[Buchtipp] „ Mein Russland “, von Carola Schneider

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Mein-RusslandVerlagsbeschreibung

Begegnungen in einem widersprüchlichen Land

Russland: Land der Mythen, Projektionsfläche, Sehnsuchtsort und immer wieder auch Feindbild. Weltpolitisch stellten in den letzten Jahren die Annexion der Krim sowie Putins Eingreifen in der Syrienkrise auf Seiten Assads das internationale Machtgefüge auf die Probe, innenpolitisch herrschen Repression und eine anhaltende Wirtschaftskrise. Doch was bedeutet das für die Bevölkerung Russlands, die in Putins „gelenkter Demokratie“ lebt? Formiert sich politischer Widerstand, oder nimmt man den Status quo als gegeben hin? Wie unterschiedlich erleben Bewohner des städtischen und ländlichen Raums, im europäischen und im asiatischen Teil Russlands die Situation?
Carola Schneider, seit 2011 Auslandskorrespondentin des ORF in Moskau, zeigt in berührenden Porträts Innenansichten eines faszinierenden und zugleich widersprüchlichen Landes, das dem Westen immer noch fremd ist. Sie spricht mit Menschenrechtsaktivisten, Künstlern und kritischen Journalisten ebenso wie mit innovativen Käsebauern, Putin-treuen Jugendlichen und Befürwortern der Krim-Annexion. Schneiders Reportagen ergeben ein vielstimmiges, fein nuanciertes Bild Russlands, das von Widerstand und Resignation, Aufbruchstimmung und Regierungstreue erzählt. Zum Shop

Zur Autorin Carola Schneider

In Bludenz / Vorarlberg geboren, schloss Carola Schneider 1996 ihr Dolmetsch- und Übersetzerstudium für die Sprachen Französisch und Russisch ab. Bis 2001 arbeitete sie in der Politikredaktion des ORF-Landesstudios Vorarlberg. Nach Stationen als Korrespondentin in Paris und Zürich wurde sie 2011 zur Leiterin des ORF -Korrespondentenbüros in Moskau bestellt. Neben der Tätigkeit für den ORF schreibt Carola Schneider als freie Autorin für mehrere Tageszeitungen, unter anderem für die Neue Zürcher Zeitung.

Kommentar von Martin Koradi

Über weite Strecken fehlt in Mitteleuropa ein differenziertes Wissen über die Menschen und die Gesellschaft in Russland. Carola Schneider bietet mit ihren Portraits interessante Einblicke.

Sie stellt unter anderen folgende Menschen vor (aus dem Inhaltsverzeichnis):

– Ljudmila Alexejewa, Grand Dame der russischen Menschenrechtsbewegung, Moskau.

Zitat: „Eines Tages wird Russland ein demokratischer Rechtsstaat und zur europäischen Völkerfamilie gehören.“

– Wassilij Slonow, Künstler, Krasnojarsk, Sibirien.               

Zitat: „Eine solche Konzentration an Ungerechtigkeit, Unglück und Lüge, wie es sie in Russland gibt, ist ohne Ironie und Selbstironie nicht zu ertragen.“

– Margarita Siangirowa, Journalistin, Omsk, Sibirien.

Zitat: „Russland ist anders. Hier hat es immer die Peitsche gegeben und das wird weiterhin so sein.“

– Alla und Alexander Rojenko, Bauern in Sibirien.

Zitat: „Es ist schon gut so, wie es ist.“

– Julia und Iwan Marjucha, junges Unternehmerpaar, Moskau.

Zitat: „In unserer Gesellschaft wird schon Kindern abgewöhnt, eine eigene Meinung zu haben.“

– Renat Dawletgildejew, Journalist, Moskau.

Zitat: „Ich möchte eines Tages in einem freien, vielfältigen und strahlenden Russland leben.“

– Makar Wichljanzew, Pro-Putin-Propagandabewegung, Moskau.

Zitat: „Alle haben auf Russland herabgesehen. Dann ist Putin gekommen und hat gesagt: Hier sind wir. Mit uns muss man wieder rechnen.“

– Jewgenij Repenkow, prorussischer Fussball-Manager, Krim.

Zitat: „Die Welt muss den Willen der Krim-Bevölkerung anerkennen. Punkt.“

– Sarina Ametowa, Krimtatarin, Menschenrechtlerin, Krim.

Zitat: „Man darf nicht einfach etwas wegnehmen, das einem nicht gehört. Die Krim gehört weder Russland noch der Ukraine, sondern uns, den Krimtataren.“

– Pavel Schelkow, Putin-Kritiker und Kämpfer gegen Willkür und Gesetzlosigkeit durch Beamte und Politiker, Moskau.

Zitat: „Für die Mächtigen sind wir, das Volk, wie ein Schwarm lästiger Insekten, die man vertreiben muss.“

– Jurij Fidelgolz, Pensionist und ehemaliger Gulag-Häftling.

Zitat: „Nationale Fragen sind bei uns wichtiger als alles andere. Etwas Gutes, Menschliches oder echte Hilfe für die Bevölkerung gibt es nicht.“

Das Buch „Mein Russland“ enthält mehr als diese 11 Stimmen. Mich selber haben die Aussagen der Krimtataren besonders interessiert. Die Krimtataren sind die indigene Bevölkerung auf der Krim. Allein schon ihre Existenz widerlegt die Kreml-Propaganda, wonach die Krim schon immer zu Russland gehört habe.

