Theorie widersprechen, führen in der Regel nicht zu Korrekturen, sondern zur weiteren Ausarbeitung und Verfeinerung der absurden Erklärung.“

(aus: Philosophie für Manager, Econ Verlag 1991)

Verschwörungstheorien, Weltuntergangs-Prophezeiungen und esoterische Konstrukte sind offenbar Phänomene, die ziemlich stark im menschlichen Hirn verwurzelt sind. Katzen produzieren wohl kaum solche Geschichten (wer weiss…?).

Erstaunlich ist es aber schon, dass  fast ohne reale Fakten, nur basierend auf konstruierten Zusammenhängen, ein solcher weltweiter Hype wie diese Weltuntergangs-Prophezeiung nach dem Mayakalender entstehen kann. „Maya“ genügt offenbar vielen Menschen als Qualitätslabel, das den Wahrheitsgehalt einer Behauptung bestätigt.

Für das Qualitätslabel „Maya“ spricht der Traditions-Bonus (Tradition hat bekanntlich immer Recht) und der Exoten-Bonus (Je exotischer, desto überzeugender – was man nicht kennt, eignet sich besser als weisse Leinwand für die Projektion eigener Wünsche und Bedürfnisse)…..

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Und schwup, schon übernehmen offenbar ganze Heerscharen ein irres Konstrukt, das nichts enthält als erhitzte Luft. Dabei ist diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung ja noch vergleichsweise harmlos. Gut, einige Leute verdienen sich daran wohl eine goldene Nase, wie das im Esoterikmarkt mit seinen überrissenen Margen halt so üblich ist. Und einige Leute steigern ihren Eso-Kultstatus, indem sie sich durch Einsicht in diese tiefen Zusammenhänge und in uralte Weisheiten von der breiten, unerleuchteten Masse abheben. Heikler wird es, wenn Menschen im Hinblick auf den bevorstehenden Weltuntergang ihr Haus verkaufen, den Job kündigen, ihre Beziehung aufgeben oder sich und ihre Kinder umbringen, um den Horror eines Weltuntergangs nicht miterleben zu müssen. Das sind alles ganz reale Begleiterscheinungen bisheriger Weltuntergangsszenarien. Wer solche Prophezeiungen weiterverbreitet, trägt dafür Mitverantwortung.

Wer sich detailliert für die Fakten rund um diese angeblichen Wahrsagungen des Mayakalenders zum Weltuntergang interessiert, findet alles dazu hier:

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/weltuntergang-2012-fragen-und-antworten.php

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), den ich sehr schätze, hat zur Wahrsagerei geschrieben:

„Vom Wahrsagen lässt sich wohl leben, aber nicht vom Wahrheit sagen.“

Wobei er aber wohl nicht eine absolute, zweifelsfreie Wahrheit gemeint hat, schreibt er doch auch:

„Wir irren allesamt, nur irret jeder anders.“

Faktenferne Konstrukte in der Politik

Richtig beunruhigend finde ich aber, dass vergleichbare Phänomene auch auf der politischen Ebene zu beobachten sind.  Bei Silvio Berlusconi beispielsweise – einem „exzellenten“ Verschwörungstheoretiker – liess sich sehr gut beobachten, dass seine Fantasien über hintergründige feindliche Einflüsse immer verstiegener wurden, je mehr er in Bedrängnis kam.

Konstruierte Zusammenhänge, die kollektive Bedeutung erlangten, waren aber auch zentral beteiligt am Hexenwahn (rund um den „Schadenzauber“) und im Sündenbocksystem der Nationalsozialisten (die Juden als Ursache für alles Übel). Wenn ich sehe, wie leicht und massenhaft Menschen auf diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung abfahren – ein leeres Konstrukt ohne Faktenbasis – dann scheint mir das vor allem aus gesellschaftspolitischer Sicht bedenklich..

Für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaftsform ist es unabdingbar, dass Bürgerinnen und Bürger den Willen und die Fähigkeit haben, angebotene Konstrukte auf ihren Faktengehalt hin abzuklopfen.

Die Überschwemmung mit esoterischen Konstrukten – wie beispielsweise dieser Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung – unterminiert meines Erachtens diese Fähigkeit und ist darum gesellschaftspolitisch schädlich.

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte in der Komplementärmedizin

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte spielen auch in der Komplementärmedizin eine grosse Rolle und werden vom Markt bestens aufgenommen. Faktenfreiheit ist dafür vielleicht sogar vorteilhaft. Ein gewisser Realitätsgehalt könnte auch dazu betragen, dass Konstrukte an der Erfahrung scheitern.

Dazu zwei Beispiele:

Borreliose-Behandlung mit Kardentinktur

Borreliose ist eine schwierig zu diagnostizierende und –  jedenfalls in späteren Stadien – schwer behandelbare Krankheit. Bei den späten Stadien der Borreliose kommt die Medizin an Grenzen (sie kommt immer wieder an Grenzen, weil selbstverständlich nicht alles machbar ist).

Jedenfalls kann Medizin in solchen Fällen meist keine Heilung versprechen, sondern allenfalls die Beschwerden lindern.

