[Buchtipp] „Putins verdeckter Krieg “, von Boris Reitschuster

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Putin-verdeckter-kriegVerlagsbeschreibung:

 Wie Moskau den Westen destabilisiert

Wladimir Putin will Russland wieder zu einem Weltreich machen und arbeitet an einer neuen „Internationalen“ der Anti-Demokraten. Boris Reitschuster beschreibt in seinem neuen Buch, wie zerstörerisch Putins Absichten sind und wie groß sein Einfluss im Westen ist. Moskau hat europaweit engste Kontakte in rechts- und linksextreme Szenen geknüpft. Es gibt heute kaum noch ein Land, in dem Putin seinen Einfluss nicht geltend macht. Dabei bedient er sich manipulativer Methoden. Mit Parteispenden, Propaganda und Geheimdiensteinsätzen werden Entscheidungsträger unter Druck gesetzt und erpresst.
In seinem Buch zeichnet Boris Reitschuster ein beunruhigendes, neues Bild: Europa wird von Putin unterwandert. Eine alarmierende Bestandsaufnahme, die zeigt, wie gefährlich Putin mit seinen KGB-Methoden für unsere Demokratie ist.
„Besser als Boris Reitschuster hat noch keiner das russische Machtsystem beschrieben.“ Hamburger Abendblatt Zum Shop

Zum Autor Boris Reitschuster

Boris Reitschuster verfiel schon als Jugendlicher Russland. Er arbeitete vor Ort als Dolmetscher, Übersetzer und Redakteur bei verschiedenen deutschen Zeitungen, dpa und AFP. Ab 1999 leitete er das Moskauer Focus-Büro und setzte seine Arbeit ab 2011 von Deutschland aus fort.  2008 wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet.

Kommentar von Martin Koradi

Boris Reitschuster ist ein ausgewiesener Kenner Russlands und ein mutiger Mann. Wer über den hybriden Krieg Russlands und über die Kremlpropaganda schreibt, wird im Internet von Kreml-Trollen sofort diffamiert. In alter KGB-Manier.

Boris Reitschuster zeigt sehr deutlich, welche Gefahr den demokratischen Gesellschaften durch die verdeckte Einflussnahme russischer Propagandamedien droht, die fortlaufend durch Falschmeldungen und einseitige Zuspitzungen Konflikte anheizen, die Polarisierung verschärfen und Extremisten im linken und (vor allem) rechten Lager unterstützen. (Beispiel hier).

Wir haben unsere stabilen, demokratischen Gesellschaftsordnungen allzu lange für selbstverständlich genommen. Es ist Zeit, aus dieser bequemen Illusion zu erwachen und die liberalen Demokratien zu verteidigen. Das Buch von Boris Reitschuster leistet dazu einen Beitrag.

Die Website von Boris Reischuster können Sie hier besuchen:

https://www.reitschuster.de

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Zivilisierte Verachtung“, von Carlo Strenger

Diesen Artikel teilen:

Zivilisierte_VerachtungVerlagsbeschreibung

Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit

Moderne Gesellschaften stehen seit je vor der Herausforderung, das Zusammenleben unterschiedlicher Konfessionen, Ethnien usw. zu ermöglichen. Leitbilder wie das der multikulturellen Gesellschaft gerieten dabei jüngst in die Kritik. Zu Recht, so Carlo Strenger, habe der Westen mit der Idee der Political Correctness doch ein „Eigentor“ geschossen, da er nun selbst zum Ziel von Intoleranz werde.
Anhand konkreter Beispiele erläutert Strenger sein Gegenmodell der „Zivilisierten Verachtung“, einer Haltung, aus der heraus Menschen Positionen, die sie für irrational oder unmoralisch halten, verachten, ohne jenen, die sie vertreten, ihre Menschlichkeit abzusprechen. Zum Shop

Zum Autor Carlo Strenger

Carlo Strenger, in der Schweiz geboren und aufgewachsen, ist Professor der Psychologie an der Universität Tel Aviv. Er schreibt regelmäßig für den britischen „Guardian“ und Israels führende liberale Zeitung „Haaretz“.

Kommentar von Martin Koradi

Der Titel dieses Buches wirkt wohl auf viele Menschen eher irritierend. „Verachtung“ ist ein hartes Wort und „zivilisiert“ passt irgendwie ganz und gar nicht dazu.