Carola Schneider schreibt souverän und differenziert. Das lässt sich auch gut beobachten in einem öffentlichen Gespräch, das Sie auf YouTube anschauen können.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

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[Buchtipp] “ Stille Machtergreifung “ , von Hans-Henning Scharsach,

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Stille-Macht-ErgreifungVerlagsbeschreibung

Hofer, Strache und die Burschenschaften

Norbert Hofers Präsidentschaftswahlkampf war ein Lehrstück einer von Burschenschaften konzipierten populistischen Kampagne. Mit eisernem Lächeln täuschte er erfolgreich über die von ihm vertretenen rechtsextremen Standpunkte hinweg. Doch das ist nur die Speerspitze einer Entwicklung, die fast unbemerkt von der österreichischen Öffentlichkeit vor sich geht: Ein kleiner, verschworener Kreis hat die FPÖ in Besitz genommen, zentrale Funktionen in Bundespartei, Parlament und Landesverbänden sind fest in den Händen von Burschenschaftern.
Hans-Henning Scharsach untersucht die engen Verflechtungen Norbert Hofers, Heinz-Christian Straches und ihrer Weggefährten mit den Burschenschaften. Seine akribische Recherche taucht tief in deren antisemitische und nationalsozialistisch geprägte Geschichte ein. Er analysiert ihr politisches Instrumentarium, das sich mit Hasskampagnen und systematischer Verbreitung von Unwahrheiten über alle Regeln der Fairness hinwegsetzt. Anhand belegbarer Zahlen, Daten und Fakten zeigt Scharsach auf, was Österreich droht, wenn deutschnationale, schlagende Burschenschafter an die Macht kämen. Zum Shop

Zum Autor Hans-Henning Scharsach

Hans-Henning Scharsach, langjähriger Leiter der Auslandsressorts von „Kurier“ und „News“, ist Publizist und Autor politischer Sachbücher. Der Experte für Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Neonazismus moderierte 15 Jahre die Zeitzeugengespräche zum Jahrestag des Novemberpogroms im Wiener Volkstheater. Zu seinen Büchern zählen die Bestseller „Haiders Kampf“, „Haiders Clan“, „Europas Populisten“ und „Die Ärzte der Nazis“.

Kommentar von Martin Koradi

Hans-Henning Scharsach zeigt auf,  „was Österreich droht, wenn deutschnationale, schlagende Burschenschafter an die Macht kämen“, steht in der Verlagsbeschreibung…..

Nun sitzen also diese Burschenschafter wie Heinz-Christian Straches, Norbert Hofers & Co. inzwischen in der Regierung und  an den Schalthebeln der Macht.

Wer das Buch von Hans-Henning Scharsach gelesen hat, wird nicht in Versuchung kommen, diese Machtergreifung zu verharmlosen.

Hans-Henning Scharsach zeigt detailliert und gut belegt, mit welch fragwürdigen Figuren und menschenverachtender Ideologie wir es hier zu tun haben.

Es ist eindrücklich zu lesen, mit welcher Kaltschnäuzigkeit und Konsequenz hier Unwahrheiten und Hass als politische Instrumente eingesetzt werden.

Die gesammelten Lügen des Heinz-Christian Straches – in der Zwischenzeit zum Vizekanzler und Bundesminister für Beamte und Sport der Republik Österreich ernannt –  kann man auf der Website FPÖ-Watch nachlesen (samt Widerlegung).

Eindrücklich zeigt das Buch von Hans-Henning Scharsach auch, wie konsequent die FPÖ alle Medien, die ihre Lügen in Frage stellen, mit „Lügenpresse“-Vorwürfen zu diffamieren suchen. In dieser Hinsicht fährt die FPÖ die gleiche Strategie wie der Oberlügner Donald Trump in den USA.

Es muss sehr zu denken geben und sagt viel über eine Gesellschaft aus, wenn solch zwielichtige Figuren trotz ihrer offensichlichen Lügen gewählt werden.

Wer noch nicht davon überzeugt ist, dass Österreich eine starke zivilgesellschaftliche Reaktion auf diesen rechtsextremen Burschenschafter-Sumpf braucht, sollte diese Buch lesen – und wer davon schon überzeugt es auch.

Vernetzen Sie sich mit zivilgesellschaftlich aktiven Gruppen, zum Beispiel https://www.aufstehn.at oder bei Mitgliedern des Solidaritätspakts der Zivilgesellschaft.

Hans-Henning Scharsach liefert auch eine detaillierte Aufstellung dazu, welche FPÖ-Politiker in welchen Burschenschaften aktiv sind. Selten ein so gut recherchiertes Buch gelesen. Stichworte aus dem Inhaltsverzeichnes unten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Aus dem Inhaltsverzeichnis

Die stille Machtübernahme: FPÖ im Besitz der Burschenschaften

Geheimhaltung: Wir sollen nicht wissen, wen wir wählen

Traditionen des Nationalsozialismus

Hofers Marko-Germania: Verräterische Festschrift

Deutsches Vaterland: Der Kampf gegen die österreichische Nation

Gegen Gleichheit und Pluralismus

Antisemitismus in den Burschenschaften

Das antisemitische Nazi-Symbol der Kornblume

Feindbild-Austausch: Muslime statt Juden

Antisemitismus-Verleugnung: Hofer und Strache als Judenfreunde

Burschenschaften und Nationalsozialismus

Bücherverbrennung 1933: Burschenschaften und der Anschluss

„Ehrendes Andenken“ für die Massenmörder der Nazis

Hofer und die NS-Traditionen

Gegen NS-Verbot und „Menschenhatz der Linken“

Täter-Opfer-Umkehr: Schlag nach bei Goebbels

Am Beispiel Norbert Hofer: Stille Machtergreifung

Hofers rechtsextreme Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter

Väterliche Förderer und junge Geförderte

Hitlers Legitimationstheoretiker als „Vorbild“

Geschönte Biografie für die politische Mitte

Ein Künstler zur ideologischen Standortbestimmung

Ideologische Standortbestimmungen

Rechtsextreme Inhalte im FPÖ-Handbuch

Plebiszit als Waffe gegen Verfassung und Demokratie

Ausschaltung ganzer Wählergruppen durch Ende der Briefwahl?