Wo die ganze Wissenschaft und Medizin weltweit an Grenzen stösst, weiss ein Buchautor die Lösung: Kardentinktur heilt Borreliose. Antibiotika sind unnötig und unwirksam. Unzählige Borreliosepatienten setzen ihre Hoffnung (vergeblich) auf Kardentinktur.

Endlich frei von “Schulmedizin”. Kultstatus für Wolf-Dieter Storl als Entdecker dieser natürlichen Behandlung. Schöne Umsätze für den AT-Buchverlag, der keine Skrupel hat, solche fahrlässigen Heilungsversprechungen zu vermarkten.

Wolf-Dieter Storl beschreibt, dass er vor vielen Jahren eine Wanderröte hatte (d. h.: er hatte offenbar Kontakt mit Borreliose-Erregern), sich mit Kardetinktur behandelte und immer noch gesund ist. Was Wolf-Dieter Storl verschweigt: Bei der grossen Mehrheit der Menschen, die Kontakt mit Borrelien haben, entwickelt sich auch ohne Behandlung keine Borreliose. Die Chance ist ausgesprochen gross, dass Storl zu dieser glücklichen Gruppe gehört. Nur eine kleine Minderheit erkrankt an Borreliose, sofern nicht im Frühstadium mit Antibiotika behandelt wird. Für diese kleine Minderheit ist die Antibiotika-Behandlung aber wichtig und die Behandlung mit Kardentinktur anstelle von Antibiotika fatal. Verpasst man nämlich die Antibiotika-Behandlung im Frühstadium, und die Krankheit entwickelt sich weiter, lassen sich die Borreliose-Erreger nur noch  schwer oder gar nicht mehr durch Antibiotika bekämpfen.

Die ganze Geschichte mit der Borreliosetherapie durch Kardentinktur basiert offensichtlich auf einer Fehlinterpretation der Storl’schen „Eigenheilung“  (ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss, siehe unten) und auf wunschbasiertem Denken.

Es handelt sich um ein faktenfernes Konstrukt mit hohem Risiko, wenn sich Menschen mit Wanderröte einzig darauf verlassen.

Mehr Details dazu hier:

Karde & Borreliosetherapie nach Storl

Miracle Mineral Supplement (MMS)

Ein Oxidations- und Reinigungsmittel, das in manchen Gegenden auch zur Trinkwasserchlorierung verwendet wir, soll gegen Malaria, Tuberkulose, Diabetes, Krebs, AIDS und vieles andere mehr helfen. Interessant ist hier, dass MMS auch gerne verwendet wird von Menschen, die aus Überzeugung Antioxidantien („Radikalfänger“) schlucken gegen freie Radikale. MMS entwickelt aber freie Radikale (Chlordioxid).

Auch hier haben wir es meines Erachtens mit einem faktenfreien Konstrukt zu tun.

Siehe auch:

Warnung: Miracle Mineral Supplement (MMS)

Faktenferne Konstrukte wie die Borreliose-Kardentinktur-Story und das Miracle Mineral Supplement werden jeweils gestützt durch zahlreiche Heilungsanekdoten. Dabei wird aber der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss nicht beachtet.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-procter-hoc-Fehlschluss

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Warum wir gesund werden

Jede Besserung wird also vorschnell und ungeprüft dem angewandten Mittel zugeschrieben. Placeboeffekt, Selbstheilung, temporäre Besserung im Verlauf chronischer Krankheit und andere mögliche Einflüsse werden ausgeblendet.

Es gibt einen ziemlich egozentrischen „Erfahrungsfundamentalismus“, der die eigene Erfahrung als Massstab unbezweifelbarer Wahrheit betrachtet. Dass die Interpretation der eigenen Erfahrung sehr komplex und mit vielfältigen Selbsttäuschungsmöglichkeiten behaftet ist, geht dabei völlig unter.

Wer um diese Selbsttäuschungsmöglichkeiten weiss wird bescheidener, setzt seine eigenen Erfahrung nicht mehr absolut und wird auch im Bereich Komplementärmedizin genau hinzuschauen und Heilungsversprechungen kritisch hinterfragen.

Und zu guter letzt:

Sollten dereinst Argumente auftauchen, die für eine Wirksamkeit von Kardentinktur bei Borreliose oder von Miracle Mineral Supplement sprechen (äusserst unwahrscheinlich, aber aus grundsätzlichen Überlegungen nicht mit letzter Gewissheit auszuschliessen), werde ich sie genau prüfen und nötigenfalls meine Ansichten modifizieren. Aber mit grossspurigen Geschichten allein kann man mich nicht überzeugen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie wieder in der Grundversicherung – was ändert?

Sonntag, Januar 1st, 2012

Zusammen mit Methoden der Komplementärmedizin wie Homöopathie, Traditioneller Chinesischer Medizin und Anthroposophischer Medizin wird seit Jahresbeginn 2012 auch die Phytotherapie provisorisch wieder aus der Grundversicherung vergütet. Was ändert sich dadurch für Patientinnen und Patienten?