Worum es Carlo Sprenger geht, wird deutlicher durch dieses Zitat aus dem Vorwort des Buches:

„Meine Motivation war, der relativistischen Tendenz der politischen Korrektheit, die glaubt, alle Positionen, Glaubenssätze und Lebensformen hätten den gleichen Respekt verdient, entgegenzuwirken. Dieser oft gedankenlose Respekt hat meiner Meinung nach vielen liberal eingestellten Menschen den Mut genommen, offensiv für die fundamentalen Werte der offenen Gesellschaft – Freiheit, Kritik und offene Diskussion – einzutreten. Die Gefahr, die ich sah und heute erst recht sehe, besteht darin, dass rechtsnationale Parteien und Gruppierungen die vakante Rolle der Verteidiger der freien Welt übernehmen, dabei aber die zu verteidigenden Werte der Aufklärung, die unsere Gesellschaft im Laufe der letzten Jahrhunderte humanisiert haben, durch Fremdenhass und das Schüren von Ängsten untergraben.“

Das Buch von Carlo Sprenger ist eine Aufforderung, sich ernsthaft mit Islamismus und Populismus auseinanderzusetzen und dabei die Werte der Aufklärung zu verteidigen. Damit ist es sehr aktuell.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz).

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Worum es im Kern geht “, von Katja Gentinetta

Diesen Artikel teilen:

Worum-im-KernVerlagsbeschreibung

Ein politikphilosophischer Blick auf die Krisen der Gegenwart

Nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs und schon gar nicht seit dem Fall der Berliner Mauer war die Demokratie derart infrage gestellt wie heute. Autoritäre Herrscher und ihre Machtapparate haben eine Strahlkraft entwickelt, die weit über den verführerischen Charme des Experiments hinausreicht. Sie faszinieren Bürgerinnen und Bürger ebenso wie politische Eliten. Es könnte der Eindruck entstehen, die Epoche liberaler Staaten, die Frieden, Wachstum und Wohlstand gebracht haben, neige sich ihrem Ende zu. Die Demokratie westlichen Zuschnitts mit Rechtsstaat, liberaler Wirtschaftsordnung und sozialstaatlichen Institutionen steht vor ihrer ersten wirklichen Bewährungsprobe. Ein Rückgriff auf die Grundkonzepte der politischen Philosophie ist notwendiger denn je. Zum Shop

Zur Autorin Katja Gentinetta

Katja Gentinetta (* 1968), Dr. phil., Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte in Zürich und Paris. Nach leitenden Positionen in Kultur und Verwaltung Stv. Direktorin des Think Tanks Avenir Suisse. Seit 2011 selbstständige Politikphilosophin, Mitinhaberin von GENTINETTA* SCHOLTEN für gesellschaftspolitische Beratung, Lehrbeauftragte an den Universitäten St. Gallen, Zürich und Luzern sowie Verwaltungs- und Stiftungsrätin. Sie ist Kolumnistin bei der AZ Nordwestschweiz und moderiert zusammen mit Chefredaktor Eric Gujer die Sendung NZZ Standpunkte.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch enthält 37 Beiträge der Politphilosophin Katja Gentinetta, die zwischen 2011 und 2017 grösstenteils in der Aargauer Zeitung, in der NZZ, in Die ZEIT und in der Handelszeitung erschienen sind.

Die Texte nehmen meist aktuelles Geschehen auf und verknüpfen es geschickt mit philosophischen Erkenntnissen und Ideen. Sie bleiben dadurch nah am politischen Alltag und heben nicht in abstrakte philosophische Gefilde ab. Wer über Demokratie, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik reflektieren möchte, bekommt hier gute Impulse.

Die Autorin umschreibt in der Einleitung den Inhalt so:

„Der erste Teil enthält jene Beiträge, in denen es um die Politik in der Schweiz geht, der zweite solche, in der das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union sowie deren politische Verfassung im Zentrum stehen. Ausgehend von der Finanzkrise erörtern die Artikel des folgenden Kapitels wirtschaftspolitische Fragen, gefolgt von Auseinandersetzungen mit der gesellschaftlichen Sicht auf die Wirtschaft. Den Schluss machen jüngere Beiträge, die sich mit den Ereignissen und Debatten der letzten Jahre – Migration, Terrorismus, Krieg, Digitalisierung – auseinandersetzen. Sie stellen Francis Fukuyamas Prognose des Endes der Geschichte mit dem Erreichen der liberalen Demokratie zumindestens vorläufig infrage.“

Wir hatten in Europa einige Jahrzehnte das Privileg stabiler Verhältnisse. Die politischen Prozesse verliefen in einigermassen geordneten Bahnen, auch wenn ein grosser Teil der Menschen sich nicht besonders damit befassten, sondern hauptsächlich ihren privaten  und geschäftlichen Interessen nachgingen. Das ändert sich jetzt möglicherweise, weil besorgniserregende gesellschaftspolitische Entwicklungen vermehrte Aufmerksamkeit benötigen. Doch wie kommt man wieder in Kontakt mit diesem politischen Terrain nach längerer Abwesenheit?

