Notwendig: Den Sumpf der Hasspropaganda im Internet trocken legen

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Hasspropaganda und Hasskommentare im Internet vergiftet das gesellschaftliche Klima und gefährdet die offen-liberale, pluralistische, demokratische Gesellschaft. Kritik gehört zur Demokratie wie das Salz in der Suppe. Aber Hass, Einschüchterung und Drohungen sind etwas fundamental anderes als Kritik und zurückzuweisen. Reflexion und Aktion gegen Hasspropaganda ist deshalb notwendig. Dieser Beitrag liefert dazu wichtige Stichworte und fasst zu diesem Zweck insbesondere im ersten Teil das Buch von Ingrid Brodnig zusammen (Hass im Netz, Brandstätter Verlag 2016).

 

Sechs Faktoren, welche die Enthemmung im Internet fördern

(nach John Suler)

  1. Anonymität: Gibt Gefühl der Unverwundbarkeit.

 

  1. Unsichtbarkeit: Nonverbale Feedbacksignale fallen weg. Fehlender Augenkontakt

 

  1. Asynchronität: Kein unmittelbares Feedback auf hasserfüllte Kommentare, „Emotionale Fahrerflucht“.

 

  1. Phantasievorstellung vom Gegner gespeist von eigener Persönlichkeit.

 

  1. Trennung zwischen Online- und Offline-Charakter: Online wird nicht so ganz ernst genommen.

 

  1. Fehlende Autorität: Online-Foren sind oft kaum moderiert – Hater werden selten zur Ordnung gerufen.

 

Internet fördert Echokammern – Echokammern fördern Radikalisierung

 

Confirmation Bias (Bestätigungsfehler): Menschen bevorzugen Informationen, die ihre Sichtweise bestätigen.

 

Menschen aggregieren sich in Communitys mit denselben Interessen. Kaum Kontakt mit Andersdenkenden.

 

Dadurch ständige Bestätigung der eigenen Vorurteile und Verfestigung der Vorstellung, dass alle so denken, wie man selbst.

 

Aggressive Kommentare auf Facebook bekommen mehr Likes (= Bestätigung). Bekommt ein Beitrag viele Likes und Kommentare, wird er von Facebook mehr gezeigt und bekommt mehr Beachtung. Dieses Zusammenwirken menschlicher und technischer Faktoren treibt die Polarisierung im Netz voran.

 

Diese Entwicklung ist verheerend, weil Demokratie darauf aufbaut, dass wir mit anderen Meinungen konfrontiert werden.

 

Zur Typologie problematischer Internetnutzer

1. Trolle

Ihnen geht es nicht um inhaltliche Anliegen, sondern um die eigene Belustigung. Sie wollen Aufruhr erzeugen und andere Internetnutzer zur Weissglut treiben. Daraus ziehen sie ein Gefühl der Überlegenheit. Die Bandbreite des Trollens reicht von skurrilen, aber harmlosen Provokationen bis hin zu äusserst verletzendem Mobbing.

Troll-Strategien nach Claire Hardaker:

– Abschweifen in ergebnislos bleibende Richtung, was Frustration auslöst.

– Unverhältnismässige oder pedantische Kritik.

– Antipathie auslösen durch Einnahme irritierender Haltungen und Sichtweisen.

– Eine Bedrohung fingieren, die andere Nutzer alarmiert.

– Schocken durch Tabubrüche und Verletzung von Moralvorstellungen.

– Unprovozierte Aggression durch grundlose Attacken und plumpe Beleidigungen.

 

2. Glaubenskrieger

Sie sind restlos überzeugt von einer Idee, dulden keinen Widerspruch und gehen aggressiv und herabwürdigend gegen alle vor, die eine andere Sichtweise einnehmen. Mit diesen Gegnern oder Feinden wollen sie nicht diskutieren, sondern sie nur wegmobben. In Diskussionen kommen sie sehr rasch auf ihr Thema, sind dort mitteilungsbedürftig, aufdringlich und von quasi religiösem Eifer getrieben. Glaubenskrieger wähnen sich im Krieg gegen Andersdenkende. Sie heizen daher die Stimmung gezielt an, weil sie polarisieren und eine Konfrontation herbeischreiben wollen.

