Inhaltsstoff Spermidin aus Weizenkeimen gegen Demenz?

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Der Inhaltsstoff Spermidin aus Weizenkeimen verbessert in einer Pilotstudie deutscher Neurologen das Gedächtnis von Senioren und kann so möglicherweise einer Demenzerkrankung vorbeugen.

Spermidin fördert die zelluläre Müllabfuhr und gaukelt den Zellen zudem ein Fasten vor – beides wirkt günstig auf die Gesundheit von Gehirnzellen. Die positiven Wirkungen des Spermidins sollen nun in einer weitern, längeren Studie überprüft werden.

Im menschlichen Organismus spielt Spermidin eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Zellprozessen und aktiviert insbesondere die Beseitigung von zellulärem Abfall mittels Autophagie.

Weil sich bei der Alzheimer-Demenz solcher „Müll“ in Form fehlgefalteter Proteine in den Hirnzellen sammelt, vermuten Wissenschaftler schon länger, dass die zelluläre Müllabfuhr dem entgegenwirken könnte.

In Tierversuchen verlängerte Spermidin die Lebensdauer von Würmern und Insekten und stoppte den altersbedingten Gedächtnisverlust bei Fruchtfliegen.

In ihrer Pilotstudie untersuchten die Forscher, wie sich aus Weizenkeimen gewonnenes und in Kapseln verabreichtes Spermidin auf Lernen und Gedächtnis von Probanden auswirkte. Das Resultat: „Wir konnten zeigen, dass sich Gedächtnisleistungen bereits nach dreimonatiger Einnahme tendenziell verbessern, bei sehr guter Verträglichkeit der Kapseln.“

Nun soll eine größere Studie diese Resultate überprüfen und vertiefen. Dabei untersuchen die Wissenschaftler die Wirkung einer zwölfmonatigen Gabe von natürlichem Spermidin aus Weizenkeimen auf Lernen und Gedächtnis sowie auf die Struktur des Gehirns. An dieser „Smart Age“-Studie beteiligen sich ältere, noch gesunde Personen, deren Gedächtnis sich nach eigener Einschätzung verschlechtert hat.

Zwar lässt sich eine Demenz nicht einfach durch Nahrungsergänzungsmittel wegessen oder eine vorbeugende Pille dagegen schlucken. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen nie eine ausgewogene Ernährung. Eine gesunde Ernährung kann jedoch zur Prävention beitragen.

So wirkt es sich günstig aus, viel Obst, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren zu sich zu nehmen und beim Zucker zu sparen. Und es spielt eine Rolle, wie viel man isst: In Studien führte eine Kalorieneinschränkung, insbesondere der Reiz des Fastens, zu besseren Gedächtnisleistungen.

Damit lässt sich möglicherweise die Wirkung des Spermidins erklären, denn dieses zählt zu den sogenannten Kalorienreduktions-Mimetika. Dabei handelt es sich um Substanzen, die Effekte des Fastens immitieren. Der Organismus produziert diese Substanzen beim Abnehmen, man kann sie jedoch auch mit der Nahrung aufnehmen. Auch einige weitere Vertreter dieser Kalorienreduktiions-Mimetika könnten möglicherweise vorbeugend gegen Demenz wirken, darunter eine Substanz aus Grüntee (Epigallocatechingallat, EGCG) und das in roten Trauben enthaltene Resveratrol.

Für Resveratrol konnten positive Effekte auf die Gedächtnisleistung und auf die Durchblutung des Gehirns nachgewiesen werden berichtet.

Sehr viel eindeutiger und einfacher sind jedoch Präventions-Maßnahmen, die jeder Mensch in seinem Alltag berücksichtigen kann: Ausreichend Bewegung, ein aktives soziales Leben und die Vermeidung von Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht können helfen, das Risiko für eine Demenz zu reduzieren.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21916-2017-09-21.html

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., 21.09.2017 – NPO)

Kommentar & Ergänzung:

Ein sicheres, unschädliches Mittel zur Vorbeugung von Demenz – wer möchte das nicht haben?

Diese Forschungen zum Weizenkeim-Inhaltsstoff Spermidin sind interessant, doch bleibt festzuhalten, dass Laborexperimente und eine kleine Pilotstudie noch keine Wirksamkeit beim Menschen belegen können. Das gilt auch für EGCG aus Grüntee und Resveratrol aus den roten Trauben.

In der Phytotherapie wird Ginkgo-Extrakt eingesetzt zur Verbesserung von Gehirnfunktionen und Gedächtnisleistung. Eine ganze Reihe von Untersuchungen deutet auf solche Wirkungen hin. Eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz konnte bisher nicht belegt werden, günstige Effekte im Frühstadium von Demenz aber schon.

„Besonderes bei milden Demenzformen werden das Lernvermögen sowie die Gedächstnisleistung verbessert……..Bei Alzheimer-Patienten wurde für eine Tagesdosis von 240mg Extrakt ein positiver Einfluss auf den Parameter ‚Aktivitäten des täglichen Lebens’ nachgewiesen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf einen Nutzen bei der Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit und hinsichtlich des klinischen Gesamteindrucks.“

(Quelle: Biogene Arzneimittel)

„Die Wirksamkeit ist in Einzelstudien und Metaanalysen für die symptomatische Behandlung von Alzheimer und vaskulärer Demenz belegt.“

(Quelle: Teedrogen und Phytopharmaka)

Der Beitrag im Fachmagazin „scinexx“ weißt aber sehr zurecht darau hin, dass die wichtigsten Massnahmen zur Vorbeugung von Demenz (soweit das möglich ist), im nichtmedikamentösen Bereich liegen:

„Ausreichend Bewegung, ein aktives soziales Leben und die Vermeidung von Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht können helfen, das Risiko für eine Demenz zu reduzieren.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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