Für die Phytotherapie ist die vielleicht überraschende Antwort: Nichts.

Durch diese Änderung wird keine Patientin und kein Patient auch nur einen Franken sparen. Bisher lief es so: Der Arzt oder die Ärztin macht eine normale medizinische Diagnostik und rechnet diese auch so ab. Am Schluss wird beispielsweise entschieden, statt einem synthetischen Schlafmittel ein pflanzliches zu verordnen. Ist die Wirksamkeit dieses Pflanzenpräparates belegt, zahlt es die Grundversicherung. Das war bisher so und daran wird sich im neuen Jahr nichts ändern.

Im Vorfeld der Abstimmung vom Mai 2009 über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin wurden von den Befürwortern irreführende Versprechungen gemacht wurden. Das rächt sich nun bei der konkreten Umsetzung und wird zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.

Irreführend ist auch, dass die Phytotherapie in dieser politischen Diskussion zur Komplementärmedizin gerechnet wird. Phytotherapie gehört zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin. Fachlich gesehen gibt es kein plausibles Argument, Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen. Wenn die Politik dies trotzdem so handhabt, dann geht es dabei um Lobbying, um Einflussnahme, nicht aber um das Wohl der Patientinnen und Patienten.

Siehe auch:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Armeeübergriffe in Ägypten

Montag, Dezember 19th, 2011

„Den vierten Tag in Folge ist es auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. Mindestens 13 Menschen sind seit Beginn der Ausschreitungen bereits ums Leben gekommen. US-Außenministerin Hillary Clinton äußerte sich besorgt.“

Quelle: http://www.stern.de/politik/ausland/aegypten-blutige-unruhen-gehen-weiter-1764583.html

„Fünf Menschenrechtsorganisationen haben….am Sonntag in einem gemeinsamen Statement dem Militär vorgeworfen, gezielt gegen weibliche Aktivisten vorzugehen. Im Internet kursiert derzeit ein Video, das eine Aktivistin zeigt, während sie von Armeeangehörigen verprügelt wird. Durch die Schläge löst sich ihr Schleier, die junge Frau bleibt halb entblößt im BH auf der Straße liegen. Die Soldaten prügeln noch einmal auf sie ein, bis sie irgendwann doch von ihr lassen und ihren Oberkörper wieder verdecken. Das Video machte in diversen sozialen Netzwerken mit dem Titel “Blue Bra” die Runde.

Sexuelle Gewalt wird vermehrt strategisch gegen weibliche Demonstranten eingesetzt, kritisieren diverse lokale Menschenrechtsaktivisten. Soldaten würden Demonstranten nicht nur verprügelt, sondern darüber hinaus öffentlich entblößen und unsittlich berühren. Der Name der Aktivistin ist bekannt, sie möchte allerdings anonym bleiben. “Es ist völlig egal, ob ich mit der Presse rede, die Bilder des Übergriffs sprechen für sich. Sie sollten reichen, um das Militär zu überführen und alle aufzuklären, die immer noch an die Armee glauben”, sagte sie dem britischen “Guardian”.

Vergangenen März etwa wurde die Armee beschuldigt, festgenommene Demonstrantinnen sexuelle missbraucht und “Jungfräulichkeitstests” bei ihnen durchgeführt zu haben. Die Armee kündigte daraufhin an, die Anschuldigungen zu überprüfen, bisher gab es allerdings keinerlei weitere Informationen darüber.

Auf Youtube haben Aktivisten Playlists mit Videos, die die Gewalt gegen Demonstranten zeigt, erstellt.“

Quelle:

http://derstandard.at/1324170191178/Empoerung-wegen-Polizeiuebergriffs-gegen-Demonstrantin

Kommentar & Ergänzung:

Die Soldaten leisteten “Unerträgliches”, um das Volk zu schützen, sagte der „Süddeutschen“ zufolge General Adel Emara.

Unerträgliches, tatsächlich.Und unakzeptabel.

Mein Vorschlag: Den Link zum Youtube-Video an die Aegyptische Botschaft und das Aegyptische Fremdenverkehrsamt schicken:

embassy@egyptian-embassy.de

Staatlich@aegyptisches-fremdenverkehrsamt.de

Christoph Blocher – verfolgt wie die Juden im “Dritten Reich”??

Samstag, Dezember 17th, 2011

Dazu ein Zitat aus der „Tageswoche“:

„ Kurz nach der Bekanntgabe des alten und neuen BaZ-Besitzers Tito Tettamanti äusserte sich SVP-Stratege und BaZ-Einflüsterer Christoph Blocher zur Kritik vieler Basler an ihm und an BaZ-Chefredaktor Markus Somm. «Diese Verfolgung kommt mir vor wie damals, als man gesagt hat: Kauf nicht bei Juden», sagt Blocher auf seiner Internet-Videoplattform Tele Blocher.

Yves Kugelmann, Chefredaktor der jüdischen Zeitung Tachles, findet klare Worte für Blochers Vergleich mit der Judenverfolgung: «Wer im Jahr 2011 die Lage der SVP mit der faschistischen Ausgrenzung von Juden gleichsetzt, ist pervers, dumm und arrogant.»