 

Vier Faktoren sind charakteristisch für Glaubenskrieger:

 

– Unbeirrbare Überzeugungen:

Der Glaubenskrieger beansprucht, die Wahrheit zu kennen. Demensprechend ist es im ernst. Im Gegensatz zum Troll agiert er nicht aus Jux und Tollerei. Er fühlt sich verpflichtet, die Wahrheit möglichst laut zu verbreiten und zeigt als „Kampfposter“ oft grosses Engagement und eindrückliche Ausdauer.

 

– Heldenmythos:

Glaubenskrieger sind überzeugt davon, dass sie besser informiert sind als andere Menschen, und dass sie eine wichtige Information verstanden haben, die ein grosser Teil der Bevölkerung noch nicht so recht einsehen will. Dabei geht es oft um eine Bedrohung, manchmal sogar um ein Komplott, das die Eliten mittragen oder zumindestens schönreden. Hier kommen häufig Verschwörungstheorien ins Spiel. Glaubenskrieger begeben sich in Fundamentalopposition zum Rest der Gesellschaft und entwerfen ein Szenario von „Wir gegen die“, bei dem eine heldenhafte Gruppe gegen die verblendete Masse ankämpft.

– Abschottung:

Glaubenskrieger sind nicht zugänglich für Fakten und Argumente, die ihrem Weltbild widersprechen. Kommen sie argumentativ gegen einen Diskussionsgegner nicht an, werfen sie ihm kurzerhand vor, zu lügen oder verblendet zu sein. Sie selbst fallen auf durch ihren unsorgfältigen Umgang mit Fakten. Sie berufen sich oft auf Quellen, die keine hohen Qualitätsansprüche haben und die oft aus derselben Szene stammen wie sie selbst. Manche Glaubenskrieger halten auch den Einsatz gezielter Lügen für ein adäquates Mittel, um ihren Standpunkt durchzusetzen und auf die vermeintliche Bedrohung hinzuweisen.

 

– Aggressive Tonalität:

Glaubenskrieger zeigen kaum Empathie gegenüber Andersdenkenden. Ihr aggressives Auftreten erfüllt zwei Aufgaben: Erstens stärkt es den Zusammenhalt durch Abgrenzung der „Eigengruppe“ von der „Fremdgruppe“. Der gemeinsame Feind vereint die Eigengruppe. Zweitens sollen Andersdenkende gezielt verunglimpft, übertönt und zum Verstummen gebracht werden. Sachliche Stimmen ziehen sich durch die ständigen Beleidigungen aus der Diskussion zurück. Andersdenkende werden bewusst so lange frustriert, bis sie gar nicht mehr das Wort ergreifen (Silencing). Die kontinuierlichen Provokationen führen manchmal dazu, dass Andersdenkende sich ebenfalls im Ton vergreifen. In den Augen der Glaubenskrieger beweist das dann, dass sie selbst die wahren Opfer sind.

 

Glaubenskrieger gibt es in vielen Varianten: Islamfeindliche, islamistische, rechtsextreme, linksextreme, antifeministische, fundamentalistisch impfkritische…..

 

Wie funktionieren Glaubenskrieger?

– Motiviertes Denken:

Die Weltsicht ist stark mitbestimmend für ihre Denkweise: „Motivated Reasoning“ (Motiviertes Denken) durch

  1. a) „Selective Exposure“ = verstärkte Suche nach Informationen, die mit den eigenen bestehenden Ansichten übereinstimmen, und
  2. b) „Confirmation Bias“ (Bestätigungsfehler) = Aussagen eher akzeptieren, die der eigenen Weltsicht entsprechen, und
  3. c) „Disconfirmation Bias“ = Informationen eher ablehnen oder ignorieren, wenn sie der eigenen Weltsicht widersprechen.