Die 37 Beiträge in diesem Buch aus der Reihe NZZ Libro könnten hier einen passenden Einstieg bieten, weil sie in gut verdaubaren Portionen ein breites Themenfeld erkunden.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Islamistische Drehscheibe Schweiz“, von Saïda Keller-Messahli

Diesen Artikel teilen:

Islamistische-DrehscheibeVerlagsbeschreibung

Ein Blick hinter die Kulissen der Moscheen

Die Angst vor Terroranschlägen greift um sich und beginnt das Leben vieler Menschen zu dominieren. Dennoch versäumt es die Politik, den Organisationen und Financiers, die den Nährboden zur Radikalisierung junger Muslime bereiten, das Handwerk zu legen. Saïda Keller-Messahli befasst sich seit Jahren mit den Islamverbänden und deren Moscheen in der Schweiz und in Europa und hat beunruhigende Entwicklungen aufgedeckt. Salafistische Wanderprediger und radikale Imame versuchen in Moscheen, mittels Lies!-Ständen und sogenannter Seelsorge in Gefängnissen, Flüchtlingsunterkünften und an Schulen Einfluss zu nehmen. Sie verbreiten eine erzkonservative Auslegung des Islams, die jede Erneuerung verhindert. Drahtzieher sind die reichen Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien und die dort gegründete Islamische Weltliga. Die Politik ist angesichts dieser globalen Netzwerke ratlos, die Behörden naiv – doch nur eine konsequente Politik der Nulltoleranz kann dem Treiben der Islamisten Einhalt gebieten. Zum Shop

 

Zur Autorin Saïda Keller-Messahli

Saïda Terror (lic. phil.), wurde 1957 in eine muslimische Grossfamilie in Tunesien geboren. Sie ist Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam.

Kommentar von Martin Koradi

Islamismus ist ein heisses Thema. Einerseits ist Hass gegen Muslime und Hass gegen den Islam als Religion ohne wenn und aber abzulehnen. Andererseits muss aber Islamkritik erlaubt sein, weil Religionskritik auch zur Religionsfreiheit gehört. Sich in diesem Terrain differenziert zu bewegen ist nicht selten eine grosse Herausforderung.

Noch schwieriger ist die Frage, wie weit Toleranz gegenüber dem radikalen Islamismus gehen soll, werden hier doch immer wieder grundlegende Werte unserer Verfassung negiert.  Hier ist eine „Politik der Nulltoleranz“, wie sie Saïda Keller-Messahli fordert, an manchen Punkten wohl angebracht, zum Beispiel wenn Prediger in Moscheen zu Hass und Gewalt gegen „Ungläubige“ aufrufen.

Der scharfe Blick, den Saïda Keller-Messahli auf die Islamisten-Szene in der Schweiz wirft, ist daher nötig.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Widerstand der Vernunft“, von Susan Neiman

Diesen Artikel teilen:

Widerstand-VernunftVerlagsprogramm

Ein Manifest in postfaktischen Zeiten

Susan Neiman zeigt in ihrem intellektuellen Aufruf, dass es neue politische Ideen braucht, um Populismus und konservativen Nationalismus aufzuhalten.
Wenn heute den Fakten, der Vernunft und dem politischen Mitdenken nicht der Raum gegeben wird, den es braucht, werden die Lügen der „postfaktischen“ Populisten Konsequenzen haben.
Susan Neiman ruft dazu auf, für Wahrheit und Moral öffentlich einzutreten, Alternativen zu denken und zu leben und den bedenklichen politischen Entwicklungen in den USA und Europa so die Stirn zu bieten. Zum Shop

Zur Autorin Susan Neiman

Susan Neiman ist Philosophin und die Direktorin des Einstein-Forums in Berlin-Potsdam. 1955 in Atlanta, USA, geboren, wuchs sie in einer jüdischen Familie auf, verließ mit 14 die Schule, lebte in Kommunen, engagierte sich in der Anti-Vietnam-Bewegung und studierte Philosophie in Harvard. Sie war Professorin an der Yale University (1989-1996) und der Universität von Tel Aviv (1996-2000) mit den Schwerpunkten: Moralphilosophie und politische Philosophie.

Kommentar von Martin Koradi

Susan Neuman legt mit diesem kleinen, gut lesbaren Buch ein engagiertes Manifest vor, in dem mich eine ganze Reihe von Passagen angesprochen haben. Zum Beispiel befasst sich die Autorin mit dem Unterschied zwischen berechtigtem Misstrauen und allgemeinem, destruktiv werdendem Misstrauen.

Zitat:

„Berechtigtes Misstrauen zu missbrauchen, um allgemeines Misstrauen so weit zu verbreiten, dass keinen seriösen Untersuchungen mehr geglaubt wird – dies ist eine Taktik, die jede Form der Gemeinschaft unterhöhlt. Denn jede Gemeinschaft setzt eine gemeinsame Wirklichkeit voraus, deren Existenz von Trumps Sprechern aber geleugnet wird. Inzwischen meinen mehrere Kritiker, die Strategie sei bewusst gewählt worden: Die permanente Verbreitung von offensichtlichen Lügen diene dazu, Gegner zu verwirren. Psychologen nennen diese Strategie Gaslighting. Sie zielt darauf ab, ihr Objekt in den Wahnsinn zu treiben.“