Christoph Blochers «vorsätzlich unglückliche Hand mit historischen Vergleichen und der Vereinnahmungen der Geschichte für eigene Zwecke» sei bekannt. «Mir wäre lieber gewesen, wenn er im Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg, der Debatte um den Völkermord an den Armeniern oder im Umgang mit Minderheitenanliegen sein heute entdecktes Bewusstsein für die Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden eingebracht hätte», sagt Kugelmann weiter.“

Quelle:

http://www.tageswoche.ch/de/2011_49/basel/134847/Blochers-Vergleich-mit-der-Judenverfolgung.htm

Kommentar & Ergänzung:

Nachdem Christoph Blocher das „Volk“ mehrfach und über Monate getäuscht und hinters Licht geführt hat bezüglich seiner Rolle bei der Basler Zeitung (BaZ), vergleicht er die Kritik an diesem oligarchischen Gebaren mit der Judenverfolgung im „Dritten Reich“.

Dieser Vergleich ist ungeheuerlich. Christoph Blocher verniedlicht damit die Judenverfolgung und stilisiert sich selber in eine absurde Opferrolle.

Man könnte nun denken, das sei eine besonders clevere Provokationsstrategie. Wer solche Ungeheuerlichkeiten äussert, über den wird geschrieben. Diese Strategie ist der SVP ja nicht fremd.

Es sieht aber eher danach aus, dass Christoph Blocher tatsächlich glaubt und empfindet, was er da sagt. Dann stellt sich allerdings die Frage, wieviel Realitätsbezug der Mann noch hat und weshalb er sich derart verfolgt fühlt.

Am eindrücklichsten ist in diesem Zusammenhang aber, wie  stark und rasch hier ein erfolgreicher Milliardär und Politführer gekränkt und verletzt reagiert, der seinerseits keine Gelegenheit versäumt, Parteien und Personen mit abweichenden Meinungen zu verhöhnen und zu diffamieren.

Womit genau vergleicht Christoph Blocher die Kritik an seinem Vorgehen bei der BaZ, wenn er sich boykottiert sieht wie die Juden im „Dritten Reich“?

Dazu nur ein paar Detailinformationen:

„ Als Judenboykott bezeichneten die Nationalsozialisten den Boykott jüdischer Geschäfte, Warenhäuser, Banken, Arztpraxen, Rechtsanwalts- und Notarskanzleien, den das NS-Regime am Samstag, dem 1. April 1933, in ganz Deutschland durchführen ließ. Damit nahm die Regierung die seit dem 25-Punkte-Programm der NSDAP von 1920 geplante Verdrängung der deutschen Juden aus dem Wirtschaftsleben erstmals durch eine reichsweite, gezielt nur gegen sie gerichtete Maßnahme in Angriff.“

(Quelle: Wikipedia)

Und konkreter:

„ Kurz nach Adolf Hitlers Ernennung zum deutschen Reichskanzler am 30. Januar 1933 begannen neue Angriffe auf Juden. Besonders die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO), der Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand unter Theodor Adrian von Renteln und SA-Abteilungen unter Otto Wagener agitierten nun verstärkt gegen das ‘Börsenkapital’, über das sich mittelständische deutsche Unternehmer bei der neuen Regierung beschwert hätten.

Ab Ende Februar 1933 griffen SA-Trupps erneut jüdische Geschäftsinhaber an, plünderten ihre Läden, misshandelten ihre Inhaber, verschleppten und ermordeten einige davon. Nach den Reichstagswahlen vom 5. März, bei denen die NSDAP die absolute Mehrheit verfehlte, nahmen solche unorganisierten Übergriffe zu. Bis Ende März wurden jüdische Geschäfte, Arzt- und Anwaltspraxen in einigen deutschen Großstädten zwangsweise geschlossen, ihre Inhaber teilweise beraubt und vertrieben. Am 9. März nahmen SA-Angehörige im Berliner Scheunenviertel Dutzende osteuropäischer Juden fest und misshandelten sie in den Kellern ihrer Stationen. In Magdeburg besetzten SA-Angehörige jüdische Geschäfte, Kaufhäuser und Hotels und schikanierten deren Kunden oder Gäste. Am 11. März 1933 organisierte die nationalsozialistische Führung des Freistaates Braunschweig unter Dietrich Klagges und Friedrich Alpers den sogenannten „Warenhaussturm“ in Braunschweig. In Straubing wurde am 15. März der Jüdische Händler Otto Selz entführt und ermordet. In Göttingen wurden am 28. März einige jüdische Läden und die örtliche Synagoge angegriffen und beschädigt. Innenminister Wilhelm Frick telegrafierte am 31. März an alle Polizeidienststellen, in SA-Uniformen verkleidete Kommunisten seien die Täter. In vielen weiteren Städten wurden bis Ende März Gerichtsgebäude gestürmt, jüdische Richter und Anwälte aus Gerichtssälen und Büros gezerrt und meist verprügelt, um die Justiz so vom ‘System jüdischer Rechtsverdreher zu säubern’.