 

– Zulaber-Technik:

In nur wenigen Sätzen unzählige Behauptungen aufstellen, was den Eindruck vermitteln soll, dass sie sich extrem gut auskennen. So rasch, wie Glaubenskrieger oft fragwürdige Behauptungen in den Raum werfen, kann ein Gegenüber sie gar nicht auf Richtigkeit überprüfen und gegebenenfalls widerlegen.

 

– Permanente Wiederholung:

Glaubenskrieger versuchen, ihre kognitiven Kurzschlüsse durch ständige Wiederholung zu verbreiten. Das Internet vervielfacht die Möglichkeiten dazu. Ständige Wiederholung von Behauptungen ist sehr wirkmächtig.

 

– Kampf um kulturelle Hegemonie:

Glaubenskrieger versuchen, digitale Diskussionsräume mit ihrer Aggression zu besetzen und damit sachliche Debatten in erhitzte Schlachtfelder zu verwandeln.

 

– Hass als Instrument zur Verhinderung von Empathie:

Durch fehlende Empathie fallen Hemmungen gegenüber den Gehassten weg, was starke Feindschaft ermöglicht und daraus folgende Spaltung in „wir“ gegen „die“.

 

– Schimpfworte und verbale Attacken:

Die konsequente Verwendung von Schimpfworten und verbalen Attacken führt zur Polarisierung und verhindert Konsensfindung, die für demokratische Gesellschaften essentiell ist.

 

– Fortlaufende Provokationen:

Durch Provokationen wird der Gegner dazu verleitet, selbst ausfällig zu werden. Gelingt das, kann sich der Glaubenskrieger als Opfer präsentieren. Statt in die Falle zu tappen und selber ausfällig zu werden: Unfaire Diskussionsstile konsequent benennen!

 

– Pochen auf „Meinungsfreiheit“ als Immunisierungsstrategie:

Glaubenskrieger missbrauchen den für demokratische Gesellschaften wichtigen Begriff der Meinungsfreiheit, klagen darüber, dass ihre Meinungsfreiheit eingeschränkt wird und stellen sich als Opfer von Zensur dar. Sie missverstehen oder verdrehen dabei den Sinn der Meinungsfreiheit.

Meinungsfreiheit ist jedoch kein Freibrief für Verleumdungen, Diffamierungen, Drohungen oder rüpelhaftes Verhalten. Sie umfasst nicht das Recht, jederzeit und überall zu Wort zu kommen und Gehör zu finden. Sie schützt auch nicht vor Kritik und In-Frage-gestellt-werden. Wie andere Grundrechte auch, ist die Meinungsfreiheit nicht grenzenlos. Sie schützt insbesondere vor Eingriffen der Behörden und staatlicher Verfolgung, wenn man Informationen oder Ideen weitergeben möchte.

 

Silencing

Mit „Silencing“ wird der Versuch bezeichnet, Menschen im Internet solange einzuschüchtern, bis sie nicht mehr das Wort ergreifen, verstummen und sich zurückziehen. Ziel der Attacken: Andere Meinungen sollen aus der öffentlichen Debatte verschwinden. Die Diskussionsräume im Internet sind kein egalitärer Ort. Von Silencing sind nicht alle Internet-Nutzer gleichermassen betroffen. Potenzielles Ziel von zum Teil organisierten Hasskampagnen sind alle, die sich mit Meinungen exponieren, die den Glaubenskriegern zuwider laufen, insbesondere Politikerinnen und Politiker. Frauen werden härter attackiert und persönlicher diffamiert, wobei Verunglimpfungen und Drohungen oft sexualisiert daherkommen, zum Beispiel als Vergewaltigungsdrohung.

Davon besonders betroffen sind Journalistinnen, Feministinnen und Lesben. Ein Migrationshintergrund verschärft die aggressive Tonalität der Angriffe.

 

Für demokratische Gesellschaften ist Silencing fatal, weil grosse Teile der Bevölkerung dadurch im öffentlichen Diskus unsichtbar werden.

Silencing belastet am stärksten, wenn Betroffene den Eindruck bekommen, ganz auf sich allein gestellt zu sein. Solidaritätsbekundungen anderer User sind daher enorm wichtig.

