Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

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Schwere Beine, Krampfadern und Ödeme gehören zu den häufigsten Symptomen der chronischen Venenerkrankung. Professor Dr. Markus Stücker vom Venenzentrum des Universitätsklinikums Bochum hat auf einer Pressekonferenz des Antistax®-Herstellers Boehringer-Ingelheim in Berlin davor gewarnt, diese auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die chronische Veneninsuffizienz (Venenschwäche) begünstige Thrombosen und Lungenembolien, sagte Stücker.

Als mögliche Auslöser dieser Venenprobleme sieht er drei verschiedene Mechanismen am Werk: eine gestörte Funktion der Venenklappen, Gefäßverschlüsse sowie eine eingeschränkte Funktion der Muskelpumpe. Insbesondere das Tragen hoher Absätze könne die Muskelpumpe beeinträchtigen, warnt der Venenexperte. In der sogenannten Spitzfußhaltung, bei der die Ferse beim Laufen nicht auf dem Boden aufsetzt, seien die Wadenmuskeln maximal verkürzt. Das vermindere den venösen Rückstrom.

Die sogenannten Besenreiser hält Stücker dagegen in erster Linie für ein kosmetisches Problem – zumindest wenn sie an der Außenseite der Oberschenkel auftreten. Im Fuß-Knöchel-Bereich können Besenreiser allerdings auf tief liegende Krampfadern hinweisen.

Treten irreversible rostbraune Verfärbungen der Haut auf, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Diese Verfärbungen seien meist auf Eiseneinlagerungen zurückzuführen und dann ein Zeichen dafür, dass das Venenleiden schon verhältnisweise weit fortgeschritten ist.

Unbehandelt könne die Veneninsuffizienz zu einem offenen Bein führen, dem Ulcus cruris venosum.

Mit den Behandlungsmöglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, müsse es dazu aber nicht mehr kommen, erklärte Stücker.

Eine der drei Säulen sei noch immer die invasive Behandlung. Früher habe man die Venen einfach gezogen. Heute könnten sie auch gelasert oder mit einem speziellen Schaum sklerosiert werden.

Die zweite wichtige Säule in der Behandlung chronischer Venenerkrankungen ist laut Stücker die Kompressionstherapie. Die Kompressionstherapie kann Ödeme ausschwemmen, die Symptome der Patienten lindern und die Muskelpumpe unterstützen. Kompressionsstrümpfe seien deutlich wirksamer als Bandagen. Um die Compliance (Mitwirkung) der Betroffenen nicht zu gefährden, rät der Experte, den Druck nicht zu hoch zu wählen. Den Druck zu erhöhen bringe nur bis zu einem gewissen Grad eine Linderung der Symptome. Alles, was darüber hinausgehe, verschlechtere das Befinden des Patienten.

Pflanzliche Ödemprotektiva als Ergänzung

Die Einnahme oraler Ödemprotektiva könne die Behandlung sinnvoll ergänzen. Diese Arzneimitttel enthalten Flavonoide wie Quercetin (Antistax®) und Oxerutin (Venoruton®) oder Triterpensaponine wie Aescin (Venostasin®). Sie unterbrechen laut Stücker den Entzündungsprozess um die Venen herum. Die Kombination aus oralen Ödemprotektiva und Kompressionstherapie sei der Kompression allein deutlich überlegen, sagt der Venenspezialist. Die Effekte hielten zudem nach dem Ende der Behandlung länger an. In einem 2013 im Fachjournal »Phlebology« publizierten Konsensuspapier hatte sich eine Expertenrunde für den Einsatz von Flavonoiden bei chronischen Venenerkrankungen ausgesprochen (DOI: 10.1177/0268355512471929).

Der Wirkeintritt dieser Venenmittel könne nach etwa acht Wochen erwartet werden. Zwar berichteten einige Patienten schon früher über eine Verbesserung ihrer Beschwerden, der kurzfristige Einsatz – zum Beispiel bei Flugreisen – bringe jedoch keinen Vorteil. Auch bei Beseneisern seien Ödemprotektiva nicht indiziert. Bei Patienten, die bereits unter einem offenen Bein litten, sollten Ödemprotektiva allenfalls ergänzend angewendet werden, empfiehlt Stücker. Er betont aber, dass die Kompressionstherapie beim offenen Bein durch nichts zu ersetzen ist. Eine orale Behandlung sei in solchen Fällen definitiv nicht ausreichend.«

Langfristiger Einsatz unbedenklich

Den langfristigen Einsatz der Ödemprotektiva bei gegebener Indikation hält er für unbedenklich. Es seien auch bei dauerhafter Einnahme keine Nebenwirkungen zu erwarten. Sehr selten komme es zu Unverträglichkeiten und über andere unerwünschte Wirkungen sei bislang nichts bekannt. Man könne aber auch nur zeitweise auf Ödemprotektiva zurückzugreifen, zum Beispiel bei Menschen, die nur in den Sommermonaten an Venenbeschwerden leiden. Dann könne eine Intervalltherapie ausreichen.

Salben und Cremes zur Behandlung von Venenbeschwerden überzeugen den Experten dagegen kaum. Er weißt zwar darauf hin, dass die Massagen und der kühlende Effekt als angenehm empfunden werden können. Für die Behandlung von Venenleiden reichen äusserlich aufgetragenen Mittel wie Venensalben und Venencremes nach Ansicht von Stücker in der Regel nicht aus.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63110

Kommentar & Ergänzung:

Dass an einer Pressekonferenz des Antistax®-Herstellers Boehringer-Ingelheim die Flavonoide als Therapie der Wahl bei Venenleiden in den Vordergrund gerückt werden, ist nicht überraschend, weil Antistax® auf Flavonoiden basiert.

Aus meiner Sicht sind Flavonoide und Aescin (aus Rosskastaniensamen) zur Behandlung etwa gleichwertig. In der Phytotherapie wird aus der Gruppe der Flavonoide zudem das Buchweizenkraut bei Venenbeschwerden empfohlen. Es enthält das Flavonoid Rutin.

Der „Leitfaden Phytotherapie“ (2016) nennt Fertigarzneimittel mit Rosskastaniensamenextrakt als Mittel der ersten Wahl, fügt aber an, dass auch die Wirksamkeit des Extrakts aus Rotem Weinlaub (Antistax®) inzwischen klinisch gut belegt ist.

Der Text in der Pharmazeutischen Zeitung enthält wichtige Informationen. Zum Beispiel zur grossen Bedeutung der Kompessionstherapie und zur nötigen langen Anwendungsdauer der pflanzlichen Venenmittel. Die Skepsis betreffend dem Nutzen von Venensalben und Venengele teile ich voll. Meinem Eindruck nach ist es sehr fraglich, ob Flavonoide und Aescin in ausreichender Menge durch die Haut gehen. Die beliebte Rosskastaniensalbe hilft wohl mehr durch die Massage oder bei einem Venengel durch den Kühleffekt lindernd.

Erwähnt werden könnte beim Thema Venenleiden noch, dass regelmässige Bewegung vorbeugend und lindernd wirkt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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