Ein Handbuch als Kriegserklärung an die Verfassung

Von Wespenlarven, Brutpflegetrieb und militärischen Tugenden

Von der Verachtung für „Eliten“ und den Sorgen des kleinen Mannes

Faktencheck: Das Märchen von der „sozialen Heimatpartei“

„Mut zur Wahrheit“: Einblick in die blaue Sozialpolitik

Kampf gegen Kammern und Interessenverbände

Personen als Programm: Barbara Kolm, Olaf Henkel und Dieter Hundt

Männliche Weltordnung: Frauen als Opfer der „Burschenpartei“

Der Mann auf der Jagd, die Frau im Heim

Ausgeladen: Frauen, die weder schön noch still sind

Identitäre: Eine PR-Aktion rechtsextremer Burschen

Identitäre, Burschenschafter und FPÖ

Rechtsextreme Inhalte in jugendlicher Verpackung

Wahlkampf: Lügen, Hass und Nächstenliebe

Der Wahlkampf der Burschenschafter im Netz

Wie Fake News und Lügen verbreitet werden

Die grausamen Fratzen des Hasses

Überforderte Gerichte, hilfloser Rechtsstaat

Die mediale Parallelwelt der Burschenschafter

Das Zusammenspiel mit der Krone

Strache: Fake News und falsche Fakten

Der Kampf gegen die „Lügenpresse“

Kampf gegen demokratische Grundrechte

Die Printmedien der Burschenschaften

Der Rechtsstaat als Feindbild

Das Spiel mit Gewalt und Bürgerkrieg

Gewalt als Wesensmerkmal der Burschenschaften

Die Anti-Ausländer-Wahlkämpfe der FPÖ

Waffenfreunde: Schon Kinder sollen schießen lernen 162

Die burschenschaftliche Verwurzelung in NS-Traditionen

Strache und die braune Gewaltszene

Am Beispiel Olympia: Bewahrer brauner Traditionen

Sommerlager nach dem Vorbild der Reichsführerschulen

Neonazistische Redner bei Olympia-Veranstaltungen

Arminia Czernowitz: Werbung mit NSDAP-Plakat

Libertas: Ein Preis für junge Neonazis

Cimbria: Gemeinsam mit Nazis gegen die Wehrmachtsausstellung

Silesia im Rotlichtbezirk: Straches Sekretärin holt Gottfried Küssel

Teutonia: Nazi-Schulung „im Einklang mit der Bundlinie“

Wenn Burschenschafter und Neonazis gemeinsame Sache machen

Ein rechtsextremes Milieu und sein freundlicher Darsteller

Wo steht Norbert Hofer politisch?

Ist Norbert Hofer rechtsextrem?

Ist Norbert Hofer Neonazi?

Die Taktik des Populismus: Auf beiden Seiten dabei

Was droht unter einer FPÖ-Regierung?

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[Buchtipp] „Zivilisiert streiten“, von Marie-Luisa Frick

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Zivilisiert-streigenVerlagsbeschreibung

Zur Ethik der politischen Gegnerschaft.

Konflikte gehören zum Wesen der Politik, und Strategien erfolgreicher Konfliktlösungen charakterisieren die politische Arbeit. Dabei kann der Zwang zum Konsens das Politische verfehlen. Deshalb fragt eine Ethik des politischen Konfliktes nicht nur danach, wie Konflikte „gelöst“ werden können, sondern wie sie ausgetragen werden sollen. Wie darf man mit einem politischen Gegner umgehen? Wie weit soll Meinungsfreiheit reichen in Zeiten von „Hass im Netz“ und „politischer Korrektheit“? Was heißt es, Demokratie als wehrhaft zu gestalten? Und was schulden demokratische Mehrheiten der Minderheit – oder Gegnern der Demokratie? Fragen, deren Beantwortung für eine zukunftsfähige Gesellschaft lebenswichtig ist. Zum Shop

 

Inhaltsverzeichnis „Zivilisiert streiten“

Vorbemerkung

  1. Einleitung

1.1 Demokratie

1.2 Menschenrechte

1.3 Demokratie und Menschenrechte im Verhältnis zueinander

1.4 Aufbau

  1. Politische Konflikte verstehen

2.1 Grundriss agonistischer Demokratietheorie

2.2 Was ist ein politischer Konflikt?

2.3 Sind politische Konflikte lösbar?

  1. Politische Konflikte im demokratischen Kontext austragen

3.1 Wie soll ich meine Meinung bilden?

3.2 Wie soll ich meine Meinung vertreten?

3.3 Das Recht der Minderheit

3.4 An den Rändern der Gegnerschaft: Wann sollen politische Bewegungen verboten werden?

  1. Exkurs: Ethik der Feindschaft ? Wie darf man Terroristen behandeln?
  2. Ausblick

Zur Autorin Marie-Luisa Frick

Marie-Luisa Frick ist 1983 in Lienz geboren und studierte Philosophie und der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck. Seit 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie (2006-2010 Univ.-Ass., 2011-2016 Ass.-Prof.).

2016 Habilitation in Philosophie (Priv.-Doz.) und Ernennung zur Assoziierten Professorin. Schwerpunkte ihrer Forschung und Lehre sind Ethik, Rechts- und politische Philosophie, Religionsphilosophie, Ideengeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts und Wissenschaftsphilosophie.

Kommentar von Martin Koradi

Dieses kleine Reclam-Bändchen von Marie-Luisa Frick führt anregend und informativ in die Grundvoraussetzungen demokratischer Auseinandersetzung ein.

Die Autorin erläutert Begriffe wie Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Ziviler Ungehorsam, Politische Korrektheit (Political Correctness, PC) und Populismus, die zwar häufig gebraucht, aber oft nur ungenau verstanden werden.

Marie-Luisa Frick geht dann auf die Frage ein, wie politische Konflikte am besten ausgetragen werden. Denn eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist gar keine, und eine Demokratie, in der nicht zivilisiert gestritten wird, ist zutiefst gefährdet.