Susan Neiman argumentiert für den Wert und die Bedeutung von Wahrheit und Fakten, die heute beide davon bedroht sind, von Propaganda hinweggefegt zu werden.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Bullshit“, von Harry G. Frankfurt

Diesen Artikel teilen:

BullshitVerlagsbeschreibung:

Mit „Bullshit“ legte der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt den Klassiker der „Empört Euch!“-Bücher vor. Im Sturmlauf eroberte er die Herzen aller, die vom Nonsense-Gerede in U-Bahn und Büro und auf allen Kanälen schon lange genug hatten. Binnen Wochen verkaufte sich sein zorniges Manifest in den Vereinigten Staaten eine halbe Million Mal, ein globaler Feldzug gegen „Bullshitting“ war die Folge.
Doch Bullshit siegte. Bis heute haben wir dümmliche „Bild“-Kolumnen und hohles Gequassel in den Talkshows und am Handy. Ohnmächtig müssten wir all das über uns ergehen lassen, hätten wir nicht Frankfurts elegant-präzise Abrechnung mit derlei Phänomenen zur Hand, Urschrift aller Wut-Bücher und unverzichtbares Grundlagenwerk der angewandten Dummheitsforschung. Bullshit? Lesen! Zum Shop

Zum Autor Harry G. Frankfurt:

Harry G. Frankfurt, geboren 1929, lehrte Philosophie u.a. in Cornell, Oxford und Yale. Seit 1990 ist er Professor für Philosophie an der Universität von Princeton. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

Kommentar von Martin Koradi:

Bullshit ist nicht nur ein lästiges Zeitphänomen, wie der obenstehende Verlagstext nahelegt. Bullshit ist gefährlich. Harry G. Frankfurt gehört zu den Philosophen, die verständlich schreiben können. Er beschreibt das Phänomen „Bullshit“ sehr eingängig.

Es gibt nicht nur Lüge und Wahrheit, es gibt, quasi als Drittes, den Bullshit.

Das Wesen des Bullshits sieht Frankfurt in der fehlenden Verbindung zur Wahrheit, in der „Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, wie die Dinge wirklich sind.“

Bullshit ist leeres Gerede und „heisse Luft“:

Zitat:

„Wenn wir Gerede als ‚heisse Luft’ charakterisieren, meinen wir damit, was aus dem Mund des Sprechers kommt, sei nichts weiter als das. Es ist nur Dampf. Seine Rede ist leer, ohne Substanz und ohne Inhalt. Sein Gebrauch der Sprache trägt dementsprechend auch nichts bei zu dem Zweck, dem sie angeblich dient. In bezug auf auf den Informationsgehalt macht es keinen Unterschied, ob er etwas sagt oder einfach nur ausaatmet. Es gibt übrigens gewisse Ähnlichkeiten zwischen heisser Luft und Exkrementen, die heisse Luft zu einem ausgesprochen brauchbaren Äquivalent für Bullshit machen. Während heisse Luft ein von jeglichem Informationsgehalt entleertes Reden darstellt, sind Exkremente Stoffe, denen jeglicher Nährstoffgehalt entzogen worden ist.“

Seit dem Erscheinen dieses kleinen Buches hat sich die Bullshit-Situation ganz offensichtlich verschärft. Ein Ober-Bullshiter sitzt heute mit Donald Trump sogar im Weissen Haus. Wahrheit ist für ihn definitiv kein Kriterium. Wahr ist für Trump, was ihn grösser macht. „Fake News“ sind für ihn alle Informationen, die ihn in Frage stellen.

Offen ist nur, ob Trump trotz oder gar wegen seines Bullshit-Ausstosses gewählt wurde.

Höchste Zeit also, dass wir unseren Blick für Bullshit schärfen – im Alltag und in der Politik. Das kleine Buch von Harry G. Frankfurt kann dazu beitragen.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Zehn Regeln für Demokratie-Retter“, von Jürgen Wiebicke

Diesen Artikel teilen:

DemokratieretterVerlagsbeschreibung:

Spätestens seit der Wahl von Donald Trump wissen wir: Unsere liberale Demokratie ist in Gefahr. Ernsthaft. Wir haben keinerlei Garantie, dass autoritäre Kräfte nicht auch bei uns die Oberhand gewinnen. Was also tun im so entscheidenden Wahljahr 2017 – und darüber hinaus? Wie können wir die Substanz unserer Demokratie verteidigen gegen die immer lauter und dreister werdenden Verächter – auch jenseits der Wahlkabine? Wie andere ermutigen, mitzumachen? Der Journalist und Philosoph Jürgen Wiebicke gibt uns zehn griffige Regeln an die Hand, mit deren Hilfe jeder von uns jederzeit anfangen kann. Vor der eigenen Haustür. Im Alltag. Denn – und daran müssen wir uns wieder erinnern: Die Demokratie ist mehr als eine Regierungsform, sie ist eine Lebensform, die wir immer wieder aufs Neue beleben und verteidigen müssen. Wir bei KiWi finden: Es ist Zeit für einen neuen Leitfaden! Einen Leitfaden für Demokratie-Retter! Zum Shop

