Das Geschäft mit „Wundermitteln“ in Apotheken und Drogerien

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Die österreichische Rundfunkanstalt „ORF“ hat einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit Wundermitteln aus Apotheken und Drogerien befasst.

Zitat:

„Nicht alle Produkte, die in Apotheken verkauft werden, sind Arzneien oder haben eine klinisch nachgewiesene, gesundheitsfördernde Wirkung. Von Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln über Haarwuchswässerchen bis zum Amulett, dass angeblich davor schützt, dass einem beim Autofahren schlecht wird: die Palette ist vielfältig und reicht von medizinisch zumindest fragwürdigen Präparaten bis hin zu teuren aber völlig wirkungslosen Wundermitteln.“

Quelle:

http://help.orf.at/stories/1761282/

Kommentar & Ergänzung:

Viele Konsumentinnen und Konsumenten gehen tatsächlich davon aus, dass in den Heilmittelabteilungen von Apotheken und Drogerien nur Arzneimittel verkauft werden und dass es sich dabei um Präparate mit belegter Wirksamkeit handelt.

Ein krasser Irrtum! Das Interesse von Apotheken und Drogerien, diesen Irrtum klarzustellen, hält sich sehr in Grenzen.

Zur Illustration:

– In Apotheken und Drogerien werden Nahrungsergänzungsmittel verkauft, die beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder Heilpflanzen-Zubereitungen enthalten können. Die Packungen sehen oft aus wie Medikamente, sind aber nicht mit einer klaren Indikation versehen ( = Krankheit, bei der das Medikament angewendet werden kann). Stattdessen findet man Wischiwaschi-Angaben wie: „Hält die Gelenke fit“. Nahrungsergänzungsmittel müssen ihre Wirksamkeit nicht belegen.

 

– Präparate, die als Homöopathika registriert sind, werden vom Wirksamkeitsnachweis befreit. In diese Kategorie fallen auch homöopathische Urtinkturen, Spagyrik, Schüssler Salze, Bach-Blütentropfen. Als traditionell eingestufte pflanzliche Mittel sind ebenfalls vom Wirksamkeitsnachweis befreit (z. B. Kamillentee). Neu entwickelte Pflanzenextrakte (Phytopharmaka) und „chemische“ Arzneimittel müssen ihre Wirksamkeit vor der Zulassung belegen (was auch nicht immer sorgfältig genug geschieht).

 

Was heisst das nun?

Meiner Erfahrung nach kann man vom Personal in Apotheken und Drogerien leider nicht erwarten, dass man über diese Qualitätsunterschiede ausreichend informiert wird. Positive Ausnahmen betrachte ich als Einzelfälle.

Als Konsumentin oder Konsument kann man sich nur selber schlau machen.

Ob ein Präparat aus der Apotheke oder Drogerie wirksam ist oder nicht, lässt sich nicht einfach entscheiden.

Aber es ist schon ein erster wichtiger Schritt, sich die Frage nach der Wirksamkeit überhaupt zu stellen – bei Naturheilmitteln, Präparaten der Komplementärmedizin und bei „chemischen“ Medikamenten.

Lernen Sie also Unterschiede kennen. Fragen Sie genau und hartnäckig nach. Lassen Sie sich nicht mit Floskeln abspeisen. Sie werden sonst möglicherweise über den Tisch gezogen. Und erwerben Sie sich eigenes Fachwissen aus unabhängigen Quellen – also nicht nur gespiesen von Herstellern und Verkäufern.

P. S.: Damit kein Missverständnis aufkommt: Der grösste Unfug mit „Wundermitteln“ wird nicht in Apotheken und Drogerien betrieben, sondern im Internetversand.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

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