 

Falschmeldungen und Lügen als Hass-Generatoren

 

Falschmeldungen und Lügen verbreiten sich im Netz wahnsinnig schnell. Sie sind oft sehr viel schockierender und emotionalisierender als Richtigstellungen und werden daher auch von mehr Menschen geliked und weitergereicht. Die höhere Rate an Likes und Shares wiederum hat zur Folge, dass der Facebook-Algorithmus Falschmeldungen gegenüber Richtigstellungen bevorzugt und sie stärker verbreitet.

Die ständigen Wiederholungen machen die Fälschungen so wirkungsvoll. Glaubenskrieger zielen mit der Verbreitung von Falschmeldungen auf die Erzeugung von Panik. Die bisher ruhige Mitte, die sich in die Debatte nicht einmischt, soll auch polarisiert werden.

 

Umgang mit Falschmeldungen:

 

– Grundsätzliche Medienkompetenz vermitteln: Meldungen zuerst prüfen, erst danach allenfalls weiterverbreiten („Zuerst denken, dann klicken“). Quellen von Meldungen prüfen (wer, was, wann, wo, wie?). Weblink: www.mimikama.at

 

Richtigstellungen sind schwierig und müssen gut formuliert sein: Sie erreichen weniger Leute und oft die falschen. Facebook praktiziert „Preaching to the Choir“: Die Botschaft wird demjenigen präsentiert, der ohnehin schon an den Inhalt glaubt. Eine flüchtlingsfeindliche Falschmeldung wird dem Flüchtlingsfeind gezeigt, die Richtigstellung eher dem Flüchtlingsfreund. Dazu kommt der „Backfire Effekt“. Der Schuss kann nach hinten losgehen: Glaubenskrieger werden durch Richtigstellung von Falschmeldungen, die ihr Weltbild bestätigen, in diesem Weltbild oft sogar bestärkt.

Korrekturen nicht als Verneinung formulieren, weil dann die ursprüngliche Behauptung noch einmal wiederholt wird. „Obama ist kein Moslem“ verfestig die Verbindung „Obama–Moslem“. Affirmation ist wirksamer: „Obama ist Christ“. Den Hintergrund der Falschmeldung erklären (wem nützt sie?). Auf häufige Widerholungen falscher Aussagen verzichten.

 

– Bei rufschädigenden Falschmeldungen: Anzeige prüfen.

 

Quelle:

Ingrid Brodig, Hass im Netz, Brandstätter Verlag 2016

Die bisherigen Abschnitte sind im Wesentlichen eine Zusammenfassung dieses Buches. „Hass im Netz“ können Sie kaufen im Buchshop.

 

Hasspropaganda als Instrument hybrider Kriegsführung

 

Hasspropaganda im Internet wird auch eingesetzt im Rahmen hybrider Kriegsführung. Dabei handelt es sich um „eine flexible Mischform der offen und verdeckt zur Anwendung gebrachten regulären und irregulären, symmetrischen und asymmetrischen, militärischen und nicht-militärischen Konfliktmittel mit dem Zweck, die Schwelle zwischen den völkerrechtlich angelegten binären Zuständen Krieg und Frieden zu verwischen.“ (Quelle: Wikipedia).

Desinformationskampagnen und Propaganda spielen im hybriden Krieg eine wichtige Rolle. Aktuelles Beispiel ist die hybride Kriegführung Russlands (Krim, Ostukraine) und die propagandistische und finanzielle Unterstützung rechtsradikaler und linksradikaler Bewegungen in Europa durch die Kremlführung.

Beispiele:

– Staatlich gelenkte russische Propagandamedien streuen Falschmeldungen über Vergewaltigung durch NATO-Soldaten in Litauen.

– Unterstützung Marine Le Pens durch Diffamierung Macrons durch „Sputnick“ (Unterstellung von verheimlichter Homosexualität).

– Der „Fall Lisa“.