Interessant ist auch das Abschlusskapitel, in dem die Autorin untersucht, wie man mit politischen Feinden umgehen darf,  die die Vernichtung demokratischer Ordnungen zum Ziel haben. Hier diskutiert Marie-Luisa Frick das Konzept der „Zivilisierten Verachtung“, das Carlo Stenger beschrieben hat (siehe Buchshop: Zivilisierte Verachtung).

Marie-Luisa Frick erklärt in ihrem Büchlein nicht, was man denken soll, sondern wie man über einige der wichtigsten Fragen unserer Zeit nachdenken kann.

Hier finden Sie einen Text von mir zu einem ähnlichen Thema:

Demokratie braucht eine diskursive Gesprächskultur – verteidigen wir sie!

Eine Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Die neuen Paten – Trump, Putin, Erdogan, Orbán & Co.“, von Jürgen Roth

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neue-PatenVerlagsbeschreibung

Trump, Putin, Erdogan, Orbán & Co. – Wie die autoritären Herrscher und ihre mafiosen Clans uns bedrohen

Wenn Mafiamethoden offizielle Regierungspolitik werden
Sie sind die „neuen Paten“: rechtspopulistische und rechtsradikale Politiker wie Viktor Orbán in Ungarn, Recep Tayyip Erdogan in der Türkei, Wladimir Putin in Russland, Donald Trump in den USA. Ihr Ziel: eine neue politische Ordnung. Ihr ideologisches Arsenal: Nationalismus, Rassismus und Religion. Sie sind demokratisch gewählt, doch sie unterwerfen den Staat und seine Institutionen, um sich selbst, ihre Familien und Gefolgsleute hemmungslos zu bereichern – mit Mafiamethoden. Die Grenze zwischen den klassischen Aktivitäten des Staates und denen des organisierten Verbrechens verschwimmt, Mafia-Staaten entstehen. Weit nach Deutschland hinein reichen die Verbindungen: Hier werden Allianzen geschmiedet, Geschäfte gemacht, Profite eingestrichen. Erstmals deckt Jürgen Roth die Strukturen und Hintergründe auf – und die Verflechtungen dieser autoritären Herrscher mit der Mafia und der organisierten Kriminalität. Zum Shop

Zur Autor Jürgen Roth

Jürgen Roth, 1945 – 2017, war einer der bekanntesten investigativen Journalisten in Deutschland. Seit 1971 veröffentlichte er brisante TV-Dokumentationen und aufsehenerregende Bücher über Politik, Korruption und Kriminalität. Zuletzt erschienen von ihm »Gangsterwirtschaft«, »Der stille Putsch« und »Der tiefe Staat«, »Schmutzige Demokratie«, die allesamt Bestseller waren.

Kommentar von Martin Koradi

Der im September 2017 verstorbene Jürgen Roth hatte keine Angst, sich Feinde zu machen. Er war nicht unumstritten. Skandalisierung wurde ihm vorgeworfen und einige seiner Behauptungen musste er zurückziehen, weil er sie nicht genügend belegen konnte. Und manchmal, zum Beispiel beim Buchtitel „Der tiefe Staat“, suggerieren seine Formulierungen allzu stark die eine, umfassende, grosse Verschwörung, obwohl die heterogenen Aktivitäten von Lobbyismus, Korruption, Clan-Wirtschaft und mafiösen Strukturen als Erklärung hinreichend wären.

Im Buch „Die Neuen Paten“ beschreibt Jürgen Roth aber sehr eindrücklich den Aufstieg von Politikern wie Trump, Putin, Erdogan und Orbán, die sich mit Clan-Wirtschaft den Staat unter den Nagel reissen und dabei als ideologisches Erfolgsrezept auf Nationalismus, Rassismus und Religion setzen.

Jürgen Roth schreibt im „Nachtrag“ des Buches:

„Nur eine liberale Zivilgesellschaft ist in der Lage, diese Neuen Paten und ihre Nachahmer zu stoppen. In Ungarn gibt es immer mehr Menschen, insbesondere junge Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen das korrupte mafiose System wehren. In Russland ist die gleiche Entwicklung zu beobachten. In der Türkei selbst herrscht Friedhofsruhe, obwohl mindestens die Hälfte der türkischen Bevölkerung in Gegnerschaft zu Recep Tayyip Erdogan steht. Und in den USA funktionieren die Presse- und Meinungsfreiheit, eine zivilie Bürgergesellschaft und das Prinzip der Checks and Balances, also eine unabhängige Justiz, beispielhaft. Aber die ständigen Angriffe des neuen US-Präsidenten drohen dem ein Ende zu machen……..

Wichtig sind zudem die Verbindungen, welche die Neuen Paten zu demokratischen Politikern pflegen. Viktor Orbán kann auf seine Brüder im Geiste zählen, in Deutschland auf die bayerische CSU, in Österreich auf die konservative ÖVP und die rechtsradikale FPÖ und auf die vereinigte Rechte in Europa sowieso. Für Wladimir Putin gilt das Gleiche, ebenso für Donald Trump. Ihnen geht es um die Zerstörung der liberalen und sozialen Demokratie, und mit ihnen zu sympathisieren bedeutet eine Art Komplizenhaft. Daher gilt es, endlich zu erkennen, welche eigennützigen Interessen diese Neuen Paten tatsächlich verfolgen. Es ist nun an den Bürgerinnen und Bürgern aller europäischen Länder einschliesslich Deutschlands, den Bann der herrschenden Ohnmacht gegen diese autoritären antidemokratischen Attacken zu brechen. Ein breiter zivilgesellschaftlicher Aufstand tut not. Ansonsten dürfte es bald zu spät sein. Schliesslich werden das Vorbild, das die Neuen Paten abgeben, und damit verbunden reaktionäre, autoritäre und demokratiefeindliche Politik immer attraktiver…“

In der Schweiz schwärmen insbesondere Exponenten der SVP mit Neuen Paten. Der Nationalrat, SVP-Vizepräsident und abgewählter Staatsrat Oskar Freysinger ist ein Putin-Verehrer und SVP-Nationalrat und Weltwoche-Verleger Roger Köppel schwärmt von Donald Trump.