Am 9. März forderte Hitler gemäß früherer deutschnationaler Forderungen von Frick eine „bewusst völkische Gesetzgebung“ gegenüber den osteuropäischen Juden mit einem Einwanderungsverbot und Teilausweisungen nicht eingebürgerter Juden. Am 16. März befolgte Frick die Anweisung mit einem sinngemäßen Runderlass an alle Landesregierungen.“

(Quelle: Wikipedia)

Sieht da irgendjemand ausser Christoph Blocher ernsthaft Parallelen? In welcher Welt lebt dieser Mann?

Zum vollständigen Artikel über die Judenverfolgung im „Dritten Reich“: http://de.wikipedia.org/wiki/Judenboykott

Ausserdem:

Christoph Blocher und die Basler Zeitung (BaZ)

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Volksinitiative für mehr Transparenz bei der Politikfinanzierung

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Eine Initiative der „Gruppe für Transparenz und Demokratie (GTD)

In der Schweizer Politik spielt Geld eine immer stärkere Rolle. Bei den letzten drei Parlamentswahlen auf eidgenössischer Ebene verdoppelten sich die Wahlkampfausgaben jeweils. Auch für die Nationalratswahlen und Ständeratswahlen im Oktober 2011 werden die Parteien und Kandidaten nochmals deutlich mehr ausgeben als 2007, dem bisher teuersten Jahr.
Aus welchen Quellen die immer üppiger fliessenden Geldströme kommen, erfährt der Bürger nicht. Die Finanzierung der Politik spielt sich in der Schweiz noch immer im Dunkeln ab. Dieser Missstand untergräbt das Vertrauen der Stimmbürger in das politische System und schadet der Demokratie. In der Zwischenzeit sind auch die Behörden auf die Problematik dieser Situation aufmerksam geworden. Das Bundesamt für Justiz führte eine Studie zum Thema durch – und bestätigte, worauf Transparency Schweiz schon mehrfach hingewiesen hatte: Als einziges Land in Europa steht die Schweiz ohne eine gesetzliche Regulierung der Politikfinanzierung da.

Unter der Bezeichnung „Gruppe für Transparenz und Demokratie (GTD)“ hat sich nun eine Gruppe von Bürgern vorgenommen, diesen Missstand zu beenden. Mit einer Volksinitiative möchten sie erreichen, dass politische Spenden ab einem bestimmten Betrag in Zukunft offengelegt werden müssen. Der Anstoss dazu kam von den Nationalräten Andi Gross und Andy Tschümperlin (beide SP), die im April in einem Konzeptpapier zur Diskussion über die Idee einluden. Im Gespräch waren zu Beginn auch zusätzliche Bestimmungen, die eine Begrenzung der Spenden nach oben oder eine direkte Unterstützung der politischen Akteure mit staatlichen Mitteln vorsahen. Damit hätte eine fairere Verteilung der Mittel ermöglicht werden sollen. In der Diskussion innerhalb der GTD sah jedoch eine Mehrheit diese Zusätze als nicht zielführend an.

Am 17. September erfolgte die offizielle Vereinsgründung der GTD. Bevor mit der Unterschriftensammlung gestartet werden kann, müssen jedoch zunächst genügend Spenden gesammelt werden, um das Zustandekommen der Initiative zu ermöglichen. Ausserdem werden Veranstaltungen in verschiedenen Schweizer Städten organisiert, um die Bevölkerung auf das Thema aufmerksam zu machen. Die meisten Politiker und Parteien sind dem Thema der Politikfinanzierung bisher ausgewichen und haben Forderungen nach einer Offenlegung von Spenden mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt. Dabei ist sich die Mehrzahl der Stimmbürger der Notwendigkeit von mehr Transparenz sehr wohl bewusst. Zu diesem Fazit kam auch eine Umfrage von Univox, in der sich nicht weniger als 87 Prozent der Befragten dafür aussprachen, dass die Herkunft der Gelder für Abstimmungskampagnen offengelegt werden muss.

Transparency Schweiz unterstützt das Anliegen der GTD, die Politikfinanzierung in der Schweiz transparenter zu machen. Dafür hat sich Transparency Schweiz in der Vergangenheit wiederholt eingesetzt.

Quelle:

http://www.transparency.ch/de/aktuelles_schweiz/meldungen/2011_10_17_NL_Initiative.php

Mehr Informationen zur Volksinitiative:

http://www.transparenzler.ch

Mehr Informationen zu Transparency Schweiz:

www.transparency.ch/

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Christoph Blocher und die Basler Zeitung (BaZ)

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

“Stets hat Christoph Blocher betont, nicht an der «Basler Zeitung» beteiligt zu sein. Am Tag nach dem Aktienverkauf an seine Tochter finden selbst SVPler Blochers Kommunikation fragwürdig.