– Die St. Petersburger Trollfabrik, zur Flutung von Kommentarspalten westlicher Medien mit kremlfreundlichen, EU-feindlichen, Merkel-feindlichen Statements.

– Das Donezk-Leak aus dem E-Mail-Account der Informationsministerin der prorussischen Rebellen in der Ostukraine zeigt die Propagandastrategie und den Einfluss Russlands auf den Propagandaapparat der Separatisten.

– Social-Bots-Armeen für die politische Propaganda und Desinformation.

Quelle für diesen Abschnitt:

Markus Wehner, Putins Kalter Krieg, Knauer 2016

Boris Reitschuster, Putins verdeckter Krieg, Econ 2016

 

Kernpunkte im Engagement gegen Hasspropaganda:

– Differenzieren, ohne zu verharmlosen. Das ist nicht selten eine Gratwanderung.

– Unterscheiden zwischen Hass / Hetze / Diffamierung einerseits, und Kritik andererseits. Kritik bezieht sich auf konkrete Sachverhalte, Äusserungen oder Handlungen. Sie basiert auf Argumenten. Kritik ist wichtig und muss erlaubt sein. Sie ist unerlässlich in einem demokratischen Gesellschaftsmodell. Hass / Hetze / Diffamierung dagegen pauschalisiert, zielt auf die Person oder auf Personengruppen.

– Propaganda-Strategien durchschauen lernen. Wie überprüft man Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt?

– Unterscheiden lernen: Wie weit geht die Meinungsäusserungsfreiheit – und wo endet sie?

– Hasspropaganda kann jeden und jede treffen. Es gibt zum Beispiel Islamhasser, Hass von Islamisten gegen „Ungläubige“, Hass gegen Homosexuelle, Übergewichtige, gegen besonders „schöne“ oder „hässliche“ Menschen…………Das Engagement gegen Hasspropaganda ist deshalb umfassend und lässt sich nicht von einer bestimmten Position vereinnahmen.

– Gegenseitiger Hass hängt sehr viel stärker zusammen, als es den Beteiligten klar ist. Islamhasser und Islamisten brauchen sich, fördern sich gegenseitig und spielen sich in die Hände. Darum kann man Islamisten nicht mit Islamhass bekämpfen und Islamhass nicht durch Islamismus. Es braucht unabhängiges Engagement gegen Hasspropaganda.

 

Mögliche Aktivitäten gegen Hasspropaganda

– Counterspeech: Bei der Counter Speech geht man bewusst auf Redewendungen ein, die Ressentiments und Vorurteile enthalten: nicht durch Polemik, sondern durch unaufgeregte und klare Argumentation, die den diskriminierenden Post ins Leere laufen lässt. Counterspeech kann auch der Stärkung von Minderheiten dienen, weil diesen damit öffentlich gezeigt wird: »Ihr seid nicht alleine.« Guter Counterspeech will gelernt sein. Vernetzung und Erfahrungsaustausch sind dazu nützlich. Die Forderung nach Counterspeech ist allerdings bequem für die Social Media Plattformen. Counterspeech hält die Leute auf der Plattform und Twitter, Facebook & Co. können sich um ihre Veranwortung drücken. Die User erledigen die „Putzarbeit“ auf der Plattform, die eigentlich die Plattform-Firmen erledigen müssten. Daher ist neben gutem Counterspeech auch wichtig:

 

– Druck machen auf die Social Media Plattformen, damit sie ihre Verantwortung wahrnehmen (Rasche Löschung von Hass, Diffamierung, Drohung; Algorithmen überarbeiten, damit sie nicht Hass, Drohung, Diffamierung begünstigen).

 

– Hasspropaganda im Internet auffinden und an die entsprechenden Stellen melden (Social Media Plattformen, http://www.hass-im-netz.info, Gericht).

 

– Gegen Hasspropaganda sensibilisieren in Schulen, Betrieben etc.

 

– Möglichkeiten suchen und aufbauen, um Opfer von Hasspropaganda zu unterstützen.