Verehrung für die Neuen Paten – das kommt also auch in der Schweiz vor.

Das Buch von Jürgen Roth macht klar, was das bedeutet, wenn demokratisch gewählte Politiker den autokratischen Neuen Paten in den Arsch kriechen. Es ist ein Verrat an den Grundwerten unserer Demokratie.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Der Dschihad und der Nihilismus des Westens“, von Jürgen Manemann

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dschihad-nihilismus-westenVerlagsbeschreibung

Warum ziehen junge Europäer in den Krieg?

Warum übt der Dschihadismus auf junge Menschen in der westlichen Welt eine so große Faszination aus? Jürgen Manemann geht den Ursachen für diese Anziehungskraft auf den Grund, indem er die Perspektive auf die kulturellen Krisen westlicher Gesellschaften richtet: auf Gefühle der Leere, der Sinn- und Hoffnungslosigkeit und ihre Folgen in Form von Resignation, Ressentiment und Zynismus. Der Dschihadismus präsentiert sich als Therapie gegen diese sozialen Pathologien. Er wirkt jedoch krisenverschärfend, da er die Unfähigkeit verstärkt, das Leben zu bejahen. Als aktiver Nihilismus produziert er Empathieunfähigkeit, Hass und blinde Gewalt. Die westlichen Gesellschaften müssen Gegenkräfte entwickeln, indem sie eine konsequente Politik der Anerkennung und der Leidempfindlichkeit verfolgen und so den Sinn für eine Kultur der Humanität wieder stärken. Zum Shop

Zum Autor Jürgen Manemann

Dr. theol Jürgen Manemann, geboren 1963, ist Professor für christliche Weltanschauung, Religions-und Kulturtheorie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt; Mitglied des Pastora-Goldner-Holocaust Symposions; Herausgeber des Jahrbuchs Politische Theologie; Mitbegründer und Organisator des Ahauser Forums Politische Theologie.

Kommentar von Martin Koradi

Die Frage, warum junge Europäer in den „Dschihad“ ziehen, birgt einiges an Brisanz.

Man kann und soll nach Ursachen im radikalen Islamismus und auch im Islam suchen. Mindestens so wichtig ist aber die Ursachensuche in den westlichen Gesellschaften selbst. Das „Kalifat“ des IS im Irak und in Syrien ist zwar für den Moment von der Landkarte verschwunden und scheint besiegt. Die zugrunde liegenden Probleme im Islam und im Westen haben sich aber nicht in Luft aufgelöst. So wäre es naiv anzunehmen, dass die Herausforderungen unserer Gesellschaften durch Terrorismus und Dschihadismus nun überwunden wären. Es spricht viel dafür, dass dieser Schrecken uns noch einige Jahrzehnte in verschiedensten Formen zu schaffen machen wird.

Auf der Suche nach Antworten verknüpft  Jürgen Manemann psychoanalytische, sozialwissenschaftliche und philosophische Überlegungen um den Wesenskern des Dschihadismus zu verstehen und Gegenkräfte zu identifizieren.

Er beschreibt im ersten Teil vier Deutungsmuster der dschihadistischen Gewalt (Diabolisierung, Religionisierung, Soziologisierung, Ethisierung).

Der zweite Teil befasst sich mit den psychologischen Dimensionen des dschihadistischen Terrorismus auf unsere Gesellschaft. Terroristen möchten die Psyche der Menschen treffen, das Vertrauen in das Zusammenleben der Menschen erschüttern. Wie soll eine Gesellschaft auf diese Herausforderung reagieren?

Der vierte Teil beschreibt den Dschihadismus als aktiven Nihilismus. Wir haben es hier mit einem Terrorismus neuen Typs zu tun. Manemann erläutert dieses Phänomen in den Abschnitten: Aktiver Nihilismus / Kultur und Barbarei / Aktiver Nihilismus und Nazismus / Von der Erfahrung des Nichts /  Leere Gewalt / Negative Souveränität / Das faschistische Syndrom / Die Sorge um die „Kultur“ / Die „Verwaltung der Barbarei“.

Im vierten Teil beschreibt Manemann das Phänomen des Cyper-Dschihadismus (Selbstinszenierung der Gewalt, Verknüpfung von Dschihadismus mit westlicher medialer Kultur).

Der fünfte Teil befasst sich mit den Ursachen der Dschihadismus-Anfälligkeit (Identitätsstörungen, Gefühlsleere, Prozessmelancholie, Hotelzivilisation, Fragmentkörper).

Im fünften Teil skiziert Manemann Gegenkräfte (Selbstwirksamkeit und Resilienz; Selbstvertrauen – Selbstachtung – Selbstwertgefühl; Humanes Leben).

Fazit: Das Buch ist eine Fundgrube für Leute, die sich fundiert mit dem Phänomen des Dschihadismus  auseinandersetzten möchten und die Attraktivität verstehen wollen, diese mörderische Ideologie auf eine erschreckende Zahl junger Europäerinnen und Europäer hatte und immer noch hat. Das Buch gibt aber auch über den Dschihadismus hinaus Antworten auf die Frage nach der zunehmenden Attraktivität anderer Formen des Fundamentalismus, Radikalismus und Extremismus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Smartphone-Demokratie“, von Adrienne Fichter

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smartphone-demokratieVerlagsbeschreibung

Fake News, Facebook, Bots, Populismus, Weibo, Civic Tech

Facebook, Twitter und Google bieten die zentrale Architektur für politische Debatten. Doch Microtargeting, die zunehmende „Messengerisierung“ unserer digitalen Kommunikation und polarisierende Algorithmen führen dazu, dass wir immer mehr in unseren eigenen politischen Realitäten leben. Verschiedene Autoren analysieren die wachsende Bedeutung von Social Media für den politischen Diskurs. Sie präsentieren Strategien und Lösungsansätze und stellen zukunftsträchtige Technologien der digitalen Demokratie vor.
Mit Beiträgen von Ingrid Brodnig, Sarah Bütikofer, Adrienne Fichter, Martin Fuchs, Daniel Graf, Dirk Helbing, Anna Jobin, Stefan Klauser, Colin Porlezza, Adrian Rauchfleisch, Mike S. Schäfer, Robin S. Schwarz und Thomas Willi. Zum Shop