Seit Montag ist die Katze aus dem Sack: Rahel Blocher ist Eigentümerin der «Basler Zeitung» (BaZ), ihr Vater Christoph Blocher der Strippenzieher und Geldgeber im Hintergrund. Brisant: Der Alt-Bundesrat behauptete während der letzten Monate mehrmals, dass er bei der «Basler Zeitung» in keiner Weise involviert sei. «Ich bin weder direkt, noch indirekt bei der Basler Zeitung beteiligt», sagte Blocher im April dieses Jahres in der Sendung Doppelpunkt auf «Radio 1». Auch gegenüber der «SonntagsZeitung» betonte er einen Monat später, dass er kein Geld für den Kauf der BaZ zur Verfügung gestellt habe. «Ich bin es nicht.»“

Quelle:

http://www.20min.ch/news/schweiz/story/-Blocher-muss-als-Nationalrat-zuruecktreten–10955696

Kommentar & Ergänzung:

Christoph Blocher hat einen „Vertrag mit dem Volk“ geschlossen, ohne dass das „Volk“ gefragt wurde, ob es diesem Vertrag zustimmt. Da passt es auch gut, dass er dieses „Volk“ nun immer wieder über seine Rolle bei der BaZ als Strippenzieher, Besitzer, Geldorganisator und Chef im Hintergrund belogen hat. Das „Volk“ ist hier offenbar nur Staffage für Machtspiele.

Der Mann demontiert sich offensichtlich zunehmend selber.

Es scheint mir grundsätzlich problematisch, wenn sich Politiker Einfluss auf Medien kaufen. Bei Silvio Berlusconi ist das auch nicht gut gegangen, aber immerhin wusste man bei ihm, welche Fernsehkanäle und Printmedien er besitzt. Christoph Blocher aber versteckt sich hinter Strohmännern bzw. Strohfrauen. Das ist unverzeihlich.

Im übrigen ist es höchste Zeit, dass Transparenzregeln bezüglich der Parteienfinanzierung aufgestellt werden.

Demokratie darf keine käufliche Veranstaltung sein.

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Boulevardzeitung “Blick”: Fahrlässige Berichterstattung über Suizide

Sonntag, November 27th, 2011

Die Boulevardzeitung Blick hat in den letzten Tagen zweimal detailliert über Suizide von bekannten Personen aus Politik und Wirtschaft berichtet (z. B. mit detaillierte Abläufen, Fotos vom Tatort).

Solche Berichte verletzen die Würde der gestorbenen Personen und sie bergen ein Risiko für Nachahmungshandlungen.

Für höhere Klick-Raten im Internet und höhere Verkaufzahlen am Kiosk verletzt die Zeitung die journalistische Sorgfaltspflicht.

Die verantwortlichen Personen in Redaktion und Verlag sollten meines Erachtens zurücktreten.

Hier die Richtlinien des Schweizerischen Presserates zur Suizidberichterstattung:

„Respektierung der Privatsphäre

1. Suizide und Suizidversuche sind eine soziale Realität. Sie können für die Massenmedien grundsätzlich kein Tabu sein.

2. Die Art und Weise, wie Menschen leben und sterben, gehört zu ihrer Privatsphäre. Berichte über den Tod eines Menschen bedeuten daher immer, dass die Grenze zum Intimbereich überschritten wird. Darum müssen die Massenmedien bei Suizidfällen grösste Zurückhaltung üben. Es gilt abzuwägen zwischen dem Schutz der Privatsphäre (Persönlichkeitsrechte der betroffenen Person, Gefühle der Angehörigen) und dem Anspruch der Oeffentlichkeit auf Information. Im Zweifelsfall ist nicht zu berichten.

3. Suizidfälle können Gegenstand der Berichterstattung sein, – wenn sie grosses öffentliches Aufsehen erregen, – wenn sie im Zusammenhang mit einem von der Polizei gemeldeten Verbrechen stehen, – wenn sie Demonstrationscharakter haben und auf ein ungelöstes Problem aufmerksam machen wollen, – wenn dadurch eine öffentliche Diskussion ausgelöst wird – oder wenn Gerüchte und Anschuldigungen im Umlauf sind.

4. Ebenfalls ein Thema journalistischer Behandlung sind Häufungen von Suizidfällen in öffentlichen Institutionen (wie Gefängnissen, Kasernen, Heilanstalten, Heimen), weil sie Fragen aufwerfen, die die Leitung, den Führungsstil, den Umgangston und den psychischen Druck in den betroffenen Institutionen betreffen.

5. In allen Fällen gehören in die Berichterstattung keine Namen und Bilder der Personen, die Suizid begangen oder den Versuch der Selbsttötung unternommen haben, keine Bilder der Tatorte, keine Adressen und keine weiteren Angaben aus dem Bereich der Privatsphäre und der Krankengeschichten.

6. Nehmen sich Personen der Zeitgeschichte das Leben und steht ihr Handeln zumindest in einem vermuteten öffentlichen Zusammenhang, so hat die Oeffentlichkeit einen Anspruch auf Information. In diesem Fall muss der Name genannt werden; auch ein Bild ist zulässig. Aber auch hier ist grösste Zurückhaltung geboten in der Art der Schilderung.

