Detox-Pflaster zur Entgiftung

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Vor kurzem ist mir wieder einmal das Gesundheitsmagazin „Vista“ ins Haus geschneit. Immer wenn ich diese Publikation lese, geht es mir schlechter, weil mir sehr deutlich vor Augen geführt wird, was ich alles kaufen und schlucken müsste, damit es mir gut geht.

Da wird doch wieder einmal dieses Entgiftungspflaster (Detox-Pflaster) angepriesen, das sich dunkel verfärbt – was dann beweisen soll, dass Giftstoffe aus dem Körper gezogen werden. Dabei handelt es sich bei diesen Verfärbungen nur um eine Reaktion der Inhaltsstoffe mit Hautfeuchtigkeit und Sauerstoff.

Das hat vor Jahren die Sendung „Kassensturz“ schon demonstriert: Das Pflaster verfärbt sich auch dunkel, wenn es auf eine Glasflasche geklebt und mit einer Pflanzenspritze befeuchtet wird.

Aber was solls: Den Leuten wird eingeredet, sie seien verschlackt und vergiftet. So fühlen sie sich schlechter. Dann verkauft man ihnen ein Entschlackungspflaster, das die eingeredeten Schlacken und Giftstoffe angeblich herauszieht – und schwupps – den Leuten geht’s wieder besser – und dem Verkäufer auch.

Solche Produkte sind ein todsicheres Geschäft. Sie profitieren vom Placebo-Effekt, vom natürlichen Verlauf der Beschwerden (viele Beschwerden bessern auch von alleine) und von der Regression zur Mitte (chronische Krankheiten zeigen meistens einen schwankenden Verlauf – die Beschwerden nehmen zu und bessern sich wieder).

Den Rest erledigt der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschuss.

Sieh dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

 

Warum wir gesund werden

 

Dreissig Fusspflaster kosten übrigens Fr. 94.90.-, ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass die Herstellungskosten wohl kaum mehr als ein paar Franken betragen. Aber Forschungen haben gezeigt: Teure Placebos wirken deutlich besser als billige Placebos. Eben. Darum auf keinen Fall billiger werden.

Siehe:

Überraschender Placebo-Erfolg bei Schmerztherapie

 

Fragt sich einfach, ob es nicht Wege zum Umgang mit Beschwerden gibt, die ohne solche (Selbst)Täuschungen auskommen. Ich bin überzeugt davon, dass das der Fall ist, aber dass diese Wege auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können.

P.S.: Wie weiss eigentlich das Detox-Pflaster, welche Stoffe es als Giftstoffe aus dem Körper herausziehen muss – und welche Stoffe unbedingt drin bleiben müssen?

Und was sind das genau für Giftstoffe, die angeblich herausgezogen werden?

Siehe auch:

Kapitel Entgiftungspflaster auf Psiram.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

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