 

Zur Herausgeberin und Autorin Adriene Fichter

Adrienne Fichter (* 1984) wirkte als Social-Media- und Community-Managerin beim Aufbau des ersten Schweizer Polit-Start-ups politnetz.ch mit. Sie war Social-Media-Redakteurin und Medienverantwortliche bei der Gruppe Orell Füssli Wirtschaftsinformationen (OFWI) und Zuständige für die Social-Media-Strategie. Von 2014 bis 2016 leitete sie die Social-Media-Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).

Kommentar von Martin Koradi

Dieses Buch thematisiert aus verschiedenen Blickwinkeln eine der grössten Herausforderungen demokratischer Gesellschaften in der Gegenwart.

Digitalisierung, Social Media und weitere moderne Technologien verändern die Politik rasant. Wie funktioniert Wahlkampf online und welchen Einfluss haben Social Bots imd Big Data. Helfen Faktenchecks gegen Manipulation, Desinformation und Propaganda? Weshalb sind Populisten im Internet so erfolgreich?

Adrienne Fichter schreibt in der Einleitung:

„2016 war in der Tat das Jahr der Filterblasen, Bots, Troll-Armeen, des Populismus, der Twitter-Exzesse und Falschnachrichten. Doch einige dieser Phänome waren im Grunde genommen antizipierbar. Sie sind Folge oder Resultat der Beschaffenheit oder des Geschäftsmodells der sozialen Medien. Es erstaunt daher, dass sich die Politik erst jetzt mit Bot-Scharen, Informationskriegen und organisierten Troll-Armeen ernsthaft zu beschäftigen begonnen hat.

Dieses Buch erklärt, wie diese Phänomene entstanden sind. Wir möchten aus Expertensicht die vergangenen Ereignisse einordnen, kommentieren und wagen auch einen Blick in die Zukunft……..

Wir haben uns gefragt: Sind Bots wirklich so schlecht wie ihr Ruf (Martin Fuchs)? Wie können etablierte Medienhäuser den Kampf gegen Fake News gewinnen (Colin Porlezza)? Wie ideologisch abgeschottet bewegen wir uns wirklich auf Facebook & Co (Colin Porlezza)? Warum tummeln sich auf den sozialen Medien so viele Populisten (Ingrid Brodnig)? Hat Donald Trump wirklich wegen personalisierter Wahlkampfwerbung im Netz gewonnen (Adrienne Fiechter)? Wie konnte es so weit kommen, dass rechtsextreme verspielte Nerds das soziale Netz eroberten (Robin Schwarz)? Lassen sich mit den richtigen Hashtags auch Abstimmungen in der Schweiz gewinnen (Sarah Bütikofer und Thomas Willi)? Wie beeinflussen Algorithmen unsere politische Meinungsbildung (Anna Jobin)?………

Was lässt sich totalitären Algorithmus-Utopien entgegensetzen und wie müssen demokratiefördernde Netzwerke beschaffen sein (Stefan Klauser / Dirk Helbing) Weshalb ist die Digitalisierung der Demokratie nicht gleichzusetzen mit Klicktivismus (Daniel Graf)?…………

Wie können wir all die positiven Petenziale des Internets zur Stärkung (und nicht zur Schwächung) der Demokratie nutzen?“

Dieses Buch bietet Informationen und Denkanstösse für eine dringend nötige Auseinandersetzung.  Es ist allen zu empfehlen, die sich für gesellschaftliche Entwicklungen interessieren (und allen anderen auch).

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Putins Kalter Krieg“, von Markus Wehner

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Putins-kalter-KriegVerlagsbeschreibung

Wie Russland den Westen vor sich hertreibt

Viele im Westen wollen es nicht wahrhaben – Russland hat einen neuen Kalten Krieg vom Zaun gebrochen. Den führt es auf allen Ebenen: propagandistisch, durch Angriffe auf westliche Webseiten und Computernetze, etwa die des deutschen Bundestages, und ganz real als kaum getarnten Schießkrieg an der östlichen Außengrenze der NATO in der Ukraine. Markus Wehner nimmt den Russland-Verstehern die rosarote Brille ab: Denn die Lage ist ernst, und der Westen muss handeln. Zum Shop

 

 

Zum Inhalt:

  • Putins Ziele, Russlands Ideologie.
  • Krieg dem Westen: Russland und die farbigen Revolutionen.
  • Spiel ohne Regeln: Putin, die Krim und der Krieg in der Ukraine.
  • Die neue Militärmacht.
  • Russlands Informationskrieg.
  • Putins Spione.
  • Rechts und links: des Kremls extremistische Freunde.
  • Die Russland-Versteher.
  • Moskaus Spiel in Syrien.
  • Hilfloser Westen?
  • Was tun?