 

Zum Autor Jürgen Wiebicke:

Jürgen Wiebicke, geboren 1962, studierte in Köln Philosophie und Germanistik. Im Anschluss daran volontierte er beim Sender Freies Berlin und war dort Redaktionsleiter. Seit 1997 arbeitet er als freier Journalist, vor allem für den Hörfunk. Bei WDR 5 moderiert er jeden Freitagabend „Das philosophische Radio“, die einzige interaktive Philosophie-Sendung im deutschsprachigen Hörfunk. 2012 gewann er den Medienethik-Preis META der Hochschule für Medien Stuttgart. Er schreibt regelmäßig für das seit Ende 2011 erscheinende Philosophie Magazin und gehört zu den Programm-Machern des internationalen Philosophie-Festivals „phil.Cologne“.

Kommentar von Martin Koradi:

Demokratie ist nicht mehr selbstverständlich, wie es in Europa über Jahrzehnte den Anschein machte. Wir müssen uns daher mehr über dieses Thema Gedanken machen, als wir uns das vielleicht gewohnt sind. Jürgen Wiebicke gibt dazu eine gute Anleitung. Er schreibt gut verständlich, anregend und differenziert.

Welche Regeln empfiehlt Jürgen Wiebicke?

Hier die Liste:

Liebe deine Stadt

Mach Dir die Welt zum Dorf

Bleibe gelassen im Umgang mit Demokratie-Verächtern

Fürchte dich nicht vor rechten Schein-Riesen

Verliere nicht den Kontakt zu Menschen, die nicht deiner Meinung sind

Packe Probleme nicht in Watte

Verabschiede dich von der Attitüde, eigentlich gegen diese Gesellschaft zu sein

Warte nicht auf den grossen Wurf

Wehre dich, wenn von „den“ Politikern die Rede ist

Verbinde Gelassenheit mit Leidenschaft

Wiebicke erläutert die einzelnen Punkte in den Kapiteln natürlich genauer.

Interesssant für mich ist beispielsweise ein Abschnitt, in dem Jürgen Wiebicke „schwaches Denken“ als Gegenmittel gegen Fanatismus empfiehlt. Hier als Zitat ein paar Bruchstücke daraus:

„Wie kann ich denn ein politischer Mensch werden, wenn ich doch so wenig starke Überzeugungen habe?…….Die Welt des Politischen ist vielen so fremd, weil sie denen zu gehören scheint, die unerschütterliche Gesinnungen haben und diese machtvoll durchsetzen wollen, den meistern der Vereinfachung und Zuspitzung. Denen, die auch die guten Ideen ihrer politischen Gegner ungeprüft verwerfen……

Die Antwort auf Populismus darf nicht ihrerseits populistisch sein, folglich wird es die gewünschte einfache Erzählung für uns Demokratie-Retter vermutlich nicht geben. Aber warum nicht aus der Not eine Tugend machen und gerade unsere gebrochenen Gesinnungen als Chance begreifen? Wir sollten uns im „schwachen Denken“ üben. Das ist ein Begriff des italienischen Philosophen Gianni Vattimo, der anfangs vielleicht merkwürdig klingt. Vattimo wollte mit ihm  die Konsequenz daraus ziehen, dass die Zeit der grossen Erzählungen vorbei ist………

Das starke Denken gehört der Vergangenheit an. Wer will heute noch freiwillig Kommunist sein und vom neuen Menschen träumen? Die starken Denker von heute, die Identitären und die Islamisten, sind ja gerade das Problem! Wer sein eigenes Denken als schwach begreift, weiss um die Vorläufigkeit der eigenen Position, ist bereit, den eigenen Standpunkt zu räumen, wenn sich eine andere Meinung als die tragfähigere herausgestellt hat. Zum schwachen Denken gehört bei Vattimo immer auch die Ironie, die werden wir als Haltung nicht mehr los. Und sie ist allemal sympathischer als der Fanatismus. Sie gibt uns die Kraft, uns nicht so wichtig zu nehmen. Die anderen natürlich auch nicht. Schwaches Denken sollte die gemeinsame Basis für intelligentes Problemlösen in der Demokratie von morgen sein, in der Partizipation ganz sicher eine grössere Rolle spielen wird….

Wer sich im schwachen Denken übt, weiss auch um die eigene Verführbarkeit. Dass wir geneigt sind, immerzu Bestätigungen für die eigene Überzeugung zu suchen. Ständig verlangen wir nach Futter für die eigenen Voruteile. Weniges ist so schwer wie das Ändern der eigenen Meinung…..