7. Wegen der Gefahr der Nachahmung sind detaillierte Berichte über Suizide und Suizidversuche zu vermeiden. Dies gilt nicht nur für reale Fälle, sondern auch für fiktive in Kriminalfilmen, Beziehungsgeschichten, Milieufilmen usw. Die Frage der Medienwirkung ist beim Entscheid über die Publikation oder Ausstrahlung eines Berichtes über einen Suizidfall mitzuberücksichtigen.“

(Quelle: http://www.presserat.ch/9208.htm)

Die Richtlinie des Deutschen Presserats zur Berichterstattung über Suizidenten hält fest: „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.“

(Quelle: Wikipedia)

Dass vor allem detaillierte Berichte von Suiziden Nachahmungshandlungen fördern können, ist unter dem Ausdruck „Werther-Effekt“ bekannt.

Was ist der Werther-Effekt?

„Als Werther-Effekt wird in der Medienwirkungsforschung, Sozialpsychologie und Soziologie die Annahme bezeichnet, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Suiziden, über die in den Medien ausführlich berichtet wurde, und einer Erhöhung der Suizidrate in der Bevölkerung besteht.“

(Quelle: Wikipedia)

Woher stammt der Begriff „Werther-Effekt“?

„Der Begriff geht zurück auf das Auftreten einer ‚Suizidwelle’ nach der Veröffentlichung von Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers im Jahr 1774 und seiner zahlreichen Nachahmungen (Wertheriaden). Dieses Phänomen wurde in der Wissenschaft kontrovers diskutiert: Während einige Forscher von einer Epidemie sprachen, verweisen andere auf die rückwirkend unzureichende epidemiologische Erfassung. Durch Quellen belegt ist heute lediglich eine zweistellige Anzahl von Suiziden, die nachweislich in Zusammenhang dieser Buchpublikation standen.

Einige der Suizidenten kleideten sich wie die Figur des Werther in der so genannten Werther-Tracht (bestehend aus blauem Tuchfrack, gelber Weste, Kniehosen aus gelbem Leder, Stulpenstiefeln und rundem, grauem Filzhut), andere trugen bei ihrem Suizid Goethes Buch bei sich. Damals wurde vom ‚Wertherfieber’ gesprochen. Goethe selbst hatte mit einer solchen Wirkung seines Werkes nicht gerechnet. Er schrieb später: ‚So verwirrten sich meine Freunde daran, indem sie glaubten, man müsse die Poesie in Wirklichkeit verwandeln […] und sich allenfalls selbst erschießen: und was hier im Anfang unter Wenigen vorging, ereignete sich nachher im großen Publikum’.

Der Stadtrat in Leipzig verbot die Verbreitung des Werther im Januar 1775 nach den ersten bekannt gewordenen Suizidfällen mit der Begründung „es wird hier ein Buch verkauft, welches den Titel führt Leiden des jungen Werthers. Diese Schrift ist eine Empfehlung des Selbst Mordes“. Auch das Tragen der Werther-Tracht wurde verboten. Das Verbot galt in Leipzig bis 1825. Auch in anderen Städten wurde die Verbreitung des Briefromans untersagt, um Nachahmungstaten zu verhindern.

Der Leipziger Rechtswissenschaftler Christian Gottlieb Hommel soll dagegen 1778 geäußert haben: ‚Alle Welt hat dieses Buch gelesen, aber sich noch niemand erschossen.’ Und an anderer Stelle: ‚Ich weiß aber, daß einer sich erhängt hat, der einen theologischen Schrieb gegen Goethe bis zum Ende durchgelesen hat.’“

(Quelle: Wikipedia)

Wissenschaftliche Forschung zum Werther-Effekt

„Für den Wirkungszusammenhang zwischen dem Vorbild-Suizid und den Nachfolgetaten benutzen Wissenschaftler die Begriffe Imitationshypothese, Suggestionstheorie, Enthemmungseffekt oder Ansteckungshypothese. Der ‚Werther-Effekt’ wird nicht nur von Medienforschern und Psychologen untersucht, sondern auch von Wissenschaftlern der Suizidologie.

Der Begriff Werther-Effekt wurde 1974 von dem amerikanischen Soziologen David Philipps eingeführt, der als erster Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der Berichterstattung über Suizide prominenter Personen und der Suizidrate der Bevölkerung nachweisen konnte. Er recherchierte, über welche Selbsttötungen Prominenter die New York Times zwischen 1947 und 1967 auf der Titelseite berichtet hatte – es waren 33 Fälle – und untersuchte die amtlichen Statistiken über Todesfälle auf mögliche Auswirkungen auf die Suizidrate. Philipps stellte in allen Fällen einen Anstieg der Rate fest. Die Zahl der Nachahmungstäter war umso höher, je prominenter der Suizident war. Die größte Suizidwelle dieser Untersuchung wurde durch die Berichterstattung über den Tod Marilyn Monroes ausgelöst, obwohl es zu ihrem Tod verschiedene Theorien gab und gibt. Weitere Studien Philipps, in denen er behauptete, Nachahmungen seien auch kausal nach fiktiven Selbstmorden in Seifenopern nachweisbar, gelten jedoch als unzureichend und nicht aussagekräftig.