Zum Autor Markus Wehner

Markus Wehner, geboren am 24. August 1963 und aufgewachsen im Osthessischen, in der Bischofsstadt Fulda. Nach dem Abitur Studium der Osteuropäischen Geschichte, Politologie, Germanistik und Slawistik in Freiburg. Von dort zog es ihn in den Osten, zunächst nach Berlin, dann nach Moskau, wo er eine Weile als Übersetzer bei einer außenpolitischen Zeitschrift arbeitete. Seit der Öffnung der historischen Archive in Russland und in Ostdeutschland begann er dort eine rege Sucharbeit – unter anderem 1992/93 während eines einjährigen Forschungsaufenthaltes in Moskau. Seinen Niederschlag fand die Beschäftigung mit dem sowjetischen Stalinismus in zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und in einer Doktorarbeit über die sowjetische Bauernpolitik in den zwanziger Jahren. Seit 1992 war er zudem freier Mitarbeiter der F.A.Z., vor allem für die Geisteswissenschaften und die Politischen Bücher. Im Oktober 1996 Eintritt in die Nachrichtenredaktion, wo er für deutsche Innenpolitik zuständig war, sich aber auch russischen Themen widmete. Von Oktober 1999 an war er fünf Jahre lang Korrespondent in Moskau. Seit Herbst 2004 ist er Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

Kommentar von Martin Koradi

Markus Wehner ist ein ausgewiesener Russlandkenner. Er beschreibt in seinem Buch präzis, was viele im Westen nicht wahr haben wollen. Der Kreml führt einen intensiven Propagandakrieg mit dem Ziel, die liberalen Demokratien zu destabilisieren. Putin kooperiert dazu skrupellos mit Rechtspopulisten und Linkspopulisten in verschiedensten Ländern und unterstützt sie finanziell und propagandistisch.

Die liberalen Demokratien Europas müssen dringend eine Strategie entwickeln, um dieser gefährlichen Herausforderung zu begegnen. Dazu braucht es wache Medien und eine wache Zivilgesellschaft, aber auch staatlich Abwehrmassnahmen, zum Beispiel wenn es um die Verteidigung gegen Hackerangriffe geht.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde – Warum Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet“, von Stephan Russ-Mohl

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Informierte-GesellschaftVerlagsbeschreibung

Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet

Fake News, Halbwahrheiten, Konspirationstheorien – die Ausbreitung von Desinformation in der digitalisierten Welt, insbesondere in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, wird immer mehr zur Bedrohung und zur Herausforderung für unsere Demokratie. Das Buch analysiert, welche Trends die Aufmerksamkeitsökonomie in eine Desinformationsökonomie verwandeln. Stichworte sind der langfristige Glaubwürdigkeitsverlust der traditionellen Medien, das rapide Wachstum und die Professionalisierung der Public Relations, die ungeplanten Folgen der rasanten Digitalisierung, darunter das Fehlen eines Geschäftsmodells für den Journalismus, Echokammern im Netz sowie die Algorithmen als neue Schleusenwärter in der öffentlichen Kommunikation. Eine strategische Rolle spielen die allmächtigen IT-Giganten, die sich nicht in ihre Karten gucken lassen möchten.
Unter diesen Bedingungen gibt es vermehrt Akteure, die aus machtpolitischen Motiven an medialer Desinformation und an der Destabilisierung unserer Demokratie interessiert sind, oder die aus kommerziellen Motiven eine solche Destabilisierung in Kauf nehmen. Der Tradition der Aufklärung verpflichtet, ist die zentrale Frage des Buches, wie sich der wachsende Einfluss der „Feinde der informierten Gesellschaft“ eindämmen lässt, darunter Populisten, Autokraten und deren Propagandatrupps. Könnte zum Beispiel eine „Allianz für die Aufklärung“ etwas bewirken, der sich seriöse Journalisten und Wissenschaftler gemeinsam anschliessen? Dazu bedarf es nicht zuletzt realistischer Selbsteinschätzung auf seiten der Akteure. Dazu verhelfen Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie und der Verhaltensökonomie, die im Buch auf die Handelnden und den Prozess der öffentlichen Kommunikation bezogen werden. Zum Shop

Zum Autor Stephan Ruß-Mohl

Stephan Ruß-Mohl ist Professor für Journalismus und Medienmanagement an der Universität Lugano sowie Gründer des  Europäischen Journalismus-Observatoriums (EJO).

Kommentar von Martin Koradi

Stephan Ruß-Mohl beschreibt eindrücklich und kenntnisreich, wie die klassischen, journalistischen Medien durch Digitalisierung und dem Fehlen eines tragfähigen Geschäftsmodells in eine Krise rutschen, die immer mehr die Grundlagen der demokratischen Gesellschaft angreift.

Dieses Buch ist allen zu empfehlen, die im weitesten Sinn mit Medien zu tun haben.

Aber eigentlich ist es auch eine wichtige Lektüre für jede Staatsbürgerin und jeden Staatsbürger – und eine kompakte Weiterbildung in Medienkompetenz.

Schreiben und Lesen über diese Medienkrise reicht aber eigentlich nicht mehr aus. Die zunehmende Gefährdung demokratischer Gesellschaften verlangt darüber hinaus nach konkretem Handeln. Deshalb ist es wichtig, auch nach praktischen Schritten zu suchen.

Projekte, die meinem Eindruck nach sinnvoll und unterstützenswert sind:

– Der Verein «media FORTI» setzt sich ein für starke, unabhängige, private und öffentlich-rechtliche Medien in der Schweiz:  https://www.mediaforti.ch

– Die „Republik“ ist ein unabhängiges Medienprojekt mit Qualitätsanspruch:  https://www.republik.ch

Von mir gibt es zu diesem Thema noch eine Zusammenfassung des Buchs von Matthias Zehnder: „Die Aufmerksamkeitsfalle – Wie die Medien zu Populismus führen“.

 

Das Buch finden Sie hier.

