ADHS: Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren hilfreich?

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Die Zeitschrift „Vista“ ( Nr. 6 / 2014) befasst sich mit Möglichkeiten der Naturheilkunde bei ADHS und schreibt:

„Zu den wichtigsten Präparaten aus der Natur, die bei Hyperaktivität gern verwendet werden, gehören Omega-3-Fischöl und Omega-6-Nachtkerzenöl……In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass die Gabe von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren eine deutliche Verbesserung in Bezug auf die Lernfähigkeit hyperaktiver Kinder brachte.“

Kommentar & Ergänzung:

„In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass….“

Wenn eine solche Formulierung in einer Gesundheitszeitschrift auftaucht, ist eine gehörige Portion Skepsis angebracht.

Studien gibt es nämlich in sehr unterschiedlicher Qualität. Eine schlechte Studie beweist gar nichts. Auch mehrere schlechte Studien beweisen nichts.

Die Qualität der Studien ist entscheidend und um diese beurteilen zu können, sind Quellenangaben nötig. Wo wurden die Studien veröffentlicht? Wer hat sie durchgeführt?

Weil einzelne Studien immer fehleranfällig sind, werden mehrere Studien zur gleichen Fragestellung zusammengefasst und in einer Metaanalyse ausgewertet.

Auf dieser Basis hat sich das Portal medizin-transparent.at mit der Frage befasst, ob Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren günstig wirken bei ADHS:

„Bei Kindern, die an ADHS leiden, wurde in einigen Studien ein niedrigerer Spiegel an Omega-3 & 6 – Fettsäuren festgestellt. Daher vermuteten manche Forscher, dass ein Ausgleich des Omega-3/6-Mangels die Symptome von ADHS mildern könnte.

In einer systematischen Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wurden alle relevanten, bisher veröffentlichten klinischen Studien zu dieser Fragestellung zusammengefasst. Insgesamt wurde in 13 Studien an etwas mehr als 1000 kleinen ADHS-Patienten die Wirksamkeit von Omega-3/6-Fettsäuren untersucht. Ob sich die Auffälligkeiten und Probleme der Kinder gebessert hatte, wurde dabei sowohl von den Kindern selbst, deren Lehrer und Eltern als auch von Ärzten beurteilt. Im Vergleich zu Kindern, die nur ein Scheinpräparat (Placebo) bekamen, zeigte sich bei der Einnahme der Omega-3/6-Fettsäure-Präparate keine eindeutige Besserung.“

Die Resultate der analysierten Studien seien allerdings nur bedingt aussagekräftig, vor allem aufgrund der geringen Teilnehmerzahl, schreibt „medizin-transparent.at“ – und fährt fort:

„In vielen Fällen wurden Teilergebnisse nicht berichtet, die eine Wirksamkeit der Mittel möglicherweise in Frage gestellt hätten. Zudem wurden viele der Studien von den Herstellern der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel finanziert. Die Autoren der Übersichtsarbeit kamen daher zu dem Schluss, dass die derzeit vorhandenen Studienergebnisse nicht ausreichen, um auf einen vorteilhaften Effekt von Omega-3/6-Fettsären bei ADHS schließen zu können.“

Es gebe keine aussagekräftigen Hinweise, dass die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren zu Verbesserungen bei ADHS führe, schreiben die Autoren von „medizin-transparent“.

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/omega-fettsauren-hilfe-fur-zappelphilipps-fragwurdig

Für die Empfehlung von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren als Naturheilmittel bei ADHS in der Gesundheitszeitschrift „Vista“ fehlt eine solide Grundlage. Die Aussage, dass in mehreren Studien ein günstiger Effekt dieser Präparate nachgewiesen worden sei, wird durch die Metaanalyse der Cochrane Collaboration nicht gestützt.

„Vista“ ist keine verlässliche Informationsquelle für Gesundheitsfragen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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www.phytotherapie-seminare.ch

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