In Deutschland beobachteten die Psychologen Armin Schmidtke und Heinz Häfner im Zusammenhang mit dem mehrteiligen ZDF-Film Tod eines Schülers im Jahr 1981 eine statistische Häufung der Suizide. Die sechs Folgen erzählen die Vorgeschichte einer Selbsttötung aus verschiedenen Perspektiven, der Moment des Suizids wurde zu Beginn jeder Folge gezeigt. Während der Ausstrahlung der Serie nahm die Suizidrate unter 15- bis 19-jährigen männlichen Schülern im Vergleich zu den Jahren davor und danach um 175 Prozent zu. Die Serie wurde anderthalb Jahre später erneut gezeigt und produzierte wiederum einen Effekt, diesmal betrug die Zunahme der Selbsttötungen bei Jugendlichen 115 Prozent.

Jüngere Studien kommen zu der Feststellung, dass es Nachahmungseffekte bei Suiziden gibt, wobei diese bei der Berichterstattung realer Fälle höher ausfallen als bei fiktionalen Suiziden. Jane Pirkis und R. Warwick Blood werteten 2001 in einer Metastudie 42 Studien aus und gelangen zu ähnlichen Ergebnissen. Nach Schmidke und Schaller sowie anderen sind folgende Einflussgrößen relevant: Publizitätsgrad, Art der Medien, Anzahl und Art der Rezipienten, Eigenschaft der Rezipienten, Art des dargestellten Verhalten, Valenz des Modells (‚Vorbild’), Darstellung der Konsequenzen sowie kurz- und langfristige Effekte der Medienmodelle auf den Rezipienten. Nicht bestätigt sowie teilweise kritisiert wird die Gefahr eines reinen Kausalzusammenhangs: Robert D. Goldney stellte die Beziehung zwischen Medienberichten und Suiziden zwar nicht in Frage, warnte aber davor Medien zum „Sündenbock“ zu machen. Vielmehr seien andere Risikofaktoren wie psychische Störungen mitursächlich.

Neben prominenten Vorbildern spielen bei Suiziden auch der Ort und die Methode des Selbstmords eine Rolle. So gilt die Golden Gate Bridge als Reiseziel von Suizidenten. Ebenso wuchs nach der Berichterstattung über Robert Enke die Zahl der Schienensuizide an, nach Angaben des Leipziger Psychiatrieprofessors Ulrich Hegerl mit viermal so vielen Toten unmittelbar nach der Tat.“

(Quelle: Wikipedia)

(Ergänzung: Blick beschreibt in einem Fall die genaueren Umstände eines Bahnsuizides. Falls es – wie nach der Berichterstattung über den Suizid von Robert Enke – zu einer Vervierfachung der Schienensuizide kommt, trägt „Blick“ Mitverantwortung an diesen auch die Angehörigen und  die beteiligten Lokführer tragischen Ereignisse, M.K.)

„Bereits in den 1950er Jahren wurde nach der Berichterstattung über das Pflanzenschutzmittel E 605 eine Zunahme der suizidalen Vergiftungen mit diesem Mittel registriert. Karl-Heinz Ladwig, Professor für Psychosomatische Medizin sagte: „Man muss sich noch nicht einmal mit dem Menschen identifizieren können, um seine Tat nachzuahmen.“ Es genüge bereits, dass sich durch Medienberichte die Methode oder der Ort des Suizids im kollektiven Bewusstsein festsetze.“

(Quelle: Wikipedia)

Zum Umgang von Redaktionen mit dem Werther-Effekt

„Dass das Thema in Redaktionen nicht noch ernster genommen wird, erklärt der Medienjournalist Stefan Niggemeier damit, dass die bisherigen Erkenntnisse der Forschung dem Selbstverständnis von Journalisten entgegenstehen: ‚Schon der Gedanke, dass nur das Berichten einer Tatsache – sogar unabhängig davon, ob man Namen oder andere Details nennt – erhebliche negative Folgen haben kann, ist schwierig für Journalisten.’ Er kommt zu dem Schluss: ‚Natürlich muss es dann auch möglich sein, zu sagen: Das hier ist zwar eine ganz spannende Geschichte, und ich weiß auch 37 Details, die ich gerne erzählen würde, aber ich schreibe trotzdem ganz nüchtern und lasse von den 37 Details 36 weg. Ja, das läuft den normalen Regeln des Journalismus zuwider, aber an der Stelle müssen die Regeln dann halt mal ausgesetzt werden!’“

(Quelle: Wikipedia)

Fazit: Entweder wissen die Verantwortlichen in der Blick-Redaktion nicht, was sie da tun. Dann steht ihre journalistische Qualifikation fundamental in Frage. Oder sie wissen was sie tun. Dann kann daraus eigentlich nur geschlussfolgert werden, dass sie über Leichen gehen für höhere Verkaufzahlen.

P.S. Ich verzichte hier bewusst auf die Nennung der Namen der vom Blick vermarkteten Suizidopfern. Das hat zur Folge, dass dieser Beitrag deutlich weniger über Google gefunden wird.

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