Zur Zusammenfassung gehts hier:

Wie Medien via Aufmerksamkeitsfalle den Populismus fördern

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Ein deutsches Mädchen – mein Leben in einer Neonazi-Familie“, von Heidi Benneckenstein und Tobias Haberl

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deutsches-MaedchenVerlagsbeschreibung

Wer so tief im braunen Sumpf steckt, schafft es nicht über Nacht hinaus.
Heidi wächst in der alles umfassenden Ideologie einer Nazi-Familie heran, in militanten Jugendgruppen und Kameradschaften. Mit Drill, Schlägen und Belohnung wird sie auf ein Leben im rechten Hass-Milieu vorbereitet. Mit zwanzig findet sie den Mut auszusteigen. Hier blickt sie noch einmal in die Abgründe dieser Parallelwelt.
Deutschland, Ende der 1990er, ein idyllisches Dorf bei München. In Heidis Familie ist die Zeit stehen geblieben. Als kleines Mädchen wird sie in konspirative Ferienlager der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ geschickt, wo schon für die Kleinen paramilitärischer Drill auf dem Programm steht. Dort lernt sie auch, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 in Holz zu sägen. Mit fünfzehn nimmt Heidi an rechten Aufmärschen teil, hetzt gegen Ausländer und prügelt auf einen Fotografen der „Lügenpresse“ ein. Heidis Welt bekommt erste Risse, als sie Flex kennenlernt, einen nicht mehr restlos überzeugten Liedermacher aus der rechten Szene. Mit zwanzig vollzieht sie die komplette Kehrtwende, bricht den Kontakt zu ihrer Familie ab, taucht unter, lässt die Welt der alles umfassenden Nazi-Ideologie hinter sich und durchläuft ein Aussteiger-Programm. Dies ist die Geschichte ihrer zwei Leben. Zum Shop

Zu den Autoren Heidi Benneckenstein und Thomas Haberl

Heidi Benneckenstein wuchs in einer Nazifamilie auf, war in der Neonazi-Szene aktiv und machte Wahlkampf für die NPD. Mit 19 stieg sie aus dieser Szene aus. Sie schildert  im Buch ihre Kindheit und Jugend und ihren Ausstieg.

Das Buch entstand unter Mitarbeit von Tobias Haberl, geboren 1975 im Bayerischen Wald. Er hat in Würzburg und Großbritannien Latein, Germanistik und Anglistik studiert. Seit 2005 arbeitet er für das SZ Magazin.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch von Heidi Benneckenstein zeigt eindrücklich, wie Kinder von klein auf mit Feindbildern imprägniert werden. Das ist in rechtsextremen Milieus ähnlich wie in fundamentalistisch-religiösen Kreisen.

Zusammen mit ihrem Mann Felix Benneckenstein gründete Heidi Benneckenstein 2011 die Aussteigerhilfe Bayern (http://aussteigerhilfe.de), die es sich zum Ziel gemacht hat, Toleranz auf allen Gebieten der Kultur zu fördern und in Kooperation mit EXIT-Deutschland Ausstiegswillige aus dem Rechtsextremismus beim Verlassen dieser Szene zu begleiten.

EXIT-Deutschland ist eine Initiative, die Menschen hilft, die mit dem Rechtsextremismus oder mit religiösem Fundamentalismus brechen und sich ein neues Leben aufbauen wollen.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Die granulare Gesellschaft“, von Christoph Kucklick

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granulare-GesellschaftVerlagsbeschreibung:

Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst

Wie wir uns auflösen und warum wir uns neu erfinden müssen
Die Digitalisierung verändert uns und unsere Welt fundamental: Die Differenz-Revolution vereinzelt die Menschen radikal und verstärkt die Ungleichheit. Die Intelligenz-Revolution mit der massenhaften Verbreitung intelligenter Maschinen führt zu einer Umverteilung von Wissen und Chancen – und ebenfalls zu stärkerer Ungleichheit. Müssen wir Menschen uns in Abgrenzung neu definieren als unberechenbare, spielerische und – im positiven Sinne – störende Wesen? Durch die Kontroll-Revolution werden wir nicht mehr ausgebeutet, sondern ausgedeutet und gefährden damit unsere Ideale wie Gerechtigkeit und Demokratie.
In der granularen Gesellschaft versagen unsere Institutionen und wankt unser Selbstbildnis. Wir werden uns und unsere Welt neu erfinden müssen. Zum Shop

Zum Autor Christoph Kucklick

Christoph Kucklick, geboren 1963, ist promovierter Soziologe und Journalist. Der Chefredakteur der GEO schrieb vorher unter anderem für Die Zeit, Brand eins und Capital. Kucklick lebt in Hamburg.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch von Christoph Kucklick ist spannend geschrieben und schildert eindrücklich die digitale Entwicklung und die Folgen für die Individuen und für die Gesellschaft.

Eine Passage aus der Einleitung fasst das gut zusammen:

„Unter Granularität verstehen Computerwissenschaftler das Mass der Auflösung, die Präzision von Daten: Je feinkörniger, desto granularer. Durch die Digitalisierung ziehen wir alle Schritt für Schritt in diese feinauflösende Gesellschaft um.

Denn Digitalisierung bedeutet vor allem: Wir selbst und unsere Gesellschaft werden auf neue Weise vermessen. Unser Körper, unsere sozialen Beziehungen, die Natur, unsere Politik, unsere Wirtschaft – alles wird feinteiliger, höher auflösend, durchdringender erfasst, analysiert und bewertet denn je.

Wir erleben: eine Neue Auflösung.

Daten aus sozialen und anderen Netzwerken wie Facebook oder Handy-Netzen schenken uns ein hochaufgelöstes Bild unserer Gesellschaft. Sensoren in der Natur vermessen ganze Landschaften von den feinsten Details des Mooswachstums bis zur sekundengenauen Brutdauer von Vögeln. Philologen vermessen dank digitalisierter Bücher den Bestand aller unserer Wörter neu. Im Verlauf des Buches werden uns zahlreiche weitere Beispiele begegnen, von neuaufgelösten Unternehmen und Wahlkämpfen bis zum Wandel des Strassenverkehrs und dem Siegeszug der Roboter.

Diese Neue Auflösung erzeugt eine ganz neue Welt.“

Das ist nicht einfach Sience-Fiction in ferner Zukunft, diese Entwicklung ist in vollem Gange. Und es braucht gesellschaftliche Diskussionen darüber, wie wird Digitalisierung möglichst menschenfreundlich gestalten können. Basis solcher Diskussionen ist aber ein Grundwissen über diese Digitalisierungsprozesse bei möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern. Dazu bietet dieses Buch eine gut verständliche Einführung.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

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