 

Links gegen Hasspropaganda:

 

– Die Facebook-Gruppe #ichbinhier wirkt aktiv Hasskommentaren entgegen und steht für eine Diskussionskultur, die auf Argumenten basiert – nicht auf Gerüchten und Beleidigungen.

 

http://www.stoppt-hasspropaganda.de

 

http://www.mimikama.at (Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch)

 

https://no-hate-speech.de

 

http://hasspropaganda.tumblr.com (Seite von Martin Koradi)

 

http://www.stopfake.org/de/start/ (widerlegt russsiche Fake News zur Ukraine).

 

http://www.solidaritystorm.at/index

 

Zitat von Heinz Kleger zum Thema Einschüchterung:

«Bei solchen Fragen der Einschüchterung und Gewalt geht es nicht um Kompromisse. Abgesehen von faulen Kompromissen sind verhandelte Kompromisse meistens gut, zumindest sind sie legitim. Bei Gewalt- und Einschüchterungsfragen geht es dagegen um weit mehr, nämlich um Legitimitätskonzessionen und die sind immer schlecht, wenn es um Demokratie geht. Jeder sollte ohne Angst zu Wort kommen können. Einschüchterung und Gewalt sind nicht nur zu verachten, sondern offen zu bekämpfen. Entscheidend ist, dass es eine sichtbare Gegenwehr gibt.

Dies gilt insbesondere für eine Hasspropaganda, die zu Gewalt führt. Eine Politik des Hasses und der Gewalt lässt sich mit Demokratie nicht vereinbaren („not in my name“). Viel zu oft nehmen wir sie passiv hin, was kein Ausdruck demokratischer Tugendethik ist, sondern der Anfang vom Ende: Die lauten Minderheiten gewinnen dann über die stillen Mehrheiten, im Kleinen wie im Grossen. Gesellschaftliche Mehrheitsverhältnisse werden umgedreht. Toleranz und Entschiedenheit schliessen sich jedoch nicht aus, im Gegenteil. Es ist wichtig, frühzeitig, klug, breit und originell (in Verbindung mit den neuen Techniken, Künsten und den Lebenswelten heutiger Jugendlicher) gegen eine Politik des Hasses vorzugehen. Über und mit der Toleranz steht die Übung der Urteilsfähigkeit. Zu den kleinen Schritten der Aufklärung als Prozess gehört die Überprüfung der Informationen, um nicht Mitläufer zu werden („erst prüfen, dann teilen“).»

Quelle: Tugendethik ohne Tugendterror, Heinz Kleger, Verlag Books on Demand, 2015, Seite 89. Heinz Kleger ist Politikwissenschaftler in Potsdam.

Weitere Texte von mir zu gesellschaftspolitischen Themen:

Demokratie braucht eine diskursive Gesprächskultur -verteidigen wir sie! Für den konstruktiven Weg zwischen Relativismus und Dogmatismus.

Was ist Populismus? Und was nicht? (eine Zusammenfassung des Buchs „Was ist Populismus“ von Jan-Werner Müller).

Offene Gesellschaft oder geschlossene Gesellschaft – wohin geht die Reise? Das Konzept der offenen Gesellschaft von Karl Popper ist eine fulminante Verteidigung der liberalen, offenen Demokratie, die heute wieder weltweit unter Druck steht.

Wie Medien via Aufmerksamkeitsfalle den Populismus fördern. Eine Zusammenfassung des Buches „Die Aufmerksamkeitsfalle“ von Mattthias Zehnder.

– Hannah Arendt: Standnehmen in der Welt statt Weltentfremdung.
Die Sorge um intakte Weltbezüge in der modernen Gesellschaft

Ralf Dahrendorf zu den Gefährdungen liberaler Demokratien. Schleichender Autoritarismus, Staatsversagen, Einschränkung demokratischer Entscheidungsmöglichkeiten im Nationalstaat infolge Globalisierung, neuer Regionalismus.

.- Lob der Kritik. Vom Wert der Kritikfähigkeit in Zeiten von Fake News.

 

Übersicht meiner gesellschaftspolitischen Buchempfehlungen.

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