Kieselsäure / Kieselerde zur Stärkung von Nägeln, Haaren und Knochen?

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Silizium-Präparate wie Kieselerde sollen die Knochen stärken, Nägel und Haare festigen und die Haut elastischer machen.

Bei brüchigen Nägeln zum Beispiel wird häufig Kieselerde empfohlen.

Kieselerde ist ein unscharf verwendeter Begriff, der Mineralien und Sedimente mit hohem Gehalt an natürlichen Siliziumverbindungen umfasst.

Nach Angaben im Internet wird Kieselerde zum Aufbau von Zähnen, Knochen, Gewebe und für alle schnellwachsenden Körperzellen benötigt, zum Beispiel für schöne Haut, gesunde Haare oder stabile Nägel. Kieselerde beuge einem Kieselsäuremangel vor und schütze vor Osteoporose, heisst es.

Vor vielen Jahren als Drogist habe ich immer wieder Kieselsäure-Präparate verkauft. Später versuchte ich herauszufinden, ob ein Kieselsäuremangel tatsächlich existiert und ob die versprochenen positiven Wirkungen dieser Produkte auf Nägel, Haut, Haare und Knochen auch real sind.

Das Ergebnis war ernüchternd. Plausible Belege fand ich keine.

Es war und ist bis heute nicht einmal klar, ob unser Organismus Silizium überhaupt benötigt.

Vor kurzem nun hat sich die österreichische Plattform „Medizin transparent“ mit der Frage befasst, ob die Einnahme von Silizium-Verbindungen gesundheitliche Vorteile bringe.

Auch „Medizin transparent“ kommt zum Schluss: Antwort unklar.

Ein Nachweis, dass Silizium-Verbindungen die Gesundheit fördern können, fehle bisher. Zudem sei unklar, ob Silizium als Spurenelement im Körper überhaupt eine biologische Rolle spiele.

Ein Siliziummangel sei in der medizinischen Fachliteratur nicht bekannt. Möglicherweise sei Silizium für den Körper sogar nutzlos. Folgerichtig gebe es auch keine Empfehlungen für eine tägliche Mindestmenge.

Es sei zwar richtig, dass größere Mengen des Elements besonders in Haaren, Nägeln und der Haut zu finden seien. Im Körper eines Erwachsenen finden sich insgesamt ein bis zwei Gramm Silizium. Das sei jedoch kein Beweis dafür, dass Silizium ein für die Gesundheit essentielles Spurenelement ist.

Möglicherweise habe die Forschung die biologische Aufgabe von Silizium bloß noch nicht entdeckt. Genauso denkbar sei jedoch, dass sich das Element nur zufällig im Körper ansammelt. Schließlich nehme der Mensch mit der Nahrung täglich zwischen zehn und 25 Milligramm pro Tag zu sich – auch ohne auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen.

Der Grund liege darin, dass wasserlösliche Siliziumverbindungen in unserer Nahrung relativ verbreitet seien. Sie kommen in Wasser genauso vor wie in Getreide, vielen Früchten und Gemüsesorten. Einen relativ großen Anteil an gelöstem Silizium habe übrigens Bier.

Ein wissenschaftlicher Nachweis für gesundheitliche Vorteile von Silizium-Verbindungen existiere nicht, schreibt „Medizin transparent“:

„Beispielsweise finden sich zur möglichen Wirkung von Silizium auf die Knochen lediglich zwei klinische Studien. Beide sind von so geringer Aussagekraft, dass nach wie vor unklar bleibt, ob lösliche Siliziumverbindungen überhaupt eine Auswirkung auf die Knochendichte haben.“

Ebenfalls unbelegt sei die Behauptung, Silizium könne die Haarstruktur verbessern, die Haut verjüngen oder die Brüchigkeit von Fingernägeln vermindern. Zwei Studien dazu seien von zu geringer Qualität, um diese Behauptungen zu bestätigen.

Es kursieren auch Versprechungen, dass Siliziumverbindungen die Fähigkeit haben, Alzheimer vorzubeugen oder zu bessern. Sie sollen Aluminium-Ablagerungen im Gehirn verhindern können, die angeblich die Ursache für die Demenzerkrankung sind. Die Verlässlichkeit der einzigen bisher dazu durchgeführten Studie ist sei aber zu gering, um diese Theorie zu stützen, schreibt das Team von „Medizin transparent“. Allerdings könne die momentane Studienlage nicht einmal bestätigen, dass Aluminium überhaupt an der Entstehung von Alzheimer beteiligt ist.

Auch Behauptungen, denen zufolge Silizium die Herzgesundheit fördern soll, den Magen vor zu viel Magensäure schützt oder die Bildung von Kollagen und Bindegewebe unterstützt, bleiben unbelegt.

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/silizium

(dort weitere Informationen und die Studien im Detail)

Kommentar & Ergänzung:

Kieselerde besteht in der Regel aus Schalen abgestorbener Kieselalgen, die v.a. aus Siliziumdioxid bestehen. Als reines chemisches Element kommt Silizium kaum vor, in Form chemischer Verbindungen ist es auf der Erde aber weitverbreitet.

Die Recherche von „Medizin transparent“ zum Stand des Wissens bezüglich Kieselerde kommt zu harten Schlüssen. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse über einen gesundheitlichen Nutzen von Kieselerde. Gemessen an den grossen Versprechungen, mit denen diese Produkte vermarktet werden, ist das niederschmetternd.

Und es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Langzeiteinnahme von Kieselerde für  die Nieren schädlich sein könnte:

„Schon vor mehr als zehn Jahren beurteilte eine Kommission des damaligen Bundesgesundheitsamtes Kieselsäure (bzw. Siliziumdioxid) negativ: ‚Aufgrund des fehlenden klinischen Erkenntnismaterials, insbesondere zu Dosierung und Dauer der Anwendung, kann Siliciumdioxyd zur Therapie für die beanspruchten Anwendungsgebiete nicht empfohlen werden.'(2) Gleichzeitig warnte die Kommission vor einer möglichen Nierenschädigung, wenn Kieselerde langfristig und hoch dosiert eingenommen wird: ‚In Einzelfällen (ist) die Bildung von siliciumhaltigen Nierensteinen möglich‘.(2)

(2) Aufbereitungsmonographie Siliciumdioxyd: Pharmaz. Ztg. 1994; 139: 482″

Quelle: http://gutepillen-schlechtepillen.de/actilife-kieselerde-und-radioaktivitaet/

 

Siehe auch:

Bier – eine gute Quelle für Kieselsäure

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>