Anmassende Ratschläge für Kranke – leider kein seltenes Übel

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Wer krank ist, bekommt oft ungefragt Ratschläge jeder Art.

Ist jemand schwer krank oder gar unheilbar krank, werden die Ratschläge nicht selten eine Stufe aufdringlicher und aggressiver. Und sie sind häufig gekoppelt mit dem Vorwurf, dass die kranke Person halt selber schuld ist, wenn sie nicht auch noch Mittel X und Y probiert. „Die will ja gar nicht wirklich gesund werden“, lautet dann die mehr oder weniger durchscheinende Schlussfolgerung. Viele schwerkranke Menschen könnten ein Buch schreiben mit solchen Erfahrungen.

Melanie Schickedanz – selber an Myalgischer Enzephalomyelitis erkrankt – hat in „The Huffington Post“ die Ratschlaggeber in vier Typen unterteilt:

 

„Typ 1 – Die Person, die von etwas hört, nachfragt und wirklich helfen möchte“

Mit diesem Typ, schreibt Melanie Schickedanz, hat man als Erkrankter kein Problem.

Die folgenden Typen zählt sie zu den „schwierigen Mitmenschen“:

„Typ 2 – Die Person, die von etwas hört und einem erklärt, dass das hilft“

„Typ 3 – Vertreter von Produkten, die sich ihre Abnehmer im Bekanntenkreis und in den Medien suchen“

„Typ 4 – Der Scharlatan, der mit dem Leid und der Hoffnung kranker Menschen Geld scheffelt“

 

Quelle:

http://www.huffingtonpost.de/melanie-schickedanz/kranke-menschen-gepeinigt-scharlatane-gesundheits-vertreter_b_5521119.html?utm_hp_ref=gesundheit

Kommentar & Ergänzung:

Mir fällt auf, wie häufig solch anmassende Ratschläge aus dem Feld von Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Naturheilkunde stammen.

Meinem Eindruck handelt es sich dabei nur in wenigen Fällen um Leute, die gezielt mit den Hoffnungen von Schwerkranken Geld scheffeln wollen und dabei genau wissen, dass sie den Patientinnen und Patienten Schrott andrehen.

Scheinbar fühlen sich hier aber sehr viele Leute kompetent mitzureden, die ganz offensichtlich kaum eine Ahnung haben. Und nicht wenige sind beseelt von einer Mission und 200% überzeugt von ihrem Wundermittel. Sie können einfach nicht anders, als die ganze Welt mit ihren lebensrettenden Botschaften zu beglücken. Das ist gar nicht so viel anders wie wenn Missionare den armen Heiden die frohe Botschaft aufoktroyieren wollen – und gar nicht fragen, ob diese auch gewünscht wird (ein Teil der Missionare hat da aber dazugelernt).

Langjährig penetrant sind in dieser Hinsicht esoterische Theorien, die jeder Krankheit als Ursache einen psychischen Defekt oder Konflikt unterstellen. Folgerichtig muss sich der Kranke nur ernsthaft genug mit sich auseinandersetzen, um gesund zu werden. Geht die Krankheit nicht weg, ist das ein Hinweis, dass der Kranke gar nicht gesund werden will. „Blame the victim“ heisst das auf Englisch.

Neben diesem esoterischen Dauerbrenner gibt es im Ratschläger-Sammelsurium immer wieder auch aktuellere Modeströmungen. Gegenwärtig sind in dieser Hinsicht gerade am aufdringlichsten die AnhängerInnen des Miracle Mineral Supplement (MMS) unterwegs. Mit ihrem angeblichen Wundermittel glauben sie AIDS, Krebs, Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung, Herpes, Autismus, Hepatitis, Borreliose etc, etc. heilen zu können. MMS ist eigentlich die Lösung aller Gesundheitsprobleme. Nur schon dieser grössenfantasiegeschwängerte Anspruch sollte stutzig machen.

Auch diese Welle wird aber vorbei gehen und durch ein neues Wundermittel ersetzt werden, weil es genug Leute gibt, die den Glauben an solche Wundermittel brauchen.

Um das klar zu stellen:

Ich schreibe diesen Kommentar nicht einfach aus einer Laune heraus, um mal wieder ein paar Seitenhiebe zu verteilen oder ein bisschen herumzunörgeln.

Mir ist es mit diesem Thema sehr ernst.

Die oft anmassende bis aggressive Art, wie Schwerkranken „gute“ Ratschläge aufgedrängt werden, halte ich für eine Form psychischer Misshandlung.

Zu MMS siehe:

BfArM veröffentlicht Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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