Schwaches Denken heisst auch, dass ich um meine Manipulierbarkeit weiss und daher immer bestrebt bin, die eigene Blase zu verlassen. Dass ich meine Skepsis nicht verliere, wenn mich Nachrichten von gleichgesinnten erreichen, dass ich meine Neugierde auf das nicht verliere, was meinem Denken widerspricht. Die Demokratie hätte sich miemals entwickeln können ohne eine funktionierende Öffentlichkeit, in der debattiert und zivilisieert gestritten wird. Diese Öffentlichkeit ist zuzeit in ihrer Existenz bedroht. Durch Verrohung im Netz, durch diffamierende Lügenpresse-Vorwürfe, durch massenhaften Rückzug in die eigene Blase.“

Das kleine Buch lohnt sich.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst“, von Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer

Diesen Artikel teilen:

Was-tun-demokratie-verstehenVerlagsbeschreibung:

Ein Gefühl geht um in Europa: die Demokratie ist in Gefahr!
Nationalisten sind auf dem Vormarsch, und viele Bürger erleben zum ersten Mal, dass die liberale Demokratie keineswegs so selbstverständlich ist, wie man immer geglaubt hat, sondern ein fortwährender Prozess. Etwas, das man schützen, bewahren und mit Energie versorgen muss. Aber wie?
Fünf renommierte Journalistinnen geben in diesem kompakten Buch eine Antwort aus fünf unterschiedlichen Perspektiven. Ein Crash-Kurs in Staatsbürgerkunde, der mit Analysen, Informationen, Argumenten und Erfolgsgeschichten die Leser motiviert, sich für die Demokratie stark zu machen.
Gabriele von Arnim schreibt einen Liebesbrief an die Demokratie. Christiane Grefe erzählt davon, wie durch die Globalisierung Staat und Politik zugunsten der Wirtschaft so geschwächt wurden, dass viele Bürger das Vertrauen verloren haben. Aber das ist kein Naturgesetz: Wenn Bürger Druck machen, müssen Regierungen das Gemeinwohl wieder stärken. Elke Schmitter erinnert an demokratische Utopien, die schon vorhanden sind, man hat sie nur aus dem Auge verloren. Evelyn Roll zeigt, wie überlebenswichtig es für die Demokratie ist, eine Lüge wieder eine Lüge zu nennen, und wie man Realität und Erfindung auseinanderhalten kann. Und Susanne Mayer erzählt von positiven und gelungenen Beispielen demokratischen Engagements. Zum Shop

Zu den Autorinnen Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer, Evelyn Roll, Elke Schmitter:

Gabriele von Arnim, 1946 geboren, studierte Politik und Soziologie. Als freiberufliche Journalistin arbeitete sie für Hörfunk, Fernsehen und Zeitungen. Sie lebte zehn Jahre in New York, unter anderem als Korrespondentin für „art“. Seit mehreren Jahren moderiert sie „Wortwechsel“ (SWR).

Christiane Grefe, Jahrgang 1957, Journalistenschule in München, Politik-Studium, Redakteurin bei Zeit, Süddeutsche Zeitung, Magazin, Wochenpost und GEO-Wissen. Seit 1999 Redakteurin und Reporterin im Berliner Büro der Zeit. Bücher: Ende der Spielzeit.

Susanne Mayer, geboren 1952, studierte Literaturwissenschaft. Kulturreporterin, Literaturkritikerin und Autorin seit 1986 bei DIE ZEIT.

Evelyn Roll, geboren 1952, Politologin und Theodor-Wolff-Preisträgerin, arbeitet als Reporterin und Autorin der „Süddeutschen Zeitung“ in Berlin.

Elke Schmitter, geboren 1961, studierte Philosophie in München und arbeitet als Journalistin für die taz, DIE ZEIT und die Süddeutsche Zeitung, seit 2001 für DER SPIEGEL.

Kommentar von Martin Koradi:

Dieses kleine Buch ist gut zu lesen und sehr anregend, um über Demokratie nachzudenken. Und das ist nötig, weil liberale Demokratien stark gefährdet sind und die Unterstützung von Demokratinnen und Demokraten brauchen.

Mir gefällt der Aufsatz von Christiane Grefe, in dem sie den Ursachen für die Anziehungskraft des Populismus nachgeht. Zitat:

„Wenn man verstehen will, woher die weltweite Anziehungskraft der Populisten, der drohende Zerfall Europas und die Hoffnung auf starke Männer und Staaten rühren, dann fordert das auch einen Blick zurück auf die Erfahrungen im globalen Finanzkasino und eine verfehlte Form der Globalisierung…..Rund um den Globus hat die einseitige Fixierung auf den Markt die sozialen Sicherheiten und Solidarstrukturen untergraben, Gemeinschaften, Kulturen und natürliche Ressourcen zerstört, den ökologischen Umbau des westlichen Wirtschaftsmodells aufgehalten. Und dabei wurden zugleich Politik und Staat so heruntergeredet und geschwächt, dass viele Bürger heute beiden misstrauen.“

