Phytopharmaka bei Schlafstörungen

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Die „NZZ am Sonntag (21. 2. 2016) veröffentlichte einen Artikel zum Thema „Besser schlafen“. Dabei kommen auch pflanzliche Schlafmittel zur Sprache:

„Bei leichten Schlafstörungen können Phytopharmaka versucht werden. Dazu gehören Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse. Die Effekte treten allerdings erst nach rund zwei Wochen ein. Bei Frauen ist daran zu denken, dass die Medikamente nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Angaben müssen präzisiert werden. Bei Baldrianextrakt sieht man in klinischen Studien, dass die Baldrian-Gruppe erst nach etwa 14 Tagen besser schläft als die Placebo-Gruppe. Jedenfalls spricht einiges dafür, dass man das volle Potenzial von Baldrianextrakt erst ausnutzt, wenn man ihn über eine gewisse Zeit einnimmt.

Auch bei anderen Extrakten scheint mir eine kurzfristig eintretende schlafanstossende Wirkung unwahrscheinlich – zum Beispiel bei Melissenextrakt und Hopfenextrakt. Anders sieht es aber aus, wenn ätherische Öle über die Duftebene zur Anwendung kommen (Lavendelöl, Melissenöl). Düfte wirken über Geruchsrezeptoren und Geruchsnerven direkt ins Limbische System. Da kann eine Wirkung schon in wenigen Minuten eintreten. Ein solcher Dufteffekt könnte möglicherweise auch bei Baldriantinktur oder Baldriantee zu einer kurzfristig eintretenden Wirkung führen.

Denn bei den klinischen Studien, bei denen eine Wirkung erst nach etwa 14 Tagen eingetreten ist, wurde der Baldrianextrakt in Kapseln oder Dragees verabreicht. Der Duft war dort also eliminiert.

Auch der oft als Schlaftee verwendete Orangenblütentee wirkt möglicherweise über die Duftebene. Studien zur Wirksamkeit von Orangenblütentee fehlen allerdings.

Zu diskutieren wäre auch der Hinweis, dass Phytopharmaka gegen Schlafstörungen nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden sollen.

Generell ist Zurückhaltung bei der Anwendung auch von pflanzlichen Präparaten in der Schwangerschaft zu empfehlen. In der Phytotherapie-Fachliteratur fehlt aber zum Beispiel bei Baldrian unter „Kontraindikationen“ ein Hinweis auf Schwangerschaft. Das gilt auch für andere Phytopharmaka gegen Schlafstörungen. Denkbar sind in der Schwangerschaft zudem auch schlafanstossende Anwendungen über die Duftebene.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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