Gabriele von Arnim präsentiert in ihrem Text zwei Zitate, die mich angesprochen haben. Eines davon stammt von Sylke Tempel, der Chefredaktorin der Zeitschrift „Internationale Politik“, die am 5. Oktober 2017 während des Sturmtiefs Xavier durch einen umstürzenden Baum ums Leben gekommen ist:

„Hinführung zur Demokratie ist immer auch Hinführung zur Komplexität. Der Reflexionsprozess ist wichtig. Die Demokratie ist kein Billy-Regal, das man einmal zusammenschraubt, an die Wand stellt und das war’s. In einer Demokratie gibt es einen inneren Zusammenhalt von Unverhandelbarem. Einen Wertekanon. Das sind keine absoluten Wahrheiten, nur relative. Wir müssen die Paradoxien hinkriegen.Es gibt keine perfekten Lösungen, immer nur eine Annäherung ans Ziel. Mehr schaffen wir nicht.“

Das zweite Zitat stammt von Lorraine Daston, der Direktorin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte:

„Leider hat man das Recht zu wählen abgekoppelt von der Pflicht, sich zu informieren. Und ohne den informierten Bürger funktioniert keine Demokratie.“

Auch die zwei Beiträge von Evelyn Roll sind sehr ansprechend. Sie gibt „Tipps für den Umgang mit Demokratieverächtern“ und zeigt auf, wie im Informations- und Cyberkrieg mit Lügen und Faktenzersetzung die Grundlagen der Demokratie angegriffen werden.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz).

 

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Lügen im Netz? Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren“, von Ingrid Brodning

Diesen Artikel teilen:

luegen-im-netzVerlagsbeschreibung:

Der Betrug ist allgegenwärtig. Mit Falschmeldungen und manipulierten Bildern wird im Internet Stimmung gemacht – und Wähler beeinflusst. Politische Manipulation wird zur realen Gefahr. Gerade Populisten und extreme Bewegungen profitieren von diesen Schattenseiten des Internet. Das Netz, das eigentlich ein Medium der Aufklarung und menschlichen Verstandigung sein sollte.
Online-Expertin Ingrid Brodnig erklärt, weshalb „alternative Fakten“ so stark wirken, welch neue Methoden der Irreführung entstehen und wie intransparente Technikkonzerne das Problem noch weiter vergrößern. Ohne ethischem Kompass steckt ein enormes Missbrauchspotenzial im Netz. Aber das muss nicht so bleiben: Wir konnen die Mechanismen der Manipulation durchschauen und auch von den großen Technikunternehmen Unterstützung einfordern. Vom einzelnen Bürger, über die Zivilgesellschaft bis hin zu den Parteien konnen wir unsere Demokratie verteidigen.

Autorin Ingrid Brodnig:

Die renommierte Online-Expertin Ingrid Brodnig glaubt an die Macht der Aufkärung – auch im Internet. Für ihr Buch „Hass im Netz“ wurde sie u.a. mit dem „Kreisky-Preis für das politische Buch“ ausgezeichnet. Zum Shop

Kommentar von Martin Koradi:

Ingrid Brodnig hat schon mit ihrem Buch „Hass im Netz“ gezeigt, dass sie ein Thema fundiert und verständlich darstellen kann.

Das Thema „Lügen im Netz“ ist von ausserordentlich grosser Bedeutung.

Das Buch ist in vier Teile geliedert:

Im ersten Teil erklärt Ingrid Brodnig das Ausmass der Irreführung im Internet und die Hintergründe, weshalb gerade online so zahlreiche Falschmeldungen und tendenziöse, emotionalisierende Beiträge verbreitet werden.

Im zweiten Teil beschreibt die Autorin die neu entstandenen Machtverhältnisse – ein digitales Ökosystem, in dem Rechtspopulisten für ihre Anhänger eine wutgeladene Parallelrealität errichten, und in dem auch Staaten wie Russland versuchen, die Meinung der europäischen Bevölkerung zu beeinflussen. Sie geht der Frage nach, ob wir uns tatsächlich in einem „Informationskrieg“ befinden, wie das einzelne rechte Seiten, aber auch manche Wissenschaftler in den USA inzwischen behaupten.

Der dritte Teil handelt von extremen Gruppierungen, die darauf erpicht sind, ausländische Wahlen mit problematischen Methoden zu beeinflussen. Dabei kommt es auch  zur Nutzung von Meinungsrobotern („Social Bots“), um lautstark dem eigenen Wunschkandidaten zuzujubeln und unerwünschte Politiker niederzumachen. In diesem Kapitel wird auch die undurchsichtige Onlinewerbung dargestellt, die dazu führen kann, dass wir gar nicht mehr genau mitbekommen, was politische Kampagnen im Wahlkampf aufführen.

Im letzten Teil geht es um die rechtlichen, technischen und gesellschaftlichen Lösungen sowie um Tipps für die einzelnen Internetnutzer, was sie selbst bewirken können, um Irreführung zu durchschauen und selbst mit seriöser Information zu kontern. Ingrid Brodnig schliesst ihr Buch mit einem Plädoyer für das Festhalten an Fakten und für die wichtige Bedeutung von Faktenchecks.

Das Buch „Lügen im Netz“ leistet einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und Ausbau ausgesprochen notwendiger Medienkompetenz in unserer Gesellschaft. Bürgerinnen und Bürgern ist ans Herz zu legen, sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Nur informierte Bürgerinnen und Bürger können sich eine fundierte Meinung bilden und politisch verantwortungsvoll entscheiden.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

Diesen Artikel teilen:

[Buchtipp] „Freiheit verteidigen“ von Ralf Fücks

Diesen Artikel teilen:

FreiheitVerlagsbeschreibung

Wie wir den Kampf um die offene Gesellschaft gewinnen

Wir stecken in einer Krise der liberalen Demokratie. Die verbreitete Furcht vor sozialem Abstieg, vor einer aus dem Ruder laufenden Globalisierung und unkontrollierter Zuwanderung erzeugt eine aggressive Grundstimmung. Das Vertrauen in die demokratischen Institutionen sinkt, populistische Demagogen haben Zulauf. Was liegt dieser Revolte zugrunde und wie können wir ihr begegnen? Diesen Fragen geht der Grünen-Vordenker Ralf Fücks in seinem Buch nach. Er verfolgt die langen Linien der Opposition gegen die liberale Moderne und zeigt, dass der Rückzug in die nationale Wagenburg und die Abkehr von der offenen Gesellschaft in Teufels Küche führen. Dagegen setzt Fücks die Erneuerung der demokratischen Republik: Wir brauchen starke öffentliche Institutionen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern – und Bürgerinnen und Bürger, die für die gleiche Freiheit aller eintreten. Zum Shop

Zum Autor Ralf Fücks

Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Mitglied der Grünen seit 1982, ehemaliger Bundesvorsitzender der Partei und Senator für Umwelt und Stadtentwicklung in Bremen. Zahlreiche Aufsätze und Artikel zu politisch-programmatischen Fragen. Er lebt derzeit in Berlin.

Kommentar von Martin Koradi

Ralf Fücks schreibt differenziert  und spricht die wichtigsten Entwicklungen an, die unsere Freiheit gefährden – und das sind nicht wenige.

Themen des Buches sind zum Beispiel:

  • Die Antiliberale Querfront: Über die auffälligen Berührungspunkte der nationalen Rechten und der souveränistischen Linken.
  • Der Feldzug des Kremls gegen die liberalen Demokratien des Westens.
  • Die antiliberale Zeitenwende und der Ungeist des Radikalismus.
  • Utopien der Homogenisierung als Quelle der Gewalt.
  • Grossrussische Ideologie: Alexander Dugins Kreuzzug gegen die Moderne.
  • Glanz und Elend des Liberalismus.
  • Die langen Linien der Demokratie.
  • Die Krise der linken Mitte.
  • Mehrheitsherrschaft ist noch keine Demokratie.
  • Parlamentarismus erneuern.
  • Die grösste Gefahr für die Demokratie kommt von innen.
  • Die Linke und die Demokratie: Von der antiautoritären Revolte zur Verachtung der Demokratie. Warum sich manche Linke schwertun damit, die liberale Demokratie zu verteidigen.
  • Kampffeld Migration.
  • Vom Umgang mit Islam und Islamismus.
  • Für eine freiheitliche Ökologiepolitik und gegen Autoritarismus in Grün.
  • Zivilisierung des Kapitalismus.
  • Wider den Utopismus.
  • Globalisierung gestalten.
  • Hat der Nationalstaat ausgedient?
  • Wie wir die EU wieder flott machen können.
  • Sicherheit im Wandel.
  • Freiheit verteidigen – den Westen zusammenhalten.
  • Was jeder(r) tun kann.

Natürlich kann man diese vielfältigen Themen nicht in einem einzigen Buch umfassend abhandeln. Ralf Fücks spricht aber immer wieder wichtige Punkte an, schreibt verständlich, engagiert und angenehm unideologisch, mit einer grünen Grundhaltung, aber ohne jeden Fundamentalismus.

Interessant finde ich  unter anderem folgende Feststellung:

„Die Systemfrage unserer Zeit lautet nicht Kapitalismus oder Sozialismus, sondern Demokratie oder autoritäre Herrschaft.“

Meinem Eindruck nach zeigt das Buch sehr gut auf, dass wir nicht einfach ein Problem mit „Populismus“ haben. Die Herausforderungen sind sehr viel breiter gefächert – und in diese Herausforderungen führt Ralf Fücks sehr gut ein. Ich empfehle es daher gerne zur aufmerksamen Lektüre.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

P.S.: Hier finden Sie einen Text von mir zu Karl Poppers Konzept über die Unterschiede zwischen offener Gesellschaft und geschlossener Gesellschaft:

Offene Gesellschaft oder geschlossene Gesellschaft – wohin geht die Reise?

 

Diesen Artikel teilen: